Phenprocoumon

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Phenprocoumon ist der Wirkstoff von Marcumar®. Es ist eine chemische Substanz aus der Gruppe der Cumarine. Mehrere Vertreter dieser Stoffklasse besitzen gerinnungshemmende Eigenschaften, so dass sie als Arzneimittelwirkstoff von Bedeutung sind. Sie werden als Medikament zur Thromboseprophylaxe und zur Behandlung bereits aufgetretener Thrombosen und Embolien eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Phenprocoumon?

Phenprocoumon
Phenprocoumon ist der Wirkstoff von Marcumar®. Es wird zur Vorbeugung und Behandlung von Thrombosen und Embolien eingesetzt.

Im Jahre 1922 wurde über ein durch starke Blutungen verursachtes Viehsterben in Nordamerika berichtet. Erst Jahre später wurde der Grund dafür gefunden: Verdorbener Süßklee enthält Dicumarol, ein Abbauprodukt von Cumarin. Cumarin selbst ist nicht giftig.

Erst im Fäulnisprozess bzw. unter der Wirkung von Schimmelpilzen wird es in ein hochwirksames Derivat bzw. Dicumarol umgewandelt. Verbindungen, die sich vom Cumarin ableiten (Cumarin-Derivate), ähneln in der Struktur dem Vitamin K, das an der Aktivierung verschiedener Gerinnungsfaktoren beteiligt ist.

Die Faktoren II, VII, IX und X werden in der Leber synthetisiert und anschließend unter Mitwirkung von Vitamin K in ihre gerinnungswirksame Form überführt.

Pharmakologische Wirkung

In Gegenwart von Phenprocoumon, einem Cumarin-Abkömmling, wird die Bereitstellung dieser Gerinnungsfaktoren gehemmt. Die Situation gleicht einem Mangel an Vitamin K.

Diese Wirkung wird als antagonistisch zu Vitamin K bezeichnet. Deshalb eignet sich Phenprocoumon als gerinnungshemmender Arzneistoff (Antikoagulans). Phenprocoumon ist die in Deutschland am häufigsten verwendete Cumarin-Verbindung und in den Medikamenten Marcumar® und Falithrom® enthalten. Die Gerinnung wird bei Einnahme von Phenprocoumon erschwert und damit einer Thrombose vorgebeugt.

Der Gerinnungsvorgang, als lebensnotwendiger Prozess, ist im gesunden Körper optimal abgestimmt. Ist dieses Gleichgewicht gestört, besteht die Gefahr, dass durch einen Thrombus (Blutpfropf, Blutgerinnsel) ein Blutgefäß verschlossen und so eine Thrombose ausgelöst wird.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zu den Ereignissen, die eine Thrombose fördern, gehören ein verlangsamter Blutfluss, wie er bei bestimmten Herzerkrankungen oder Bettlägerigkeit vorliegt, eine Schädigung der Gefäßwände, z. B. durch Medikamente oder Verletzungen, sowie eine erhöhte Gerinnungsneigung.

Phenprocoumon wird zur Therapie bei Patienten nach einem Herzinfarkt verabreicht, wenn ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln besteht, außerdem bei Vorhofflimmern, nach Einsetzen künstlicher Herzklappen und nach Implantation von Gefäßprothesen. Schätzungen zufolge werden in Deutschland etwa 300 bis 500 Tausend Patienten lebenslang mit Phenprocoumon behandelt.

Die Wirkung von Phenprocoumon setzt nicht sofort nach der Einnahme ein, sondern erst nach 36-72 Stunden. Nach Absetzen des Medikamentes dauert es wiederum mehr als eine Woche, bis das Blut seine komplette Gerinnungsfähigkeit erreicht hat. Zur Neutralisation von Phenprocoumon ist zwar Vitamin K geeignet, jedoch nicht in einem Notfall, da die Wirkung zu lange auf sich warten lassen würde. Die einzige effektive Maßnahme ist in solchem Fall die Gabe von Blut oder Blutbestandteilen, die Vitamin-K-abhängige Gerinnungsfaktoren enthalten. Heute wird dafür in erster Linie ein Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB) verabreicht, ersatzweise gefrorenes Frischplasma.

