Tränendrüsenentzündung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Alle entzündlichen Vorgänge, die sich im Gesicht und insbesondere in der nervenreichen Region der Nase sowie in den empfindlichen Arealen der Augen vollziehen, sind mit zahlreichen Risiken behaftet. Sie sind wie die Tränendrüsenentzündung überaus unangenehm und schmerzhaft.
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Was ist eine Tränendrüsenentzündung?
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Viele Menschen haben schon eine Tränendrüsenentzündung durchgemacht und sind froh, wenn die belastenden Symptome endlich abklingen.
Im Rahmen der Definition der Tränendrüsenentzündung wird in der Medizin eine weitere Bezeichnung für die Tränendrüsenentzündung verwendet, welche den Laien meist nicht geläufig ist. In diesem Zusammenhang geht es um das Synonym Dakryoadenitis.
Die einzelnen Wortteile sind zusammengesetzt und bedeuten einzeln zum einen einen entzündlichen Prozess und zum anderen eine Lokalisation des Entzündungsherdes in der Tränendrüse. Im Einzelnen steht „dakryon“ für Träne, „aden“ für Drüse und die Endung „-itis“ für Entzündung.
Von der Dakryoadenitis abzugrenzen ist die Dakryozystitis, die Entzündung des Tränensacks und der ableitenden Tränenwege. Beide Erkrankungen betreffen unterschiedliche Bereiche des Tränenapparates und tragen deshalb unterschiedliche Namen.
Ursachen
Geht es um eine akute Tränendrüsenentzündung, so gehören zu den ursächlichen Faktoren hauptsächlich infektiöse Erkrankungen sowie eine durch Bakterien oder Viren hervorgerufene Entzündung der Bindehaut.
Darüber hinaus können Verletzungen der Tränendrüse ebenfalls eine Tränendrüsenentzündung begründen. Zu den Ursachen der chronisch verlaufenden Tränendrüsenentzündung zählen Tuberkulose, die Erkrankung Morbus Hodgkin sowie andere Blutkrankheiten wie eine Leukämie oder Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis und einzelne tumoröse Erkrankungen. In Mitteleuropa sind Tuberkulose und Syphilis als Auslöser allerdings selten geworden; heute stehen hier die Sarkoidose und das Sjögren-Syndrom als Ursachen einer chronischen Dakryoadenitis im Vordergrund.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Da die akute Entzündung in der Regel nur einseitig auftritt, zeigen sich die Symptome auch nur auf einer Seite. Die Tränendrüse liegt unter dem äußeren, schläfenwärts gelegenen Teil des Oberlids; dort spielt sich die Entzündung ab. Die Bindehaut am äußeren Lidwinkel des betroffenen Auges rötet sich. Am äußeren Lidwinkel schwillt das Gewebe an, rötet und erwärmt sich und ist sehr druckempfindlich. Schon die kleinste Berührung verursacht Schmerzen.
Wegen der starken Schwellung und der Schmerzen kann das Oberlid nur wenig oder gar nicht geöffnet werden. Dies führt zu einem hängenden Lid, dessen Aussehen die Mediziner als Paragrafenform bezeichnen. Das Auge tränt und sondert ein wässriges oder gelbliches Sekret ab, das die Wimpern verklebt. Wenn die Entzündung fortgeschritten ist, kann Eiter aus der Tränendrüse herausgedrückt werden.
Durch das Sekret kommt es zu Schlieren auf den Augen und die Sehfähigkeit kann beeinträchtigt werden. Die Lymphknoten vor dem Ohr (präaurikuläre Lymphknoten) können anschwellen. Zusätzlich können begleitend allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten.
Wenn die Infektion auf die Bindehaut übergeht, fühlt sich das an, als ob ein Fremdkörper im Auge wäre. Es kratzt bei jeder Bewegung des Auges. Die chronische Form der Erkrankung kann beidseitig auftreten und verursacht meist keine Schmerzen, jedoch schwillt die Augenregion meist weniger stark an als bei der akuten Infektion.
