Pudendus-Neuralgie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Pudendus-Neuralgie ist eine seltene Krankheit, die starke, teils blitzartig einschießende, Schmerzen in Genitalbereich und Dammregion verursacht. Der Erkrankung geht eine mechanische oder entzündliche Schädigung des Nervus pudendus voraus. Therapieziel ist die Regeneration des Nervs, um die Symptome zu lindern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pudendus-Neuralgie?

Nervus pudendus
Typisch für eine Pudendus-Neuralgie sind blitzartig auftretende heftige Schmerzen im Genitalbereich, die von den Betroffenen als stechend, brennend oder drückend beschrieben werden.
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Die Bezeichnung Pudendus-Neuralgie bildet sich aus den Wortstämmen Pudendus und Neuralgie. Neuralgie ist die Bezeichnung für anfallsartig einschießende Nervenschmerzen, Pudendus bezieht sich auf den Nervus pudendus.

Dieser entspringt im unteren Rückenmark. Er hat drei Äste, die den Anus, den äußeren Afterschließmuskel, den Damm, die Muskeln der Peniswurzeln, den Harnröhrenmuskel, die Eichel und die Schamlippen mit Klitoris innervieren. Auch die Steuerung des Beckenbodenmuskels ist Aufgabe des Nervus pudendus.

Patienten beschreiben den Schmerz, der bis in den Unterbauch, das Gesäß oder die Innenseiten der Oberschenkel ausstrahlen kann, als nadelstichartig, stechend, ziehend oder brennend. Die Haut in diesen Regionen ist sehr schmerz- und berührungsempfindlich. Abzugrenzen ist die Pudendus-Neuralgie von der Pudendusneuropathie, bei der dauerhafte Beschwerden auftreten.

Ursachen

Die häufigste Ursache der Pudendus-Neuralgie ist die mechanische Schädigung und damit Einengung des Nervus pudendus. Deren Ursachen sind langwierige Operationen im Bereich des unteren Beckens, langer Druck auf den Nerv, wie er beim Fahrradfahren entstehen kann, und Verletzungen. Bei einigen Patienten konnte eine Verengung des Bindegewebskanals an der Wirbelsäule nachgewiesen werden.

Seltener wird die Pudendus-Neuralgie durch Entzündungen des Nervs verursacht. Sie entstehen vor allem durch Herpes-Zoster-Viren. Daneben kann der Nerv bei einer diabetischen Nervenschädigung auch ohne Entzündung geschädigt werden; Tumoren in der Beckenregion schädigen ihn dagegen durch Druck. Die diabetische Polyneuropathie ist die häufigste nicht mechanische Ursache und die Folge eines schlecht eingestellten Diabetes mellitus oder von Schädigungen der kleinen Blutgefäße. Diabetiker stellen also eine besondere Risikogruppe für Neuralgien dar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Typisch für eine Pudendus-Neuralgie sind blitzartig auftretende heftige Schmerzen im Genitalbereich, die von den Betroffenen als stechend, brennend oder drückend beschrieben werden. Bei Frauen ziehen sie sich meist von der äußeren Vagina bis zum After; Männer empfinden die Schmerzen überwiegend im Dammbereich, auch der Penis kann betroffen sein.

Die Beschwerden treten meist einseitig auf, können aber die Seiten wechseln – nur gelegentlich besteht die Schmerzsymptomatik zugleich auf beiden Seiten. Die als sehr quälend wahrgenommenen Schmerzen gehen in manchen Fällen mit Empfindungsstörungen oder Muskellähmungen einher, die Stuhlgang und Wasserlassen massiv beeinträchtigen können. In schweren Fällen kann die Pudendus-Neuralgie eine Harn- und Stuhlinkontinenz verursachen.

Oftmals treten die Schmerzen auch während des Geschlechtsverkehrs auf und halten danach noch eine Weile an, bei Männern treten gelegentlich Erektionsstörungen auf. In der Regel verstärken sich die Beschwerden beim Sitzen, das oftmals nur mithilfe eines Sitzrings möglich ist.

