Bewegungswissenschaft

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Im folgenden Artikel geht es um die Disziplin Bewegungswissenschaft. Nach einer kurzen Definition des Fachgebiets wird auf mögliche Behandlungsfelder eingegangen. Zum Abschluss werden exemplarisch Diagnosemethoden der Disziplin vorgestellt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Bewegungswissenschaft?

Bewegungswissenschaft
Die Bewegungswissenschaft erforscht Bewegungen von Menschen und anderen lebenden Organismen mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden.

Die Bewegungswissenschaft erforscht Bewegungen von Menschen und anderen lebenden Organismen mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden. Dabei werden alle Mechanismen untersucht, die bei Erlernen und Durchführung einer Bewegung eine Rolle spielen. Bei Bewegungen handelt es sich um komplexe und viele Strukturen umfassende Vorgänge im Organismus. Daher ist die Bewegungswissenschaft ein interdisziplinäres Fachgebiet.

Viele Teilgebiete tragen gemeinsam zum wissenschaftlichen Fortschritt der Bewegungswissenschaft bei. Die verschiedenen Teilgebiete lassen sich in Energie verarbeitende und in Informationen verarbeitende Fachgebiete unterteilen. Energie verarbeitende Fachgebiete sind unter anderen die Funktionelle Anatomie oder die Biomechanik. Diese Disziplinen untersuchen Zusammenhänge und Mechanismen im menschlichen Körper, wie die Interaktion zwischen Muskeln, Bändern und Sehnen.

Die Informationen verarbeitenden Fachgebiete sind unter anderen die Psychomotorik und die Bewegungssteuerung. Diese Disziplinen erforschen, wie Signale im menschlichen Körper durch Sinnesorgane, Nervenzellen und das Gehirn verarbeitet und weiter geleitet werden. Die diversen Teilgebiete der Bewegungswissenschaft leisten dabei wichtige Grundlagenforschung, deren Erkenntnisse wiederum in anderen Disziplinen oder in der Rehabilitation, bei der Therapie von Erkrankungen, Anwendung finden.

Einfluss auf Behandlungsmethoden

Die Erkenntnisse der Bewegungswissenschaft können dazu beitragen, Ursachen von Krankheiten und Verletzungen zu erklären. Erst dadurch können wirksame Therapien oder Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung von Erkrankungen entwickelt werden. Anatomie und Biomechanik erforschen das Verhalten von Muskeln, Bändern, Sehnen und anderen Körpergeweben. Zunächst muss untersucht werden, wie sich gesundes Gewebe unter Belastung verhält und welche Kräfte auf einzelne Körperstrukturen wirken.

Der Vergleich mit bereits erkranktem Gewebe kann wichtige Erkenntnisse liefern, wie und wieso sich die einzelnen Strukturen bei Erkrankungen anders verhalten oder wie es zu Verletzungen gekommen ist. In diesem Zusammenhang können Beschwerden aller Gelenke (Knie- oder Schulterprobleme), Muskelbeschwerden (Muskelfaserrisse, Zerrungen) und auch Erkrankungen der Sehnen (Sehnenscheidenentzündung) Teil der bewegungswissenschaftlichen Forschung sein.

Infarkte, degenerative Erkrankungen (Demenz) oder Schlaganfälle können es einem Menschen schwer bis unmöglich machen, gezielte Bewegungen durchzuführen. Die Bewegungswissenschaft kann durch Untersuchungen an Gesunden nachvollziehen, wie es von der Intention bis zur Ausführung einer Handlung kommt. Bei Erkrankten kann nun festgestellt werden, an welcher Stelle im motorischen Programm Probleme auftauchen.

Die Ergotherapie bedient sich der Erkenntnisse der Bewegungswissenschaft, um für jeden Patienten effektive Behandlungskonzepte zu erarbeiten. Durch gezieltes Training können Defizite im Bewegungsablauf verringert oder kompensiert werden. Bei Komapatienten wird der Körper dagegen passiv bewegt, um Gelenke und Muskulatur beweglich zu halten. Nach Schlaganfällen kann die Laufbandtherapie helfen, motorische Beschwerden zu lindern.

