Urodynamische Untersuchung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Urodynamische Untersuchungen sind wichtige Untersuchungsmethoden, die vor allem in der Urologie, daneben auch in der Kinderchirurgie zur Anwendung kommen. Dabei werden Messungen des Blasendrucks mittels Drucksonden und Elektroden zur Abklärung der Funktionstüchtigkeit der Harnblase durchgeführt. Eine urodynamische Untersuchung verläuft in der Regel ohne starke Schmerzen, ist aber nicht ganz frei von Risiken und wird häufig als unangenehm empfunden; wichtig ist sie zur Abklärung von Inkontinenz und anderen Beschwerden rund um die Harnblase.
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Was ist eine Urodynamische Untersuchung?
Eine urodynamische Untersuchung dient der Messung von funktionellen Abläufen im Harntrakt, um die Funktion der Speicherung und Entleerung von Harn zu überprüfen. Dabei wird eine dünne Sonde in die Harnblase eingeführt und so die Druckmessung in der Harnblase durchgeführt.
Es gibt verschiedene Untersuchungsmethoden wie die Uroflowmetrie, die Restharnbestimmung, die Zystometrie und die Urethrometrie. Ergänzend dazu werden bei Bedarf weitere Untersuchungen wie ein Beckenbodenelektromyogramm oder eine Sonographie durchgeführt. Die urodynamische Untersuchung ist erforderlich, um Störungen im Harntrakt abzuklären und den unteren Harntrakt genauer zu untersuchen. Die Methoden einer urodynamischen Untersuchung sind generell ohne starke Schmerzen durchführbar, jedoch nicht ganz frei von Risiken, und geben auch Aufschluss darüber, ob eine Abflussbehinderung der Harnröhre vorliegt.
Solche urodynamischen Untersuchungen sind zudem aussagekräftig, wenn die Behandlung einer Inkontinenz ohne Erfolg war sowie vor einem geplanten operativen Eingriff bei Inkontinenz oder nicht klar zu diagnostizierenden Formen der Inkontinenz. Weiters ist diese Untersuchungsmethode sinnvoll, wenn Inkontinenz nicht durch konservative Behandlungsformen behandelt werden kann. Drangbeschwerden wie eine Reizblase können mittels einer urodynamischen Untersuchung ebenso abgeklärt werden und führen zu einer hilfreichen Diagnose.
Der Untersuchung liegt ein einfacher Gedanke zugrunde: Die Blase hat zwei Aufgaben, die einander entgegengesetzt sind. In der Füllungsphase muss sie Harn speichern, ohne dass der Druck in ihr nennenswert ansteigt und ohne dass Harn entweicht. In der Entleerungsphase muss sich der Blasenmuskel kräftig zusammenziehen, während sich der Verschluss gleichzeitig öffnet. Störungen können in jeder dieser beiden Phasen und im Zusammenspiel zwischen Muskel und Verschluss liegen. Die urodynamische Untersuchung bildet beide Phasen unter Messbedingungen nach und versucht dabei, gerade jene Beschwerde auszulösen, die den Patienten zum Arzt geführt hat.
Der entscheidende Messwert ist dabei nicht unmittelbar zugänglich. In der Harnblase wird stets ein Gesamtdruck gemessen, der sich aus zwei Anteilen zusammensetzt: dem Druck, den der Blasenmuskel selbst erzeugt, und dem Druck, der von außen aus dem Bauchraum auf die Blase wirkt, etwa beim Husten oder Pressen. Um beides zu trennen, wird der Druck im Bauchraum über eine zweite Sonde erfasst und vom gemessenen Blasendruck abgezogen. Erst diese Differenz gibt die Leistung des Blasenmuskels wieder.
Vor der Messung stehen die einfacheren Schritte der Abklärung. Dazu gehören das ausführliche Gespräch über Art, Häufigkeit und Umstände der Beschwerden, ein über mehrere Tage geführtes Miktionsprotokoll, in dem Toilettengänge, Harnmengen und unfreiwillige Harnverluste festgehalten werden, die körperliche Untersuchung, eine Urinuntersuchung sowie die Bestimmung des nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibenden Harns mittels Ultraschall. Die aufwendige Messung mit Sonden steht am Ende dieser Kette und nicht an ihrem Anfang.
