Unfallchirurgie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Unfallchirurgie ist ein Fachgebiet der Chirurgie und beschäftigt sich mit der operativen Behandlung und Wiederherstellung traumatisch geschädigter Körperstrukturen und Organe. Sie ist mit der Orthopädie zu einer gemeinsamen Facharztkompetenz zusammengeführt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Unfallchirurgie?

Unfallchirurgie
Die Unfallchirurgie ist ein Fachgebiet der Chirurgie und beschäftigt sich mit der operativen Behandlung und Wiederherstellung traumatisch geschädigter Körperstrukturen und Organe.

Die Unfallchirurgie ist ein wichtiges Fachgebiet der Akut- und Notfallversorgung. Ein Unfallchirurg versorgt Verletzungen des Bewegungsapparates. Dazu gehören Weichteilverletzungen der Sehnen und Muskeln sowie Knochenfrakturen. Der Übergang zum Fachbereich der Orthopädie ist fließend. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland die Fachausbildung zum „Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie“. Zuvor war die Unfallchirurgie ein Schwerpunkt im Gebiet Chirurgie, der nur zusammen mit der Bezeichnung „Facharzt für Chirurgie“ geführt werden durfte; diese Schwerpunktbezeichnung wird seit der Zusammenführung nicht mehr vergeben. Wer sich darüber hinaus auf die Versorgung Schwerverletzter spezialisiert, erwirbt die Zusatz-Weiterbildung „Spezielle Unfallchirurgie“.

Neben der operativen Behandlung befasst sich dieses Teilgebiet der Chirurgie auch mit nichtoperativen Behandlungsmöglichkeiten sowie der Nachsorge und Rehabilitation von Verletzungen, sowie deren Folgeerkrankungen und Folgezuständen. Der Begriff Unfallchirurgie ist auch unter dem Synonym Wiederherstellungschirurgie bekannt.

Die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie umfasst nach den Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern 72 Monate, von denen ein Teil auf die gemeinsame Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie entfällt. Die daran anschließende Zusatz-Weiterbildung „Spezielle Unfallchirurgie“ ist auf 24 Monate angelegt und richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, die Schwerverletzte und aufwendige Rekonstruktionen versorgen. Ihr Gegenstück für den planbaren, nicht unfallbedingten Teil des Gebietes ist die Zusatz-Weiterbildung „Spezielle Orthopädische Chirurgie“. Die Zusammenführung der beiden früher getrennten Fächer hat die Ausbildung verändert: Wer heute in dem Gebiet arbeitet, hat sowohl den geplanten Gelenkersatz als auch die Versorgung im Nachtdienst kennengelernt und entscheidet sich für einen Schwerpunkt in der Regel erst nach der Facharztprüfung.

Der Zuständigkeitsbereich ist breiter, als das Wort Unfall vermuten lässt. Er umfasst neben dem Verkehrs-, Arbeits-, Haushalts- und Sportunfall auch Verletzungen ohne äußere Gewalt, etwa den Ermüdungsbruch bei anhaltender Überlastung, sowie Brüche, die bei vorgeschädigtem Knochen schon durch geringe Krafteinwirkung entstehen. Dazu treten die Folgen früherer Verletzungen: in Fehlstellung verheilte Brüche, ausbleibende Knochenheilung, Bewegungseinschränkungen nach langer Ruhigstellung, Knocheninfektionen und Beschwerden durch einliegendes Material. Ein erheblicher Teil der Arbeit betrifft daher nicht die Akutversorgung, sondern die Zeit danach, in der sich entscheidet, ob eine Verletzung ohne bleibende Einschränkung ausheilt.

Zwei Entwicklungen prägen das Fach besonders. Zum einen ist die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten in Deutschland über Jahrzehnte deutlich zurückgegangen, während die Zahl der Verletzten weit weniger stark gesunken ist; überlebte Schwerverletzungen und deren Folgen nehmen damit einen größeren Raum ein als früher. Zum anderen verschiebt sich das Verletzungsspektrum mit dem Alter der Bevölkerung: Der Sturz aus dem Stand bei vorbestehender Osteoporose ist heute ein häufigerer Anlass für eine unfallchirurgische Behandlung als der Unfall mit hoher Geschwindigkeit.