Diagnose & Verlauf
Jeder, der schon einmal oder mehrfach eine Tränendrüsenentzündung durchlebt hat, weiß, wie quälend die auftretenden Symptome sind. Die Tränendrüsenentzündung kann sowohl einen akuten, plötzlich auftretenden und nach einer gewissen Zeit wieder abheilenden, als auch einen chronischen, ständig wiederkehrenden Verlauf nehmen.
Bei einer Tränendrüsenentzündung treten die für einen entzündlichen Vorgang klassischen Anzeichen wie eine Rötung und Schwellung des betroffenen sowie umgebenden Gewebes, ein Schmerz und eine Erwärmung des Areals auf. Nicht in jedem Fall muss eine Tränendrüsenentzündung jedoch schmerzhaft sein. Bei schweren Verläufen der Tränendrüsenentzündung tritt auf leichten Druck Eiter aus der Tränendrüse aus.
Für eine aussagekräftige Diagnostik sind bei der Tränendrüsenentzündung neben der Beurteilung des Beschwerdebildes Abstriche zu nehmen. Diese sind bei der Tränendrüsenentzündung weitgehend differentialdiagnostisch relevant.
Komplikationen
Eine Tränendrüsenentzündung verheilt normalerweise ohne größere Beschwerden. Ernste Komplikationen können auftreten, wenn das Immunsystem des Patienten sehr geschwächt ist. Dann kann es im betroffenen Auge zu Eiterbildung und der Entstehung eines Abszesses kommen.
Damit einhergehend verschlechtert sich die Sehkraft – es kommt zu Sehstörungen und mitunter auch zu Verletzungen im Bereich des Auges. Bei einem schweren Verlauf treten zudem Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und hohes Fieber auf. Durch die permanente Belastung des Auges kann die Sehkraft dauerhaft beeinträchtigt werden. Im schwersten Fall kommt es zur Erblindung des betroffenen Auges. Greift die Entzündung auf die Augenhöhle über (Orbitaphlegmone), ist das ein Notfall, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.
Die akute Entzündung kann in eine chronische Erkrankung mit wiederkehrenden Beschwerden übergehen. Dies hat für den Betroffenen meistens auch seelische Probleme zur Folge. Der optische Makel kann soziale Ängste hervorrufen und dadurch die Lebensqualität des Betroffene beeinträchtigen.
Bei einer umfassenden Behandlung treten, abseits etwaiger Nebenwirkungen der verordneten Arzneimittel, keine großen Komplikationen auf. Werden entsprechende Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen, können allerdings Organschäden auftreten. Die Gefahr einer solch schweren Komplikation besteht nur bei chronisch kranken Patienten, die Antibiotika und Schmerzmittel meist über Monate hinweg einnehmen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Rötungen und Schwellungen im Bereich der Augen sowie ein vermehrter Tränenfluss deuten auf eine Tränendrüsenentzündung hin. Bei starken Schmerzen, Fieber, einem nicht mehr zu öffnenden Oberlid oder rasch zunehmender Schwellung sollte noch am selben Tag ein Arzt aufgesucht werden. Bleibt es bei einer leichten Reizung, empfiehlt sich ein Arztbesuch, wenn die Beschwerden nicht innerhalb einiger Tage abklingen. Sollte eine Entzündung hinzukommen oder Eiter aus der Tränendrüse austreten, muss der Augenarzt konsultiert werden. Bei einer Verletzung der Tränendrüse wird am besten direkt die Arztpraxis aufgesucht. Insbesondere Menschen, die beruflich oder privat mit Schadstoffen in Kontakt geraten, sollten bei Anzeichen einer Tränendrüsenentzündung einen Mediziner einschalten.
