Hämolyse
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Hämolyse ist die durch eine Vielzahl möglicher Ursachen ausgelöste Zerstörung der roten Blutkörperchen; übersteigt sie deren Neubildung, entsteht eine hämolytische Anämie. Ihr lässt sich nur schwer vorbeugen, sie ist schwer zu behandeln und kann in schlimmen Fällen zum Tode führen.
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Was ist eine Hämolyse?
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Bei einer Hämolyse handelt es sich um einen Vorgang, der dazu führt, dass sich die roten Blutkörperchen, die sogenannten Erythrozyten auflösen. Die Hämolyse ist damit ein Befund und keine eigenständige Krankheit: Behandelt wird stets die zugrunde liegende Ursache, und von ihr hängt auch die Prognose ab.
Indem die Zellmembran der Erythrozyten geschädigt wird, tritt das Hämoglobin, bei dem es sich um den Farbstoff der roten Blutkörperchen handelt, in das eigentlich farblose Plasma über. Es wird zwischen der sogenannten physiologischen Hämolyse und der gesteigerten Hämolyse unterschieden.
Im ersten Fall handelt es sich um ein natürliches Absterben der Erythrozyten nach 120 Tagen. Der zweite Fall beschreibt ein erhöhtes Auflösen der Erythrozyten, das über den natürlichen Erythrozytenkreislauf hinausgeht und als krankhaft angesehen werden muss.
Danach, wo der Abbau stattfindet, unterscheidet man außerdem die intravasale von der extravasalen Hämolyse. Bei der intravasalen Form zerfallen die roten Blutkörperchen im Blutgefäß selbst, sodass freies Hämoglobin im Blut nachweisbar ist und sich der Urin rot bis braun verfärben kann. Bei der häufigeren extravasalen Form werden die geschädigten Zellen dagegen in Milz und Leber abgebaut, wobei die Milz sich vergrößern kann.
Ursachen
So können sowohl durch schwere Infektionen und Autoimmunerkrankungen Hämolysen auftreten, als auch durch Vergiftungen, Herzklappenprothesen und Verbrennungen oder Defekte der Erythrozytenmembranen oder des Hämoglobins. Auch Parasiten können eine mögliche Ursache für die Entstehung einer gesteigerten Hämolyse sein.
Ein erster Hinweis auf eine krankhaft bedingte Hämolyse ist ein braun verfärbter Urin. Die Verfärbung kommt dadurch zustande, dass bei einer gesteigerten Hämolyse vermehrt Hämoglobin über den Urin (siehe auch Blut im Urin) ausgeschieden wird. Ein Arzt kann bei einem Verdacht auf eine gesteigerte Hämolyse verschiedene Tests durchführen.
Wenn sich im Blut eine erhöhte Zahl junger Erythrozyten bei einer gleichzeitigen geringeren Konzentration an Hämoglobin feststellen lassen, ist dies ein weiterer Hinweis auf eine mögliche Hämolyse. Sogenannte Coombs-Tests helfen dabei, immunbedingte von nicht immunbedingten Formen zu unterscheiden. Als Laborzeichen einer gesteigerten Hämolyse gelten außerdem ein Anstieg des Enzyms LDH und des indirekten Bilirubins bei gleichzeitigem Abfall des Haptoglobins. Nicht immer wird eine gesteigerte Hämolyse jedoch sofort erkannt.
Von all dem zu trennen ist die Hämolyse im Blutröhrchen: Werden die roten Blutkörperchen erst bei der Blutentnahme oder beim Transport der Probe zerstört, täuscht das Labor eine Hämolyse nur vor. In diesem Fall ist der Patient gesund, und die Blutentnahme muss wiederholt werden.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Zu den klassischen Symptomen einer Hämolyse gehören Zittern, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Schwindel und Kurzatmigkeit bis hin zu Herzrasen unter Belastung. Die charakteristische Blässe der Haut wird von Symptomen einer Gelbsucht begleitet. So treten Bauchschmerzen, Fieber und ein allgemeines Unwohlsein auf, oft begleitet von einer starken Abgeschlagenheit.
Bei vielen Patienten stellen sich zudem Schüttelfrost und Kopfschmerzen ein. Kommt es zu einer hämolytischen Krise, können Symptome wie starke Magenschmerzen, hohes Fieber und Kreislaufbeschwerden auftreten. In schweren Fällen kommt es zum Kreislaufkollaps. Oft bilden sich Gallensteine und es kommt zu einer Vergrößerung der Milz, wodurch weitere Symptome hinzukommen können. Bei einem schweren Verlauf entwickeln sich Thrombosen oder es kommt zum Nierenversagen.
