Verhütungsmittel

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Verhütungsmittel sind in unserer modernen Welt wichtiger denn je. Familienplanung ist ein Thema, das die Menschheit eigentlich schon immer bewegt. Bereits vor einigen tausend Jahren kannten die Frauen Methoden, um einer ungewollten Schwangerschaft vorzubeugen.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung & Gebrauch

Verhütungsmittel
Neben Kondomen und der Antibabypille ist die Vielzahl an weiteren Verhütungsmitteln groß.

So benutzten beispielsweise einige Nomadenstämme mit Pflanzenauszügen getränkte Schwämmchen, die sie in die Vagina einführten, als Verhütungsmittel, um das Eindringen der Spermien zu verhindern und deren Beweglichkeit zu verringern.

Diese Methode findet zum Teil noch heute Verwendung. Der berühmte islamisch-persische Arzt Ibn Sina (Avicenna), der etwa von 980 bis 1037 lebte, dokumentierte 20 verschiedene Methoden der Empfängnisverhütung.

In der frühen Neuzeit wurden in Europa Kondome aus Schafsdärmen als Verhütungsmittel benutzt und im pharaonischen Ägypten tränkten die Frauen kleine Stoffläppchen mit einem Gemisch aus Honig und dem Saft von Akazienblättern. Der Stoff wurde in die Scheide eingeführt, der Akaziensaft wirkt tatsächlich schwach spermizid.

Eine ebenfalls uralte Methode der Verhütung ist der sogenannte Coitus interruptus, das heißt, der unterbrochene Geschlechtsverkehr. Die römisch-katholische Kirche lehnt allerdings gerade auch den Coitus interruptus ab; als zulässig gilt ihr allein die natürliche Familienplanung durch Beobachtung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage. Vor allem aber ist der unterbrochene Geschlechtsverkehr unsicher: Das Risiko, dennoch schwanger zu werden, ist hoch.

Im Jahre 1961 trat ein Ereignis ein, das eine tiefgreifende Veränderung des gesellschaftlichen Lebens mit sich brachte und seine Strukturen und Wertvorstellungen bis in die Grundfesten erschütterte. Die sogenannte Antibabypille wurde als erstes hormonelles Verhütungsmittel auf dem deutschen Arzneimittelmarkt zugelassen.

Neben allen Diskussionen und Forschungsergebnissen, die das Für und Wider dieser hormonellen Verhütungsmethode belegen, ist sie eines der zuverlässigsten Verhütungsmittel, wenn es darum geht, eine Schwangerschaft bestmöglich zu verhindern. Nach der Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2023 wird in Deutschland jedoch häufiger mit dem Kondom verhütet (53 Prozent) als mit der Pille (38 Prozent); 2007 lag die Pille noch mit 55 zu 36 Prozent vorn.


Pflanzliche, natürliche & pharmazeutische Verhütungsmittel

Natürlich ist die Entwicklung der Verhütungsmittel seit 1961 nicht stehen geblieben und neben den verschiedenen Arten der „Pille“, die mittlerweile entwickelt wurden, existieren auch andere Methoden der hormonellen Schwangerschaftsverhütung.

So bietet der pharmazeutische Markt inzwischen auch die Dreimonatsspritze an, es gibt Hormonpflaster, Hormonspiralen und Hormonstäbchen, die unter die Haut des Oberarms implantiert werden und kontinuierlich Hormone in den Blutkreislauf abgeben. Auch Vaginalringe, die mit Hormonpräparaten versehen wurden, sind in Gebrauch.

