Miktionsstörung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die menschliche Blase fasst ungefähr 300-450ml Harn, für diese Füllmenge braucht sie rund 4-7 Stunden. Folglich verspüren wir einen Harndrang und suchen die Toilette auf, um uns zu erleichtern, doch nicht bei jedem klappt dies problemlos. Etwas, über das Betroffene in vielen Fällen gar nicht sprechen, sind sogenannte Miktionsstörungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Miktionsstörung?

Miktionsstörung
Zusammengefasst unter dem Begriff Miktionsstörung werden die erschwerte oder zum Teil unvollständige Entleerung der Harnblase, die zu seltene Abgabe des Urins und der unwillkürliche Harnverlust (Inkontinenz).

Zusammengefasst unter dem Begriff Miktionsstörung werden die erschwerte oder zum Teil unvollständige Entleerung der Harnblase, die zu seltene Abgabe des Urins und der unwillkürliche Harnverlust (Inkontinenz). Frauen sind mit 14,7 Prozent häufiger betroffen als Männer mit nur circa neun Prozent, da der weibliche Schließmuskel der Blase (Sphinkter) anfälliger ist und die Muskulatur des Beckenbodens häufiger geschwächt ist.

Wenn kein Urin oder weniger als 100 Milliliter über einen Zeitraum von 24 Stunden ausgeschieden wird, sprechen Mediziner von einer sogenannten Anurie. Beträgt die tägliche Urinmenge jedoch über drei Liter, spricht man von einer Polyurie. Eine tägliche Harnausscheidung von weniger als 500 Milliliter wird als Oligurie bezeichnet. Das Zusammenwirken verschiedener Ursachen ist für die Dysfunktion der Blase verantwortlich. Somit ist die Miktionsstörung kein einheitliches Krankheitsbild.

Ursachen

Es besteht ein breites Spektrum als mögliche Ursachen für eine Miktionsstörung. Zu den mechanischen Ursachen zählt etwa, dass die Harnröhre oder die Harnblase geschädigt, verändert oder entzündet ist. Tumore der Harnröhre oder Harnblase, Fremdkörper, die für eine Verlegung der Harnröhre sorgen, beziehungsweise Fremdkörper in der Harnblase gehören ebenfalls dazu.

Auch Harnröhrenklappen (ausgebreitete segelartige Membranen, die bei Jungen angeboren sind und unbehandelt zu irreversiblen Nierenschäden führen können), Harnröhrenentzündungen (Urethritis) oder eine Verengung der Harnröhre (Harnröhrenstriktur) können ursächlich für eine gestörte Blasenentleerung sein. Ebenfalls in Betracht kommen eine Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie), Blasenentzündungen (Zystitis), Ausstülpungen der Harnblasenwand (Harnblasendivertikel), im Scheiden- und Blasenbereich sowie Darm- und Blasen-Fisteln, Harnblasensteine oder eine Niereninsuffizienz.

Als neurogene Ursachen sind Demenz, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose beziehungsweise ein Spinalabszess oder andere Rückenmarksläsionen bekannt. Aber auch bestimmte Medikamente zur Entwässerung (Diuretika) können Auslöser für vermehrte Harnausscheidung sein.

Die Krankheitszeichen für eine Miktionsstörung sind vielfältig. Das Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung (Restharnbildung) sowie ein anhaltendes Nachtropfen von Harn nach dem Wasserlassen können Anzeichen dafür sein. Zuweilen tritt der Miktionsbeginn verzögert ein oder es kommt zu Harnstrahlunterbrechungen, die auch als „Harnstottern“ bezeichnet werden. Manche Menschen verspüren eine Harnstrahlabschwächung bis zum Tröpfeln oder gar eine verlängerte Dauer des Wasserlassens.

Mitunter kann aber auch ein imperativer Harndrang einsetzen: sehr starker und unwiderstehlicher Drang, der auch zur Dranginkontinenz führen kann und sich sogar zu einer Nykturie steigert, wenn der Harndrang mindestens zweimal pro Nacht einsetzt. Eine Miktionsstörung kann sich auch in kleineren Harnmengen bei deutlich gesteigerter Frequenz der Miktion bemerkbar machen oder mit einer erschwerten Miktion einhergehen.

