Midlife-Crisis
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Jahrelang galt die Midlife-Crisis als Mythos; heute weiß man, dass es sie tatsächlich gibt und vor allem Männer zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr betroffen sind. Die Midlife-Crisis, auch als Klimakterium virile oder Andropause bekannt, ist aber keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern ein Lebensabschnitt. Weder lässt sich die Andropause gezielt behandeln, noch kann man ihr vorbeugen.
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Was ist eine Midlife-Crisis?
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Nicht nur die Frau durchlebt ab einem bestimmten Alter Veränderungen; auch die Männer müssen Veränderungen erleben und in weiterer Folge akzeptieren. Bei Männern handelt es sich um einen schleichenden Rückgang der Sexualhormone; die Frau wird jedoch abrupt vor die Tatsache gestellt, in der Menopause zu sein.
Die Midlife-Crisis ist kein Mythos, sondern eine ernstzunehmende Veränderung des männlichen Körpers. Spätestens dann, wenn sich die Herren der Schöpfung fragen, ob sie alle Ziele in ihrem Leben erreichen konnten und die Frage stellen, ob es keine anderen Erfolge mehr gibt, liegt der Verdacht einer Midlife-Crisis nahe.
Doch nicht nur das oft als „merkwürdig“ bezeichnete Verhalten lässt auf eine Midlife-Crisis schließen; es gibt zahlreiche Symptome, die darauf schließen lassen, dass der Mann Veränderungen durchlebt.
Streng genommen bezeichnen die genannten Begriffe allerdings Unterschiedliches: Die Midlife-Crisis ist ein psychisches und soziales Phänomen der Lebensmitte, während Klimakterium virile beziehungsweise Andropause den hormonellen Rückgang des Testosterons meinen. In der Fachsprache spricht man dafür heute vom Altershypogonadismus. Als Krankheit oder Diagnose ist die Midlife-Crisis in keinem der medizinischen Klassifikationssysteme – weder in der ICD-10 und der ICD-11 noch im DSM-5 – aufgeführt. Auch ist sie kein Männerthema: Lebenskrisen in der Lebensmitte kommen bei beiden Geschlechtern vor.
Ursachen
Ein Umstand, den der Mann sehr wohl bemerkt und der dazu führt, dass die sogenannte Midlife-Crisis eintritt. Betroffene Männer stellen sich oft die Frage, ob sie alle Ziele im Leben erreicht haben, werden unsicher und versuchen - unterbewusst - den sinkenden Testosteronspiegel auszugleichen. Sie beginnen neue Hobbies, suchen nach Herausforderungen und stellen sich die Frage, ob sie noch mehr im Leben erreichen können.
Diese Deutung ist allerdings umstritten: Ein direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen dem sinkenden Testosteronspiegel und einer Lebenskrise in der Lebensmitte ließ sich bislang nicht nachweisen. Nach heutigem Kenntnisstand entsteht die Midlife-Crisis vor allem aus dem Zusammentreffen psychischer und sozialer Belastungen dieser Lebensphase – etwa beruflichem Druck, Veränderungen in der Partnerschaft, dem Auszug der Kinder, der Pflege der eigenen Eltern oder der Erfahrung, dass sich manche Lebenspläne nicht mehr verwirklichen lassen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptome einer Midlife-Crisis sind eher unspezifisch und auch deutlich geringer ausgeprägt als jene, die im Rahmen der Menopause bei der Frau auftreten. Mögliche Symptome sind eine Abnahme der Libido, ein verminderter Bartwuchs, Erektionsstörungen, Osteoporose, Abbau von Muskelmasse.
Gleichzeitig kann eine Zunahme von Fettmasse, innere Unruhe, Nervosität, nachlassende Motivation sowie Leistungsfähigkeit, Schweißausbrüche, Hitzewallungen und Depressionen erfolgen.
Jedoch müssen nicht alle angeführten Symptome eintreten, damit der Mediziner sicher sein kann, dass es sich um eine Midlife-Crisis handelt. Studien haben ergeben, dass gerade einmal drei Symptome des sexuellen Bereichs - in Verbindung mit einem zurückgehenden Testosteronwert - ausreichen, um die Voraussetzungen eines behandlungsbedürftigen Testosteronmangels zu erfüllen. Vor allem die fehlende Morgenerektion kann ein Hinweis auf eine eingetretene Midlife-Crisis beziehungsweise Andropause sein.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Zu Beginn folgt das Gespräch mit dem behandelnden Arzt; idealerweise einem Endokrinologe oder Urologe. Im weiteren Verlauf werden körperliche Untersuchungen durchgeführt. Dabei versucht der Mediziner organische Ursachen auszuschließen.