Neben allen diesen hormonellen Verhütungsmitteln finden einige mechanische Verhütungsmittel Verwendung. Die landläufig bekannteste Methode dabei ist nach wie vor die „Spirale“, auch Intrauterinpessar (IUP) genannt. Es handelt sich hierbei um kleine Objekte, die in die Gebärmutter eingebracht werden. Früher schrieb man ihre Wirkung allein der mechanischen Reizung zu, die das Einnisten einer Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut verhindern sollte. Heute enthalten alle gebräuchlichen Spiralen entweder Kupfer oder ein Gestagen. Kupferspiralen wirken vor allem dadurch, dass die freigesetzten Kupferionen die Spermien schädigen; Hormonspiralen machen den Schleim im Gebärmutterhals für Spermien undurchlässig und halten die Gebärmutterschleimhaut flach.

Ähnlich ist auch die Wirkungsweise von Kupferketten, die ebenfalls als Verhütungsmittel in die Gebärmutter eingepflanzt werden. Der Vorteil der Kupferkette ist, dass sie in der Gebärmutter fixiert wird und so die Gefahr einer Abstoßung wesentlich geringer ist.

Eine sehr rigorose Methode der Empfängnisverhütung ist die Sterilisation bzw. Vasektomie. Beide Maßnahmen sind als dauerhaft anzusehen; operative Versuche, sie rückgängig zu machen, sind aufwendig und gelingen nicht zuverlässig. Bei der Sterilisation werden die Eileiter der Frau innerhalb eines chirurgischen Eingriffs abgebunden oder durchtrennt und bei der Vasektomie werden die Samenleiter des Mannes ebenfalls chirurgisch durchtrennt. Der Entschluss, dieses Verhütungsmittel anzuwenden, bedarf regelmäßig reiflicher Überlegung und sollte bei medizinisch unbedingt notwendiger Indikation oder bei mit Sicherheit abgeschlossener Familienplanung zur Anwendung kommen.

Weitere Verhütungsmittel, die auf mechanischer Basis funktionieren und im Gegensatz zu den hormonellen Methoden keinen Eingriff in den Hormonhaushalt darstellen, der mit Nebenwirkungen verbunden sein kann, sind das Kondom für den Mann und das Diaphragma und die Portiokappe für die Frau.

Weiterhin gibt es ein sogenanntes Femidom, das Kondom für die Frau. Kondom und Femidom sind die einzigen Verhütungsmittel, die zugleich vor der Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten schützen. Alle übrigen Methoden – auch die Pille, die Spirale, das Diaphragma und die Sterilisation – bieten keinen Infektionsschutz.

In Kombination mit den mechanischen Verhütungsmitteln oder auch separat von diesen können chemische Präparate wie Gels oder Salben angewendet werden, die in die Vagina eingebracht werden. Ihre chemische Zusammensetzung tötet die Spermien ab oder beeinträchtigt deren Beweglichkeit. Bei empfindlichen Personen können diese Produkte Schleimhautreizungen hervorrufen. Für sich allein angewendet bieten chemische Verhütungsmittel nur einen geringen Schutz; sie sollten stets mit einer mechanischen Methode kombiniert werden.

In letzter Zeit rücken auch pflanzliche Verhütungsmittel wieder in den Blickpunkt der Medizin, sie sind aber nicht ausreichend erforscht und für eine zuverlässige Verhütung nicht geeignet.

Des Weiteren stehen neben oben genannten Verhütungsmitteln auch noch verschiedene Berechnungsmethoden für die Feststellung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage zur Verfügung. Diese Berechnung kann durch die klassische Temperaturmessung erfolgen oder auch durch diverse kleine Berechnungscomputer, die in den Apotheken zum Sortiment gehören. Heute treten daneben zahlreiche Zyklus-Apps für das Smartphone; ihre Zuverlässigkeit schwankt erheblich und ist nur für wenige Anwendungen überhaupt geprüft.

