Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine Nierenschwäche oder Niereninsuffizienz (auch Nierenversagen) unterscheidet man in eine akute und in eine chronische Ausprägung. Die akute Niereninsuffizienz kann plötzlich und innerhalb weniger Stunden auftreten. Die Ursache ist zumeist eine gestörte Nierendurchblutung. Tritt die Nierenschwäche jedoch häufiger auf oder hält über einen längeren Zeitraum an, so kann von einer chronischen Niereninsuffizienz gesprochen werden. Genauer gefasst liegt die chronische Form vor, wenn die Nierenschädigung oder die verminderte Filterleistung länger als drei Monate besteht. Der Unterschied ist entscheidend: Die akute Niereninsuffizienz bildet sich häufig wieder zurück, wenn ihre Ursache rechtzeitig behoben wird, während sich die chronische Form nicht mehr rückgängig machen lässt und nur in ihrem Fortschreiten gebremst werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)?

Dialyse
Die Dialyse ist ein Blutreinigungsverfahren im Rahmen der Nierenersatztherapie bei Nierenversagen.

Bei einer länger dauernden Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) sind diese beiden bohnenförmigen Organe im hinteren Oberbauch beiderseits der Wirbelsäule dauerhaft geschädigt. Diese Schädigung führt bei Nierenschwäche zu einer fortschreitenden Zerstörung des Nierengewebes, sodass die Blutreinigung nicht mehr vollständig ablaufen kann. Eine Entzündung ist dabei nur eine von mehreren möglichen Ursachen; weitaus häufiger sind ein Diabetes mellitus und ein langjähriger Bluthochdruck. Bleibt die Symptomatik der Nierenschwäche unentdeckt, kann ein vollständiges Nierenversagen mit Koma eintreten, das lebensgefährlich ist.

Je nach dem Grad der Nierenschwäche wird diese in 5 Stadien eingeteilt. Maßgeblich dafür ist die glomeruläre Filtrationsrate (GFR), also die Menge Blut, die die Nieren pro Minute filtern: Im Stadium 1 liegt sie bei nachweisbarem Nierenschaden noch über 90 Milliliter pro Minute, im Stadium 3 zwischen 30 und 59, im Stadium 5 unter 15 Milliliter pro Minute – dann ist eine Nierenersatztherapie erforderlich. Die chronische Nierenschwäche kann auch lange Zeit unbemerkt bleiben, bis sie zu einem vollständigen Nierenversagen führt. Das Gewebe der Nieren ist dann so zerstört, dass nur noch ca. 10 % tatsächlich für die Entgiftung funktionieren. Durch die fehlende Entgiftung des Körpers werden bei Nierenschwäche alle anderen Organe in Mitleidenschaft gezogen und die Wasserausscheidung und Reinigung des Blutes muss dann durch eine regelmäßige Dialyse oder eine Transplantation durchgeführt werden.

Ursachen

Nierenschwäche bzw. Niereninsuffizienz tritt in 40% aller Fälle als Folge einer Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus, auf. Bei 25 % der Patienten entwickelt sich diese Erkrankung aufgrund nicht bekannter Faktoren. Daneben gibt es auch noch erbliche Faktoren, die eine Zystenbildung in der Niere begünstigen, was ebenfalls zu einem fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion führt. Weiterhin kann Bluthochdruck und die Einnahme von nierenschädigenden Medikamenten bei anderen chronischen Krankheiten zu einer Dauerschädigung und Niereninsuffizienz führen. Einen Überblick über die übrigen Krankheitsbilder der Niere gibt der Artikel Nierenerkrankungen.

Eine genetische Disposition scheint auch eine Rolle bei der Entstehung dieser chronischen Form von Nierenschwäche zu spielen. Es gibt angeborene Fehlbildungen der Harnleiter, bei denen der Urin in die Niere teilweise zurückgespült wird und dort auch zu Entzündungen und chronischer Nierenschwäche führen kann. Davon abgesehen sind Übergewicht und Rauchen Faktoren, die eine Nierenschwäche zusätzlich begünstigen.

