Polyarthritis

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter dem medizinischen Begriff Polyarthritis versteht der Mediziner eine gleichzeitig auftretende Entzündung von mehreren Gelenken. Eine der häufigsten Formen der Gelenkentzündung ist die sogenannte rheumatoide Arthritis. Des Weiteren sind oftmals auch Infektionen ein Grund, weshalb eine Gelenkentzündung entsteht. Ebenfalls können Stoffwechselerkrankungen eine Ursache darstellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Polyarthritis?

Rheuma
Infogramm zu den Schmerzregionen und den betroffenen Gelenken bei rheumatoider Arthritis. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Ist mehr als ein Gelenk von einer Entzündung betroffen, spricht der Mediziner von der Polyarthritis. Das Wort Arthritis setzt sich aus dem griechischen "Arthron" - das Gelenk - sowie der Endung "-itis" - die "Entzündung" - zusammen, wobei der Begriff "Poly" die plurale Bedeutung darstellt. Ist nur ein Gelenk von der Entzündung betroffen, handelt es sich um eine Monoarthritis.

Eine dementsprechende Entzündung kann spontan auftreten, wobei man hier von einer akuten Arthritis spricht. Dauert die Entzündung länger an bzw. tritt diese immer wieder auf, spricht der Mediziner von einer chronischen Erkrankung, die im Volksmund auch gerne als Rheuma bezeichnet wird.

Ursachen

Es gibt unterschiedliche Arten und Formen einer Polyarthritis. Die häufigsten Ursachen sind Infektionen, Stoffwechselerkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen und der Gelenkverschleiß. Bei der Infektion sind Bakterien sowie andere Erreger für die Entzündung verantwortlich. Der Gelenkverschleiß löst allerdings nur dann eine Entzündung aus, wenn eine sogenannte aktivierte Arthrose vorliegt; er ist von der entzündlich-rheumatischen Polyarthritis abzugrenzen.

Sie treten über eine offene Wunde ein und infizieren sodann die betroffenen Gelenke. Klassische Erreger sind Streptokokken, Staphylokokken, Salmonellen sowie die Haemophilus influenzae und das Escherichia coli. Liegt eine Autoimmunerkrankung vor, attackiert das eigene Immunsystem die Gelenke. Typische Autoimmunerkrankungen, welche eine Polyarthritis auslösen, sind etwa die Schuppenflechte, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa sowie Morbus Bechterew oder die rheumatoide Arthritis (Rheuma).

Die chronische Polyarthritis zählt zu den häufigsten Formen einer Gelenksentzündung. Ebenfalls sind Stoffwechselerkrankungen für eine Polyarthritis verantwortlich. Häufig leiden Patienten an einer Polyarthritis, wenn sie an der Gicht erkrankt sind. Die Entzündung wird dabei durch die Harnsäureerhöhung ausgelöst, die im Volksmund auch unter Gichtanfall bekannt ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Typische Anzeichen für eine Polyarthritis sind Gelenkschmerzen, die überwiegend in Ruhe auftreten und mit Schwellungen der Gelenke einhergehen. In der Regel besteht eine Morgensteifigkeit, die sich durch Bewegung der entzündeten Gelenke nach einiger Zeit bessert. Sie hält bei einer entzündlichen Polyarthritis typischerweise länger als eine Stunde an und unterscheidet die Erkrankung damit vom Gelenkverschleiß (Arthrose), bei dem die Steifigkeit meist schon nach wenigen Minuten nachlässt. Zu Beginn der Erkrankung sind meist die Finger- und Handgelenke beider Hände betroffen, wobei die Fingerendgelenke von der Entzündung verschont bleiben.

Auch Beuge- und Strecksehnen der Finger können in Mitleidenschaft gezogen werden. Im weiteren Verlauf entstehen durch den fortschreitenden Knochen- und Knorpelabbau Fehlstellungen der entsprechenden Gelenke, die zu deutlichen Bewegungseinschränkungen führen. Die Feinmotorik lässt stark nach, später können selbst alltägliche Handgriffe wie etwa das Binden von Schnürsenkeln nicht mehr ausgeführt werden.