Behandlungen & Therapien

Unfallpatienten werden in die Unfallstationen der zuständigen Krankenhäuser eingewiesen. Das Behandlungsspektrum reicht von kleinen Schnittwunden bis zur lebensbedrohlichen, schweren Mehrfachverletzung, dem Polytrauma. An dieser Stelle kommt die Wirbelsäulen-, Becken- und Neurochirurgie zum Einsatz. Für die Versorgung schwer verletzter Patienten stehen neben den Notärzten und Unfallchirurgen auch Ärzte anderer Fachrichtungen zur Verfügung.

Die Behandlung leicht verletzter Unfallopfer erfolgt in der Ambulanz. Die Ärzte schienen leicht verschobene und unverschobene Brüche, desinfizieren, versorgen und nähen Wunden. Sie untersuchen die umgebenden Nerven-, Gefäß- und Sehnenstrukturen, um festzustellen, inwieweit sie von der Unfallverletzung betroffen sind. Diese ambulanten Eingriffe erfolgen unter Leitungsanästhesie oder örtlicher Betäubung. In diesen Bereich gehören auch Sportverletzungen, die mit minimal-invasiven arthroskopischen Techniken behandelt werden. Ein Teilgebiet ist die Hand- und Fußchirurgie, da Hand und Fuß bei Unfällen und im Sport häufig verletzt werden.

Hierzu gehören die rekonstruktive Gelenkchirurgie unter Anwendung minimal-invasiver Operationsverfahren, sowie die arthroskopisch gestützte Band- und Frakturversorgung. Auch für korrigierend-rekonstruierende Maßnahmen bei Fehlstellungen, Heilungsstörungen und defekten Bewegungsapparaten sind die Unfallchirurgen zuständig. Ein professionelles Pflegeteam steht ihnen unterstützend zur Seite. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass jeder Patient seinem Alter und seinen Verletzungen entsprechend eine individuelle Betreuung erfährt. Die Reihenfolge der Versorgung richtet sich nach der Dringlichkeit. Ältere Patienten, bei denen mehrere Untersuchungen bis zur endgültigen Diagnose notwendig sind, werden in dieser Zeit durch das Pflegepersonal betreut.

Das handwerkliche Kernstück des Faches ist die Versorgung von Knochenbrüchen. Sie kann konservativ erfolgen, also ohne Operation: durch Ruhigstellung im Gipsverband oder in einem Kunststoffverband, durch Schienen, Orthesen und Bandagen oder durch die frühfunktionelle Behandlung, bei der nur bestimmte Bewegungsrichtungen begrenzt werden. Ist der Bruch verschoben, instabil, an einem Gelenk gelegen oder offen, wird operiert. Die dafür verwendeten Verfahren fasst der Begriff Osteosynthese zusammen: Schrauben und Platten legen die Bruchstücke aneinander, ein von innen eingebrachter Marknagel schient lange Röhrenknochen, Drähte und Drahtschlingen halten kleine gelenknahe Fragmente, und ein von außen angebrachter Fixateur externe überbrückt den Bruch über Stangen und in den Knochen eingedrehte Stifte, ohne den verletzten Weichteilmantel zusätzlich zu eröffnen.

Welches Verfahren zum Zuge kommt, entscheidet nicht der Knochen allein. Der Zustand von Haut, Muskulatur und Durchblutung im Bruchbereich ist häufig ausschlaggebend, denn eine Operation durch geschwollenes oder gequetschtes Gewebe hindurch gefährdet die Heilung. Bei erheblichem Weichteilschaden wird deshalb zunächst nur behelfsmäßig stabilisiert und erst nach einigen Tagen endgültig versorgt. Eine eigene Gefahr ist das Kompartmentsyndrom, bei dem der Druck in einer Muskelloge so weit ansteigt, dass Muskeln und Nerven absterben; es erfordert die rasche Spaltung der Muskelfaszien. Bei gelenknahen Brüchen älterer Menschen, insbesondere am Hüftgelenk, wird das Gelenk vielfach nicht wiederhergestellt, sondern durch eine Endoprothese ersetzt, weil der Patient dann früher wieder belasten darf und die lange Bettruhe entfällt.

