Polyarthritis

Letzte Aktualisierung am 27. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Unter dem medizinischen Begriff Polyarthritis versteht der Mediziner eine gleichzeitig auftretende Entzündung von mehreren Gelenken. Eine der häufigsten Formen der Gelenkentzündung ist die sogenannte rheumatoide Arthritis. Des Weiteren sind oftmals auch Infektionen ein Grund, weshalb eine Gelenkentzündung entsteht. Ebenfalls können Stoffwechselerkrankungen eine Ursache darstellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Polyarthritis?

Ist mehr als ein Gelenk von einer Entzündung betroffen, spricht der Mediziner von der Polyarthritis. Das Wort Arthritis leitet sich aus dem Griechischen "Arth" - das Gelenk - sowie dem Wort "Itis" - die „Entzündung" zusammen, wobei der Begriff "Poly" die plurale Bedeutung darstellt. Ist nur ein Gelenk von der Entzündung betroffen, handelt es sich um eine Monoarthritis.

Eine dementsprechende Entzündung kann spontan auftreten, wobei man hier von einer akuten Arthritis spricht. Dauert die Entzündung länger an bzw. tritt diese immer wieder auf, spricht der Mediziner von einer chronischen Erkrankung, die im Volksmund auch gerne als Rheuma bezeichnet wird.

Ursachen

Es gibt unterschiedliche Arten und Formen einer Polyarthritis. Die häufigsten Ursachen sind Infektionen, Stoffwechselerkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen und der Gelenkverschleiß. Bei der Infektion zeichnen sich Bakterien sowie andere Erreger für die Entzündung verantwortlich.

Sie treten über eine offene Wunde ein und infizieren sodann die betroffenen Gelenke. Klassische Erreger sind Streptokokken, Staphylokokken, Salmonellen sowie die Haemophilus influenzae und das Escherichia coli. Liegt eine Autoimmunerkrankung vor, attackiert das eigene Immunsystem die Gelenke. Typische Autoimmunerkrankungen, welche eine Polyarthritis auslösen, sind etwa die Schuppenflechte, Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa sowie Morbus Bechterew oder die rheumatische Arthritis (Rheuma).

Die chronische Polyarthritis zählt zu den häufigsten Formen einer Gelenksentzündung. Ebenfalls sind Stoffwechselerkrankungen für eine Polyarthritis verantwortlich. Häufig leiden Patienten an einer Polyarthritis, wenn sie an der Gicht erkrankt sind. Die Entzündung wird dabei durch die Harnsäureerhöhung ausgelöst, die im Volksmund auch unter Gichtanfall bekannt ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Typische Anzeichen für eine Polyarthritis sind Gelenkschmerzen, die überwiegend in Ruhe auftreten und mit Schwellungen der Gelenke einhergehen. In der Regel besteht eine Morgensteifigkeit, die sich durch Bewegung der entzündeten Gelenke nach einiger Zeit bessert. Zu Beginn der Erkrankung sind meist die Finger- und Handgelenke beider Hände betroffen, wobei die Fingerendgelenke von der Entzündung verschont bleiben.

Auch Beuge- und Strecksehnen der Finger können in Mitleidenschaft gezogen werden. Im weiteren Verlauf entstehen durch den fortschreitenden Knochen- und Knorpelabbau Fehlstellungen der entsprechenden Gelenke, die zu deutlichen Bewegungseinschränkungen führen. Die Feinmotorik lässt stark nach, später können selbst alltägliche Handgriffe wie etwa das Binden von Schnürsenkeln nicht mehr ausgeführt werden.

Auch größere Gelenke wie Schulter, Ellenbogen, Hüfte oder Knie können von der Erkrankung betroffen sein. Eine Beteiligung der Halswirbelsäule ist ebenfalls möglich, polyarthritische Veränderungen an anderen Teilen der Wirbelsäule sind untypisch. Bei etwa 50 Prozent breitet sich die Polyarthritis auf andere Organe aus.

Häufig kommen Entzündungen der Blutgefäße vor, die Durchblutungsstörungen und eine Koronare Herzkrankheit zur Folge haben können. Nervenschädigungen im Bereich der entzündeten Gelenke machen sich durch Empfindungsstörungen, Taubheitsgefühl, brennende Schmerzen und gelegentlich Lähmungserscheinungen bemerkbar. Ein Befall der Tränen- und Speicheldrüsen äußert sich durch Mundtrockenheit und trockene Augen.