Wird die Dakryoadenitis nicht ausreichend behandelt, kann sie sich auf die gesamte Augenhöhle ausbreiten. Schlimmstenfalls chronifiziert sich das Leiden. Während der Behandlung sollte Rücksprache mit dem Augenarzt gehalten werden. Der Mediziner ist über ungewöhnliche Symptome sowie etwaige Nebenwirkungen der verordneten Medikamente zu informieren. Die Tränendrüsenentzündung sollte innerhalb von zwei Wochen abgeklungen sein. Eine langwierige Erkrankung bedarf einer genaueren Untersuchung, da womöglich eine ernste Erkrankung zugrunde liegt, die zunächst therapiert werden muss, bevor die Entzündung behandelt werden kann. Breitet sich die Entzündung auf die Augenhöhle aus (Orbitaphlegmone), zeigt sich das durch ein hervortretendes Auge, eingeschränkte Augenbewegungen, Doppelbilder und ein schweres Krankheitsgefühl. Das ist ein Notfall, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss – im Zweifel ist der Notruf 112 zu wählen.
Behandlung & Therapie
Für die Behandlung der Tränendrüsenentzündung stehen variierende Mittel zur Verfügung. Diese umfassen in der Mehrheit der Anwendungen gezielt ausgewählte Medikamente, um zunächst die akuten Beschwerden zu beheben.
Für diesen Zweck werden bei der Tränendrüsenentzündung sowohl über den Mund einzunehmende, also orale, oder von außen anzulegende Arzneistoffe verordnet. Für die Behandlung der Tränendrüsenentzündung von außen werden Salben mit antibiotisch wirkenden Substanzen oder je nach Erträglichkeit auch warme, möglichst sterile Kompressen als Auflagen verordnet.
Stehen spezielle Vor- oder Begleiterkrankungen in Verdacht, als ursächliche Faktoren für eine Tränendrüsenentzündung verantwortlich zu sein, sollten diese ebenfalls einer Therapie unterzogen werden. Wurden als Auslöser der Tränendrüsenentzündung Viren festgestellt, welche beispielsweise auch bei Herpesbläschen in Verdacht stehen, richten sich die therapeutischen Maßnahmen nach diesen Erkenntnissen.
Sind bei der Tränendrüsenentzündung keine infektiösen Erreger vorhanden, genügt meist eine Behandlung mit Prednison, um die Schwellung zu reduzieren. Bei dieser nicht-infektiösen Form der Tränendrüsenentzündung stehen kortikosteroidhaltige Präparate im Vordergrund; ist dagegen eine bakterielle Infektion die Ursache, sind Antibiotika das Mittel der Wahl. Bei der Therapie der Dakryoadenitis geht es darüber hinaus um eine ausgezeichnete Hygiene, um infektiöse Keime nicht in das andere Auge oder andere Gesichtsbereiche zu verschleppen (Schmierinfektion).
Vorbeugung
Als vorbeugende Maßnahmen gegen eine Tränendrüsenentzündung sind neben einer bestmöglichen Sauberkeit und Vermeidung von Zugluft sowie feinen Stäuben nicht allzu viele präventive Maßnahmen bekannt.
Menschen, die unter einer Erkrankung leiden, welche mit einer Dakryoadenitis einhergehen kann, sollten frühzeitig eine ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen. Außerdem ist es prophylaktisch hilfreich, eine Tränendrüsenentzündung dadurch zu vermeiden, dass keine Krankheitserreger in den Bereich der Augen gebracht werden.
Dies geschieht beispielsweise bei Herpes an den Lippen oftmals unbewusst. Beim Auswischen der Augen sollte immer von innen nach außen vorgegangen werden. Durch diese Vorgehensweise kann der Entstehung einer Tränendrüsenentzündung ebenfalls entgegen gewirkt werden.
Nachsorge
Nach der Behandlung einer Tränendrüsenentzündung gibt es keine spezifischen Nachsorgeuntersuchungen, die durchgeführt werden müssen. Der routinemäßige Abschlussbesuch beim Arzt nach der durchgeführten Behandlung beziehungsweise Medikamenteneinnahme genügt in den meisten Fällen. Ein wichtiger Punkt, den es mit Abschluss der Therapie zu beachten gilt, ist das vollständige Abheilen der Entzündung. So wird das Risiko einer chronischen Dakryoadenitis reduziert.