Die Diagnose kann nur mittels Blutuntersuchung erfolgen; der Arzt misst die Konzentration der Sexualhormone und kann feststellen, ob eine Andropause eingetreten ist oder nicht. Liegt ein niedriger Testosteronwert vor und befindet sich der Mann zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr, kann ein Testosteronmangel vorliegen. Weil der Testosteronspiegel im Tagesverlauf stark schwankt, muss der Wert dafür an mindestens zwei verschiedenen Tagen jeweils in den Morgenstunden bestimmt werden. Die Midlife-Crisis selbst lässt sich dagegen durch keine Blutuntersuchung feststellen: Sie ist keine Hormonstörung, sondern eine Lebenskrise.
Hellhörig werden Mediziner dann, wenn das Testosteron unter einen bestimmten Wert fällt und weitere Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen hinzukommen. Das Hormon beeinflusst derartige Erkrankungen, die sich wiederum auf das Testosteron auswirken. Ein nicht zu unterschätzender „Teufelskreis“. Die Wechseljahre sind, so vermuten zumindest Mediziner, mit dem 75. Lebensjahr abgeschlossen.
Bislang ist aber nicht eindeutig geklärt, ob es sich tatsächlich um eine derart lange Phase handelt oder nicht, da die Midlife-Crisis bei vielen Männern unbemerkt eintritt. Viele Männer bemerken gar nicht, dass ihr Körper eine Veränderung durchmacht. Andere Männer spüren durchaus, dass etwas nicht stimmt, werden unruhig und versuchen den gesunkenen Testosteronspiegel zu kompensieren.
Komplikationen
Obwohl eine Lebenskrise in den mittleren Lebensjahren bei beiden Geschlechtern vorkommen kann, scheinen Männer davon häufiger betroffen zu sein. Daher wird die Andropause auch als Klimakterium virile bezeichnet. Bei Frauen spricht man nur vom Klimakterium beziehungsweise der Menopause. Beide sind hormonellen Veränderungen geschuldet, die einiges im Organismus durcheinanderwürfeln.
Zu den üblichen Komplikationen einer Midlife-Crisis gehören Hormonschwankungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen und Depressionen. Dadurch ausgelöst kann es auch zu Identitäts- und Lebenskrisen kommen. Diese können die Betroffenen dazu bringen, mit den bisherigen Lebensentwürfen nicht mehr zufrieden zu sein. Vielfach wird darum der Beruf gewechselt, eine funktionierende Ehe geschieden oder der Lebensstil verändert.
Während es bei manchen Betroffenen zu körperlichen Beschwerden, Haarausfall, Problemen mit der Libido, Gewichtszuwachs oder Faltenbildung kommen kann, verläuft die Krise bei anderen Menschen völlig ohne Komplikationen. Anhaltende Depressionen während einer Midlife-Crisis sollten jedoch behandelt werden. Der Gang zum Psychotherapeuten ist angezeigt, wenn sich der Betroffene immer mehr zurückzieht oder gar Suizidgedanken hegt. Bei Partnerschaftsproblemen, die in der Midlife-Crisis auftreten, kann eine Eheberatung angezeigt sein.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Auch wenn sich eine Midlife-Crisis im Einzelfall bedrohlich anfühlen kann, hat sie an sich keinen Krankheitswert. Begleiterscheinungen wie Depressionen oder psychosomatische Symptome können jedoch eine Behandlung erforderlich machen.
Das ist der praktisch wichtigste Punkt: Hinter dem, was wie eine gewöhnliche Sinnkrise wirkt, steckt nicht selten eine behandlungsbedürftige Depression. Halten Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder der Verlust von Interesse und Freude länger als zwei Wochen an, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Eine Depression ist gut behandelbar und darf nicht als „normale“ Lebensphase abgetan werden. Bei Suizidgedanken ist sofortige Hilfe nötig: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 0800 111 0 111 sowie 0800 111 0 222 erreichbar. Bei akuter Selbstgefährdung sollte der Notruf 112 gewählt oder die nächste psychiatrische Klinik aufgesucht werden.
