Membranöse Glomerulonephritis

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die membranöse Glomerulonephritis ist eine entzündliche Erkrankung der Nierenkörperchen, die sich durch die Ablagerung von Immunkomplexen auszeichnet. Die Patienten leiden vor allem an einem nephrotischen Syndrom. Die Behandlung kann von einer medikamentösen Senkung der symptomatischen Proteinurie bis hin zu einer immunsuppressiven Therapie reichen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine membranöse Glomerulonephritis?

Membranoese Glomerulonephritis
Patienten mit membranöser Glomerulonephritis leiden in rund 80 Prozent aller Fälle an einem nephrotischen Syndrom. Charakteristische Symptome dieses Phänomens sind unter anderem Proteinurie oder Hypoproteinämie.
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Als Glomeruli corpusculi renalis wird ein Gewebeanteil der Nierenkörperchen bezeichnet. Der morphologisch und funktional wesentliche Bestandteil ist vorwiegend für die Ultrafiltration des primären Harns zuständig. Die Nierenkörperchen inklusive der Glomeruli können von unterschiedlichen Krankheiten betroffen sein. Eine dieser renalen Erkrankungen ist die membranöse Glomerulonephritis.

Diese entzündliche Krankheit wird auch als membranöse Glomerulopathie, als epimembranöse Glomerulonephritis oder membranöse Nephropathie bezeichnet und zählt zu den chronischen Nierenkrankheiten. Ablagerungen einzelner Immunkomplexe auf der äußeren Basalmembran der Glomeruli prägen das Krankheitsbild. Die membranöse Glomerulonephritis ist im Kindesalter zu einem Verhältnis von rund fünf Prozent für die Entwicklung nephrotischer Syndrome verantwortlich.

Im Erwachsenenalter ist die Erkrankung sogar die häufigste Ursache des nephrotischen Syndroms. Die membranöse Glomerulonephritis betrifft das männliche und weibliche Geschlecht mit etwa gleicher Häufigkeit. Alle ethnischen Gruppen sind von der Erkrankung betroffen. In rund zwei Dritteln aller Fälle lässt sich für die Erkrankung an einer membranösen Glomerulonephritis keine Ursache bestimmen. Für ein Drittel ist von einer sekundären Glomerulonephritis infolge einer primären Erkrankung die Rede.

Ursachen

Bei Kindern zählen zu den am häufigsten mit der membranösen Glomerulonephritis assoziierten Primärerkrankungen vor allem Infektionskrankheiten wie Hepatitis. Davon abgesehen kann die Krankheit eine Folge von HIV, Malaria, Autoimmunerkrankungen oder Syphilis sein. Unter den Autoimmunerkrankungen ist der systemische Lupus erythematodes eine verbreitete Ursache.

Neben diesen Auslösern kommen primäre Tumorerkrankungen als Ursache in Frage. Die bisher dokumentierten Krankheitsfälle sprechen außerdem dafür, dass die membranöse Glomerulonephritis zuweilen durch Medikamenteneinnahme verursacht wird, so zum Beispiel in Assoziation mit Substanzen wie Gold und Penicillamin. Diese beiden Wirkstoffe werden heute allerdings kaum noch verordnet; als medikamentöse Auslöser stehen inzwischen vor allem nicht-steroidale Antirheumatika im Vordergrund. Immunkomplexe lagern sich bei der Erkrankung an der Basalmembran der Glomeruli ab.

Dieser Ablagerung geht die Sensibilisierung durch ein wahrscheinlich körpereigenes Antigen voraus. Bei der primären Form ist dieses Antigen inzwischen bekannt: Es handelt sich in etwa 70 bis 80 Prozent der Fälle um den Phospholipase-A2-Rezeptor (PLA2R) auf den Podozyten, seltener um Thrombospondin Typ 1 Domäne 7A (THSD7A). Bei den sekundären Formen lassen sich die sensibilisierenden Antigene auf die zugrundeliegende Primärerkrankung zurückführen. Multivalente Antikörper binden bei dieser Form der Erkrankung Antigene und lassen Immunkomplexe an der glomerulären Basalmembran entstehen. Nach einer Aktivierung des Komplementsystems lagern sich Komplementfaktoren C5b bis C9 ab und lösen entzündliche Reaktionen aus.

Symptome, Beschwerden und Anzeichen

Patienten mit membranöser Glomerulonephritis leiden in rund 80 Prozent aller Fälle an einem nephrotischen Syndrom. Charakteristische Symptome dieses Phänomens sind unter anderem Proteinurie oder Hypoproteinämie. Proteinurie geht mit einem Proteinverlust einher, der Infektionen, Aszites, Ödeme und Thrombosen begünstigt. Das Thromboserisiko fällt bei der membranösen Glomerulonephritis höher aus als bei den übrigen Formen des nephrotischen Syndroms; gefürchtet sind vor allem die Nierenvenenthrombose sowie Beinvenenthrombosen mit nachfolgender Lungenembolie. Treten plötzlich Atemnot, Brustschmerzen oder ein einseitig geschwollenes und schmerzendes Bein auf, ist umgehend der Notruf 112 zu wählen.