Schmerzen beim Wasserlassen sind ein deutliches Zeichen, vor allem, wenn die Entleerung nur in einer sehr geringen Harnmenge geschieht und dabei gegebenenfalls sogar von Blasenkrämpfen begleitet wird. Auch eine Harninkontinenz, bei der es zu unwillkürlichem Harnverlust kommt, zählt zu den Miktionsstörungen. Man unterscheidet zwischen Dranginkontinenz, Belastungsinkontinenz, Überlaufinkontinenz, Reflexinkontinenz und einer Mischinkontinenz.


Krankheiten mit diesem Symptom

Diagnose & Krankheitsverlauf

Jeder betroffene Mensch benötigt eine individuelle Betreuung, da Miktionsstörungen und Inkontinenz noch immer ein großes Tabuthema in unserer Gesellschaft sind und Erkrankte oft von großer Scham geplagt sind. Zumeist beginnen Urologen mit der Anamnese (Vorgeschichte) des Patienten.

Berichtet der Patient über ein oder mehrere der typischen Symptome für eine Miktionsstörung, wird darauffolgend eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Hierbei werden wichtige Faktoren, wie zum Beispiel der körperliche Zustand, erhoben. Adipositas (Übergewicht) ist ein Risikofaktor für eine Inkontinenz, aber auch Schwangerschaften können der Auslöser sein. Auch Diabetes mellitus ist eine Ursache für eine Miktionsstörung, denn eine Stoffwechselentgleisung führt oftmals zu krankhafter Vermehrung der Harnmenge.

Die sogenannte Labordiagnostik umfasst die Untersuchung von Körperflüssigkeiten, vor allem des Urins. Urinteststreifen geben Aufschluss über Erkrankungen der Blase, Niere oder Leber, eine mikroskopische Untersuchung des Mittelstrahlurins gibt Aufschluss über eine mögliche Harnwegsinfektion. Bei einer Urinüberschichtungsreaktion wird der Urin des Patienten mit bestimmten chemischen Stoffen versetzt. Somit werden funktionelle Störungen und sogar Stoffwechselentgleisungen erkannt.

Um eine eventuelle Prostatahyperplasie, ein Prostatakarzinom und ein benignes Prostatasyndrom auszuschließen, ist eine digital-rektale Untersuchung erforderlich. Anhand eines Miktionszystourethrogramms wird die Harnblase durch einen Katheter über die Harnröhre mit einem Kontrastmittel gefüllt. Somit kann der Rückfluss des Urins über die Harnleiter in das Nierenbecken nachgewiesen werden um anatomische oder funktionelle Störungen der Harnblasenentleerung feststellen zu können.

Komplikationen

Miktionsstörungen haben verschiedene Ursachen mit verschiedenen Komplikationen. Häufig sind Entzündungen der Harnröhre oder Harnblase. Als Komplikation kann es hier zu einer systemischen Ausbreitung des Erregers kommen (Sepsis). Die Sepsis ist ein lebensgefährlicher Zustand und verläuft trotz Behandlung in etwa 20 bis 30 Prozent der Fälle tödlich. Auch Harnsteine können zu Störungen des Harnflusses führen.

Es kommt hierbei zum Aufstau des Harns bis hin zur Niere, welche sich entzünden kann und dies ebenfalls zu einer Sepsis führen kann. Auch eine Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie) kann Miktionsstörungen hervorrufen. Dies kann auch zum Harnaufstau und damit Entzündung der Niere führen. Die Niere kann dabei bleibende Schäden nehmen.

Durch die Prostatavergrößerung kommt es aufgrund des Harnrückstaus zu einer schmerzhaften Vergrößerung der Blase, deren Wand sich infolgedessen verdicken kann und möglicherweise Divertikel ausbildet, die sich anschließend entzünden können. Eine weitere Möglichkeit, wie der Harnfluss gehemmt wird, ist eine Harnröhrenklappe, die sich beim Jungen ausbilden kann. Auch hier entstehen ähnliche Komplikationen wie beim Harnrückstau.