Die Unfallchirurgie schließt auch die ambulante Weiterbehandlung von Patienten ein, die einen Arbeitsunfall erlitten haben. Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall ist dabei unabhängig von der Krankenversicherung zunächst ein Durchgangsarzt aufzusuchen, der über die weitere Behandlung zulasten der gesetzlichen Unfallversicherung entscheidet. Außerhalb von Arbeitsunfällen richtet sich der Weg in die Klinik dagegen nach der Krankenversicherung: Privatversicherte können sich unmittelbar an die Unfallchirurgie eines Krankenhauses wenden, gesetzlich Krankenversicherte benötigen dafür eine Überweisung durch einen Orthopäden oder niedergelassenen Chirurgen, sofern kein Notfall besteht. Häufig werden Unfallpatienten mit einem Polytrauma eingeliefert. Dabei handelt es sich um gleichzeitige Verletzungen verschiedener Körperregionen, die lebensbedrohlich sind, werden sie nicht rechtzeitig behandelt.

Die Behandlung dieser Patienten erfolgt in Fachkliniken, die eine vollständige interdisziplinäre Behandlung aller Verletzungen in Kooperation mit den verschiedenen chirurgischen Fachrichtungen garantieren. Die umgehende Einweisung der Unfallopfer in die richtige Fachklinik ist eine unabdingbare Voraussetzung, um das kurze Zeitfenster, das für eine erfolgsversprechende Behandlung zur Verfügung steht, optimal zu nutzen. Patienten mit einem Polytrauma können Verletzungen an der Wirbelsäule, Beckenfrakturen, ein Schädel-Hirn-Trauma und Rippenfrakturen einschließlich Hämatothorax (Blutansammlung im Thorax) aufweisen. Ein weiterer wesentlicher Teil des Schockgeschehens ist die Hypovolämie (verminderte Blutmenge im Kreislauf), die mit Infusionen von Vollelektrolytlösungen behandelt wird.

Diese Schocksymptomatik kann zu einem Capillary Leak Syndrom führen, das ein vorerst reversibles Lungenödem nach sich zieht. Es bildet sich eine verdickte Alveolarwand (Wand der Lungenbläschen), woraus ein erhöhter Rechts-Links-Shunt entsteht, der seinerseits zu Hypoxie (Sauerstoffmangel) und Hyperkapnie (erhöhter Gehalt von Kohlendioxid im Blut) führt. Dem Unfallpatienten droht regelmäßig eine respiratorische Insuffizienz (Versagen der Atemfunktion). Weitere intensivmedizinische Probleme in den ersten Tagen nach der Unfallchirurgie können Niereninsuffizienz und Fettembolien sein.

Damit Notfallärzte und Unfallchirurgen in dem Moment des Unfalls rechtzeitig handeln können, strebt die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie die Einrichtung sogenannter Traumanetzwerke an, um eine zeitgerechte Versorgung der Unfallopfer flächendeckend zu optimieren. Einige Kliniken sind bereits Teil eines zertifizierten, regionalen Traumanetzwerkes.

Die Versorgungsstufen, auf denen ein solches Netzwerk aufbaut, sind abgestuft. Sie reichen vom lokalen Traumazentrum, das die Grundversorgung sicherstellt und Patienten für die Weiterverlegung stabilisiert, über das regionale Haus bis zum überregionalen Traumazentrum, das rund um die Uhr alle angrenzenden Fachabteilungen vorhalten muss. Geprüft wird dabei nicht allein die Ausstattung mit Schockraum und Computertomograf, sondern auch, ob die notwendigen Fachärzte in festgelegter Zeit verfügbar sind. Ergänzt wird das Bild durch die Auswertung anonymisierter Behandlungsdaten in einem gemeinsamen Register, aus dem sich ablesen lässt, wie sich Abläufe und Ergebnisse über die Jahre entwickeln und an welchen Stellen eine Klinik von den Erfahrungen der übrigen abweicht.