Auch größere Gelenke wie Schulter, Ellenbogen, Hüfte oder Knie können von der Erkrankung betroffen sein. Eine Beteiligung der Halswirbelsäule ist ebenfalls möglich, polyarthritische Veränderungen an anderen Teilen der Wirbelsäule sind untypisch. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen breitet sich die Polyarthritis auf andere Organe aus.

Häufig kommen Entzündungen der Blutgefäße vor, die Durchblutungsstörungen und eine Koronare Herzkrankheit zur Folge haben können. Nervenschädigungen im Bereich der entzündeten Gelenke machen sich durch Empfindungsstörungen, Taubheitsgefühl, brennende Schmerzen und gelegentlich Lähmungserscheinungen bemerkbar. Ein Befall der Tränen- und Speicheldrüsen äußert sich durch Mundtrockenheit und trockene Augen.

Diagnose & Verlauf

Der Arzt benötigt, um eine Polyarthritis zu diagnostizieren, einige Untersuchungsschritte. Vorwiegend erhebt er die Krankengeschichte des Patienten und befragt diesen nach allfälligen Symptomen. Danach erfolgen die körperlichen Untersuchungen sowie die Überprüfung der Blutwerte. Ebenfalls fertigt der behandelnde Arzt eine Röntgenbildaufnahme von den betroffenen Gelenken an. Das Röntgenbild zeigt Gelenkschäden allerdings erst, wenn sie bereits eingetreten sind. Heute werden deshalb zusätzlich Ultraschall und Kernspintomographie eingesetzt, die Entzündungen an Gelenkinnenhaut und Sehnenscheiden deutlich früher sichtbar machen.

In erster Linie geben bereits die Symptome, welche die Patienten schildern, einen relativ guten Einblick darüber, ob eine Polyarthritis vorliegt. Der Arzt muss jedoch, damit er eine treffsichere Diagnose liefern kann, auch folgende Fragen beantworten, wie etwa, welche Gelenke betroffen sind und welche Beschwerden aufgetreten sind. Ebenfalls ist es von Vorteil, dass der Patient bekannt gibt, seit wann er unter den beschriebenen Beschwerden leidet. Auch die Tatsache, ob das Gelenk stärker belastet wurde (etwa auf Grund von verschiedenen Sportarten) oder ob eine Grunderkrankung (beispielsweise die Gicht) vorliegt, sind entscheidende Faktoren für die Diagnose.

Der Mediziner untersucht das betroffene Gelenk auf die Tatsache, ob eine Schwellung oder Rötung vorliegt. Bei einer Polyarthritis ist oftmals der Entzündungswert im Blut erhöht. Klassische Merkmale sind eine Erhöhung der Leukozyten (die weißen Blutkörperchen), der Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie des CRP (dem C-reaktiven Protein). Wichtige weitere Laborwerte sind der Rheumafaktor und die Antikörper gegen citrullinierte Peptide (Anti-CCP-Antikörper). Letztere sprechen sehr zuverlässig für eine rheumatoide Arthritis und lassen sich häufig schon nachweisen, bevor im Röntgenbild Veränderungen zu erkennen sind.

Der Verlauf der Krankheit hängt im Regelfall davon ab, weshalb die Polyarthritis entstanden ist. Handelt es sich um eine Infektion, kann die Entzündung nach einer rechtzeitigen Behandlung ausheilen. Je später sie behandelt wird, desto eher bleiben dauerhafte Schäden am Gelenk zurück. Bei chronischen Formen der Polyarthritis ist es möglich, dass der Prozess der Entzündung gebremst wird. Eine Heilung ist jedoch nicht möglich. Früher galt ein fortschreitender Verlauf mit zunehmender Verschlechterung als unvermeidlich. Nach heutigem Kenntnisstand lässt sich die Entzündung dagegen bei einem großen Teil der Patienten zum Stillstand bringen (Remission), wenn früh mit einer entzündungshemmenden Basistherapie begonnen wird.

