Rheumatische Endokarditis (postinfektiöse Endokarditis)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine rheumatische Endokarditis (postinfektiöse Endokarditis) ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, die durch eine Autoimmunreaktion des Körpers auf bestimmte Streptokokken hervorgerufen wird. Meistens sind Kinder und Jugendliche von einer rheumatischen Endokarditis betroffen, die in Industrieländern heutzutage selten vorkommt.
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Was ist eine rheumatische Endokarditis?
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Als rheumatische Endokarditis wird eine entzündliche Veränderung der Herzinnenhaut (Endokard) bezeichnet, die durch eine immunologische Fehlregulation des Organismus (Autoimmunreaktion) nach einer Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A hervorgerufen wird und zum symptomatischen Spektrum des rheumatischen Fiebers gehört.
In den meisten Fällen sind Mitral- und Aortenklappen, vor allem die mechanisch stärker belasteten Klappenränder, von einer rheumatischen Endokarditis betroffen. Schädigungen der Herzklappen stellen entsprechend Spätfolgen einer rheumatischen Endokarditis dar. Hierbei erkranken in erster Linie Jugendliche und Kinder, insbesondere zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr, nach einer durch Streptokokken verursachten Mandel- oder Rachenentzündung an einer rheumatischen Endokarditis.
Von der rheumatischen Endokarditis abzugrenzen ist die infektiöse (bakterielle) Endokarditis: Bei ihr siedeln sich die Erreger unmittelbar auf den Herzklappen an. Das ist eine andere Erkrankung, die auch anders behandelt wird.
Ursachen
Betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A rufen in erster Linie Entzündungserkrankungen des Rachenraums wie Tonsillitis (Mandelentzündung), Pharyngitis (Rachenentzündung), Scarlatina (Scharlach) oder Otitis media (Mittelohrentzündung) sowie in einigen Fällen Hautinfektionen wie Erysipel (Wundrose) oder Pyodermie (eitrige Infektion der Hautschichten) hervor.
Dabei ist die rheumatische Endokarditis nicht auf eine Besiedelung durch Streptokokken zurückzuführen, sondern auf eine Autoimmunreaktion des Organismus. Dieser bildet sogenannte Antikörper gegen spezifische Proteinbestandteile der Bakterien, die unter anderem den Proteinen auf der Oberfläche der Endokardzellen ähneln.
Da die Antikörper fälschlicherweise auch auf Endokardstrukturen (vor allem der Herzklappe) reagieren, kommt es zu entzündlichen Veränderungen, einer rheumatischen Endokarditis, durch welche die Herzklappen verdicken, aufrauen sowie versteifen und schließlich in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt werden können.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die rheumatische Endokarditis ist ein Symptom des rheumatischen Fiebers, das sich in Folge einer Streptokokkeninfektion entwickeln kann. Meist dauert es zwei bis drei Wochen, bis sich die ersten Zeichen der Entzündung der Herzinnenhaut zeigen. Es kommt zu Herzrasen (Tachykardie) und Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie).
Die fehlgesteuerten Antikörper setzen sich am Herz fest und lösen am Bindegewebe verschiedene Reaktionen aus, wodurch die Herzklappen verdicken und die Innenhaut aufgeraut wird. Dies verändert die Herzgeräusche. Auch Schmerzen in der Herzregion und hervortretende Halsvenen sind möglich. Da das Herz durch die entzündete Innenhaut nicht mehr ausreichend pumpt, kann es zu Atemnot und verringerter Leistungsfähigkeit kommen.
Häufig verkleben die Klappensegel durch die Entzündung und ziehen sich zusammen. Dadurch schließen sie nicht mehr richtig und verlieren ihre Wirkung als Ventil; oder sie öffnen sich nicht mehr weit genug, wodurch der Blutfluss vom Vorhof in die Herzkammer beziehungsweise aus der Kammer in die große Schlagader vermindert ist. Da die rheumatische Endokarditis im Rahmen des rheumatischen Fiebers auftritt, zeigen sich auch sämtliche Beschwerden dieser Erkrankung.
