Beruhigungsmittel
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Beruhigungsmittel sind solche Arzneimittel, die eine dämpfende Wirkung auf die verschiedenen Funktionen des zentralen Nervensystems haben und dadurch eine beruhigende Wirkung auf den Körper ausüben. Ab einer gewissen Dosierung ist hierbei der Übergang zur Narkose fließend, daher sollte eine Einnahme immer mit Bedacht erfolgen. Beruhigungsmittel und Schlafmittel lassen sich nicht scharf trennen: Viele Wirkstoffe wirken in niedriger Dosierung beruhigend und in höherer schlafanstoßend.
Was sind Beruhigungsmittel?
Beruhigungsmittel, auch Sedativa genannt, sind eine Klasse von Medikamenten, die darauf abzielen, Angst und Spannung zu reduzieren, Schlaf zu fördern oder übermäßige Erregung zu dämpfen. Sie wirken, indem sie auf das zentrale Nervensystem (ZNS) einwirken, um dessen Aktivität zu verlangsamen, was zu einem Zustand der Beruhigung oder Entspannung führt.
Es gibt verschiedene Kategorien von Beruhigungsmitteln, die je nach chemischer Struktur und Wirkungsweise unterschieden werden. Zu den häufigsten gehören:
- Benzodiazepine: Diese Gruppe von Medikamenten wird häufig zur kurzfristigen Behandlung von Angstzuständen, Panikattacken, Schlafstörungen und manchmal auch zur Muskelentspannung verwendet. Beispiele sind Diazepam (Valium), Lorazepam (Ativan) und Alprazolam (Xanax). Sie wirken durch Verstärkung der Wirkung des Neurotransmitters GABA, was zu einer beruhigenden Wirkung führt. Benzodiazepine können auch in üblicher Dosierung körperlich und psychisch abhängig machen; deshalb sind sie ausdrücklich nur für die kurzfristige Behandlung vorgesehen.
- Barbiturate: Früher häufig zur Behandlung von Angstzuständen und Schlafstörungen eingesetzt, sind sie wegen ihres hohen Risikos für Abhängigkeit und schwerwiegende Nebenwirkungen heute weniger verbreitet. Sie werden nur noch in speziellen medizinischen Situationen oder in der Anästhesie verwendet.
- Nicht-benzodiazepine Schlafmittel: Diese Medikamente, oft als „Z-Drugs“ bezeichnet, wie Zolpidem (Ambien), werden hauptsächlich zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Sie ähneln in ihrer Wirkungsweise den Benzodiazepinen; auch bei ihnen kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.
Beruhigungsmittel können effektiv sein, bergen jedoch auch Risiken wie Abhängigkeit, Toleranzentwicklung und Entzugserscheinungen. Daher ist es wichtig, sie nur unter ärztlicher Aufsicht und in Übereinstimmung mit medizinischen Anweisungen zu verwenden. Sie sind nicht für die langfristige Anwendung gedacht, und die Behandlung sollte regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie weiterhin angemessen und sicher ist.
Geschichte und Entwicklung
Die Geschichte der Beruhigungsmittel reicht weit zurück und spiegelt den menschlichen Wunsch wider, Angstzustände und Schlafprobleme zu bewältigen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die verwendeten Substanzen und deren Anwendung erheblich weiterentwickelt.
Bis ins 19. Jahrhundert nutzte man vor allem natürliche Substanzen wie Opium, Alkohol und pflanzliche Extrakte, zum Beispiel von Baldrian und Hopfen, um beruhigende Effekte zu erzielen. Diese Mittel waren allerdings oft unzuverlässig in ihrer Wirkung und das Potenzial für Missbrauch und Abhängigkeit war groß.
