Pleuradrainage

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Manchmal kann es zu Flüssigkeits- oder Luftansammlungen um die Lunge herum kommen, die Atmung und Herztätigkeit beeinträchtigen. In diesen Fällen ist die Gesundheit gefährdet und es muss eine Pleuradrainage gelegt werden, um die Lunge zu entlasten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Pleuradrainage?

Pleuradrainage
Drainagen sollen grundsätzlich Luft- oder Flüssigkeitsansammlungen über einen Schlauch aus dem Körper in einen Behälter, der die Flüssigkeit auffängt, ausleiten.

Drainagen sollen grundsätzlich Luft- oder Flüssigkeitsansammlungen über einen Schlauch aus dem Körper in einen Behälter, der die Flüssigkeit auffängt, ausleiten. Oft werden sie nach einer Operation gelegt, um Wundwasser auszuleiten und das Risiko einer Infektion im Wundraum gering zu halten.

Eine Pleuradrainage leitet Luft oder Flüssigkeit aus dem Brustkorb aus, um die Lunge zu entlasten und die Atmung zu erleichtern. Aufgrund verschiedener Umstände kann es zu Luft- und Flüssigkeitsansammlungen um die Lunge herum kommen, die akut die Gesundheit bedrohen. In diesen Fällen wird ein Schlauch in den Pleuraspalt zwischen Brustfell und Lungenfell eingeführt, um die Lunge zu entlasten. Die Pleuradrainage wird auch als Thoraxdrainage bezeichnet.

Verständlich wird das Verfahren über den Bau des Brustraums. Die Lunge ist von einer doppelten Haut überzogen: Das Lungenfell liegt der Lunge unmittelbar auf, das Brustfell kleidet die Innenseite der Brustwand und die Oberseite des Zwerchfells aus. Zwischen beiden Blättern liegt der Pleuraspalt, ein feiner, von etwas Gleitflüssigkeit ausgefüllter Raum. In ihm herrscht gegenüber der Außenluft ein Unterdruck, und dieser Unterdruck hält die Lunge an der Brustwand, sodass sie den Bewegungen des Brustkorbs folgt. Gerät Luft oder Flüssigkeit in diesen Spalt, geht der Unterdruck verloren; das betroffene Lungengewebe zieht sich zusammen und nimmt an der Atmung nicht mehr in vollem Umfang teil. Eine Pleuradrainage setzt genau dort an: Sie behandelt nicht die Lunge selbst, sondern den Raum um sie herum.

Von der Pleuradrainage zu unterscheiden ist die Pleurapunktion. Bei ihr wird mit einer Kanüle Flüssigkeit abgezogen, häufig um sie anschließend untersuchen zu lassen; danach wird die Kanüle wieder entfernt, ein Schlauch bleibt nicht zurück. Eine Drainage dagegen verbleibt über Stunden bis Tage im Brustkorb und leitet fortlaufend ab. Ihr Schlauch wird mit einem Auffangsystem verbunden, das verhindert, dass Luft in den Brustraum zurückströmt. Klassisch geschieht das über ein Wasserschloss: Das Schlauchende taucht in eine Flüssigkeitssäule ein, die Luft nach außen entweichen lässt, aber nicht zurück. Heutige Systeme fassen Auffangkammer, Wasserschloss und Sogregelung in einem Gerät zusammen und lassen erkennen, wie viel gefördert wird und ob noch Luft entweicht. Ob zusätzlich ein Sog angelegt wird oder die Drainage allein unter der Schwerkraft abläuft, richtet sich nach dem Befund und wird ärztlich festgelegt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine Pleura- oder Thoraxdrainage wird immer dann notwendig, wenn sich im Pleuraspalt Luft, Blut oder Eiter ansammelt und die Lunge nicht mehr ausreichend Raum zur Entfaltung hat, so dass es zu einer schweren Luftnot kommt. Wenn sich dort Flüssigkeit staut, können auch die Arterien und Venen im Brustraum zusammengedrückt werden, sodass das Herz nicht mehr ausreichend mit Blut gefüllt wird. Durch die Flüssigkeits- oder Luftansammlung entsteht Druck auf die Lunge, der lebensgefährlich sein kann, durch eine Pleuradrainage aber beseitigt werden kann.

