Atlanto-axiale Subluxation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Atlanto-axialen Subluxation handelt es sich um einen Zustand, in dem ein bestimmtes Gelenk unvollständig ausgerenkt ist. Die Erkrankung wird in einigen Fällen auch mit der geläufigen Abkürzung AASL von Medizinern bezeichnet. Das betroffene Gelenk ist in der Regel jenes, welches sich zwischen dem ersten und zweiten Wirbel im Bereich des Halses befindet. Die Ursache für die Atlanto-axiale Subluxation ist meist ein instabiler Aufbau der Gelenke. Die Atlanto-axiale Subluxation schädigt unter Umständen das Mark des Rückens.
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Was ist eine Atlanto-axiale Subluxation?
Im Rahmen der Atlanto-axialen Subluxation ist ein spezielles Gelenk nicht komplett ausgerenkt. Das von der Erkrankung betroffene Gelenk ist in der Halswirbelsäule lokalisiert. Bleibt die Krankheit unbehandelt oder wird erst zu spät beziehungsweise nur unzureichend therapiert, ergeben sich unter Umständen Schädigungen am Mark des Rückens.
Aus diesem Grund ist eine rechtzeitige Diagnose der Atlanto-axialen Subluxation von besonders großer Bedeutung. Bei entsprechenden Beschwerden der Erkrankung ist ein geeigneter Facharzt zu befragen, damit eine adäquate Behandlung eingeleitet wird.
Ursachen
Grundsätzlich sind unterschiedliche Faktoren bekannt, die eine Atlanto-axiale Subluxation hervorrufen. Zum einen handelt es sich bei einem Teil der betroffenen Patienten um eine Missbildung, die bereits von Geburt an besteht. Im Rahmen dieser Anomalie ist der sogenannte Dens axis nicht wie bei gesunden Personen entwickelt, sondern weist eine unvollständige Form auf. Beim Dens axis handelt es sich um den zahnförmigen Fortsatz jenes Halswirbels, der sich an zweiter Stelle befindet.
Von dieser Missbildung sind nicht nur manche Menschen, sondern auch bestimmte Hunde betroffen. Dabei handelt es sich meist um Hunderassen von geringer Größe. Mitunter sind die Haltebänder des entsprechenden Halswirbels fehlerhaft ausgebildet, sodass sich eine Atlanto-axiale Subluxation entwickelt. In manchen Fällen sitzen die Haltebänder zu locker oder gar schlaff.
Dies ist zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Marfan-Syndrom oder Down-Syndrom möglich. Das Down-Syndrom ist dabei die wichtigste Risikogruppe: Bei bis zu 15 Prozent der Betroffenen sind die Bänder zwischen erstem und zweitem Halswirbel so locker, dass eine atlantoaxiale Instabilität vorliegt. Zudem zeigen sich derartige Beschwerden gehäuft in Verbindung mit der Kniest-Dysplasie oder dem sogenannten Larsen-Syndrom. Die Atlanto-axiale Subluxation wird bei einigen Patienten durch einen Bruch des Dens axis ausgelöst.
Auch ein knöcherner Ausriss des Bandes stellt einen potentiellen Faktor für die Entstehung der Subluxation dar. Darüber hinaus zeigen Beobachtungen, dass sich die Atlanto-axiale Subluxation gehäuft im Zusammenhang mit einer juvenilen idiopathischen Arthritis oder einer Polyarthritis mit chronischem Verlauf entwickelt. Diese Form wird heute als rheumatoide Arthritis bezeichnet; sie zählt neben dem Down-Syndrom zu den häufigsten Ursachen einer erworbenen Instabilität, weil die anhaltende Entzündung die Haltebänder und den Dens axis zerstört. Bei Kindern kommt eine Sonderform vor, bei der sich der Halswirbel nach einem Racheninfekt oder einer Mandeloperation verschiebt (Grisel-Syndrom); sie wird in der Regel konservativ behandelt.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
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Die Beschwerden und Anzeichen der Atlanto-axialen Subluxation richten sich vor allem danach, wie stark das Mark des Rückens bereits durch die Krankheit geschädigt wurde. Bei zahlreichen erkrankten Personen treten Schmerzen in der Halsgegend auf. Diese verstärken sich, wenn die Patienten den Hals beugen. Als Warnzeichen gelten Nackenschmerzen mit einer Schiefhaltung des Kopfes, eine zunehmende Gangunsicherheit sowie Missempfindungen oder Ungeschicklichkeit der Hände.
