Thyreotoxikose

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei einer Thyreotoxikose handelt es sich um eine Erkrankung, welche im Zusammenhang mit der Schilddrüse und deren Funktion steht. Von ihr zu unterscheiden ist die thyreotoxische Krise, die akute und lebensbedrohliche Entgleisung einer Thyreotoxikose. Diese Erkrankung muss unter allen Umständen von einem erfahrenen Arzt behandelt werden. So lassen sich Spätfolgen und weitere Erkrankungen weitgehend vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Thyreotoxikose?

Thyreotoxikose
Äußerliches Anzeichen einer Überproduktion ist oft eine vergrößerte Schilddrüse.
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Eine Thyreotoxikose bedeutet übersetzt "Vergiftung mit Schilddrüsenhormonen".

Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Stoffwechselstörung, die auf einem Überangebot an Schilddrüsenhormonen beruht – meist durch eine Hyperthyreose, also eine Überfunktion der Schilddrüse, seltener durch eine Schilddrüsenentzündung oder durch zu hoch dosierte Hormonpräparate. Sie kann schon für sich genommen gefährlich werden, etwa durch Herzrhythmusstörungen, und wird akut lebensbedrohlich, wenn sie in eine thyreotoxische Krise übergeht.

Das heißt, der Körper wird mit einer zu großen Menge an Schilddrüsenhormonen überschwemmt und es kommt zu einer Vielzahl von Beschwerden.

Eine Thyreotoxikose lässt sich an einer starken Erhöhung der Hormonwerte im Blut feststellen.

Ursachen

Die Gründe für das Vorliegen einer Thyreotoxikose können von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. So kann eine falsche oder zu hohe Dosierung von Schilddrüsenhormonen ein Grund für den Ausbruch sein.

Ebenso möglich sind stressbedingte Situationen wie ein Myokardinfarkt, Unfälle, Verbrennungen, eine Blutvergiftung oder eine Operation. Oftmals leiden die Betroffenen an einer Schilddrüsenüberfunktion, die als solche aber noch nicht diagnostiziert wurde.

Seltenere Ursachen einer Überfunktion können eine Entzündung des Organs oder hormonproduzierende Tumore sein. Hierbei kann sowohl die Schilddrüse selbst, als auch die Hirnanhangsdrüse von einem Tumor befallen sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Äußerliches Anzeichen dieser Überproduktion ist oft eine vergrößerte Schilddrüse, die auch als „Kropf“ bezeichnet wird. Eine weitere Ursache kann eine funktionelle Autonomie sein. Hierbei bilden Teile der Schilddrüse oder das gesamte Schilddrüsengewebe eigenständig Hormone. Diese autonomen Bereiche werden dann nicht mehr über die Hirnanhangsdrüse gesteuert.

Schilddrüsenpatienten erhalten daher oft erst nach vielen Wochen oder Monaten eine genaue Diagnose. Sie berichten oft von Beschwerden wie innerer Unruhe, Schlafstörungen, Panik- und Angstattacken, vermehrtem Haarausfall sowie einer beschleunigten Verdauung bis hin zu Durchfall.

Sie verspüren häufig großen Appetit, es kommt zu einer plötzlichen und meist starken Gewichtsabnahme. Auch Schweißausbrüche, Herzrasen und hoher Blutdruck treten als Anzeichen auf. Darüber hinaus sind auch ein Zittern der Hände, Kurzatmigkeit oder psychische Veränderungen wie Reizbarkeit und Nervosität zu beobachten.

Je nach Stärke der Symptome kann das Wohlbefinden des Patienten sehr stark eingeschränkt sein. Bei manchen Patienten wird zeitweilig ein normaler Alltag unmöglich. Die Vielzahl der Symptome wirkt sich dann sehr stark auf die seelische und körperliche Belastbarkeit des Patienten aus und kann beispielsweise auch psychischen Veränderungen wie Depressionen Vorschub leisten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Thyreotoxikose wird in der Regel von einem kompetenten Internisten oder einem auf Hormone spezialisierten Arzt (Endokrinologe) gestellt. Dazu werden beim Patienten einige ganz einfache Blutuntersuchungen durchgeführt. Dabei werden beispielsweise der TSH-Wert, der FT3-Wert, der FT4-Wert, sowie die TPO- und TRAK-Antikörper bestimmt.

Beim TSH-Wert handelt es sich um den Wert, welcher die Fähigkeit der Hypophyse angibt, die Schilddrüse zur Produktion von Hormonen zu stimulieren. Die Werte FT3 und FT4 geben die Konzentration der freien Hormone im Blut an und die TPO- und die TRAK-Antikörper ermöglichen einen genaueren Hinweis auf eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Schilddrüsen-Antikörper, die für Erkrankungen wie Hashimoto oder Morbus Basedow verantwortlich sind.

