Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie ist eine neurogene Störung im Zusammenspiel von Detrusor und Sphinkter, die beide an der Entleerung der Blase beteiligt sind. Der äußere Sphinkter kontrahiert reflektorisch zur selben Zeit wie der Detrusor und die Blase leert sich unzureichend. Bei der Behandlung stehen konservative und operative Verfahren zur Auswahl.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie?

Detrusor Sphinkter Dyssynergie
Statt einer Entspannung des äußeren Sphinkters tritt bei der Miktion eine reflektorisch spastische Kontraktion des Muskels auf, die gleichzeitig zur Kontraktion des Detrusors eintritt. Der Harnabfluss erfolgt so nur unzureichend.
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Bei einer Dyssynergie ist das Zusammenspiel einer funktionalen Einheit aus unterschiedlichen Strukturen gestört. Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie ist eine Harnblasenfunktionsstörung, bei der der Harnröhrenmuskel und die Blasenmuskulatur in ihrem Zusammenspiel gestört sind. Das Phänomen entspricht genauer gesagt einer mangelnden Koordination des Musculus detrusor vesicae der Blase und des äußeren Harnröhrensphinkters Musculus sphincter urethrae externus.

Die Koordination dieser beiden Muskeln spielt für den Vorgang der Blasenentleerung im Sinne der Miktion eine entscheidende Rolle. Da eine diesbezügliche Koordinationsstörung der Muskeln auf die Innervation und nervale Steuerung der Muskelelemente zurückzuführen ist, zählt die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie zu den neuromuskulären Dysfunktionen der Harnblase.

Damit handelt es sich um eine neuromuskulär bedingte Blasenentleerungsstörung. Ursächlich ist nahezu immer eine Schädigung des Rückenmarks zwischen dem Miktionszentrum im Hirnstamm und dem Sakralmark, etwa bei einer Querschnittlähmung, einer Multiplen Sklerose oder einer Spina bifida. Von einer bloßen Schwäche der Beckenbodenmuskulatur, wie sie im Alter häufig ist, muss die Dyssynergie deshalb klar unterschieden werden.

Ursachen

Die primäre Ursache für eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie ist in den neuromuskulären Zusammenhängen zu suchen. Die neuromuskuläre Störung kann auf verschiedene Primärursachen zurückzuführen sein. Statt einer Entspannung des äußeren Sphinkters tritt bei der Miktion eine reflektorisch spastische Kontraktion des Muskels auf, die gleichzeitig zur Kontraktion des Detrusors eintritt. Der Harnabfluss erfolgt so nur unzureichend.

Dadurch kommt es zu einer Restharnbildung, die einen konsekutiven Harnstau hervorruft. Die Koordination der beiden Muskeln wird durch neurogene Störungen beeinträchtigt, die die zentrale Blasenkontrolle betreffen. Solche Störungen sind meist die Konsequenz von Läsionen im zentralen Nervensystem. Diese Läsionen können im Rahmen einer übergeordneten Erkrankung auftreten, so zum Beispiel als Symptom der Multiplen Sklerose.

Sie können andererseits aber auch auf Traumata, Blutungen oder Tumore und Degenerationen zurückgehen. Wenn nicht das Kontrollzentrum im Gehirn von den Läsionen betroffen ist, liegen meist thorakale oder zervikale Rückenmarksläsionen vor. Eine echte Dyssynergie entsteht dabei nur, wenn die Schädigung unterhalb des Miktionszentrums im Hirnstamm liegt; Schäden des Großhirns führen zu anderen Formen der Blasenstörung.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das klinische Bild von Patienten mit einer Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie entspricht dem einer Pollakisurie. Dabei handelt es sich um eine Miktionsstörung, die sich in einer gesteigerten Frequenz der Blasenentleerung zu kleinen Harnmengen manifestiert. Die Urinmenge ist also nicht erhöht. Lediglich die Miktionsgänge vermehren sich.

Als Komplikation einer Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie können verschiedene Zusatzsymptome auftreten, die vorwiegend auf den verbleibenden Restharn in der Blase zurückzuführen sind. Dieser Restharn kann ein optimaler Nährboden für Bakterien sein und als eine Folge dessen das Risiko von rezidivierenden Harnwegsinfekten stark erhöhen. Vor allem aber steigt durch die gegen den verschlossenen Schließmuskel arbeitende Blasenmuskulatur der Druck in der Blase so stark, dass der Urin in die Harnleiter und bis in die Nieren zurückgestaut wird.

