Magenspülung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Magenspülung stellt einen medizinischen Eingriff dar, der verhältnismäßig selten zum Einsatz kommt. Sein Ziel ist es in der Regel, den Körper vor einer Vergiftung zu retten, indem Toxine aus dem Magen gepumpt werden.
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Was ist die Magenspülung?
Magenspülungen werden vor allem bei Personen angewendet, die mithilfe von Tabletten einen Suizid herbeiführen wollen. Solange die Substanzen noch nicht in den Darm gelangt sind, ist es möglich, die giftigen Stoffe durch eine Magenspülung zu beseitigen. Dementsprechend ist es jedoch notwendig, dass die betroffene Person rechtzeitig gefunden und angemessen behandelt wird. Zur Magenspülung wird ein spezifischer Schlauch eingeführt und der Magen mit körperwarmer Kochsalzlösung aufgefüllt.
Bei einer frühzeitigen Erkennung der Symptome und Anwendung der Magenspülung kann die Methode zum Erfolg führen. Je schneller die Spülung zum Einsatz kommt, desto besser gelten die Heilungschancen. Sobald die Toxine in das Gewebe eindringen oder weiterverdaut werden, müssen andere Methoden angewendet werden, um das Leben des Patienten zu retten. Es existieren jedoch einige Gefahren und Risiken. Um diese unter Kontrolle zu bringen, ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt ausreichend Erfahrung im Gebiet der Magenausspülung hat. Ob die Vorteile des Verfahrens die Nachteile überwiegen, wird deshalb in jedem Einzelfall abgewogen. Lange Zeit galt die Magenspülung als Standardmaßnahme bei Vergiftungen. Nach heutigem Kenntnisstand wird sie nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt, etwa wenn eine lebensbedrohliche Menge eines Giftes erst kurz zuvor eingenommen wurde. Häufig wird stattdessen medizinische Kohle gegeben, die viele Gifte bereits im Magen-Darm-Trakt bindet. Sie wirkt allerdings nicht bei allen Substanzen und muss ebenfalls früh gegeben werden.
Funktion, Wirkung & Ziele
Nur ein kleinerer Teil gibt an, dass die Vergiftung im Rahmen eines Unfalls entstehen konnte. Leidet ein Kind unter der Aufnahme von Toxinen, befindet es sich weit überwiegend in einem Alter von bis zu 5 Jahren. Vor allem zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr nehmen Kinder viele Gegenstände in den Mund. Auf diese Weise kann es unter Umständen zu einer Vergiftung kommen, die eine Magenspülung notwendig macht. In dem Verfahren wird der Magen ausgepumpt und die Schleimhaut damit gesäubert. Wenn der Patient frühzeitig zum Arzt gebracht wird, kann so die Gesundheit wiederhergestellt werden, sodass die Vergiftung normalerweise keine weiteren Folgen hat. Im besten Fall erfolgt die Spülung in einem Zeitraum von bis zu 30 Minuten nach Aufnahme der Toxine.
So kann sichergestellt werden, dass sich die Substanzen wirklich noch im Magen befinden. Wurden bestimmte Tabletten geschluckt, lässt sich das Zeitfenster in der Regel verlängern, weil viele Präparate so konzipiert sind, dass sie ihren Wirkstoff erst nach und nach freigeben. Darüber hinaus eignet sich eine Magenspülung zur Säuberung des Magens vor einer Operation. So ist die Durchführung der Methode vor einer Magenoperation nicht unüblich, um verbleibende Speisereste zu entfernen und den Eingriff zu erleichtern. Bei einem Verschluss des Magenpförtners kann der Speisebrei gar nicht mehr oder nur noch erschwert den Magen passieren, um in den Darm zu gelangen. Hier ist eine Magenspülung unter Umständen ebenfalls notwendig, um den Körper zu entlasten. Weil eine solche Spülung jedoch keine dauerhafte Lösung ist, muss der Verschluss unbedingt angemessen behandelt werden.