Nierenschwäche kann zunächst harmlos mit häufigeren Blasenbeschwerden oder Mattigkeit und Infektionen beginnen. Wer frühzeitig die Symptome entdeckt und behandelt, schützt sich vor der fortschreitenden Zerstörung bei Nierenschwäche und dem lebensgefährlichen vollständigen Nierenversagen sowie den Folgeschäden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Nierenschwäche kann zunächst vollkommen unbemerkt verlaufen. Vor allem die chronische Form zeigt zu Beginn keinerlei typischen Merkmale. Sie kann über Jahre völlig beschwerdefrei verlaufen und fällt in dieser Zeit fast nur über Laborwerte auf – über einen erhöhten Kreatininwert, eine verminderte glomeruläre Filtrationsrate oder Eiweiß im Urin. Genau darin liegt die Bedeutung der Vorsorgeuntersuchungen für Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck. Später leiden Patienten meist zunehmend unter schwer einzustellendem Blutdruck. Dabei überschreiten sie die Grenzwerte von 140/90 mmHg häufiger ohne erkennbaren Grund.

Häufig vertreten sind Veränderungen in Farbe und Konsistenz des Urins. Dieser fällt heller aus. Ein erhöhter Anteil an Eiweißen führt zu einer deutlich sichtbaren Schaumbildung beim Wasserlassen. Manchmal sorgen kleine Beimengungen von Blut für einen trüberen und dunkleren Ton. In der Regel liegt der Anteil jedoch nicht im visuell wahrnehmbaren Bereich (Mikrohämaturie).

Durch die eingeschränkte Leistungsfähigkeit lagert der Körper Wasser in Form von Ödemen ein. Betroffene bemerken zudem eine schwer nachvollziehbare Gewichtszunahme, Appetitlosigkeit und allgemeines Unwohlsein. Als Folge entstehen Schwankungen im Elektrolyten- und Säure-Basenhaushalt. Neben einer herabgesetzten Effizienz des Immunsystems reduziert der Mangel des Hormons Erythropoetin (EPO) die Anzahl der roten Blutkörperchen.

Als Folge bildet sich eine Anämie aus, die mit einem allgemeinen Schwächegefühl, blasser Haut und Konzentrationsproblemen einhergeht. Langfristig provozieren Blutdruckprobleme und die fehlende Reinigung des Bluts organische Fehlfunktionen im ganzen Körper.

Sehstörungen, Übelkeit, diffuse Schmerzen in den Knochen und starker Juckreiz entstehen durch das urämische Syndrom, das im Endstadium in ein Nierenversagen mit Harnvergiftung übergeht. Dauerhafte Veränderungen im Herz-Kreislaufsystem belasten zusätzlich das körperliche Wohlbefinden. Bei extremer Verunreinigung drohen Benommenheit, Krämpfe und sogar Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma.

Krankheitsverlauf

Bei akuter Nierenschwäche ist es wichtig, so früh wie möglich den Arzt zu konsultieren. Krankheitssymptome bei Nierenschwäche ähneln Symptomen einer Erkältung oder Grippe und sind daher oft schwer zu deuten. Mattigkeit, Schwäche, erhöhte Temperatur oder hohes Fieber mit Schmerzen in der Nierengegend oder um die Blase herum, sind Anzeichen, dass eine Nierenerkrankung vorliegt. Zeigt sich zunächst eine Blasenentzündung mit häufigem Harndrang, kann jeder Hausarzt durch eine Urinprobe sofort erkennen, ob hier akut Erreger einer Harnwegsinfektion vorliegen. Diese Erreger werden mit speziellen Antibiotika bekämpft. Sollten die Beschwerden trotzdem nicht binnen drei Tagen verschwinden und die Symptome schlimmer werden, so ist ein Urologe zu Rate zu ziehen oder die Klinik aufzusuchen. Versiegt die Urinausscheidung plötzlich, treten Atemnot, Krämpfe oder eine Bewusstseinstrübung auf, ist das ein Notfall: Dann muss über den Notruf 112 sofort der Rettungsdienst alarmiert werden.

Auch die Beschaffenheit der Haut mit extremer Blässe und die Atem- und Herzfrequenz sowie die Blutfüllung der Halsvenen geben dem Arzt Hinweise auf eine Nierenschwäche. Die Anzahl der weißen Blutkörperchen, das C-reaktive Protein, Leberwerte und Fettwerte sind weitere Anhaltspunkte zur Diagnose für den Arzt. Mediziner sprechen bei Nierenschwäche auch von prärenalem und postrenalem Nierenversagen. Daneben steht das intrarenale oder renale Nierenversagen, bei dem das Nierengewebe selbst geschädigt ist. In prärenalen Fällen kann der Arzt weitere Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Infektionen und Lungenödeme verhüten; bei postrenalem Versagen der Niere gilt es Schädigungen durch Urinstau in den Nierenhohlräumen festzustellen, was sich am einfachsten mit einer Ultraschalluntersuchung klären lässt. Ist dagegen das Nierengewebe selbst betroffen und bleibt die Ursache unklar, kann eine Nierenpunktion notwendig sein, wobei auch Gewebe zur histologischen Diagnose entnommen wird.

