Magensonde

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bestimmte Umstände und Krankheiten können dazu führen, dass Menschen die natürliche Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist. Damit der Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird, können Mediziner eine Magensonde legen. Auf diese Weise gelangen die Speisen direkt in den Verdauungstrakt, ohne dass eine Zerkleinerung im Mund notwendig wäre.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Magensonde?

Magensonde
Damit der Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird, können Mediziner eine Magensonde legen. Ein solcher Eingriff ist zum Beispiel bei Frühchen notwendig.

Die künstliche Ernährung soll nicht nur zum Erhalt der lebenswichtigen Funktionen beitragen. Gleichzeitig stellt eine Magensonde einen Faktor zur Verbesserung von Gesundheit und Lebensqualität dar. Bevor eine solche Entscheidung getroffen wird, ist dennoch oft ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt notwendig, um alle ethischen Zweifel zu klären.

Gelingt es einem Patienten aufgrund körperlicher Beschwerden nicht mehr, eigenständig Nahrung aufzunehmen, wird in den meisten Fällen zunächst eine bestimmte Lösung verabreicht. Diese enthält sämtliche wichtigen Nährstoffe. Bestimmte Erkrankungen können jedoch dafür verantwortlich sein, dass der gesamte Schluckvorgang nicht mehr einwandfrei abläuft. Bei einem solchen Zustand ist die Magensonde oft die letzte Lösung. Sie eignet sich somit beispielsweise für Personen mit einer Schlucklähmung, Tumoren im Bereich von Mund und Rachen oder aber bei Verlust des Bewusstseins.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine Magensonde eignet sich einerseits zur Verabreichung von Nahrung, andererseits ermöglicht der Schlauch das Abführen von Elementen des Mageninhalts. Ein solches Verfahren kommt beispielsweise nach einer Vergiftung zum Einsatz, um die Stoffe aus dem Körper zu schleusen, ehe die Verdauung im Darm fortgesetzt wird. Bei der Magensonde handelt es sich um einen Schlauch aus einem weichen Material.

Dieser misst in der Regel 75 Zentimeter. Wie weit der Schlauch eingeführt wird, hängt maßgeblich von der erwünschten Position sowie der Größe des Patienten ab. Der Durchmesser reicht je nach Einsatzzweck von wenigen Millimetern bei dünnen Ernährungssonden bis zu deutlich dickeren Schläuchen für die Magenspülung. Magensonden können direkt in den Magen führen oder aber in den Zwölffingerdarm oder den weiteren Dünndarm münden. Während das eine Ende Löcher aufweist, über welche die Speisen in den Organismus gelangen, können an dem anderen Ende spezifische Geräte angeschlossen werden. Bei dem Abpumpen von Magensäure oder weiteren Inhalten wird hier beispielsweise ein Absauger angebracht. Das Einführen einer Magensonde wird in der Regel als unangenehm, aber nicht schmerzhaft wahrgenommen. Der Schlauch kann entweder über die Nase oder durch den Mund eingeführt werden. In den meisten Fällen kommt eine transnasale Magensonde zum Einsatz.

Diese wird beim Sprechen als weniger störend empfunden und kann gleichzeitig besser befestigt werden. Bei Schädelbrüchen oder anderen Verletzungen am Kopf kann der Schlauch oft nur über den Mund eingeführt werden. Ist eine langfristige künstliche Ernährung unausweichlich, gelangt der Schlauch direkt über die Bauchdecke in den Magen. Die Magensonde muss somit den Weg durch Nase, Rachen und Speiseröhre finden, ehe sie an der vorgesehenen Stelle platziert wird.

Eine Magensonde empfiehlt sich vor allem für vier medizinische Fälle. Durch den Schlauch können verschiedene Flüssigkeiten aus dem Magen entfernt werden. Dies wird zum Beispiel bei einem Darmverschluss notwendig oder aufgrund von Magenblutungen.

Auf diese Weise lassen sich Blut, Magensaft oder Mageninhalte aus dem Organismus entfernen. Erfordert eine Diagnose die Untersuchung des Magensafts, kann dieser ebenfalls zu diesem spezifischen Zweck durch eine Magensonde entnommen werden. Am häufigsten legen Ärzte eine Magensonde jedoch zur künstlichen Ernährung von Patienten, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr dazu in der Lage sind, ihren Nährstoffbedarf eigenständig zu decken.