Letztendlich wird dem Patienten ein Schlauch durch den Mund eingeführt und richtig positioniert. Bei der Spülflüssigkeit handelt es sich um eine Kochsalzlösung. Diese wird in kleineren Mengen von jeweils 150 bis 300 Millilitern verabreicht. Wie viel Flüssigkeit insgesamt verbraucht wird, richtet sich danach, wie lange gespült werden muss, bis der Rücklauf klar ist. Anschließend wird die Kochsalzlösung über denselben Schlauch abgezogen. Der Vorgang wiederholt sich einige Male. Im Rahmen einer Erste Hilfe Leistung bei einem Vergiftungsnotfall wurde früher empfohlen, der betroffenen Person beim Erbrechen zu helfen: Erwachsenen, die bei Bewusstsein waren, wurde Salzwasser eingeflößt, bei Kindern wurde der Rachen gereizt. Davon wird heute ausdrücklich abgeraten, denn Salzwasser kann selbst eine lebensbedrohliche Salzvergiftung auslösen, und Erbrochenes kann in die Lunge gelangen. Stattdessen sollten umgehend der Notruf und eine Giftinformationszentrale verständigt werden.
Vorbereitung und Ablauf in der Klinik
Eine Magenspülung ist keine Maßnahme, die außerhalb einer medizinischen Einrichtung durchgeführt werden kann. Sie findet in der Notaufnahme oder auf einer Überwachungsstation statt, weil der Zustand des Vergifteten sich währenddessen rasch ändern kann. Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung werden fortlaufend überwacht, meist wird zusätzlich die Herztätigkeit abgeleitet und ein Zugang für eine Vene gelegt.
Vor dem Eingriff versucht das Behandlungsteam zu klären, welcher Stoff in welcher Menge und vor allem zu welchem Zeitpunkt aufgenommen wurde. Angehörige, mitgebrachte Packungen, Reste im Glas oder Abschiedsschreiben können dabei ebenso helfen wie die Auskunft einer Giftinformationszentrale, die rund um die Uhr erreichbar ist und die Ärzte auch zu der Frage berät, ob eine Spülung überhaupt sinnvoll ist.
Entscheidend ist anschließend die Bewusstseinslage. Ist der Patient wach und sind seine Schutzreflexe erhalten, kann der Schlauch ohne weitere Vorbereitung eingeführt werden. Ist er dagegen bewusstseinsgetrübt oder bewusstlos, wird zuvor die Luftröhre durch einen Beatmungsschlauch abgedichtet, damit keine Flüssigkeit in die Lunge gelangen kann. Diese Sicherung des Atemweges gehört zu den wichtigsten Vorkehrungen des gesamten Verfahrens.
Gelagert wird der Patient auf der linken Seite, wobei der Kopf etwas tiefer liegt als der Rumpf. Läuft Flüssigkeit zurück, fließt sie so nach außen ab und nicht in Richtung der Atemwege. Die Länge, die der Schlauch eingeführt werden muss, wird vorher außen am Körper abgemessen, und seine Lage wird geprüft, bevor die erste Flüssigkeit einläuft. Zunächst wird der vorhandene Mageninhalt abgesaugt; eine Probe davon hebt man für die toxikologische Untersuchung auf, denn nach dem Spülen ist alles verdünnt und der ursprüngliche Inhalt nicht mehr auswertbar.
Erst danach beginnt der eigentliche Spülvorgang mit den im Artikel beschriebenen kleinen Portionen. Dass die Lösung körperwarm sein muss, hat einen praktischen Grund: Größere Mengen kalter Flüssigkeit kühlen den Körper aus, was gerade bei Kindern und bei bewusstlosen Patienten gefährlich werden kann. Ein- und Auslaufmenge werden verglichen, damit keine Flüssigkeit im Magen zurückbleibt. Häufig wird über denselben Schlauch zum Abschluss noch medizinische Kohle eingebracht, bevor er wieder entfernt wird.
Wann eine Magenspülung nicht durchgeführt wird
Es gibt Vergiftungen, bei denen eine Magenspülung mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Sie zu kennen ist wichtiger als die Technik selbst, denn in diesen Fällen ist ein rasches Handeln nach dem Muster „im Zweifel spülen" gerade falsch.