Außerdem erforscht die Bewegungswissenschaft Krankheiten, die durch eine Störung bei der Signalweiterleitung im Körper Einfluss auf die Bewegungen des Menschen haben können. Hierzu zählen unter anderem Parkinson oder Multiple Sklerose. Bei der Parkinsonkrankheit liegt eine Störung der Dopaminproduktion vor. Hierdurch kommt es zu mangelnder Signalweiterleitung und der Erkrankte zeigt stark verlangsamte Bewegungen. Weitere Krankheiten, die von der Bewegungswissenschaft untersucht werden können, sind Querschnittslähmung oder die Huntington-Krankheit.

Hier steht die Entwicklung von Implantaten und Prothesen im Fokus. Geschädigtes Gewebe soll durch technische Hilfsmittel ersetzt oder nachgeahmt werden, um dem Erkrankten Bewegungen wieder möglich zu machen. Auch kann die Wiederherstellung von verletztem Gewebe Ziel der Therapie sein.


Untersuchungsmethoden

Diagnose- und Untersuchungsverfahren dienen in der Bewegungswissenschaft der Feststellung des aktuellen Status einer Person zum Beispiel hinsichtlich Leistungsfähigkeit oder Funktionstüchtigkeit. Hieraus können Maßnahmen zur Behandlung oder Beratung der betroffenen Person abgeleitet werden. Da die Bewegungswissenschaft ein interdisziplinärer Forschungszweig mit vielen Teilgebieten ist, existieren viele unterschiedliche Ansätze in der Diagnostik.

Mögliche Diagnostik- und Untersuchungsverfahren sind unter anderen die Befragung von Personen in Interviews oder Fragebögen, körperliche Untersuchungen, Bewegungsbeobachtungen, Videoanalysen oder der sportmotorische Test. Bei der Bewegungsbeobachtung handelt es sich um ein qualitatives Diagnose-Verfahren. Hierbei werden die Bewegungen einer Person (z. B. die eines Sportlers beim Training) von einem geübten Beobachter (meist dem Trainer) genau untersucht. Aus der Beobachtung können Rückschlüsse auf die Qualität der Bewegungsausführung und die Ausprägung der technischen Fertigkeiten gezogen werden.

Durch diese Erkenntnisse können dann gezielt die Bewegungen trainiert werden, bei denen es noch Defizite gibt. Auch schon beim Erlernen einer Bewegung oder einer Sportart kann die Bewegungsbeobachtung hilfreich sein, damit Bewegungen von Beginn an richtig ausgeführt werden und es nicht zum Erlernen falscher Bewegungen kommt. Auf einem Laufband mit fixierter Videokamera lässt sich das Gangbild einer Person untersuchen. Nach Knieverletzungen lässt sich so beurteilen, wie das Gelenk beim Gehen belastet wird.

Beim sportmotorischen Test sollen Personen unter standardisierten Bedingungen vorgegebene Bewegungen ausführen. Hieraus kann auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Person geschlossen werden. Der jeweilige sportmotorische Test muss bei dessen Anwendung auf die zu testende Person abgestimmt sein (z. B. hinsichtlich des Alters und Geschlechts). Außerdem sollte der Test möglichst identisch mit der Bewegung sein, über die später eine Aussage getroffen werden soll. Eine komplexe Bewegung kann durch den Einzeltest einer stark vereinfachten Bewegung nicht exakt abgebildet werden. Ein einfacher Reaktionstest ist ein Beispiel für einen simplen sportmotorischen Einzeltest, bei dem nur wenig komplexe Bewegungen untersucht werden.

In der bewegungswissenschaftlichen Diagnostik kommt es häufig auch zum Einsatz von Verfahren, die Kräfte und Belastungen in verschiedenen Phasen einer Bewegung untersuchen. So kann bei einem Skispringer festgestellt werden, an welchem Punkt des Absprungs die meiste Kraft ausgeübt wird. Die Untersuchungsergebnisse können dann mit den errechneten idealen Werten verglichen werden, um das Absprungverhalten im Training zu verbessern.