Ein eigener Schwerpunkt hat sich um den älteren Patienten gebildet. Ein hüftgelenknaher Bruch nach einem Sturz aus dem Stand ist für einen betagten Menschen keine isolierte Verletzung, sondern trifft auf Vorerkrankungen, auf mehrere Dauermedikamente und häufig auf eine bereits eingeschränkte Beweglichkeit. Entsprechende Abteilungen führen die unfallchirurgische Versorgung deshalb von Anfang an mit der altersmedizinischen Betreuung zusammen: Die Operation erfolgt möglichst rasch, damit der Patient früh wieder aufstehen kann; parallel dazu werden Flüssigkeitshaushalt, Schmerzbehandlung, Verwirrtheitszustände, Ernährung und die Ursachen des Sturzes selbst bearbeitet. Der Maßstab des Erfolgs ist hier weniger das Röntgenbild als die Rückkehr in die zuvor bestehende Selbstständigkeit.

Die Behandlung endet nicht mit der Operation. An sie schließen sich Ruhigstellung oder frühfunktionelle Bewegung, Physiotherapie, die schrittweise Steigerung der Belastung und, bei ausgedehnten Verletzungen, eine stationäre oder ambulante Rehabilitation an. Bei einem Arbeitsunfall entscheidet der Durchgangsarzt darüber, ob die Behandlung als allgemeine Heilbehandlung von einem Haus- oder Facharzt fortgeführt werden kann oder als besondere Heilbehandlung in die Hand eines dafür zugelassenen Arztes gehört; für bestimmte schwere Verletzungen bestehen gesonderte Verfahren, die die Behandlung an eigens dafür ausgewiesene Kliniken binden. Zur Nachsorge gehört außerdem die Frage, ob eingebrachtes Material im Körper verbleibt oder in einem zweiten Eingriff entfernt wird; das hängt vom Ort, vom Alter des Patienten und von den Beschwerden ab und wird nicht einheitlich gehandhabt.


Diagnose & Untersuchungsmethoden

Der Notarzt leitet am Ort des Unfallgeschehens die allgemeinen notfallmedizinischen Behandlungen ein und sichert die lebenserhaltenden Vitalfunktionen von Kreislauf und Atmung. Für manchen Patienten kommt jedoch jede Hilfe zu spät, wenn er schwere Schädel-Hirn-Verletzungen oder eine zerrissene Hauptschlagader aufweist. Diese Verletzungen führen häufig noch am Unfallort zum Tod. Patienten, die das Unfallereignis überlebt haben, werden in die nächste Unfallchirurgie eingewiesen und noch in der Akutphase der Schockraumversorgung zugeführt.

Alle geeigneten Notfalleingriffe werden während der „golden hour of shock“ durchgeführt. Dabei liegt die Priorität auf Diagnose und Behandlung der polytraumatischen Verletzungen. Die Notärzte folgen der elementaren Grundlage „treat first what kills first“ (behandle zuerst das, was tötet). Neben Beatmung und Kreislaufstabilisierung liegt das Hauptaugenmerk auf der Stillung der kreislaufwirksamen Blutungen, der Stabilisierung sowie der Entlastung des Gehirns im Fall von Schwellungen. Die anschließende Operation wird durch intensivmedizinische Behandlungen und bildgebende Intervention unterstützt. Bei kreislaufinstabilen Schwerverletzten beschränkt sich der Ersteingriff heute nach dem Konzept der Damage Control Surgery zunächst auf Blutstillung und die Kontrolle von Kontaminationen; die endgültige Versorgung der Verletzungen folgt erst, wenn sich der Zustand des Patienten stabilisiert hat. Die bildgebende Diagnostik beginnt unmittelbar nach Abschluss der Akutphase und leitet die initiale Versorgungsphase ein.