Da große Mengen an Albumin verloren gehen, nimmt der kolloidosmotische Druck innerhalb des Gefäßbetts ab und Flüssigkeit erreicht das Interstitium. Aus diesem Grund werden die Ödeme progredient verstärkt. Eine Gewichtszunahme kann sich einstellen. Über die Erscheinungen eines nephrotischen Syndroms hinaus leiden Patienten einer membranösen Glomerulonephritis in vielen Fällen an Mikrohämaturie und Hypertonie. Sie scheiden demnach oft Blut mit dem Urin aus.

In den meisten Fällen ist dieses Blut mit bloßem Auge allerdings nicht sichtbar. Als Hypertonie wird dabei eine Druck- oder Gewebespannungserhöhung bezeichnet, die über die physiologische Norm hinausgeht. Auch Hypercholesterinämie kann sich im Verlauf der Erkrankung einstellen. Der Schweregrad der einzelnen Symptome unterscheidet sich von Fall zu Fall. Leichte Schmerzen können entzündungsbedingt vorkommen.

Diagnose und Krankheitsverlauf

Der erste Verdacht auf eine membranöse Glomerulonephritis stellt sich durch den Nachweis von Proteinurie, Mikrohämaturie, erhöhtem Kreatinin, Hypalbuminämie oder Hypercholesterinämie. Zur Sicherung der Verdachtsdiagnose wird eine Nierenbiopsie veranlasst. Lichtmikroskopisch zeigt sich eine verdickte Basalmembran der Nierenkörperchen.

Elektronenmikroskopisch imponieren Immunkomplex-Depots, Basalmembran-Spikes und Verschmelzungen der Podozytenfußfortsätze. Lange Zeit war die Nierenbiopsie zur Diagnosesicherung unverzichtbar. Seit 2009 lassen sich bei der primären Form jedoch in den meisten Fällen Antikörper gegen den Phospholipase-A2-Rezeptor (PLA2R) im Blut nachweisen; bei typischem Befund und normaler Nierenfunktion kann auf eine Biopsie dann häufig verzichtet werden. Die Höhe des Antikörperspiegels lässt zudem Rückschlüsse auf den Verlauf und den Behandlungserfolg zu. Patienten mit der Erkrankung besitzen sogar ohne Behandlung einen relativ günstigen Verlauf. Innerhalb von fünf Jahren tritt nur bei etwa 14 Prozent der Betroffenen ein Totalverlust der Nierenfunktionen auf.

Für ein Drittel der Patienten normalisiert sich die Lage unbehandelt innerhalb eines Jahres. Für ein weiteres Drittel gehen die Symptome zumindest zurück. Für Asiaten besteht die beste Prognose. Auch Patienten mit medikamentös ausgelöster Glomerulonephritis haben hervorragende Heilungsaussichten. Voraussetzung ist, dass das auslösende Mittel abgesetzt wird.

Behandlung und Therapie

Die allgemeine Therapie der membranösen Nephropathie kontrolliert die Wassereinlagerungen durch Diuretika, sichert die Nahrungszufuhr, reduziert Proteinurie und Bluthochdruck mittels ACE-Hemmern oder AT1-Antagonisten und korrigiert Fettstoffwechselstörungen durch die Gabe von Statinen. Thromboembolischen Komplikationen wird über die Gabe von Gerinnungshemmern vorgebeugt. Bei niedrigem Risiko wird zunächst nur diese unterstützende Behandlung durchgeführt und der Verlauf über etwa sechs Monate beobachtet, weil sich die Erkrankung bei einem erheblichen Teil der Betroffenen von selbst zurückbildet.

Neben diesen konservativ medikamentösen Maßnahmen wird Patienten mit besonders schwerem Verlauf eine immunsuppressive Therapie empfohlen. Aufgrund der teils schweren Folgen der immunsuppressiven Behandlung findet die immunsuppressive Therapie nur bei extrem ungünstiger Prognose statt. Teils werden hierzu alkylierende Substanzen wie Cyclophosphamid oder Chlorambucil in Kombination mit Mitteln wie Prednison verabreicht.