Wie zuverlässig ein Verhütungsmittel ist, wird mit dem Pearl-Index angegeben. Er nennt, wie viele von hundert Frauen innerhalb eines Jahres trotz der Methode schwanger werden. Am sichersten sind Hormonstäbchen, Hormon- und Kupferspirale sowie die Sterilisation mit Werten deutlich unter eins; die Pille liegt bei sorgfältiger Einnahme ähnlich niedrig, in der Praxis aber merklich höher, weil vergessene Tabletten, Erbrechen oder Durchfall den Schutz mindern. Kondom (2 bis 12) und Diaphragma (1 bis 20) liegen dazwischen und hängen stark von der richtigen Anwendung ab; am unzuverlässigsten sind chemische Verhütungsmittel (3 bis 21), der Coitus interruptus (4 bis 18) und die Berechnung der fruchtbaren Tage.

Rechtlich sind Verhütungsmittel keine einheitliche Gruppe. Hormonelle Methoden wie Pille, Pflaster, Ring, Stäbchen oder Dreimonatsspritze sind Arzneimittel und brauchen eine Zulassung, in der Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachgewiesen werden. Kondom, Femidom, Diaphragma, Portiokappe und Kupferspirale sind dagegen Medizinprodukte: Sie durchlaufen nach der EU-Medizinprodukteverordnung eine Konformitätsbewertung, und das CE-Zeichen belegt, dass Sicherheit und Leistung geprüft wurden. Die Hormonspirale ist dagegen ein zulassungspflichtiges Arzneimittel, weil ihre Hauptwirkung von dem abgegebenen Wirkstoff ausgeht; nur ihr Trägerkörper muss zusätzlich die Anforderungen an Medizinprodukte erfüllen.

Jede Frau sollte individuell das für sie passende Verhütungsmittel sorgfältig auswählen und gegebenenfalls das Beratungsgespräch mit ihrem Frauenarzt suchen.

Zuverlässigkeit & Anwendungsfehler

Der Pearl-Index wird meist als eine einzige Zahl zitiert, tatsächlich gibt es ihn in zwei Lesarten. Die eine beschreibt das Methodenversagen: wie oft eine Methode versagt, obwohl sie fehlerfrei angewendet wurde. Die andere beschreibt das Gebrauchsversagen, also den Alltag mit vergessenen Tabletten, falsch aufbewahrten Kondomen und Verkehr ohne Verhütung. Daher rühren die breiten Spannen, die für dieselbe Methode angegeben werden – der untere Wert gehört zur Idealbedingung, der obere zum wirklichen Leben.

Weil die Bezugsgröße von hundert Frauen für die häufigen Methoden zu grob ist, rechnet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung teilweise auf tausend: Beim Kondom werden bei einer solchen Alltagsanwendung innerhalb eines Jahres 60 bis 130 von 1000 Frauen schwanger. Diese Zahl ist keine Eigenschaft des Materials, sondern eine Eigenschaft des Gebrauchs.

Was den Schutz eines Kondoms schwächt, ist deshalb überwiegend banal. Kondome vertragen keine Hitze und nehmen in Hosentaschen, Geldbeuteln und Kosmetiktaschen Schaden. Ölhaltige Cremes, Vaseline und Massageöle greifen Latex an, ebenso manche Salben und Medikamente, die im Genitalbereich angewendet werden; für Latexkondome geeignete Gleitmittel sind wasserlöslich. Latexfreie Kondome aus Polyurethan sind gegen ölhaltige Mittel unempfindlich – und für Menschen mit einer Latexallergie ohnehin die einzige Wahl. Auch die Größe entscheidet mit: Ein zu enges Kondom lässt sich schwer abrollen, ein zu weites rutscht ab.

Was der Pearl-Index dagegen überhaupt nicht misst, gerät leicht aus dem Blick. Er sagt nichts über den Schutz vor Infektionen, nichts über Verträglichkeit und Nebenwirkungen, nichts darüber, wie schnell die Fruchtbarkeit nach dem Absetzen zurückkehrt, und nichts über die Kosten. Und weil die zugrunde liegenden Untersuchungen unterschiedlich alt sind und unterschiedliche Gruppen von Anwenderinnen einschließen, lassen sich Werte verschiedener Methoden nur eingeschränkt gegeneinander stellen.