Sportliche Aktivitäten führen zu einer Verschlimmerung der Schmerzsymptomatik, das Sitzen auf der Toilette führt dagegen zu einer Entlastung des Patienten. Im Stehen und im Liegen lassen die Beschwerden ebenfalls nach, ein ungestörter Schlaf ist im Allgemeinen möglich. Häufig nimmt die Erkrankung einen chronischen Verlauf, da die Pudendus-Neuralgie kaum auf die üblichen Schmerzmittel anspricht.

Diagnose & Verlauf

Bei der Diagnose der Pudendus-Neuralgie muss der Arzt zunächst andere Erkrankungen, die Schmerzen im betroffenen Bereich verursachen könnten, ausschließen. Dazu gehören insbesondere Hautentzündungen. Auch ein Diabetes mellitus muss anhand einer Blutuntersuchung ausgeschlossen werden. Abzugrenzen sind außerdem eine Prostataentzündung, die bei Männern ebenfalls Schmerzen im Damm verursacht, sowie ein Bandscheibenschaden der Lendenwirbelsäule. Für die Pudendus-Neuralgie spricht dabei, dass der Schmerz im Sitzen zunimmt und im Stehen sowie auf der Toilettenbrille nachlässt.

Mittels bildgebender Verfahren wird auf einen Tumor untersucht. Standard ist zudem die Frage nach psychologischen Ursachen der Schmerzen im Genitalbereich. Konnten diese Faktoren ausgeschlossen werden, so wird die weitere Diagnostik durch einen Neurologen durchgeführt. Dieser erhält zumeist aufgrund Anamnese und klinischer Untersuchung ausreichende Anhaltspunkte zur Diagnose, die er mittels technischer Untersuchungsmethoden unterstützen kann.

Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit des Nervus pudendus oder die Messung der elektrischen Aktivität im äußeren Afterschließmuskel sind jedoch selten zielführend.

Eine weitere Diagnosemethode ist die Einspritzung eines örtlichen Betäubungsmittels in den Nervenkanal während einer Computertomographie. Lassen die Schmerzen anschließend deutlich nach, so spricht das für eine Pudendus-Neuralgie.

Komplikationen

Aufgrund der Pudendus-Neuralgie leiden die Betroffenen in der Regel an sehr starken Schmerzen. Diese Schmerzen treten vor allem im Bereich des Afters, des Damms oder der Genitalien auf und sind für die meisten Betroffenen dabei sehr unangenehm. Sollten diese Schmerzen über einen längeren Zeitraum anhalten, so kann es zu psychischen Beschwerden oder auch zu Depressionen kommen.

Die meisten Patienten wirken dabei auch nicht selten gereizt oder leicht aggressiv. Mitunter äußern sich die Schmerzen als brennend oder stechend. Dadurch kann es in einigen Fällen auch zu Bewegungseinschränkungen und zu Entzündungen auf der Haut kommen. Auch gewisse Tätigkeiten im Alltag sind für den Patienten nicht mehr ohne Weiteres möglich oder immer mit starken Schmerzen verbunden.

Sollte es nicht zu einer Behandlung kommen, kann der Nerv durch die Pudendus-Neuralgie irreversibel geschädigt werden. Die Behandlung der Pudendus-Neuralgie erfolgt mit Hilfe von Medikamenten. Diese können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfung oder eine Gewichtszunahme hervorrufen; die Dosis wird deshalb langsam gesteigert und ärztlich überwacht. Allerdings ist auch eine Regenerierung des Nervs notwendig, damit die Schmerzen nicht erneut auftreten. Die Pudendus-Neuralgie führt in der Regel nicht zu einer Verringerung der Lebenserwartung des Patienten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Pudendus-Neuralgie sollte immer durch einen Arzt untersucht und behandelt werden. In den meisten Fällen kommt es nicht zu einer Selbstheilung und die Pudendus-Neuralgie kann auch nicht durch Maßnahmen der Selbsthilfe behandelt werden. Eine ärztliche Behandlung ist daher unerlässlich. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene unter blitzartigen und sehr starken, stechenden Schmerzen leidet. Diese Schmerzen können in verschiedenen Situationen und auch an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten. Allerdings treten diese Schmerzen meistens im Genital- und Dammbereich sowie am After auf. Die Pudendus-Neuralgie kann auch zu Beschwerden beim Wasserlassen führen, die Patienten zeigen mitunter auch Lähmungen an den Muskeln oder sogar Erektionsstörungen. Auch bei diesen Beschwerden muss ein Arzt aufgesucht werden.

