Mesenterialinfarkt


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 27. September 2018
Kategorie: Krankheiten

Ein Mesenterialinfarkt bezeichnet den akuten Verschluss eines Darmgefäßes, der unbehandelt zum Absterben von Darmabschnitten führt. Es handelt sich um ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, das häufig zu spät erkannt wird und eine hohe Letalität aufweist. Betroffen sind meist Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Mesenterialinfarkt?

Beim Mesenterialinfarkt wird ein Darmgefäß durch eine Embolie oder eine Thrombose verstopft, wobei sowohl Darmarterien als auch Darmvenen betroffen sein können.

Der Darm im Versorgungsgebiet des betroffenen Gefäßes wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, sodass - ohne rechtzeitige Gegenmaßnahmen - das Gewebe abstirbt (Infarzierung und Nekrotisierung). Beim arteriellen Mesenterialinfarkt ist in 85% der Fälle die Arteria mesenterica superior („obere Eingeweidearterie“) betroffen, welche große Teile des Dünndarms, Dickdarms und der Bauchspeicheldrüse versorgt.

Die übrigen 15% entfallen zu etwa gleichen Teilen auf den Truncus coeliacus („Bauchhöhlenstamm“), in dessen Versorgungsgebiet neben Magen, Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse der Zwölffingerdarm liegt, und auf die Arteria mesenterica inferior („untere Eingeweidearterie“), die den absteigenden Dickdarm und den oberen Mastdarm ernährt. Ein Mesenterialinfarkt der Arteria mesenterica inferior hat eine bessere Prognose.

Ursachen

Die Ursache eines Mesenterialinfarkts liegt entweder in einer Embolie oder einer Thrombose. Embolien treten typischerweise bei Patienten mittleren Alters auf.

Kardiale Vorerkrankungen wie Herzarrhythmien oder künstliche Herzklappen begünstigen die Entstehung eines Embolus im Herzen, der zunächst in die Aorta und schließlich in die Eingeweidegefäße verschleppt wird. Thrombosen in den Mesenterialarterien entstehen eher bei älteren Patienten durch Arteriosklerose.

Durch Fetteinlagerungen, Bindegewebswucherungen und entzündliche Vorgänge verdickt sich die Gefäßwand, bis kein ausreichender Blutfluss mehr möglich ist. Seltener ist eine Mesenterialvenenthrombose verantwortlich für den Mesenterialinfarkt. Ihr geht meist eine Thrombose begünstigende Grunderkrankung voraus, z. B. eine lokale Entzündung, eine Sepsis oder eine Gerinnungsstörung.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Mesenterialinfarkt ist ein äußerst lebensbedrohlicher Zustand. Generell verläuft die Erkrankung in drei Phasen. So treten in Phase I plötzlich starke Bauchschmerzen auf, die sich besonders auf den Bereich um den Bauchnabel konzentrieren. Es bestehen aber keine Abwehrspannungen und Druckschmerzen. Neben den kolikartigen Bauchbeschwerden kommt es häufig auch zu blutigen Durchfällen und Symptomen eines Kreislaufschocks.

Aufgrund einer Durchblutungsstörung des Darms durch eine Embolie oder einer Thrombose sterben die von dem Verschluss betroffenen Darmabschnitte ab. Ihre Nekrose beginnt circ zwei Stunden nach dem Gefäßverschluss durch die Unterversorgung der entsprechenden Darmabschnitte. Bei der Untersuchung des Abdomens fällt allerdings zunächst nichts auf.

Es wird aber ein zunehmender Verfall des Patienten beobachtet. Ungefähr sechs bis acht Stunden nach dem Beginn der initialen Phase verschwinden die Schmerzen plötzlich und den Patienten geht es scheinbar besser. Manchmal ist dieser sogenannte "trügerische Frieden" von Meteorismus und Blähungen begleitet. Diese scheinbare Besserung der Beschwerden beruht auf der Abnahme der Darmperistaltik, die ebenfalls durch die Minderversorgung des Darms hervorgerufen wird.

Die Phase II mit der scheinbaren Beruhigung der Beschwerden wird dann durch Phase III mit einer irreparablen Nekrose großer Darmabschnitte abgelöst. Dabei kommt es zunächst zu einer [(Darmlähmung]], die ein Weiterleiten des Darminhaltes verhindert. Folge sind paralytischer Darmverschluss,Durchbruch des Darms mit Ausbildung einer Bauchfellentzündung und schwere Intoxikation des Körpers. Die Letalität liegt bei bis zu 90 Prozent.

Diagnose & Verlauf

Ein Mesenterialinfarkt verläuft klassischerweise in 3 Stadien. Leitsymptom im Anfangsstadium ist ein akutes Abdomen: ein plötzlich einsetzender, starker, kolikartiger Bauchschmerz.

