Flachrücken

Letzte Aktualisierung am 29. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Unter einem Flachrücken wird eine Deformation der Wirbelsäule verstanden, indem sich diese geradlinig vom obersten Halswirbel bis zum Becken erstreckt. Normalerweise unterliegt die Wirbelsäule einer natürlichen Krümmung mit dem Zweck unsere täglichen Bewegungen abzufedern.

Während sich im Halswirbelbereich eine Krümmung nach vorne befindet, ist im Brustwirbelbereich eine Krümmung nach hinten anzutreffen. Im Bereich der Lenden krümmt sich die Wirbelsäule bei einem gesunden Menschen wieder wie im Halswirbelbereich nach vorne. Der Flachrücken kann also aufgrund dieser fehlenden S-Krümmung die Funktion des Abdämpfens nicht übernehmen. Dies führt zu Schmerzen bei den Betroffenen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Flachrücken?

Ein Flachrücken ist meist durch eine außergewöhnlich kerzengerade Körperhaltung und einen versteiften Hals erkennbar. Diese Ausprägungen entstehen durch die fehlende oder unterdurchschnittlich ausgeprägte S-Krümmung der Wirbelsäule, wovon in den meisten Fällen vor allem der Lendenbereich betroffen ist.

Besonders beim Heben von schweren Gegenständen macht sich der Flachrücken beim Betroffenen bemerkbar. Hier kann sich der Druck der Last nicht mehr gleichmäßig verteilen und es kommt zur Überbelastung von Bandscheiben und Gelenken.

Die Folge sind starke Rückenschmerzen. Auch Kinder leiden unter dieser Erscheinung sehr oft. Hieraus kann sich neben dem Hauptsymptom Rückenschmerzen, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Reizbarkeit entwickeln.

Ursachen

Die Ursachen eines Flachrückens sind vielfältig. Zum einen kann diese Deformation durch Haltungsfehler ausgelöst werden. Dies geschieht besonders häufig während der Jugendzeit, da sich die Wirbelsäule in diesem Zeitraum noch im Wachstum befindet.

Hier können sich während dieser kritischen Wachstumsphase eine krankhaft verstärkte nach hinten gerichtete Krümmung des Brustsäulenbereichs oder auch ein Buckel entwickeln. Die Krankheit ist auch als Morbus Scheuermann bekannt und kann ebenfalls als Ursache eines Flachrückens gelten. Vorrübergehende Haltungsfehler in der Jugend werden also dauerhaft, da sich die Wirbelsäule in ihrer weiteren Entwicklung an dieser falschen Haltung orientiert.

Des Weiteren führen andere Erkrankungen der Wirbelsäule wie die Rachitis zu diesem Phänomen. Dies ist eine Vitamin-D-Stoffwechselerkrankung, die zur Erweichung der Knochen führt und die Knochen somit der täglichen Belastung nicht stand halten können. Sie können sich zum Beispiel entgegen der natürlichen S-Krümmung in einen geradlinigen Verlauf verformen. Aber auch Operationsfehler, wie das falsche Anbringen von Implantaten an der Wirbelsäule, können einen gesunden Rücken in die Richtung eines Flachrückens verformen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Äußerlich scheint ein Flachrücken makellos zu sein. Der Rücken ist weder nach vorn (Lordose) noch nach hinten (Kyphose) gekrümmt. Allerdings fehlt auch die physiologische S-Form der Wirbelsäule, bei der die Brustwirbel leicht nach außen und die Lendenwirbel nach innen gekrümmt sind. Ein Mensch, welcher an einem Flachrücken leidet, erscheint kerzengerade und steif aufgerichtet.

Bei der normalerweise leicht gekrümmten Wirbelsäule werden die Kräfte von oben nach unten abgefedert. Das ist besonders vorteilhaft beim Tragen schwerer Lasten. Diese Abfederung entfällt jedoch bei einem Flachrücken. Bereits beim einfachen Stehen oder Gehen drückt die volle Last der oberen Wirbel auf die darunter liegenden Wirbel.