Komplikationen

Unbehandelt schreitet das Krankheitsbild der Niereninsuffizienz voran, bis es zum völligen Versagen der Nieren kommt. Je mehr Nierengewebe zerstört wird, desto langsamer können die Nieren die aufgenommene Flüssigkeit verarbeiten. Im Endstadium der Niereninsuffizienz reichern sich die Schadstoffe, die durch die Nieren ausgeschieden werden sollten, im Blut an, so dass nur noch eine Dialyse helfen kann. Hier wird das Blut regelmäßig dem Körper entzogen, von Schadstoffen gereinigt und wieder zugeführt- eine langwierige und anstrengende Prozedur.

Da durch die Hormone der Nieren, das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, auch der Blutdruck reguliert wird, kann es hier zu weiteren Komplikationen kommen. Mediziner sprechen vom renalen, also durch die Nieren ausgelösten, Hochdruck.

Die Liste der weiteren Komplikationen der Nierenleistungsschwäche ist lang: eine erhöhte Neigung zu Knochenbrüchen, Wassereinlagerungen in den Beinen und im Gewebe, Uringeruch der Haut, blass-gelbliche Hautfarbe, Herzrhythmusstörungen, Wasser in den Lungen, vom Gehirn ausgelöste Krämpfe, schlechte Ausscheidung von Medikamenten, Salzmangel, ein gefährlicher Kaliumüberschuss im Blut (Hyperkaliämie), Erbrechen und Durchfall. Jede einzelne Komplikation sollte ernst genommen und unbedingt mit dem Arzt besprochen werden.


Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Nierenschwäche wird oft erst erkannt, wenn das Nierengewebe bereits stark geschädigt ist. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Abklärung typischer Symptome. So sollten Müdigkeit, Ödeme in den Beinen und Anzeichen einer Blutarmut vom Hausarzt untersucht werden. Der Mediziner kann feststellen, ob die Symptome auf eine Nierenschwäche hindeuten und gegebenenfalls direkt eine Behandlung einleiten. Personen, die an einer Nierenschwäche leiden, sollten regelmäßig Rücksprache mit dem Hausarzt halten. Besteht der Verdacht, dass die Beschwerden stärker werden, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Vor allem plötzliche krampfartige Schmerzen oder eine Schwellung im Bereich der Nieren müssen abgeklärt werden, da womöglich ein Niereninfarkt droht. Sollte es zu einem Niereninfarkt kommen, muss über den Notruf 112 der Notarzt gerufen werden.

Die betroffene Person muss umgehend medizinisch versorgt werden. Eine Nierenschwäche wird vom Hausarzt oder einem Facharzt für Erkrankungen der Nieren behandelt. Weitere Ansprechpartner sind der Internist und der Urologe, immer abhängig von den vorliegenden Beschwerden und der Ursache der Nierenschwäche. Eine fortgeschrittene Nierenschwäche muss im Krankenhaus behandelt werden. Da im Endstadium einer chronischen Nierenschwäche eine Heilung nur durch eine Organtransplantation möglich ist, müssen entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen getroffen werden. Des Weiteren ist es notwendig, die Ernährung umzustellen, wofür sich der Gang zum Ernährungsberater empfiehlt. Bei chronischen Erkrankungen ist außerdem therapeutische Hilfe sinnvoll.

Behandlung & Therapie

Sobald bei einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) das Blut nicht mehr ausreichend gefiltert wird, steigen auszuscheidende Stoffe wie Kreatinin und Harnstoff im Blut an. Dies wird durch eine Blutuntersuchung festgestellt. Je höher der Anteil dieser Stoffe im Blut ist, umso schwächer ist die Funktion der Nieren. Der Normbereich für Harnstoff im Blut liegt je nach Labor etwa zwischen 10 und 50 Milligramm pro Deziliter; Werte darüber sprechen für eine Störung. Aussagekräftiger als der Harnstoff allein ist allerdings das Kreatinin zusammen mit der daraus berechneten Filterleistung der Nieren (GFR). Vor allem ist auch das Ansteigen von Eiweißen im Urin ein sicherer Hinweis auf die Nierenschwäche.

