Akute myeloische Leukämie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 14. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die akute myeloische Leukämie, oft mit AML abgekürzt, ist eine besonders heimtückische und sich schnell ausbreitende Form des Blutkrebses, von der häufig auch Kinder betroffen sind. So ist etwa jeder dritte Krebsbefund bei Jugendlichen und Kleinkindern auf eine Leukämie zurückzuführen, wobei die akute myeloische Leukämie die zweithäufigste unter diesen diagnostizierten Leukämien darstellt. Insgesamt ist die AML jedoch vor allem eine Erkrankung des höheren Lebensalters: Die meisten Betroffenen sind bei der Diagnose über 60 Jahre alt, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist akute myeloische Leukämie?

Akute myeloische Leukämie
Leukämie heißt übersetzt "weißes Blut" und beschreibt die unkontrollierte Ausbreitung von unfertigen weißen Blutkörperchen, den sogenannten Leukozyten, im Blut.

Leukämie heißt übersetzt "weißes Blut" und beschreibt die unkontrollierte Ausbreitung von unfertigen weißen Blutkörperchen, den sogenannten Leukozyten, im Blut und die damit einhergehende Zurückdrängung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten) sowie der fertigen weißen Blutkörperchen.

Die akute myeloische Leukämie hat ihren Namen sowohl von ihrem schnellen und aggressiven - oder eben "akuten" - Verlauf als auch von der biologischen Klassifizierung ihrer Vorläuferzellen, die als "myeloisch" bezeichnet werden.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung einer akuten myeloischen Leukämie sind noch weitestgehend unerforscht. Klar ist nur, dass gewisse Umweltfaktoren eine Rolle spielen, etwa der häufige Kontakt mit schädlichen Stoffen wie Benzol, das z.B. in Benzin vorkommt oder bei der Verbrennung bestimmter Materialien, wie Autoreifen oder Holz, entsteht.

Hierdurch kommt es in der Folge zu bösartigen Veränderungen von Zellen, die so zu einer Krebserkrankung führen können. Auch in Zigarettenrauch ist eine geringe Menge Benzol enthalten.

Des Weiteren werden bestimmte Virusinfektionen, Medikamente sowie eine genetische Veranlagung mit der Entstehung einer akuten myeloischen Leukämie in Verbindung gebracht. Inwiefern eine Erkrankung aber ursächlich aus diesen Faktoren entsteht, ist nach wie vor unklar. Als gesichert gelten dagegen ionisierende Strahlung sowie eine vorangegangene Chemo- oder Strahlentherapie wegen einer anderen Krebserkrankung. Auch aus einem myelodysplastischen Syndrom, einer Vorstufenerkrankung des Knochenmarks, kann sich im Verlauf eine akute myeloische Leukämie entwickeln.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die akute myeloische Leukämie tritt plötzlich auf und führt sehr schnell zu schweren Krankheitsverläufen. Unbehandelt kommt es innerhalb weniger Wochen zum Tod durch nicht beherrschbare Infektionen oder Blutungen. Eine Behandlung schlägt aber bei circa zwei Dritteln der Betroffenen so gut an, dass die Erkrankung zunächst nicht mehr nachweisbar ist. Wie viele Patienten dauerhaft geheilt werden, hängt stark vom Lebensalter und von den genetischen Merkmalen der Leukämiezellen ab.

Die plötzlich auftretenden Beschwerden werden durch die schnelle Vermehrung unreifer Leukozyten hervorgerufen, welche die Bildung normaler Blutzellen wie Erythrozyten, funktionsfähige Granulozyten und Thrombozyten behindert. Der Mangel an Erythrozyten ruft eine Anämie hervor. Das Fehlen der funktionsfähigen Granulozyten führt zur Schwächung des Immunsystems und damit zu schwer beherrschbaren Infektionskrankheiten.

Der Verlust der Thrombozyten setzt die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herab und erhöht dadurch das Risiko für schwere Blutungen. Die Erkrankung beginnt mit plötzlich einsetzendem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, Blässe, Nachtschweiß und oft schwerer Atemnot. Des Weiteren treten ständig Hämatome sowie Haut-, Schleimhaut- und Zahnfleischbluten auf.

Häufig werden schwerwiegende Infektionen der Lunge und anderer Organe beobachtet. Auch Mandelentzündungen und unklares Fieber sind typische Symptome. Die Mundschleimhaut ist sehr oft entzündet. Zusätzlich kann auch eine Pilzinfektion des Mundes (Mundsoor) auftreten.

