Immuntherapie

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das menschliche Immunsystem ist ein biologisches Abwehrsystem, das vor Krankheit schützt. Eine Immuntherapie kann dabei helfen, ein geschwächtes Immunsystem zu stimulieren oder ein überschießendes Immunsystem zu unterdrücken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Immuntherapie?

Eine Immuntherapie wird eingesetzt, wenn das menschliche Immunsystem versagt. Das Immunsystem ist dann nicht mehr in der Lage eine Vielzahl von schädigenden Erregern (z.B. Viren) oder Substanzen aufzuspüren und zu entfernen.

Eine Immuntherapie wird eingesetzt, wenn das menschliche Immunsystem versagt. Das kann bedeuten, dass es nicht mehr in der Lage ist, eine Vielzahl von schädigenden Erregern oder Substanzen aufzuspüren und zu entfernen, körpereigene fehlerhafte Zellen unschädlich zu machen oder schädliche Fremdkörper von körpereigenem gesunden Gewebe zu unterscheiden.

Unter dem Begriff Immuntherapie werden unterschiedliche Behandlungsansätze zusammengefasst, die darauf abzielen, ein versagendes Immunsystem zu beeinflussen. Diese Therapieverfahren zielen, je nach Erkrankung, entweder auf Stärkung (Aktivierung) oder Abschwächung (Suppression) des Immunsystems.

Die Immuntherapie lässt sich in folgende Verfahren unterteilen. Das stimulierende (aktivierende) Verfahren stärkt das Immunsystem, während das modulierende Verfahren dessen Reaktion verändert. Bei einer supprimierenden Immuntherapie wird die Immunreaktion unterdrückt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Immuntherapie hat in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung gewonnen, besonders in der Krebsbehandlung, bei der Therapie von Autoimmunerkrankungen und bei Organtransplantationen.

Der Begriff "Stimulierende Immuntherapie" umfasst ein großes Spektrum unterschiedlicher Verfahren und Anwendungsbereiche. Hierzu zählen aktive Impfungen mit abgetöteten oder lebenden Erregern, die das normale, gesunde Immunsystem stärken und es zur Bildung von Antikörpern anregen. Immunstimulanzien können weiterhin verabreicht werden, um bei einer Krebserkrankung ein geschwächtes Immunsystem zu aktivieren.

Immer mehr Onkologen setzen Hoffnung in die Immuntherapie. Bei Darmkrebs zeigt beispielsweise die Aktiv-spezifische Immuntherapie (ASI) Wirksamkeit, bei der eine Impfung aus Tumorantigenen injiziert wird. Die Immunstimulanzien Interferon und Interleukin unterdrücken das Zellwachstum, verstärken die Immunantwort und wirken ebenfalls bei einigen Tumorarten.

Weiterhin kommt die personalisierte Immuntherapie, darunter die Behandlung mit körpereigenen dendritischen Zellen, bei Krebserkrankungen zum Einsatz. Letzteres Verfahren hat das Ziel, durch gezielte Aktivierung des Immunsystems einen Tumor zu zerstören. Impfstoffe gegen krebsauslösende Viren sowie monoklonale Antikörper (immunologisch aktive Proteine) werden in der Krebsimmuntherapie immer erfolgreicher eingesetzt.

Grundsätzlich bietet die Krebs-Immuntherapie im Vergleich zur traditionellen Chemo- oder Strahlentherapie eine gezieltere, selektivere Wirkung gegen Krebszellen. Allerdings reicht eine alleinige Immuntherapie zur Behandlung von Krebserkrankungen meist nicht aus, und es muss zusätzlich operiert oder mit Chemotherapie behandelt werden.

Zur modulierenden (spezifischen) Immuntherapie zählt seit langem die Hyposensibilisierung zur Behandlung von Allergien, deren Wirksamkeit insbesondere bei saisonalen Allergien wie Heuschnupfen hoch ist. Bei dieser Therapieform wird das übertrieben reagierende Immunsystem durch das Injizieren oder durch orale Verabreichung eines Allergenextrakts an den allergieauslösenden Stoff gewöhnt, was die Beschwerden verringert und im Idealfall zum Verschwinden bringt.

Die supprimierende Immuntherapie ist vor allem bei Organtransplantationen von größter Bedeutung. Unter diese Behandlung fallen Therapien mit Glukokortikoiden, Zytostatika und Antikörpern (Immunglobulinen). Ziel dieser Behandlung ist es, dafür zu sorgen, dass ein transplantiertes Organ nicht wieder abgestoßen wird. Eine vom Patienten lebenslang einzunehmende Dauermedikation von Immunsuppressiva unterdrückt die Abwehrreaktion des Immunsystems gegen das eingepflanzte Organ.

Weitere Anwendungsgebiete der supprimierenden Immuntherapie sind die zahlreichen Autoimmunerkrankungen, darunter Diabetes mellitus Typ 1, Multiple Sklerose, Morbus Bechterew, Morbus Crohn und Rheuma. Diese Krankheiten werden ausgelöst durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems, das körpereigenes Gewebe fälschlicherweise wie einen Fremdkörper bekämpft und dadurch schwere Entzündungen und Organschäden verursacht. Hier dämpft die Immuntherapie die Aktivität des Immunsystems.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Je nach Art der Immuntherapie und Verfassung des Patienten variieren Nebenwirkungen und Gefahren der Behandlung.

Bei Allergiepatienten, denen in Form einer modulierenden Immuntherapie ein Allergen, also ein Allergie auslösender Stoff, verabreicht wird, besteht das Risiko einer zumeist leichten allergischen Reaktion, die aber schlimmstenfalls in einen allergischen Schock mit bisweilen tödlichem Ausgang münden kann. Deswegen muss eine Hyposensibilisierung immer unter ärztlicher Überwachung stattfinden.

Eine supprimierende Immuntherapie, die oft wie z.B. im Falle einer Organtransplantation permanent und lebenslang erfolgt, kann ebenfalls schwerwiegende Nebenwirkungen und Gefahren mit sich bringen. Grundsätzlich schwächt diese Therapie das körperliche Abwehrsystem der Patienten und macht sie anfällig für eine Vielzahl von Infektionen.

Langfristig erhöht sich auf Grund des geschwächten Immunsystems bei den Behandelten auch das Risiko, an Krebs zu erkranken. Allerdings müssen diese Nebenwirkungen und Gefahren der Immuntherapie immer im Zusammenhang mit ihrem Nutzen gesehen werden. Immuntherapien sind keine Wundermittel, doch grundsätzlich bieten sie die Chance auf erhöhte Lebensqualität und Verlängerung der Lebenszeit.

Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Murphy, K., Travers, P., Walport, M.: Janeway – Immunologie. Spektrum, Heidelberg, 2010
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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