Außerdem sind bei manchen Personen die Extremitäten gelähmt, was mit medizinischem Fachbegriff als Tetraparese bezeichnet wird. Mitunter ist auch die sogenannte Propriozeption beeinträchtigt. In einigen Fällen ist der Gang durch die Atlanto-axiale Subluxation erheblich gestört. In diesem Zusammenhang treten zum Beispiel eine Gangunsicherheit oder Ataxien auf.
Im Rahmen der von Geburt an bestehenden Atlanto-axialen Subluxation entwickeln sich die typischen Beschwerden der Erkrankung in der Regel im ersten Jahr nach der Entbindung. Anders verhält es sich bei Atlanto-axialen Subluxationen infolge von Traumata. In solchen Fällen treten die Symptome der Erkrankung perakut und unverhofft auf. Dabei leiden die Patienten teilweise an einer kompletten Lähmung der Extremitäten.
Diagnose & Verlauf
Bei der Stellung der Diagnose spielen die Beschwerden der Atlanto-axialen Subluxation und deren bildliche Darstellung die wichtigste Rolle. Patienten mit den Leitsymptomen der Krankheit ist der Besuch eines Arztes zu empfehlen, um Gewissheit über die Krankheitsanzeichen zu erlangen und eine entsprechende Therapie einzuleiten. Während des Patientengesprächs versucht der behandelnde Arzt, die Ursachen der Erkrankung zu ergründen.
Da die Atlanto-axiale Subluxation in einigen Fällen angeboren ist, führt der Arzt auch eine Familienanamnese durch. Danach untersucht er den Patienten klinisch mittels diverser Untersuchungsverfahren. Zuerst kommt meist eine Röntgenuntersuchung zum Einsatz, um die individuelle Ausprägung der Anomalie des Knochens bildlich darzustellen. In der Regel sind auf diese Weise auch die Folgen traumatischer Einwirkungen gut erkennbar.
Daneben wird bei einem Teil der erkrankten Patienten auch eine MRT-Untersuchung durchgeführt, bei der es sich ebenfalls um ein bildgebendes Verfahren handelt. Mit Hilfe dieser Untersuchung ist die Ausprägung der Beeinträchtigung des Rückenmarks abschätzbar. Um die knöcherne Situation am Übergang zwischen Kopf und Halswirbelsäule genau zu beurteilen, wird heute zusätzlich meist eine Computertomographie angefertigt.
Komplikationen
In den meisten Fällen hängen die Komplikationen und die Beschwerden dieser Krankheit stark davon ab, wie weit das Rückenmark schon geschädigt wurde. Meistens treten allerdings starke Schmerzen am Hals auf, wenn sich die Patienten beugen oder bücken. Nicht selten kommt es auch zu Lähmungen der Extremitäten der Patienten, sodass der Patient dadurch an Bewegungseinschränkungen leidet.
Die Lebensqualität wird durch die Krankheit stark verringert. Hierbei kann es im schlimmsten Falle zu einer kompletten Lähmung aller Extremitäten kommen, sodass eine gewöhnliche Fortbewegung nicht mehr möglich ist. Der Betroffene ist dabei auf Gehhilfen oder auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen.
Die Behandlung oder die Therapie erfolgt kausal. Allerdings ist es nicht möglich, die angeborene Krankheit vollständig zu behandeln. Falls es zu den Einschränkungen durch ein Trauma oder durch einen Unfall gekommen ist, können hierbei Therapien eingesetzt werden, die die Beweglichkeit des Gelenks erhöhen.
Hierbei können auch operative Eingriffe eingesetzt werden. Falls die Lähmung allerdings den gesamten Körper betrifft, ist in vielen Fällen keine Heilung mehr möglich und der Betroffene muss sein gesamtes Leben mit den Symptomen leben.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei dieser Krankheit sollte immer dann ein Arzt aufgesucht werden, wenn schon die ersten Beschwerden auftreten. Je früher diese Krankheit diagnostiziert wird, desto mehr Komplikationen und Folgeschäden können durch eine entsprechende Behandlung eingeschränkt werden. In der Regel zeigt sich die Erkrankung durch Schmerzen im Rücken und im Bereich des Nackens. Sollten diese Schmerzen langfristig auftreten und nicht von alleine wieder verschwinden, so ist ein Besuch beim Arzt auf jeden Fall notwendig.