Risiken & Nebenwirkungen

Am gründlichsten untersucht ist das Risiko einer Thrombose unter kombinierten hormonellen Verhütungsmitteln, also jenen Präparaten, die ein Östrogen und ein Gestagen enthalten. Die Europäische Arzneimittel-Agentur schloss am 21. November 2013 ein EU-weites Bewertungsverfahren dazu ab. Ergebnis: Der Nutzen dieser Mittel überwiegt weiterhin ihre Risiken, und das seit langem bekannte Risiko einer venösen Thromboembolie ist bei allen niedrig dosierten kombinierten Präparaten gering.

Die zweite Hälfte des Ergebnisses wird seltener zitiert, ist aber die praktisch bedeutsamere: Zwischen den Präparaten bestehen Unterschiede, und sie hängen am enthaltenen Gestagen. Nach den seinerzeit verfügbaren Daten weisen Präparate mit Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat das niedrigste Thromboserisiko auf. Für arterielle Verschlüsse, also etwa Herzinfarkt und Schlaganfall, fand sich dagegen kein Unterschied zwischen den niedrig dosierten kombinierten Präparaten. Die Agentur hielt außerdem fest, dass diese Mittel bei einem schwerwiegenden oder mehreren zusammentreffenden Risikofaktoren nicht angewendet werden dürfen und dass sich die persönlichen Risikofaktoren im Lauf der Jahre ändern – die Eignung ist also keine einmalige Feststellung.

Es lohnt, die Reichweite dieses Befundes genau zu nehmen: Gegenstand des Verfahrens waren ausschließlich die kombinierten Präparate. Methoden, die nur ein Gestagen abgeben, waren nicht Teil dieser Bewertung, und die Aussagen zum Gestagenvergleich lassen sich nicht auf sie übertragen. Als Warnzeichen für ein Blutgerinnsel nennt die europäische Produktinformation starke Schmerzen oder Schwellungen im Bein, plötzliche unerklärliche Atemnot, schnelle Atmung oder Husten, Brustschmerz sowie Schwäche oder Taubheitsgefühl in Gesicht, Arm oder Bein.

Dass hormonelle Verhütungsmittel überhaupt verschreibungspflichtig sind, hat genau hierin seinen Grund. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nennt ihn nüchtern: Sie eignen sich nicht für jede Frau. Bestehende oder frühere Erkrankungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Risikofaktoren wie das Rauchen können dagegen sprechen, weshalb der Verordnung eine ärztliche Beratung und mitunter eine Untersuchung vorausgeht.

Rechtliche Einordnung & Kostenübernahme

Innerhalb der Medizinprodukte staffelt die europäische Verordnung nach Risiko, und Verhütungsmittel liegen dabei keineswegs unten. Ihre Klassifizierungsregeln ordnen Produkte, die der Empfängnisverhütung oder dem Schutz vor der Übertragung sexuell übertragbarer Krankheiten dienen, der Klasse IIb zu; handelt es sich um implantierbare oder um invasive Produkte zur langzeitigen Anwendung, greift die höchste Klasse III. Kondom und Diaphragma fallen damit unter die zweithöchste, ein über Jahre in der Gebärmutter verbleibendes Produkt unter die höchste Klasse überhaupt. Das ist kein Etikett, sondern hat Folgen: Anders als bei einfachen Produkten der Klasse I darf der Hersteller die Konformität in diesen Klassen nicht allein erklären – er muss eine unabhängige benannte Stelle einschalten, deren Kennnummer anschließend neben dem CE-Zeichen steht.

Ausdrücklich als Medizinprodukt gilt nach derselben Verordnung auch Software. Für die Verhütung ist das keine Randnotiz, seit Zyklus-Apps um Anwenderinnen werben: Entscheidend ist die Zweckbestimmung des Herstellers. Eine Anwendung, die lediglich Zyklusdaten notiert, ist ein Kalender; wird sie zur Empfängnisverhütung bestimmt, unterliegt sie dem Medizinprodukterecht mitsamt Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung.