Auch eine hämolytische Anämie kann auftreten und sich durch die typischen Anzeichen einer Blutarmut bemerkbar machen. Wird die Hämolyse nicht ausreichend behandelt, kann es gegebenenfalls zum Bewusstseinsverlust kommen. Die Beschwerden treten meist einige Tage bis Wochen nach der ursächlichen Erkrankung auf und bleiben über Monate oder sogar Jahre bestehen. Bei einigen Patienten bilden sich die Symptome von selbst zurück, sobald der Auslöser behoben wurde. In anderen Fällen verläuft die Hämolyse tödlich.
Diagnose & Verlauf
Als Folge einer gesteigerten Hämolyse können verschiedene Komplikationen auftreten: Als vergleichsweise harmlose Folge kann es aufgrund einer Hämolyse zu Gallensteinen kommen. Im schlimmsten Fall kommt es jedoch zu Thrombosen, zu Nierenversagen oder einer hämolytischen Anämie.
Bei dieser werden im Gegensatz zu einem gesunden Körper, der in der Lage ist, ständig neue Erythrozyten nachzubilden, so dass bei der physiologischen Hämolyse die Zahl der Erythrozyten im Blut stetig gleich bleibt, mehr Erythrozyten zerstört als nachgebildet werden können.
Im weiteren Verlauf kann es zu einer mangelhaften Sauerstoffversorgung des Gewebes kommen. Aufgrund der vielen möglichen Komplikationen kann eine Hämolyse in nicht wenigen Fällen chronisch werden und sogar zum Tod führen.
Komplikationen
Der Betroffene kann gegebenenfalls das Bewusstsein verlieren und klagt über starke Kopfschmerzen und Übelkeit. In der Regel können keine besonderen körperlichen Tätigkeiten mehr ausgeübt werden, sodass es zu einer starken Einschränkung im Leben des Patienten kommt. Durch die Vergrößerung der Milz kommt es weiterhin zu starken Schmerzen in der Bauchregion.
Im schlimmsten Falle kann sich eine Niereninsuffizienz herausbilden, bei welcher der Patient auf eine Spenderniere oder auf eine Dialyse angewiesen ist. Falls die Beschwerden nicht behandelt werden, kommt es in der Regel zum Tod des Patienten. Die Behandlung richtet sich dabei nach der Ursache und wird nur in einem Teil der Fälle in Form eines operativen Eingriffes durchgeführt. Hierbei treten nur selten Komplikationen auf, wenn der Eingriff schon frühzeitig erfolgt. Die Lebenserwartung kann verringert werden, wenn die Hämolyse erst spät behandelt wird.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Symptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gelbsucht deuten auf eine Hämolyse hin. Wenn diese Anzeichen scheinbar ohne Grund auftreten und nicht von selbst wieder abklingen, ist ärztlicher Rat gefragt. Patienten, die plötzlich an Gallensteinen oder Anzeichen einer Milzvergrößerung leiden, sollten einen Arzt aufsuchen. Sollten sich äußerliche Krankheitszeichen wie Blässe und eingefallene Augen bemerkbar machen, muss der Hausarzt konsultiert werden. Bei Anzeichen einer hämolytischen Krise, die sich etwa durch Fieber und Bauchschmerzen äußern kann, ist der Notarzt der richtige Ansprechpartner. Kommen rasch zunehmende Blässe, Atemnot, Kreislaufkollaps oder eine Bewusstseinstrübung hinzu, muss ohne Umweg über die Praxis sofort der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 alarmiert werden.
Selbiges gilt bei Nierenversagen, Thrombosen oder einer hämolytischen Anämie. Eine Hämolyse wird durch schwere Infektionen und Autoimmunerkrankungen ausgelöst. Auch Vergiftungen oder Verbrennungen gehören zu den möglichen Ursachen. Wer zu diesen Risikogruppen gehört, muss bei den erwähnten Symptomen umgehend mit dem zuständigen Arzt sprechen. Bei starken Beschwerden wird am besten das nächste Krankenhaus aufgesucht bzw. sollte sofort der Rettungsdienst eingeschaltet werden. Da die Hämolyse immer wieder auftreten kann, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Hausarzt oder einen Internisten angezeigt.
Behandlung & Therapie
Um eine krankhafte Hämolyse effizient behandeln zu können, muss zu allererst festgestellt werden, ob es sich bei der Hämolyse um eine angeborene oder um eine erworbene Form handelt. Liegt der Hämolyse eine andere Erkrankung zugrunde, verschwindet die Hämolyse üblicherweise mit der Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung.
Für die Dauer der Genesung kann, um eine Steigerung der Hämolyse zu vermeiden, eine Transfusion von Erythrozytenkonzentraten notwendig werden. Ist die Hämolyse auf genetische Ursachen zurückzuführen, bleibt als Behandlung häufig nur ein operativer Eingriff, bei dem die Milz entfernt wird. Die gleiche Behandlung erfolgt oftmals, wenn die Hämolyse zustande kam, weil das jeweilige Immunsystem des Betroffenen selbst Antikörper gebildet hat, die für die Zerstörung der Erythrozyten verantwortlich sind, und eine medikamentöse Behandlung nicht oder nicht mehr ausreichend ist. Nach einer Entfernung der Milz sind Schutzimpfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b nötig, weil das Risiko schwerer Infektionen danach dauerhaft erhöht bleibt.
