Portkatheter

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Behandlungen Portkatheter

Als Portkatheter (oder Port) bezeichnet man einen dauerhaften Zugang zum arteriellen bzw. venösen Blutkreislauf oder seltener auch zur Bauchhöhle.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Portkatheter?

Portkatheter
Als Portkatheter (oder Port) bezeichnet man einen dauerhaften Zugang zum arteriellen bzw. venösen Blutkreislauf oder seltener auch zur Bauchhöhle.

Unter einem Portkatheter versteht man ein Kathetersystem, das ins Unterhautfettgewebe implantiert wird. Der Port kann von außen punktiert werden und stellt einen dauerhaften Zugang zum Gefäßsystem dar. Auf diese Weise können Infusionen (zum Beispiel Bluttransfusionen, parenterale Ernährung, Chemotherapeutika) schonend und ohne die Venen zu strapazieren verabreicht werden. Außerdem ist es möglich, mit Hilfe eines Ports Medikamente intravenös zuzuführen.

Der Anlass für einen Port ergibt sich fast immer aus Dauer und Art der Behandlung. Eine gewöhnliche Verweilkanüle in einer Armvene ist für wenige Tage gedacht; danach reizt sie die Gefäßwand, und es muss eine neue Vene gesucht werden. Zieht sich eine Behandlung über Monate hin und erfordert sie viele Punktionen, sind die gut zugänglichen Venen der Arme bald aufgebraucht. Hinzu kommt, dass manche Mittel die Gefäßinnenwand angreifen oder bei einem Austritt in das umliegende Gewebe schwere Schäden anrichten. Solche Substanzen sollen dort ankommen, wo ein kräftiger Blutstrom sie sofort verdünnt. Beides zusammen, der auf Dauer angelegte Zugang und die Einleitung in ein großes Gefäß, ist die Aufgabe des Ports.

Beim venösen Port endet der Katheter deshalb nicht an beliebiger Stelle, sondern am Übergang der oberen Hohlvene in den rechten Vorhof des Herzens. Dort ist der Blutstrom am stärksten. Die Lage der Katheterspitze wird während des Eingriffs überprüft und anschließend mit einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs festgehalten. Endet der Katheter zu weit oben, steigt die Neigung zu Ablagerungen und Thrombosen; reicht er zu weit in das Herz hinein, kann er Rhythmusstörungen auslösen.

Von anderen Zugangswegen unterscheidet sich der Port vor allem dadurch, dass er vollständig unter der Haut liegt. Ein Zentraler Venenkatheter wird während einer Behandlung im Krankenhaus über Tage bis Wochen genutzt und ragt aus der Haut heraus. Auch getunnelte Katheter und über eine Armvene eingeführte zentrale Katheter behalten ein äußeres Ende, das versorgt werden muss und Keimen einen Weg offenhält. Beim Port fehlt dieses äußere Ende. Zwischen zwei Behandlungen ist nichts zu sehen außer einer kleinen Erhebung, ein Verbandwechsel entfällt, und Duschen und Baden sind ohne besondere Vorkehrungen möglich, sobald die Wunde verheilt ist. Dafür ist für jede Anwendung eine Punktion durch die Haut erforderlich.

Die Bauform richtet sich nach dem Einsatzzweck. Neben den üblichen Kammern gibt es besonders flache Modelle für schlanke Patienten, kleinere Ausführungen für Kinder und Systeme, die am Oberarm statt an der Brustwand angelegt werden. Manche Portkammern sind darauf ausgelegt, Kontrastmittel unter hohem Druck aufzunehmen, und lassen sich deshalb auch für eine Computertomographie nutzen. Welches Modell eingesetzt wurde, aus welchem Werkstoff es besteht und ob eine Magnetresonanztomographie damit möglich ist, wird im Portpass vermerkt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Ein Portkatheter umfasst eine Kammer mit Silikonmembran sowie einen Schlauch, der angeschlossen werden kann. Die Kammer besteht entweder aus Edelstahl, Kunststoff, Keramik oder Titan. Ein Portkatheter wird mit Hilfe eines operativen Eingriffs eingesetzt, anschließend wird eine Kanüle durch die Membran eingestochen, um einen Zugang zum Blutkreislauf herzustellen.

