Dysenterie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Dysenterie ist eine Entzündung des Darms, die oft zu starker Diarrhö, Magenschmerzen und Erbrechen führt. Verursacht wird sie meist durch eine bakterielle Infektion, seltener durch einen Parasitenbefall. Im Deutschen wird die Dysenterie als Ruhr bezeichnet; die beiden wichtigsten Formen sind die Bakterienruhr durch Shigellen und die Amöbenruhr durch den Einzeller Entamoeba histolytica.
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Was ist Dysenterie?
Die Dysenterie ist eine Entzündungskrankheit des Darms, spezieller noch des Dickdarms. Sie löst schwere Diarrhö aus, die Blut und Schleim enthält, zudem Fieber, Magenschmerzen und Stuhlzwang.
Verursacher der Entzündung können vielzählige Infektionen sein, sowohl bakteriell als auch durch parasitären Befall. Die Krankheitserreger erreichen den Dickdarm über den Verdauungstrakt und werden oral durch verseuchte Nahrung oder Flüssigkeit aufgenommen. Jeder Erreger hat andere Auswirkungen auf den Körper, doch alle befallen die Innenwände des Darms und schädigen diese, was zu einer Reaktion des Immunsystems führt.
Diese Abwehrreaktionen des Körpers führen zu Krämpfen, erhöhter Temperatur und großem Flüssigkeitsverlust durch den Stuhl. Nicht selten infizieren sich Reisende an einem tropischen Urlaubsort mit den Erregern, indem sie verseuchtes Wasser trinken oder Obst essen.
Ursachen
Die häufigste Ursache für eine Dysenterie ist die bakterielle Infektion. Je nach Region herrschen andere Bakterienstämme vor, die eine Dysenterie verursachen können.
Shigellen bspw. sind sehr verbreitet in Lateinamerika, Campylobacter-Bakterien in Süd-Ost-Asien. Die zweite große Form ist die Amöbenruhr, die durch den Einzeller Entamoeba histolytica hervorgerufen wird und vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten vorkommt. Sehr viel seltener wird Dysenterie durch Chemikalien oder Würmer hervorgerufen. Die Bakterien attackieren die Innenhaut des Darms und lösen dadurch die unangenehmen Symptome aus. Diese Infektionsmöglichkeiten werden verbreitet durch die Nahrungsaufnahme von Kot, der sich in verseuchtem Wasser oder verseuchter Nahrung befindet.
Besonders in Regionen großer Armut und Überbevölkerung, in denen die Hygienestandards äußerst gering sind, laufen Menschen erhöhte Gefahr sich mit den Erregern zu infizieren und Dysenterie zu bekommen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Dysenterie ist in der Regel mit sehr unangenehmen Beschwerden verbunden, die sich alle sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken und den Alltag auch deutlich erschweren. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einem sehr starken Durchfall. Aufgrund dessen kommt es häufig zu Mangelerscheinungen oder sogar zu einer Dehydration, wenn der Betroffene nicht genug Flüssigkeit wieder zu sich nimmt.
Ebenso verändert sich der Stuhlgang durch die Dysenterie: Er wird blutig und schleimig. Bei einigen Menschen kann es durch diese Veränderung auch zu einer Panikattacke kommen. Ebenso leiden die Betroffenen häufig an Schmerzen im Bauch und im Magen, wodurch es nicht selten zu einer Appetitlosigkeit und zu einem Gewichtsverlust kommt.
Auch Übelkeit und Erbrechen können aufgrund der Dysenterie auftreten und sich wiederum negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken. In einigen Fällen führt die Erkrankung dabei auch zu Fieber und im Allgemeinen zu einer dauerhaften Müdigkeit oder Abgeschlagenheit. Sollte die Dysenterie nicht behandelt werden, so kann sie sich auch auf die inneren Organe ausbreiten und auch dort zu starken Schäden führen. Dadurch wird auch die Lebenserwartung des Betroffenen verringert.
