Denys-Drash-Syndrom
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Denys-Drash-Syndrom wird bedingt durch einen angeborenen Gen-Defekt, der zur Manifestierung eines nephrotischen Syndroms führt. Das Denys-Drash-Syndrom ist eine sehr seltene Erkrankung; weltweit sind bislang nur einige hundert Fälle beschrieben.
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Was ist das Denys-Drash-Syndrom?
Als Denys-Drash-Syndrom wird eine seltene, meist neu auftretende genetische Erkrankung bezeichnet, die in aller Regel mit der Symptomtrias progressive Nierenerkrankung mit Manifestierung eines frühen, oftmals beidseitig feststellbaren bösartigen Wilms-Tumors (Nephroblastom), diffuser mesangialer Sklerose (wuchernde Bindegewebszellen in den Nierenkörperchen) sowie Genitalanomalien (maskuliner Pseudohermaphroditismus) assoziiert wird. Der Begriff Pseudohermaphroditismus gilt heute als veraltet; stattdessen spricht man von einer Störung der Geschlechtsentwicklung.
Das Denys-Drash-Syndrom wird entsprechend zum Spektrum der nephrotischen Syndrome gezählt. Der Gen-Defekt kann sich klinisch zunächst anhand eines Wilms-Tumors manifestieren. Postnatal entwickelt sich die diffuse mesangiale Sklerose in Kombination mit einem nephrotischen Syndrom und einer ausgeprägten Proteinurie (erhöhte Proteinkonzentration im Urin), wobei in einem Zeitraum von 1 bis 4 Jahren mit einem Nierenversagen zu rechnen ist.
Inkomplette Subformen des Denys-Drash-Syndroms können sich durch diffuse mesangiale Sklerose mit einem maskulinen Hermaphroditismus oder einem Nephroblastom äußern.
Ursachen
Das Denys-Drash-Syndrom ist eine kongenital bedingte (angeborene) Erkrankung, die auf eine autosomal-dominant wirkende Mutation zurückgeht. In aller Regel (etwa 90 Prozent der Fälle) ist beim Denys-Drash-Syndrom eine Mutation des auf Chromosom 11p13 liegenden WT1-Gens (Wilms-Tumor-Suppressor-Gen) feststellbar, die für die Manifestierung des Wilms-Tumors verantwortlich gezeichnet wird.
Hierbei ist in der Mehrzahl der Fälle das Exon 8 oder 9 auf der heterozygoten Keimbahn im Zinkfinger-Motiv betroffen. Die zugrundeliegende Mutation stellt in 90 Prozent der Fälle eine de novo Mutation (Neumutation) dar. Das korrespondierende Gen reguliert die Kodierung eines bestimmten Zinkfinger-Proteins, das als Transkriptionsfaktor an der Entwicklung des Urogenitaltraktes und der Nephrogenese beteiligt ist.
Infolge des für das Denys-Drash-Syndrom charakteristischen Gen-Defekts manifestieren sich nicht nur Genitalanomalien und Wilms-Tumoren, sondern das Nierengewebe verhärtet und vernarbt zunehmend (sklerosiert), so dass die Funktionsfähigkeit der Nieren sukzessiv immer stärker restringiert wird, bis die Nieren vollständig ausfallen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Aufgrund des Denys-Drash-Syndroms leiden die Patienten an einer Reihe verschiedener Fehlbildungen und anderer Beschwerden. In der Regel treten die Fehlbildungen vor allem an den äußeren Geschlechtsorganen auf. Dabei kann es auch zu psychischen Beschwerden kommen, da sich viele Betroffene mit den Fehlbildungen nicht mehr wohl fühlen und an Minderwertigkeitskomplexen oder an einem deutlich verringerten Selbstwertgefühl leiden.