Geschichte und Entwicklung des Fachs

Die Beschäftigung mit der menschlichen Bewegung ist älter als das Fach selbst. Bereits die anatomischen Studien der Renaissance untersuchten den Zusammenhang zwischen Knochenbau, Muskelverlauf und Bewegung. Eine eigenständige wissenschaftliche Grundlage entstand jedoch erst, als Bewegungen messbar wurden. Im 19. Jahrhundert entwickelten der französische Physiologe Étienne-Jules Marey und der Fotograf Eadweard Muybridge Verfahren, mit denen sich Bewegungsabläufe in schnellen Bildfolgen zerlegen ließen. Damit war es erstmals möglich, einen Gang oder einen Sprung nicht nur zu beschreiben, sondern Phase für Phase zu betrachten.

Im 20. Jahrhundert verschob sich der Schwerpunkt von der reinen Beschreibung zur Frage, wie Bewegungen im Nervensystem entstehen und gesteuert werden. Der russische Physiologe Nikolai Bernstein formulierte dabei ein Problem, das die Bewegungssteuerung bis heute beschäftigt: Der Körper verfügt über weit mehr Gelenke und Muskeln, als für die Lösung einer Bewegungsaufgabe rechnerisch nötig wären, sodass für dasselbe Ziel unzählige Bewegungsvarianten offenstehen. Wie das Nervensystem aus dieser Vielzahl auswählt und wie es die beteiligten Anteile zu stabilen Einheiten zusammenfasst, wurde zu einer Leitfrage des Fachs.

Zur eigenständigen Hochschuldisziplin wurde die Bewegungswissenschaft im deutschen Sprachraum im Zuge des Ausbaus der Sportwissenschaft an den Universitäten. Der Anstoß kam zunächst aus dem Leistungssport, wo Bewegungsabläufe verbessert werden sollten. Mit der Verfügbarkeit von Kraftmessplatten, Elektromyographie und rechnergestützter Bildauswertung wandte sich das Fach zunehmend auch medizinischen Fragestellungen zu: der Wiederherstellung von Bewegungsfähigkeit nach Verletzungen und Erkrankungen, der Vorbeugung von Überlastungsschäden und der Gestaltung von Hilfsmitteln.

Grundbegriffe der Bewegungslehre

Die Bewegungswissenschaft unterscheidet zwischen motorischen Fähigkeiten und motorischen Fertigkeiten. Fähigkeiten sind vergleichsweise allgemeine Voraussetzungen, auf denen viele verschiedene Bewegungen aufbauen; dazu zählen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination. Fertigkeiten sind dagegen konkrete, erlernte Bewegungsabläufe – das Radfahren, das Treppensteigen mit einer Gehstütze, das Anziehen einer Jacke nach einem Schlaganfall. Für die Therapie ist diese Unterscheidung von Bedeutung, weil eine verbesserte Fähigkeit sich nicht von selbst in eine gelungene Alltagshandlung übersetzt: Wer wieder mehr Kraft im Bein hat, geht deshalb noch nicht sicher.

Ebenso unterschieden werden Bewegungen nach der Bedeutung der Umgebung. Bei einer weitgehend gleichbleibenden Umgebung – etwa beim Gehen auf ebenem Boden – lässt sich ein Ablauf gut einschleifen. Muss sich die Bewegung dagegen ständig an wechselnde Bedingungen anpassen, wie beim Gehen im Gedränge oder auf unebenem Untergrund, sind laufende Rückmeldungen und schnelle Korrekturen nötig. Genau diese Anpassungsleistung geht bei vielen neurologischen Erkrankungen als Erstes verloren, während der eingeschliffene Ablauf unter einfachen Bedingungen noch gelingt.

Das Erlernen einer Bewegung wird in der Bewegungslehre üblicherweise in aufeinanderfolgende Phasen gegliedert: von einer noch groben, mit überflüssigen Mitbewegungen und hohem Kraftaufwand ausgeführten Form über eine zunehmend genauere und sparsamere Ausführung bis hin zu einer Form, die auch unter erschwerten Bedingungen und bei Ablenkung stabil bleibt. Eine Bewegung, die im ruhigen Therapieraum gelingt, ist deshalb nicht zwangsläufig alltagstauglich. Unterschieden wird ferner zwischen Rückmeldungen, die während einer Bewegung zur Korrektur genutzt werden, und vorausschauenden Anteilen, die vor Bewegungsbeginn festgelegt werden – bei sehr schnellen Bewegungen bleibt für eine Korrektur während des Ablaufs keine Zeit.

