Arthrographie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Arthrographie ist ein invasives Bildgebungsverfahren der Radiologie, das die Weichteilstrukturen von Gelenken mittels Doppelkontrastmittelgabe abbildet. Der diagnostischen und differentialdiagnostischen Methode kommt daher vor allem im Hinblick auf entzündliche und degenerative Gelenkserkrankungen Relevanz zu. Mittlerweile haben MRT und CT die Arthrographie weitestgehend abgelöst, zur Untersuchung des Schultergelenks findet sie bis heute Anwendung, dann allerdings meist in Kombination mit diesen beiden Verfahren als MR- oder CT-Arthrographie.
Was ist die Arthrographie?
Die Arthrographie ist ein bildgebendes Untersuchungsverfahren der Radiologie. Ihm kommt so vor allem diagnostische und differentialdiagnostische Bedeutung zu. Der Radiologe untersucht in dem invasiven Verfahren die Gelenke und stellt deren knöcherne Strukturen inklusive aller Weichteilstrukturen mittels Röntgenbildgebung dar.
Zu den Weichteilstrukturen zählen vor allem die knorpeligen Gelenküberzüge auf den Gelenkflächen, die Gelenkzwischenscheiben und die Gelenkflüssigkeit. Auch die Gelenkkammern, die Sehnenscheiden und die Schleimbeutel werden auf den Bildern abgebildet.
Die Darstellung dieser Strukturen erfolgt mittels einer Kontrastmittelgabe in den Gelenkraum (intraartikuläre Injektion), die alle Feinstrukturen in der Bildgebung hervortreten lässt. Auf einem konventionellen Röntgenbild wären die so dargestellten Weichteilstrukturen nicht zu sehen, wohl aber auf MRT- oder CT-Bildern. Aus diesem Grund ist die Arthrographie mit der steigenden Verbreitung von MRT und CT mittlerweile weitgehend verdrängt worden.
Funktion, Wirkung & Ziele
Am häufigsten findet diese Art der Bildgebung gegenwärtig aber im Schultergelenk statt. Die Bildgebung kann in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Folgen einer ausgerenkten Schulter an Gelenklippe und Gelenkkapsel darstellen. Indiziert ist das Verfahren auch beim Impingement-Syndrom, das heißt bei einer Einengung des Raums unter dem Schulterdach mit Einklemmung von Sehnen und Schleimbeutel. Beim Impingement-Syndrom zeigt die Arthrographie zum Beispiel eine verdickte und eingeklemmte Supraspinatus-Sehne, die funktionsbeeinträchtigend auf das Schultergelenk wirkt.
Auch zur Diagnostik einer Ruptur der Rotatorenmanschette kann eine Arthrographie dienen. Neben dem Schultergelenk lassen sich letztlich auch Gelenke wie das Ellenbogengelenk, das Handgelenk und das Hüftgelenk sowie das Kniegelenk, das Sprunggelenk oder die Fingergelenke abbilden. Meist ist die Untersuchung bei diesen Gelenkverbindungen aber nicht notwendig, da MRT oder CT dem selben Zweck dienen können.
Um eine Arthrographie vornehmen zu lassen, wendet sich der Patient an eine entsprechend ausgestattete Radiologie. Das Personal der Radiologie achtet bei der Untersuchung streng auf sterile Bedingungen. Die Haut des Patienten wird vorab zum Beispiel sorgsam desinfiziert. Der behandelnde Arzt punktiert danach den Gelenkspalt.
Meist unter Durchleuchtung injiziert er darin das Kontrastmittel. Neben positivem Röntgenkontrastmittel kommt bei einer Arthrographie auch Luft als negatives Kontrastmittel zum Einsatz, wie es zum Beispiel in der Pneumarthrographie üblich ist. Dieses Doppelkontrastverfahren stellt das Gelenk am präzisesten dar. Im Anschluss an die Kontrastmittelgabe werden Aufnahmen in zwei Ebenen erstellt und medizinisch beurteilt.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Andererseits ist die Arthrographie bei Beschwerden im Handwurzel- und Schultergelenk noch immer gebräuchlich, wird dort heute aber meist als MR- oder CT-Arthrographie durchgeführt. Von einer Arthrographie spricht man bei Röntgen-, MRT- und CT-Verfahren allerdings nur dann, wenn Kontrastmittel in das Gelenk eingebracht wird. Beim Röntgenbild dienen jodhaltiges Kontrastmittel und Luft der Darstellung der Weichteile. Beim MRT arbeitet man mit einem wasserlöslichen Kontrastmittel und beim CT finden Luft und wasserlösliches Kontrastmittel in Kombination miteinander Verwendung. Nur die konventionelle Röntgen-Arthrographie und die CT-Arthrographie arbeiten dabei mit Röntgenstrahlen; die MR-Arthrographie kommt ohne Strahlenbelastung aus.
