Empyem
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Ein Empyem ist eine eitrige Flüssigkeitsansammlung in einem natürlichen Hohlraum des Körpers. Damit unterscheidet es sich vom Abszess, der sich seine Höhle im Gewebe erst selbst schafft. Besonders häufig betroffen ist dabei die Lunge. In den meisten Fällen kann ein Empyem gut behandelt werden; besonders in der Lunge ist die Erkrankung unter Umständen aber lebensbedrohlich.
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Was ist ein Empyem?
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Unter dem Begriff Empyem verstehen Mediziner eine Ansammlung eitriger Flüssigkeit in einer Körperhöhle. Der Name bedeutet auf Griechisch so viel wie „Eiter bildend“. Meist entsteht ein Empyem infolge einer Gewebeentzündung, die anschließend zu der typischen Flüssigkeitsbildung führt. Entscheidend für den Begriff ist, dass die Höhle bereits vorhanden ist – etwa der Spalt zwischen den Rippenfellblättern, die Gallenblase oder ein Gelenk. Sammelt sich der Eiter dagegen in einer Höhle, die er sich im Gewebe erst selbst geschaffen hat, spricht man von einem Abszess.
In vielen Fällen ist die Lunge betroffen, genauer der Hohlraum, der sich um die Lungenflügel herum befindet. Dieser Zustand ist entsprechend auch als Brust- oder Pleuraempyem bekannt und wird in Fachkreisen Empyema thoracis genannt. Das Pleuraempyem ist die mit Abstand wichtigste Form; es entsteht meist als Komplikation einer Lungenentzündung, deren Begleiterguss sich mit Bakterien besiedelt. In selteneren Fällen kann auch die Gallenblase oder die Beckenhöhle von der Flüssigkeitsansammlung betroffen sein. Ein Empyem sollte grundsätzlich immer medizinisch behandelt werden, da es ohne eine rasche und angemessene Therapie zum Tode des Patienten führen kann.
Ursachen
Verantwortlich für ein Empyem ist eine bakterielle Infektion. Dabei handelt es sich in der Lunge besonders häufig um die Bakterienarten Haemophilus influenzae, der Erkrankungen wie Bronchitis oder Pneumonie (Lungenentzündung) verursacht, Streptococcus pneumoniae, der Lungen- und Hirnhautentzündungen (Meningitis) hervorruft und Staphylococcus aureus, der Lungenentzündungen und Sepsen, aber auch Furunkel verursacht.
Letzterer ist in nahezu 90 % aller Fälle, in denen Babys und Kleinkinder betroffen sind, der Verursacher der Flüssigkeitsansammlung. Befindet sich das Empyem im Becken, ist meist das Bakterium Pseudomonas aeruginosa verantwortlich. Häufiger noch finden sich dort allerdings Mischinfektionen aus Darmbakterien wie Escherichia coli und Keimen, die ohne Sauerstoff wachsen. Vor allem bei älteren oder chronisch erkrankten Patienten findet sich auch nicht selten das Bakterium Klebsiella pneumoniae.
Die Erreger befallen das Gewebe, das beispielsweise die Lungen bedeckt. Als Schutzreaktion stößt der Körper tote Zellen ab. Gleichzeitig bilden sich Eiter und Flüssigkeiten, die zusammen mit den abgestorbenen Zellen die Körperhöhlen füllen und zu einem Empyem führen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Empyem kann sich durch verschiedene Symptome äußern. Typisch für die Erkrankung sind Brustschmerzen, Husten und Auswurf. Die Absonderungen sind meist bräunlich-grün und weisen einen unangenehmen Geruch auf. Sie treten vor allem morgens auf und rufen die charakteristischen rasselnden oder brodelnden Atemgeräusche hervor. Meist kommen Kurzatmigkeit und Abgeschlagenheit hinzu.
Im weiteren Verlauf nimmt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ab, der Betroffene ist meist nicht mehr in der Lage, die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen. Durch das Verschlucken der Absonderungen kann es zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Auch Durchfall ist nicht auszuschließen. Begleitend dazu tritt meist auch ein schlechter Atem auf. Viele Betroffene leiden an Fieber, das sich durch Kreislaufbeschwerden, Schweißausbrüche und ein zunehmendes Krankheitsgefühl äußert.