Die moderne Ära der Beruhigungsmittel begann mit der Synthese von Barbituraten im späten 19. Jahrhundert. 1903 wurde mit Barbital das erste kommerziell erfolgreiche Barbiturat eingeführt, gefolgt von Phenobarbital im Jahr 1912. Diese Medikamente dominierten die Anxiolyse und die Behandlung von Schlafstörungen für viele Jahrzehnte. Allerdings hatten Barbiturate erhebliche Nachteile, einschließlich hohem Abhängigkeitspotenzial und Risiko schwerer Überdosierung.
In den 1960er Jahren wurden Benzodiazepine als sicherere Alternative zu Barbituraten eingeführt. Medikamente wie Diazepam (Valium) und später Alprazolam (Xanax) wurden schnell populär, da sie effektiv Angstzustände reduzierten und ein geringeres Risiko für tödliche Überdosierungen boten.
Heute konzentriert sich die Entwicklung neuer Beruhigungsmittel darauf, noch sicherere und spezifischere Medikamente zu finden, die weniger Nebenwirkungen und geringeres Abhängigkeitspotenzial aufweisen. Diese Forschung beinhaltet auch nicht-benzodiazepine Schlafmittel und alternative Ansätze wie die Modulation anderer Neurotransmittersysteme jenseits des GABA-Systems.
Beruhigungsmittel gegen Angst & Stress
Beruhigungsmittel können bei vielen körperlichen oder psychischen Störungen, die eine Unruhe mit sich bringen, zum Einsatz kommen. Eine kurzfristige Verwendung von Beruhigungsmitteln kann bei beruflichem Stress erfolgen, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Kurzfristig kann dadurch eine Verbesserung der Lebenssituation erreicht werden, langfristig sollte jedoch der Stress behoben werden.
Auch in Fällen von Prüfungs- oder Flugangst können Beruhigungsmittel vorübergehend hilfreich sein. Es sollte jedoch auf keinen Fall eine längere Einnahme von einem solchen Beruhigungsmittel erfolgen. Im Falle eines größeren medizinischen Eingriffes werden dem Patienten zumeist vor Beginn des Eingriffs Beruhigungsmittel zur Reduzierung der Stressbelastung verabreicht.
Nach Unfällen mit anschließenden Verspannungen und dadurch bedingten Schmerzzuständen kann eine kurzfristige Gabe von einem Beruhigungsmittel krampflösend und muskelentspannend wirken.
Bei psychischen Problemen werden Beruhigungsmittel insbesondere bei Spannungs-, Angst- und Erregungszuständen eingesetzt. Aber auch bei Phobien und psychosomatischen Störungen kann durch die Verabreichung von einem Beruhigungsmittel eine Verbesserung des Zustandes erreicht werden. Da Beruhigungsmittel auch eine schlaffördernde Wirkung haben, finden sie auch bei Schlafstörungen häufig Verwendung. Siehe hierzu aber den Artikel: Schlafmittel und Schlafstörungen.
Pflanzliche, natürliche & chemische Beruhigungsmittel
Man unterscheidet grundsätzlich in Beruhigungsmittel auf chemisch-synthetischer und auf pflanzlich-natürlicher Basis. Auf der chemisch-synthetischen Basis sind die Benzodiazepine die am häufigsten verwendeten. Diese sind jedoch zumeist sehr stark und haben mehr Nebenwirkungen. Beruhigend wirken außerdem niedrigpotente Neuroleptika. Betablocker und Antidepressiva werden bei Angst und Unruhe ebenfalls eingesetzt, zählen aber nicht zu den Beruhigungsmitteln.
Die pflanzlichen und natürlichen Beruhigungsmittel gibt es zumeist in Tabletten- oder Kapselform. Da viele Wirkstoffe jedoch auch wasserlöslich sind, ist auch die Darreichungsform als Tee sehr beliebt. Die bekanntesten pflanzlichen Beruhigungsmittel sind Baldrian, Hopfen, Johanniskraut und Melisse. Johanniskraut wird vor allem gegen depressive Verstimmungen eingesetzt und kann die Wirkung zahlreicher anderer Arzneimittel abschwächen, darunter die der hormonellen Verhütungsmittel.