Insbesondere bei Personen in höheren Altersklassen oder nach Unfällen steigt der Anteil der Verwendung von Magensonden. Der vierte Grund einer Magensonde ist die Durchspülung des Darms. Leidet der Patient unter einer Vergiftung, kann der Darm auf diese Weise entlastet werden. Bevorzugt werden die giftigen Substanzen bereits im Magen abgepumpt. Lässt sich ein solcher Prozess nicht mehr realisieren, setzt die Behandlung im Darm an.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Abhängig von dem Gebiet der Anwendung sowie der verwendeten Magensonde können auch differenzierte Beschwerden auftreten. Generell ist das Risiko für Komplikationen aufgrund eines solchen Schlauchs jedoch sehr gering. So kann das Einführen der Sonde als sehr unangenehm empfunden werden. Einige Patienten reagieren mit einem Würgreflex.

Weitere Komplikationen können zum Beispiel während des Einführens der Magensonde aufkommen. Hier steht vor allem das Material des Schlauchs im Mittelpunkt. Schlecht biegsame Materialien weisen eine erhöhte Gefahr auf, Schleimhäute, Magen, Speiseröhre oder Darm zu verletzen. Weil sich das verwendete Material in den letzten Jahren jedoch weiterentwickelt hat, handelt es sich meistens um einen flexiblen Kunststoff, der das Risiko von Verletzungen reduziert. Bei wenigen Patienten gelingt dem behandelnden Arzt das Einführen über die Speiseröhre nicht. Stattdessen gelangt der Schlauch in die Luftröhre. Ist der Patient bei Bewusstsein, reagiert er normalerweise durch einen Hustenreflex.

Bei bewusstlosen Personen kann jedoch erst durch eine Untersuchung im Nachhinein festgestellt werden, ob die Magensonde richtig platziert ist. Weitere mögliche Komplikationen sind eventuelle Reizungen der Magenschleimhaut. Diese treten vor allem beim Einführen der Sonde und bei längerer Liegedauer auf. Berührungen können zu Reizungen oder Verletzungen führen. Sehr selten durchbohrt die Sonde die Schleimhaut. In einem solchen Fall kann nicht ausgeschlossen werden, dass Inhalte des Magens in umliegendes Gewebe dringen.

Oftmals resultiert aus einer solchen Verletzung eine Entzündung des Bauchfells. Neben einer Operation werden Antibiotika verabreicht. Generell ist das Risiko von Verletzungen aufgrund einer Magensonde gering. Laut Schätzungen leidet weniger als ein Patient von 100 unter schwerwiegenden Komplikationen. Leichtere Begleiterscheinungen wie Reizungen im Nasen-Rachen-Raum treten dagegen häufiger auf.

Formen der Magensonde

Der Sammelbegriff Magensonde fasst mehrere Schlaucharten zusammen, die sich in Zugangsweg, Liegedauer und Zweck unterscheiden. Am häufigsten ist die transnasale Sonde, die durch ein Nasenloch über Rachen und Speiseröhre bis in den Magen geführt wird. Sie lässt sich am Krankenbett legen, erfordert keinen operativen Eingriff und kann ebenso rasch wieder entfernt werden. Für einen absehbar kurzen Bedarf ist sie deshalb die übliche Wahl. Muss der Schlauch über den Mund eingeführt werden, spricht man von einer orogastralen Sonde; sie wird vor allem bei bewusstlosen oder beatmeten Patienten und bei Verletzungen im Gesichtsbereich genutzt.

Endet die Sonde nicht im Magen, sondern weiter hinten im Zwölffingerdarm oder im oberen Dünndarmabschnitt, handelt es sich um eine Duodenal- beziehungsweise Jejunalsonde. Sie kommt in Betracht, wenn der Magen umgangen werden soll: etwa weil er sich nicht ausreichend entleert, weil Mageninhalt in die Atemwege zurückzulaufen droht oder weil die Bauchspeicheldrüse entlastet werden soll. Da der Dünndarm keinen Vorrat anlegen kann wie der Magen, wird die Nahrung über solche Sonden gleichmäßig verteilt zugeführt statt in größeren Portionen.