Die Krise in der Lebensmitte kann der Beginn einer Neuorientierung im Leben sein. Zunächst aber werden durch einschneidende Erlebnisse oder Veränderungen alle Gewohnheiten infrage gestellt. Das kann Menschen in eine tiefe Krise stürzen. Diese kann ein oder zwei Jahre andauern. Oftmals benötigen die Betroffenen psychologische oder medizinische Unterstützung, um die Krise zu überwinden. Wer mitten in einer Midlife-Crisis steckt, erkennt oft nicht die potenziellen Entwicklungsmöglichkeiten, die sie birgt.
Depressionen sind oft ein Mittel, um Wut und Verzweiflung zu deckeln. Veränderungen werden nicht als wünschenswert angesehen oder negiert. In diesem Fall ist eine Gesprächstherapie oft hilfreich. Ähnliches gilt, wenn die Betroffenen durch den Schock, verlassen worden zu sein, psychosomatische Symptome entwickeln. Der Arztbesuch könnte zu der Erkenntnis führen, dass eine Kur in einer entsprechend ausgerichteten Klinik sinnvoll wäre.
Die Midlife-Crisis wird von vielen Menschen für eine Befreiung aus verkrusteten Strukturen genutzt. Für andere aber bricht eine Welt zusammen. Diese Menschen brauchen Hilfe. Wichtig ist dabei, dass diese Hilfe fachlich qualifiziert ist: Besteht der Verdacht auf eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung, gehört die Behandlung in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.
Behandlung & Therapie
Der Rückgang der Hormonproduktion stellt den natürlichen Prozess im Leben eines Mannes dar. Aus diesem Grund ist es nicht notwendig, eine spezielle Therapie zu beginnen; die Midlife-Crisis ist im Endeffekt ein Lebensabschnitt, der eintritt und nicht verhindert oder aufgehalten werden kann. Bei Männern wird auch keine HET – Hormonersatztherapie - angewandt.
Frauen erhalten jene Therapie zur Linderung der Wechseljahrs-Beschwerden. Da Männer jedoch keine „typischen“ Beschwerden haben, werden auch keine derartigen Therapien empfohlen oder angewandt. Mitunter kann zwar eine Testosteronsubstitutionsbehandlung erfolgen, jene Behandlung zählt aber nicht zum Standard-Verfahren einer Behandlung auf Grund einer eingetretenen Midlife-Crisis.
Die Behandlung ist auch nicht unumstritten, da sie zahlreiche Nebenwirkungen mit sich bringt. Testosteron steht unter anderem im Verdacht, Prostatakrebs zu begünstigen. Zudem gibt es auch keine Langzeit-Studien, die einen tatsächlichen Aufschluss darüber geben, ob die Behandlungen mit Hormonen hilfreich sind oder nicht. Neuere und größere Untersuchungen haben den Verdacht auf ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko allerdings nicht bestätigt; im Vordergrund stehen heute andere Nebenwirkungen wie eine Zunahme der roten Blutkörperchen, Akne und die Verschlechterung einer bestehenden Schlafapnoe. Am Ende bleibt nur die Gelassenheit darüber, sich zu verändern und reifer zu werden. Der Mann muss sich, auch wenn es hart klingen mag, mit dem Lauf der Natur abfinden. Das gilt jedoch allein für den natürlichen Hormonrückgang: Anhaltende Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen oder Antriebslosigkeit sind kein Schicksal, mit dem man sich abfinden müsste, sondern Anzeichen, die ärztlich abgeklärt gehören.
Aussicht & Prognose
Die Midlife-Crisis geht auch ohne Therapie vorüber. Es handelt sich dabei um keine ernsthafte Krankheit. Dennoch können Betroffene mitunter Jahre unter den Folgen dieser Erfahrung leiden. Betroffene haben dabei kaum Optionen, das seelische Leid zu lindern. Dies belastet natürlich zusätzlich. Von der Midlife-Crisis geplagte Menschen sollten sich auf die eigenen Interessen besinnen. Außerdem sollten die Betroffenen die Belastung anerkennen. Dies erleichtert den Heilungsprozess.
Midlife-Krisen müssen jedoch nicht über längere Zeit andauern. Manchmal ist die Krise bereits nach einigen Monaten vorbei. Der Betroffene fühlt sich bereits stabiler. Dann ist es wieder möglich das Leben in Ruhe zu genießen. Wer sich bereits etwas ausgeglichener und zufriedener fühlt, hat den schlimmsten Teil der Midlife-Crisis überwunden.