Rezept braucht, wer ein hormonelles Mittel anwenden will – die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zählt Pille, Minipille, Hormonspirale, Ring, Stäbchen, Pflaster und Spritze auf –, und ebenso, wer sich Kupferspirale, Kupferkette oder Kupferball einsetzen lässt. Bei den kupferhaltigen Produkten liegt der Grund nicht in einer Arzneimittelwirkung, sondern darin, dass allein ärztliches Personal sie einsetzen darf. Kondom, Femidom und Diaphragma sind dagegen frei verkäuflich.

Die Kosten trägt in aller Regel die Anwenderin selbst. Das Fünfte Sozialgesetzbuch macht davon zwei Ausnahmen: Es gibt für alle Versicherten einen Anspruch auf ärztliche Beratung zur Empfängnisregelung einschließlich der erforderlichen Untersuchung und der Verordnung, und bis zum vollendeten 22. Lebensjahr einen Anspruch auf die Versorgung mit verschreibungspflichtigen empfängnisverhütenden Mitteln. Entsprechendes gilt für ärztlich verordnete Notfallkontrazeptiva, bei Hinweisen auf sexuellen Missbrauch oder eine Vergewaltigung sogar ohne Altersgrenze. Ab dem achtzehnten Geburtstag fällt allerdings die übliche Zuzahlung in der Apotheke an, und nach dem zweiundzwanzigsten entfällt die Übernahme – auch für Frauen, die Bürgergeld oder Sozialhilfe beziehen. Manche Städte und Gemeinden haben dafür eigene Fonds eingerichtet. Wird ein Präparat aus medizinischen Gründen verordnet, etwa gegen Akne oder gegen sehr starke Blutungen, kann die Kasse die Kosten auch darüber hinaus tragen.

Einen eigenen rechtlichen Rahmen hat die Sterilisation. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch können weder die Eltern in die Sterilisation ihres Kindes einwilligen noch das Kind selbst – ein ausnahmsloses Verbot. Bei erwachsenen Betreuten, die nicht selbst einwilligen können, ist der Eingriff nur unter fünf zugleich zu erfüllenden Voraussetzungen zulässig, darunter, dass die Unfähigkeit zur Einwilligung dauerhaft bleiben wird, dass ohne den Eingriff eine Schwangerschaft mit schwerwiegender gesundheitlicher Gefahr zu erwarten wäre und dass diese sich nicht auf andere zumutbare Weise verhindern lässt. Hinzu kommen die Genehmigung des Betreuungsgerichts und eine anschließende Wartefrist von zwei Wochen.

Verhütung beim Mann & Forschungsstand

Für Männer stehen praktisch zwei Methoden zur Verfügung: das Kondom und die Vasektomie. An einer „Pille für den Mann“ wird seit Jahrzehnten geforscht, doch weder sie noch ein anderer Ansatz hat es nach Darstellung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bislang zur Marktreife gebracht.

Die biologische Ausgangslage erklärt einen Teil der Schwierigkeit. Im weiblichen Zyklus gibt es je Monat eine befruchtungsfähige Eizelle; die Hoden dagegen produzieren rund um die Uhr Millionen von Spermien. Ein Mittel müsste diese Produktion dauerhaft weit genug drosseln und die Fruchtbarkeit nach dem Absetzen vollständig zurückkehren lassen.