Vor allem im Kindesalter kann das Denys-Drash-Syndrom damit zu Mobbing oder zu Hänseleien führen, sodass die Patienten psychische Beschwerden oder Depressionen entwickeln. In der Regel kommt es auch zu einer erhöhten Menge an Eiweiß im Urin und weiterhin auch zur zunehmenden Vernarbung des Nierengewebes. Dadurch werden die Nieren dauerhaft geschädigt, sodass das Denys-Drash-Syndrom unbehandelt zu einer vollständigen Niereninsuffizienz und damit zum Tod des Betroffenen führt.
Die Patienten sind damit auch auf eine Transplantation oder auf eine Dialyse angewiesen. Ebenso kann das Denys-Drash-Syndrom zu einem hohen Blutdruck oder zu Schwellungen am Bauch und im Bereich der Nieren führen. Durch die zugrunde liegende WT1-Mutation erhöht sich ebenso das Risiko für die Ausbildung eines Tumors, welcher ebenfalls zum Tode des Patienten führen kann. Die Lebenserwartung wird durch das Denys-Drash-Syndrom erheblich eingeschränkt, wenn dieses nicht behandelt wird.
Diagnose & Verlauf
Ein Denys-Drash-Syndrom wird in aller Regel zwei Wochen bis 1,5 Jahre nach der Geburt anhand der charakteristischen Symptome diagnostiziert. Die Fehlbildungen der äußeren Genitalorgane (u.a. kleiner Penis bei betroffenen Jungen, vergrößerte Labien bei Mädchen) können in den meisten Fällen bereits unmittelbar nach der Geburt festgestellt werden. Die Störung der Geschlechtsentwicklung betrifft dabei vor allem Kinder mit einem 46,XY-Chromosomensatz; Mädchen mit 46,XX-Chromosomensatz haben meist unauffällige äußere Genitalien und fallen erst durch die Nierenerkrankung auf.
Nephrotische Syndrome gehen zudem mit abdominalen Schwellungen, verminderter Urinausscheidung, Proteinurie infolge der diffusen mesangialen Sklerose sowie hohem Blutdruck einher. Zum Ausschluss bzw. Nachweis eines Nephroblastoms sollten die Nieren sonographisch und/oder computertomographisch untersucht werden. Im Rahmen einer Computertomographie können darüber hinaus Fehlbildungen der Sexualorgane bildlich dargestellt werden.
Differenzialdiagnostisch sollte ein Denys-Drash-Syndrom vom WAGR-Syndrom abgegrenzt werden, das ebenfalls eine mit Fehlbildungen und dem Wilms-Tumor einhergehende Erkrankung darstellt. Abzugrenzen ist außerdem das Frasier-Syndrom, das ebenfalls auf Mutationen des WT1-Gens beruht, aber mit einer fokal segmentalen Glomerulosklerose und einem Gonadoblastom statt eines Wilms-Tumors einhergeht. Zudem können hyperechogene Nieren auch bei Zystennieren pränatal nachgewiesen werden. Wegen des sehr hohen Tumorrisikos ist bis zur Entfernung der Nieren eine engmaschige Ultraschallkontrolle in kurzen Abständen erforderlich.
In aller Regel ist bei von einem Denys-Drash-Syndrom betroffenen Kindern vor Abschluss des dritten Lebensjahres eine Niereninsuffizienz (Nierenversagen) festzustellen und die Mehrzahl entwickelt innerhalb der ersten zwei Lebensjahre einen Wilms-Tumor. Bei Kindern mit transplantierter Niere ist die Prognose hingegen gut.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
In der Regel handelt es sich beim Denys-Drash-Syndrom schon um ein angeborenes Syndrom, sodass die Diagnose meist bereits im Säuglingsalter gestellt wird. Durch die verschiedenen Fehlbildungen und anderen Symptome ist das Kind auf verschiedene Untersuchungen und Behandlungen angewiesen. Ein Arzt sollte daher dann aufgesucht werden, wenn es durch die Fehlbildungen zu Einschränkungen im Alltag und im Leben des Patienten kommt. Durch chirurgische Eingriffe können diese Fehlbildungen eventuell korrigiert werden.