Auch im Bereich der Homöopathie kommen Beruhigungsmittel zum Einsatz. Hier finden Tropfen oder Globuli von Acidum phosphoricum, Arnica oder Argentum nitricum Verwendung. Bei der Bachblütentherapie kommen Essenzen von Ulme, Lärche, Olive oder Eiche als Beruhigungsmittel in Betracht. Für homöopathische Zubereitungen und Bachblütenessenzen fehlt ein über den Placeboeffekt hinausgehender Wirknachweis.
Pflanzliche und chemisch-synthetische Beruhigungsmittel unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Wirkstärke; die Wirkstoffe sind chemisch nicht miteinander verwandt. Eine weitere Unterscheidung der Beruhigungsmittel kann in Höhe des Wirkstoffes, Schnelligkeit der Wirkung, Art der Verstoffwechselung und Wirkdauer erfolgen.
Risiken & Nebenwirkungen
Beruhigungsmittel haben jedoch, in Abhängigkeit vom Wirkstoff und der Stärke, viele verschiedene Nebenwirkungen und bringen einige Risikofaktoren mit sich. Da der Körper sich mit der Zeit an die verwendeten Beruhigungsmittel gewöhnt, kann eine Abhängigkeit entstehen.
Des Weiteren verlangsamen die chemisch-synthetischen Mittel die Atmung und senken den Blutdruck. Auch bringen Beruhigungsmittel des Öfteren Müdigkeit und Schwindel mit sich und können zu Kopfschmerzen führen.
Ein weiterer unerwünschter Nebeneffekt ist, dass sich der Patient nach der Einnahme von Beruhigungsmitteln benommen fühlen kann und unter Verwirrung leidet. Auch Niedergeschlagenheit tritt oft in Verbindung mit der Einnahme von Beruhigungsmitteln auf.
Da Beruhigungsmittel die Reaktionsfähigkeit verlangsamen, ist das Führen von Fahrzeugen und Maschinen nicht anzuraten. Auch die sexuellen Bedürfnisse können bei einer längerfristigen Einnahme von Beruhigungsmitteln zurückgehen.
Aufgrund der Risiken und Nebenwirkungen sollte zumindest eine längerfristige Einnahme von Beruhigungsmitteln jeglicher Art nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Alternativen
Neben traditionellen Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen und Barbituraten gibt es verschiedene alternative Medikamente und Therapieformen zur Behandlung von Angstzuständen und Schlafproblemen, die oft weniger Risiken in Bezug auf Abhängigkeit und Nebenwirkungen bergen.
1. Antidepressiva: Speziell Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) werden häufig zur Behandlung von Angststörungen verwendet. Diese Medikamente regulieren Neurotransmitter im Gehirn, was zu einer Stimmungsverbesserung und Angstreduktion führen kann. Im Vergleich zu Beruhigungsmitteln haben sie ein geringeres Abhängigkeitsrisiko, benötigen jedoch oft mehrere Wochen, bis ihre volle Wirkung eintritt.
2. Buspiron: Ein Anxiolytikum, das speziell zur Behandlung von chronischer Angst eingesetzt wird. Es ist nicht sedierend und hat ein geringeres Abhängigkeitspotenzial im Vergleich zu Benzodiazepinen, was es zu einer guten Langzeitoption für viele Patienten macht.
3. Beta-Blocker: Obwohl sie hauptsächlich zur Behandlung von Herzerkrankungen verwendet werden, können Beta-Blocker auch zur Linderung von körperlichen Symptomen der Angst, wie zitternde Hände oder Herzrasen, eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die Wirkung von Adrenalin blockieren.
4. Psychotherapie: Therapeutische Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) sind effektiv in der Behandlung von Angstzuständen und Schlafstörungen. Sie helfen Patienten, die Ursachen ihrer Angst zu verstehen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln, was eine dauerhafte Lösung ohne Medikamente bieten kann.