Zeichnet sich ab, dass die künstliche Ernährung über wenige Wochen hinaus nötig bleibt, wird ein Zugang durch die Bauchdecke erwogen. Bei der perkutanen endoskopischen Gastrostomie, kurz PEG, legt der Arzt den Schlauch unter Sicht einer Magenspiegelung durch die Bauchwand direkt in den Magen; eine innere Halteplatte sichert ihn dort. Nase und Rachen bleiben dabei frei, die Sonde ist unter der Kleidung verborgen, und Druckstellen am Nasenflügel entfallen. Dem steht gegenüber, dass die Anlage selbst ein Eingriff mit eigenen Risiken ist – etwa einer Wundinfektion an der Einstichstelle oder einer Blutung.

Quer zu dieser Einteilung steht der Zweck: Ernährungssonden sind dünn und weich, damit sie über lange Zeit möglichst wenig reizen. Ablaufsonden, die Magensaft oder gestauten Mageninhalt nach außen leiten sollen, haben ein größeres Lumen, weil sie auch zähes Sekret und Speisereste durchlassen müssen. Manche Sonden führen zwei Kanäle nebeneinander, sodass gleichzeitig abgeleitet und Luft nachgeführt werden kann; das verhindert, dass sich die Sonde an der Magenwand festsaugt.

Vorbereitung, Ablauf & Lagekontrolle

Eine nasale Sonde legen Ärztinnen und Ärzte oder entsprechend geschultes Pflegepersonal. Ist der Patient wach, sitzt er dabei möglichst aufrecht und neigt den Kopf leicht nach vorn, sobald der Schlauch den Rachen erreicht – diese Haltung lenkt die Sonde eher in die Speiseröhre als in den Kehlkopf. Wer schlucken kann, wird zum Schlucken aufgefordert, weil sich der Speiseröhreneingang dabei öffnet. Die Sonde wird mit einem Gleitmittel benetzt; auf Wunsch kann der Rachen zuvor örtlich betäubt werden. Der eigentliche Vorgang dauert meist nur wenige Minuten.

Bevor über die Sonde etwas verabreicht wird, muss ihre Lage geprüft werden. Üblich ist, etwas Flüssigkeit anzusaugen und deren Säuregrad zu messen: Ein deutlich saurer Wert spricht für eine Lage im Magen. Bleiben Zweifel, sichert eine Röntgenaufnahme die Position. Die früher verbreitete Methode, Luft einzuspritzen und mit dem Stethoskop über dem Oberbauch zu horchen, gilt heute als unzuverlässig, weil auch eine falsch liegende Sonde ein ähnliches Geräusch erzeugen kann. Die Einführtiefe wird an der Sonde markiert, sodass sich später erkennen lässt, ob sie verrutscht ist.

Besondere Sorgfalt verlangt die Lagekontrolle bei bewusstlosen, sedierten oder beatmeten Menschen. Bei ihnen fehlen Husten- und Würgreflex oder sind abgeschwächt, sodass eine Fehllage in der Luftröhre unbemerkt bleiben kann. Gelangt Nahrung auf diesem Weg in die Lunge, droht eine Aspirationspneumonie. Auch bei liegender, korrekt platzierter Sonde wird die Position vor jeder Anwendung erneut geprüft, denn Husten, Erbrechen oder unruhige Bewegungen können den Schlauch verschieben.

Die Anlage einer Sonde durch die Bauchdecke findet dagegen in der Endoskopie-Abteilung statt. Der Patient erhält in der Regel ein Beruhigungsmittel, die Einstichstelle wird örtlich betäubt, und der Endoskopiker sucht von innen die Stelle, an der Magen- und Bauchwand unmittelbar aneinanderliegen. Vorher wird geprüft, ob die Blutgerinnung ausreichend ist und ob gerinnungshemmende Medikamente pausiert werden müssen.

Ernährung & Medikamente über die Sonde

Verabreicht wird meist industriell hergestellte Sondennahrung. Sie ist flüssig, fein genug für dünne Schläuche und in ihrer Zusammensetzung aus Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten, Vitaminen und Spurenelementen aufeinander abgestimmt. Es gibt Varianten mit und ohne Ballaststoffe sowie Zusammensetzungen, die auf besondere Stoffwechsellagen zugeschnitten sind, etwa bei Nieren- oder Lebererkrankungen. Selbst zubereitete pürierte Kost verstopft dünne Sonden leicht und ist mikrobiologisch heikler; sie kommt daher nur nach ärztlicher Absprache und über entsprechend weite Sonden in Betracht.