Um die Diagnose noch weiter abzusichern, führen Fachärzte außerdem eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durch, um die Größe des Organs zu bestimmen und/oder veranlassen ein Szintigramm. Bei dieser weit verbreiteten Methode wird dem Patienten vor der Untersuchung eine kleine Dosis radioaktiver Flüssigkeit in die Vene injiziert und die Schilddrüse in einem bildgebenden Verfahren dargestellt. So lässt sich erkennen, ob und wie die Schilddrüse noch arbeitet. Auch Tumore der Schilddrüse oder Knoten können mit dieser Methode leichter diagnostiziert werden.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei dieser Erkrankung nicht zu einer Selbstheilung, sodass die Betroffenen in jedem Falle auf eine Behandlung angewiesen sind. Komplikationen treten dabei vor allem dann auf, wenn keine Behandlung eingeleitet wird und die Fehlfunktion der Schilddrüse weiterhin bestehen bleibt. Bei vielen Betroffenen kommt es aufgrund der Thyreotoxikose zur Ausbildung eines Kropfes am Hals.

Dieser ist in der Regel sichtbar und auch deutlich zu spüren. Es kommt weiterhin zu einem Untergewicht oder zu Übergewicht und zu einer inneren Unruhe. Auch Schlafbeschwerden oder starke Panikattacken können dabei auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten auswirken. Viele Patienten leiden dabei auch an einem Haarausfall und an einer beschleunigten Verdauung. Nicht selten kann es dabei auch zu Durchfall kommen.

Weiterhin treten häufig auch psychische Beschwerden oder Depressionen auf, die von einer Nervosität oder einer Reizbarkeit begleitet werden. Die Behandlung der Thyreotoxikose richtet sich in der Regel immer nach der Grundursache. Dabei können je nach eingesetztem Verfahren Komplikationen auftreten. Im Falle eines hormonproduzierenden Schilddrüsentumors kommen je nach Befund eine Radiojodtherapie oder eine Operation in Betracht; beide können mit Nebenwirkungen behaftet sein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Thyreotoxikose ist der Betroffene in der Regel immer auf eine Behandlung durch einen Mediziner angewiesen. Zu einer Selbstheilung kommt es bei dieser Krankheit in der Regel nicht, wobei sich die Beschwerden ohne Behandlung der Thyreotoxikose weiterhin verschlechtern und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken.

Je früher die Thyreotoxikose erkannt und behandelt wird, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf dieser Krankheit. Bei der Thyreotoxikose ist dann ein Arzt zu kontaktieren, wenn der Betroffene an Schlafbeschwerden oder an einer allgemeinen inneren Unruhe leidet. In vielen Fällen kommt es auch zu Haarausfall oder zu starken Panikattacken, wobei einige Betroffene durch die Krankheit an starkem Durchfall leiden. Dabei kann es auch zu Herzrasen oder zu einem hohen Blutdruck kommen. Auch eine erhöhte Reizbarkeit deutet nicht selten auf die Thyreotoxikose hin.

Die Krankheit kann durch einen Allgemeinarzt erkannt werden. Die weitere Behandlung richtet sich dann nach der genauen Ursache und wird von einem Facharzt durchgeführt. Da es durch die Thyreotoxikose auch zu psychischen Verstimmungen oder zu Depressionen kommen kann, sollte auch eine psychologische Beratung in Anspruch genommen werden.

Anders zu bewerten sind plötzlich einsetzende, schwere Beschwerden: hohes Fieber, ein Puls von mehr als 150 Schlägen pro Minute, Erbrechen, Durchfall mit Austrocknung, starke Unruhe bis zur Verwirrtheit sowie eine Trübung des Bewusstseins. Sie sprechen für eine thyreotoxische Krise, die akute Entgleisung der Hormonüberversorgung. In diesem Fall ist sofort der Notruf 112 zu wählen, denn dieser Zustand ist lebensbedrohlich und muss auf einer Intensivstation behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Patienten kann, je nach Ursache der Thyreotoxikose, völlig unterschiedlich sein. Liegt die Ursache für die Beschwerden beispielsweise in einem Tumor an der Hirnanhangsdrüse, muss dieser operativ entfernt werden; bei verbliebenem Tumorgewebe kommen anschließend Medikamente oder eine Bestrahlung in Betracht. Bei einer Morbus-Basedow-Erkrankung, einer Funktionsstörung, bei der sich die Schilddrüse sehr stark vergrößern kann und sich Wucherungen bilden, werden zunächst über ein bis eineinhalb Jahre Präparate verabreicht, welche die Funktion der Schilddrüse hemmen.

Bleibt der Erfolg aus oder tritt die Überfunktion erneut auf, wird die Schilddrüse teilweise oder komplett entfernt oder mit Radiojod behandelt. Patienten, die unter einer künstlich erzeugten Thyreotoxikose leiden, weil Sie über einen bestimmten Zeitraum eine zu hohe Dosis an Schilddrüsenhormonen eingenommen haben, profitieren von einer Reduktion der Hormondosis. Die Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung kann recht langwierig sein.

Der Körper spricht oft erst nach Tagen oder Wochen auf die hormonellen Veränderungen an. Daher ist während des Therapieverlaufs bei Patient und behandelndem Arzt sehr viel Geduld gefragt. Behandelt werden müssen auch eventuelle Begleiterkrankungen, die sich einstellen können. So zum Beispiel eine Osteoporose oder eine Augenerkrankung.


