Injektion
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als Injektion bezeichnet man die parenterale Verabreichung von Medikamenten, also die Verabreichung von Medikamenten unter Umgehung des Darms. Dabei wird mittels einer Spritze das Arzneimittel in die Haut, unter die Haut, in den Muskel, in die Vene oder in die Arterie gegeben.
Was ist die Injektion?
Die Injektion wird in der Regel mittels einer Spritze mit dazugehöriger Kanüle gesetzt. Im Gegensatz zur Infusion wird das Arzneimittel schnell verabreicht. Grundsätzlich lassen sich bei der Injektionstherapie zwei Wirkwege unterscheiden.
Zum einen kann das gegebene Medikament eine lokale Wirkung zeigen. Dies ist beispielsweise bei lokalen Betäubungen der Fall. Das Medikament wird hier meist subkutan, also in das Unterhautfettgewebe, oder an Nervenendigungen gespritzt. Bei der intravenösen und intraarteriellen Injektion ist die Wirkung systemisch, da sich das Medikament über den Blutweg im gesamten Körper verteilt. Gegenüber der oralen Verabreichung von Arzneimitteln hat die Injektionstherapie einige Vorteile. Der Wirkungseintritt erfolgt deutlich schneller als bei oraler Medikation.
Zudem können auch Medikamente injiziert werden, die bei oraler Verabreichung im Magen-Darm-Trakt abgebaut werden würden (z.B. Insulin). Bei oral verabreichten Mitteln ist die Dosierung oft schwierig, da die Resorption im Magen-Darm-Trakt von Mensch zu Mensch verschieden ist. Auch der First-Pass-Effekt wird durch eine Injektion umgangen. Als First-Pass-Effekt bezeichnet man die Verstoffwechselung eines Arzneimittels in der Leber, das heißt, dass bei einer oralen Gabe das Medikament erst den Leberstoffwechsel durchläuft, bevor es dann in geringerer Konzentration zu seinem Wirkort gelangt. Nicht zu unterschätzen ist auch der psychologische Effekt einer Injektion.
Funktion, Wirkung & Ziele
Die subkutane Injektion wird deshalb hauptsächlich für Medikamente gewählt, die als Depot wirken sollen. Ein Beispiel für ein subkutan injiziertes Präparat ist Insulin, welches zur Behandlung von Diabetes mellitus zum Einsatz kommt. Auch Heparinpräparate zur Vorbeugung von Thrombosen werden subkutan injiziert. Die Durchführung der subkutanen Injektion ist recht simpel und komplikationsarm. Sie kann deshalb nach einer Einführung auch vom Patienten selber problemlos durchgeführt werden. Bei der intramuskulären Injektion erfolgt die Verabreichung des Arzneimittels direkt in den Muskel.
Bevorzugte Injektionsstellen sind der Gluteus medius (Gesäßmuskel), der Musculus vastus lateralis am Oberschenkel oder der Musculus deltoideus am Oberarm. Zur Bestimmung des korrekten Injektionsorts am Gluteus wird die ventroglutäale Methode nach Hochstetter verwendet. Das Volumen, das intramuskulär verabreicht werden kann, ist begrenzt und richtet sich nach dem gewählten Muskel: In den Gesäßmuskel lassen sich mehr Milliliter geben als in den Oberschenkel, in den Oberarmmuskel am wenigsten. Der Wirkeintritt ist schneller als bei der subkutanen Injektion, da der Muskel besser durchblutet ist, aber langsamer als bei der intravenösen Injektion. In den Muskel werden vor allem Schmerzmittel, Verhütungsmittel und Kortisonpräparate injiziert. Auch Impfungen werden als intramuskuläre Injektion durchgeführt.