Die Zufuhr erfolgt entweder portionsweise mit einer Spritze oder gleichmäßig über ein Schwerkraftsystem oder eine Pumpe. Die gleichmäßige Gabe wird bevorzugt, wenn der Magen empfindlich reagiert, und ist bei Dünndarmsonden die Regel. Nach längerer Zeit ohne Nahrung wird der Kostaufbau langsam gesteigert und ärztlich überwacht: Bei stark unterernährten Menschen kann ein zu rascher Beginn den Mineralhaushalt entgleisen lassen und Herz und Nerven belasten – ein als Refeeding-Syndrom bekanntes Problem. Die Werte im Blut, darunter die Elektrolyte, werden in dieser Phase engmaschig kontrolliert.

Auch Medikamente lassen sich über eine Sonde geben, doch ist das nicht mit dem Zermörsern beliebiger Tabletten getan. Retardpräparate geben ihren Wirkstoff nach dem Zerkleinern auf einmal statt verzögert frei, magensaftresistente Überzüge verlieren ihre Schutzwirkung, und manche Wirkstoffe haften an der Schlauchwand. Welche Präparate in welcher Form gegeben werden können, klären Ärztin oder Apotheker; flüssige Darreichungsformen sind im Zweifel günstiger. Vor und nach jeder Gabe wird gespült, und Arzneimittel werden nicht in die Sondennahrung eingerührt, weil sich Wirkstoffe und Nahrungsbestandteile gegenseitig beeinflussen können.

Die Sondenernährung selbst wird nicht immer gut vertragen. Durchfall, Völlegefühl, Übelkeit oder umgekehrt Verstopfung gehören zu den häufigeren Begleiterscheinungen. Meist lassen sie sich beheben, indem Menge, Geschwindigkeit oder Zusammensetzung angepasst werden. Bei einem Zugang in den Dünndarm können größere Mengen auf einmal zu Beschwerden führen, die dem Dumping-Syndrom nach Magenoperationen ähneln.

Alltag mit einer Magensonde

Während und nach der Nahrungsgabe wird der Oberkörper hochgelagert, damit möglichst wenig Mageninhalt in die Speiseröhre zurückläuft. Die Mundpflege bleibt wichtig, auch wenn nichts mehr gegessen wird: Ohne Kauen fließt weniger Speichel, die Schleimhaut trocknet aus, es bilden sich Beläge, und das Risiko für eine Zahnfleischentzündung steigt. Bei nasalen Sonden werden das Fixierpflaster regelmäßig gewechselt und der Nasenflügel auf Druckstellen kontrolliert; bei langer Liegedauer können Sonden auch die Nasennebenhöhlen oder das Mittelohr in Mitleidenschaft ziehen, weil sie die Belüftungswege reizen.

Bei einer Sonde durch die Bauchdecke wird die Einstichstelle in den ersten Tagen nach der Anlage täglich, später in größeren Abständen kontrolliert und verbunden. Rötung, zunehmender Schmerz, Schwellung oder austretendes Sekret sind Anlass, ärztlichen Rat einzuholen. Die Sonde soll außerdem beweglich bleiben und wird deshalb nach Anweisung regelmäßig etwas gedreht und vorsichtig hin- und hergeschoben. Bleibt das aus, kann die innere Halteplatte in die Magenwand einwachsen – eine Komplikation, die als Buried-Bumper-Syndrom bezeichnet wird und einen erneuten Eingriff nötig machen kann.

Verstopft eine Sonde, wird nicht mit Gewalt gespült und kein Draht eingeführt, weil der Schlauch dabei reißen oder die Schleimhaut verletzt werden kann; stattdessen ist der behandelnde Arzt oder der Pflegedienst zuständig. Für die Versorgung zu Hause übernehmen ambulante Pflegedienste die Einweisung von Betroffenen und Angehörigen, und viele Kliniken verfügen über Ernährungsteams, die den Verlauf begleiten. Wer trotz Sonde noch sicher schlucken kann, darf oft weiterhin kleine Mengen zum Genuss essen – ob und in welcher Konsistenz, klärt eine Untersuchung des Schluckvorgangs, an der häufig die Logopädie beteiligt ist.