5. Natürliche Heilmittel und Ergänzungen: Substanzen wie Melatonin, Baldrianwurzel und Passionsblume werden oft als natürliche Schlafhilfen oder zur Angstreduktion verwendet. Diese Mittel haben in der Regel ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen und Abhängigkeit, ihre Wirksamkeit kann jedoch von Person zu Person variieren.
Diese Alternativen bieten unterschiedliche Ansätze zur Behandlung von Angst und Schlafproblemen, wobei jeder seine eigenen Vor- und Nachteile hat. Die Wahl der Behandlung sollte individuell angepasst werden und kann oft eine Kombination aus medikamentöser Therapie und Psychotherapie umfassen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
Forschung & Zukunft
In der aktuellen Forschung zu Beruhigungsmitteln konzentrieren sich die Wissenschaftler auf die Entwicklung sichererer, effektiverer und spezifischerer Behandlungen, die weniger Nebenwirkungen und ein geringeres Abhängigkeitsrisiko bieten. Einige der vielversprechenden Trends und Ansätze umfassen:
1. Target-spezifische Medikamente: Forscher arbeiten daran, Medikamente zu entwickeln, die spezifischere Ziele im Gehirn ansprechen. Dies könnte zu Beruhigungsmitteln führen, die die gewünschten therapeutischen Effekte erzielen, ohne die üblichen Nebenwirkungen wie Sedierung oder Suchtpotenzial. Zum Beispiel könnten Medikamente, die selektiv auf Subtypen von GABA-Rezeptoren abzielen, Angstzustände lindern, ohne die motorischen Fähigkeiten oder das Bewusstsein zu beeinträchtigen.
2. Modulation von Neuropeptiden: Neueste Entdeckungen zeigen, dass Neuropeptide wie Neuropeptid Y (NPY) und Corticotropin-releasing Factor (CRF) eine Rolle bei der Regulierung von Angst und Stress spielen. Medikamente, die diese Peptide oder ihre Rezeptoren modulieren, könnten neue, effektive Behandlungsoptionen für Angststörungen bieten.
3. Verbesserung der Chronopharmakologie: Forscher untersuchen auch, wie Medikamente zu bestimmten Tageszeiten verabreicht werden können, um ihre Wirksamkeit zu maximieren und Nebenwirkungen zu minimieren. Dies könnte besonders relevant sein für Schlafmittel, indem sie so formuliert werden, dass sie den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers unterstützen.
4. Alternative und ergänzende Therapien: Es gibt ein zunehmendes Interesse an der Integration von alternativen Methoden wie der Kräutermedizin, Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. Cannabidiol, kurz CBD) und psychologischen Therapien in die Behandlungspläne. Diese Methoden könnten helfen, die Dosis und Abhängigkeit von traditionellen Beruhigungsmitteln zu reduzieren.
5. Nutzung von Big Data und künstlicher Intelligenz: Durch den Einsatz von Big Data-Analysen und KI in der medizinischen Forschung könnten Muster identifiziert werden, die zur Entwicklung von personalisierten Medikamenten und Behandlungsplänen führen, die auf die spezifischen biologischen und genetischen Profile der Patienten zugeschnitten sind.
Diese Trends spiegeln das Bestreben wider, die Behandlung von Angstzuständen und Schlafstörungen zu verbessern, indem sie sicherere, individuellere und integrative Ansätze bieten, die das Wohlbefinden der Patienten in den Mittelpunkt stellen.
Zulassung, Registrierung und Rezeptpflicht
Was ein Beruhigungsmittel auf der Packung behaupten darf und ob es ein Rezept braucht, hängt weniger an seiner Wirkung als an der arzneimittelrechtlichen Schublade, in der es liegt. Zu unterscheiden sind drei.