Manche Krankheitsbilder machen eine Thoraxdrainage notwendig, z. B. Pneumothorax und Spannungspneumothorax. Durch eine Verletzung der Rippen oder durch Öffnung des Brustkorbs im Rahmen einer Operation kann Luft in den Pleuraspalt gelangen und Beschwerden wie Schmerzen, Luftnot und Herzrasen verursachen. Wenn beim Einatmen Luft in den Pleurabereich eindringt, die aber nicht normal wieder ausgeatmet werden kann, kommt es zu einer lebensbedrohlichen Situation, weil der Druck so stark ansteigen kann, dass das Herz nicht mehr in der Lage ist, seine Tätigkeit in vollem Umfang auszuüben. Beim Hämothorax kann es aufgrund von Verletzungen der Blutgefäße zu Blutansammlungen im Pleuraspalt kommen. Wenn diese Situation längere Zeit anhält, kommt es nicht nur zu Schmerzen und Luftnot, sondern auch zu einem Blutverlust.

In dieser lebensbedrohlichen Situation kann eine Pleuradrainage eine lebensrettende Maßnahme sein. In besonders schweren Fällen ist über das Legen der Drainage hinaus oft eine Operation erforderlich. Bei einem Pleuraempyem kommt es zu einer Eiteransammlung im Pleuraspalt, in den meisten Fällen infolge von Infektionen im Bereich des Brustkorbs durch Lungenentzündungen oder Operationen. In diesem Fall ist neben der Ausleitung des Eiters eine Spülung des Brustkorbs mit einer Kochsalzlösung erforderlich.

Neben diesen akuten Notlagen gibt es Situationen, in denen sich Flüssigkeit über längere Zeit ansammelt. Bei einem Pleuraerguss sammelt sich meist klare Flüssigkeit im Pleuraspalt. Die Ursachen liegen häufig außerhalb der Lunge: eine Herzinsuffizienz, eine schwere Erkrankung der Leber oder der Nieren, aber auch eine Lungenentzündung, eine Tuberkulose oder ein Tumor im Brustraum kommen infrage. Große oder rasch nachlaufende Ergüsse führen zu Kurzatmigkeit, einem Druckgefühl im Brustkorb und einer verminderten Belastbarkeit. Auch hier kann eine Drainage Erleichterung verschaffen, und die gewonnene Flüssigkeit lässt sich im Labor untersuchen, was oft Aufschluss über die Ursache gibt. Läuft ein tumorbedingter Erguss trotz Behandlung des Grundleidens immer wieder nach, kann im Anschluss eine gezielte Verklebung der beiden Pleurablätter erwogen werden, damit sich der Spalt nicht erneut füllt. Seltener ist der Chylothorax, bei dem Lymphflüssigkeit aus dem Milchbrustgang in den Pleuraspalt gelangt und die abgeleitete Flüssigkeit milchig erscheinen lässt.

Ein erheblicher Teil aller Thoraxdrainagen wird zudem nicht im Notfall, sondern planmäßig gelegt. Nach Eingriffen am Brustkorb — etwa nach der Entfernung eines Lungenlappens, nach Operationen an der Speiseröhre oder am Herzen — gehört eine Drainage zur regelhaften Nachbehandlung, weil in den ersten Tagen Wundflüssigkeit anfällt und aus dem Operationsgebiet Luft austreten kann. In diesen Fällen ist die Drainage keine Rettungsmaßnahme, sondern ein geplanter Bestandteil des Eingriffs, und ihre Liegedauer ist von vornherein absehbar.

Es gibt verschiedene Verfahren bei einer Thoraxdrainage.

Die gängigsten sind die Monaldi-Drainage, die vorwiegend bei Luftansammlungen angewendet wird, und die Bülau-Drainage, die bei Flüssigkeitsansammlungen genutzt wird. Die Drainagesysteme können sich u. a. in der Anzahl der Auffangbehälter unterscheiden. Eine Pleuradrainage muss steril gelegt werden. Nach der Desinfektion der Haut werden die Rippen abgetastet und die Einstichstelle markiert — bei der Bülau-Drainage seitlich an der Brustwand, bei der Monaldi-Drainage vorn unterhalb des Schlüsselbeins. Dort wird ein kleiner Hautschnitt angesetzt, über den die Drainage eingeführt wird.