Bei mechanischen Ursachen muss zur Behandlung der Hämolyse logischerweise die Ursache abgestellt werden. Bei einer Hämolyse, der eine Herzklappenprothese zugrunde liegt, kann es im schlimmsten Fall zu einem notwendig werdenden Austausch der Prothese kommen. Bluttransfusionen beheben die Ursache einer Hämolyse nicht, können bei schwerer Blutarmut aber vorübergehend notwendig sein.
Vorbeugung
Einer Hämolyse lässt sich nur schwer und nur unter bestimmten Umständen vorbeugen, wie beispielsweise, dass der Hämolyse keine genetische Veranlagung zugrunde liegt. Ein risikoarmes Verhalten, wie beispielsweise ein Schutz vor einer möglichen Intoxikation, ist häufig die einzige Möglichkeit, um sich vor einer Hämolyse zu schützen. Da die Hämolyse selbst nur die Folge einer anderen Störung ist, richtet sich jede Vorbeugung im Grunde gegen deren jeweilige Ursache.
Nachsorge
In der Nachsorge- und Genesungsphase der Hämolyse kann eine Transfusion eingeleitet werden, um den Patienten Erythrozytenkonzentrate zuzuführen. Damit lindern die Ärzte die Erkrankung. Wenn genetische Ursachen vorliegen, entscheiden sich die Ärzte oft für eine operative Entfernung der Milz, da die Behandlung mit Medikamenten kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt.
Die Patienten können in der sich anschließenden Phase ihre Lebensweise umstellen, um das Risiko einer Intoxikation zu minimieren. Eine gesunde Lebensweise ist dabei eine wirksame Methode, um die allgemeine Belastbarkeit zu verbessern; einer Autoimmunerkrankung lässt sich damit allerdings nicht vorbeugen. So verbessert sich der Schutz vor einer Hämolyse.
Des Weiteren sollten die Patienten auf Verfärbungen im Urin achten, die auf die Erkrankung hinweisen können. Bei Auffälligkeiten ist ein kurzfristiger Arzttermin zu vereinbaren. Die anschließende Diagnostik zeigt auf, ob die Veränderung mit der Erkrankung zusammenhängt. Durch eine ausgewogene Ernährungs- und Lebensweise können sich die Betroffenen vor den Beschwerden schützen.
Auf Alkohol und Genussmittel wie Kaffee und Nikotin sollten die Risikopatienten verzichten, sonst verschlechtert sich ihr Allgemeinzustand. Abhängig von der Situation und vom Fitnessstatus ist ein sanftes bis mittleres Bewegungsprogramm sinnvoll, das den Kreislauf anregt, das Immunsystem stabilisiert und Übergewicht reduziert.
Das können Sie selbst tun
Die Hämolyse ist eine ernsthafte Erkrankung des Blutes, die der betroffene Patient weder selbst diagnostizieren, noch selbst behandeln kann. Häufig macht sie sich durch eine dunkle Verfärbung des Urins bemerkbar. Für die Verfärbung des Urins kann es aber auch andere Ursachen geben. Beobachtet der Patient eine solche Verfärbung, so sollte er unverzüglich seinen Arzt aufsuchen und eine entsprechende Diagnostik durchführen lassen. Begleiterscheinungen der Hämolyse sind ein Gefühl von Mattigkeit und Abgeschlagenheit sowie teilweise starke Kopfschmerzen, die durch den gestörten Stoffwechsel verursacht werden.
Die Behandlung der Hämolyse wird in Absprache mit dem Arzt und unter regelmäßigen Kontrollen vorgenommen. Dabei ist es sehr wichtig, dass der Patient den besprochenen Behandlungsplan einhält und zu den Untersuchungen erscheint. Zur Unterstützung der Behandlung sollte der Patient alle Dinge und Gewohnheiten unterlassen, die zu einer Belastung des Organismus und damit zu einer Schwächung führen.
Idealerweise strebt der Patient während der Behandlung der Hämolyse einen gesunden und ausgewogenen Lebensstil an. Auf Genussgifte wie Alkohol, Kaffee in größeren Mengen, Nikotin oder Drogen sollte dringend verzichtet werden. Je nach dem Allgemeinzustand des Patienten kann ein leichtes bis mittleres Bewegungs- oder Sportprogramm das Immunsystem und das Herz-Kreislaufsystem stärken. So wird der Organismus bei der Genesung unterstützt. Übergewicht sollte reduziert werden.
Quellen
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- Kiefel, V., Sachs, U. J. (Hrsg.): Transfusionsmedizin und Immunhämatologie.
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