Über die Öffnung in der Kanüle kann dem Blutstrom nun ein Medikament oder eine Infusion zugeführt werden. Einen Portkatheter setzt man hauptsächlich zur Therapie von onkologischen Erkrankungen ein, außerdem verwendet man ihn bei Krankheiten, die einen häufigen arteriellen oder venösen Zugang erfordern. Manchmal können Medikamente auf Grund bestimmter anatomischer Gegebenheiten nicht verabreicht werden, sodass die Verwendung eines Portkatheters erforderlich scheint. Über einen Port kann aber auch Blut entnommen bzw. Blut sowie Blutprodukte verabreicht werden. Da der Portkatheter unter der Haut eingesetzt wird, können die Patienten ihre Bewegungsfreiheit beibehalten und ihren gewohnten Betätigungen nachgehen.

Im Normalfall hält ein Port bis zu fünf Jahre oder länger. Allerdings sollte eine Verwendung des Katheters von mehr als fünf Jahren mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Ist die Therapie beendet, bleibt der Port normalerweise noch für zwei Jahre liegen, muss aber alle zwölf Wochen gespült werden. Danach wird er entfernt, wobei der Eingriff ähnlich wie bei der Implantation verläuft. Eine häufig angewandte Technik ist ein Zugang über die Vena cephalica. Unter örtlicher Betäubung legt der Chirurg einen Schnitt an der Vorderseite der Brustwand an. Von dort aus öffnet er die Vena cephalica und führt den Katheter ein. Im Unterhautfettgewebe wird dann die Portkammer platziert. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Vena subclavia bzw. die Vena jugularis interna zu punktieren und den Katheter einzuführen. Diese Punktion erfolgt heute in der Regel unter Ultraschallkontrolle.

In der Nähe der Punktionsstelle kann anschließend die Portkammer platziert werden. Dann zieht der Arzt den Katheter bis zur Hauttasche durch, wobei diese Tunnelung eine Infektionsbarriere darstellt. Bei allen Techniken wird der Katheter radiologisch kontrolliert, auf die gewünschte Länge gekürzt und im Anschluss daran erfolgt die Verbindung mit der Portkammer. Die Portkammer wird dann angenäht und der Schnitt geschlossen. Nun können Infusionslösungen oder Medikamente wiederholt zugeführt werden. Nach der Implantation ist der Port als kleine Erhebung sichtbar und kann mit den Fingern ertastet werden.

Die Umgebung kann noch für ein paar Tage empfindlich sein. Verheilt die Operationswunde, so verschwindet aber auch die Reizung. Vor der Entfernung der Fäden sollte die Wunde nicht mit Wasser in Kontakt kommen. Treten starke Schmerzen, Fieber oder Blutungen auf, ist es notwendig, einen Arzt zu kontaktieren. Damit Infusionen verabreicht werden können, wird die Portkammer mit einer Portkanüle punktiert. Diese Punktion erfordert eine sehr sorgfältige und konzentrierte Arbeit, da es sonst zu Komplikationen kommen kann. Die wichtigsten Schritte dafür sind:

  • Bereitstellen der benötigten Materialien
  • Desinfektion der Hände
  • flache Lagerung der Patienten
  • Ertasten und Desinfizieren der Punktionsstelle
  • Verwendung von sterilen Einmalhandschuhen
  • Anlegen eines Lochtuchs
  • Verwendung einer sterilen Portkanüle und sterilen Zubehörs
  • Entlüftung der Portkanüle
  • Fixierung des Portgehäuses
  • Einstechen der Nadel in die Membran
  • Durchlässigkeit überprüfen
  • steriler Verband

Zum Punktieren des Ports werden nur spezielle Kanülen (zum Beispiel Huber-Nadeln, Gripper-Nadeln) verwendet, sodass sich die Membran wieder verschließen kann und die verabreichten Medikamente nicht austreten. Mit einem Port können die Patienten auch Sport betreiben und schwimmen. Voraussetzung dafür ist, dass die Operationswunde verheilt ist und keine Portnadel liegt. Neben dem venösen Port können auch andere Portsysteme zum Einsatz kommen. Dazu gehören:

  • Arterielle Portsysteme: Diese werden zur regionalen Chemotherapie verwendet, wobei die Technik den venösen Systemen entspricht.
  • Intrathekale Portsysteme: Damit werden Schmerzmittel zugeführt.
  • Peritoneale Portsysteme: Darunter versteht man einen Zugang zur Bauchhöhle, um Chemotherapeutika verabreichen zu können.

Nach dem Einsetzen erhalten die Patienten normalerweise auch einen Portpass mit wichtigen Informationen für Pflegedienste bzw. nachbehandelnde Ärzte. Darüber hinaus werden in einem Patiententagebuch alle Behandlungen vermerkt.