Abwehrspannung ist oft initial nicht vorhanden. Leider ist das akute Abdomen ein relativ unspezifisches Zeichen, das viele Ursachen haben kann. Deshalb wird die Notfalldiagnose häufig nicht schnell genug gestellt. Hinzu kommt, dass die Schmerzen nach einigen Stunden durch das Versiegen der Darmperistaltik nachlassen und so eine scheinbare Besserung einsetzt.

Diese zweite Phase bezeichnet man als „faulen Frieden“. Eine Blutgasuntersuchung liefert wichtige Hinweise (metabolische Azidose, Laktatazidose). Erhöhte Leukozytenwerte weisen auf entzündliche Prozesse hin. Apparativ lässt sich der Mesenterialinfarkt durch eine Röntgenübersicht des Abdomens, durch Sonografie und/ oder CT-Angiografie darstellen.

Wird der Mesenterialinfarkt nicht rechtzeitig diagnostiziert, verschlechtert sich der Zustand des Patienten nach ca. 12 Stunden durch fortgeschrittene Darmnekrosen massiv. Das Endstadium beginnt: Der Patient gerät in einen septischen Schock mit Darmverschluss (Ileus) und Bauchfellentzündung (Peritonitis). Unbehandelt ist der Mesenterialinfarkt ein sicheres Todesurteil.

Komplikationen

Durch den Mesenterialinfarkt kommt es im schlimmsten Fall zum Tode des Patienten. Diese Komplikation tritt in der Regel allerdings nur dann auf, wenn der Mesenterialinfarkt nicht behandelt wird. Die Betroffenen leiden dabei an sehr starken Schmerzen im Bereich des Magens und des Darms, wodurch es zu erheblichen Einschränkungen in der Lebensqualität kommt.

Ebenso kommt es nicht selten zu Durchfall und zu einem angespannten Bauch. Die Belastbarkeit des Patienten sinkt und es kommt oft zu einer Abgeschlagenheit. Nicht selten führt der Mesenterialinfarkt auch zu einem verringerten Appetit und damit auch zu Mangelerscheinungen. Durch die dauerhaften Schmerzen leiden viele Patienten auch an Depressionen und psychischen Beschwerden oder Verstimmungen.

Beim Mesenterialinfarkt ist eine direkte Operation notwendig, um Folgeschäden und den Tod des Betroffenen zu vermeiden. Diese muss in der Regel einige Stunden nach dem Auftritt des Mesenterialinfarktes auftreten. In den meisten Fällen kommt es bade nicht zu Komplikationen, allerdings müssen abgestorbene Teile des Darms entfernt werden.

Nach dem Eingriff kommt es in den meisten Fällen zu einer großen Narbe auf dem Bauch. Ob die Lebenserwartung durch den Mesenterialinfarkt verringert wird, kann in der Regel nicht vorausgesagt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Leidet der Betroffene unter Beschwerden in der Bauchregion, liegt eine gesundheitliche Beeinträchtigung vor. Kommt es zu anhaltenden oder zunehmenden Bauch- sowie Unterleibsschmerzen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei plötzlich auftretenden starken Beschwerden, ist schnellstmöglich ein Arztbesuch erforderlich. Kommt es zu einer Kolik, sollte vom Betroffenen oder anwesenden Personen ein Rettungsdienst alarmiert werden. Da es bei einem Mesenterialinfarkt im ungünstigsten Fall zu einem tödlichen Krankheitsverlauf kommen kann, ist die sofortige Rücksprache mit einem Notfallmediziner erforderlich. Den Anweisungen des Notarztes ist zwingend Folge zu leisten, damit das Überleben des Betroffenen gesichert ist.

Ein wiederholter oder an Intensität zunehmender Durchfall ist ärztlich abklären zu lassen. Störungen oder Unregelmäßigkeiten der Bauchmuskulatur weisen auf eine besorgniserregende Unregelmäßigkeit hin. Ein Arztbesuch ist anzuraten, damit eine Diagnosestellung erfolgen kann. Stellt sich ein Verschluss des Darms ein, sinkt das gewohnte Leistungsniveau allmählich weiter ab oder erlebt der Betroffene ein allgemeines Krankheitsgefühl, benötigt er ärztliche Hilfe. Eine innere Unruhe, Veränderungen der Körpertemperatur und ein allgemeines Unwohlsein sind Anzeichen einer vorliegenden Erkrankung, die behandelt werden sollte. Ein Zusammenbruch der Kräfte oder die Unfähigkeit zur Verrichtung der alltäglichen Verpflichtungen sind Symptome, die mit einem Arzt besprochen werden müssen.

Behandlung & Therapie

Der Mesenterialinfarkt ist ein internistischer Notfall und erfordert schnelles Handeln. Bereits 2 Stunden nach Einsetzen des Infarkts können Darmnekrosen auftreten.