Vor dem Eingriff wird der Befund nach Möglichkeit bildgebend gesichert. Im lebensbedrohlichen Notfall muss der klinische Befund genügen; ansonsten kommen Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, Ultraschall oder eine Computertomographie zum Einsatz, die zugleich zeigen, wo die Ansammlung genau liegt und wie ausgedehnt sie ist. Der Patient wird üblicherweise mit erhöhtem Oberkörper gelagert, den Arm der betroffenen Seite über den Kopf geführt, damit die seitliche Brustwand frei zugänglich ist. Für den seitlichen Zugang ist ein umschriebener Bezirk der Brustwand vorgesehen, der vorn vom Rand des großen Brustmuskels, hinten vom Rand des breiten Rückenmuskels und unten von der Höhe der Brustwarze begrenzt wird; weiter unten anzusetzen, birgt die Gefahr, unter das Zwerchfell und damit in Leber oder Milz zu geraten. Die Einstichstelle wird örtlich betäubt, wobei auch das besonders schmerzempfindliche Rippenfell erreicht werden muss. Der Zugang erfolgt am Oberrand der jeweils unteren Rippe, denn am Unterrand jeder Rippe verlaufen Gefäße und ein Nerv. In die Tiefe wird stumpf vorgegangen, also ohne schneidendes Werkzeug; der Arzt tastet vor dem Einführen mit dem Finger, ob der Pleuraspalt frei ist und keine Verwachsungen oder Organe im Weg liegen. Anschließend wird der Schlauch eingebracht, mit einer Naht an der Haut befestigt und an das Auffangsystem angeschlossen.

Ob die Drainage richtig liegt und ob sich die Lunge wieder entfaltet, wird danach überprüft — je nach Situation mit einer Röntgenaufnahme oder mit Ultraschall. In den folgenden Tagen wird festgehalten, wie viel gefördert wird, wie das Sekret aussieht und ob noch Luft entweicht. Ein anhaltendes Luftleck deutet darauf hin, dass die Öffnung in der Lunge noch nicht verschlossen ist. Fördert die Drainage nur noch wenig, ist kein Luftleck mehr nachweisbar und hat sich die Lunge entfaltet, wird der Schlauch gezogen. Das geschieht in einem abgesprochenen Atemmanöver, bei dem der Patient die Luft anhält oder leicht presst, damit in dem Augenblick, in dem der Schlauch die Brustwand verlässt, keine Luft nachströmen kann. Die Öffnung wird sofort luftdicht verschlossen, und danach wird noch einmal kontrolliert, ob die Lunge entfaltet bleibt.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Eine Pleura- oder Thoraxdrainage ist eine der wichtigsten lebensrettenden Maßnahmen, aber sie ist nicht ohne Risiken. Auch wenn schwerwiegende Komplikationen selten auftreten, kann es vorkommen, dass die Lunge bei dem Eingriff verletzt wird und es als Komplikation zu einem Pneumothorax kommt. Um den Schlauch richtig positionieren zu können, ist es notwendig, den Pleuraraum und die Rippenmuskulatur an der richtigen Stelle der seitlichen Brustwand zu öffnen.

Am unteren Ende jeder Rippe verlaufen eine Arterie und ein Nerv, die durch diesen Eingriff verletzt werden können, besonders wenn er aufgrund eines lebensbedrohenden Zustands unter Zeitdruck erfolgen muss. Eine solche Verletzung kann Blutungen nach sich ziehen und in schwierigeren Fällen auch Missempfindungen wie Taubheit, wenn dabei ein Nerv verletzt wurde. Es kann auch das Risiko nicht ausgeschlossen werden, durch das Legen der Drainage Körpergewebe im angrenzenden Bereich zu verletzen. Kommt es zu Verletzungen an Herz, Luftröhre oder Hauptschlagader, kann es zu lebensbedrohenden Komplikationen kommen. Wenn eine Pleuradrainage nicht ausreicht oder nicht komplikationsfrei möglich ist, wählen Ärzte in den meisten Fällen eine Notoperation.

Auch die Wunde selbst, die durch das Legen der Drainage entsteht, ist ein Risiko, weil sich dort Krankheitserreger sammeln und eine Infektion auslösen können. Bei Rötungen, Schwellungen an der Einstichstelle, Luftnot oder Herzrasen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, ebenso, wenn größere Mengen Flüssigkeit abgesondert werden, weil das ein Hinweis auf weitere Blutungen sein kann. Wenn eine lebensbedrohliche Situation vorliegt, überwiegen jedoch die Vorteile gegenüber den Nachteilen. Bei liegender Thoraxdrainage muss der Patient darauf achten, keinen Zug auf den Schlauch auszuüben, damit er nicht vor dem Entfernen herausrutscht.