Der Eingriff selbst wird meist ambulant und unter Lokalanästhesie vorgenommen; eine Narkose bleibt Kindern und besonderen Umständen vorbehalten. Vorher werden die Gerinnungswerte bestimmt, und gerinnungshemmende Mittel werden nach ärztlicher Anweisung angepasst. Der Ultraschall hat den Ablauf verändert: Wird ein Gefäß punktiert, geschieht das heute üblicherweise unter Sicht, wodurch sich Fehlpunktionen der begleitenden Schlagader und Verletzungen des Rippenfells verringern lassen.

Nach der Anlage wird der Port erstmals angestochen und auf Durchgängigkeit geprüft. Dass sich Blut zurückziehen lässt und eine Spüllösung ohne Widerstand einläuft, gilt als Voraussetzung dafür, mit einer Infusion zu beginnen. Lässt sich zwar Flüssigkeit einbringen, aber kein Blut aspirieren, spricht das für eine teilweise Verlegung, etwa durch eine Fibrinhülle, die sich um die Katheterspitze gelegt hat. Die Ursache wird dann geklärt, bevor der Port weiter genutzt wird.

Zwischen zwei Behandlungen liegt der Port ungenutzt unter der Haut. Damit er durchgängig bleibt, wird er in festgelegten Abständen gespült; die Termine dafür bestimmt die behandelnde Einrichtung und hält sie im Portpass fest. Ist für eine über mehrere Tage laufende Infusion eine Nadel eingelegt, wird sie mit einem durchsichtigen Verband gesichert, sodass die Einstichstelle beobachtet werden kann. Die Nadeln haben eine besonders geschliffene Spitze, die die Silikonmembran nicht ausstanzt, sondern zur Seite schiebt. Eine gewöhnliche Kanüle würde kleine Stücke aus der Membran herauslösen, bis diese undicht wäre; darin liegt der Grund dafür, ausschließlich dafür vorgesehene Portnadeln zu verwenden.

Der Kreis derer, die von einem Port profitieren, reicht über die Krebsmedizin hinaus. Genutzt wird er unter anderem für eine über längere Zeit erforderliche künstliche Ernährung über die Vene, für wiederholte Gaben von Blutprodukten und für Behandlungen, die regelmäßig über Jahre fortgeführt werden müssen. Gemeinsam ist diesen Anwendungen, dass ein verlässlicher Zugang gebraucht wird und die peripheren Venen den Anforderungen nicht dauerhaft gewachsen sind.

Für viele Patienten liegt der spürbarste Gewinn darin, dass die wiederholte Suche nach einer brauchbaren Vene entfällt. Das Anstechen des Ports wird meist als kurzer, dumpfer Druck beschrieben; wer es als unangenehm empfindet, kann die Stelle vorher örtlich betäuben lassen. Sitzt die Nadel, ist die Anlage im Alltag unauffällig, und zwischen zwei Behandlungen erinnert wenig an sie. Einschränkungen betreffen vor allem die ersten Tage nach der Anlage sowie Tätigkeiten, die mit starkem Zug oder Druck auf die Schulter einhergehen; Rucksackgurte und Sicherheitsgurte, die genau über der Kammer verlaufen, werden deshalb häufig als störend empfunden.

Die Entfernung ist ein kleinerer Eingriff als die Anlage: Über die alte Narbe wird die Kammer freigelegt, der Katheter aus dem Gefäß gezogen und die Tasche verschlossen. Ob ein Port nach abgeschlossener Behandlung zunächst liegen bleibt oder gleich entfernt wird, wird im Einzelfall abgewogen. Für das Belassen spricht, dass er bei einem Rückfall sofort wieder zur Verfügung steht; dagegen sprechen der Aufwand der wiederkehrenden Spülungen und das fortbestehende Risiko einer Infektion oder Thrombose.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Möglicherweise auftretende Komplikationen können eine Thrombose, ein Hämatothorax, ein Pneumothorax, Einblutungen oder Infektionen sein. Die häufigste Komplikation ist eine systemische Infektion auf Grund von Keimen bzw. eine Infektion des Ports. In vielen Fällen muss der Port dann explantiert werden. Außerdem kann es zu einem Bruch des Katheters kommen, der in der Fachliteratur als so genannter "Pinch-off" bezeichnet wird.