Wird ein Empyem nicht behandelt, kann die Infektion auf andere Organe übergehen. Greift sie auf das Herz über, kann dies zu Herz-Kreislauf-Beschwerden, Herzschwäche und anderen schwerwiegenden Symptomen und Komplikationen führen. Bei Befall des Gehirns kann es zu einer Gehirnentzündung oder einer Hirnhautentzündung kommen. Generell ist eine Verschleppung der Infektion lebensbedrohlich und ruft Allgemeinsymptome wie hohes Fieber und Koma hervor. Im Extremfall kommt es zum Tod des Patienten.
Diagnose & Verlauf
Ein Lungenempyem kann vom behandelnden Arzt unter anderem durch das Abhorchen der Lunge und ein Abklopfen der Brust und des Rückens erkannt werden. Sucht ein Patient den Mediziner mit Symptomen wie Kurzatmigkeit, Husten, Brustschmerzen, Fieber und Müdigkeit auf, deutet dies ebenfalls auf eine Flüssigkeitsansammlung hin.
Ein schlechter Atem und ein bräunlich-grüner Auswurf können weitere Hinweise sein. Ein Röntgenbild sowie eine Ultraschalluntersuchung machen das Empyem deutlich sichtbar. Zur genauen Beurteilung der Ausdehnung wird heute meist zusätzlich eine Computertomographie angefertigt. Bewiesen ist das Empyem allerdings erst durch die Punktion: Wird die Flüssigkeit mit einer Nadel abgezogen und findet sich darin Eiter oder gelingt der Nachweis von Bakterien, steht die Diagnose fest. Aus derselben Probe wird zugleich bestimmt, welcher Erreger vorliegt und auf welches Antibiotikum er anspricht. Der durch eine Infektion hervorgerufene Zustand sollte grundsätzlich immer medizinisch behandelt werden, da die Infektion sonst auf das Herz oder Gehirn übergehen kann. In diesen Fällen kann es zu hohem Fieber, blutigem Auswurf und schließlich zum Koma und zum Tod des Patienten kommen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Kommt es zu Problemen bei der Atmung, gilt dies als besorgniserregend. Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn die Beschwerden über eine längere Zeit anhalten oder an Intensität zunehmen. Bei Kurzatmigkeit oder Aussetzern der Atmung muss ein Arzt aufgesucht werden. Es kommt zu einer kontinuierlichen Unterversorgung des Organismus, die in einem lebensbedrohlichen Zustand enden kann. Bei Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen oder Störungen der Aufmerksamkeit wird ein Arzt benötigt.
Herzrasen, ein erhöhter Blutdruck und Probleme des Herzrhythmus müssen von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Ohne eine ärztliche Behandlung können akute Zustände eintreten, die zu lebenslangen Beeinträchtigungen führen können. Bei Fieber oder einer anhaltenden Müdigkeit trotz ausreichenden Schlafs wird ein Arzt benötigt. Schmerzen in der Brust oder der Bauchregion müssen abgeklärt und behandelt werden. Nimmt das Schmerzempfinden zu, sollte schnellstmöglich ein Arztbesuch erfolgen.
Vor der Einnahme eines schmerzstillenden Medikamentes ist die Rücksprache mit einem Mediziner ratsam, um mögliche Nebenwirkungen und Risiken abzuklären. Bei einem anhaltenden Husten, auffallenden Gerüchen des Atems oder einem wiederholt auftretenden Auswurf ist ein Arzt aufzusuchen. Bei befremdlichen Atemgeräuschen oder der Unfähigkeit des tiefen Einatmens sollte ein Arzt konsultiert werden. Kommt es beim Husten zu einem blutigen Auswurf, ist ein Notarzt zu rufen, da ein kritischer gesundheitlicher Zustand besteht.
Behandlung & Therapie
Wurde eindeutig ein Empyem diagnostiziert, muss der behandelnde Mediziner zeitnah handeln und eine Therapie einleiten. Meist besteht diese aus einer Kombination aus Medikamenten und einem operativen Eingriff. Der entscheidende Grundsatz lautet dabei: Antibiotika allein genügen beim Empyem nicht. Der Eiter muss abfließen können – über eine Punktion, über eine Drainage mit Spülung oder, wenn das nicht ausreicht, über eine operative Ausräumung der Höhle. In der Medizin gilt dafür seit jeher der Merksatz „Ubi pus, ibi evacua“ – wo Eiter ist, dort entleere ihn. Bei der Operation kann die angestaute Flüssigkeit entfernt werden, was den Druck deutlich lindert und bei einem Lungenempyem das Atmen erleichtert.