Nach einer schnellen und zuverlässigen Diagnose erfolgen noch während dieser Phase lebensrettende therapeutische Maßnahmen. Das Management im Schockraum folgt einem nach Phasen und Prioritäten strukturierten Behandlungsplan, der Diagnose, Therapie und Einschätzung (Evaluation) des Unfallpatienten erfasst. Das Konzept des Advanced Trauma Life Support (ATLS®), das ein festes Prioritätenschema für die Erstversorgung vorgibt, findet in vielen Kliniken Einsatz. Die Mehrschicht-Spiral-Computertomografie (MSCT) als Ganzkörperuntersuchung ist dabei zum Standard der frühen Schockraumdiagnostik geworden. Die bildgebende Diagnostik nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Neben der Ganzkörper-Computertomographie steht auch das MRT (Magnetresonanztomographie) als Schnittbildverfahren zur Verfügung.

Die Projektionsradiografie stellt ossäre (den Knochen betreffend) Restbefunde und die Schwere der Verletzungen fest. MRT und CT erfassen die spinalen und intrakraniellen Strukturen durch überlagerungsfreie Schnittbilder verschiedener Projektionen. Die Magnetresonanztomografie versetzt die Unfallchirurgen in die Lage, die angezeigten sensitiv neuroanatomischen Zuordnungen vorzunehmen.

Der Bildgebung geht in jedem Fall die körperliche Untersuchung nach einem festen Schema voraus. Sie erfasst Bewusstseinslage, Atmung, Kreislauf, offensichtliche Blutungen sowie Durchblutung, Beweglichkeit und Empfindung an allen vier Gliedmaßen und wird bei jeder Veränderung des Zustands wiederholt. Am Unfallort und im Schockraum greifen dabei einfache Maßnahmen, die keine Diagnostik voraussetzen: das Anlegen eines Beckengurtes bei Verdacht auf eine Beckenverletzung, das Abbinden einer stark blutenden Gliedmaße, die Entlastung eines Spannungspneumothorax zunächst durch Punktion und anschließend über eine Thoraxdrainage sowie die Ruhigstellung der Wirbelsäule.

Die Sonografie ist im Schockraum das erste bildgebende Verfahren, weil sie am liegenden Patienten und ohne Umlagerung durchgeführt werden kann. In wenigen Minuten lässt sich klären, ob freie Flüssigkeit im Bauchraum, im Herzbeutel oder im Brustkorb vorliegt – Befunde, die unmittelbar über das weitere Vorgehen entscheiden. Sie ersetzt die Schnittbilddiagnostik nicht, sondern überbrückt die Zeit bis zu ihr und beantwortet die Fragen, die keinen Aufschub dulden. Ergänzt wird sie durch Laboruntersuchungen, insbesondere durch Blutbild, Gerinnungswerte, Blutgruppenbestimmung und Blutgasanalyse, deren Werte Hinweise auf das Ausmaß des Blutverlustes geben, sowie durch die Bereitstellung von Blutkonserven.

Am verletzten Knochen gilt weiterhin die Regel, in zwei Ebenen zu röntgen und die angrenzenden Gelenke mit abzubilden, weil sich Verschiebungen und Begleitverletzungen der Beurteilung sonst entziehen. Über die Ganzkörperuntersuchung des Schwerverletzten hinaus wird die Computertomografie gezielt dort eingesetzt, wo Gelenkflächen, Wirbelsäule oder Becken genauer beurteilt werden müssen. Die Magnetresonanztomografie eignet sich besonders für Bänder, Menisken, Bandscheiben und für das Rückenmark; im Schockraum selbst spielt sie eine geringere Rolle, weil sie Zeit beansprucht und den Zugang zum Patienten einschränkt. Weil bei einem schwer verletzten Patienten in der ersten Stunde nicht alles auffallen kann, gehört zum Vorgehen eine erneute, vollständige Untersuchung nach Abschluss der Akutphase, sobald der Patient ansprechbar ist – gerade Verletzungen an Händen, Füßen und der Wirbelsäule bleiben andernfalls zunächst unentdeckt.

Quellen

  • Stannard, J. P., Schmidt, A. H., Wentzensen, A. (Hrsg.): Spezielle Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783131473523
  • Weigel, B., Nerlich, M. (Hrsg.): Praxisbuch Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783642107894
  • Ewerbeck, V., Wentzensen, A., Grützner, P. A., et al. (Hrsg.): Standardverfahren in der operativen Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783132431577
  • Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783132443150
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874

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