Darüber hinaus kann der selektiv gegen B-Zellen ausgerichtete und monoklonale Antikörper Rituximab Proteinurie vermindern. Lange Zeit galten die alkylierenden Substanzen als Mittel der ersten Wahl. Nach heutigem Kenntnisstand wird bei behandlungsbedürftigen Fällen jedoch Rituximab bevorzugt, weil es ähnlich wirksam, aber deutlich besser verträglich ist. Beim Versagen aller konventionellen Schritte kann eine Mycophenolat-Mofetil-Behandlung von einem Jahr erfolgen. Statt Cyclosporin kann bei Unverträglichkeiten Tacrolimus gegeben werden. Außerdem besserte Pentoxifyllin in der Vergangenheit teils die Proteinurie der Patienten.

Dieselben Effekte wurden für nicht-steroidale Antiphlogistika beobachtet, die allerdings nierenschädigend wirken können. Sämtliche Behandlungsmaßnahmen sind als symptomatische Therapieschritte zu verstehen. Eine kausale Behandlung existiert für Patienten mit membranöser Glomerulonephritis bislang nicht, da die Ursachen in vielen Fällen unbekannt bleiben. Eine kausale oder symptomatische Behandlung von primären Erkrankungen ist im Falle der sekundären Glomerulonephritis anzustreben.


Aussicht & Prognose

Die Membranöse Glomerulonephritis kennzeichnet sich bei etwa 80 Prozent der Betroffenen durch ein nephrotisches Syndrom. Der Rest der Betroffenen bleibt weitgehend symptomfrei. Ein Drittel der Patienten kann mit einer Spontanremission rechnen. Ein weiteres Drittel erlebt eine Teilremission. Nur bei einem Drittel der Betroffenen steht ein chronisches Nierenversagen im Raum. Dieses erfordert eine Dialyse oder eine Nieren-Transplantation.

Die beste Prognose haben Patienten, bei denen die Membranöse Glomerulonephritis binnen eines Jahres spontan ausheilt. Eine schlechtere Prognose ist die Teilremission. Bei dieser senken sich die Proteinausscheidungen auf Werte unterhalb von 2 Gramm am Tag. Dennoch erlebt ein Teil der Betroffenen nach fünf bzw. zehn Jahren einen kompletten Verlust der Nierenfunktion. Mittels medikamentöser Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Hemmung kann der Verlauf etwas verbessert werden.

Nur Patienten mit einer ungünstigen Krankheitsprognose erhalten eine immunsuppressive Therapie. Hier steht der zu erwartende frühe Verlust der Nierenfunktion an oberster Stelle der Risiken. Seltsamerweise ist bei Menschen aus Asien die Prognose bei schwerem Verlauf besser.

Auch für Kinder, Jugendliche und Frauen mit nicht-nephrotischer Proteinurie kann die Prognose nach drei Jahren positiv ausfallen. Voraussetzung ist eine normale Nierenfunktion. Ähnliches gilt bei Menschen, die an einer medikamentös ausgelösten membranösen Nephritis leiden. Hier kommt es aber zunächst zu einer Verschlechterung. Die Besserung kann drei Jahre auf sich warten lassen.

Vorbeugung

Umfassende Vorbeugemaßnahmen zur membranösen Glomerulonephritis existieren bislang nicht. Präventive Schritte sind deshalb nur in Maßen möglich, weil die primäre Ursache der Erkrankung in vielen Fällen ungeklärt bleibt.

Nachsorge

Die Schwere der Symptome unterscheidet sich nach dem Grad der Erkrankung. In 80 Prozent aller Fälle mit membranöser Glomerulonephritis leiden Betroffene an einem nephrotischen Syndrom. Symptome dieses Syndroms sind unter anderem Proteinurie oder Hypoproteinämie. Mit einer Proteinurie geht ein Proteinverlust einher, der zum Beispiel Infektionen, Thrombosen, Ödeme und Aszites begünstigt. Daher sind regelmäßige Besuche bei dem behandelnden Arzt unerlässlich, was eine Nachsorge im eigentlichen Sinne nicht notwendig macht. Da die Behandlung einer membranösen Glomerulonephritis relativ komplex und langwierig ist, konzentriert sich die Nachsorge dennoch auf einen guten und selbstbewussten Umgang mit der Erkrankung. Betroffenen sollten versuchen, sich trotz der Widrigkeiten auf einen positiven Heilungsprozess zu konzentrieren. Um die entsprechende Haltung aufzubauen, können Entspannungsübungen und Meditation helfen, den Geist zu beruhigen und zu fokussieren. Sofern psychische Verstimmungen vorliegen und anhalten, sollte dies mit einem Psychologen abgeklärt werden. Mitunter kann eine begleitende Therapie helfen, den Behandlungsprozess besser aufzunehmen und eine positivere Haltung einzunehmen.

Quellen

  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., Alscher, M. D., Kunzendorf, U. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783137002062
  • Geberth, S., Nowack, R.: Praxis der Dialyse.
    ISBN: 9783642412073
  • Böcker, W., Denk, H., Heitz, P. U., Moch, H. (Hrsg.): Pathologie.
    ISBN: 9783437423857
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488

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