Diagnose & Verlauf
Die Diagnose wird schnell und vor Ort durch eine körperliche Untersuchung und einige Fragen zu den Symptomen gestellt. So kann eine Behandlung direkt eingeleitet werden. Infizierte Personen können schwere, leichte oder gar keine Symptome haben.
In extremen Fällen können Menschen bis zu einem Liter Flüssigkeit in der Stunde verlieren. Häufiger werden Menschen über Schwindel und Magenschmerzen klagen, sowie über einen starken und faul stinkenden Durchfall, der mit Blut und Schleim gemischt ist, sowie Schmerzen verursacht. Auch Erbrechen und Gewichtsverlust lassen sich oft feststellen und unterstützen die Diagnose.
In seltenen Fällen kann die Dysenterie auch andere Bereiche des Körpers befallen, bspw. lebenswichtige Organe, wie Leber, Gehirn und Lunge. Mund, Gesicht und Lippen sind höchstwahrscheinlich trocken durch den starken Flüssigkeitsverlust. Durch einen Blut- oder Stuhltest sollte schließlich festgestellt werden, welcher Erreger die Dysenterie ausgelöst hat.
Komplikationen
Bei der Dysenterie leiden die Patienten an starken Beschwerden im Bereich des Magens und des Darms. In der Regel ist für den Patienten eine gewöhnliche Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit nicht möglich, sodass es zu Untergewicht und einer Dehydrierung kommt. Die Beschwerden ähneln dabei stark den Beschwerden eines typischen Magen-Darm-Infektes.
Dabei klagen die Betroffenen über Erbrechen und Durchfall. Auch tritt starkes Fieber auf, welches die Lebensqualität des Patienten stark verringern kann. Nicht selten ist der Durchfall blutig, was bei einigen Menschen zu einer Panikattacke führen kann. Die Patienten leiden an einem allgemeinen Krankheitsgefühl und können sich durch die Dysenterie nicht mehr körperlich betätigen. In der Regel benötigt der Patient einige Tage Bettruhe, um die Erkrankung erfolgreich auszukurieren.
In leichten Fällen ist keine direkte Behandlung notwendig, oft verschwindet die Erkrankung nach einigen Tagen von alleine wieder, ohne dass es zu weiteren oder schwerwiegenden Komplikationen kommt. Andernfalls können auch Antibiotika eingesetzt werden. Bei Verdacht auf eine Infektion mit EHEC dürfen Antibiotika allerdings nicht unkritisch gegeben werden, weil sie das lebensbedrohliche hämolytisch-urämische Syndrom auslösen können. Bei rechtzeitiger Behandlung wird die Lebenserwartung durch die Dysenterie nicht verringert.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn plötzlich ein wässriger Durchfall entsteht, handelt es sich womöglich um eine Dysenterie. Ein Arztbesuch ist anzuraten, wenn die Beschwerden nach spätestens drei bis fünf Tagen nicht abgeklungen sind. Sollte der wässrige Durchfall in blutige oder schleimig-eitrige Diarrhö übergehen, ist von einem schweren Verlauf auszugehen. Die Erkrankung sollte dann zeitnah ärztlich abgeklärt und behandelt werden. Patienten, die außerdem an Fieber, Bauchkrämpfen und Koliken leiden, suchen am besten direkt das nächste Krankenhaus auf.
Dies gilt insbesondere dann, wenn Anzeichen einer Dehydration bemerkt werden. Komplizierte Symptome wie arthritische Gelenkveränderungen, Nierenversagen oder Entzündungen von Harnröhre und Bindehaut sind umgehend notärztlich zu behandeln. Unter Umständen müssen außerdem Erste-Hilfe-Maßnahmen geleistet werden.
Bei einem solch schweren Verlauf ist ein längerer Krankenhausaufenthalt nötig. Je nachdem, ob bereits Langzeitschäden entstanden sind, müssen anschließend weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Um dies zu vermeiden, gilt: bei Anzeichen einer Dysenterie sofort zum Arzt gehen. Bei einer frühzeitigen Behandlung sind Komplikationen extrem unwahrscheinlich.