Gelegentlich stellen sich im Verlauf einer Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie auch Symptome wie der vesikorenale Reflux ein, der wiederum aszendierende Infektionen verursachen kann und im Extremfall in eine Druckatrophie von Nierenparenchym mündet. Bei dieser Atrophie baut sich das funktionstragende Gewebe der Nieren Stück für Stück ab. Daher muss besonders dieser Komplikation durch eine frühzeitige Behandlung vorgebeugt werden.

Diagnose

Der erste Verdacht auf die Dyssynergie ereilt den Arzt nach der Anamnese. Zur Diagnostik und Klärung einer Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie stehen dem Arzt unterschiedliche Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Eine der wichtigsten Untersuchungen ist in diesem Zusammenhang die röntgenologische Darstellung des Miktionsvorgangs unter Kontrastmittelgabe.

Gleichzeitig zur Röntgendarstellung wird eine Blasendruckmessung per Video-Urodynamik durchgeführt. Meist findet außerdem eine isolierte Druckmessung innerhalb der Harnröhre oder Blase statt. Dieses Verfahren entspricht in der Regel einer Urethro-Zystotonometrie. Zusätzlich zu diesen Diagnostika stehen dem Arzt sonographische Befundungen zur Verfügung.

Per Ultraschall sollte vor allem die Harnblase untersucht werden, um die Restharnmenge zu bestimmen und zusätzlich Folgekomplikationen für das harnableitende System zu entdecken. Die Prognose gilt als relativ günstig, solange noch keine Komplikationen eingetreten sind.

Komplikationen

Aufgrund der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie leidet der Betroffene in der Regel an Beschwerden der Blasenentleerung. Diese Beschwerden wirken sich in der Regel stark negativ auf die Psyche des Patienten aus, sodass es zu zahlreichen psychischen Beschwerden und zu Depressionen kommen kann. In den meisten Fällen kann der Patient nur sehr geringe Mengen aus der Blase befördern und muss daher auch die Toilette öfter aufsuchen.

Dies manifestiert sich in einer verringerten Lebensqualität. Ebenso kann es zu einem Harnwegsinfekt kommen, welcher mit starken Schmerzen beim Wasserlassen verbunden ist. Das Gewebe an der Niere wird dabei langsam abgebaut, sodass es im schlimmsten Fall zu einem kompletten Funktionsverlust der Niere kommen kann. Die Behandlung erfolgt in den meisten Fällen kausal und richtet sich dabei nach der Grunderkrankung.

Es ist dabei nicht in allen Fällen möglich, die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie komplett einzuschränken. Oft werden unterschiedliche Therapien kombiniert, die den Druck in der Blase senken und für eine vollständige Entleerung sorgen sollen. Meist entleeren die Betroffenen ihre Blase mehrmals täglich selbst mit einem Einmalkatheter; erst in schwerwiegenden Fällen ist ein Dauerkatheter nötig, um den Alltag weiterhin meistern zu können. Bei Entzündungen und Infekten werden Antibiotika verwendet. Bei der Behandlung treten für gewöhnlich keine Komplikationen mehr auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie ist dann ein Arzt aufzusuchen, wenn es zu Beschwerden bei der Entleerung der Blase kommt. Die Blase muss dabei in den meisten Fällen relativ häufig entleert werden und es treten nur sehr geringe Mengen an Harn aus. Dabei entwickeln viele Betroffene auch psychische Beschwerden oder Depressionen, sodass auch eine psychologische Behandlung notwendig sein kann. Weiterhin ist auch dann eine Behandlung durch einen Arzt ratsam, wenn es zu einem Harnwegsinfekt kommt.

Dieser ist in der Regel mit starken Schmerzen verbunden. Auch andere Nierenbeschwerden können auf die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie hindeuten und sollten untersucht werden. Durch eine frühzeitige Diagnose kann der weitere Abbau des Nierengewebes gestoppt werden. Die Diagnose und Behandlung der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie erfolgt in der Regel durch einen Urologen, häufig in Zusammenarbeit mit einem Neurologen. Da bei der Behandlung die Durchführung verschiedener Therapien notwendig sein kann, werden diese meist von Fachärzten durchgeführt. Mögliche Infekte werden mit Hilfe von Antibiotika behandelt.