Die mittlerweile seltene Anwendung einer tatsächlichen Arthrographie hängt nicht zuletzt mit den Risiken des invasiven Verfahrens zusammen. Im Regelfall verträgt der Patient das Verfahren zwar gut, nichtsdestotrotz kann es unter Umständen zu Nebenwirkungen kommen. Ein fachmännisches Personal ist oberste Voraussetzung für eine Arthrographie, da unter nicht-sterilen Bedingungen zum Beispiel schwere Entzündungen und Infektionen auftreten können.
Weil man während des Verfahrens unter Kontrastmittelgabe das Gelenk punktiert, kann dieser Teilschritt außerdem Schmerzen bereiten. Mit fachmännischem, erfahrenem Personal verringert sich dieses Schmerzrisiko. Früher war auch die Kontrastmittelgabe selbst mit erheblichen Risiken verbunden, da teilweise krebserregende Mittel Verwendung fanden.
Heute sind wasserlösliche Kontrastmittel in der Regel entweder jod- oder gadoliniumbasiert, was die gesundheitsschädliche Wirkung einschränkt. Trotzdem können in seltenen Fällen allergische Reaktionen auf Jod oder Gadolinium auftreten. Abgesehen davon kann die Kontrastmittelgabe Übelkeit oder Kopfschmerzen bereiten. Sportliche Aktivitäten sollten am selben Tag nicht unternommen werden.
Vor der Untersuchung nimmt der Patient an einem umfangreichen Aufklärungsgespräch teil, das ihn über alle Risiken und Nebenwirkungen in Kenntnis setzt. Er unterschreibt am Ende des Gesprächs eine Einwilligungserklärung. Bei akuten Entzündungen, Kontrastmittelallergien und Infektionen rät man in der Regel generell von dem Verfahren ab.
Geschichte & Entwicklung
Die Arthrographie gehört zu den älteren Verfahren der Gelenkdiagnostik. Nachdem sich das Röntgenbild als Werkzeug zur Darstellung der Knochen durchgesetzt hatte, blieb ein Mangel bestehen: Knorpel, Gelenkzwischenscheiben, Kapsel und Bänder sind im gewöhnlichen Röntgenbild nicht von der übrigen Weichteilmasse zu unterscheiden, weil sie die Strahlung ähnlich stark schwächen. Der Ausweg bestand darin, den Gelenkinnenraum künstlich mit einem Stoff zu füllen, der sich im Bild vom Gewebe abhebt.
Zunächst wurde dafür Luft oder Sauerstoff verwendet: Gas erscheint im Röntgenbild dunkel und zeichnet die Innenfläche des Gelenks als hellen Saum nach. Später kamen jodhaltige Lösungen hinzu, die umgekehrt hell erscheinen. Die Kombination beider Mittel, das Doppelkontrastverfahren, verband die Vorzüge: Der dünne Kontrastmittelfilm überzieht die Oberflächen, während das Gas den Gelenkraum aufspannt und die Oberflächen voneinander trennt.
Ihre größte Verbreitung erreichte die Arthrographie in der Zeit vor der Schnittbildgebung. Am Kniegelenk war sie über Jahrzehnte das Verfahren, mit dem vor einer Operation nach einem Schaden am Meniskus gesucht wurde. Mit der Verbreitung von Computertomographie und vor allem Magnetresonanztomographie ab den 1980er Jahren verlor sie diese Rolle, weil sich Weichteile nun ohne Punktion darstellen ließen. Aufgegeben wurde die Kontrastmittelgabe in das Gelenk dabei nicht - sie wurde mit den neuen Verfahren verbunden.
Die MR-Arthrographie und die CT-Arthrographie
Von einer Arthrographie wird gesprochen, sobald Kontrastmittel in den Gelenkraum eingebracht wird, unabhängig davon, mit welchem Gerät anschließend das Bild entsteht. Neben der klassischen Röntgen-Arthrographie ergeben sich daraus zwei heute häufigere Formen.