Außerdem gewinnen die Organe dadurch wieder mehr Platz im Körper. Befindet sich die Infektion noch in einem frühen Stadium, kann die Flüssigkeit mithilfe einer sogenannten Thorakozentese entfernt werden. Dabei wird eine Hohlnadel in die Brusthöhle eingeführt und der Eiter abgesaugt. Ist das Empyem weiter fortgeschritten, muss der Brustkorb vom Chirurgen geöffnet und die Flüssigkeitsansammlung über ein Rohr abgelassen werden. Ist das Gewebe bereits sehr stark befallen, muss es zusätzlich operativ entfernt werden.
Anschließend kann sich die Lunge wieder besser entfalten und den Brustkorb wie gewohnt ausfüllen. Zusätzlich zum chirurgischen Eingriff muss die bakterielle Infektion behandelt werden. Zu diesem Zweck werden Antibiotika, besonders Penicillin, verabreicht. Welches Mittel gewählt wird, richtet sich heute nach dem Erreger, der im abgesaugten Eiter nachgewiesen wurde; häufig werden Kombinationen eingesetzt, die auch Keime ohne Sauerstoffbedarf erfassen.
Diese sollten über mindestens zwei Wochen gegeben werden, um sicherzustellen, dass alle Bakterien abgetötet wurden. Meist erfolgt die Gabe der Medikamente intravenös, da sie auf diese Weise schneller und effektiver arbeiten können. Je früher das Empyem erkannt wird, umso effektiver ist auch die medikamentöse Behandlung.
Aussicht & Prognose
Eine genaue Aussicht und Prognose zu stellen ist sehr schwer, da durch eine ärztliche Behandlung der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden kann. In den meisten Fällen entsteht ein solches Empyem im Zusammenhang mit einer Lungenentzündung; seltener geht es von einer Schleimbeutelentzündung oder einer anderen eitrigen Entzündung in der Nachbarschaft aus. Wird der Eiter rechtzeitig abgeleitet und die Entzündung mit Antibiotika behandelt, klingt sie im Normalfall innerhalb einiger Wochen ab. Die Eiterproduktion lässt nach, sodass mit einem unkomplizierten Heilungsverlauf zu rechnen ist. Die Aussicht auf eine vollständige Heilung sieht somit sehr gut aus.
Wenn die Eiterbildung sich jedoch nicht zurückbildet, sondern zunimmt, dann ist mit einem erschwerten Krankheitsverlauf zu rechnen. In dem abgeschlossenen Eiterherd können sich die Bakterien ungestört weiter vermehren und für eine schwere Entzündung sorgen.
Bleibt ein solches Krankheitsbild ohne jegliche Behandlung, dann ist mit einem deutlich erschwerten Krankheitsverlauf zu rechnen. Unter Umständen kann es zur Bildung eines Abszesses kommen. Wird in so einem Fall auf einem Besuch beim Arzt verzichtet, dann kann es im schlimmsten Fall sogar zu einer Blutvergiftung kommen.
Vorbeugung
Da es sich bei einem Empyem um eine bakterielle Infektion handelt, ist ein Vorbeugen im eigentlichen Sinne nicht möglich. Eine gesunde Lebensweise stärkt das Immunsystem und kann den Allgemeinzustand des Einzelnen verbessern. Dies schließt aber nicht aus, dass es dennoch zu einem Empyem kommen kann. Der häufigsten Ursache lässt sich allerdings durchaus vorbeugen: Die Impfung gegen Pneumokokken, die älteren Menschen und chronisch Kranken empfohlen wird, senkt das Risiko einer Lungenentzündung und damit auch das eines Pleuraempyems. Kommt es zu den ersten Symptomen, sollten Betroffene und Familienangehörige möglichst zeitnah einen Arzt aufsuchen.
Wird die Flüssigkeitsansammlung bereits in einem frühen Stadium erkannt, ist es unter Umständen möglich, sie allein durch eine Punktion und Antibiotika zu behandeln und eine größere Operation zu vermeiden. Treten Symptome wie Kurzatmigkeit, Fieber oder ein auffälliger Auswurf auf, ist es ratsam, im Zweifelsfall zum Arzt zu gehen und die Ursachen für die Beschwerden abklären zu lassen.