Für die intravenöse Injektion muss die entsprechende Vene punktiert oder ein bereits liegender venöser Zugang genutzt werden. Häufig genutzt werden die Arm- oder die Halsvenen. Vorteil der venösen Injektion ist der schnelle Wirkungseintritt. Zudem können über die Vene auch größere Mengen an Flüssigkeit injiziert werden. Weitere Injektionsarten, die nicht so häufig zum Einsatz kommen, sind die intraarterielle Injektion (in die Arterie), die Injektion in die Gelenkkapsel, die intrakardiale Injektion ins Herz, die Injektion in das Knochenmark oder die intrakutane Injektion in die Lederhaut.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Gefürchtet ist zudem das Eindringen von Erregern in den Spritzenkanal. Daraus folgt dann häufig ein schmerzhafter Spritzenabszess. Ein weiterer Risikofaktor ist das Abbrechen der Kanüle im Muskel. Dies kann insbesondere bei verkrampften Patienten passieren. Wichtig ist die Wahl einer ausreichend langen Kanüle. Bei der Verwendung einer zu kurzen Kanüle kann es durch eine versehentliche Injektion ins Fettgewebe zu einer Fettgewebsnekrose kommen. Auch eine versehentliche Injektion in ein Blutgefäß kann unangenehme Folgen haben, da das Medikament so direkt in der vollen Dosierung in den Blutkreislauf gelangt.
Lange galt deshalb eine sogenannte Aspiration in zwei Ebenen bei der intramuskulären Injektion als Pflicht. Nach heutigem Kenntnisstand wird sie nicht mehr allgemein empfohlen; die Ständige Impfkommission rät bei Impfungen ausdrücklich davon ab. Wird aspiriert, wird die Spritze in den Muskel gestochen und es wird etwas aspiriert um zu schauen, ob Blut in die Spritze fließt. Ist dies der Fall, ist die Spritze nicht im Muskel, sondern in einem Blutgefäß. Ist kein Blut zu sehen, wird die Spritze um 180 Grad gedreht und es wird erneut aspiriert. Erscheint wieder kein Blut in der Spritze, kann das Medikament injiziert werden. Eine absolute Kontraindikation für intramuskuläre Injektionen ist eine Blutungsneigung.
Wird bei dem Setzen der Spritze ein Blutgefäß im Muskel verletzt, lässt sich die entstehende Blutung bei Patienten mit Blutungsneigung oder Antikoagulanzientherapie (z.B. Marcumar) kaum stoppen. Die beiden größten Komplikationen bei der intravenösen Injektion sind die paravenöse, also neben die Vene laufende, Injektion und die versehentliche intraarterielle Injektion. In beiden Fällen kann es zu schweren Nekrosen (Gewebeschädigungen) kommen. Im Extremfall ist ein komplettes Absterben der betroffenen Extremität die Folge.
Vorbereitung & Ablauf
Vor jeder Injektion steht die Prüfung, ob Patient, Arzneimittel und Verabreichungsweg zusammenpassen. Kontrolliert werden der Name des Präparats, seine Haltbarkeit und das Aussehen der Lösung; Trübungen, Ausflockungen oder Verfärbungen schließen die Anwendung aus. Erfragt werden außerdem bekannte Allergien, eine bestehende Behandlung mit gerinnungshemmenden Mitteln und frühere Zwischenfälle bei Spritzen.
Anschließend folgt die hygienische Vorbereitung: Händedesinfektion, bei Bedarf Handschuhe, Aufziehen des Arzneimittels unter sauberen Bedingungen und – wenn zum Aufziehen und zum Einstich unterschiedliche Kanülen vorgesehen sind – der Wechsel der Kanüle. Die Haut an der Einstichstelle wird desinfiziert, wobei die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit des Mittels abgewartet wird. Die Stelle wird danach nicht mehr berührt.
Die Lagerung richtet sich nach dem gewählten Weg. Für eine intramuskuläre Injektion soll der betroffene Muskel entspannt sein, weil der Einstich in einen angespannten Muskel schmerzhafter ist und das Risiko erhöht, dass die Kanüle abbricht. Gestochen wird bei der intramuskulären Injektion senkrecht zur Hautoberfläche, bei der subkutanen Injektion in flachem Winkel oder in eine abgehobene Hautfalte, damit das Mittel im Fettgewebe und nicht im Muskel landet. Für die intravenöse Injektion wird die Vene punktiert oder ein bereits liegender Zugang genutzt.
Nach dem Einspritzen wird die Kanüle zügig zurückgezogen und die Einstichstelle kurz mit einem trockenen Tupfer komprimiert. Kanüle und Spritze gehören unmittelbar in einen durchstichsicheren Abwurfbehälter; die Schutzkappe wird nicht wieder auf die gebrauchte Nadel gesteckt, weil dabei die meisten Nadelstichverletzungen entstehen. Viele Kliniken und Praxen verwenden deshalb Sicherheitskanülen, deren Spitze sich nach Gebrauch selbsttätig abdeckt. Die Verabreichung wird dokumentiert; bei Impfungen gehören dazu auch Präparat und Chargenbezeichnung.