Auch bei einem Nierenversagen ist der Betroffene auf eine medizinische Behandlung angewiesen. Weiterhin sollten auch Schwellungen oder ein zu hoher Blutdruck von einem Arzt untersucht werden. Die Untersuchung der Krankheit erfolgt in der Regel in einem Krankenhaus. Eine weitere Behandlung erfolgt durch einen Facharzt und zum Beispiel mit einer Dialyse. Hierbei ist auch die Transplantation einer Niere möglich, um die Niereninsuffizienz vollständig zu bekämpfen. Da die Betroffenen aufgrund des Denys-Drash-Syndroms relativ häufig an Infekten und Entzündungen leiden, sollten diese ebenfalls von einem Arzt untersucht werden.
Behandlung & Therapie
Ein Denys-Drash-Syndrom kann nicht kausal therapiert werden, da dieses auf einen kongenital bedingten Gen-Defekt zurückgeführt wird. Entsprechend zielen die Therapiemaßnahmen insbesondere auf die Kontrolle und Regulierung der Nierenfunktion, die Behandlung des Bluthochdrucks und der Proteinurie sowie die Reduzierung der spezifisch mit dem nephrotischen Syndrom einhergehenden Beschwerden.
Die Proteinurie lässt sich hierbei nicht durch konventionelle Medikamente kontrollieren. Analoges gilt für das nephrotische Syndrom, das nicht durch Kortikosteroide oder andere Immunsuppressiva behandelt werden kann und dessen Therapie vor allem in der ein- oder beidseitigen Nephrektomie (Nierenentfernung) mit anschließender Blutdialyse und Nierentransplantation besteht.
Ziel der Nephrektomie ist in erster Linie die Vermeidung der Entwicklung eines Wilms-Tumors. Transplantierte Nieren sind in aller Regel nicht von einem Denys-Drash-Syndrom betroffen. Die intersexuellen Genitalorgane werden in den meisten Fällen dem externen Phänotyp chirurgisch angepasst. Darüber hinaus kann in einigen Fällen eine chirurgische Entfernung der abnormalen Sexualorgane angezeigt sein, um das Risiko für eine Manifestierung von Tumoren in diesen Gewebestrukturen weitestgehend auszuschließen.
Unterstützend wird bei einem Denys-Drash-Syndrom eine adäquate Ernährung sowie eine angemessene Prophylaxe im Hinblick auf Infektionserkrankungen empfohlen.
Aussicht & Prognose
Da es sich beim Denys-Drash-Syndrom um eine genetische Erkrankung handelt, kann diese nicht durch eine kausale Therapie behandelt werden. Den Betroffenen stehen daher nur symptomatische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die Beschwerden zu lindern.
Sollte es beim Denys-Drash-Syndrom nicht zu einer Behandlung kommen, so leiden die Betroffenen an schweren Fehlbildungen der Geschlechtsorgane. Es kommt dabei nicht zu einer Selbstheilung, sodass die Betroffenen in ihrer Sexualität stark eingeschränkt sein können. Ebenso kann es zu Fehlbildungen an den Nieren kommen, welche im weiteren Verlauf zu einer Niereninsuffizienz führen. Diese kann für den Betroffenen tödlich enden und wird daher durch eine Dialyse oder durch eine Transplantation behandelt.
Die Behandlung des Syndroms richtet sich immer nach der Schwere der Fehlbildungen. Diese können durch operative Eingriffe korrigiert werden, sodass die Patienten am Geschlechtsverkehr teilnehmen können. Die Beschwerden an den Nieren können in der Regel nicht aufgehalten oder geheilt werden, sodass die Betroffenen immer auf eine Transplantation angewiesen sind. Bestimmend für die Prognose sind jedoch das früh einsetzende Nierenversagen und das hohe Risiko eines Wilms-Tumors, die bereits in den ersten Lebensjahren behandelt werden müssen. Die Lebenserwartung des Patienten ist durch das Denys-Drash-Syndrom meist eingeschränkt. Ein frühzeitiger Therapiebeginn wirkt sich jedoch immer positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.
