Zytostatika

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Zytostatika sind Zellgifte, die das Wachstum und die Teilung von Zellen unterdrücken. In der Chemotherapie nutzen Mediziner diese Eigenschaft der Zytostatika.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Zytostatika?

Zytostatika Chemotherapie
Zytostatika sind Zellgifte, die das Wachstum und die Teilung von Zellen unterdrücken. In der Chemotherapie nutzen Mediziner diese Eigenschaft der Zytostatika.

Zytostatika (Singular: Zytostatikum) sind Substanzen, die das Zellwachstum unterbinden oder hemmen. Dabei erfolgt die Wirkung entweder im Stadium der Zellteilung (Mitose) oder während der Wachstumsphase zwischen den Teilungen. Allgemein gesagt, handelt es sich also um Zellgifte.

Der Begriff „Zytostatikum“ wird überwiegend da angewandt, wo es um die Zerstörung höherer Zellen geht. Gemeint sind dann Organismen, deren Zellen einen echten Zellkern mit Chromosomen besitzen. Einige Zytostatika wirken aber auf alle Zelltypen ein, also auch auf niedere Lebensformen wie Bakterien. Spezielle Mittel, die Bakterien abtöten oder deren Wachstum hemmen, werden als Antibiotika bezeichnet. In der Medizin werden die beiden Begriffe dennoch nicht gleichgesetzt: Antibiotika richten sich gegen Bakterien, Zytostatika hemmen die Zellteilung und werden deshalb gegen Tumoren eingesetzt. Einzelne aus Mikroorganismen gewonnene Wirkstoffe wirken auf beides; sie heißen zytostatische Antibiotika und gehören zur Chemotherapie.

Allgemein bekannt sind Zytostatika als Medikamente im Rahmen der Chemotherapie bei malignen Tumoren (bösartige Geschwülste). Doch auch für die Behandlung anderer Erkrankungen eignen sich Zytostatika. Zielgerichtete Krebsmedikamente und Immuntherapien zählen dagegen nicht zu den Zytostatika: Sie hemmen nicht allgemein die Zellteilung, sondern richten sich gegen bestimmte Merkmale der Tumorzellen oder aktivieren das Immunsystem.

Geschichte & Entwicklung

Die Entdeckung und Entwicklung von Zytostatika, die zur Hemmung des Zellwachstums und der Zellteilung eingesetzt werden, begann im frühen 20. Jahrhundert. Ein entscheidender Durchbruch erfolgte während des Zweiten Weltkriegs, als Wissenschaftler die toxischen Wirkungen von Senfgas untersuchten. Sie stellten fest, dass Stickstofflost, ein chemisches Kampfmittel, die Vermehrung von schnell teilenden Zellen, insbesondere Krebszellen, hemmen kann. Dies führte zur Entwicklung des ersten Zytostatikums, Mustargen (Mechlorethamin), das in den 1940er Jahren zur Behandlung von Lymphomen verwendet wurde.

In den 1950er Jahren erlebte die Zytostatika-Forschung einen weiteren Fortschritt, als Methotrexat, ein Folsäureantagonist, zur Behandlung von Leukämie entwickelt wurde. Methotrexat revolutionierte die Krebstherapie, indem es die Zellteilung in Tumorzellen blockierte. In den folgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche weitere Zytostatika entdeckt, darunter Cyclophosphamid, ein Alkylierungsmittel, und 5-Fluorouracil, ein Pyrimidinanalogon, das in den 1950er Jahren zur Behandlung von Darm- und Brustkrebs eingeführt wurde.

In den 1960er und 1970er Jahren ermöglichte die Kombination verschiedener Zytostatika, die auf unterschiedliche zelluläre Mechanismen abzielten, effektive Chemotherapie-Protokolle, die die Überlebensraten bei vielen Krebserkrankungen erheblich verbesserten. Die Entwicklung von Zytostatika setzte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts fort und führte zur Einführung zielgerichteter Therapien, die spezifischere Angriffspunkte in Krebszellen nutzen.