Bei der MR-Arthrographie wird eine stark verdünnte gadoliniumhaltige Lösung in das Gelenk gespritzt und die Untersuchung anschließend im Magnetresonanztomographen fortgesetzt. Die Flüssigkeit spannt die Gelenkkapsel auf und legt sich zwischen Strukturen, die sonst aneinander anliegen. Ein Einriss der Gelenklippe oder eine abgelöste Knorpelschuppe wird dadurch als Spalt sichtbar, in den das Kontrastmittel eindringt. Von dieser direkten Form, die den Regelfall darstellt und die der Begriff Arthrographie üblicherweise meint, unterscheidet die Radiologie die indirekte MR-Arthrographie: Bei ihr wird das Kontrastmittel in eine Vene gegeben und reichert sich nach Bewegung des Gelenks in der Gelenkflüssigkeit an. Sie kommt ohne Punktion aus, spannt die Kapsel aber nicht auf und ist der direkten Form daher unterlegen.
Bei der CT-Arthrographie wird stattdessen ein jodhaltiges Kontrastmittel in das Gelenk injiziert und der Gelenkbereich im Computertomographen aufgenommen. Ihre Stärke liegt in der feinen Darstellung knöcherner Strukturen und in der scharfen Abgrenzung der Knorpeloberfläche gegen das Kontrastmittel. Gewählt wird sie vor allem dann, wenn eine Magnetresonanztomographie nicht in Betracht kommt - etwa wegen bestimmter Implantate, wegen ausgeprägter Klaustrophobie oder weil Metall im Untersuchungsgebiet das Magnetresonanzbild zu stark stört.
Was der Patient bei der Untersuchung erlebt
Die Untersuchung beginnt mit der Lagerung; das betroffene Gelenk wird so eingestellt, dass der Gelenkspalt gut zugänglich ist. Nach großflächiger Desinfektion und sterilem Abdecken betäubt der Arzt die Haut über der Einstichstelle. Die Punktion selbst erfolgt unter Kontrolle - meist unter Durchleuchtung, zunehmend auch unter Ultraschallsicht -, damit die Nadelspitze sicher im Gelenkraum liegt und nicht daneben. Ob sie richtig liegt, prüft der Arzt, indem er eine kleine Menge Kontrastmittel einspritzt und beobachtet, ob sie sich im Gelenk verteilt.
Ist die Lage gesichert, wird die vorgesehene Menge eingebracht. Der Patient spürt dabei häufig ein Spannungs- oder Druckgefühl im Gelenk, weil dessen Innenraum gefüllt wird; Schmerzen entstehen in der Regel nur beim Einstich. Anschließend wird das Gelenk bewegt oder durchbewegt, damit sich das Kontrastmittel gleichmäßig verteilt und in alle Nischen gelangt. Erst danach werden die Aufnahmen angefertigt: bei der Röntgen-Arthrographie in mindestens zwei Ebenen, bei der MR- oder CT-Arthrographie in der jeweiligen Geräteuntersuchung, die sich unmittelbar anschließt.
Nach der Untersuchung wird die Einstichstelle mit einem kleinen Verband versorgt. In den Stunden danach kann das Gelenk sich voll und steif anfühlen; wurde Luft eingebracht, sind bei Bewegung mitunter knackende Geräusche zu hören, die vom Gas im Gelenkraum herrühren. Beides klingt ab, sobald Kontrastmittel und Gas aufgenommen worden sind. Zunehmender Schmerz, Rötung, Überwärmung oder Fieber gehören dagegen nicht zum üblichen Verlauf und geben Anlass zu einer ärztlichen Untersuchung, weil sie auf eine Entzündung des Gelenks hinweisen können.
Grenzen und Fehlerquellen
Die Aussagekraft der Arthrographie hängt daran, dass das Kontrastmittel dorthin gelangt, wo es hingehört. Liegt die Nadelspitze nicht im Gelenkraum, verteilt sich die Lösung im umgebenden Weichteilgewebe; das Gelenk bleibt untergefüllt, und die Beurteilung wird unsicher. Ein solcher Fehlversuch macht eine erneute Punktion erforderlich.
Auch bei richtiger Lage können Bilder entstehen, die einen Befund vortäuschen. Kleine Luftblasen, die mit der Spritze eingebracht wurden, erscheinen als runde Aussparungen und lassen sich mit freien Gelenkkörpern verwechseln. Falten der Gelenkkapsel und normale Ausbuchtungen des Gelenkraums können, wenn sie dem Betrachter nicht vertraut sind, als Einrisse fehlgedeutet werden. Umgekehrt bleibt ein Einriss unentdeckt, wenn er durch anliegende Strukturen verschlossen ist und das Kontrastmittel nicht eindringt.