Das betroffene Darmgewebe kann also nur gerettet werden, wenn eine frühe Operation die Gefäße wieder durchgängig macht. Die Operation erfordert einen großen Bauchschnitt und wird als Laparatomie mit (versuchter) Embolektomie bezeichnet. Ist das Gewebe bereits irreversibel geschädigt, müssen die abgestorbenen Darmanteile entfernt werden. Häufig wird ca. 12 Stunden nach erfolgreicher Erstoperation eine sog. Second-Look-Operation durchgeführt, um etwaige weitere Nekrosen zu resezieren.

Die postoperative Versorgung muss einer Sepsis und Peritonitis sowie weiteren Thrombosen entgegenwirken. Besonders wegen des kurzen Zeitfensters für eine erfolgversprechende Therapie hat ein Mesenterialinfarkt eine ungünstige Prognose. Im Durchschnitt liegt die Letalität des Mesenterialinfarkts bei 90%. Operierte Patienten haben eine Überlebenschance von 50%.

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Vorbeugung

Der Prävention eines Mesenterialinfarkts dienen zum einen Maßnahmen, die generell Arteriosklerose vorbeugen: Verzicht auf Zigaretten, gesunde Ernährung mit gesunden Fetten sowie ausreichende Bewegung. Zum anderen ist bei Risikopatienten eine Thromboseprophylaxe mit Gerinnungshemmern wichtig, insbesondere bei älteren Herzkranken. Jenseits der Prävention ist es entscheidend, gerade bei diesen Risikopatienten im Ernstfall an die mögliche Diagnose Mesenterialinfarkt zu denken, um keine rettende Zeit verstreichen zu lassen.

Das können Sie selbst tun

In der Regel kann ein Mesenterialinfarkt nicht durch verschiedene Selbsthilfebehandlungen bekämpft werden. Bei dieser Erkrankung ist auf jeden Fall das Aufsuchen eines Arztes notwendig, um Komplikationen oder im schlimmsten Falle den Tod des Betroffenen zu vermeiden.

Vor allem in akuten Notfällen sollte direkt das Krankenhaus aufgesucht oder ein Notarzt gerufen werden. Dies ist dann der Fall, wenn der Betroffene an einer starken Spannung des Bauches oder an einem Darmverschluss leidet. Diese Beschwerden werden dabei von starken Schmerzen begleitet. Die Behandlung des Mesenterialinfarktes erfolgt immer in einem Krankenhaus durch einen operativen Eingriff und führt meistens auch zu einem Erfolg, falls der Eingriff frühzeitig durchgeführt wird. Häufig ist dabei auch noch ein zweiter Eingriff notwendig, um weitere Nekrosen zu vermeiden.

Ein Mesenterialinfarkt kann durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden. Dazu zählen eine gesunde Ernährung und auch sportliche Betätigungen. Ebenso wirkt sich der Verzicht von Alkohol und Zigaretten ebenfalls positiv auf die Erkrankung aus. Risikopatienten sollten dabei an regelmäßigen Untersuchungen teilnehmen, um einen Mesenterialinfarkt zu vermeiden. Bei einer erfolgreichen Behandlung kommt es meistens nicht zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

ina kommentierte am 24.04.2015

Meine Oma verstarb gestern daran binnen 72 Stunden. Es war keine Hilfe mehr möglich.

Nadine kommentierte am 20.10.2015

Ich habe eine Gerinnungsstörung die sich G20210A nennt. Ich bin 36 Jahre alt und weiblich. Seit Wochen habe ich Bauchschmerzen. Obwohl eine Darmspiegelung gemacht wurde, wurde nichts gefunden und gynäkologisch ist auch alles in Ordnung. Keiner kann mir sagen woher das kommt. Kann das mit dem Krankheitsbild G20210A zutun haben?

TerryMuc kommentierte am 16.12.2016

Der Mesenterialinfarkt wurde über eine Ultraschalluntersuchung entdeckt. Ich hatte Bauchschmerzen mit nicht endendem Schluckauf und aktuter Aszites. Nach einer Punktion und einem CT, mit der Diagnose einer venösen Dünndarm-Thrombose bis zur Pfortader, konnte innerhalb von zehn Tagen, mit hochdosierter Heparinbehandlung (Blutverdünnung) und sechsmonatiger Markumar-Therapie, eine völlige Symptomlosigkeit erreicht werden. Der Zustand nach einem Jahr ist völlig beschwerdefrei. Blutgerinnungsstörungen konnten mit verschiedensten Indikatoren nicht nachgewiesen werden. Eine komplette Magen- und Enddarmspiegelung blieb ohne weitere Erkenntnisse. Vorangehend, seit 15 Jahren sind mehrfach Erysipel-Erkrankungen an den Beinen aufgetreten.