Diagnose & Verlauf

Infogramm zu den Schmerzregionen und den betroffenen Gelenken bei rheumatoider Arthritis. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Der Arzt benötigt, um eine Polyarthritis zu diagnostizieren, einige Untersuchungsschritte. Vorwiegend erhebt er die Krankengeschichte des Patienten und befragt diesen nach allfälligen Symptomen. Danach erfolgen die körperlichen Untersuchungen sowie die Überprüfung der Blutwerte. Ebenfalls fertigt der behandelnde Arzt eine Röntgenbildaufnahme von den betroffenen Gelenken an.

In erster Linie geben bereits die Symptome, welche die Patienten schildern, einen relativ guten Einblick darüber, ob eine Polyarthritis vorliegt. Der Arzt muss jedoch, damit er eine treffsichere Diagnose liefern kann, auch folgende Fragen beantworten, wie etwa, welche Gelenke betroffen sind und welche Beschwerden aufgetreten sind. Ebenfalls ist es von Vorteil, dass der Patient bekannt gibt, seit wann er unter den beschriebenen Beschwerden leidet. Auch die Tatsache, ob das Gelenk stärker belastet wurde (etwa auf Grund von verschiedenen Sportarten) oder ob eine Grunderkrankung (beispielsweise die Gicht) vorliegt, sind entscheidende Faktoren für die Diagnose.

Der Mediziner untersucht das betroffene Gelenk auf die Tatsache, ob eine Schwellung oder Rötung vorliegt. Bei einer Polyarthritis ist oftmals der Entzündungswert im Blut erhöht. Klassische Merkmale sind eine Erhöhung der Leukozyten (die weißen Blutkörperchen), der Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie des CRP (dem C-reaktiven Protein).

Der Verlauf der Krankheit hängt im Regelfall davon ab, weshalb die Polyarthritis entstanden ist. Handelt es sich um eine Infektion, heilt die Entzündung, nach einer rechtzeitigen Behandlung, vollständig aus. Bei chronischen Formen der Polyarthritis ist es möglich, dass der Prozess der Entzündung gebremst wird. Eine Heilung ist jedoch nicht möglich, sodass der Patient mit einer Verschlechterung des Zustands rechnen muss.

Komplikationen

Bei einer Polyarthritis besteht das Risiko von verschiedenen Komplikationen, wenn keine oder eine falsche Behandlung des Leidens stattfindet. So drohen Folgeerkrankungen, schwere Schäden an den Gelenken sowie eine Verschlechterung der Lebensqualität. Die chronische Polyarthritis zählt zu den systemischen Erkrankungen.

Das bedeutet, dass sich die Entzündung auf innere Organe wie Lunge und Herz ausbreiten kann. Gleiches gilt für die Gefäße. Im schlimmsten Fall droht durch die rheumatoide Arthritis die Versteifung oder Deformität der Gelenke, sodass eine Invalidität entsteht. Die Folgeerscheinungen der Polyarthritis wirken sich auf ganz alltägliche Dinge aus.

So ist die betroffene Person mitunter nicht mehr in der Lage am Computer zu arbeiten, weil sie Maus und Tastatur nicht mehr bedienen kann. Darüber hinaus werden berufliche Tätigkeiten oder das Alltagsleben beeinträchtigt. Nicht selten leiden die Patienten durch die Polyarthritis auch unter Störungen ihrer Nachtruhe.

Bei vielen Erkrankten wirken sich diese Einschränkungen der Lebensqualität schließlich auch auf deren Psyche aus. Dabei fühlen sich die betroffenen Personen hilflos oder nutzlos. In schweren Fällen drohen Angstzustände sowie klinische Depressionen.

Eine schwerwiegende Auswirkung der Polyarthritis stellen Herzentzündungen wie eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder Perikarditis (Herzbeutelentzündung) dar. Infolgedessen droht wiederum eine kongestive Herzinsuffizienz. Dabei ist das Herz nicht mehr imstande, das Blut störungsfrei durch den Körper zu leiten. Als weitere Komplikationen der Polyarthritis kommen eine Anämie (Blutarmut), eine Osteoporose (Knochenschwund) oder das Sjögren-Syndrom infrage.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Schmerzen, Unwohlsein oder eine Gereiztheit in den Gelenken gelten als ungewöhnlich. Halten die Beschwerden an, treten sie wiederholt auf oder nehmen sie an Intensität zu, wird ein Arzt benötigt. Beruhen die Unregelmäßigkeiten auf einer körperlichen Überbeanspruchung, sollten die betroffenen Stellen gekühlt werden. Nach einiger Zeit der Ruhe und Schonung kommt es im Normalfall zu einer Linderung und anschließenden Beschwerdefreiheit. Ein Arzt wird in diesen Fällen nicht benötigt. Bei Schwellungen, Veränderungen des Hautbildes oder einer Morgensteifheit besteht Anlass zu Besorgnis. Kommt es zu Beeinträchtigungen der Beweglichkeit oder können Streck- und Beugebewegungen nicht mehr vollständig ausgeführt werden, ist ein Arztbesuch anzuraten.