Komplikationen

Bei einer Polyarthritis besteht das Risiko von verschiedenen Komplikationen, wenn keine oder eine falsche Behandlung des Leidens stattfindet. So drohen Folgeerkrankungen, schwere Schäden an den Gelenken sowie eine Verschlechterung der Lebensqualität. Die chronische Polyarthritis zählt zu den systemischen Erkrankungen.

Das bedeutet, dass sich die Entzündung auf innere Organe wie Lunge und Herz ausbreiten kann. Gleiches gilt für die Gefäße. Im schlimmsten Fall droht durch die rheumatoide Arthritis die Versteifung oder Deformität der Gelenke, sodass eine Invalidität entsteht. Die Folgeerscheinungen der Polyarthritis wirken sich auf ganz alltägliche Dinge aus.

So ist die betroffene Person mitunter nicht mehr in der Lage am Computer zu arbeiten, weil sie Maus und Tastatur nicht mehr bedienen kann. Darüber hinaus werden berufliche Tätigkeiten oder das Alltagsleben beeinträchtigt. Nicht selten leiden die Patienten durch die Polyarthritis auch unter Störungen ihrer Nachtruhe.

Bei vielen Erkrankten wirken sich diese Einschränkungen der Lebensqualität schließlich auch auf deren Psyche aus. Dabei fühlen sich die betroffenen Personen hilflos oder nutzlos. In schweren Fällen drohen Angstzustände sowie klinische Depressionen.

Eine schwerwiegende Auswirkung der Polyarthritis stellen Herzentzündungen wie eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder Perikarditis (Herzbeutelentzündung) dar. Infolgedessen droht wiederum eine kongestive Herzinsuffizienz. Dabei ist das Herz nicht mehr imstande, das Blut störungsfrei durch den Körper zu leiten. Als weitere Komplikationen der Polyarthritis kommen eine Anämie (Blutarmut), eine Osteoporose (Knochenschwund) oder das Sjögren-Syndrom infrage.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Schmerzen, Unwohlsein oder eine Gereiztheit in den Gelenken gelten als ungewöhnlich. Halten die Beschwerden an, treten sie wiederholt auf oder nehmen sie an Intensität zu, wird ein Arzt benötigt. Beruhen die Unregelmäßigkeiten auf einer körperlichen Überbeanspruchung, sollten die betroffenen Stellen gekühlt werden. Nach einiger Zeit der Ruhe und Schonung kommt es im Normalfall zu einer Linderung und anschließenden Beschwerdefreiheit. Ein Arzt wird in diesen Fällen nur dann nicht benötigt, wenn die Beschwerden innerhalb weniger Tage vollständig abklingen. Bei Schwellungen, Veränderungen des Hautbildes oder einer Morgensteifheit besteht Anlass zu Besorgnis. Kommt es zu Beeinträchtigungen der Beweglichkeit oder können Streck- und Beugebewegungen nicht mehr vollständig ausgeführt werden, ist ein Arztbesuch anzuraten. Schwillt dagegen ein einzelnes Gelenk innerhalb von Stunden stark an, ist es überwärmt, gerötet und kaum noch bewegbar, womöglich zusammen mit Fieber und Schüttelfrost, darf nicht abgewartet werden: Dahinter kann eine bakterielle Gelenkentzündung stecken, die noch am selben Tag behandelt werden muss, weil der Gelenkknorpel sonst dauerhaft zerstört wird.

