Neuraltherapie

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ein wirksames Verfahren zur Schmerzlinderung verschiedenster Beschwerden ist die Neuraltherapie. Sie gehört zu den Naturheilverfahren und wird bisher nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Neuraltherapie?

Die Neuraltherapie wird in der Naturheilkunde dazu genutzt, um funktionelle Körperbeschwerden zu lindern. Dazu wird ein lokal wirkendes Betäubungsmittel in bestimmte Körperstellen gespritzt.

Die Neuraltherapie wird in der Naturheilkunde dazu genutzt, um funktionelle Körperbeschwerden zu lindern. Dazu wird ein lokal wirkendes Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) in bestimmte Körperstellen gespritzt. 1925 entdeckte der Arzt Ferdinand Huneke, dass das Spritzen eines lokalen Betäubungsmittels nicht nur in einen bestimmten Bereich des Gewebes Schmerzen betäubt, sondern sie sogar dauerhaft heilen kann. Gemeinsam mit seinem Bruder Walter erforschte er diese Wirkungsweise näher und fand dabei heraus, dass das Mittel über das vegetative Nervensystem wirkte.

Die Grundlage der Neuraltherapie bilden zwei Annahmen: Die Störfeldtheorie geht davon aus, dass krankhafte Ereignisse im Körper ( z. B. Entzündungen, Verletzungen und Narben) als Störfelder oder Herde andere Körperbereiche irritieren und in Mitleidenschaft ziehen können. Wenn diese Störfelder langfristig nicht behandelt werden, können an anderer Stelle im Körper durch die dauerhafte Irritation Beschwerden auftreten.

Die Segmenttheorie geht von Nervenverbindungen zwischen der Haut und den Organen aus. Jedes Segment des Körpers verursacht demnach in bestimmten Hautbereichen, sogenannten Head-Zonen, Reaktionen. Wenn demnach die Haut in einem bestimmten Bereich empfindlich reagiert, kann das ein Hinweis auf eine Erkrankung des zugeordneten Organs sein.


Funktion, Wirkung & Ziele

Die Anwendungsgebiete der Neuraltherapie sind sehr vielseitig. Von Ärzten, die Neuraltherapie anwenden, wird sie hauptsächlich bei diesen Beschwerden angewendet:

Am Anfang der Neuraltherapie steht eine ausführliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung. Manche Neuraltherapeuten setzen zur Diagnose auch Injektionen ein. Wenn nach einer solchen Injektion an anderer Stelle Beschwerden umgehend verschwinden, wird das als Sekundenphänomen bezeichnet. In der Regel erfolgt die Behandlung in zwei Schritten: der lokalen Behandlung und der Sanierung des Störfeldes. Vor der Injektion des lokalen Betäubungsmittels wird vom Therapeuten die Haut mit den Fingern abgetastet, um schmerzhafte Stellen zu erkennen.

In diese Hautstellen wird ein lokales Betäubungsmittel gespritzt. Die Behandlung muss manchmal wiederholt werden, bis die Beschwerden ganz verschwinden. Es gibt auch tiefe Stichtechniken, bei denen das Betäubungsmittel in Triggerpunkte in die schmerzenden Muskeln gespritzt wird.

Störfelder, z. B. Narben, werden durch mehrere Injektionen rund um das Störfeld behandelt. Ggf. kann die Injektion auch neben Wirbelkörpern oder im Bereich größerer Nervenstränge gesetzt werden. Die Störfeldsuche gleicht einer Detektivarbeit. Viele Störfelder oder chronische Entzündungsherde liegen im Bereich von Nasennebenhöhlen, Zähnen, Mandeln und Ohren, aber auch im Bereich des Beckens.

Die Wirkung der Neuraltherapie ist bisher nicht hinreichend erforscht, es gibt nur wenige Studien, die zwar positive Wirkungen feststellen, aber aufgrund geringer Teilnehmerzahlen keine allgemeingültige Aussage treffen können. Auch Mediziner sind sich über die Wirksamkeit nicht einig, daher werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen und müssen privat bezahlt werden.

Die Entdeckung der Neuraltherapie verdanken wir einem zufälligen Kunstfehler, der dem Arzt Ferdinand Huneke (1891 - 1966) bei seiner Schwester unterlief. Er wollte ihr zur Linderung ihrer Kopfschmerzen das Lokalanästhetikum Procain spritzen, traf dabei aber aus Versehen eine Vene statt den Muskel. Ihre Kopfschmerzen verschwanden danach in nur wenigen Sekunden. Durch weitere Experimente entdeckte er, dass auch lokal gespritztes Procain wirkt. Er injizierte einer Patientin das lokale Betäubungsmittel in eine Narbe am Unterschenkel, worauf ihre chronischen Schulterbeschwerden in Sekundenschnelle verschwanden. Dieses Phänomen ist nach ihm benannt als „Sekundenphänomen nach Huneke“. Aus diesen Beobachtungen schlussfolgerte Huneke, dass Beschwerden in bestimmten Körperbereichen durch Injektionen in anderen Bereichen behandelbar sind.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Im Allgemeinen ist die Neuraltherapie eine effektive Methode mit wenig Nebenwirkungen. Wenn die Injektionsnadel fachkompetent gesetzt wird, sind Nebenwirkungen wie Reizungen an Nerven, Organen und Blutgefäßen selten. Allenfalls kann es zu einem kleinen blauen Fleck oder einem Muskelkatergefühl kommen. Wenn die Nadel aber falsch gesetzt wird, kann sie Nervenschäden bis hin zu bleibenden Nervenschäden und einen Kreislaufkollaps nach sich ziehen. Auch innere Blutungen sind möglich.

Deswegen darf das Betäubungsmittel bei Menschen, die blutverdünnende Medikamente nehmen müssen, nur in die Haut gespritzt werden. Meistens wird das Betäubungsmittel Procain benutzt. das aber allergische Reaktionen auslösen kann, im schlimmsten Fall einen anaphylaktischer Schock. In dem Fall muss ein alternatives Mittel injiziert werden. Leichtere Nebenwirkungen wie ein Benommenheitsgefühl, etwas Schwindel und Blutdruck- und Pulsschwankungen halten meistens nur kurz an.

Nicht angewendet werden darf die Neuraltherapie bei bei schweren Infektionskrankheiten, Immunerkrankungen, bei entsprechenden Allergien (besonders gegen das Betäubungsmittel selbst), bei Hautentzündungen im betroffenen Hautbereich. Patienten mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie) und Neigung zum Kreislaufkollaps sollten den Behandelnden vor der Behandlung darauf ansprechen. Wer einen guten Neuraltherapeuten sucht, sollte unbedingt darauf achten, dass dieser eine fundierte Ausbildung absolviert hat, weil Ärzte fundierte anatomische Kenntnisse haben müssen, um das Betäubungsmittel an der richtige Stelle injizieren zu können.

Quellen

  • Augustin, M., Schmiedel, V.,: Leitfaden Naturheilkunde. Urban & Fischer, München 2003
  • Bierbach, E.: Naturheilpraxis Heute. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2013
  • Ernst, E.: Praxis Naturheilverfahren. Springer, Berlin Heidelberg 2005

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