Die typischen Symptome sind Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Die Gelenke sind entzündet und schmerzen, die darüberliegende Haut ist rot und geschwollen. Meist beginnt es bei einem Gelenk und springt auf weitere über. Dazu kommt es zu sogenannten Rheumaknötchen und rotfleckigen Hautveränderungen.
Diagnose & Verlauf
Ein Anfangsverdacht gründet sich bei rheumatischer Endokarditis (postinfektiöser Endokarditis) auf einer vorausgegangenen Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A sowie charakteristischen Symptomen wie abnorme Herzgeräusche, hohes Fieber, Tachykardie (erhöhter Herzschlag), allgemeines Krankheitsgefühl sowie Polyarthritis (Gelenkschmerzen) mit ausgeprägtem Berührungsschmerz und Atemnot.
Gesichert wird die Diagnose einer rheumatischen Endokarditis durch ein Echokardiogramm (Ultraschall des Herzens) und ein EKG, anhand derer Herzklappenveränderungen, eine vorliegende Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen festgestellt werden können. Durch eine Blutanalyse können die im Blut gebildeten Antikörper nachgewiesen werden. Auch ein erhöhter CRP-Wert, eine erhöhte Konzentration weißer Blutkörperchen im Blut sowie eine beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) deuten auf eine rheumatische Endokarditis.
Nach Therapiebeginn klingt eine rheumatische Endokarditis in der Regel nach 6 Wochen (75 Prozent) beziehungsweise 3 Monaten (90 Prozent) wieder ab, wobei sich der Verlauf bei einer ausgeprägten Herzklappenbeteiligung verlängern kann. Bei einer nicht therapierten rheumatischen Endokarditis besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit einer erneuten Erkrankung mit einer rheumatischen Endokarditis, die darüber hinaus der häufigste Auslöser einer Mitralklappenstenose ist. Ein solcher Herzklappenfehler bleibt dauerhaft bestehen und macht sich häufig erst Jahre bis Jahrzehnte nach der eigentlichen Erkrankung durch Atemnot und nachlassende Belastbarkeit bemerkbar.
Komplikationen
Die rheumatische Endokarditis kann zu Fehlfunktionen der Herzklappen führen. Dadurch ist das Risiko für ernste Herz-Kreislauf-Beschwerden erhöht. Die narbigen Veränderungen der Herzklappen reduzieren die Herzfunktion dauerhaft und begünstigen dadurch eine Herzinsuffizienz. Die schwerwiegendste Komplikation der Herzinnenhaut-Entzündung ist die Ausbreitung des rheumatischen Fiebers auf andere Regionen und Organe.
Dadurch kann es zu Folgeerkrankungen wie zum Beispiel akute Polyarthritis und Chorea minor kommen. Bei einem schweren Verlauf ist ein multiples Organversagen mit tödlichem Ausgang möglich. Auch bei frühzeitiger Behandlung kann eine Schädigung der Herzklappen zurückbleiben, die sich erst Jahre später bemerkbar macht. Allerdings sind Antibiotika und Entzündungshemmer nicht frei von Nebenwirkungen. Entsprechende Präparate können Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Hautirritationen und Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen.