Die erste Diagnose der Pudendus-Neuralgie kann durch einen Allgemeinarzt oder durch einen Urologen gestellt werden. Die weitere Behandlung wird jedoch von einem Facharzt durchgeführt.

Treten dagegen plötzlich eine Taubheit im Reithosenbereich, also an Damm, Gesäß und Innenseiten der Oberschenkel, ein neu einsetzender Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm oder Lähmungen der Beine auf, kann statt einer Pudendus-Neuralgie ein Cauda-equina-Syndrom vorliegen. Das ist ein Notfall: Dann ist sofort der Notruf 112 zu wählen, weil die Nerven binnen Stunden dauerhaft geschädigt werden können.

Behandlung & Therapie

Die Einspritzung von Lokalanästhetika dient nicht nur der Diagnose, sie ist auch eine wichtige Therapie der Pudendus-Neuralgie. Da die Wirkung zumeist nach wenigen Wochen nachlässt, kann auch eine kontinuierliche Versorgung mittels Katheter erfolgen. In einigen Fällen wird statt Lokalanästhetika Kortison verabreicht.

Dieser Methode ziehen die meisten Ärzte zunächst die medikamentöse Therapie vor, da hier der Wirkstoff regelmäßig eingenommen wird. Die genutzten Medikamente sind trizyklische Antidepressiva, die schon in niedriger Dosierung gute Erfolge bei der Behandlung von Nervenschmerzen aufweisen, und Antiepileptika.

Einige Neurologen sind der Ansicht, dass nur eine Kombination beider Medikamente dauerhaften Therapieerfolg verspricht. Die Transkutane Elektrische Neurostimulation (TENS) im Intimbereich, die der Patient regelmäßig zu Hause durchführt, kann die Schmerzen bei einem Teil der Betroffenen lindern; ein Heilungsversprechen lässt sich daraus nicht ableiten.

Die Behandlung der Grunderkrankung ist ebenfalls wichtig, aber bei fortgeschrittener Erkrankung nicht als einzige Maßnahme ausreichend. Als letzte Möglichkeit nach Versagen aller medikamentösen und nicht medikamentösen schulmedizinischen Therapien bleibt die Operation. Bei der sogenannten Neurolyse wird versucht, den Nerv in seinem Kanal freizulegen und ihn so von mechanischem Druck zu befreien.

Über die Schulmedizin hinaus finden Betroffene auch Hilfe in der traditionellen chinesischen Medizin mit Entspannungsübungen und Akupunktur.


Vorbeugung

Aufgrund der Vielzahl möglicher Ursachen lassen sich Prognosen zum Krankheitsverlauf nur schwer stellen, und allgemeingültige Präventionsmaßnahmen gibt es nicht. Wichtig ist die rechtzeitige, auch psychologische, Betreuung, um einer Chronifizierung entgegen zu wirken. Auch ein gesunder Lebensstil mit ausreichender Bewegung scheint hilfreich. Wer viel Fahrrad fährt, kann dem Druck auf den Nerv mit einem entlastenden Sattel, einer aufrechteren Sitzhaltung und regelmäßigen Pausen im Stehen vorbeugen.

Nachsorge

Der Pudendus-Neuralgie liegen unterschiedliche Ursachen zugrunde. Die Akutbehandlung muss schmerzlindernd, aber auch auf die ursächliche Erkrankung bezogen sein. Daher gestaltet sich die Nachsorge der Pudendus-Neuralgie sehr individuell. Oftmals hilft eine mehrfach durchgeführte Pudendus-Blockade, die Schmerzen zu beheben. In der Nachsorge muss der dauerhafte Behandlungserfolg gesichert und überprüft werden.

