Spermaallergie


Aktualisiert am 27. Mai 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Eine Spermaallergie ist eine seltene allergische Reaktion auf männlichen Sperma. Sie entsteht wie jede andere Allergie durch eine Sensibilisierung des Immunsystem auf bestimmte Eiweiße im Sperma. Antihistamine sind eine akute, eine Desensibilisierung eine mögliche dauerhafte Heilung der Allergie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Spermaallergie?

Auch wenn dies sehr selten vorkommt, existieren allergische Reaktionen auf Sperma, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Diese Spermaallergie tritt auf, wenn das Immunsystem des Körpers die Proteine im Sperma als feindliche Eindringliche identifiziert, bspw. als Viren oder Bakterien.

Die allergische Reaktion sollte demnach bemerkt werden, nachdem orale, vaginaler oder analer Sex ohne Barriere (bspw. Kondom) ausgeführt wurde. Bei Männern kommt die Spermaallergie seltener vor als bei Frauen, aber auch sie können beim Sex mit anderen Männern eine allergische Reaktion bemerken, oder sogar allergisch auf das eigene Sperma reagieren.

Die Symptome variieren, viele Betroffene bemerken Jucken, Rötungen und Stechen. Eine Spermaallergie kann zu Fruchtbarkeitsproblemen führen, da die weißen Blutkörperchen das Sperma daran hindern können, die Eizellen zu erreichen.

Ursachen

Typischerweise macht sich eine Spermaallergie nicht beim ersten Kontakt mit Sperma bemerkbar. Die meisten Menschen können mehrmals mit Sperma in Kontakt kommen, bis sich eine Allergie entwickelt.

Das Immunsystem sensibilisiert sich über einen längeren Zeitraum und die weißen Blutzellen entwickeln Immunoglobulin E; ein Antikörper gegen das Eiweiß im Sperma. Haben diese Antikörper sich ausgebildet, reagieren sie beim nächsten Eintritt von Sperma und binden sich an die Eiweißzellen. Sie sorgen auch für die Ausschüttung von bestimmten Chemikalien, bspw. Histamin, die Rötungen, Jucken, Stechen, Schwellung, also die üblichen allergischen Reaktionen hervorrufen.

Menschen die allergisch sind gegen das Sperma ihres Partners sind, sind in der Regel allergisch gegen jedes Sperma. Auch heterosexuelle Männer können eine Allergie gegen ihr eigenes Sperma entwickeln. Dies geschieht meist, wenn dieses mit ihrem Blut in Berührung kommt, bspw. bei einer Vasektomie.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Spermaallergie zeigt sich als allergische Reaktion bei Kontakt mit Sperma. Dabei ist allerdings nicht das Spermium als Allergen zu nennen, sondern ein bestimmtes Protein in der Samenflüssigkeit, das allen Männern zu Eigen ist.

Die allergischen Reaktionen treten bei betroffenen Frauen meist zwischen 10 und 30 Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen auf. Es kann zu ähnlichen Symptomen wie bei Heuschnupfen kommen. Dies umfasst Niesreiz, tränende Augen, Schnupfen und Atemprobleme. Deutlich ausgeprägter sind allerdings die Kontaktreaktionen im Intimbereich. So kann es hier zu Juckreiz, Schmerzen, Schwellungen, Rötungen und Ausschlägen kommen. Einige Frauen berichten von anhaltenden Kontraktionen der Scheide nach dem möglichen Kontakt mit dem Ejakulat.

Es kann zum Erbrechen oder auch zu Durchfällen kommen. Die vegetativen Symptome können noch lange anhalten. Im schlimmsten Fall führt der Kontakt mit dem Allergen zu einem anaphylaktischen Schock. Dies bedeutet meist einen Kreislaufstillstand, Schäden an den inneren Organen und ein hohes Sterberisiko.

Auch Männer können an einer Spermaallergie leiden, wobei die Symptome bei ihnen die gleichen wie bei den Frauen sind. Es kann zudem zu grippeartigen Symptomen kommen. Sie durchleben diese Symptome allerdings bei jedem Samenerguss aufs Neue. Dabei beschränkt sich die Allergie in allen beobachteten Fällen auf das eigene Ejakulat. Fremdes Ejakulat verursachte keine Beschwerden.