Die Ansprechbarkeit auf Phenprocoumon ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Außerdem beeinflussen zusätzlich eingenommene Medikamente, aber auch die Ernährung die Wirkung von Phenprocoumon. Die Therapie muss deshalb individuell angepasst und ärztlich kontrolliert werden. Die Gerinnungshemmung wird über einen Labortest bestimmt. Dabei wird die Internationale Normalisierte Ratio (INR) ermittelt.

Gesunde haben einen INR von 1. Der Wert steigt bei der Einnahme von Phenprocoumon an und soll je nach ärztlicher Verordnung zwischen zwei und 3,5 liegen. Inzwischen gibt es Geräte, mit denen die Patienten selbst zu Hause nach einer Schulung ihre Werte bestimmen können.

Die erste Messung erfolgt vor dem Beginn der Behandlung, damit eine bis dahin unbemerkte Gerinnungsstörung erkannt wird. In den ersten Tagen wird engmaschig kontrolliert; ist ein Patient stabil eingestellt, genügen größere, aber weiterhin regelmäßige Abstände. Häufigere Messungen sind nötig, sobald ein anderes Medikament angesetzt, in der Menge verändert oder abgesetzt wird, ebenso bei einer plötzlichen Umstellung der Ernährungsgewohnheiten oder bei einer zwischenzeitlichen Erkrankung mit Fieber. Besteht bereits eine erhöhte Blutungsneigung, wird ein niedrigerer Zielbereich angestrebt.

Die volle Wirkung stellt sich erst nach mehreren Tagen ein, weil zunächst die bereits gebildeten Gerinnungsfaktoren abgebaut werden müssen. Eine höhere Anfangsdosis verkürzt diese Wartezeit nicht. Ist eine rasche Gerinnungshemmung erforderlich, wird die Behandlung deshalb mit Heparin eingeleitet. Umgekehrt kann Phenprocoumon ohne Ausschleichen beendet werden. Vor und nach Operationen wird die Gerinnung üblicherweise über Heparin gesteuert.

Wer ambulant mit Phenprocoumon behandelt wird, sollte einen vom Arzt ausgestellten Ausweis bei sich tragen, aus dem die gerinnungshemmende Behandlung hervorgeht. Er ist im Notfall von erheblicher Bedeutung, weil eine Verletzung oder ein Unfall unter der Therapie stärkere Blutungen nach sich ziehen kann. Aus demselben Grund sollten Tätigkeiten gemieden werden, die leicht zu Stürzen oder Verletzungen führen.

Wechselwirkungen

Obwohl bekannt ist, dass in einigen Lebensmitteln Vitamin K enthalten ist, wie z. B. in Brokkoli, Blumenkohl, Spinat und Rosenkohl, muss bei der Einnahme von Phenprocoumon auf diese nicht verzichtet werden.

Kritischer sind Wechselwirkungen mit Arzneimitteln. Einige vermindern den Effekt, wie z. B. Digitalisglykoside (Herzpräparate) oder Diuretika (harntreibende Mittel). Bei Kortisonpräparaten (Glukokortikoide) hängt die Richtung von der Menge ab. Auch regelmäßiger Alkoholkonsum hat einen herabgesetzten Effekt zur Folge.

Andere Faktoren führen zu einer Steigerung der Wirkung, wie Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), Allopurinol (bei Gicht), verschiedene Schmerzmittel oder Breitbandantibiotika. In jedem Fall sind die Beipackzettel zu studieren und die Einnahme mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.