Der Hausarzt wird anhand dieses Wertes durch den Schnelltest eine erste Diagnose stellen. Anhand der GFR, der glomerulären Filtrationsrate, kann der Hausarzt auch sofort feststellen, wie ausgeprägt die Erkrankung ist. Vermehrtes Urinsediment ist immer ein Indikator für eine Störung. Anschließend ist dann vor allem die Menge an Kreatinin zu messen. Leider zeigt dieser Wert erst einen Anstieg, wenn die Nierenfunktion bereits um mehr als 50% gesunken ist. Eine Nierenschwäche wird daher leider oft zu spät diagnostiziert.

Damit der Patient nicht in ein vollständiges Nierenversagen mit Koma fällt, muss dann sofort eine Behandlung eingeleitet werden. Besser geeignet ist für die Diagnose die sogenannte Kreatinin-Clearance. Dabei wird festgestellt, wie schnell die Nieren das vorhandene Kreatinin aus dem Blut herausfiltern. Von einer manifesten Niereninsuffizienz spricht man, wenn die Filterleistung unter 60 Milliliter pro Minute fällt. Sinkt sie unter 15 Milliliter pro Minute – das entspricht einem Funktionsverlust von rund 85 Prozent –, wird eine Nierenersatztherapie erforderlich, meist eine Dialyse, die die stark gestörte Blutreinigung maschinell übernimmt. Den genauen Zeitpunkt bestimmt aber nicht der Zahlenwert allein, sondern die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand der Beschwerden, der Wassereinlagerungen und der Blutwerte. Die Dialyse dauert immer mehrere Stunden. Dialysepatienten müssen in der Regel drei Mal pro Woche in eine Dialyseabteilung der Klinik gehen, um sich für vier bis fünf Stunden an ein Dialysegerät anschließen zu lassen. Das ist eine erhebliche Minderung der Lebensqualität.

Um einer Nierenschwäche vorzubeugen, raten Ärzte bei wiederholt auftretenden Blasenentzündungen zu pflanzlichen Medikamenten wie Kräutertees und Tabletten aus Heilkräutern für die Stärkung des Urogenitaltraktes. Eine Abhärtung durch Kneipp-Kuren ist ebenfalls empfehlenswert. Diese Hausmittel ersetzen jedoch keine ärztliche Behandlung: Eine bakterielle Nierenbeckenentzündung muss mit Antibiotika behandelt werden, und eine bereits bestehende Niereninsuffizienz lässt sich damit nicht aufhalten.

Aussicht & Prognose

Je zeitiger eine chronische Nierenschwäche diagnostiziert und therapiert wird, desto günstiger ist die Prognose. Allerdings sind bereits entstandene Schäden am Nierengewebe nicht mehr rückgängig zu machen. Die chronische Niereninsuffizienz nimmt einen schleichenden Verlauf, wobei bei Männern sowie älteren und körperlich geschwächten Patienten ein zügigeres Voranschreiten als bei ansonsten körperlich gesunden Patienten und Frauen zu erwarten ist.

Hohe Blutdruck- und Blutzuckerwerte haben einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Auch Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht und andere Risikofaktoren wirken sich negativ auf die Prognose aus. Eine chronische Nierenschwäche verkürzt meist die Lebenserwartung der Patienten. Gefährdet sind insbesondere Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.

Im Allgemeinen hat eine schlechte körperliche Verfassung negativen Einfluss auf die Prognose. Die akute Nierenschwäche führt zu einem Nierenversagen und in der Folge in der Hälfte der Fälle zum Tod der Patienten. Ursächlich für den Tod sind meist Begleiterkrankungen wie Blutvergiftung oder Herzinfarkt. Die Lebenserwartung ist dementsprechend stark reduziert.

Bei vielen der überlebenden Patienten erholt sich die Nierenfunktion dagegen weitestgehend, vorausgesetzt, die Ursache für das akute Nierenversagen wird zügig behoben. Die Prognose bei chronischem und akutem Nierenversagen stellt ein Facharzt für innere Medizin im Hinblick auf das Symptombild und die Konstitution des Patienten.

Nachsorge

Viele Patienten resignieren mit dem Befund Niereninsuffizienz und fühlen sich ohnmächtig. In einem notwendigen Hilfenetz der Nachsorge, bestehend aus Angehörigen, Nahestehenden und dem medizinischen Dialyse-Personal, haben die Hilfe und Unterstützung einen hohen Stellenwert. Die Patienten sind in der Nachsorge darauf einzustellen, mit einer notwendigen Kontrolle und einem Verzicht zu leben.