Wie sich eine Injektion anfühlt
Der Einstich selbst wird meist als kurzer, scharfer Stich empfunden, der rasch nachlässt. Wie stark er ausfällt, hängt von der Dicke der Kanüle, vom Ort und von der Anspannung ab. Deutlicher spürbar ist bei manchen Präparaten das Einspritzen selbst: Einige Wirkstoffe brennen im Gewebe, andere erzeugen ein Druck- oder Spannungsgefühl, das mit der eingebrachten Menge zunimmt.
Nach einer intramuskulären Injektion bleibt häufig für ein bis zwei Tage ein Gefühl zurück, das einem Muskelkater ähnelt; Bewegung des betroffenen Muskels wird meist als angenehmer empfunden als Schonung. Nach subkutanen Injektionen sind kleine Hämatome und eine vorübergehende Rötung nicht ungewöhnlich. Bei intravenöser Gabe kann ein Wärme- oder Geschmacksempfinden auftreten.
Nicht selten ist die Angst vor der Spritze das größere Problem als der Einstich. Ausgeprägte Angst vor Nadeln kommt in allen Altersgruppen vor und kann bis zu einer Phobie reichen, die dazu führt, dass notwendige Behandlungen oder Impfungen gemieden werden. Bei entsprechend veranlagten Menschen kann eine Kreislaufreaktion mit Blässe, Schwitzen und Ohnmacht auftreten. Wer das von sich weiß, sollte es vorher sagen: Die Injektion kann dann im Liegen erfolgen, und der Betroffene wird anschließend noch eine Weile beobachtet. Bei Kindern werden Ablenkung, Beteiligung der Eltern und – je nach Situation – oberflächlich betäubende Pflaster oder Cremes eingesetzt.
Wann eine Injektion nicht in Frage kommt
Ob eine Injektion möglich ist, entscheidet sich am Ort und am Verfahren. Nicht gestochen wird durch entzündete, infizierte, verletzte oder von einem Ekzem betroffene Haut, weil Erreger in die Tiefe verschleppt werden können. Gemieden werden ferner Bereiche mit ausgeprägter Vernarbung oder Verhärtung, weil die Aufnahme dort unzuverlässig ist, sowie – soweit möglich – ein Arm mit gestörtem Lymphabfluss nach Lymphknotenentfernung. Eine bekannte Unverträglichkeit gegen einen Bestandteil des Präparats schließt dessen Anwendung aus.
Für die intramuskuläre Injektion gelten die engsten Grenzen. Neben einer Blutungsneigung sprechen ausgeprägter Muskelschwund und eine schlechte Durchblutung des Gewebes gegen diesen Weg. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wird auf intramuskuläre Injektionen verzichtet: Sie können Laborwerte der Muskelenzyme verfälschen und wären bei einer anschließenden gerinnselauflösenden Behandlung eine zusätzliche Blutungsquelle. Auch Menschen im Schock erhalten Medikamente nicht in den Muskel, weil das Mittel aus dem minderdurchbluteten Gewebe nur unzuverlässig aufgenommen wird.
Nach der Injektion
Nach der Verabreichung bleibt der Patient in aller Regel noch eine Weile in der Praxis oder Klinik, damit eine unmittelbare Unverträglichkeitsreaktion bemerkt und behandelt werden kann. Das gilt besonders für Präparate, die als allergieauslösend bekannt sind, sowie nach Impfungen. Warnzeichen sind Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen im Gesicht oder am Hals, Atemnot, Übelkeit und Schwindel.
Die Einstichstelle wird in den folgenden Tagen beobachtet. Eine zunehmende Rötung, Überwärmung, Schwellung oder ein pochender Schmerz können auf eine Infektion hindeuten und gehören ärztlich abgeklärt; dasselbe gilt für anhaltende Missempfindungen, Taubheit oder Schwäche in der betroffenen Gliedmaße. Leichte lokale Reaktionen klingen dagegen meist von selbst ab; Kühlen kann die Beschwerden lindern.