Bei einer Abnahme der körperlichen Belastbarkeit, einer leicht erhöhten Körpertemperatur, einem Krankheitsgefühl sowie bei allgemeinen Unsicherheiten bei der Fortbewegung wird ein Arzt benötigt. Zeigen sich Störungen der Feinmotorik, ein Wärmeempfinden in den Gelenken und Fehlhaltungen, sollte ein Arzt konsultiert werden. Leidet der Betroffene neben den körperlichen Unregelmäßigkeiten zusätzlich unter emotionalen oder seelischen Auffälligkeiten, ist die Rücksprache mit einem Arzt ebenfalls notwendig. Weinerlichkeit, depressive Verstimmungen, ein Rückzugsverhalten oder aggressive Tendenzen sind Hinweise einer gesundheitlichen Störung, die untersucht und behandelt werden muss. Schlafstörungen, Probleme der Konzentration sowie ein Verlust der Lebensqualität sollten mit einem Arzt besprochen werden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Polyarthritis richtet sich nach der Ursache, weshalb die Entzündungen aufgetreten sind. Bei einer akuten Entzündung werden die betroffenen Gelenke zunächst geschont und gekühlt. Bei der chronischen, rheumatisch bedingten Polyarthritis gilt eine dauerhafte Ruhigstellung allerdings als überholt: Sie fördert Muskelabbau und Versteifung, weshalb heute eine regelmäßige, gelenkschonende Bewegung empfohlen wird. Schmerzmittel helfen, dass die Symptome behandelt werden; ebenfalls verordnen viele Mediziner entzündungshemmende Medikamente sowie auch Glukokortikoide (besser bekannt unter "Cortison"). Schmerzmittel und Cortison lindern jedoch nur die Beschwerden und halten die Gelenkzerstörung nicht auf. Cortison ist deshalb keine Dauerlösung, sondern soll vor allem die Zeit überbrücken, bis die Basistherapie wirkt, und danach möglichst rasch wieder ausgeschlichen werden.

Handelt es sich um eine durch Bakterien verursachte Gelenkentzündung, helfen Antibiotika; bei den rheumatisch bedingten Formen sind sie dagegen wirkungslos. Gegen diese kommen spezielle Medikamente gegen Rheuma zum Einsatz. Bei der rheumatoiden Arthritis, der häufigsten chronischen Form, steht heute die sogenannte Basistherapie im Mittelpunkt. Sie greift in das fehlgeleitete Immunsystem ein und wird als Ankermedikament meist mit Methotrexat begonnen. Methotrexat wird bei rheumatischen Erkrankungen nur einmal pro Woche eingenommen, immer am selben Wochentag; eine versehentlich tägliche Einnahme kann lebensgefährlich sein. Entscheidend ist dabei das Zeitfenster: Je früher die Basistherapie einsetzt, desto besser lassen sich Gelenkzerstörungen verhindern. Fachgesellschaften empfehlen deshalb, mit ihr bereits in den ersten Wochen nach Sicherung der Diagnose zu beginnen. Behandlungsziel ist ein Stillstand der Entzündung, der in regelmäßigen Abständen überprüft wird; reicht Methotrexat nicht aus, kommen sogenannte Biologika und weitere gezielt wirkende Medikamente hinzu. Viele Mediziner empfehlen auch eine Operation zur Linderung der Symptome bzw. Heilung der Entzündung. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind die Krankengymnastik, Ergotherapie sowie physikalische Therapien.

Vor allem kommen bei chronischen Erkrankungen letztere Therapiemöglichkeiten oftmals zur Anwendung, da viele Patienten bereits über "steife" Gelenke klagen.


Vorbeugung

Der Patient kann einer Polyarthritis sehr wohl vorbeugen. Wichtig ist, dass die Gelenke regelmäßig bewegt werden und eine gleichmäßige Belastung stattfindet. Begünstigt wird dies mit täglichen Spaziergängen, Radfahren, Gymnastik oder auch Schwimmen.

Des Weiteren ist es wichtig, dass Verletzungen rechtzeitig behandelt werden. Vor allem offene Wunden (in Gelenksnähe) sollten dementsprechend versorgt werden, damit keine Entzündungen in den Gelenken entstehen. Ebenfalls ist es wichtig, dass Grunderkrankungen, wie etwa Gicht, regelmäßig behandelt und therapiert werden. Nur bei einer regelmäßigen Einnahme der verordneten Medikamente ist eine Verhinderung der Polyarthritis möglich. Der chronisch-entzündlichen Polyarthritis im Sinne einer rheumatoiden Arthritis lässt sich dagegen nicht vorbeugen; hier kommt es darauf an, sie früh zu erkennen und zu behandeln.

Nachsorge

Betroffenen stehen bei einer Polyarthritis nur wenige Maßnahmen oder Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung, sodass bei dieser Krankheit in erster Linie ein Arzt schnellstmöglich aufgesucht werden sollte, um weitere Komplikationen oder Beschwerden zu verhindern. Eine frühe Diagnose wirkt sich dabei in der Regel sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus und kann dabei auch weitere Komplikationen verhindern.