Der Grund für die große Zahl der Wechselwirkungen liegt im Abbau des Wirkstoffs: Phenprocoumon wird in der Leber über zwei Enzymsysteme verstoffwechselt. Arzneimittel und Nahrungsbestandteile, die diese Enzyme hemmen oder anregen, verändern damit auch die Gerinnungshemmung. Grapefruit hemmt eines dieser Enzyme und kann das Blutungsrisiko erhöhen. Johanniskraut wirkt umgekehrt und schwächt die Wirkung ab; nach dem Absetzen einer Johanniskraut-Behandlung droht dann eine Überdosierung, sodass die Gerinnungswerte besonders sorgfältig zu verfolgen sind.

Bei Alkohol hängt die Richtung vom Trinkverhalten ab. Eine einmalige größere Menge kann die gerinnungshemmende Wirkung verstärken, ein dauerhaft hoher Konsum schwächt sie eher ab. Ist die Leber bereits geschädigt, kann jedoch auch bei dauerhaftem Konsum eine Verstärkung eintreten.

Unter den Antibiotika verstärken unter anderem Amoxicillin, Doxycyclin, Makrolide, mehrere Cephalosporine und einzelne Chinolone die Wirkung. Ebenfalls verstärkend wirken die Rhythmusmittel Amiodaron, Chinidin und Propafenon, Schilddrüsenhormone, Simvastatin und verwandte Cholesterinsenker, Tramadol, anabole Steroide sowie bestimmte Mittel gegen Krebs. Abschwächend wirken neben den bereits genannten Stoffen auch Azathioprin und Metformin.

Bei den Kortisonpräparaten weichen die Fachinformationen voneinander ab: Die eine führt sie unter den abschwächenden Substanzen, die andere hält fest, dass hohe Dosen die gerinnungshemmende Wirkung verstärken können, während niedrige bis mittlere Dosen sie nur geringfügig verändern. Ein verlässlicher Rückschluss auf die Richtung ist deshalb nicht möglich. Entscheidend bleibt, den INR-Wert engmaschig zu kontrollieren, sobald ein solches Präparat begonnen oder beendet wird.


Verabreichung & Dosierung

Bei der Verabreichung und Dosierung von Phenprocoumon, einem oralen Antikoagulans zur Blutverdünnung, ist besondere Vorsicht geboten, da es die Blutgerinnung hemmt und das Risiko für Blutungen erhöht. Die Dosierung muss individuell angepasst werden, abhängig von der Blutgerinnungsfähigkeit, die durch den sogenannten INR-Wert (International Normalized Ratio) überwacht wird. Ein Ziel-INR-Wert liegt in der Regel zwischen 2,0 und 3,0, je nach Indikation wie Vorhofflimmern oder der Prävention von Thrombosen.

Zu Beginn der Behandlung erfolgt eine höhere Startdosis, gefolgt von einer deutlich niedrigeren Erhaltungsdosis. Die genaue Dosis wird regelmäßig durch Bluttests angepasst, um den INR-Wert in einem therapeutischen Bereich zu halten. Eine zu hohe Dosierung kann das Risiko für schwere Blutungen erhöhen, während eine zu niedrige Dosierung die Wirksamkeit der Gerinnungshemmung beeinträchtigt.

Patienten sollten Phenprocoumon täglich zur gleichen Zeit einnehmen und gleichzeitig auf ihre Ernährung achten, insbesondere auf den Konsum von Vitamin-K-reichen Lebensmitteln (z. B. grünes Blattgemüse), da Vitamin K die Wirkung des Medikaments beeinflussen kann. Auch die gleichzeitige Einnahme anderer Medikamente muss sorgfältig überwacht werden, da zahlreiche Wechselwirkungen auftreten können. Regelmäßige ärztliche Überwachung ist unerlässlich, um die Therapie sicher und effektiv zu gestalten.

Risiken & Nebenwirkungen

Die sich aus dem Wirkprinzip ergebende und damit häufigste Nebenwirkung unter der Therapie mit Phenprocoumon ist eine erhöhte Blutungsneigung.