Neben der Inkontinenz und der Abklärung vor einem Eingriff gibt es eine zweite große Gruppe von Anlässen: Blasenstörungen, die auf einer Erkrankung des Nervensystems beruhen. Bei Multipler Sklerose, nach einer Querschnittslähmung, bei Parkinson oder nach einem schweren Bandscheibenvorfall kann die Steuerung der Blase gestört sein, ohne dass die Betroffenen es zunächst bemerken. Hier dient die Untersuchung nicht allein der Erklärung von Beschwerden, sondern auch dem Schutz der Nieren: Ein dauerhaft hoher Druck in der Blase kann den Harn zurückstauen und die Nieren auf Dauer schädigen. In der Kinderchirurgie betrifft dies vor allem Kinder mit angeborenen Fehlbildungen des Rückenmarks wie einer Spina bifida.
Die Untersuchung bei Kindern ist ein Sonderfall. Sie erfordert Geduld und eine Umgebung, in der das Kind sich sicher fühlt, denn ohne dessen Mitwirkung sind die Angaben zum Harndrang nicht zu erheben. Die Messwerte werden zudem an altersabhängigen Vergleichsgrößen gemessen, weil sich Fassungsvermögen und Druckverhältnisse der Blase mit dem Wachstum verändern. Bei Kindern mit einer angeborenen Fehlbildung des Rückenmarks wird die Untersuchung im Verlauf wiederholt, um eine Verschlechterung rechtzeitig zu bemerken, bevor sie den Nieren schadet.
Funktion, Wirkung & Ziele
Bei einem niedrigen Harnfluss kann eine vergrößerte Prostata, eine Schwäche des Blasenmuskels oder eine Harnröhrenenge vorliegen. Die Zystometrie beurteilt die Speicherfähigkeit der Harnblase. Die Druckmessung erfolgt in der Harnblase sowie im Enddarm, der den Druck in der Bauchhöhle wiedergibt, sodass sich durch den Vergleich der beiden Werte der Druck des Blasenmuskels bestimmen lässt. Das Urethradruckprofil, ein weiteres Verfahren einer urodynamischen Untersuchung, untersucht die Verschlussfähigkeit einer Harnröhre im Zustand der Ruhe sowie bei körperlicher Belastung wie zum Beispiel durch Hustenstöße.
Gleichzeitig werden Druck von Harnröhre und Harnblase gemessen, sodass der Harnröhrenverschlussdruck bestimmt werden kann. Die Miktionsanalyse wird durch eine genaue Druck- und Flussmessung durchgeführt, die durch die Werte von Blasendruck, Harnfluss und Muskelfunktionsaufzeichnungen Rückschlüsse auf die Art und die Schwere einer Miktionsstörung ermöglicht. Bei der Untersuchung selbst wird über die Harnröhre eine dünne Sonde in die Harnblase eingeführt, über die dann die Messung des Blasendrucks erfolgt und die Harnblase auch gefüllt wird. Eine weitere Messsonde im Enddarm bietet einen Vergleichswert zum in der Harnblase gemessenen Druck. Im Ausnahmefall erfolgt eine Messung der Beckenbodenaktivität des Schließmuskels. Dabei wird die Muskelaktivität über drei Klebeelektroden am Damm registriert.
Zuerst wird die Blase unter moderatem Tempo mit einer sterilen Kochsalzlösung gefüllt. Ist die Harnblase voll, kann trotz der liegenden Sonde Wasser gelassen werden. Bei vorliegender Inkontinenz ist es empfehlenswert, den Blasenkatheter bei einer fortlaufenden Messung des Drucks der Harnröhre behutsam und entsprechend langsam aus der Harnblase zu entfernen. Generell ist die urodynamische Untersuchung nicht mit starken Schmerzen verbunden, viele Patienten empfinden sie jedoch als unangenehm. Als besonders störend gelten dabei das Einführen der Sonden, das Füllen der Blase bis zum starken Harndrang und das Wasserlassen im Beisein des Untersuchungspersonals. Für die Untersuchung empfiehlt sich eine sitzende Körperposition, um die alltägliche Belastung möglichst optimal zu simulieren. Ein Auffangmechanismus auf dem Untersuchungsstuhl gibt Aufschluss über den unwillkürlichen Verlust von Harn bei der Füllung der Blase sowie bei der anschließenden Harnabgabe.