Daher sollten Betroffene schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen der Polyarthritis einen Arzt kontaktieren. Die meisten Betroffenen sind dabei auf die Einnahme von verschiedenen Medikamenten angewiesen. Dabei sollte immer die richtige Dosierung und auch die regelmäßige Einnahme beachtet werden, um die Beschwerden richtig und dauerhaft zu lindern.

Bei der Einnahme von Antibiotika ist ebenso zu beachten, dass einige von ihnen nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden dürfen. Weiterhin kann die Polyarthritis mit Hilfe von Maßnahmen einer Krankengymnastik oder einer Physiotherapie gut gelindert werden. Dabei kann der Betroffene viele der Übungen auch im eigenen Zuhause durchführen und die Behandlung dadurch beschleunigen. Oft sind die Betroffenen auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen, wobei sich vor allem die Hilfe und die Pflege durch die eigene Familie positiv auf den weiteren Verlauf der Krankheit auswirkt.

Das können Sie selbst tun

Die Polyarthritis ist die bekannteste Form rheumatischer Erkrankungen. Liegt ihr eine chronische Entzündung zugrunde, ist sie nicht heilbar. Dennoch kann ihr Verlauf gelindert werden.

Zu den vom Arzt verschriebenen Medikamenten können Nahrungsergänzungsmittel helfen, wie beispielsweise die Wirkstoffe Chondroitinsulfat, N-Acetyl-Glucosamin und D-Glucosaminsulfat. Chondroitinsulfat ist ein wasserbindender Bestandteil der körpereigenen Knorpelsubstanz. Es sorgt dafür, dass der Gelenkknorpel elastisch bleibt. Auch Glucosaminsulfat ist ein Baustoff der Körpergewebsarten, die Knorpel, Sehnen und Bänder bilden. N-Acetyl-Glucosamin soll die Knorpelzellen dazu stimulieren, vermehrt Kollagen zu produzieren. Die Wirkung der oben genannten Stoffe wurde von Studien genauso oft bestätigt wie widerlegt, ihre Einnahme wird jedoch von manchen Betroffenen als hilfreich empfunden. Diese Knorpelbausteine sind zudem für den Gelenkverschleiß (Arthrose) gedacht und nicht für die entzündlich-rheumatische Polyarthritis; die entzündungshemmende Basistherapie können sie in keinem Fall ersetzen.

Auch die Ernährung kann eine Polyarthritis positiv beeinflussen. Häufig empfohlen wird eine basenreiche Ernährung, die die Entzündung im Körper nicht weiter anfachen soll. Daher sollte die Diät fleischarm sein, aber viel Kalzium und Vitamine enthalten. Sauerkirschen oder Sauerkirschsaft sollen ebenfalls die Entzündungswerte im Blut senken. Das haben Wissenschaftler in Portland herausgefunden. Ein Einfluss des Säure-Basen-Haushalts auf rheumatische Entzündungen ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt. Besser untersucht ist die mediterrane Kost mit viel Gemüse, Olivenöl und Seefisch: Die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können die Entzündungswerte senken.

Für viele Patienten ist es entlastend, wenn sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können. Die Deutsche Rheumaliga (www.rheuma-liga.de) gibt Hilfe zur Selbsthilfe, ist in jedem Bundesland vertreten und kann mit Informationen und Anlaufstellen weiterhelfen.

Quellen

  • Hettenkofer, H.-J., Schneider, M., Braun, J. (Hrsg.): Rheumatologie.
    ISBN: 9783136578063
  • Zeidler, H., Michel, B. A. (Hrsg.): Differenzialdiagnose rheumatischer Erkrankungen.
    ISBN: 9783662565742
  • Manger, B., Schulze-Koops, H. (Hrsg.): Checkliste Rheumatologie.
    ISBN: 9783131516848
  • Distler, J. H. W. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Rheumatologie und Immunologie.
    ISBN: 9783437238840
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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