Sie kann sich oft in Form vermehrt auftretender blauer Flecken (Blutergüsse, Hämatome), als blutiger Urin oder durch gehäuftes Nasen- oder Zahnfleischbluten zeigen. Seltener treten Blutungen im Magen-Darm-Trakt auf. In Einzelfällen wurden Nesselsucht (Urtikaria), Ekzeme oder reversibler Haarausfall als Nebenwirkung beschrieben.

Phenprocoumon sollte nicht eingenommen werden, wenn bereits eine erhöhte Blutungsbereitschaft oder eine Schwangerschaft besteht. Außerdem zählen ein frischer Schlaganfall (Apoplex), ein medikamentös nicht einstellbarer Bluthochdruck und schwere Lebererkrankungen zu den Kontraindikationen. Bei einer erhöhten Fallneigung wird die Behandlung wegen der Gefahr ausgedehnter Blutergüsse besonders sorgfältig abgewogen.

Blutungen können an sehr unterschiedlichen Stellen auftreten: im Zentralnervensystem, im Magen-Darm-Trakt, in den Atemwegen, in den Harnwegen, in der Gebärmutter, in Leber und Gallenblase sowie im Auge. Je nach Ort und Ausmaß sind sie im Einzelfall lebensbedrohlich oder hinterlassen bleibende Schäden.

Zu Beginn der Behandlung können in seltenen Fällen Absterbeerscheinungen der Haut auftreten, die auf kleine Gefäßverschlüsse zurückgehen. Beschrieben ist ein Zusammenhang mit einem vorbestehenden Mangel an bestimmten körpereigenen Gerinnungshemmern. In diesem Fall wird die Behandlung unterbrochen und möglichst rasch auf Heparin umgestellt. Sehr selten wurde eine Verkalkung kleiner Gefäße mit Absterben der Haut beobachtet, die vor allem Patienten mit einer terminalen Nierenerkrankung unter Dialyse betrifft und mit einer hohen Sterblichkeit einhergeht.

Gelegentlich treten brennende Schmerzen in den Großzehen mit gleichzeitiger Verfärbung auf. Sie gelten als Hinweis darauf, dass Material aus Ablagerungen in den Gefäßwänden freigesetzt wurde, und führen zur Überprüfung der Behandlung. Nach längerer Anwendung über Monate kann sich bei entsprechend veranlagten Patienten eine Osteoporose entwickeln.

In seltenen Fällen wurden Schäden am Lebergewebe bis hin zum Leberversagen beschrieben. Unter einer Langzeitbehandlung gehören deshalb regelmäßige Kontrollen der Leberwerte zur ärztlichen Überwachung. Eine sich rasch entwickelnde Schwäche zusammen mit Gelbsucht, einer Dunkelfärbung des Urins oder einer zunehmenden Blutungsneigung ist ein Grund, ärztlichen Rat einzuholen, bevor die Behandlung fortgesetzt wird.

Kontraindikationen

Typische Kontraindikationen bei der Verwendung von Phenprocoumon betreffen vor allem Situationen, in denen das Risiko für Blutungen erhöht ist oder andere medizinische Bedingungen vorliegen, die die Sicherheit der Anwendung beeinträchtigen könnten. Eine der wichtigsten Kontraindikationen ist eine akute Blutung, wie Magen-Darm-Blutungen, Hirnblutungen oder schwere Verletzungen. Da Phenprocoumon die Blutgerinnung hemmt, würde die Einnahme in solchen Fällen das Risiko einer lebensbedrohlichen Blutung erheblich erhöhen.

Patienten mit schweren Lebererkrankungen sollten Phenprocoumon ebenfalls nicht einnehmen, da die Leber sowohl für die Produktion von Gerinnungsfaktoren als auch für den Abbau des Medikaments entscheidend ist. Eine stark eingeschränkte Leberfunktion könnte die Wirkung des Medikaments unvorhersehbar machen und zu Blutungsrisiken führen.