Wann eine Magensonde nicht infrage kommt

Nicht in jeder Lage ist eine Magensonde möglich oder sinnvoll. Frische Verätzungen der Speiseröhre durch Säuren oder Laugen sprechen gegen das Einführen eines Schlauchs, weil das angegriffene Gewebe leicht einreißt. Hochgradige Engstellen, ausgedehnte Tumoren im Bereich von Rachen und Speiseröhre sowie Ösophagusvarizen – erweiterte Venen in der Speiseröhrenwand – erfordern besondere Vorsicht oder schließen den nasalen Weg aus. Auch eine ausgeprägte Gerinnungsstörung erhöht das Blutungsrisiko beim Legen der Sonde.

Gegen einen Zugang durch die Bauchdecke sprechen unter anderem eine ausgeprägte Bauchwassersucht (Aszites), Voroperationen mit ausgedehnten Verwachsungen und Situationen, in denen sich Magen- und Bauchwand während der Spiegelung nicht sicher aneinanderlegen lassen. In solchen Fällen bleibt gegebenenfalls die Parenterale Ernährung über eine Vene als Alternative, die allerdings eigene Risiken trägt und den Verdauungstrakt ungenutzt lässt.

Vor jeder Sondenanlage steht die Frage, ob die Ernährung über den Mund nicht doch noch gelingt. Angedickte Getränke, energiereiche Trinknahrung, Hilfe beim Essen und ein logopädisches Schlucktraining können ausreichen, um eine Sonde zu vermeiden oder hinauszuzögern. Umgekehrt ist eine einmal gelegte Sonde keine endgültige Festlegung: Bessert sich die Schluckfähigkeit, etwa nach einem Schlaganfall, wird die Ernährung schrittweise wieder auf den natürlichen Weg umgestellt.

Entscheidung & ethische Fragen

Das Legen einer Magensonde ist ein Eingriff, der wie jede ärztliche Maßnahme der Einwilligung des aufgeklärten Patienten bedarf. Kann sich der Betroffene nicht mehr äußern, richtet sich die Entscheidung nach seinem zuvor geäußerten oder mutmaßlichen Willen; eine Patientenverfügung, eine Vorsorgevollmacht oder eine gerichtlich bestellte Betreuung geben dafür den Rahmen. Weil die künstliche Ernährung tief in die Lebensgestaltung eingreift, wird sie in aller Regel im Gespräch zwischen Behandelnden, Betroffenen und Angehörigen abgewogen.

Besonders sorgfältig wird die Frage bei weit fortgeschrittener Demenz betrachtet. Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass sich für eine dauerhafte Sondenernährung in dieser Situation kein Vorteil hinsichtlich Lebensdauer, Wundheilung oder Vermeidung von Lungenentzündungen durch Verschlucken belegen lässt; empfohlen wird stattdessen, Nahrung geduldig und in angepasster Form anzureichen. Eine Sonde ersetzt in diesen Fällen weder Zuwendung noch die Zeit, die das Essen braucht.

In der letzten Lebensphase verändert sich der Blick auf Nahrung und Flüssigkeit noch einmal. Nach dem Verständnis der Palliativmedizin lassen Hunger und Durst am Lebensende von selbst nach, und eine künstliche Zufuhr kann den Körper eher belasten als entlasten; Durstgefühl wird meist durch sorgfältige Mundpflege wirksamer gelindert als durch zugeführte Flüssigkeit. Auch deshalb wird die Entscheidung für oder gegen eine Sonde in bestimmten Abständen überprüft und nicht als unumkehrbar behandelt: Eine nasale Sonde lässt sich ohne Eingriff wieder entfernen, und auch die Ernährung über eine Sonde durch die Bauchdecke kann beendet werden, wenn sie dem Willen des Patienten nicht mehr entspricht.

Quellen

  • Menche, N. (Hrsg.): Pflege heute.
    ISBN: 9783437267796
  • Biesalski, H.-K., Bischoff, S. C., Pirlich, M., et al. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
    ISBN: 9783132445987
  • Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
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  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488
  • Marx, G., Muhl, E., Zacharowski, K., et al. (Hrsg.): Die Intensivmedizin.
    ISBN: 9783662686997

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