Einige Demenzen lösen ebenfalls Harnstörungen aus. Komplikationen sind je nach Demenztyp unterschiedlich. Betroffene verändern meist ihr Verhalten und ihre Persönlichkeit, werden häufig aggressiver und enthemmt. Hinzu kommt noch meist eine Ausgrenzung aus der Gesellschaft, eine soziale Isolation, ähnlich verhält es sich auch beim Morbus Parkinson.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Miktionsstörung sollte spätestens dann ärztlich untersucht werden, wenn sie nicht nur als Einzelfall auftritt. Eine vereinzelte unkontrollierte Abgabe von Urin oder ein vereinzeltes Gefühl, nicht richtig Wasser lassen zu können, sind dagegen häufig harmlos.

Ein Arzt sollte dringend aufgesucht werden, wenn über einen ganzen Tag unkontrollierter Harnverlust auftritt, der sich nicht mehr durch eine einzelne Ursache (beispielsweise einen Krampf oder auch kräftiges Lachen) erklären lässt. Schmerzen beim Urinieren sind ebenfalls ein Grund, einen Arzt aufzusuchen. Es gilt abzuklären, was die Ursache ist. Mögliche Harnwegsinfektionen gehören erkannt und behandelt, bevor sie sich ausbreiten können. Auch muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, wenn das Wasserlassen überhaupt nicht mehr funktioniert. Harnverhalt stellt einen medizinischen Notfall dar und bedarf einer sofortigen Behandlung, um Nierenschäden durch gestauten Urin vorzubeugen.

Der Gang zum Urologen ist dabei unumgänglich. Die genaue Betrachtung der Harnwege und gegebenenfalls eine Unterstützung beim Wasserlassen, können durch einen Urologen besser realisiert werden als durch einen Allgemeinmediziner. Auch verfügen urologische Praxen über das notwendige Equipment, um bei akuten Ursachen schnell handeln zu können.

Behandlung & Therapie

Es gibt verschiedene Therapiemaßnahmen zur Behandlung einer Miktionsstörung. Die exakte Diagnose der Fehlfunktion von Blase und/oder Schließmuskel ist hierbei maßgebend. Bei adipösen Patienten beginnt man zuerst mit einer Gewichtsreduktion, bei schlecht eingestellten Diabetikern erstellt man einen individuellen Therapieplan. Somit kann Stoffwechselentgleisungen vorgebeugt werden und damit auch einer Polyurie.

Hat die Miktionsstörung eine mechanische Ursache (Tumore, Fremdkörper, Fistelbildungen) kann diese gegebenenfalls operativ behoben werden. Zudem ist es möglich, dem Betroffenen bei unwillkürlichem Harnverlust ein kleines Bändchen spannungsfrei unter die Harnröhre zu legen. Die medikamentöse Behandlung von Miktionsstörungen ist aus der heutigen Medizin nicht mehr wegzudenken und ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Hier greifen folgende Medikamentengruppen: Phytopharmaka, Alpha-1-Rezeptorenblocker sowie 5-Alpha-Reduktasehemmer, die unter anderem das Prostatavolumen verringern können. Aber auch das einfach anzuwendende Beckenbodentraining kann zur Behandlung von möglichen Beckenbodenschwächen genutzt werden. Kombitherapien sind ebenfalls möglich.

Aussicht & Prognose

Liegt einer Miktionsstörung eine Infektion zugrunde, kann sich der Erreger relativ schnell in andere Regionen ausbreiten. Aus diesem Grund ist eine Behandlung durch einen Arzt erforderlich. Sollte sich der Urin aufstauen, kann es zu einer Nierenentzündung kommen. In diesem Fall ist das Wasserlassen mit starken Schmerzen verbunden. Hier kann es an der Niere zu starken irreversiblen Schäden kommen, die in der Regel nicht behandelt werden können. Falls sich der Urin aufstaut, kann sich die Blase vergrößern, was ebenso mit starken Schmerzen verbunden ist.