Anwendung, Wirkung & Gebrauch

Zytostatika setzen auf der zellulären Ebene an verschiedenen Stellen an. Manche verhindern den regulären Aufbau des Zytoskeletts. Dieses besteht aus feinsten Proteinfäden, die im Inneren der Zelle zur mechanischen Stabilisierung beitragen. Einige Zytostatika verhindern die korrekte Vervielfältigung des Erbmoleküls, der DNA. Andere stören die Verteilung der Chromosomen auf die Tochterzellen während der Zellteilung. Manche Zytostatika unterdrücken den Eiweißstoffwechsel in den Zellen, wodurch eine Zellteilung mangels Masse unmöglich wird.

Zytostatika treffen vorrangig solche Gewebe-Typen, in denen ein rasantes Zellwachstum mit hohen Teilungsraten stattfindet. Weil dies in Tumoren der Fall ist, wirken Zytostatika speziell – aber leider nicht ausschließlich – auf die Krebszellen. Der Einsatz von Zytostatika in der Chemotherapie erfolgt häufig im Anschluss an Operationen. Trotz der Entfernung des sichtbaren Tumors können kleinste Tochtergeschwülste (Metastasen) im Körper verbleiben. Im Operationsgebiet können sogar einzelne Zellen abgeschilfert sein und eine neue Wucherung gründen. Um diese Reste vollständig zu eliminieren, kommen die Zytostatika zum Einsatz. Ebenso wird heute vor einer Operation behandelt, um den Tumor zu verkleinern; bei Leukämien und Lymphomen ist die Chemotherapie von vornherein die wichtigste Behandlung.

Eine weitere Indikation der Zytostatika sind Autoimmunkrankheiten. Das sind Fehlreaktionen des Immunsystems, das aus unbekannten Gründen körpereigene Substanz angreift. Die Arbeit unseres Immunsystems ist mit einer hohen Produktionsrate von Leukozyten (Weiße Blutkörperchen) verbunden. Aus diesem Grund wirken Zytostatika auch als Immunsuppressiva, die eine überschießende Körperabwehr herunterfahren. Methotrexat gehört bei der rheumatoiden Arthritis heute zu den Basismedikamenten; in der dort üblichen niedrigen Dosierung wirkt es allerdings nicht über die Hemmung der Zellteilung, sondern entzündungshemmend.

Pflanzliche, natürliche & pharmazeutische Zytostatika

Zytostatika sind größtenteils organische, selten auch anorganische Substanzen. Die meisten dieser Verbindungen werden synthetisch hergestellt.

Manchmal sind sie naturidentische Wirkstoffe mit pflanzlichen Vorbildern. Das Spektrum der Zytostatika ist so umfangreich, dass eine praktische Klassifizierung selbst für Fachleute schwierig ist. Durchgesetzt hat sich zunehmend eine Einteilung nach molekularen Wirkmechanismen, die aber die Zugehörigkeiten zu den chemischen Substanzklassen teils außer Acht lässt.

Bemerkenswert sind die phytomedizinischen Aspekte der Zytostatika in der Chemotherapie. So wurden mit dem Gift der Herbstzeitlosen Versuche in der Krebsbehandlung unternommen. Colchicin (Colchicum: „Herbstzeitlose“) konnte sich hier zwar nicht bewähren, doch wird der Zellteilungs-Blocker bei Gicht verschrieben. Andere pflanzliche Wirkstoffe wirken tatsächlich gegen Tumore, etwa Topotecan aus dem chinesischen Glücksbaum (Camptotheca) oder Paclitaxel aus Eiben (Taxus).

Zu den rein anorganischen Zytostatika hingegen gehört die Platin-Verbindung Cisplatin. Die Substanz lagert sich an die DNA an und stoppt dadurch die Zellteilung. Einige Zytostatika wurden ursprünglich als Medikamente gegen Infektionen entwickelt und sollten das Wachstum der Bakterien hemmen. Dann erwies sich die krebsrelevante Chemotherapie als das eigentliche Indikationsgebiet dieser Zytostatika.


Risiken & Nebenwirkungen

Zytostatika haben durch ihre aggressiven Eigenschaften gravierende Nebenwirkungen. Betroffen sind vor allem die Organe, in denen eine hohe Zellteilungs-Aktivität herrscht. Die sich ständig erneuernde Darmschleimhaut ist daher vom Effekt der Zytostatika betroffen.