Diagnose & Verlauf

Wenn eine Spermaallergie vermutet wird, wird bei der Betroffenen in der Regel ein Hauttest oder ein spezieller Immunoglobulin-Test vorgenommen. Betroffene, die durch die Allergie eine Anaphylaxie erleiden, sollten sofort mit Epinephrin behandelt werden. Bei einem Hauttest wird die Haut des Patienten leicht angekratzt oder gestochen und dem Allergen ausgesetzt. Falls die Patientin eine Spermaallergie hat, zeigt sich das in einer Rötung der Haut, ähnlich einem Mückenstich.

Der Arzt wird die Intensität der Schwellung und damit der Allergie messen. Ein spezieller Immunoglobulin-Test zur Bestimmung einer Allergie ist sehr viel ungenauer als ein Hauttest und wird in der Regel nur angewendet, wenn der Patient eine ernsthafte Hautkrankheit hat.

Komplikationen

Eine Spermaallergie muss nicht in jedem Fall zu besonderen Kompilationen oder zu Beschwerden führen. Diese treten dabei nur dann auf, wenn die betroffene Person in Kontakt mit Sperma kommt. Dabei kann es zu Rötungen und zu einem Juckreiz auf der Haut kommen. Auch Schmerzen können dabei auftreten und die Haut wirkt angeschwollen.

Weiterhin verstärken sich die Beschwerden, wenn der Kontakt mit dem Sperma nicht unterbrochen wird. In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden wieder von alleine, wenn der Kontakt unterbrochen wird. In schwerwiegenden Fällen ist allerdings die Behandlung von einem Notarzt notwendig, um die Beschwerden zu lindern.

Vor allem bei schon bestehenden Hautbeschwerden kann die Spermaallergie zu schwerwiegenden Beschwerden führen und die Lebensqualität erheblich einschränken. Ebenfalls kann sich die Spermaallergie negativ auf die Beziehung zum eigenen Partner auswirken und dabei eventuell zu Spannungen führen.

Nicht in jedem Fall ist eine Behandlung dieser Allergie notwendig. Allerdings kann auch eine Sensibilisierung durchgeführt werden, um die Beschwerden zu lindern. Dabei treten keine Komplikationen auf. Auch die Lebenserwartung des betroffenen Patienten wird von der Erkrankung nicht negativ beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel muss eine Spermaallergie immer von einem Arzt behandelt werden. Es kann nicht zu einer Selbstheilung kommen, sodass der Betroffene auf eine medizinische Behandlung angewiesen ist.

Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Patient bei Kontakt mit Sperma die Anzeichen einer Allergie oder einer allergischen Reaktion aufzeigt. Dabei kann es zu einem starken Schnupfen, zu Niesen oder sogar zu starken Atembeschwerden kommen. Auch Juckreiz oder Rötungen auf der Haut können bei Kontakt mit Sperma auf die Spermaallergie hindeuten und sollten auf jeden Fall durch einen Arzt untersucht werden. In schwerwiegenden Fällen kann es auch zu starkem Durchfall oder sogar zu Erbrechen kommen. Einige Betroffene zeigen auch die Symptome einer Grippe, welche auch bei Kontakt mit Sperma untersucht werden sollten.

In der Regel kann eine Spermaallergie durch einen Allgemeinarzt diagnostiziert werden. Die weitere Behandlung wird dann meist von einem Allergologen durchgeführt. Ob eine vollständige Heilung möglich ist, kann jedoch nicht vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Als eine zeitweise Heilung von Spermaallergie wird die Desensibilisierung angewandt. Bei dieser Methode wird die Patientin über eine bestimmte Zeitlänge einer ansteigenden Substanz von Allergenen ausgesetzt, um den Körper an das Sperma zu gewöhnen.

Frauen, die schwanger werden wollen, müssen sich ggf. einer künstlichen Befruchtung unterziehen, falls diese Desensibilisierung keinen Erfolg verzeichnen sollte. Auch Allergie-Medikamente wie Antihistamine werden eingesetzt, um die Symptome zu bekämpfen. Falls keine Schwangerschaft erzielt werden soll, ist der Sex mit Barriere zu empfehlen, bspw. mit einem Kondom.