An erster Stelle stehen Verätzungen durch Säuren oder Laugen, wie sie etwa in Rohrreinigern und Entkalkern vorkommen. Die Speiseröhre ist nach dem Verschlucken solcher Stoffe bereits geschädigt; ein Schlauch, der erneut hindurchgeführt wird, kann die dünn gewordene Wand durchstoßen. Auch das Auslösen von Erbrechen ist hier verboten, weil die ätzende Substanz die Speiseröhre ein zweites Mal passieren würde.
Ähnlich klar ist die Lage bei organischen Lösungsmitteln und Kohlenwasserstoffen, also bei Lampenöl, Grillanzündern, Benzin, Terpentin oder Möbelpolituren. Diese Flüssigkeiten sind so dünnflüssig, dass schon kleinste Mengen beim Verschlucken oder Erbrechen in die Lunge geraten und dort eine schwere Entzündung auslösen. Die Gefahr für die Lunge ist bei ihnen meist größer als die Vergiftungswirkung selbst. Schaumbildende Mittel wie Spül- und Waschmittel bilden ein eigenes Problem: Der entstehende Schaum kann die Atemwege verlegen, weshalb hier Mittel gegeben werden, die den Schaum zerfallen lassen.
Weitere Gründe, auf eine Spülung zu verzichten, sind fehlende Schutzreflexe ohne gesicherten Atemweg, Krampfanfälle, starke Unruhe und mangelnde Mitarbeit sowie eine erhebliche Blutungsneigung. Bei erweiterten Venen in der Speiseröhre, den Ösophagusvarizen, besteht die Gefahr, dass der Schlauch eine Blutung auslöst. Und schließlich fehlt der Nutzen, wenn die Einnahme schon lange zurückliegt oder die aufgenommene Menge ohnehin ungefährlich ist – dann bleibt nur die Belastung.
Bei Kindern wird besonders zurückhaltend entschieden, weil die Mehrzahl der versehentlichen Einnahmen harmlos verläuft und die Spülung für ein Kind eine erhebliche Belastung darstellt. In jedem Fall trifft die Entscheidung ein Arzt; für Laien gilt bei Verdacht auf eine Vergiftung ausschließlich, umgehend den Rettungsdienst und eine Giftinformationszentrale zu verständigen.
Andere Wege, ein Gift unschädlich zu machen
Die Magenspülung ist nur eines von mehreren Verfahren, und in der heutigen Behandlung von Vergiftungen steht sie weit hinten. Fachlich unterscheidet man Maßnahmen, die verhindern sollen, dass ein Stoff überhaupt ins Blut gelangt, von solchen, die ihn wieder aus dem Blut entfernen.
Zur ersten Gruppe gehört vor allem medizinische Kohle. Ihre stark zerklüftete Oberfläche bindet viele Substanzen im Magen-Darm-Trakt, sodass sie nicht mehr aufgenommen, sondern mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Sie ist einfacher und schonender anzuwenden als eine Spülung, wirkt aber ebenfalls nur früh und längst nicht bei allen Stoffen: Alkohole, Säuren und Laugen, Eisenverbindungen und verschiedene Salze werden von ihr kaum gebunden. Bei Präparaten, die ihren Wirkstoff verzögert freigeben, und bei verschluckten, verpackten Drogenportionen kann außerdem eine vollständige Darmspülung mit einer Trinklösung sinnvoll sein, die den Darminhalt regelrecht durchspült.
Zur zweiten Gruppe zählen Verfahren wie die Dialyse und verwandte Blutreinigungsverfahren. Sie kommen für Stoffe in Frage, die sich im Blut gut anreichern und dort herausgefiltert werden können, und werden bei schweren Vergiftungen auf der Intensivstation eingesetzt.
Daneben steht die Möglichkeit eines Gegenmittels. Ein solches Antidot hebt die Wirkung eines Giftes gezielt auf oder verhindert die Entstehung schädlicher Abbauprodukte. Für den größten Teil der Gifte existiert allerdings kein solches Mittel; verfügbar sind Gegenmittel unter anderem für bestimmte Schmerzmittel, für Opioide, für einige Pflanzenschutzmittel und für die Kohlenmonoxidvergiftung, bei der Sauerstoff die entscheidende Behandlung ist.