Dadurch kommt es zu einem verstärkten Verschleiß der Wirbelkörper. Der hohe Druck auf die unteren Wirbel verhindert auch deren optimale Nährstoffversorgung. Die Folge davon sind starke Schmerzen, die sich besonders beim Heben von schweren Gegenständen noch verstärken. Die Schmerzen bei einem Flachrücken sind vergleichbar mit den Schmerzen bei einer ausgeprägten Kyphose oder Skoliose.

Ohne Behandlung kann es schnell zu einem starken Verschleiß der Wirbelkörper mit einer erheblichen Einschränkung der Beweglichkeit kommen. Neben den Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen leiden die betroffenen Patienten häufig auch an Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Leistungsschwäche. Folge davon ist eine Verschlechterung der Lebensqualität, die auch zu Depressionen und weiteren psychischen Erkrankungen führen kann.

Diagnose & Verlauf

Der Flachrücken gilt an sich nur als Symptom. Die Diagnose erfolgt somit auf Basis einer Grunderkrankung, wobei auch andere auftretende Symptome Beachtung finden sollten. Im Allgemeinen besitzt der Betroffene eine außergewöhnlich, gerade Körperhaltung. Dies muss durch Röntgenaufnahmen vom Arzt bestätigt werden.

Im nächsten Schritt müssen die Ursachen dieses Symptoms ergründet werden. Auslöser können neben den bereits erwähnten Ursachen wie der Rachitis oder Fehler in durchgeführten Versteifungsoperationen auch Bandscheibenerkrankungen oder das atypische Morbus Scheuermann sein. Bei Bandscheiben bedingten Erkrankungen sollte der Arzt eine Kernspintomographie durchführen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Behandlung beim Flachrücken ist zwar nicht immer notwendig, sollte allerdings trotzdem durchgeführt werden, um weitere Komplikationen und Beschwerden im Alltag des Betroffenen zu vermeiden. Der Patient sollte bei dieser Erkrankung immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn es im Alltag zu starken Rückenschmerzen kommt. Diese treten dabei vor allem beim Heben von schweren Gegenständen oder auch bei alltäglichen Bewegungen auf. Sollte es daher ohne einen besonderen Grund und vor allem dauerhaft zu diesen Schmerzen kommen, so ist auf jeden Fall ein Besuch bei einem Arzt notwendig.

Der Rücken verliert seine typische S-Form, sodass der Betroffene an einem durchgestreckten Rücken leidet. Auch bei dieser Beschwerde ist ein Besuch bei einem Arzt immer notwendig. Die Diagnose und Behandlung der Krankheit kann durch einen Orthopäden oder durch einen Allgemeinarzt erfolgen. In einigen Fällen sind die Betroffenen allerdings auf einen operativen Eingriff angewiesen, um die Beschwerden zu lindern. Auch verschiedene Übungen und Therapien können dabei helfen, die Beschwerden dieser Erkrankung zu lindern. Bei einer frühzeitigen Behandlung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines positiven Krankheitsverlaufes.

Komplikationen

Bei einem Flachrücken leidet der Patient an relativ starken Schmerzen. Diese können entweder unter Belastung oder auch in Form von Ruheschmerzen auftreten und dabei den Alltag des Patienten stark einschränken. In der Regel kommt es ebenfalls zu einer Bewegungseinschränkung und damit zur Abnahme der Lebensqualität. In vielen Fällen klagen die Betroffenen auch über eine Müdigkeit und eine Antriebslosigkeit.

Dabei ist es nicht möglich, die Müdigkeit mit ausreichend Schlaf auszugleichen, sodass der Patient sich geschwächt fühlt und ein allgemeines Krankheitsgefühl aufweist. Auch Kinder können an einem Flachrücken leiden und sind damit in ihrer körperlichen Entwicklung eingeschränkt. Die Schmerzen wirken sich in der Regel negativ auf die Psyche aus, sodass die meisten Betroffenen auch an Depressionen und andren seelischen Beschwerden leiden.

Durch den Schmerz entsteht meistens auch eine erhöhte Reizbarkeit und Aggressivität. Diese Faktoren können sich negativ auf die Umwelt und auf die sozialen Kontakte auswirken. Die Behandlung des Flachrückens wird in der Regel mit Hilfe von verschiedenen Übungen durchgeführt.