Vorbeugung
Da es sich bei einem Denys-Drash-Syndrom um eine kongenital bedingte Erkrankung handelt, kann diesem nicht vorgebeugt werden.
Nachsorge
Personen, bei denen das Denys-Drash-Syndrom vorliegt, müssen in der Regel ein Leben lang behandelt werden. Therapie und Nachsorge gehen aufgrund des komplexen Symptombilds fließend ineinander über. Zur Nachsorge können Maßnahmen nach einem operativen Eingriff zählen, wie er bei schweren Genitalfehlbildungen vonnöten ist. Der Betroffene muss dann regelmäßig zur Verlaufskontrolle gehen und außerdem therapeutische Gespräche in Anspruch nehmen, da meist auch psychische Beschwerden vorliegen, die langfristig aufgearbeitet werden müssen.
Die ärztliche Nachsorge und die Therapie sollten in Rücksprache mit dem Hausarzt stattfinden, damit beide Aspekte der Behandlung aufeinander abgestimmt werden können. Nach einer Erkrankung der Nieren muss in regelmäßigen Abständen ein Nephrologe aufgesucht werden. Der Betroffene sollte zunächst einmal pro Monat zum Arzt gehen. Später kann der Turnus reduziert werden, immer im Hinblick auf den Verlauf der Erkrankung und etwaige Komplikationen.
Das Denys-Drash-Syndrom bedarf in jedem Fall einer anhaltenden Nachsorge und Behandlung, denn auf diese Weise wird sichergestellt, dass die eingesetzten Medikamente die stationäre Behandlung optimal unterstützen und der Patient ein dem Gesundheitszustand entsprechendes Leben führen kann. Sollte die Erkrankung Tumore hervorgerufen haben, ist außerdem eine Nachsorge durch einen geeigneten Onkologen vonnöten.
Das können Sie selbst tun
Personen, die am Denys-Drash-Syndrom leiden, bedürfen zunächst einer ärztlichen Behandlung. Die ärztliche Behandlung lässt sich allerdings durch einige Maßnahmen im Alltag unterstützen.
So kann nach der eigentlichen Therapie eine gesunde Ernährung dabei helfen, die Beschwerden zu lindern und die Genesung nach Eingriffen zu unterstützen. Der behandelnde Arzt wird eine Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Nährstoffen empfehlen. Zudem sollten keine ungesunden Speisen wie Fast Food oder allzu Scharfes verzehrt werden. Die genauen Vorgaben für Eiweiß, Salz und Flüssigkeit richten sich nach der Nierenfunktion und werden vom Nephrologen festgelegt.
Auch Alkohol und Koffein gilt es zu vermeiden, um die Nieren nicht zusätzlich zu belasten. Nach einer Nierentransplantation muss sich der Erkrankte zunächst schonen. Auf anstrengende körperliche Aktivitäten ist in jedem Fall zu verzichten. Zudem empfehlen sich krankengymnastische Übungen, die den Kreislauf schonend wieder aufbauen, ohne den Körper zu stark zu belasten.
Da das Denys-Drash-Syndrom ganz unterschiedlich verlaufen kann und mit verschiedenen Symptomen einhergeht, muss die individuelle Therapie immer gemeinsam mit dem zuständigen Facharzt ausgearbeitet werden. Der Patient sollte sich hierfür an den Mediziner wenden und gegebenenfalls auch einen Ernährungsberater, Sportmediziner und Psychologen in die Therapie involvieren.
Quellen
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ISBN: 9783132416871
- Kuhlmann, U., Hoyer, J., Luft, F. C., et al.: Nephrologie.
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- Niemeyer, C., Eggert, A. (Hrsg.): Pädiatrische Hämatologie und Onkologie.
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- Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
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- Wiedemann, H.-R., Kunze, J.: Wiedemanns Atlas klinischer Syndrome.
ISBN: 9783794526574

