Speicheldrüsenentzündung (Speichelstein)

Eine Speicheldrüsenentzündung ist eine entzündliche Erkrankung der Speicheldrüse, die durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird oder durch einen Speichelstein entsteht. Die medizinische Bezeichnung ist Sialadenitis oder auch Sialoadenitis. Typische Beschwerden der Speicheldrüsenentzündung sind Schwellungen in jenem Bereich sowie starke Schmerzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Speicheldrüsenentzündung?

Die Speicheldrüsenentzündung ist eine sehr schmerzhafte Schwellung der großen Speicheldrüsen. Sie kann ein- oder beidseitig sein und wird meist durch Viren, Bakterien oder Speichelsteine verursacht.

Nahezu der gesamte Speichel im Mund eines Menschen wird von sechs großen Speicheldrüsen produziert, welche sich in Paare anordnen. Die tägliche Menge an Speichel eines Erwachsenen wird mit 1,5 bis 2 Litern beziffert. Dabei handelt es sich um die Unterzungen-, Ohrspeichel- und die Unterkieferspeicheldrüse.

Ferner bestehen einige kleine Speicheldrüse im Rachen, an der Wagenschleimhaut sowie an den Lippen. Diese sind jedoch deutlich seltener von Erkrankungen betroffen. Meist leiden ältere Personen unter der Krankheit. Doch auch bei Menschen mit einer Immunschwäche tritt eine Speicheldrüsenentzündung gehäuft auf.

Ursachen

Ausgelöst wird eine Speicheldrüsenentzündung meist durch Bakterien oder Viren. So sind Mumps und die Coxsackie-A-Viren typische Ursachen für diese Krankheit. Des Weiteren sind oft Speichelsteine für die Speicheldrüsenentzündung verantwortlich. Durch sie wird ein Speichelrückstau verursacht, da sie den Ausführungsgang der betroffenen Drüse beeinflussen.

In der Folge wird ein Sekret aufgestaut, welches ein optimaler Nährboden für Bakterien ist. Diese können wiederum Entzündungen hervorrufen. Daneben können Tumore, Einengungen und Narben für die Speicheldrüsenentzündung verantwortlich sein.

Auch Entzündungen der Mundschleimhaut, welche durch eine unzureichende Mundhygiene entstehen, zählen zu den typischen Ursachen. Ferner können Medikamente, welche als Begleiterscheinung den Speichelfluss vermindern, eine Speicheldrüsenentzündung begünstigen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer Speicheldrüsenentzündung, die in den meisten Fällen nur einseitig auftritt, schwillt die Drüse an, wird hart und schmerzt. Diese Symptome können sich bereits bemerkbar machen, bevor die Entzündung entstanden ist. Ist die Drüse entzündet, wird die darüberliegende Haut rot und fühlt sich heiß an.

Wenn sich Eiter bildet, fließt es häufig in die Mundhöhle ab oder lässt sich durch die Drüsenöffnung herausdrücken. Beim Abtasten der Drüse ist das Sekret als verschiebbare Masse zu spüren. Die Beschwerden verschlimmern sich beim Essen. Durch das Kauen der Nahrung wird die Speichelbildung angeregt. Da aber die Drüsengänge durch den Speichelstein verlegt sind, kann der Speichel nicht abfließen und drückt somit auf das entzündete und geschwollene Gewebe.

Als Folge der Blockade schwillt die Drüse weiter an. Patienten fühlen sich krank und angeschlagen, manchmal kommen Fieber und Schüttelfrost hinzu. Die Lymphknoten können ebenfalls anschwellen. Wenn die Ohrspeicheldrüse betroffen ist, schmerzt das Kauen stark und der Mund lässt sich kaum öffnen.

Bei der akuten Form der Erkrankung setzen die Beschwerden plötzlich ein. Die chronische Entzündung dagegen entwickelt sich eher langsam und kommt in Schüben. Sie kann mal rechts und mal links auftreten. Auch bei der chronischen Form kann sich Eiter bilden. Es kommen auch Speichelsteine vor, die völlig symptomlos sind.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose einer Speicheldrüsenentzündung erfolgt nach einer gründlichen Untersuchung der Speicheldrüse durch den Arzt. Meist tastet er erst einmal die Drüse ab, wobei häufig Eiter im Mund festgestellt wird. Im Labor werden der Eiter sowie das Blut analysiert, um die Gründe für die Speicheldrüsenentzündung zu bestimmen.

Ferner kann sich eine Ultraschalluntersuchung als sinnvoll erweisen, um nach einem Stein, Tumor oder Abszess zu suchen. In einigen Fällen wird eine Computer- oder Magnetresonanztomografie durchgeführt. Bei einer chronischen Speicheldrüsenentzündung kommt auch eine Feinnadelpunktion in Betracht.

Eine weitere Diagnosemethode stellt eine sogenannte Sialografie dar. Dafür spritzt der Arzt ein Kontrastmittel in den Ausführungsgang der Speicheldrüse, um so die Drüse auf einem Röntgenbild erkennbar zu machen. Bei einem längeren Verlauf der Speicheldrüsenentzündung können Komplikationen wie Abszesse oder ein Schwund des Gewebes auftreten.