Patienten wird daher empfohlen, auf die Hygiene im Augenbereich und im gesamten Gesicht zu achten, um ein Wiederauftreten der Tränendrüsenentzündung unwahrscheinlich zu machen. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Behandlung können Patienten ihren Alltag wie gewohnt und ohne Einschränkungen fortsetzen. Eine sogenannte Darmsanierung ist nach der Therapie in aller Regel nicht nötig.
Denn die Wirkstoffe, die mit der Einnahme von Antibiotika in den Körper des Erkrankten gelangen, verändern die Darmflora, indem sie die Anzahl gesunder Bakterien senken. Als Folge können vorübergehend Verdauungsbeschwerden wie Durchfall auftreten; die Darmflora erholt sich danach in den meisten Fällen von selbst. Patienten haben die Möglichkeit, ihre Darmflora nach der Antibiotikatherapie beispielsweise mit probiotischen Lebensmitteln zu unterstützen. Dass sich dadurch das Risiko einer chronischen Tränendrüsenentzündung senken lässt, ist allerdings nicht belegt.
Das können Sie selbst tun
Lange galten Kompressen, die mit linderndem Kamillentee getränkt sind, als bewährtestes Hausmittel. Dabei ist es wichtig nur echte Kamille zu verwenden und keine Teebeutel aus Supermärkten. Von Kamille und Kamillenteebeuteln am Auge wird heute jedoch abgeraten: Sie können die Bindehaut zusätzlich reizen und allergische Reaktionen auslösen. Für Kompressen mit Fencheltee oder der Heilpflanze Augentrost gilt derselbe Vorbehalt: Auch sie bringen Pflanzenteile und Keime an das entzündete Auge. Sicherer sind schlichte, sterile Kompressen mit abgekochtem Wasser. Augentropfen aus Augentrost sind ebenfalls gebräuchlich; ein Wirksamkeitsnachweis liegt dafür allerdings nicht vor.
Des Weiteren sollten Betroffene auch auf ihre Ernährung achten. So sollten dabei nur in Maßen zucker- und stärkehaltige Lebensmittel verzehrt werden. Dazu zählen besonders Süßigkeiten, Weißbrot und andere Weißmehlprodukte. Hingegen sollten Patienten besser zu Zitrusfrüchten und fettarmem Fisch greifen. Fischöl und spezielle Fischölkapseln enthalten Omega-3-Fettsäuren. Dass sich damit eine Tränendrüsenentzündung schneller ausheilen lässt, ist allerdings nicht belegt.
Auch Augenübungen sind als Hausmittel bewährt und sehr beliebt. Dabei sollten Patienten im Wechsel vorsichtig das betroffene Auge entspannen und dann anschließend bewegen. Das sollte mehrmals am Tag getan werden. Idealerweise sollten die Augen dabei mehrmals vorsichtig nach oben und wieder nach unten bewegt werden. Bei starken Schmerzen und ausgeprägter Schwellung ist das Auge dagegen zu schonen; Reiben und Drücken sind in jedem Fall zu vermeiden. Für homöopathische Mittel, die in diesem Zusammenhang oft genannt werden, liegt kein über den Placeboeffekt hinausgehender Wirknachweis vor; eine ärztliche Behandlung ersetzen sie nicht.
Quellen
- Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
ISBN: 9783132454446
- Grehn, F.: Augenheilkunde.
ISBN: 9783662591536
- Lang, G. K., Lang, G. E., Auw-Hädrich, C. (Hrsg.): Entzündliche Augenerkrankungen.
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- Salmon, J. F.: Kanskis Klinische Ophthalmologie.
ISBN: 9783437234859
- Pfeiffer, N., Cursiefen, C., Holz, F. G., et al. (Hrsg.): Die Augenheilkunde.
ISBN: 9783662658239