Dabei kommt es zu keinen weiteren Komplikationen. In schwerwiegenden Fällen können operative Eingriffe erfolgen. Der Krankheitsverlauf ist meist positiv und beeinträchtigt nicht die Lebenserwartung.

Behandlung & Therapie

Erst nachdem die Ursachen des Flachrückens geklärt sind, kann eine entsprechende Therapie erfolgen. Dabei lässt sich der Flachrücken meist als Symptom einer anderen Grundkrankheit identifizieren. Oder es ist ein Resultat eines Haltungsfehlers während des Jugendalters.

Selten wird eine Operation zur Behandlung durchgeführt. Ausnahme ist hierbei eine bereits eingetroffene sekundäre Veränderung der Bandscheiben und Gelenke, wobei beschädigte Bandscheiben operativ entfernt werden und die Wirbelsäule mit Metallplatten und Schrauben korrigiert stabilisiert werden kann. Diese operativen Eingriffe werden aber nur bei starker Ausprägung des Flachrückens durchgeführt. Auch eine Dauertherapie ist beim Flachrücken oft nicht nötig. Meistens reichen schon einige Balance- und Gleichgewichtsübungen auf einer unebenen Fläche aus, um die Wirbelsäulenbalance wiederherzustellen.

Der Patient lernt seine Körperhaltung zu kontrollieren und darüber hinaus wird die Muskulatur gestärkt. Auch bleibt hierdurch die Beweglichkeit verschiedener Wirbelsäulenabschnitte erhalten, sodass Versteifungen des Körpers vermieden werden. Bei akuten Beschwerden wird auf konservative Behandlungsmethoden wie eine physiotherapeutische Behandlung nach Brügger zurückgegriffen. In dieser ganzheitlichen Therapie auf neurophysiologischer Basis werden individuelle Funktionsstörungen des Bewegungssystems analysiert und die Schmerzen und Störfaktoren behandelt.

Aber auch Dehnübungen der Oberschenkelmuskulatur oder ein Ausgleich des muskulären Ungleichgewichts im Hüft-, Lenden- und Beckenbereich können Behandlungsmethoden bei der Diagnose Flachrücken darstellen. Bleibt der Flachrücken jedoch länger unbehandelt wird es schwer die normale Krümmung durch einfache Übungen annähernd wieder herzustellen.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose des Flachrückens ist abhängig von dem Umfang der vorhandenen Beschwerden und der vorliegenden ursächlichen Erkrankung. Betroffene, die unter keinen weiteren Beeinträchtigungen wie Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen leiden, haben eine gute Aussicht. In den meisten Fällen ist der Gesundheitszustand dieser Patienten stabil und wird über die Lebensspanne hinweg wenig Probleme bereiten. Ist der Flachrücken aufgrund eines Haltungsschadens entstanden, sind der Diagnosezeitpunkt sowie die Intensität der Schäden maßgeblich für den Heilungsverlauf. Je jünger der Betroffene ist und je geringer der Defekt ist, desto wahrscheinlicher ist eine Verbesserung der Gesundheit.

Mit gezielten Trainings und Übungseinheiten kann eine Linderung der Symptomatik erzielt werden. Eine Beschwerdefreiheit ist bei einer guten Mitarbeit des Patienten durchaus möglich. In einigen Fällen kommt es zu einem operativen Eingriff. Hier erfolgt die Prognosestellung individuell und in Abhängigkeit der vorliegenden Schädigung. Ziel ist eine Verringerung der Beschwerden und damit eine Optimierung des Wohlbefindens. Nicht immer wird auch eine Heilung erreicht. Viele Patienten müssen lebenslange Dehnübungen und andere physiotherapeutische Trainings absolvieren, damit ihre Gesundheit aufrecht erhalten bleibt und gleichzeitig einer Verschlechterung entgegen gewirkt wird.

Bei einer Stoffwechselerkrankung oder Operationsfehlern ist die Prognose nach den individuellen Gegebenheiten zu bewerten. Es gibt für beides gute Behandlungsmöglichkeiten, die zu einer Verbesserung oder Genesung führen.