Vorbeugung

Einer Thyreotoxikose vorzubeugen ist nicht ganz einfach und auch nicht immer möglich. Wer jedoch die bereits oben genannten Symptome verspürt und sich nicht ganz sicher ist, sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Ganz besonders wachsam sollten diejenigen sein, bei denen Schilddrüsenerkrankungen genetisch bedingt bereits in der Familie liegen.

Patienten, die bereits Hormonpräparate für die Schilddrüse einnehmen, sollten regelmäßige Untersuchungen beim Arzt durchführen lassen. Den Hormonspiegel regelmäßig bestimmen zu lassen ist hier sinnvoll. Je nach Art und Verlauf der Erkrankung kann sogar eine Untersuchung einmal pro Quartal oder häufiger angezeigt sein. Die Intervalle bestimmt der Facharzt.

Nachsorge

Bei einer pathologischen Schilddrüsenüberfunktion wird eine zu hohe Menge an Hormonen ausgeschüttet. Für den Organismus stellt dieser krankhafte Zustand eine Belastung dar. Vielfach treten Folgebeschwerden auf, die von der Thyreotoxikose verursacht werden. Zu den gängigsten Beschwerden gehören Bluthochdruck und ein erhöhter Pulsschlag, ein intensives Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme bei gleichzeitigem Gewichtsverlust sowie Schlaflosigkeit oder innere Unruhe.

Es besteht die Gefahr einer Kropfbildung an der Schilddrüse. Aus diesem Gründen ist eine Nachsorge nötig. Die körperlichen Symptome sollen therapiert und beseitigt werden, sodass der Patient wieder beschwerdefrei leben kann. Bei regelmäßigen Nachsorgeterminen wird die Schilddrüse auf Wucherungen überprüft. Die Behandlung erfolgt durch die Vergabe von Medikamenten, die die Hormonproduktion regulieren sollen.

Der Facharzt kontrolliert den Heilungserfolg und die Verträglichkeit. Im Fall von Nebenwirkungen verordnet er geeignetere Medizin. Stellt sich keine erkennbare Besserung ein oder dauert die Heilung zu lange an, variiert er die Dosierung. Nach einer erfolgreichen Therapie wird die Nachsorge anberaumt. Der Patient muss dafür in bestimmten Abständen zum Kontrolltermin erscheinen.

Der Arzt ermittelt bei der Untersuchung sowohl die Aktivität als auch den Umfang der Schilddrüse, damit Veränderungen frühzeitig diagnostiziert werden. Besteht die Vermutung auf eine Kropfbildung, gibt eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse weitere Aufschlüsse. Bei knotigen Veränderungen kann zusätzlich ein Szintigramm nötig sein.

Das können Sie selbst tun

Personen mit Thyreotoxikose leiden an zahlreichen Beschwerden, die ihren gewohnten Alltag beinträchtigen. Um diesen Symptomen entgegenzuwirken und die eigene Lebensqualität positiv zu beeinflussen, sind diverse Maßnahmen zur Selbsthilfe möglich.

Menschen mit einer Thyreotoxikose leiden beispielsweise oft an Nervosität bis hin zu Angstzuständen. Zur Linderung dieser Beschwerden eignen sich Entspannungstechniken, die in den Alltag integriert werden. Diese Techniken können sowohl der seelischen als auch der körperlichen Entspannung dienen. In Frage kommen zum Beispiel Meditation, Yoga, Autogenes Training oder Pilates. Auch sportliche Aktivitäten tragen dazu bei, Nervosität und Erregungszustände zu reduzieren. Geeignet sind vor allem Ausdauersportarten; so können die Patienten mit Thyreotoxikose etwa regelmäßig Joggen oder Schwimmen gehen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Schilddrüsenwerte unter der Behandlung bereits normalisiert sind. Solange noch Herzrasen und ein erhöhter Blutdruck bestehen, belastet Ausdauersport das Herz zusätzlich; er ist dann zunächst zu unterlassen und erst nach ärztlicher Freigabe wieder aufzunehmen. Sport kann außerdem dabei helfen, die ebenfalls mit der Thyreotoxikose einhergehende Muskelschwäche zu verringern, da die Muskulatur aktiv trainiert und ausgebaut wird.

Leiden die Patienten an einem Gewichtsverlust trotz ausreichender Kalorienaufnahme, ist nach dem Arzt ein Ernährungsberater zu konsultieren. Dieser erstellt einen individuell auf den Patienten zugeschnittenen Speiseplan, der eine erhöhte Kalorienzufuhr ermöglicht. Falls das Körpergewicht dennoch abnimmt, sind eventuell medikamentöse Interventionen nötig. Auch dem Haarausfall können die Betroffenen mit einer angepassten Ernährungsweise und einem generell gesunden, möglichst stressfreien Lebensstil zumindest zum Teil entgegenwirken.

Quellen

  • Lehnert, H. (Hrsg.): Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
    ISBN: 9783131295545
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488
  • Suttorp, N., Möckel, M., Siegmund, B., Dietel, M. (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin.
    ISBN: 9783132452091
  • Füeßl, H., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132443099

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