Allergien und Symptome einer Unverträglichkeit können ebenfalls auftreten. Wird Kortison verabreicht, kann dies zu einer Erhöhung von Blutfett, Blutdruck und Blutzucker führen. Mögliche Spätfolgen sind Osteoporose oder das sogenannte Cushing-Syndrom. Eine Operation am Herzen ist immer riskant und kann Komplikationen wie Blutungen, Herz-Rhythmus-Störungen und Herzversagen hervorrufen. Eine Entzündung des Herzens ist lebensbedrohlich und stellt einen medizinischen Notfall dar, der mit weiteren Beschwerden einhergeht.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Mit jeder Form von Endokarditis gilt es, rasch zum Arzt zu gehen. Denn ohne Behandlung kann sie sich nur verschlimmern. Schon bei den ersten Symptomen ist deshalb ein Gang zum Hausarzt ratsam. Ein Allgemeinmediziner wird die Anzeichen einer postinfektiösen Endokarditis erkennen. Er kann die Herzentzündung von anderen Krankheiten mit ähnlichen Symptomen unterscheiden. Besteht hohes Fieber, kann er bereits Antibiotika verschreiben. Neben einer allgemeinen Untersuchung wird der Hausarzt erste spezielle Tests durchführen. Weisen die Ergebnisse auf eine Endokarditis hin, dann wird er den Patienten als dringenden Fall an einen Herzspezialisten (Kardiologen) überweisen.
Dieser führt genauere Tests durch und beginnt möglichst schnell mit der gezielten Behandlung. Unerkannt oder unbehandelt kann die Entzündung das Herz dauerhaft schädigen und in eine Herzschwäche münden. Falls die postinfektiöse Endokarditis zu lange bestehen bleibt, können die Herzklappen bleibenden Schaden nehmen. In diesem Fall wird eine Operation notwendig.
Treten plötzlich starke Atemnot in Ruhe, Brustschmerzen, ein Blauwerden von Lippen und Haut oder eine Bewusstlosigkeit auf, zählt jede Minute: Dann muss sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Behandlung & Therapie
Eine rheumatische Endokarditis wird in erster Linie im Rahmen einer Antibiotika-Therapie (Penicillin, aber auch Makrolide) behandelt, um die noch eventuell im Organismus verbliebenen Bakterien abzutöten.
Parallel werden die rheumatischen Beschwerden mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten wie Acetylsalicylsäure bei gleichzeitiger Schonung des Körpers, insbesondere des Herzens, therapiert. Bei einer ausgeprägten rheumatischen Endokarditis kommen auch Glukokortikoide und Immunsuppressiva zur Verminderung der Überreaktion des Immunsystems zum Einsatz. Führt eine rheumatische Endokarditis durch die entzündlichen Veränderungen zu schwereren Herzklappenschädigungen, kann ein operativer Eingriff (Klappenersatz) erforderlich werden.
Darüber hinaus wird nach einer rheumatischen Endokarditis die Antibiotikatherapie prophylaktisch im Rahmen einer Langzeittherapie (in der Regel monatliche Antibiotikaspritzen) für mindestens die folgenden zehn Jahre fortgesetzt; bei einem bleibenden Herzklappenfehler oft noch länger. Nach dem Abklingen einer rheumatischen Endokarditis sollte eine gründliche kardiologische Untersuchung durchgeführt werden, um eventuelle Schädigungen der Herzklappen auszuschließen bzw. frühzeitig behandeln zu können.
Lange Zeit wurde darüber hinaus eine Mandelentfernung empfohlen, um weiteren Entzündungen des Rachenraums vorzubeugen. Heute wird stattdessen die antibiotische Langzeitprophylaxe bevorzugt; die Mandeln werden nur noch bei häufig wiederkehrenden Mandelentzündungen entfernt. Vor operativen und zahnärztlichen Eingriffen wird bereits von einer rheumatischen Endokarditis Betroffenen eine Endokarditisprophylaxe nahegelegt.
Vorbeugung
Da eine rheumatische Endokarditis durch eine immunologische Fehlregulation infolge einer Streptokokken-Infektion verursacht wird, zielen vorbeugende Maßnahmen auf eine frühzeitige und konsequente Therapie der durch Streptokokken ausgelösten entzündlichen Erkrankungen wie Tonsillitis (Mandelentzündung), Scarlatina (Scharlach) oder Otitis media (Mittelohrentzündung). Eine Endokarditisprophylaxe vor zahnärztlichen und operativen Eingriffen wird heute nur noch Hochrisikopatienten empfohlen, etwa nach einem Klappenersatz oder nach einer durchgemachten infektiösen Endokarditis, und nicht mehr bei jedem Herzklappenfehler. Diese richtet sich allerdings gegen eine infektiöse Endokarditis durch eingeschwemmte Bakterien und nicht gegen ein erneutes rheumatisches Fieber.