Genau das gelang bereits. Eine von der Weltgesundheitsorganisation 2008 beauftragte internationale Studie mit einem Hormonimplantat und Spritzen senkte die Spermienzahl so weit ab, dass der Schutz mit dem der Pille vergleichbar war, und die Fruchtbarkeit stellte sich nach dem Absetzen wieder ein. Berichtet wurden allerdings Gewichtszunahme, Depressivität, Libidoverlust und vermehrter Nachtschweiß; das Vorhaben wurde daraufhin abgebrochen, weil man annahm, Männer würden die Methode nicht anwenden. Ob diese Nebenwirkungen tolerierbar gewesen wären, beurteilten die beteiligten Länder unterschiedlich. Der Abbruch trug der Forschung den Vorwurf ein, bei Verhütungsmitteln für Frauen würden vergleichbare oder stärkere Nebenwirkungen offenbar als zumutbar angesehen.

Seither richtet sich das Interesse stärker auf nicht-hormonelle Wege: Pflanzenwirkstoffe wie ein Extrakt aus Justicia gendarussa oder Triptonid, ein Verschluss oder ein schaltbares Ventil im Samenleiter und die gezielte Überwärmung der Hoden mittels Silikonringen. Allen gemeinsam ist, dass hinreichende klinische Wirksamkeits- und Zulassungsstudien fehlen.

Eine praktische Einzelheit der Vasektomie geht in der Darstellung als „endgültige“ Methode oft unter: Der Schutz tritt nicht mit dem Eingriff ein. Bis sich im Ejakulat keine befruchtungsfähigen Spermien mehr finden, können bis zu drei Monate vergehen; bis dahin verhütet der Eingriff nicht.

Abgrenzungen & häufige Verwechslungen

Verhütung und Schwangerschaftsabbruch werden im Alltag oft in einem Atemzug genannt, sind aber rechtlich und praktisch getrennte Welten. Ein Schwangerschaftsabbruch bleibt nach dem Strafgesetzbuch nur unter Voraussetzungen straffrei, zu denen eine Beratung mit Bescheinigung, die Vornahme durch einen Arzt und eine Frist seit der Empfängnis zählen. Die dafür zugelassenen Arzneimittel unterliegen zudem einem Sondervertriebsweg: Sie werden nur an bestimmte Einrichtungen und nur auf Verschreibung eines dort behandelnden Arztes abgegeben, ihre Packungen sind fortlaufend nummeriert, und die Apothekenpflicht gilt für sie ausdrücklich nicht – über eine Apotheke sind sie gar nicht erhältlich. Kein Verhütungsmittel wird auf diesem Weg vertrieben.

Ebenso wenig ist ein Notfallpräparat ein reguläres Verhütungsmittel. Die europäische Fachinformation zu einem solchen Mittel sagt es unmissverständlich: Es ist für den gelegentlichen Gebrauch bestimmt und soll in keinem Fall eine reguläre Verhütungsmethode ersetzen. Was hinter dem Stichwort Pille danach steht, gehört daher in die Rubrik Panne, nicht in die Rubrik Planung.

Eine letzte Verwechslung ist im Medizinprodukterecht sogar angelegt. Dieselbe Verordnung, die Produkte zur Empfängnisverhütung erfasst, erfasst ausdrücklich auch solche zur Empfängnisförderung – beides steht in derselben Aufzählung. Eine Zyklusanwendung kann daher zweierlei sein: ein Mittel, um eine Schwangerschaft zu vermeiden, oder eines, um sie herbeizuführen. Welchem Zweck sie dient, entscheidet nicht das Rechenverfahren, sondern die Zweckbestimmung des Herstellers – und wer ein für den Kinderwunsch gedachtes Werkzeug zur Verhütung heranzieht, verwendet es außerhalb dessen, wofür es geprüft wurde.

Quellen

  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783132411012
  • Kiechle, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783437424076
  • Strowitzki, T., Ortmann, O. (Hrsg.): Klinische Endokrinologie für Frauenärzte.
    ISBN: 9783662655160
  • Diedrich, K., Ludwig, M., Griesinger, G. (Hrsg.): Reproduktionsmedizin.
    ISBN: 9783662576359
  • Beier, K. M., Bosinski, H. A. G., Loewit, K.: Sexualmedizin.
    ISBN: 9783437180781

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