Komplikationen

Unbehandelt kann eine Speicheldrüsenentzündung zur Bildung eines Abszesses führen. Dieser kann in den Mundraum, den Gehörgang oder durch das Halsgewebe dringen und nach außen aufbrechen. Gelangen die Bakterien ins Blut, kann eine Blutvergiftung entstehen, die im schwersten Fall zum Organversagen und dadurch zum Tod des Betroffenen führt. Selten kann eine Entzündung zur Gesichtslähmung führen.

Bei Männern kann die Erkrankung die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflussen. Eine unbehandelte chronische Speicheldrüsenentzündung kann außerdem zur Vernarbung des Drüsengewebes führen. Dadurch verhärten die Drüsen und die Speichelproduktion nimmt dauerhaft ab, wodurch Infekte im Mundraum und weitere Komplikationen begünstigt werden. Auch Autoimmunreaktionen gegen die Zellen der Speicheldrüsen sind denkbar – es kommt zu Folgeerkrankungen wie dem Sjögren- Syndrom und schließlich zur Zerstörung der Drüsen.

Sehr selten liegt einer Speicheldrüsenentzündung ein Tumor zugrunde, der unbehandelt schwerwiegende Folgen haben kann. Bei der Behandlung können ebenfalls unerwünschte Ereignisse auftreten. Gelegentlich rufen die verordneten Antibiotika Nebenwirkungen hervor oder lösen allergische Reaktionen aus. Eine Operation kann mit Blutungen, Infektionen und der Bildung von Narben verbunden sein. Bei schweren Komplikationen muss die Speicheldrüse vollständig entfernt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Speicheldrüsenentzündung sollte immer von einem Arzt behandelt werden. Es kann bei dieser Erkrankung zu schwerwiegenden Komplikationen kommen, die den Alltag des Betroffenen deutlich erschweren. Aus diesem Grund sollte schon bei den ersten Anzeichen einer Speicheldrüsenentzündung ein Arzt aufgesucht werden. Je früher die Diagnose und die Behandlung dieser Krankheit dabei stattfindet, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf der Erkrankung.

Ein Arzt ist dabei dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an einer deutlichen Rötung der Haut oder an einem starken Ausschlag leidet. Dabei kommt es meist auch zur Ausbildung von Eiter und nicht selten auch zu einem ausfließenden Sekret. In vielen Fällen leiden die Betroffenen auch an Beschwerden beim Kauen oder beim Schlucken. Auch angeschwollene Lymphknoten oder sehr starkes Fieber können auf die Speicheldrüsenentzündung hindeuten. Der Betroffene kann den Mund kaum mehr öffnen und daher auch keine Nahrung und keine Flüssigkeiten mehr zu sich nehmen.

Die Speicheldrüsenentzündung kann durch einen Allgemeinarzt oder durch einen HNO-Arzt behandelt werden. In den meisten Fällen kommt es nicht zu besonderen Komplikationen und auch zu einer vollständigen Heilung der Krankheit.

Behandlung & Therapie

Begründet sich die Speicheldrüsenentzündung in einer bakteriellen Infektion, ist eine Therapie mit Antibiotika ratsam. Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente werden eingenommen, wenn die Erkrankung durch Viren ausgelöst worden ist.

Über sogenannte Speichellocker kann eine verstärkte Speichelproduktion erzielt werden, die der Reinigung der Speicheldrüsen dient. Ferner können auf die Art und Weise vorliegende Speichelsteine herausgespült werden. Klassische Speichellocker sind Getränke, Kaugummi und Bonbons.

Des Weiteren können Speichelsteine mithilfe einer Massage der Drüse oder extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie vernichtet bzw. zertrümmert werden. Dabei werden Ultraschallwellen auf den Speichelstein gerichtet, sodass er auseinanderfällt. Durch den Speichelfluss werden sie meist anschließend ausgeschwemmt. Erzielt diese Therapieform bei der Speicheldrüsenentzündung keinen Erfolg, müssen die größeren Teilchen operativ entfernt werden.

Liegt ein Abszess vor, muss dieses gespalten werden. Nur so kann der Eiter abfließen. Eine vollständige Entfernung der Speicheldrüse ist nur dann notwendig, wenn sich die Entzündungen stetig wiederholen bzw. der Verdacht eines Tumors besteht.

Wurde ein bösartiger Tumor diagnostiziert, eignet sich als Behandlungsmethode lediglich die Entfernung des kranken Gewebes sowie der Speicheldrüse. Meist findet im Anschluss eine Strahlentherapie statt. Die geeignete Behandlung richtet sich demnach entscheidend nach den Ursachen der Speicheldrüsenentzündung.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Einer Speicheldrüsenentzündung kann nur eingeschränkt vorgebeugt werden. Wichtige Maßnahmen einer Prävention sind eine hinreichende Flüssigkeitszufuhr sowie eine gründliche Mundhygiene und Zahnpflege. Ferner kann eine verstärkte Produktion von Speichel eine Vorbeugungsmaßnahme darstellen, da er die Speicheldrüsen reinigt und etwaige Speichelsteine herausspülen kann. Dies kann durch ein Lutschen saurer Bonbons erreicht werden. Wenn ein Speichelstein diagnostiziert wird, sollte dieser vorbeugend entfernt werden. Auch so kann eine Speicheldrüsenentzündung verhindert werden.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 4. Oktober 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Speicheldrüsenentzündung (Speichelstein)?

Name oder Pseudonym:

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Mit dem Abschicken Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten (Datenschutzerklärung) durch diese Website einverstanden.