Eine tragende Rolle spielt die Eigenwahrnehmung des Körpers, die Propriozeption. Rezeptoren in Muskeln, Sehnen, Gelenken und Bändern melden fortlaufend Stellung, Spannung und Bewegungsrichtung. Zusammen mit dem Sehen und dem Gleichgewichtssinn des Innenohrs bildet diese Information die Grundlage für Haltung und Bewegungskontrolle. Fällt ein Anteil aus oder ist er gestört, muss der Körper stärker auf die verbleibenden Informationen zurückgreifen – ein Grund, warum Unsicherheit beim Gehen im Dunkeln oder auf weichem Untergrund deutlicher zutage tritt.

Messverfahren und Geräte

Für die Untersuchung von Bewegungen steht eine Reihe von Messverfahren zur Verfügung, die sich in ihrer Aussagekraft ergänzen. Kraftmessplatten im Boden erfassen die Kräfte, die beim Auftreten, Abspringen oder Landen zwischen Fuß und Untergrund wirken, und geben zugleich Auskunft über die Schwankungen beim ruhigen Stehen. Druckmessplatten und Messsohlen zeigen, wie sich die Belastung über die Fußsohle verteilt; das ist unter anderem bei Fußfehlstellungen und bei der Anpassung von Einlagen und Schuhen von Interesse.

Die Elektromyographie zeichnet die elektrische Aktivität von Muskeln auf und macht sichtbar, welcher Muskel zu welchem Zeitpunkt eines Ablaufs aktiv wird. Bei Bewegungsstörungen lässt sich damit prüfen, ob Muskeln in falscher Reihenfolge oder gleichzeitig gegeneinander arbeiten. Kamerabasierte Bewegungsanalysen verfolgen am Körper angebrachte Marker und berechnen daraus Gelenkwinkel und Bewegungsbahnen im Raum; in Verbindung mit Kraftmessplatten lassen sich zusätzlich die Belastungen einzelner Gelenke abschätzen. Kleine, am Körper getragene Beschleunigungs- und Drehratensensoren erlauben Aufzeichnungen außerhalb des Labors und damit im gewohnten Alltag der untersuchten Person.

Für die energetische Seite einer Bewegung dient unter anderem die Spiroergometrie, bei der Atemgase unter Belastung gemessen werden. Isokinetische Messgeräte erfassen die Kraft eines Gelenks über den gesamten Bewegungsweg bei gleichbleibender Geschwindigkeit und werden vor allem eingesetzt, um Seitenunterschiede nach Verletzungen zu erfassen. Allen apparativen Verfahren gemeinsam ist eine Einschränkung: Sie liefern Zahlen, deren Bedeutung sich erst aus dem Vergleich ergibt – mit der Gegenseite, mit früheren Messungen derselben Person oder mit Werten vergleichbarer Personengruppen.

Ausbildung und Berufswege

Bewegungswissenschaft wird an Hochschulen überwiegend im Rahmen sportwissenschaftlicher Studiengänge gelehrt; an einzelnen Universitäten trägt der Studiengang den Namen des Fachs selbst. Die Inhalte reichen von Anatomie und Physiologie über Biomechanik, Bewegungssteuerung und Trainingslehre bis zu Forschungsmethoden und Statistik. Wer in die therapeutische Anwendung möchte, geht in der Regel einen anderen Weg: Die Physiotherapie und die Ergotherapie werden in Deutschland in einer Berufsfachschulausbildung oder in einem Studiengang erlernt und führen zu einer Berufszulassung, die die Behandlung von Patienten einschließt.

Absolventinnen und Absolventen bewegungswissenschaftlicher Studiengänge arbeiten unter anderem in der Rehabilitation und in der Sport- und Bewegungstherapie, in der betrieblichen Gesundheitsförderung, in Ganganalyselaboren von Kliniken, in der Entwicklung von Hilfsmitteln, Schuhen und Sportgeräten, in der Leistungsdiagnostik sowie in Forschung und Lehre. Häufig ist die Zusammenarbeit im Team: Bewegungsanalysen werden erhoben und ausgewertet, die therapeutischen oder ärztlichen Entscheidungen treffen jedoch die dafür zuständigen Berufsgruppen.