Ohne Vorbeugung wäre eine teils enorme Übelkeit die Folge; sie und das Erbrechen lassen sich heute jedoch mit vorbeugend gegebenen Medikamenten meist wirksam unterdrücken und treten deshalb nicht mehr zwangsläufig auf. Eine hohe Mitose-Rate ist auch im Knochenmark zu verzeichnen. Daher ist die Bildung der Erythrozyten beeinträchtigt sowie die Produktion weißer Blutkörperchen. Anämie (Blutarmut) und eine geschwächte Immunabwehr sind die Folge. Ebenfalls gravierend sind die mutagenen (Erbgut verändernden) Eigenschaften der Zytostatika. Sogar die Entstehung von Krebs kann damit eine Nebenwirkung der akut lebensrettenden Chemotherapie sein.

Weniger gravierend ist der Nebeneffekt des Haarausfalles. Haare bestehen aus toten, übereinander gestapelten Zellen, die durch ständige Zellteilungen in der Haarwurzel nachgebildet werden. Deswegen entfaltet sich auch hier die Wirkung der Zytostatika. Wie stark der Haarausfall ausfällt, hängt vom eingesetzten Wirkstoff ab; manche Zytostatika verursachen ihn gar nicht. Nach Abschluss der Chemotherapie wachsen die Haare in der Regel wieder nach.

Anwendung & Sicherheit

Die Anwendung von Zytostatika erfolgt in der Regel im Rahmen einer Chemotherapie zur Behandlung von Krebs. Zytostatika hemmen das Wachstum und die Teilung von Krebszellen, greifen jedoch auch gesunde, schnell teilende Zellen an, was zu Nebenwirkungen führen kann. Die Verabreichung erfolgt häufig intravenös, kann aber auch oral oder intrathekal (in den Nervenwasserraum des Rückenmarkkanals) verabreicht werden. Die Dosierung und der Behandlungsplan richten sich nach der Art des Krebses, dem Stadium der Erkrankung und der individuellen Verträglichkeit des Patienten.

In Bezug auf die Sicherheit sind strenge Vorsichtsmaßnahmen erforderlich, da Zytostatika giftig sind und sowohl Patienten als auch medizinisches Personal gefährden können. Die Verabreichung erfolgt daher häufig in spezialisierten Krebszentren unter der Aufsicht von Onkologen. Das medizinische Personal trägt Schutzausrüstung, und spezielle Abfallsysteme werden verwendet, um eine Exposition gegenüber den Medikamenten zu minimieren. Patienten werden engmaschig überwacht, um Nebenwirkungen wie Übelkeit, Haarausfall, Infektionen oder Organschäden rechtzeitig zu erkennen.

Die Qualitätskontrolle bei der Herstellung von Zytostatika unterliegt strengen pharmazeutischen Standards. Hersteller müssen sicherstellen, dass die Wirkstoffe gemäß den Good Manufacturing Practices (GMP) produziert werden, was regelmäßige Überprüfungen auf Reinheit, Dosierung und Sterilität beinhaltet. Jede Charge durchläuft umfangreiche Tests, bevor sie zur klinischen Anwendung freigegeben wird, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Medikamente zu gewährleisten.

Alternativen

Zu Zytostatika gibt es verschiedene alternative Medikamente und Therapieformen, die ebenfalls zur Behandlung von Krebs eingesetzt werden. Eine bedeutende Alternative sind zielgerichtete Therapien. Diese greifen spezifische Moleküle oder Signalwege in Krebszellen an, die für das Wachstum und Überleben der Tumorzellen notwendig sind. Beispiele sind Tyrosinkinase-Inhibitoren wie Imatinib, die gezielt das Wachstum von Krebszellen hemmen, ohne gesunde Zellen stark zu beeinträchtigen. Diese Therapien sind oft präziser als Zytostatika und verursachen andere, häufig weniger belastende Nebenwirkungen; nebenwirkungsfrei sind sie jedoch nicht.

