Herzklappenersatz

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ein Herzklappenersatz ist ein prothetischer Ersatz für Herzklappen, wenn diese nicht mehr richtig arbeiten. Das primäre Ziel des Herzklappenersatzes ist die Vermeidung einer chronischen Herzinsuffizienz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Herzklappenersatz?

Herzklappen verhindern am schlagenden Herzen den Rückfluss von Blut, sodass das Herz es effizient durch den Körper pumpen kann.

Grundsätzlich weist das menschliche Herz vier Klappen auf: Aortenklappe, Pulmonalklappe, Mitralklappe und Trikuspidalklappe. Sie verhindern am schlagenden Herzen den Rückfluss von Blut, sodass das Herz es effizient durch den Körper pumpen kann. Kann das Herz seine Leistung nicht mehr erbringen, staut sich das Blut unter anderem in die Organe zurück und richtet dort Schäden an. Es kommt insbesondere zu Ödemen, wobei es sich um Wassereinlagerungen handelt. Sehr häufig kommen Lungen- und Beinödeme vor, welche große Probleme nach sich ziehen.

Um dem Herzen einen Teil seiner Pumpfunktion zurückzugeben, wird operativ ein Herzklappenersatz eingesetzt. Die Indikation hierfür wird abhängig von der Symptomatik sowie von objektiven Kriterien gestellt. Dazu zählen beispielsweise die noch vorhandene Auswurfleistung und der Zustand der Klappen an sich. Zumindest im Anfangsstadium ist meist nur eine Klappe betroffen, sodass ein Ersatz aller vier Herzklappen gleichzeitig eine absolute Seltenheit darstellt.

Formen, Arten & Typen

Grundsätzlich wird zwischen mechanischem und biologischem Herzklappenersatz differenziert. Mechanische Klappen bestehen zum Großteil aus Metall und werden künstlich gefertigt. Biologische Klappen dagegen stammen von Tieren oder Menschen und werden transplantiert. Sehr verbreitet sind zum Beispiel Schweineherzklappen. Beide Klappenersatztypen weisen individuell sowohl Vor- als auch Nachteile auf, sodass die Auswahl an die spezielle Situation des Patienten angepasst werden sollte.

Mechanische Herzklappen haben eine sehr lange Lebensdauer, die nach Hochrechnungen aus Labortests 100 bis 300 Jahre betragen kann. Biologische Herzklappen müssen dagegen nach einigen Jahren ausgetauscht werden, weil sie noch schneller als das körpereigene Gewebe altern und verkalken. Besonders bei Kindern ist dieser Nachteil zu berücksichtigen. Mechanische Klappen aktivieren jedoch durch ihre Metalloberfläche verstärkt das körpereigene Gerinnungssystem. Das führt zu einem gesteigerte Thromboserisiko und macht eine antikoagulative Behandlung auf Lebenszeit notwendig.

Grundsätzlich wird auf mechanischen Klappenersatz zurückgegriffen, wenn die Patienten noch eine hohe Lebenserwartung haben und keine Kontraindikationen für Antikoagulantien vorliegen. Es ist jedoch immer die individuelle Situation zu beachten, sodass es keine unumstößlichen Regeln gibt, wann welcher Ersatz zu erfolgen hat. Der Einsatz von biologischen Klappen bei Kindern und umgekehrt von mechanischen Klappen bei älteren Erwachsenen ist also zumindest nicht ganz ausgeschlossen.

Aufbau & Funktionsweise

Bei den mechanischen Herzklappen gibt es viele unterschiedliche Bauformen, die in ihrer Funktionsweise leicht voneinander abweichen. Alle mechanischen Klappen bestehen aus einem Metallkorpus und einem mit einer Polyestermanschette versehenen Gerüst. Durch diese Bauweise ist allen diesen Klappen gemeinsam, dass sie ein bei genauem Hinhören wahrnehmbares Geräusch, den sogenannten Prothesenklick, verursachen. Die Geräuschentwicklung beruht darauf, dass beim Klappenschluss die Klappenflügel auf den Klappenring aufprallen. Das Geräusch hat jedoch auch einen positiven Nebeneffekt: Es wird dumpfer und leiser, wenn sich Ablagerungen auf dem Klappenersatz gebildet haben und zeigt so eventuell vorliegende Probleme an.

Das Gewebe biologischer Klappen stammt entweder vom Menschen oder vom Tier. Klappenersatz menschlichen Ursprungs wird auch als Homograft bezeichnet. Stammt das Klappengewebe von Tieren, so handelt es sich um Xenograft. Eine relativ neue Möglichkeit ist es, Gerüststrukturen mit patienteneigenen Zellen zu besiedeln und daraus einen Klappenersatz herzustellen. Diese als Tissue Engineering bezeichnete Technik wird heutzutage jedoch noch sehr selten angewendet. Auch biologische Klappen werden von einer Polyestermanschette umgeben, um das Einnähen zu erleichtern.

Ein Sonderfall der Klappenersatztechnik liegt bei der sogenannten Ross-Operation vor. Dieses Verfahren findet Anwendung, wenn bei Kindern oder jungen Erwachsenen ein Fehler der Aortenklappe vorliegt. Sie wird dann operativ durch die patienteneigene Pulmonalklappe ersetzt, die eine deutlich bessere Qualität als jede künstliche Klappe besitzt. Weil die Pulmonalklappe generell einer geringeren Druckbelastung ausgesetzt ist als die Aortenklappe, kann sie anschließend durch eine biologische Klappe ersetzt werden.


Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Nach einer erfolgreichen Klappenimplantation ist der Patient zum Teil völlig beschwerdefrei. Gesundheitliche Probleme wie Ödeme und verminderte Leistungsfähigkeit sollten deutlich zurückgehen. Damit es im weiteren Verlauf aber nicht doch noch zu Komplikationen kommt, ist eine umfangreiche Nachsorge sehr wichtig.

Nach erfolgter Herzklappenoperation sollte der Patient als erstes auf einer Intensivstation überwacht werden. Danach kann er dann auf eine kardiochirurgische oder kardiologische Normalstation verlegt werden. Der Krankenhausaufenthalt dauert im Normalfall insgesamt eine bis zwei Wochen. Anschließend folgt meist noch ein mehrwöchiger Rehaaufenthalt, bei dem die körperliche Belastung kontrolliert nach und nach gesteigert wird.

Nach etwa drei Monaten sollte dann die erste Verlaufskontrolle per Echokardiographie erfolgen. Hierbei werden die Funktion und das Erscheinungsbild der Klappen beurteilt. Insbesondere bei mechanischem Herzklappenersatz ist eine antikoagulative Behandlung sehr wichtig, damit es nicht zu Thrombosen kommt. Sie erfolgt mit Medikamenten wie Phenprocoumon oder Warfarin, welche die körpereigene Gerinnung herunterfahren. Die Dosierung wird auch von der Art der implantierten Prothese abhängig gemacht. Nach der Implantation einer biologischen Klappe müssen die Medikamente für ungefähr drei Monate eingenommen werden, während bei mechanischen Klappen eine lebenslange Therapie oft unverzichtbar ist.

Besondere Aufmerksamkeit sollte nach erfolgtem Herzklappenersatz der Endokarditisprophylaxe geschenkt werden: Diese ist bei allen Eingriffen im Mund-Rachen-Raum empfohlen, weil sich ansonsten Bakterien aus diesem Bereich auf den Herzklappen niederlassen und dort zu schwerwiegenden Infektionen führen können.

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