Auch der Gang des Betroffenen kann durch die Krankheit eingeschränkt werden, sodass es zu Gangbeschwerden oder zu Bewegungseinschränkungen kommt. Beim Eintritt dieser Symptome ist ebenso ein Arzt aufzusuchen. Weiterhin führt die Krankheit auch zu Störungen der Sensibilität oder zu vollständigen Lähmungen der einzelnen Extremitäten.
Auch in diesen Extremfällen ist ein Besuch beim Arzt notwendig. Solange der Verdacht nicht durch eine Bildgebung geklärt ist, darf der Hals weder ruckartig bewegt noch eingerenkt werden: Chiropraktische Manipulationen an der oberen Halswirbelsäule können das Rückenmark einklemmen und bleibende Lähmungen verursachen. In der Regel kann die Krankheit durch einen Allgemeinarzt diagnostiziert werden. Die weitere Behandlung erfolgt dann durch Therapeuten und andere Fachärzte. Allerdings kann ein vollständig positiver Krankheitsverlauf nicht in jedem Fall garantiert werden, sodass die Patienten möglicherweise ihr Leben lang mit Einschränkungen verbringen müssen.
Behandlung & Therapie
Die Therapie der Atlanto-axialen Subluxation erfolgt im Hinblick auf die individuellen Symptome der Patienten. Wenn lediglich eine Instabilität vorliegt, ist in zahlreichen Fällen keine therapeutische Intervention notwendig. Die Schädigung am Mark des Rückens ist meist der ausschlaggebende Faktor für oder gegen eine Therapie. Möglich ist zum Beispiel ein operativer Eingriff, in dessen Rahmen das Gelenk stabilisiert wird.
Patienten, die seit der Geburt an der Atlanto-axialen Subluxation leiden, weisen in der Regel eine relativ gute Prognose auf. Auch die Beschwerden sind im Vergleich zu erworbenen Subluxationen eher mild ausgeprägt. Weitaus schlechter steht die Prognose in Fällen, in denen die Atlanto-axiale Subluxation als Folge traumatischer Einwirkungen entstanden ist und die mit einer Lähmung der Extremitäten verbunden ist.
Aussicht & Prognose
Die Prognose einer Atlanto-axialen Subluxation ist abhängig von dem Zeitpunkt der Diagnose, einem möglichen Behandlungsbeginn und der vorliegenden Ursache. Dennoch gelten die Aussichten auf eine Beschwerdefreiheit insgesamt als gut. Je später die Therapie beginnen kann, desto höher ist das Risiko für Folgeerkrankungen oder dauerhafte Beeinträchtigungen.
Bei einer schnellen Lokalisation der Ursache für vorhandene Beschwerden besteht eine gute Prognose. Die Fehlstellung wird dabei unter Röntgenkontrolle vorsichtig ausgeglichen und der Hals anschließend mit einer Halskrause oder operativ stabilisiert; ein Einrenken durch ruckartige Griffe eines Orthopäden oder Chiropraktikers ist wegen der Gefahr für das Rückenmark ausdrücklich nicht zulässig.
Anschließend benötigt der Organismus einige Zeit der Heilung und Beruhigung der Nervenfasern, bevor der Patient als beschwerdefrei gilt. Bei einer verzögerten Behandlungsmöglichkeit können Schäden am Rückenmark eintreten. Diese gelten meist als irreversibel und müssen in weiteren Therapien behandelt werden. In schweren Fällen ist ein operativer Eingriff notwendig, um die Funktionsfähigkeit des Skelettsystems wiederherzustellen.
Wird ein Kind mit einer Atlanto-axialen Subluxation geboren, bestehen ebenfalls gute Chancen einer dauerhaften Heilung. Liegen weitere Symptome wie Lähmungen oder ein Trauma vor, ist die Prognose insgesamt etwas ungünstiger. Sind die Beschwerden bei einem Unfall erworben worden, hängen die Heilungsaussichten von den gesamten Unfallschäden und Verletzungen ab. Es besteht die Möglichkeit, dass es zu lebenslangen Beeinträchtigungen kommt, da einzelne Regionen über die Nerven oder Muskeln nicht mehr ausreichend versorgt werden.