Erfolgt in diesem Zusammenhang eine Abtrennung des Katheters, so besteht die Möglichkeit, dass das Katheterfragment weiterwandert. Katheter können auch auf Grund von Ablagerungen an der Innenwand bzw. in der Portkammer verstopfen. Eine Ursache dafür sind Infusionen mit Ernährungslösungen. Portkatheter stellen daher sehr hohe Anforderungen an sorgfältiges Arbeiten bzw. an die Hygiene. Ein Port sollte nur von geschultem Personal angestochen werden.

Die Komplikationen lassen sich danach ordnen, wann sie auftreten. Unmittelbar mit dem Eingriff verbunden sind die Verletzung des Rippenfells mit nachfolgendem Pneumothorax, die versehentliche Punktion der begleitenden Schlagader, ein Bluterguss in der Wundtasche und Rhythmusstörungen beim Vorschieben des Katheters, die im Regelfall aufhören, sobald der Führungsdraht zurückgezogen wird. Auch eine Fehllage kommt vor: Der Katheter kann in ein Seitengefäß abgleiten oder nach oben in die Halsvene umschlagen. Deshalb wird seine Lage noch während des Eingriffs überprüft und nicht erst, wenn die erste Infusion ansteht.

Später treten andere Schwierigkeiten in den Vordergrund. An der Katheterspitze und an der Gefäßwand können sich Ablagerungen bilden, die den Katheter verlegen oder eine Thrombose der Vene nach sich ziehen. Ein geschwollener, schwer wirkender Arm auf der Seite des Ports, hervortretende Venen an Schulter und Brustwand oder ein einseitig geschwollener Hals gelten als Anzeichen, die abgeklärt werden.

Die schwerwiegendste Spätkomplikation ist die Infektion. Sie kann von der Einstichstelle ausgehen, von der Portkammer selbst oder von Keimen, die über die Infusionsleitung eingebracht wurden. Kennzeichnend sind Rötung, Schwellung und Druckschmerz über der Kammer sowie Fieber, das häufig gerade dann auftritt, wenn über den Port gespült oder infundiert wird. Ob sich eine solche Infektion mit Antibiotika beherrschen lässt oder ob der Port entfernt werden muss, hängt vom Erreger und vom Zustand des Patienten ab; bei geschwächtem Immunsystem wird eher zur Entfernung geraten.

Der als Pinch-off bezeichnete Katheterbruch erklärt sich aus dem Verlauf des Schlauchs. Führt dieser durch den engen Raum zwischen Schlüsselbein und erster Rippe, wird er dort bei jeder Schulterbewegung zusammengedrückt. Über die Zeit kann das Material an dieser Stelle ermüden, einreißen und schließlich ganz durchreißen. Vorboten sind ein Widerstand beim Spülen, der sich mit der Armhaltung ändert, oder eine Undichtigkeit. Die Einengung ist auf einer Röntgenaufnahme zu erkennen, bevor der Katheter bricht. Um die Belastung zu verringern, wird der Zugangsweg entsprechend gewählt oder die Punktionsstelle weiter außen gelegt.

Eine eigene Gefahr geht davon aus, dass die Nadel nicht sicher in der Kammer sitzt oder während der Infusion herausrutscht. Die Lösung läuft dann in das Unterhautgewebe statt in die Vene. Bei gewebeschädigenden Mitteln kann daraus ein ausgedehnter Schaden entstehen, der eine eigene Behandlung erfordert. Brennen, Schwellung oder Schmerz während einer laufenden Infusion sind deshalb ein Grund, sie sofort zu unterbrechen und die Lage der Nadel zu überprüfen.

Schließlich kann die Haut über der Kammer leiden. Ist die Weichteildecke sehr dünn, war das Gebiet bestrahlt oder hat der Patient stark an Gewicht verloren, kann sich die Haut entzünden und im ungünstigen Fall so weit zurückbilden, dass die Kammer freiliegt; dann bleibt nur die Entfernung. Wiederholte Punktionen genau an derselben Stelle begünstigen das, weshalb die Einstichstellen über die Membran verteilt werden. Damit im Notfall bekannt ist, dass ein Port vorhanden ist und um welches Modell es sich handelt, sollte der Portpass mitgeführt werden. Er ist auch dann von Bedeutung, wenn eine Bildgebung ansteht oder wenn Personal ohne Kenntnis der Vorgeschichte einen Zugang legen soll.

Quellen

  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Engelhardt, M., Reinhardt, H., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch.
    ISBN: 9783662736135
  • Serve, H., Zurmeyer, D. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Onkologie und Hämatologie.
    ISBN: 9783437054983
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Braun, J., Preuss, R. (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin.
    ISBN: 9783437237676

Das könnte Sie auch interessieren