Eine weitere Alternative sind Immuntherapien, die das körpereigene Immunsystem aktivieren, um Krebszellen zu bekämpfen. Checkpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab blockieren die Signalwege, die Krebszellen nutzen, um dem Immunsystem zu entkommen. Diese Therapien können bei bestimmten Krebserkrankungen sehr wirksam sein und bieten eine neue Behandlungsoption für Patienten, bei denen Zytostatika nicht ausreichend wirken. Sie können allerdings Autoimmunreaktionen auslösen, die ihrerseits behandelt werden müssen.

Hormontherapien werden bei hormonabhängigen Krebsarten wie Brust- und Prostatakrebs eingesetzt. Diese Medikamente, wie Tamoxifen oder Aromatasehemmer, blockieren die Wirkung von Hormonen, die das Wachstum von Tumoren fördern.

Im Vergleich zu Zytostatika sind diese alternativen Therapien oft besser verträglich, haben jedoch spezifische Anwendungsbereiche und sind nicht bei allen Krebsarten wirksam. Während Zytostatika auf schnelle Zellteilung abzielen, sind zielgerichtete und immunbasierte Therapien präziser und haben in der Regel weniger systemische Nebenwirkungen. Welche dieser Behandlungen infrage kommt, hängt von der Krebsart und ihren molekularen Merkmalen ab; sie stehen nicht wahlweise zur Verfügung und werden häufig miteinander kombiniert.

Behandlung in Zyklen

Eine Chemotherapie läuft nicht ununterbrochen, sondern in Zyklen: Auf eine Phase, in der das Mittel gegeben wird, folgt eine Pause, dann beginnt der nächste Durchgang. Der Grund liegt in demselben Umstand, der auch die Nebenwirkungen erklärt. Zytostatika treffen jedes Gewebe mit hoher Teilungsrate, also auch Knochenmark und Schleimhäute. Diese gesunden Gewebe können sich in der Pause erholen und ihre Zellzahl wieder auffüllen; dem Tumorgewebe gelingt das schlechter, weil Krebszellen häufig Schäden in den Reparaturwegen der Zelle tragen. Über mehrere Zyklen hinweg summiert sich dieser Unterschied zugunsten des gesunden Gewebes – darauf beruht der Zeitplan einer Chemotherapie. Wie tief die Zahl der weißen Blutkörperchen zwischendurch absinkt, lässt sich im Einzelfall nicht vorhersagen; deshalb wird vor jedem neuen Durchgang das Blutbild kontrolliert und der Zyklus verschoben, wenn sich die Werte noch nicht ausreichend erholt haben. Dass die einzelnen Zytostatika an verschiedenen Punkten des Zellzyklus angreifen – manche nur während der Teilung selbst, andere unabhängig davon –, ist einer der Gründe, aus denen mehrere Mittel miteinander kombiniert werden.

Adjuvant, neoadjuvant, palliativ

Für die Lage, in der eine Chemotherapie gegeben wird, benutzt die Onkologie feste Begriffe, denen Patienten vor allem in Arztbriefen begegnen. Adjuvant heißt eine Behandlung, die sich einer Operation anschließt, neoadjuvant eine, die ihr vorausgeht. Quer dazu steht das Behandlungsziel: Kurativ ist eine Therapie, die auf Heilung zielt; palliativ eine, die das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten und Beschwerden lindern soll, ohne dass Heilung erwartet wird. Palliativ bedeutet dabei nicht dasselbe wie Sterbebegleitung – eine palliative medikamentöse Tumortherapie kann sich über Jahre erstrecken. Welcher Begriff zutrifft, hängt nicht vom Wirkstoff ab, sondern von der Situation: Dasselbe Zytostatikum kann bei dem einen Menschen adjuvant und bei dem anderen palliativ eingesetzt werden. Bei Leukämien und Lymphomen, bei denen es keine umschriebene Geschwulst zum Herausschneiden gibt, greifen die Begriffe adjuvant und neoadjuvant nicht; bei den akuten Leukämien gliedert sich die Behandlung stattdessen in Induktion, Konsolidierung und Erhaltung.