Handelt es sich um eine langfristige Erkrankung, kann die Therapie mit stärkeren Schmerzmitteln erforderlich sein. Die Nachsorge betrifft dann vor allem eine gute Einstellung der Medikamente, um die Schmerzfreiheit aufrecht zu erhalten, wie auch die Beobachtung von Nebenwirkungen dieser Medikamente. Die schmerzlindernden Mittel müssen häufig über einen langen Zeitraum eingenommen werden und die Dosis ist unter bestimmten Umständen individuell an den Patienten anzupassen.

Langfristig und unterstützend kann nach der Akutbehandlung der Pudendus-Neuralgie in Erwägung gezogen werden, auf begleitende Maßnahmen zurückzugreifen, die zur Linderung der Beschwerden beitragen können. Hier ist vor allem die psychologische Begleitung der Schmerztherapie durch das Erlernen und Anwenden von Entspannungsverfahren zu nennen. Weitere unterstützende Therapiemaßnahmen wie TENS, Akupunktur und homöopathische Mittel sollten durch einen fachkundigen Mediziner in Erwägung gezogen und dem Patienten vorgestellt werden.

Das können Sie selbst tun

Die Behandlung der Pudendus-Neuralgie kann von den Erkrankten durch diätetische Maßnahmen und eine generelle Umstellung des Lebensstils unterstützt werden. Welche Schritte im Detail sinnvoll sind, hängt in erster Linie von der ursächlichen Erkrankung und dem Rat des Arztes ab. Liegt den Beschwerden ein Diabetes mellitus zugrunde, wird der Mediziner eine entsprechende Behandlung des Diabetes empfehlen, die durch eine Umstellung der Ernährung unterstützt werden kann. Ist ein Tumor im Becken ursächlich, muss dieser zunächst entfernt werden. Nach der operativen Tumor-Entfernung gilt zunächst körperliche Schonung. Früher wurde nach solchen Eingriffen strenge Bettruhe verordnet. Heute wird stattdessen eine frühe Mobilisierung bevorzugt, weil sie das Risiko für Thrombosen und Lungenentzündungen senkt.

Der Erkrankte sollte zudem regelmäßig den Arzt aufsuchen, damit etwaige Rezidive oder andere Komplikationen zügig festgestellt werden können. Bei akuten Schmerzattacken sprechen die üblichen Schmerzmittel wie Paracetamol meist nur wenig an; entscheidend sind die vom Arzt verordneten Mittel gegen Nervenschmerzen. Pflanzliche Mittel wie Johanniskraut oder Aloe vera wirken nicht gegen Nervenschmerzen; Johanniskraut kann außerdem die Wirkung zahlreicher Medikamente abschwächen und zusammen mit Antidepressiva gefährliche Wechselwirkungen auslösen; es sollte deshalb nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Verspannungen der Beckenbodenmuskulatur lassen sich stattdessen durch warme Sitzbäder und eine gezielte Physiotherapie lösen.

Begleitend dazu bieten sich verschiedene Entspannungsverfahren an. Dazu zählen Maßnahmen wie Yoga und Krankengymnastik, aber auch Osteopathie, Homöopathie und Akupunktur. Diese Maßnahmen können die Beschwerden lindern und die ärztliche Behandlung unterstützen, ersetzen sie aber nicht. In Einzelfällen, etwa bei starken Schmerzen oder Begleiterscheinungen, die körperliche Bewegung unmöglich machen, sollte von Hausmitteln abgesehen werden. Der Patient muss sich dann strikt an die ärztlichen Vorgaben halten und gegebenenfalls in einem Krankenhaus behandelt werden.

Quellen

  • Diener, H.-C., Baron, R., Maier, C. (Hrsg.): Die Schmerztherapie.
    ISBN: 9783437215421
  • Geber, C., Gierthmühlen, J., Klinger, R., Rittner, H. (Hrsg.): Praktische Schmerzmedizin.
    ISBN: 9783662736074
  • Müller-Vahl, H., Tegenthoff, M. (Hrsg.): Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome.
    ISBN: 9783132416147
  • Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
    ISBN: 9783662634011
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783132411012

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