Beim Ziehen des Schlauches können Schmerzen auftreten, die aber durch das Verabreichen eines Lokalanästhetikums gelindert werden können. Eine wichtige Rolle zur Vermeidung von unnötigen Risiken spielen die hygienischen Voraussetzungen. Um das Infektionsrisiko gering zu halten, muss der Eingriff unter sterilen Bedingungen erfolgen.

Neben Verletzungen benachbarter Organe gehört die Fehllage des Schlauchs zu den häufigeren Problemen. Er kann zu weit oder zu wenig weit vorgeschoben sein, in eine Nische geraten oder bei Verwachsungen einen falschen Weg nehmen. Deshalb ist die Lagekontrolle nach dem Legen fester Bestandteil des Vorgehens. Ein liegender Schlauch kann sich außerdem verlegen, etwa durch geronnenes Blut oder zähen Eiter; er fördert dann nichts mehr, obwohl sich weiterhin Flüssigkeit ansammelt. Hört die Förderung plötzlich auf, ist das also kein verlässliches Zeichen dafür, dass die Behandlung abgeschlossen wäre — es kann ebenso auf eine Verstopfung oder ein Abknicken hinweisen.

Eine eigene Gefahr geht davon aus, eine große Ansammlung zu schnell zu entlasten. In dem wieder entfalteten Lungenabschnitt kann sich dann Wasser einlagern. Diese als Reexpansionsödem bezeichnete Reaktion ist selten, kann aber schwer verlaufen. Bei ausgedehnten Ergüssen wird deshalb nicht alles auf einmal abgelassen, sondern schrittweise, und der Patient wird dabei beobachtet. Klagt er währenddessen über Husten, ein Engegefühl oder zunehmende Atemnot, wird der Vorgang unterbrochen.

Der liegende Schlauch verursacht Schmerzen, vor allem beim Atmen, beim Husten und beim Bewegen. Werden diese Schmerzen nicht ausreichend behandelt, atmen Betroffene flach und schonen die betroffene Seite. Das begünstigt Belüftungsstörungen und Infekte der Atemwege und kann den Verlauf verlängern. Eine wirksame Schmerzbehandlung und eine begleitende Atemtherapie sind daher kein Zusatzangebot, sondern Teil der Versorgung; auch Physiotherapie kann eingebunden werden, um Atmung und Beweglichkeit zu erhalten.

Gründe, die gegen eine Pleuradrainage sprechen, gibt es im lebensbedrohlichen Notfall kaum, weil die Alternative das Fortbestehen eines akut bedrohlichen Zustands wäre. Bei planbaren Eingriffen wird dagegen abgewogen: Eine ausgeprägte Störung der Blutgerinnung, gerinnungshemmende Medikamente oder ausgedehnte Verwachsungen im Brustraum erhöhen das Risiko und werden, soweit die Zeit es zulässt, vorher berücksichtigt und nach Möglichkeit ausgeglichen. Auch eine Infektion der Haut an der vorgesehenen Einstichstelle spricht gegen diesen Zugangsweg und macht eine andere Stelle erforderlich.

Für die Zeit, in der die Drainage liegt, gelten einige praktische Regeln. Das Auffangsystem wird unterhalb der Höhe des Brustkorbs geführt, damit nichts zurücklaufen kann, und es wird nicht eigenmächtig abgeklemmt. Die Schlauchverbindungen werden gesichert, weil sich beim versehentlichen Lösen Luft in den Brustraum ansaugen kann. Der Verband an der Einstichstelle wird regelmäßig gewechselt und die Stelle dabei angesehen. Aufstehen und Gehen sind mit liegender Drainage in der Regel möglich und meist auch erwünscht, solange das System mitgeführt wird und kein Zug auf den Schlauch entsteht.

Nach dem Ziehen des Schlauchs bleibt eine kurze Beobachtungszeit sinnvoll, weil sich in seltenen Fällen erneut Luft im Pleuraspalt sammelt. Treten in den Tagen danach zunehmende Luftnot, Fieber, starke Schmerzen oder eine Rötung der Wunde auf, sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden. Zurück bleibt in der Regel eine kleine Narbe an der Brustwand.

Quellen

  • Hoffmann, H., Ludwig, C., Passlick, B. (Hrsg.): Thoraxchirurgie.
    ISBN: 9783662591451
  • Braun, J., Preuss, R. (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin.
    ISBN: 9783437237676
  • Bösch, D.: Pneumologie.
    ISBN: 9783662714430
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin.
    ISBN: 9783662703977
  • Marx, G., Muhl, E., Zacharowski, K., Zeuzem, S. (Hrsg.): Die Intensivmedizin.
    ISBN: 9783662686997

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