Bei einer Abnahme der körperlichen Belastbarkeit, einer leicht erhöhten Körpertemperatur, einem Krankheitsgefühl sowie bei allgemeinen Unsicherheiten bei der Fortbewegung wird ein Arzt benötigt. Zeigen sich Störungen der Feinmotorik, ein Wärmeempfinden in den Gelenken und Fehlhaltungen, sollte ein Arzt konsultiert werden. Leidet der Betroffene neben den körperlichen Unregelmäßigkeiten zusätzlich unter emotionalen oder seelischen Auffälligkeiten, ist die Rücksprache mit einem Arzt ebenfalls notwendig. Weinerlichkeit, depressive Verstimmungen, ein Rückzugsverhalten oder aggressive Tendenzen sind Hinweise einer gesundheitlichen Störung, die untersucht und behandelt werden muss. Schlafstörungen, Probleme der Konzentration sowie ein Verlust der Lebensqualität sollten mit einem Arzt besprochen werden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Polyarthritis richtet sich nach der Ursache, weshalb die Entzündungen aufgetreten sind. In erster Linie müssen die betroffenen Gelenke ruhiggestellt und gekühlt werden. Schmerzmittel helfen, dass die Symptome behandelt werden; ebenfalls verordnen viele Mediziner entzündungshemmende Medikamente sowie auch Glukokortikoide (besser bekannt unter "Cortison").

Ebenfalls helfen Antibiotika bei akuten Entzündungen sowie spezielle Medikamente gegen Rheuma. Viele Mediziner empfehlen auch eine Operation zur Linderung der Symptome bzw. Heilung der Entzündung. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind die Krankengymnastik, Ergotherapie sowie physikalische Therapien.

Vor allem kommen bei chronischen Erkrankungen letztere Therapiemöglichkeiten oftmals zur Anwendung, da viele Patienten bereits über "steife" Gelenke klagen.

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Vorbeugung

Der Patient kann eine Polyarthritis sehr wohl vorbeugen. Wichtig ist, dass die Gelenke regelmäßig bewegt werden und eine gleichmäßige Belastung stattfindet. Begünstigt wird dies mit täglichen Spaziergängen, Radfahren, Gymnastik oder auch Schwimmen.

Des Weiteren ist es wichtig, dass Verletzungen rechtzeitig behandelt werden. Vor allem offene Wunden (in Gelenksnähe) sollten dementsprechend versorgt werden, damit keine Entzündungen in den Gelenken entsteht. Ebenfalls ist es wichtig, dass Grunderkrankungen, wie etwa Gicht, regelmäßig behandelt und therapiert werden. Nur bei einer regelmäßigen Einnahme der verordneten Medikamente, ist eine Verhinderung der Polyarthritis möglich.

Das können Sie selbst tun

Die Polyarthritis ist die bekannteste Form rheumatischer Erkrankungen. Liegt ihr eine chronische Entzündung zugrunde, ist sie nicht heilbar. Dennoch kann ihr Verlauf gelindert werden.

Zu den vom Arzt verschriebenen Medikamenten können Nahrungsergänzungsmittel helfen, wie beispielsweise die Wirkstoffe Chondroitinsulfat, N-Acetyl-Glucosamin und D-Glucosaminsulfat. Chondroitinsulfat ist ein wasserbindender Bestandteil der körpereigenen Knorpelsubstanz. Es sorgt dafür, dass der Gelenkknorpel elastisch bleibt. Auch Glucosaminsulfat ist ein Baustoff der Körpergewebsarten, die Knorpel, Sehnen und Bänder bilden. N-Acetyl-Glucosamin soll die Knorpelzellen dazu stimulieren, vermehrt Kollagen zu produzieren. Die Wirkung der oben genannten Stoffe wurden von Studien genauso oft bestätigt wie widerlegt, ihre Einnahme wird jedoch von manchen Betroffenen als hilfreich empfunden.

Auch die Ernährung kann eine Polyarthritis positiv beeinflussen. Empfehlenswert ist eine basenreiche Ernährung, damit die Entzündung im Körper nicht weiter angefacht wird. Daher sollte die Diät fleischarm sein, aber viel Kalzium und Vitamine enthalten. Sauerkirschen oder Sauerkirschsaft sollen ebenfalls die Entzündungswerte im Blut senken. Das haben Wissenschaftler in Portland herausgefunden.

Für viele Patienten ist es entlastend, wenn sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können. Die Deutsche Rheumaliga (www.rheuma-liga.de) gibt Hilfe zur Selbsthilfe, ist in jedem Bundesland vertreten und kann mit Informationen und Anlaufstellen weiterhelfen.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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