Der behandelnde Arzt und Nephrologe wird sich den Fragen und Ängsten des Patienten über die Zukunft, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen, stellen und individuell beantworten. Somit ist die psychotherapeutische Begleitung enorm wichtig, um psychosoziale Belastungen, verdrängte Gefühle und depressive Stimmungslagen besser zu verarbeiten. Die verminderte Lebensqualität durch die Niereninsuffizienz wird durch die Nachsorge verbessert und stabilisiert.

Dadurch verbessert sich auch die Situation im familiären Umfeld. Lebenslust und eine Zuversicht für die Zukunft verbunden mit dem nötigen Selbstvertrauen kehren zurück. Während der Nachsorge bleibt jedoch die fortlaufende, medizinische Abhängigkeit und Einschränkung zur Kontrolle der Funktionsfähigkeit der Nieren bestehen, die mit einer medikamentösen Behandlung verbunden ist. Nur ein stabiles, familiäres und soziales Umfeld kann während der Nachsorge diese Belastungen des Patienten mit tragen helfen und ihn vor einem sozialen Rückzug bewahren.

Das können Sie selbst tun

Appetitlosigkeit und Übelkeit infolge einer Nierenschwäche führen häufig zu einer Mangelernährung, die den Abbau von Muskelmasse und eine Beeinträchtigung vieler Körperfunktionen nach sich zieht. Erkrankte sollten daher auf eine ausgewogene Ernährung großen Wert legen, Eiweiß, Natrium, Kalium und Phosphat dürfen jedoch nur in Maßen aufgenommen werden. Ideal ist eine kohlenhydratreiche Kost, Salz sollte sparsam verwendet werden. Wie streng diese Einschränkungen ausfallen, hängt vom Stadium der Nierenschwäche und von den aktuellen Blutwerten ab: In frühen Stadien ist meist noch keine Eiweiß- oder Kaliumbeschränkung nötig, während sie im fortgeschrittenen Stadium wichtig wird. Pauschale Vorgaben sind deshalb ungeeignet – die Mengen legt der behandelnde Arzt oder eine Ernährungsfachkraft individuell fest. Wer zugleich an Diabetes mellitus leidet, muss die Kohlenhydratzufuhr zusätzlich mit dem behandelnden Arzt abstimmen.

Um die ausreichende Versorgung mit lebensnotwendigen (essentiellen) Aminosäuren zu gewährleisten, empfiehlt sich eine Kombination aus tierischen und pflanzlichen Proteinquellen wie etwa Milch und Weizen oder Hülsenfrüchte und Ei. Milch, Hart- und Weichkäse dürfen sparsam verzehrt werden, auf Schmelzkäse, Dosenfisch, stark gesalzene Wurst- und Fleischsorten und Fertigprodukte sollten Erkrankte besser verzichten. Kalium ist reichlich in Obst- und Gemüsesäften, Nüssen, Bananen, Trockenobst und Pilzen enthalten, diese Nahrungsmittel sollten daher nur selten auf dem Speiseplan stehen.

Bei einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz ist eine Beschränkung der Eiweißzufuhr nicht notwendig, da durch die Blutwäsche die harnpflichtigen Substanzen entfernt werden. Dialysepatienten haben im Gegenteil einen erhöhten Eiweißbedarf, weil bei jeder Behandlung Eiweißbausteine verloren gehen. Die benötigte Flüssigkeitsmenge pro Tag ist abhängig vom Schweregrad der Nierenschwäche und wird vom behandelnden Arzt festgelegt. Insbesondere dialysepflichtige Patienten müssen eine Beschränkung der Trinkmenge strikt einhalten: Eiswürfel und Zitronenstückchen eignen sich zum Durstlöschen zwischendurch, auch das Ausspülen des Mundes und das Kauen zuckerfreier Kaugummis können Durstgefühl lindern.

Quellen

  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783131572868
  • Schwenger, V. (Hrsg.): Klinikleitfaden Nephrologie.
    ISBN: 9783437210358
  • Geberth, S., Nowack, R.: Praxis der Dialyse.
    ISBN: 9783642412073
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Keller, C. K., Geberth, S.: Praxis der Nephrologie.
    ISBN: 9783642102127

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