Nachsorge
Bei einem Empyem ist in erster Linie eine frühzeitige Behandlung sehr wichtig, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder im schlimmsten Fall zum Tod des Betroffenen kommt. Je früher die Krankheit dabei erkannt wird, desto besser ist meistens auch der weitere Verlauf der Krankheit. Daher steht im Vordergrund vor allem die frühzeitige Erkennung des Empyems.
In der Regel sind jedoch die Maßnahmen oder Möglichkeiten einer Nachsorge sehr stark eingeschränkt oder auch nicht wirklich notwendig. Nach einem Pleuraempyem gehören allerdings Atemübungen und Krankengymnastik dazu, damit sich die Lunge wieder vollständig entfaltet und keine narbigen Verwachsungen zurückbleiben; der Heilungsverlauf wird zudem mit Röntgen- oder Ultraschallkontrollen überwacht. Die Behandlung selbst erfolgt dabei mit Hilfe eines operativen Eingriffes. Nach diesem Eingriff sollte sich der Betroffene auf keinen Fall körperlich anstrengen oder betätigen. Von stressigen oder sportlichen Tätigkeiten ist dabei auf jeden Fall abzusehen, um den Körper nicht unnötig zu belasten.
Weiterhin ist nach dem Eingriff häufig auch die Einnahme von Antibiotika sinnvoll, um Infektionen zu verhindern. Dabei sollten Antibiotika nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden, da Alkohol den ohnehin geschwächten Körper zusätzlich belastet und bei einzelnen Wirkstoffen wie Metronidazol zu erheblichen Unverträglichkeitsreaktionen führt. Im Zweifelsfall oder bei Unklarheiten kann auch immer ein Arzt kontaktiert werden. In den meisten Fällen verringert ein Empyem auch nicht die Lebenserwartung, falls die Behandlung schon frühzeitig eingeleitet wird. Die Lunge sollte nach dem Eingriff ebenfalls nicht unnötig belastet werden, sodass auch vom Rauchen abzusehen ist.
Das können Sie selbst tun
Ein Empyem ist eine ernst zu nehmende Störung, die keinesfalls eigenmächtig allein mit Hausmitteln oder frei verkäuflichen Medikamenten therapiert werden sollte. Die beste Form der Selbsthilfe besteht darin, zeitnah einen Arzt aufzusuchen und dessen Anordnungen strikt zu befolgen. Andernfalls kann es zu schweren Komplikationen wie etwa einer Blutvergiftung kommen. Ein Lungen-Empyem kann sogar tödlich enden.
Wird ein Empyem frühzeitig entdeckt, lässt sich der Eiter aber in aller Regel über eine Punktion oder eine Drainage ableiten und die Infektion begleitend mit Antibiotika behandeln, bevor sich Komplikationen einstellen. Die Antibiotika müssen unbedingt wie vom Arzt verordnet eingenommen werden. Keinesfalls darf eine Antibiotika-Behandlung eigenständig unterbrochen oder vorzeitig beendet werden.
Dies gilt auch dann, wenn sich Nebenwirkungen zeigen. Diese Nebenwirkungen darf ein Patient, nach Rücksprache mit dem Arzt, aber auch mit milden Hausmitteln therapieren. Antibiotika töten nicht nur Krankheitserreger, sondern auch nützliche Darmbakterien, was zu Durchfällen führen kann. Probiotische Lebensmittel, insbesondere Joghurt, können den Darm dabei unterstützen, sich wieder zu erholen.
Frauen leiden während oder kurz nach einer Behandlung mit Antibiotika häufig unter einer Infektion der Scheide mit Hefepilzen. Dieser Nebenwirkung kann durch die Verwendung von Milchsäure-Zäpfchen, die freiverkäuflich in der Apotheke erhältlich sind, vorgebeugt werden.
Eine gesunde Lebensweise unterstützt die körpereigenen Abwehrkräfte, was das Abheilen des Empyems beschleunigt.
Quellen
- Vogelmeier, C. F. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Pneumologie.
ISBN: 9783437062629
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Salzberger, B. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Infektionskrankheiten und Impfungen.
ISBN: 9783437238178
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443488