Menschen, die sich Arzneimittel dauerhaft selbst spritzen – etwa Insulin bei Diabetes mellitus oder Heparin zur Thrombosevorbeugung –, werden dafür geschult. Ein zentraler Punkt ist der planmäßige Wechsel der Einstichstellen: Wird immer dieselbe Stelle benutzt, kann sich das Unterhautfettgewebe verändern, und der Wirkstoff wird unregelmäßig aufgenommen. Gebrauchte Kanülen werden auch zu Hause in einem stich- und bruchsicheren Behälter gesammelt und nicht über den Hausmüll entsorgt.
Weitere Injektionsformen und verwandte Verfahren
Über die drei Hauptwege hinaus wird die Injektion in vielen Fachgebieten für örtlich begrenzte Zwecke genutzt. In der Lokalanästhesie wird das Betäubungsmittel in die Nähe der zu betäubenden Nerven gespritzt. In der Augenheilkunde werden Wirkstoffe in den Glaskörper eingebracht, in der Orthopädie in Gelenke oder Sehnenscheiden. In die oberste Hautschicht gesetzte Injektionen dienen der Diagnostik, etwa bei Hauttests auf Allergien. Eine Sonderstellung nimmt die intrathekale Injektion ein, bei der das Mittel in den mit Nervenwasser gefüllten Raum um das Rückenmark eingebracht wird; auf diesem Weg werden etwa Betäubungsmittel bei der Spinalanästhesie und bestimmte Medikamente verabreicht, die aus dem Blut nicht ausreichend in das Nervensystem gelangen. Weil dabei die schützenden Hüllen des Zentralnervensystems durchstochen werden, ist dieser Zugang Fachärztinnen und Fachärzten vorbehalten und an besonders strenge Hygieneregeln gebunden.
Von der Injektion abzugrenzen ist die Infusion, bei der eine größere Flüssigkeitsmenge über einen längeren Zeitraum einläuft und die Zufuhr jederzeit verlangsamt oder gestoppt werden kann. Beide Verfahren lassen sich verbinden, indem über einen liegenden Zugang zusätzlich zur Infusion ein Medikament gespritzt wird. Für die Selbstanwendung sind Injektionshilfen verbreitet: Pens mit vorgefüllter Patrone, Fertigspritzen und Autoinjektoren, die die Nadel verbergen und das Mittel auf Knopfdruck abgeben. Sie erleichtern die Handhabung, ändern aber nichts an den Regeln für Hygiene, Injektionsort und Entsorgung.
Geschichte & Entwicklung
Versuche, Substanzen unter Umgehung des Verdauungswegs direkt in den Körper zu bringen, sind seit dem 17. Jahrhundert überliefert; sie scheiterten lange an fehlender Sterilität und an untauglichem Gerät. Die Voraussetzung für die Injektion im heutigen Sinn entstand Mitte des 19. Jahrhunderts, als in Frankreich und in Schottland nahezu zeitgleich Spritzen mit einer feinen Hohlnadel entwickelt wurden. Damit ließ sich ein Arzneimittel erstmals gezielt und in bestimmbarer Menge in Gewebe oder Gefäß einbringen.
In der Folge wurde der neue Weg rasch für Schmerzmittel und Betäubungsmittel genutzt, was zugleich früh die Schattenseite sichtbar machte: die Abhängigkeit von injizierten Rauschmitteln. Mit der Durchsetzung von Sterilisation und Asepsis sank das Infektionsrisiko deutlich. Im 20. Jahrhundert lösten Einmalartikel aus Kunststoff die wiederverwendeten Glasspritzen und Metallkanülen ab und beendeten die Übertragung von Erregern durch unzureichend aufbereitetes Material.
Die jüngere Entwicklung zielt auf Sicherheit und Selbstanwendung. Sicherheitskanülen mit Schutzmechanismus sollen Nadelstichverletzungen des Personals verhindern; dünnere und kürzere Nadeln haben den Einstich weniger schmerzhaft gemacht. Fertigspritzen, Pens und Autoinjektoren haben es möglich gemacht, dass zahlreiche Behandlungen, die früher an die Praxis gebunden waren, heute von den Betroffenen selbst durchgeführt werden.
Quellen
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
- Larsen, R.: Anästhesie.
ISBN: 9783437225123
- Kretz, F.-J., Schäffer, J., Terboven, T. (Hrsg.): Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie.
ISBN: 9783662725863
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443488
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