Bedeutung für Patientinnen und Patienten

Für Betroffene wird die Bewegungswissenschaft meist mittelbar spürbar. Wer nach einem Kreuzbandriss oder dem Einsatz einer Hüftprothese ein Aufbauprogramm erhält, folgt Konzepten, die auf bewegungswissenschaftlichen Untersuchungen beruhen. Eine Ganganalyse vor der Anpassung einer Orthese oder einer Prothese soll dazu beitragen, dass das Hilfsmittel zum tatsächlichen Bewegungsmuster passt, statt es zusätzlich zu stören. Bei Kindern mit einer Zerebralparese werden Bewegungsanalysen genutzt, um vor Eingriffen und Hilfsmittelversorgungen genauer zu erfassen, welche Abweichungen ursächlich sind und welche nur Ausgleichsbewegungen darstellen.

Ein zweites Feld ist die Vorbeugung. Aus Untersuchungen zu Gleichgewicht, Reaktionsschnelligkeit und Muskelkraft im höheren Lebensalter sind Programme hervorgegangen, die auf die Verringerung des Sturzrisikos zielen. Erkenntnisse zur Belastung der Wirbelsäule beim Heben und Tragen sind in die Gestaltung von Arbeitsplätzen und in die Rückenschule eingeflossen. Und die Beobachtung, dass Bewegungsmangel mit einer Reihe von Erkrankungen einhergeht, hat Bewegungsangebote zu einem festen Bestandteil der Behandlung etwa bei Diabetes mellitus oder nach einem Herzinfarkt gemacht – dort allerdings stets unter ärztlicher Begleitung und angepasst an die Belastbarkeit der einzelnen Person.

Abgrenzung zu benachbarten Fächern

Die Bewegungswissenschaft überschneidet sich mit mehreren Disziplinen, ohne mit ihnen zusammenzufallen. Die Sportmedizin ist ein ärztliches Fachgebiet und befasst sich mit den medizinischen Folgen von Belastung und Bewegung, mit Sportverletzungen und mit der Frage, welche Belastung bei welcher Erkrankung vertretbar ist. Die Orthopädie ist ebenfalls ein ärztliches Fach und behandelt Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparats, auch operativ. Die Physiotherapie und die Ergotherapie wenden Bewegung als Behandlungsmittel an. Die Bewegungswissenschaft selbst behandelt nicht, sondern liefert die Grundlagen, auf die sich diese Fächer stützen.

Der Begriff Kinesiologie wird im deutschen Sprachraum uneinheitlich verwendet. International bezeichnet er weithin die Wissenschaft von der menschlichen Bewegung und ist damit der Bewegungswissenschaft nahe. Im deutschsprachigen Raum ist mit dem Wort dagegen häufig die Angewandte Kinesiologie gemeint, ein alternativmedizinisches Testverfahren, das über Muskelspannung Aussagen zu Beschwerden treffen will. Beide haben inhaltlich nichts miteinander zu tun. Für die Einordnung eines Angebots lohnt daher der Blick darauf, welche Ausbildung dahintersteht und ob eine Diagnose oder eine bewegungsbezogene Analyse angeboten wird.

Quellen

  • Hossner, E.-J., Künzell, S.: Einführung in die Bewegungswissenschaft.
    ISBN: 9783785318492
  • Schünke, M.: Topografie und Funktion des Bewegungssystems.
    ISBN: 9783132456037
  • Wonisch, M., Hofmann, P., Förster, H. (Hrsg.): Kompendium der Sportmedizin.
    ISBN: 9783662688823
  • Brandes, R., Lang, F., Schmidt, R. F. (Hrsg.): Physiologie des Menschen.
    ISBN: 9783662564677
  • Bossert, F.-P., Müller, P., Vogedes, K. (Hrsg.): Leitfaden Physikalische Therapie.
    ISBN: 9783437481017

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