Die schnelle Erholung erfolgt leichter, wenn Sie Zeit mit der Familie verbringen oder Ihren Hobbys nachgehen. Falls Freunde und Verwandte ratlos sind, sollte über eine Gesprächstherapie die Erholung angegangen werden. Als eine Anlaufstelle von vielen kann diese Menschen helfen wieder zu sich selbst zu finden. Dies ermöglicht die schnelle Überwindung der Krise. Schlussendlich ist das Erholen und Insichgehen die beste Option für eine schnelle Besserung.
Vorbeugung
Der altersbedingte Rückgang der Sexualhormone ist ein natürlicher und auch harmloser Prozess, der definitiv nicht aufgehalten oder gestoppt werden kann. Der Mann kann dennoch fit bleiben, wenn er sich ausreichend bewegt und sich auch ausgewogen ernährt. Mit einer gesunden Lebenseinstellung kann er mögliche Beschwerden reduzieren.
Nachsorge
Die Komplikationen von Midlife-Crisis haben in der Regel keinen Krankheitswert, sondern vollziehen sich durch einen schleichenden Prozess, in dem der Körper die Hormone umstellt. Daher kann hier keine klassische Nachsorge zum Einsatz kommen, vielmehr geht es darum, die komplizierten Verwicklungen und dramatischen Gefühlslagen dauerhaft zu bewältigen.
Zu den allgemeinen Komplikationen der Midlife-Crisis gehören Depressionen, Stimmungsschwankungen, Hormonschwankungen und Schweißausbrüche. Die Midlife-Crisis kann bei Betroffenen Lebens- und Identitätskrisen hervorrufen. Dabei ist ein sensibler Umgang mit dem sozialen Umfeld gefragt, aufmunternde Gespräche können den psychischen Druck mindern. Einige Betroffene entwickeln Suizidgedanken oder ziehen sich ganz zurück. In diesem Fall sollte eine psychologische Behandlung erfolgen.
Bei einigen Menschen ruft die Midlife-Crisis Beschwerden wie Haarausfall, verringerte Libido oder Vermehrung von Falten hervor. Nur wenn ein Arzt einen ausgeprägten Testosteronmangel nachgewiesen hat, kommt eine dauerhafte Hormonersatztherapie infrage; bei einer Midlife-Crisis allein ist sie kein geeignetes Mittel.
Das können Sie selbst tun
Ein Beginn kann beispielsweise darin bestehen, Dinge aufzuschreiben, die in der aktuellen Lebensphase gut und schlecht laufen, um anschließend konkrete Entscheidungen und Veränderungen für das eigene Verhalten daraus abzuleiten. Dieser Prozess kann längere Zeit in Anspruch nehmen. Andere Selbsthilfemethoden unterscheiden zentrale Lebensbereiche wie Familie, Beruf und Hobbys. Der Betroffene überlegt anschließend, wie der gegenwärtige Ist-Zustand aussieht und was er sich als Soll-Zustand wünscht. Zum Selbst-Management gehören auch spezifische Hilfsmittel zur Motivation oder zum Zeitmanagement. Im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen zu diesen Themen.
Während der Midlife-Crisis spielt soziale Unterstützung oft eine wichtige Rolle. Im Alltag können Betroffene deshalb in ihrem Umfeld nach solchen Ressourcen suchen und bei Bedarf auf die Unterstützung von Familienmitgliedern oder Freunden zurückgreifen.
Nicht immer reicht die Selbsthilfe aus, um eine Midlife-Crisis erfolgreich zu bewältigen. Hinter der scheinbar normalen Lebenskrise kann sich auch eine psychische Krankheit verbergen. In diesem Fall ist es sinnvoll, einen Arzt, Psychologen, Psychotherapeuten oder Berater aufzusuchen und sich nicht allein auf die Selbsthilfe zu verlassen.
Quellen
- Ermann, M.: Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
ISBN: 9783170368002
- Senf, W., Broda, M. (Hrsg.): Praxis der Psychotherapie.
ISBN: 9783132420793
- Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
ISBN: 9783132432659
- Wittchen, H.-U., Hoyer, J. (Hrsg.): Klinische Psychologie und Psychotherapie.
ISBN: 9783642130175
- Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
ISBN: 9783662634011