Damit die Werte aus Blase und Enddarm überhaupt vergleichbar sind, werden die Messgeräte vor Beginn auf einen gemeinsamen Bezugspunkt eingestellt; anschließend prüft der Untersucher mit einem kurzen Hustenstoß, ob beide Sonden den Druck zuverlässig übertragen. Gelingt dieser Vorabtest nicht, sind die folgenden Messwerte nicht verwertbar. Während der Füllung wird der Patient laufend gefragt, was er spürt. Festgehalten werden der Zeitpunkt, an dem er die Füllung zum ersten Mal wahrnimmt, der Zeitpunkt des ersten normalen Harndrangs und derjenige eines starken, nicht mehr gut zu unterdrückenden Harndrangs. Aus diesen Angaben und den zugehörigen Füllmengen ergibt sich, wie groß das Fassungsvermögen der Blase ist und ob sie zu früh oder erst sehr spät meldet.
Gleichzeitig achtet der Untersucher darauf, ob sich der Blasenmuskel während der Füllung von selbst zusammenzieht, obwohl er es nicht sollte. Solche unwillkürlichen Kontraktionen sind der messbare Ausdruck dessen, was Betroffene als plötzlichen, überfallartigen Harndrang erleben. Ebenso wird beurteilt, wie gut sich die Blasenwand mit zunehmender Füllung dehnen lässt: Eine Blase, deren Druck schon bei geringer Füllung deutlich ansteigt, hat ihre Nachgiebigkeit verloren.
Besonderes Gewicht hat die Messung während der Blasenentleerung. Sie zeichnet Druck und Harnfluss gleichzeitig auf und beantwortet damit eine Frage, die sich mit der Messung des Harnstrahls allein nicht klären lässt. Ein schwacher Strahl kann nämlich zwei ganz verschiedene Ursachen haben: einen Widerstand, gegen den die Blase anarbeiten muss, oder einen Blasenmuskel, der nicht mehr genug Kraft aufbringt. Im ersten Fall findet sich ein hoher Druck bei geringem Fluss, im zweiten ein niedriger Druck bei ebenfalls geringem Fluss. Diese Unterscheidung fällt vor allem dann ins Gewicht, wenn ein Eingriff an der Prostata erwogen wird: Bei einer Schwäche des Blasenmuskels würde die Beseitigung eines Abflusshindernisses die Beschwerden nicht beheben.
Mitunter wird zusätzlich ein Röntgenkontrastmittel eingebracht, um eine Miktionszystographie durchzuführen. Die fortlaufend dokumentierten Messwerte und daraus dargestellten Druck- und Flusskurven wertet meistens ein Computersystem aus, das der Arzt im Anschluss interpretiert. Die urodynamische Untersuchung ermöglicht zudem eine genauere Untersuchung unterschiedlicher Formen von Harnverlust wie zum Beispiel eine Stressinkontinenz, sensorische und motorische Urgeinkontinenz sowie Mischformen.
Die Ableitung über die Klebeelektroden am Damm zeigt ergänzend, ob sich der Beckenboden während der Entleerung entspannt oder ob er sich – etwa bei einer Erkrankung des Nervensystems – gerade dann anspannt, wenn er nachgeben müsste. Aus allen Teilbefunden entsteht am Ende ein Bericht, der die aufgezeichneten Kurven, ihre Deutung und die daraus abgeleitete Empfehlung enthält. Diese kann von Beckenbodenübungen und einem Blasentraining über eine medikamentöse Behandlung bis zu einem operativen Eingriff reichen.
So aufschlussreich die Messwerte sind, sie bilden immer nur einen Ausschnitt ab. Die Untersuchung findet in einer künstlichen Situation statt: Die Blase wird schneller gefüllt, als es im Alltag geschieht, die liegenden Sonden verändern die Verhältnisse in der Harnröhre, und die Anwesenheit fremder Menschen beeinflusst das Wasserlassen. Beschwerden, die im Alltag auftreten, lassen sich deshalb nicht in jedem Fall im Untersuchungsraum auslösen, und nicht jede Abweichung von der Norm hat umgekehrt Krankheitswert. Die Messwerte werden daher stets zusammen mit dem Beschwerdebild, dem Miktionsprotokoll und den übrigen Befunden gedeutet.