Behandlung & Therapie

Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie wird in der Regel mit kausalen Therapieansätzen behandelt. Im Rahmen einer solchen kausalen Therapie soll die primäre Ursache der Erkrankung beseitigt werden. Damit entspricht das Ziel der Behandlung einer koordinativen Verbesserung des Muskelzusammenspiels. Vorrangig geht es dabei um den Schutz der Nieren: Der Druck in der Blase muss gesenkt und die Blase regelmäßig vollständig entleert werden. Ein Krafttraining der Beckenbodenmuskulatur ist hierfür nicht geeignet, weil es den ohnehin verkrampften Schließmuskel zusätzlich stärkt.

Lange Zeit wurde den Patienten zu einer Eigenstimulation der Blase durch leichtes Beklopfen des Organs geraten. Heute wird davon abgeraten, weil der so ausgelöste Entleerungsreflex den Druck in der Blase weiter erhöht und die Nieren gefährdet. An seine Stelle ist der intermittierende Selbstkatheterismus getreten: Die Betroffenen entleeren ihre Blase mehrmals täglich selbst mit einem sterilen Einmalkatheter vollständig. Er gilt heute als Standardverfahren und nicht erst als letzte Möglichkeit.

Abhängig von der Fähigkeit der Patienten kann alternativ dazu auch die Anlage von suprapubischen Dauerkathetern erfolgen. Ein Dauerkatheter ist dabei nicht die erste Wahl, weil er das Risiko von Infektionen und Blasensteinen erhöht. Wenn sich durch konservative Behandlungswege keine Besserung einstellt, kann eine invasive Therapieoption diskutiert werden. Eine operative Inzision im Sinne einer Sphinkterotomie kann Abhilfe schaffen. Auch eine Lähmung des äußeren Sphinkters durch die Injektion von Botulinumtoxin kommt im Einzelfall infrage.

Auf konservativem Weg lässt sich der Muskel Detrusor durch die Gabe von Anticholinergika außerdem medikamentös hemmen. Falls bereits Harnwegsinfektionen vorliegen, werden diese Infektionen im Akut-Fall über die Gabe von Antibiotika behandelt. In den meisten Fällen entspricht die Therapie einer Kombination von mehreren der genannten Optionen. In schweren Fällen kommt außerdem eine Vergrößerung der Blase mit körpereigenem Darmgewebe infrage. Unverzichtbar sind bei allen Verfahren regelmäßige Kontrollen der Blasendrücke und der Nierenfunktion, da Nierenschäden lange unbemerkt bleiben.

Aussicht & Prognose

Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie führt zu verschiedenen Einschränkungen im Leben des Patienten, falls die Erkrankung nicht behandelt wird. In der Regel wirkt sich die Krankheit dabei sehr negativ auf die Toilettengänge des Betroffenen aus, sodass diese vermehrt die Toilette aufsuchen müssen. Es tritt nur eine geringe Menge an Harn aus, sodass Restharn in der Blase zurückbleibt.

Aus diesem Grund führt die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie unbehandelt häufig zu Infekten an den Harnwegen und ebenso zu einem vesikorenalen Reflux, welcher weitere Infektionen verursachen kann. Auch das Nierengewebe wird durch die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie mit der Zeit zerstört, sodass es im schlimmsten Falle zu einer Niereninsuffizienz kommen kann. Dabei ist der Patient auf eine Dialyse oder auf eine Spenderniere angewiesen, um den Tod zu vermeiden.

Die Behandlung dieser Erkrankung kann unterschiedlich durchgeführt werden und hängt vom Stadium der Erkrankung ab. In den meisten Fällen werden die Beschwerden jedoch gut eingeschränkt und die Lebensqualität des Betroffenen wieder erhöht.

Bei rechtzeitiger Behandlung lassen sich die genannten Komplikationen meist vermeiden. In vielen Fällen sind die Betroffenen dauerhaft auf einen Katheter angewiesen. Hierbei wirkt sich eine frühzeitige Diagnose und Behandlung positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.