Behandlung & Therapie
Dysenterie wird umgehend behandelt durch eine WHO-Trinklösung, also eine orale Rehydratationslösung aus Zucker und Salzen. Der Ersatz von Flüssigkeit und Salzen ist die wichtigste Maßnahme überhaupt und wichtiger als jedes Antibiotikum. Wenn diese Therapie keinen Erfolg hat, da der Patient zu stark erbricht oder Flüssigkeit über den Darm verliert, kann die Flüssigkeitsaufnahme auch intravenös erfolgen.
Mittel, die die Darmbewegung hemmen, etwa Loperamid, dürfen bei blutigem Durchfall nicht eingenommen werden: Sie halten Erreger und Gifte im Darm zurück und können dadurch schwere Komplikationen auslösen.
Im Idealfall sollte jede medikamentöse Therapie warten, bis herausgefunden wurde, mit welchem Erreger sich der Patient infiziert hat. Falls diese Analyse nicht möglich ist, muss eine doppelte Therapie angewandt werden, sowohl gegen Parasiten, als auch mit Antibiotika gegen die Bakterien. Bei milder Shigellose wird der Arzt ggf. keine Medikation verschreiben, nur viel Flüssigkeitsaufnahme und Bettruhe verordnen.
Eine Dysenterie, die durch Parasiten verursacht wird, muss mit einer medikamentösen Doppelstrategie bekämpft werden. Nach einer zehntägigen Therapie mit Metronidazol erfolgt eine Kur mit Diloxanidfuroat, einem speziellen Mittel gegen diesen parasitären Befall. Heute wird dafür meist Paromomycin verwendet, da Diloxanidfuroat in Deutschland nicht erhältlich ist. Dieser zweite Schritt ist zwingend, weil Metronidazol die Erreger im Darminneren nicht sicher erreicht und die Erkrankung sonst erneut ausbrechen kann. Bei Ureinwohnern von Tropengebieten auf der ganzen Welt werden die Blätter des Kapokbaums zur Linderung der Symptome genutzt. Allein auf diese Behandlung zu bauen, ist jedoch nicht zu empfehlen.
Aussicht & Prognose
Die Prognose der Dysenterie ist bei der Inanspruchnahme einer schnellen medizinischen Versorgung gut. Innerhalb weniger Tage kommt es bei der in Mitteleuropa selten auftretenden Erkrankung mit den richtigen Medikamenten und einer fachärztlichen Behandlung zu einer Besserung des gesundheitlichen Zustandes. Nach ca. 1 ½ bis 2 Wochen wird im Normalfall eine Genesung erreicht. Der Patient benötigt meist noch einige Zeit, bis er vollständig beschwerdefrei ist.
In leichten Fällen ist keine medikamentöse Behandlung bei der Dysenterie notwendig. Bei einem stabilen und gesunden Abwehrsystem kann der Organismus selbständig eine Heilung erwirken. Die Keime sterben ab und werden anschließend aus dem Körper transportiert. Halten die Beschwerden über mehrere Tage an oder nehmen sie an Intensität zu, kann es zu Komplikationen und weiteren Erkrankungen kommen.
In schweren Fällen droht eine Austrocknung des Organismus und damit eine Dehydration. Dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand des Körpers, der einen Notfall darstellt. Es kann zu einem Organversagen und in Folge zum Ableben des Patienten kommen. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben insgesamt eine ungünstigere Prognose. Dies gilt insbesondere, wenn sie sich in keine Behandlung begeben. Die für die Dysenterie verantwortlichen Bakterien breiten sich innerhalb kurzer Zeit im Organismus aus und schwächen den Körper. Es kann zu Funktionsstörungen und Ausfällen kommen.