In sehr vielen Fällen besteht die wichtigste Behandlung jedoch darin, die Körperfunktionen zu stützen, bis der Körper das Gift selbst abgebaut hat: Sicherung der Atmung, Stabilisierung des Kreislaufs, Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts, im äußersten Fall Wiederbelebung. Das gilt etwa für die Alkoholvergiftung ebenso wie für viele Fälle einer Pilzvergiftung, bei der die Beschwerden oft erst Stunden nach dem Essen beginnen und eine Magenspülung dann längst nicht mehr greift.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Darüber hinaus wird eine Magenspülung von den meisten Patienten als sehr unangenehm empfunden. Weil im Falle einer Vergiftung nicht immer klar ist, welche Substanzen den Zustand herbeigeführt haben, verzichten viele Ärzte auf ein Beruhigungsmittel. Dieses könnte eine starke Wechselwirkung mit einem der geschluckten Medikamente haben und auf diese Weise die Gesundheit der betroffenen Person noch mehr bedrohen. Um zu vermeiden, dass der Patient den Schlauch durchbeißt, wird ihm eine Beißschiene angelegt. Die Ausspülung des Magens mit einem Schlauch führt häufig zu einem Brechreiz. Bei einigen Personen kommt es während der Anwendung zum Erbrechen.
Haben die Toxine die Schleimhäute des Verdauungstraktes bereits stark angegriffen, ist eine Magenspülung manchmal nicht mehr möglich. Diese würde das Gewebe weiter reizen und eventuell zu einem Durchbruch führen. Hier kommt zum Beispiel die Verabreichung eines Gegengifts in Frage.
Nach der Behandlung
Mit dem Ende der Spülung ist die Behandlung nicht abgeschlossen. Viele Substanzen entfalten ihre volle Wirkung erst mit Verzögerung, besonders solche, die ihren Wirkstoff langsam abgeben. Der Patient bleibt deshalb über einen Zeitraum unter Beobachtung, der sich nach dem aufgenommenen Stoff richtet; kontrolliert werden dabei Kreislauf, Atmung, Bewusstseinslage und in vielen Fällen auch Laborwerte und die Herztätigkeit. Kurzzeitige Halsschmerzen oder Heiserkeit nach dem Entfernen des Schlauches sind nicht ungewöhnlich.
Da die meisten Magenspülungen nach einer absichtlich herbeigeführten Vergiftung erfolgen, gehört eine psychiatrische oder psychosomatische Mitbeurteilung noch während des Klinikaufenthalts zum festen Bestandteil der Behandlung. Sie klärt, ob eine Depression oder eine andere behandlungsbedürftige Erkrankung zugrunde liegt, ob eine akute Gefährdung fortbesteht und welche weitere Unterstützung nötig ist – von einer ambulanten Psychotherapie bis zur stationären Aufnahme. Die körperliche Behandlung der Vergiftung allein greift zu kurz, wenn die Ursache unbehandelt bleibt.
Hat sich ein Kind vergiftet, schließt sich an die Behandlung ein Gespräch über den Hergang an. Häufig zeigt sich dabei, dass Medikamente, Reinigungsmittel oder Nikotinprodukte in Reichweite standen oder in andere Gefäße umgefüllt worden waren. Der Hinweis, solche Stoffe verschlossen und in der Originalverpackung aufzubewahren, ist die wirksamste Vorbeugung gegen eine Wiederholung – und damit gegen einen Eingriff, der Kindern erspart bleiben sollte.
Quellen
- Zilker, T. R.: Klinische Toxikologie für die Intensivmedizin: Noxen, Symptome, Therapie, Analytik.
ISBN: 9783837456486
- Ludewig, R., Regenthal, R., Köppel, C., et al.: Akute Vergiftungen und Arzneimittelüberdosierungen.
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- Mühlendahl, K. E. von, Oberdisse, U., Bunjes, R., et al.: Vergiftungen im Kindesalter.
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- Scholz, J., Gräsner, J.-T., Bohn, A. (Hrsg.): Referenz Notfallmedizin.
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