Der Patient wird in seinem Alltag durch die Miktionsstörung stark eingeschränkt. Dies kann sich vor allem auf das Ausüben von bestimmten Berufen negativ auswirken. Auch können hier gesellschaftliche und soziale Probleme entstehen. Eine Behandlung führt nicht in jedem Fall zum Erfolg und kann auch in bleibenden Schäden an der Niere resultieren.

In vielen Fällen sind operative Eingriffe notwendig, um das Symptom und die damit verbundenen Schmerzen zu beheben. Sollte die Niere stark beschädigt und nicht mehr funktionsfähig sein, ist eine Nierentransplantation notwendig. Bei Diabetikern hilft in vielen Fällen die Reduktion des Gewichtes, um der Miktionsstörung entgegenzuwirken.


Vorbeugung

Rechtzeitige Prophylaxemaßnahmen sind wichtig, wenn man Miktionsstörungen weitestgehend umgehen möchte. So sollte Übergewicht vermieden werden, um einer späteren Belastungsinkontinenz vorzubeugen. Manche Medikamente können eine Miktionsstörung begünstigen oder verschlechtern. Frauen sollten regelmäßiges Beckenbodentraining durchführen, insbesondere nach Schwangerschaften.

Ein Toiletten- beziehungsweise Blasentraining kann Abhilfe schaffen. Hierbei wird ein Miktionsprotokoll geführt, in dem Frequenz und Menge der Harnausscheidung festgehalten wird. Wichtig hierbei sind angepasste Trinkmengen und festgelegte Zeiten für die Harnausscheidung. So kann die Blase an geregelte Entleerung gewöhnt werden.

Wichtig bei allen Vorbeugemaßnahmen ist vor allem das Hinzuziehen eines Urologen, um zusätzliche Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen. Eine Obstipationsprophylaxe ist ebenfalls sinnvoll um Miktionsstörungen vorzubeugen. Denn eine Verstopfung führt zu starkem Pressen und Drücken und möglicherweise somit zu einem unwillkürlichen Harnverlust.

Das können Sie selbst tun

In den meisten Fällen hilft bei einer Miktionsstörung die Reduktion des Gewichtes. Diese Reduktion muss vor allem bei Patienten mit Diabetes vorgenommen werden. In diesem Fall eignet sich gesundes Essen und eine sportliche Betätigung, um der Miktionsstörung entgegenzuwirken. Darüber hinaus gibt es bei der Miktionsstörung allerdings nur begrenzte Möglichkeiten zur Selbsthilfe. Die Störung wird in der Regel mit Hilfe von Medikamenten oder gezieltem Training behandelt; rein häusliche Mittel reichen meist nicht aus.

Um der Miktionsstörung vorzubeugen, sollten Menschen in der Regel immer dann die Toilette aufsuchen, wenn sie den Drang danach verspüren. Es ist äußerst ungesund, einen Harndrang zu halten und die Blase nicht zu entleeren. Dies gilt vor allem für die Menschen, die aufgrund ihres Berufes nicht besonders oft auf die Toilette gehen können. Somit sind vor allem LKW-Fahrer oder Bus-Fahrer von diesem Problem betroffen und sollten ihre Blase immer regelmäßig entleeren, um eine Miktionsstörung zu vermeiden.

Auf jeden Fall sollte der Patient bei einer Miktionsstörung die Flüssigkeitszufuhr zu ungünstigen Zeiten einschränken. Dies gilt vor allem vor dem Schlafengehen. Kaffee und Alkohol sollten vermieden werden. Zur Behandlung des Symptoms können verschiedene Becken- und Blasenübungen durchgeführt werden.

Quellen

  • Schmelz, H. U., Sparwasser, C., Weidner, W.: Facharztwissen Urologie.
    ISBN: 9783642449413
  • Schwenger, V. (Hrsg.): Klinikleitfaden Nephrologie.
    ISBN: 9783437055423
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488
  • Füeßl, H., Middeke, M.: Duale Reihe Anamnese und Klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132443105

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