Vorbeugung
Um einer Dysenterie vorzubeugen, sind besonders hygienische Ratschläge zu befolgen. So sollten nach jedem Gang zur Toilette die Hände gründlich mit Seife gewaschen werden. Regelmäßiges Händewaschen ist grundsätzlich empfohlen. Auch vor dem Kontakt mit Lebensmitteln, kleinen Kindern oder beim Füttern älterer Menschen sollten die Hände gereinigt werden. Mit infizierten Menschen sollte möglichst kein enger Kontakt bestehen. Auch das Teilen von Wasch- und Hygienemitteln sollte vermieden werden. In Regionen mit geringen Hygienestandards sollte außerdem nur abgekochtes oder abgefülltes Wasser getrunken und Obst nur geschält gegessen werden.
Nachsorge
Da es sich bei der Dysenterie um eine komplizierte und vor allem schwerwiegende Krankheit handelt, stehen nur sehr wenige Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung. Dabei muss in erster Linie eine schnelle Diagnose und Behandlung dieser Krankheit durchgeführt werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen am Darm des Betroffenen kommt. Hierbei wirkt sich in jedem Fall eine frühzeitige Erkennung sehr positiv auf den weiteren Verlauf aus und kann einige Beschwerden verhindern.
In den meisten Fällen kann die Dysenterie relativ gut mit Hilfe von Medikamenten oder durch die Umstellung der Nahrung behandelt werden. Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen, falls der Betroffene die Anweisungen des Arztes befolgt. Die Medikamente sollten dabei regelmäßig und richtig eingenommen werden, wobei auch auf eine richtige Dosierung zu achten ist.
Sollte es zu Unklarheiten oder zu Fragen kommen, muss ein Arzt aufgesucht werden. Weiterhin sind bei der Dysenterie auch regelmäßige Untersuchungen des Darms sinnvoll, um bleibende Schäden der Darmschleimhaut früh zu erkennen. Ob sich die Dysenterie negativ auf die Lebenserwartung des Betroffenen auswirkt, kann nicht im Allgemeinen vorhergesagt werden.
Das können Sie selbst tun
Die Möglichkeiten der Betroffenen, ihren Körper beim Überstehen der Dysenterie zu unterstützen, richten sich nach der Schwere der Krankheit. Bei schweren Verläufen ist ein alleiniges Verwenden von Hausmitteln nicht zu empfehlen, da die Krankheitserreger dann mit Medikamenten bekämpft werden müssen. Andernfalls wird die Dauer der Ruhr stark verlängert.
Betroffene sollten in jedem Falle ein Schonverhalten an den Tag legen, das nur durch die häufigen Toilettengänge unterbrochen wird. So sollten Wege zur Toilette frei gehalten werden. Bei mobil eingeschränkten Personen können Windeln oder Unterlagen für das Bett nötig werden.
Viel zu trinken ist, ergänzend zur medikamentösen Therapie, wichtig. So wird dem Körper die verlorene Flüssigkeit wieder zugeführt. Eine elektrolythaltige Ernährung (Reis, Bananen, Äpfel, Gemüsebrühen usw.) kann vom Betroffenen selbst forciert werden, wird in schweren Fällen der Dysenterie aber stationär und intravenös nötig sein.
Betroffene sollten Wasch- und Hygieneartikel, die sie in der Zeit ihrer Krankheit verwenden, nach dem Abheilen auskochen oder entsorgen. Dies dient dem Schutz anderer Personen und schützt vor einer möglichen Wiederinfektion mit den Keimen.
Es kann ferner unterstützend auf Kapok (die Faser des Kapokbaumes) zurückgegriffen werden. Ihr wird eine antibakterielle Wirkung zugeschrieben, sie ersetzt aber keinesfalls Antibiotika.
Quellen
- Jung, N., Rieg, S., Lehmann, C., Tiu, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
ISBN: 9783437223228
- Löscher, T., Burchard, G. D., Hoerauf, A., May, J. (Hrsg.): Tropenmedizin.
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- Holtmann, H., Holtmann, J., Lommen, J., Schorn, L. K.: BASICS Medizinische Mikrobiologie, Hygiene und Infektiologie.
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- Messmann, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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