Zur Kontrolle einer neurogenen Blase kann durch die urodynamische Untersuchung der vesikoureterale Reflux nachgewiesen werden. Auch wenn die urodynamischen Untersuchungen nicht von jedem Patienten als angenehm empfunden werden, ist zu bedenken, dass sie Fragen zum unteren Harntrakt klären können, die mit den einfacheren Untersuchungen offenbleiben, und damit eine gezielte Behandlung ermöglichen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Mitunter kann die Einführung eines Blasenkatheters, wie er bei der urodynamischen Untersuchung zum Einsatz kommt, zu Blasenentzündungen oder Blutungen führen. Mit der Gabe von Antibiotika heilt die Blasenentzündung wieder ab. Binnen 48 Stunden nach der Untersuchung sollten Blutungen sistieren. Verletzungen der Harnröhre sowie infolge davon entstandene Vernarbungen sind durch die Durchführung einer urodynamischen Untersuchung sehr selten und im Regelfall nicht zu erwarten.
Das Risiko einer Infektion lässt sich durch die Vorbereitung deutlich senken. Vor der Untersuchung wird der Harn geprüft; besteht ein Infekt, wird er zunächst behandelt und der Termin verschoben. Während der Untersuchung wird steril gearbeitet, und die verwendeten Sonden sind bewusst dünn gehalten, um die Harnröhre so wenig wie möglich zu reizen. Ob im Vorfeld vorbeugend ein Antibiotikum eingenommen wird, entscheidet der Arzt nach dem Einzelfall; bei geschwächter Abwehr, bei künstlichen Herzklappen oder bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten wird es eher erwogen als bei sonst gesunden Patienten.
Auf welche Zeichen nach der Untersuchung zu achten ist, sollte vor dem Verlassen der Praxis besprochen werden. Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen in der Flanke oder ein zunehmend trüber und übelriechender Harn sprechen für eine aufsteigende Infektion und gehören ärztlich abgeklärt. Dasselbe gilt, wenn nach der Untersuchung überhaupt kein Wasser mehr gelassen werden kann – ein seltener, aber unangenehmer Zustand, der einer raschen Entlastung bedarf.
Es kann in den Stunden nach der Untersuchung zu einem Brennen beim Wasserlassen kommen. Unmittelbar nach der Untersuchung ist das Lenken eines Fahrzeugs in der Regel möglich, da bei der urodynamischen Untersuchung keinerlei Medikamente verabreicht werden, die die Aufmerksamkeit oder das Bewusstsein beeinflussen könnten. Im Sinne des Patienten sind die Beschwerden zwar nicht angenehm, aber sie dienen der Abklärung von Erkrankungen und damit einer wirksamen Behandlung.
Die größte Belastung der urodynamischen Untersuchung ist für viele Patienten allerdings nicht körperlicher Art. Vor fremden Menschen Wasser zu lassen und dabei beobachtet zu werden, wird als beschämend empfunden, und manche Patienten können unter diesen Umständen zunächst gar nicht urinieren. Es hilft, wenn die einzelnen Schritte vorher erklärt werden, wenn im Raum nur die Personen anwesend sind, die für die Messung gebraucht werden, und wenn der Patient weiß, dass er die Untersuchung jederzeit unterbrechen lassen kann. Der Wunsch nach einer untersuchenden Person desselben Geschlechts oder nach einer Begleitperson lässt sich in vielen Einrichtungen erfüllen und sollte vorher angesprochen werden.
Selten treten Unverträglichkeiten gegenüber dem Material der Sonden auf; eine bekannte Latexallergie ist deshalb vor der Untersuchung anzugeben, damit latexfreie Instrumente bereitgelegt werden. Wird die Untersuchung um die Röntgendarstellung erweitert, kommen die Belastung durch Röntgenstrahlung und die Möglichkeit einer Unverträglichkeit gegenüber dem Kontrastmittel hinzu; diese erweiterte Form bleibt deshalb Fragestellungen vorbehalten, die sich anders nicht klären lassen. Wegen der Strahlenbelastung wird bei Frauen im gebärfähigen Alter zuvor nach einer möglichen Schwangerschaft gefragt.
Quellen
- Tunn, R., Hanzal, E., Perucchini, D. (Hrsg.): Urogynäkologie in Praxis und Klinik.
ISBN: 9783110654349
- Naumann, G. (Hrsg.): Urogynäkologie.
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- Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
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- Schmelz, H.-U., Sparwasser, C., Ruf, C., Nestler, T.: Facharztwissen Urologie.
ISBN: 9783662744864
- Michel, M. S., Thüroff, J. W. (Hrsg.): Urologische Differenzialdiagnose.
ISBN: 9783131010636