Vorbeugung

Der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie im Rahmen von neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose lässt sich kaum vorbeugen. Vorbeugen lässt sich jedoch ihren gefährlichen Folgen: Wer nach einer Rückenmarksverletzung oder mit einer Multiplen Sklerose Beschwerden beim Wasserlassen bemerkt, sollte die Blasenfunktion frühzeitig urodynamisch untersuchen lassen. Regelmäßige Kontrollen der Nieren und eine konsequente, vollständige Blasenentleerung verhindern bleibende Nierenschäden.

Nachsorge

Bei der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie sind die Maßnahmen einer Nachsorge in der Regel stark eingeschränkt. Dabei ist der Betroffene in aller erster Linie auf eine frühzeitige Behandlung angewiesen, damit es zu keinen weiteren Komplikationen und Beschwerden kommt. Je früher die Krankheit dabei erkannt wird, desto besser ist dabei auch der weitere Verlauf.

Sollte es dabei nicht zu einer Behandlung der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie kommen, verschlechtern sich in der Regel die Beschwerden dramatisch, wobei es im schlimmsten Falle sogar zum Tode des Betroffenen kommen kann. Die Behandlung der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie kann dabei durch ein spezielles Training oder durch einen operativen Eingriff stattfinden. Dabei entscheidet in der Regel die Ausprägung der Erkrankung über die weitere Behandlung.

Einige der Übungen aus den Therapien können dabei auch vom Betroffenen im eigenen Zuhause durchgeführt werden, wodurch die Heilung der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie eventuell beschleunigt wird. Bei der Einnahme von Medikamenten sollten die Betroffenen auf eine regelmäßige Einnahme und auch auf eine richtige Dosierung achten, um die Beschwerden dauerhaft einzuschränken. Eine Selbstheilung kann sich bei dieser Krankheit nicht einstellen. Nach einem möglichen Eingriff ist es für den Betroffenen ratsam, sich auszuruhen und seinen Körper zu schonen. Zur Nachsorge gehören außerdem regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Nieren, Kontrollen der Nierenwerte im Blut und wiederholte Blasendruckmessungen.

Das können Sie selbst tun

Grundsätzlich ist es zunächst wichtig, sich nicht für die fehlende Harnkontrolle zu schämen. Dies kann die Symptome sogar durch den psychischen Druck noch verstärken. Es gibt viele Hilfsmittel, die den Urin auffangen können, so dass er sich nicht sichtbar abzeichnen kann. Dazu gehören, bei wenig Urinverlust, Einlagen bis hin zu Windeln oder Urinalkondomen.

Fehlende Harnkontrolle hat mehrere Ursachen, so dass Wissenschaft und Handel genug Möglichkeiten auf dem Markt haben, die den Urin auffangen können. Damit haben Außenstehende keine Möglichkeit, es zu bemerken. Patienten sollten damit offen umgehen, besonders, wenn sie sich beraten lassen möchten. Es ist ein medizinisches Problem, für das man sich auf keinen Fall schämen muss.

Zudem kann der Beckenboden in der Physiotherapie behandelt werden. Bei dieser Erkrankung geht es dabei nicht um ein Kräftigen des Schließmuskels, sondern darum, ihn während der Blasenentleerung bewusst zu entspannen. Von einem Beklopfen der Blase in Eigenregie ist abzuraten, weil es den Druck in der Blase erhöht und die Nieren schädigen kann. Wichtig ist, sich von einem Experten die richtigen Methoden zeigen zu lassen und den Umgang mit dem Einmalkatheter sorgfältig zu erlernen. Regelmäßiges Üben ist der Grundstein zur Verbesserung.

Patienten können sich in Selbsthilfegruppen für Inkontinenz austauschen. Vor allem online lassen sich viele hilfreiche Tipps finden.

Quellen

  • Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
    ISBN: 9783662634011
  • Hautmann, R., Gschwend, J. E.: Urologie.
    ISBN: 9783642343186
  • Gasser, T., Eberli, D., Thomas, C.: Basiswissen Urologie.
    ISBN: 9783662674499
  • Michel, M. S., Thüroff, J. W. (Hrsg.): Urologische Differenzialdiagnose.
    ISBN: 9783131010636
  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742

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