Nachsorge
Bei der rheumatischen Endokarditis (postinfektiöse Endokarditis) handelt es sich um eine autoimmune Folgeerkrankung einer bakteriellen Infektion. Eine Nachsorge mit kompletter Heilung ist prinzipiell möglich. Da bei dieser Krankheit das Risiko eines Herzklappenfehlers besteht, ist eine schnelle Nachsorge sehr wichtig. Die Einnahme von Antibiotika ist unverzichtbar. Hier sollte auf die korrekte und regelmäßige Einnahme geachtet werden.
In besonders schweren Fällen ist eine zusätzliche Einnahme von Kortison nötig. Zur Linderung möglicher Schmerzen ist auch eine Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten wie Acetylsalicylsäure angeraten. Um den Körper und vor allem das Herz nicht zusätzlich zu belasten, sollten Stress und körperliche Arbeit vermieden und in schweren Fällen zudem Bettruhe eingehalten werden.
Nach der Erkrankung mit rheumatischer Endokarditis (postinfektiöse Endokarditis) sind regelmäßige Nachuntersuchungen wichtig, um den Heilungsprozess zu beobachten und gegebenenfalls eine weitere medikamentöse Therapie einzuleiten. Die rheumatische Endokarditis (postinfektiöse Endokarditis) ist bei einem positiven Verlauf nach ein bis zwei Monaten abgeheilt.
Die Prognose hängt hier jedoch sehr stark davon ab, wann die Krankheit erkannt wird und ob eine starke Schädigung der Herzklappe entstanden ist. Dies kann in schlimmen Fällen zu chronischen Veränderungen der Herzklappe führen und im Extremfall einen chirurgischen Eingriff benötigen.
Das können Sie selbst tun
Die rheumatische Endokarditis ist der Selbsthilfe zugänglich, benötigt aber die Behandlung durch Spezialisten wie den Internisten oder den Kardiologen. Die Selbsthilfe im Alltag bezieht sich zum einen auf die akute Erkrankung, zum anderen auch auf die Nachsorge und das Vorbeugen eines eventuellen Rückfalls der Erkrankung.
Die Schonung ist ein wichtiger Faktor im Hinblick auf die akute Erkrankung. Mitarbeit des Patienten ist hier ganz entscheidend. Körperliche Anstrengungen und Sport sind so lange zu vermeiden, bis sie vom Arzt wieder erlaubt werden. Entzündungen des Körpers können durch Schlaf in ausreichender Menge und viel Flüssigkeit oft günstig beeinflusst werden. Wasser und Kräutertees sind hier besonders empfehlenswert. Auf Nikotin und Alkohol ist zu verzichten. Auch Schutz bei Wind und Wetter ist wichtig, um das geschwächte Immunsystem des Körpers nicht zu belasten.
Selbsthilfe ist auch nach überstandener rheumatischer Endokarditis noch möglich. Zum einen, um die Fitness wieder gezielt aufzubauen. Dies geschieht am besten in Rücksprache mit dem Hausarzt oder einem spezialisierten Sporttherapeuten, um die richtige Belastungsdosis zu finden. Da rheumatische Prozesse auch durch gesunde Ernährung gezielt beeinflusst werden können, ist es sinnvoll, auch diese umzustellen. Mediterrane Kost mit viel Obst und Gemüse statt Fleisch und Wurst sind in diesem Zusammenhang sinnvoll. Eine ausreichende Trinkmenge ist zudem immer wichtig.
Quellen
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
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- Hettenkofer, H.-J., Schneider, M., Braun, J. (Hrsg.): Rheumatologie.
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- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
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