Der Zugang über einen Port

Werden Zytostatika in eine Vene eingebracht, so reizen viele von ihnen die Venenwand. Erstreckt sich die Behandlung über mehrere Zyklen, wird deshalb häufig ein Portkatheter eingesetzt: eine kleine Kammer mit einer Membran, die unter der Haut – meist unterhalb des Schlüsselbeins – eingepflanzt wird und über einen dünnen Schlauch in eine herznahe Vene mündet. Zur Infusion wird die Membran durch die Haut hindurch angestochen. Das erspart die wiederholte Punktion der Armvenen, und die Substanz verteilt sich sofort in einem großen Blutstrom, statt in einer engen Vene am Arm zu verweilen. Nach dem Ende der Behandlung bleibt der Port oft noch einige Jahre liegen, weil das Rückfallrisiko in dieser Zeit am höchsten ist; entfernt wird er erst danach.

Fruchtbarkeit & Kinderwunsch

Weil Zytostatika sich gegen teilungsaktive Zellen richten, treffen sie auch die Keimzellen. Wie groß dieses Risiko ist, hängt vom Wirkstoff ab: Als besonders keimzellschädigend gelten die alkylierenden Substanzen, zu denen etwa Cyclophosphamid gehört, während andere Gruppen die Fruchtbarkeit weit weniger beeinträchtigen. Bei Frauen kann der Vorrat an Eizellen dauerhaft schrumpfen, bei Männern die Bildung von Samenzellen ausfallen – vorübergehend oder auf Dauer. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Maßnahmen zum Erhalt der Fruchtbarkeit müssen eingeleitet werden, bevor die Behandlung beginnt. In Betracht kommen das Einfrieren von Samenzellen, von unbefruchteten Eizellen oder von Eierstockgewebe sowie, wenn das Becken bestrahlt werden soll, das operative Verlagern der Eierstöcke aus dem Strahlenfeld. Die Kosten dafür trägt seit dem 1. Juli 2021 die gesetzliche Krankenversicherung: § 27a Absatz 4 SGB V begründet den Anspruch auf Kryokonservierung von Ei- oder Samenzellen und von Keimzellgewebe, wenn eine keimzellschädigende Behandlung ansteht; die zugehörige Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses regelt die Einzelheiten und zieht Altersgrenzen.

Forschung & Zukunft

Aktuelle Trends in der Forschung zu Zytostatika zielen darauf ab, die Wirksamkeit zu steigern und Nebenwirkungen zu minimieren. Ein wichtiger Trend ist die personalisierte Chemotherapie, bei der die Behandlung an die genetischen Eigenschaften des Tumors und des Patienten angepasst wird. Durch Genanalysen und molekulare Diagnostik können spezifische Zytostatika ausgewählt werden, die am besten auf den individuellen Tumor wirken, während unnötige Toxizität vermieden wird.

Ein weiterer Trend ist die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC). Diese kombinieren monoklonale Antikörper, die gezielt Krebszellen erkennen, mit Zytostatika, die direkt an die Tumorzellen abgegeben werden. Dadurch wird das gesunde Gewebe weniger geschädigt und die Wirkung auf die Krebszellen erhöht. Ein Beispiel dafür ist Trastuzumab-Emtansin, das bei HER2-positivem Brustkrebs eingesetzt wird.

Die Nanotechnologie eröffnet ebenfalls neue Möglichkeiten. Nanopartikel können Zytostatika gezielt an Tumorzellen abgeben und die Wirkung verstärken, während die toxischen Nebenwirkungen auf das gesunde Gewebe reduziert werden. Diese Technologie verbessert die Bioverfügbarkeit und Zufuhr der Medikamente.

Zusätzlich gibt es Forschungen zur Kombination von Zytostatika mit Immuntherapien. Zytostatika können das Tumor-Mikroumfeld verändern und das Immunsystem so aktivieren, dass Immuntherapien besser wirken. Solche Kombinationstherapien sind ein vielversprechender Ansatz, um die Wirksamkeit bei bestimmten Tumorarten zu erhöhen.

Quellen

  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Engelhardt, M., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch: Chemotherapie-Manual Hämatologie und Onkologie.
    ISBN: 9783662677483
  • Serve, H., Zurmeyer, D. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Onkologie und Hämatologie.
    ISBN: 9783437210112
  • Eucker, J., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Hämatologie Onkologie.
    ISBN: 9783437212079
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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