Bei manifester Niereninsuffizienz und einem schweren, medikamentös nicht einstellbaren Bluthochdruck sollte Phenprocoumon ebenfalls nicht angewendet werden, da diese Zustände das Risiko von Blutungskomplikationen erhöhen können.

Phenprocoumon ist außerdem kontraindiziert bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Inhaltsstoffe des Medikaments. Schwangere Frauen sollten das Medikament nicht verwenden, da Phenprocoumon plazentagängig ist und das Risiko für Missbildungen beim Fötus erhöht.

Schließlich sollte Phenprocoumon bei Patienten mit einem erhöhten Sturzrisiko und bei solchen, die eine Operation benötigen, vermieden oder unter strengster ärztlicher Aufsicht verabreicht werden, um schwere Blutungen zu verhindern.

Die Fachinformationen nennen darüber hinaus eine Reihe von Zuständen, bei denen eine Schädigung der Gefäße zu befürchten ist. Dazu gehören eine Endokarditis, eine Herzbeutelentzündung, eine Aussackung einer Hirnschlagader, ein sich aufspaltendes Aortenaneurysma, Geschwüre im Magen-Darm-Trakt, eine Operation am Auge, Erkrankungen der Netzhaut mit Blutungsrisiko sowie Verletzungen und Eingriffe am Zentralnervensystem. Ebenfalls genannt werden eine Lungentuberkulose mit Hohlraumbildung, frische ausgedehnte offene Wunden und der Zeitraum nach Operationen an den Harnwegen, solange dort noch eine Blutungsneigung besteht.

Nur nach besonders strenger Abwägung kommt der Wirkstoff bei einem Anfallsleiden, bei chronischem Alkoholmissbrauch, bei einem Nierensteinleiden, bei unzuverlässiger Einnahme und während der Stillzeit in Betracht. Während der Behandlung sind Spritzen in den Muskel, eine Punktion des Rückenmarkkanals und rückenmarksnahe Betäubungsverfahren wegen der Gefahr massiver Blutungen zu unterlassen. Untersuchungen und Eingriffe, bei denen sich eine Blutung nicht beherrschen ließe, werden ebenfalls vermieden.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Phenprocoumon weist zahlreiche Interaktionen mit anderen Medikamenten auf, die die Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie erheblich beeinflussen können. Zu den wichtigsten Wechselwirkungen gehören Medikamente, die die Blutgerinnung zusätzlich beeinflussen, wie Aspirin, Clopidogrel oder andere Thrombozytenaggregationshemmer. Diese erhöhen das Risiko für Blutungen, da sie gemeinsam mit Phenprocoumon die Hemmung der Gerinnung verstärken.

Auch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Diclofenac können das Blutungsrisiko erhöhen, da sie nicht nur die Gerinnung beeinflussen, sondern auch die Magenschleimhaut reizen, was das Risiko von Magen-Darm-Blutungen steigern kann.

Antibiotika, insbesondere solche wie Cotrimoxazol, Metronidazol oder Ciprofloxacin, können den Abbau von Phenprocoumon in der Leber hemmen und dadurch die blutverdünnende Wirkung verstärken. Das führt zu einem erhöhten Blutungsrisiko. Antimykotika wie Fluconazol und Ketoconazol wirken ähnlich und erhöhen ebenfalls das Blutungsrisiko.

Medikamente wie Barbiturate, Carbamazepin oder Rifampicin wirken hingegen als Enzyminduktoren und beschleunigen den Abbau von Phenprocoumon, wodurch dessen Wirkung abgeschwächt werden kann. Dies könnte zu einer unzureichenden Gerinnungshemmung und einem erhöhten Thromboserisiko führen.