In selteneren Fällen kommt es zu Lymphknoten- und Zahnfleischschwellungen. Auch Milz oder Leber können vergrößert sein. Obwohl die Behandlung sehr gut anschlägt, können bei vielen Patienten trotzdem nicht alle Krebszellen entfernt werden. Dadurch kommt es häufig zu einem Rückfall, meist innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Behandlung.

Diagnose & Verlauf

Eine akute myeloische Leukämie schreitet zwar rasch voran, äußert sich anfangs aber nur geringfügig. Oft werden die anfänglichen Symptome, wie Erschöpfung, Müdigkeit, Fieber, heftiges nächtliches Schwitzen, Schwellungen der Lymphknoten oder Bauchschmerzen, mit denen einer einfachen Erkältung oder einer Grippe verwechselt und daher zunächst unterschätzt und nicht richtig zugeordnet.

Eine frühe Diagnose und schnelle Behandlung ist bei einer akuten myeloischen Leukämie aber gerade besonders wichtig, da sich die unreifen Zellen sonst extrem schnell im menschlichen Organismus ausbreiten und schon nach wenigen Wochen zu Schädigungen der Leber, der Milz und anderen wichtigen Organen des Körpers führen können.

Ferner kann es durch die schnelle Vermehrung der Leukozyten im Knochenmark zu Schmerzen in den Knochen sowie durch die verminderte Blutgerinnung - als Folge des Schwundes der Blutplättchen - zu blauen Flecken und Nasenbluten kommen. Bleibt die akute myeloische Leukämie unbehandelt, führt sie innerhalb weniger Wochen bis Monate unweigerlich zum Tod des betroffenen Patienten.

Der Arzt kann eine akute myeloische Leukämie entweder durch die Auswertung eines Blutbildes, eine Untersuchung des Knochenmarks auf Anomalien in der Struktur oder durch die chemische Analyse einer Blutprobe auf abnorme Gerinnungswerte und Entzündungsparameter erkennen. Beweisend ist die Untersuchung des Knochenmarks: Von einer akuten myeloischen Leukämie spricht man, wenn der Anteil unreifer Vorläuferzellen (Blasten) im Knochenmark mindestens 20 Prozent beträgt. Ergänzend werden die Leukämiezellen immunologisch sowie zyto- und molekulargenetisch untersucht; diese Befunde entscheiden heute maßgeblich über die Einteilung der Erkrankung und die Wahl der Therapie.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die akuten Leukämien verlaufen schnell und sind ohne Behandlung tödlich. Sobald die Diagnose gestellt ist, was in der Regel schon durch einen Arzt und verschiedene Untersuchungsmethoden erfolgt, wird dem Patienten das weitere Vorgehen entweder direkt erklärt oder aber es folgt eine Überweisung an einen ansässigen Onkologen oder eine Fachklinik. Für die Genesung ist ein schnelles Handeln erforderlich und es sind unverzüglich Therapiemaßnahmen in Gang zu bringen.

Eine Eigenbehandlung ohne ärztlichen Beistand oder ein spontanes Ausheilen der Erkrankung ohne geeignete Therapie ist nicht möglich. Alternative Heilmethoden kommen allenfalls begleitend zu einer Krebstherapie infrage und sollten vorher immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, da manche Präparate die Wirkung der Chemotherapie beeinträchtigen.

Alleinige Therapie können sie jedoch nicht darstellen. Betroffene sollten die Diagnose sehr ernst nehmen und nicht lange mit dem Therapiebeginn warten, auch wenn das eine große Belastung und Lebensveränderung darstellt. Die rechtzeitige Behandlung ist für eine Remission von großer Bedeutung. Je weiter die Krankheit unbehandelt fortschreiten kann, desto schlechter stehen die Chancen für eine vollständige Heilung.

Deshalb gilt hier: Sofort zum Arzt und weitere Behandlungsmaßnahmen beginnen!

Behandlung & Therapie

Noch vor etwa 50 Jahren galt die akute myeloische Leukämie praktisch als unheilbar und die Überlebensquote der Betroffenen ging gegen null. Heutzutage ist die Schulmedizin aber schon einen großen Schritt weiter und kann bei Patienten, die vor ihrem 60. Lebensjahr erkranken, auf eine Heilungsquote von über 50 Prozent verweisen.