Bei einer künstlichen Befruchtung wird eine Probe des Spermas entnommen und das spezifische Allergen aus der Probe entfernt. Anschließend wird diese allergenfreie Probe in den Uterus der Frau eingeführt. Die Desensibilisierung erfolgt entweder durch die gezielte Verabreichung von Samen des Partners in die Vagina der Frau, oder durch eine Injektion des Allergens in kurzen Zeitabständen in die Blutbahn des Partners oder der Partnerin.

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Vorbeugung

Es gibt zurzeit keine wirksame Vorbeugung von Spermaalergie. Doch es gibt einige Möglichkeiten, um die Symptome zu reduzieren. Vor dem Sex können allergische Betroffene Antihistamine einnehmen, um die Symptome während und nach des Sex zu mindern.

Auch das Tragen von Kondomen vermindert den Kontakt mit Sperma und damit die Symptome. Menschen mit einer Neigung zu Anaphylaxie sollten immer einen Epinephrin-Stift bei sich tragen und Freunde und Verwandte anweisen diesen zu benutzen.

Nachsorge

Die Spermaallergie stellt eine noch wenig erforschte Erkrankung dar. Planmäßige Nachuntersuchungen finden nach einer Diagnose nur selten statt. Für die Umsetzung und Einnahme aller Maßnahmen tragen die Patienten selbst die Verantwortung. Viele Ärzte vermuten, dass die Spermaallergie nicht heilbar ist.

Um die Auswirkungen der Symptome zu verhindern, können Frauen sich schützen, indem ihr Geschlechtspartner ein Kondom benutzt. Dieses stellt die einfachste und effektivste Nachsorge bei einer Spermaallergie dar. Ebenso eignet sich diese Maßnahme bei Partnerschaften unter Männern. Darüber hinaus verlaufen in der Regel leichte Krankheitsformen problemlos, wenn allergieunterdrückende Medikamente benutzt werden.

Anders als nach einer Tumorerkrankung geht es bei der Spermaallergie also nicht darum, das Wiederauftreten einer Erkrankung zu verhindern. Sie besteht bekanntlich dauerhaft. Vielmehr sollen die Patienten darin unterstützt werden, in ihrem Alltag klarzukommen. Komplikationen wie ein allergischer Schock sollen vermieden werden.

Die Dauerbehandlung sieht die Verwendung eines Kondoms oder geeigneter Medikamente vor. Den Betroffenen wird ein hohes Maß an Eigenverantwortung abverlangt. Die Auswirkungen unvorsichtigen Handelns auf den Partner dürfen nicht unterschätzt werden.

Das können Sie selbst tun

Menschen mit einer Spermaallergie können im Alltag selbstständig und eigenverantwortlich darauf achten, nicht mit den Körperflüssigkeiten des Mannes in Berührung zu kommen. Insbesondere der Kontakt von Sperma mit der Haut sollte bei den betroffenen Personen vermieden werden.

Bei den ersten Berührungen ist das Sperma schnellstmöglich und unverzüglich mit fließendem Wasser abzuwaschen. Eine Reinigung des Körpers sollte stattfinden, damit sich die allergischen Reaktionen nach Möglichkeit gar nicht oder nur minimal zeigen. Ein einfaches Abwischen des Spermas ist nicht ausreichend, da dennoch einzelne Elemente der Körperflüssigkeit auf der Hautoberfläche zurückbleiben und zu unangenehmen gesundheitlichen Entwicklungen führen.

Bei sexuellen Aktivitäten ist grundsätzlich auf die Nutzung eines Kondoms zu achten. In diesen Fällen wird das Kondom nicht nur als Verhütungsmittel zum Schutz vor einer möglichen Schwangerschaft verwendet, sondern auch um nicht mit der Körperflüssigkeit näher in Kontakt zu treten und damit einen anaphylaktischen Schock zu riskieren.

Der Partner sollte vor einem intimen Kontakt von dem Vorhandensein der Allergie unterrichtet werden. Eine Aufklärung über die möglichen gesundheitlichen Folgen sollte frühzeitig stattfinden, um unangenehme Situationen oder Unverständnis des Partners zu vermeiden. Leiden Männer unter der Spermaallergie, sollten sie darauf achten, regelmäßig die Unterwäsche zu wechseln. Darüber hinaus ist eine gute Körperhygiene wichtig im Umgang mit der Allergie.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Störiko, A.: Allergien. Falken, Niedernhausen 2001
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013


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