Darüber hinaus sollte die Einnahme von Vitamin-K-Präparaten und Vitamin-K-reichen Nahrungsmitteln überwacht werden, da Vitamin K die Wirkung von Phenprocoumon direkt abschwächen kann. Regelmäßige Überwachung des INR-Werts und sorgfältige Anpassung der Dosierung sind unerlässlich, um mögliche Interaktionen zu erkennen und zu kontrollieren.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Phenprocoumon nicht vertragen wird oder Kontraindikationen bestehen, gibt es mehrere alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Antikoagulation. Eine gängige Alternative sind die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs), wie Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran oder Edoxaban. Diese Medikamente wirken gezielter als Phenprocoumon und erfordern im Gegensatz zu Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon keine regelmäßige Überwachung der Blutgerinnung durch INR-Messungen. Zudem haben sie ein geringeres Risiko für Wechselwirkungen mit Lebensmitteln und anderen Medikamenten.

Für Patienten, die auf eine langfristige Antikoagulation angewiesen sind, aber Phenprocoumon nicht vertragen, können auch Heparine, insbesondere niedermolekulare Heparine wie Enoxaparin oder Dalteparin, eingesetzt werden. Diese Präparate werden oft als Injektionen verabreicht und kommen insbesondere in Situationen zum Einsatz, in denen eine schnelle und sichere Gerinnungshemmung erforderlich ist, etwa bei der Behandlung von akuten Thrombosen oder während einer Schwangerschaft.

In einigen Fällen kann auch eine mechanische Therapie wie der Einsatz eines Cava-Schirms in Betracht gezogen werden. Dieser Filter wird in die Vena cava implantiert und verhindert das Eindringen von Blutgerinnseln in die Lungen, wenn eine medikamentöse Antikoagulation nicht möglich ist.

Die Wahl der geeigneten Alternative hängt von der individuellen medizinischen Situation des Patienten ab, und die Entscheidung sollte stets in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Vorgehen bei Blutungen und Überdosierung

Eine Überdosierung zeigt sich zunächst an einem zu hohen INR-Wert und kann zu Blutungen führen. Erkennbare Zeichen sind Blut im Urin, punktförmige Einblutungen an Stellen, die mechanisch belastet werden, spontane Blutungen aus Haut und Schleimhäuten, blutiger Stuhl sowie Verwirrtheitszustände. Eine Bewusstlosigkeit kann auf eine Blutung im Gehirn hinweisen und erfordert sofortige notärztliche Hilfe über den Notruf 112.

Bei einer geringfügigen Überdosierung mit leichteren Blutungen, etwa vorübergehendem Nasenbluten oder kleinen Blutergüssen, genügt es meist, die Menge vorübergehend zu verringern und die Gerinnungswerte nach kurzer Zeit erneut zu bestimmen. Auf Vitamin K wird in solchen Fällen eher verzichtet, weil es eine wirksame Gerinnungshemmung für mehrere Tage verhindert.

Als gezielter Gegenspieler steht Vitamin K1 zur Verfügung, das die gerinnungshemmende Wirkung binnen eines Tages aufheben kann. Lässt sich dieser Zeitraum nicht abwarten, etwa bei einer Blutung im Schädelinneren, einer massiven Blutung im Magen-Darm-Trakt oder einer Notoperation, kommen die bereits genannten Gerinnungspräparate zum Einsatz. Zusätzlich lässt sich die Ausscheidung des Wirkstoffs mit dem Cholesterinsenker Colestyramin beschleunigen, der zugleich die Aufnahme von Vitamin K aus dem Darm behindert. In diesen Fällen werden die Gerinnungswerte engmaschig überwacht.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Barthels, M. (Hrsg.): Das Gerinnungskompendium.
    ISBN: 9783131317520
  • Pötzsch, B., Madlener, K. (Hrsg.): Hämostaseologie.
    ISBN: 9783642015434
  • Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
    ISBN: 9783662629314
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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