Bei Kindern liegt sie mit 70 Prozent sogar noch ein gutes Stück höher. Bei Patienten, die nach ihrem 60. Lebensjahr erkranken, liegt sie hingegen nur bei etwa 20 Prozent. Durch die Erhebung klinischer Studien konnte die Behandlung in den letzten Jahrzehnten Stück für Stück effektiver, individueller und erfolgversprechender gestaltet werden. Mithilfe neuer Methoden der Diagnostik kann eine akute myeloische Leukämie heute zudem schneller und genauer erkannt werden, was essentiell für eine mögliche Heilung sein kann.

Eine Therapie besteht in der Regel aus vier Therapiezyklen, die sofort nach der Diagnose beginnen. In den ersten beiden Zyklen wird mithilfe einer "Induktionschemotherapie" versucht, die kranken Zellen in ihrer Entstehung und Verbreitung einzudämmen und, wenn möglich, gänzlich zu stoppen, so dass die Erkrankung (im besten Fall) danach nicht mehr im Körper nachweisbar ist.

Anschließend soll in zwei weiteren Zyklen und durch erneute Chemotherapien eine Rückkehr der Leukämiezellen und somit ein wiederholter Ausbruch der akuten myeloischen Leukämie verhindert werden.

Bei einem hohen Rückfallrisiko wird die Chemotherapie heute durch eine Stammzelltransplantation mit Zellen eines Spenders ergänzt. Hinzugekommen sind außerdem zielgerichtete Medikamente, die gegen bestimmte genetische Veränderungen der Leukämiezellen wirken, sowie schonendere Kombinationen für ältere Patienten, denen eine hoch dosierte Chemotherapie nicht zugemutet werden kann. Eine Sonderstellung nimmt die akute Promyelozytenleukämie ein, eine Unterform der AML: Sie wird nicht in erster Linie mit klassischen Zytostatika behandelt, sondern mit Vitamin-A-Säure und Arsentrioxid, und ist damit heute meist heilbar.


Vorbeugung

Der akuten myeloischen Leukämie kann derzeit nur indirekt vorgebeugt werden. Der Verzicht auf Rauchen sowie andere Schadstoffe kann dazu beitragen, dass sich eine Krebserkrankung gar nicht erst entwickelt. Ein gesundes Leben, bewusste und gesunde Ernährung, sowie viel Sport und Bewegung tragen ebenso dazu bei, das Leukämierisiko niedrig zu halten.

Das können Sie selbst tun

Die Verminderung der Erythrozyten führt zu Abgeschlagenheit. Für die Betroffenen ist es ratsam, den Tag langsam und mit einigen kräftigen Atemzügen anzufangen. Langsame Bewegungsabläufe helfen dem Körper, mit der verringerten Zahl an Erythrozyten zurechtzukommen. Anstrengungen wie das Tragen schwerer Einkaufstaschen sind zu meiden. Anflüge von Schwäche insbesondere während der Arbeitsroutine lassen sich mit vielen kleinen Pausen mindern.

Unwohlsein ist ein häufiges Symptom. Diesem ist mit leichten Massagen entgegenzuwirken. Es hilft den Betroffenen, wenn sie sich mit den Händen über Arme und Beine streichen. Die Durchblutungsförderung der Füße erfordert mehr Aufwand, für sie ist ein Massageroller empfehlenswert. Die Füße tragen das gesamte Körpergewicht und sind daher besonders belastet. Der Mangel an funktionsfähigen weißen Blutkörperchen schwächt die Abwehrkräfte, Atemwegsbeschwerden und fiebrige Erscheinungen sind die Folge. Eine gepflegte Heimstätte ist daher unerlässlich.

In der Freizeit sind leichte sportliche Tätigkeiten erlaubt, Schwimmen ausgenommen. Einfache gymnastische Übungen oder kurze Radstrecken bessern den Gesundheitszustand. Entspannte Aufenthalte an frischer Luft fördern die Bildung von Erythrozyten. Von Spaziergängen bei Feuchtwetter ist abzuraten. Für den Urlaub sind trockene Klimazonen auszusuchen. Ein mild temperiertes Schlafzimmer verschafft Abhilfe bei den nächtlichen Schweißausbrüchen. Frische Nachtwäsche zum Wechseln und häufiges Bettenbeziehen machen diese Begleiterscheinung erträglicher.

Quellen

  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J., et al.: Das Rote Buch: Hämatologie und Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783609512242
  • Engelhardt, M., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch: Chemotherapie-Manual Hämatologie und Onkologie.
    ISBN: 9783662677483
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488
  • Suttorp, N., Möckel, M., Siegmund, B., et al. (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin.
    ISBN: 9783132452091

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