Vorbeugung

Um einem Flachrücken vorzubeugen ist es ratsam regelmäßig die Rücken- und Bauchmuskulatur mit geeigneten Übungen wie zum Beispiel Rumpfheber, Frontstütz oder Iso-Crunches zu trainieren. Darüber hinaus sollte auf eine korrekte Körperhaltung, ob im Sitzen oder Stehen, durch erzieherische Maßnahmen geachtet werden. Geeignete Sitzmöbel vor allem im Büro können dies positiv unterstützen.

Nachsorge

Der Flachrücken ist in vielen Fällen so ausgeprägt, dass er nicht in die physiologisch richtige Form gebracht werden kann. Deshalb ist Nachsorge als lebenslanger Prozess zu sehen, wo Maßnahmen ergriffen werden, die dem Flachrücken optimal entgegenwirken. Die richtigen Ansprechpartner sind der Hausarzt und der Orthopäde, aber auch die Begleitung durch Krankengymnasten ist hilfreich.

Auch spezialisierte Sporttherapeuten und Rehasportlehrer sind die richtige Adresse beim Flachrücken. Denn gezieltes Training ist die Maßnahme, die beim Flachrücken in Zusammenhang mit der Maßnahme besonders wichtig ist. Es gilt, den Flachrücken der normalen S-Form der Wirbelsäule so nahe wie möglich zu bringen. Dies ist durch regelmäßiges Krafttraining oft am besten zu realisieren.

Die Rumpfmuskulatur von Bauch und unterem Rücken ist dabei ebenso zu kräftigen wie die Brustmuskulatur und die Muskeln des oberen Rückens. Auch ein gezieltes Dehnungstraining ist wichtig. Hier werden verkürzte Muskeln wie die der Oberschenkelrückseite oder der Brust sanft gedehnt.

Auch das Schuhwerk ist im Rahmen der Nachsorge wichtig. Denn ist die S-Form der Wirbelsäule durch den Flachrücken nicht so ausgeprägt, wie sie es eigentlich sein sollte, fehlt die natürliche Pufferfunktion. Gepolsterte Schuhe bieten hier einen zusätzlichen Schutz für die Bandscheiben. Barfußlaufen hilft, das Fußgewölbe zu kräftigen und Stöße zusätzlich gut abzufangen.

Das können Sie selbst tun

Zur Bekämpfung des Flachrückens gibt es ein paar einfache Übungen, die leicht in den Alltag einzubauen sind. Bei der ersten Übung begibt sich der Betroffene auf Knie und Hände und lässt die Stelle des Rückens durchhängen, an der die Krümmung der Wirbelsäule fehlt. Dies begünstigt die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Diese Stellung wird zwischen zwei und zweieinhalb Minuten gehalten. Polster unter den Händen helfen dabei, die Arme zu entlasten.

Zur zweiten Übung setzt sich die Person auf die Fersen. Im Anschluss senkt sie den Oberkörper soweit herab, bis die Stirn den Boden berührt. Im Bereich der Brustwirbelsäule sollte nun eine Krümmung nach hinten spürbar sein. Die Position wird für zwei Minuten gehalten.

Bei der dritten Übung gegen den Flachrücken wird wie in der zweiten begonnen. Im Fersensitz wird der Kopf nach Hinten überdehnt. Dabei helfen die Hände durch sanften Druck auf die Stirn nach. Auf der Vorderseite des Körpers wird bei dieser zweiminütigen Übung das gestreckt, das der Krümmung der Wirbelsäule im Wege steht. Die Überstreckung des Kopfes kann als vierte Übung auch im Liegen mit einer Medirolle im Nacken erfolgen.

Mittels dieser Übungen lässt sich das Leben mit dem Flachrücken im Alltag erleichtern. Sie können schnell und einfach ausgeführt werden und bergen keine Gefahren. Wichtig ist nur, die Stellung einer Übung langsam zu lösen, um die Muskeln nicht zu schädigen. Sollten Probleme auftreten oder wird Unterstützung benötigt, empfiehlt es sich eine Physiotherapeuten aufzusuchen.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Wirth, C.J. et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2013


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