Die erste ist die Zulassung. Ein Fertigarzneimittel muss der zuständigen Bundesoberbehörde Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität belegen. Das ist der aufwendigste Weg; ihn gehen die chemisch-synthetischen Beruhigungsmittel, die ein Rezept erfordern.
Die zweite ist die Registrierung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. An die Stelle des Wirksamkeitsnachweises tritt hier die Erfahrung: Der Antragsteller muss belegen, dass das Mittel seit mindestens 30 Jahren, davon mindestens 15 Jahre in der Europäischen Union, medizinisch verwendet wird, dass es unter den angegebenen Anwendungsbedingungen unschädlich ist und dass seine Wirksamkeit aufgrund langjähriger Anwendung und Erfahrung plausibel ist (§ 39b des Arzneimittelgesetzes). Auf der Packung muss dann der Hinweis stehen, dass es sich um ein traditionelles Arzneimittel handelt, „das ausschließlich auf Grund langjähriger Anwendung für das Anwendungsgebiet registriert ist“. Wer diesen Satz findet, weiß damit, in welcher der drei Kategorien das Mittel steht.
Die dritte ist die Registrierung homöopathischer Arzneimittel. Sie kommt ohne Zulassung aus, und daraus zieht das Gesetz eine sichtbare Folge: Auf der Packung steht die Registrierungsnummer zusammen mit der Angabe „Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation“ (§ 10 Absatz 4 des Arzneimittelgesetzes). Ein Anwendungsgebiet darf dort also gar nicht genannt werden – wofür ein solches Mittel gedacht ist, erfährt der Käufer nicht aus der Packung.
Zwischen den Schubladen liegen Grenzfälle, die zeigen, dass nicht der Stoff über die Rezeptpflicht entscheidet, sondern das Präparat und sein Anwendungsgebiet. Johanniskraut ist gewöhnlich rezeptfrei zu haben; Arzneimittel mit Johanniskraut zur Behandlung mittelschwerer Depressionen führt die Arzneimittelverschreibungsverordnung dagegen ausdrücklich als verschreibungspflichtig auf. Melatonin ist als Arzneimittel grundsätzlich verschreibungspflichtig, wobei dieselbe Verordnung eine eng umgrenzte Ausnahme für Zubereitungen zur Anwendung bei Jetlag bei Erwachsenen macht.
Beruhigungsmittel im höheren Lebensalter
Für ältere Menschen fällt die Abwägung anders aus als für jüngere, und dafür gibt es eine ausgearbeitete Grundlage. Die PRISCUS-Liste, 2010 von Stefanie Holt, Sven Schmiedl und Petra Thürmann im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht und 2022 überarbeitet, führt Arzneimittel auf, die bei Patienten ab 65 Jahren als potenziell inadäquat gelten. Aus der Gruppe der Benzodiazepine sind dort mehrere Wirkstoffe verzeichnet, ebenso Wirkstoffe aus der Gruppe der nicht-benzodiazepinen Schlafmittel. Als Begründung nennen die Autoren für beide das Sturzrisiko mit der Gefahr eines Hüftbruchs, verlängerte Reaktionszeiten, psychiatrische Reaktionen und eine Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit; bei den Benzodiazepinen kommt eine depressive Verstimmung hinzu. Die Liste verbietet nichts. Sie benennt Wirkstoffe, bei denen sich die Frage nach einer verträglicheren Alternative besonders aufdrängt, und nennt daneben Vorsichtsmaßnahmen für den Fall, dass es keine gibt.
Quellen
- Laux, G., Dietmaier, O.: Praktische Psychopharmakotherapie.
ISBN: 9783437213229
- Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.-J. (Hrsg.): Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
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- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
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- Soyka, M., Batra, A., Moggi, F., Walter, M. (Hrsg.): Suchtmedizin.
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- Bühring, U.: Lehrbuch Heilpflanzenkunde.
ISBN: 9783132455290