Vorbeugung
Einer Atlanto-axialen Subluxation lässt sich lediglich in Fällen vorbeugen, in denen es sich nicht um eine angeborene Erkrankung handelt.
Nachsorge
Dem Betroffenen stehen bei dieser Krankheit in der Regel nur sehr wenige Maßnahmen und Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung. Bei dieser Krankheit ist in erster Linie eine schnelle Diagnose mit einer anschließenden Behandlung erforderlich, da nur dadurch die weiteren Beschwerden und Komplikationen vermieden werden können. Hierbei kann es auch nicht zu einer Selbstheilung kommen, sodass eine Behandlung auf jeden Fall durchgeführt werden muss.
Nicht immer muss die Krankheit behandelt werden. Dabei richtet sich die Behandlung nach der genauen Ausprägung der Beschwerden. Es sollten allerdings regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen durch einen Arzt durchgeführt werden, um weitere Schäden zu erkennen. In schwerwiegenden Fällen sind die Betroffenen nicht selten auf Maßnahmen einer Physiotherapie angewiesen.
Dabei können viele der Übungen aus solch einer Therapie auch im eigenen Zuhause durchgeführt werden. Dadurch wird die Heilung beschleunigt. Die Pflege und die Unterstützung durch Freunde oder durch die eigene Familie kann sich positiv auf den weiteren Verlauf der Krankheit auswirken und andere Beschwerden verhindern. Bei rechtzeitiger Behandlung wirkt sich die Krankheit in der Regel nicht negativ auf die Lebenserwartung des Betroffenen aus. Weitere Maßnahmen einer Nachsorge sind dabei nicht notwendig.
Das können Sie selbst tun
Bei der konservativen Behandlung erhält der Patient gegen den Schmerz cortisonfreie Rheumamittel (NSAR). Mit Massagen und Krankengymnastik stehen weitere Möglichkeiten zur Verfügung, den Schmerz auszugleichen. Zudem dienen diese Therapien dazu, ein Fortschreiten der Ausrenkung zu verhindern und das Rückenmark zu schützen. Mit einer Halskrause wird der geschädigte Gelenkkomplex am Hals stabilisiert.
Als am wirksamsten hat sich gegen die Beeinträchtigung ein chirurgischer Eingriff mit Osteosynthese-Maßnahmen erwiesen, bei denen die Gelenke mit Zugschraube, Kirschner-Draht und Cerclage stabilisiert werden. Insbesondere bei einem angeborenen Krankheitsbild kann ein solcher Eingriff für deutliche Linderung und mehr Bewegungsfreiheit sorgen. Da das Bücken den Hals beansprucht, kann eine Greifzange dabei helfen, den Alltag möglichst schmerzfrei zu meistern.
Mit der ATLANTOtec® Atlaskorrektur Technik gibt es heute ein alternatives, massagenunterstütztes Verfahren, das bei Patienten für gute Erfolge gesorgt hat und neue Hoffnungen gibt. Die Entwickler und Anwender dieses Verfahrens halten hier eine dauerhafte Lösung des Problems ohne Spritzen und Operationen für möglich.
Eine speziell entwickelte Massage, die gezielt am Atlas einsetzt, soll die Verrenkungen im Halsbereich allmählich ausgleichen und den Heilungsprozess in Gang bringen. Nach der Linderung der Verrenkung nach einigen Monaten soll die verbleibende Knochenfehlstellung mittels modernster Bildauflösungen lokalisiert und durch eine abschließende Justierung angegangen werden.
Ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis liegt für dieses Verfahren allerdings nicht vor. Ist eine Instabilität zwischen erstem und zweitem Halswirbel gesichert, sind manuelle Behandlungen am Atlas grundsätzlich zu unterlassen, da sie das Rückenmark schädigen können.
Quellen
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443136
- Grifka, J., Kuster, M. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783662716083
- Konrads, C., Rudert, M. (Hrsg.): Klinische Tests und Untersuchung in Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Hettenkofer, H.-J., Schneider, M., Braun, J. (Hrsg.): Rheumatologie.
ISBN: 9783136578063
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