Hinzu kommt ein Zeitfenster: Das Kontrastmittel wird von der Gelenkinnenhaut aufgenommen und verliert seine scharfe Abgrenzung, weshalb die Aufnahmen zügig nach der Injektion angefertigt werden. Verzögert sich der Beginn der Schnittbilduntersuchung, verliert die Darstellung an Schärfe.
Schließlich zeigt das Verfahren die Gelenkoberflächen und den Innenraum, nicht aber das, was außerhalb der Kapsel liegt. Veränderungen im Knochen selbst oder in der umgebenden Muskulatur sind ihm nicht zugänglich; sie werden in der Magnetresonanztomographie ohne Gelenkinjektion besser beurteilt. Aus demselben Grund liefert die Arthrographie eine Aussage über die Form der Strukturen, nicht über deren Belastbarkeit.
Wann welches Verfahren gewählt wird
Am Anfang der Gelenkdiagnostik stehen die Erhebung der Beschwerden und die körperliche Untersuchung, ergänzt durch das gewöhnliche Röntgenbild, das über die knöcherne Situation Auskunft gibt, und durch den Ultraschall, der oberflächennahe Sehnen und Ergüsse zeigt. Reichen diese Schritte nicht aus, folgt in der Regel die Magnetresonanztomographie ohne Kontrastmittel; sie stellt Weichteile ohne jeden Eingriff dar und ist deshalb das erste Schnittbildverfahren am Gelenk.
Die Arthrographie kommt hinzu, wenn diese Untersuchung eine Frage offenlässt, die sich nur am gefüllten Gelenk beantworten lässt. Das gilt vor allem an der Schulter: Ob die Gelenklippe eingerissen und ob ein früherer Riss verheilt ist, lässt sich am aufgespannten Gelenk sicherer beurteilen. Ähnlich verhält es sich am Handgelenk, wo die Bänder und die Zwischenscheibe zwischen den Handwurzelknochen sehr dünn sind, sowie am Hüftgelenk bei Fragen an die Gelenklippe. Auch nach einer Meniskusoperation am Kniegelenk kann die Kontrastmittelgabe helfen, einen erneuten Riss von einer Narbe zu unterscheiden.
Gegen die Arthrographie sprechen dagegen die Punktion selbst und ihre Voraussetzungen: eine Entzündung oder Infektion im Bereich der Einstichstelle, eine ausgeprägte Blutungsneigung und eine bekannte Unverträglichkeit des vorgesehenen Kontrastmittels schließen das Verfahren aus. Wo sich die Frage auch ohne Gelenkfüllung beantworten lässt, wird deshalb dem Verfahren ohne Eingriff der Vorzug gegeben.
Die Arthrographie im Kindesalter
Eine eigene Rolle spielt die Arthrographie bei Kindern, und zwar aus einem Grund, der bei Erwachsenen entfällt: Große Teile des kindlichen Skeletts bestehen noch aus Knorpel und sind im Röntgenbild deshalb gar nicht abgebildet. Beim Säugling ist der Kopf des Oberschenkelknochens knorpelig angelegt; wo er sich befindet und wie er in der Pfanne steht, lässt sich am gewöhnlichen Röntgenbild nur erschließen.
Bei der angeborenen Hüftgelenksdysplasie und bei einer Ausrenkung des Hüftgelenks kann das Kontrastmittel diese Lücke schließen. Es umspült den knorpeligen Hüftkopf und macht dessen Umriss sichtbar, ebenso die Gelenklippe und die Kapsel. Damit lässt sich beurteilen, ob der Kopf in die Pfanne zurückgeführt werden kann und ob dem etwas im Weg steht - etwa eine eingeschlagene Gelenklippe oder eine eingeengte Kapsel.
Durchgeführt wird die Untersuchung in Narkose, meist unmittelbar vor oder während des Einrenkungsversuchs, sodass Diagnostik und Behandlung in einem Vorgang zusammenfallen. Weil sie mit Punktion, Narkose und Strahlenbelastung verbunden ist, bleibt sie den Fällen vorbehalten, in denen Ultraschall und Magnetresonanztomographie keine ausreichende Antwort geben.
Typische & häufige Gelenkserkrankungen
Quellen
- Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J.: Radiologie.
ISBN: 9783131253248
- Kauffmann, G. W., Sauer, R. (Hrsg.): Radiologie.
ISBN: 9783437414176
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443136
- Hofer, M.: CT-Kursbuch.
ISBN: 9783938103258
- Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., Pohlemann, T. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783131406439
