Winterdepression
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Gerade in den kalten Monaten ist die Winterdepression in aller Munde. Denn immer mehr Menschen reagieren mit seelischen Leiden auf jene Zeiten, da Sonne und Wärme rar sind und graue Tristesse herrscht. Halten solche Beschwerden über Wochen an, kann jedoch mehr dahinterstecken als eine vorübergehende Verstimmung; dann sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
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Was ist eine Winterdepression?
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Bei der Winterdepression handelt es sich um eine seelische Störung. Ihr geht meist ein Mangel an Sonnenlicht voraus. Insofern tritt die Krankheit ihrem Namen zufolge nicht ausschließlich in der kalten Jahreszeit auf. Vielmehr kann die Winterdepression auch im Herbst oder dem Frühling zu beobachten sein. Fachlich wird sie nach der Klassifikation ICD-10 als rezidivierende depressive Störung mit saisonalem Muster eingeordnet; im Englischen spricht man von der seasonal affective disorder (SAD).
Selbst in einem nass-kalten und trüben Sommer werden ihre Symptome mitunter festgestellt. Der Körper reagiert bei der Winterdepression somit auf die äußeren Umstände und bezieht das neblige und regnerische Wetter und die trübe Umwelt sprichwörtlich auf die eigene Seele.
Demgegenüber ist die Winterdepression saisonal begrenzt. Die Leiden mildern sich meist wie von selbst, wenn die warmen Monate anstehen. Dennoch sollte die Winterdepression ärztlich begutachtet und gegebenenfalls auch therapeutisch begleitet werden.
Ursachen
In anderen Fällen schüttet der Organismus durch das geringe Sonnenlicht mehr Melatonin aus – auch darauf kann der Körper bei der Winterdepression mit Müdigkeit, Schwäche oder Selbstzweifeln reagieren. Helles Licht hemmt die Bildung dieses Schlafhormons; fehlt das Licht, wird mehr Melatonin gebildet und die Ausschüttung verschiebt sich bis in den Tag hinein. Bei einigen Menschen funktioniert jedoch der Biorhythmus anders: Sie werden im Winter weniger aktiv und spüren die Leiden bereits bei geringen Anlässen wie Stress oder Problemen.
Die Winterdepression kann daher unterschiedliche Ursachen haben und sollte notwendigerweise von einem Arzt behandelt werden. Denn nur er kann letztlich die passende Therapie gegen die Winterdepression vorschlagen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Winterdepression ist eine saisonal auftretende depressive Verstimmung. Sie zeigt - meist in abgeschwächter Form - die typischen Symptome einer klinischen Depression. Im Gegensatz zur klinischen Depression wird die Winterdepression aber durch anhaltenden Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit begünstigt. Daher verschwinden die Beschwerden mit den helleren Monaten des Jahres wieder. Trotzdem können die Beschwerden belasten und behandlungsbedürftig sein.
Depressive Verstimmungen, die auf schwierige Lebenslagen, persönliche Krisen oder akute Probleme zurückzuführen sind, sind normal. Der verdüsterte Geist und die damit einhergehenden Verhaltensweisen wie sozialer Rückzug oder Lethargie verschwinden, wenn die Probleme gelöst werden.
Bei der lichtmangelbedingten Winterdepression kann es zu Begleitsymptomen wie Antriebsschwäche, Energielosigkeit und Unausgeglichenheit kommen. Die Betroffenen haben eine niedergedrückte Stimmung. Sie sind oft gereizt und schlafen schlecht. Manchmal werden die sozialen Kontakte vernachlässigt, gelegentlich auch die Fürsorge für die eigene Person. Es kann ein erhöhtes Ruhe- und Schlafbedürfnis bestehen. Die Müdigkeit will einfach nicht weichen.
Die von einer Winterdepression betroffenen Menschen fühlen sich wochenlang schlapp und deprimiert. Wenn diese Symptome zu schwerwiegenden Folgeerscheinungen führen, sollte der Betroffene geeignete Gegenmaßnahmen einleiten. Alternativ kann er überlegen, zum Hausarzt zu gehen und eine medizinische Behandlung zu erbitten. Die meisten Menschen können die Symptome ihrer Winterdepression recht gut einschätzen, da diese jedes Jahr auftritt.
Diagnose & Verlauf
Die Winterdepression zeigt sich in der Regel erstmals bereits in der Übergangsphase zwischen Sommer und Herbst: Mit Unmut wird die eintretende dunkle Zeit registriert. Müdigkeit herrscht bei den Betroffenen der Winterdepression vor, sie scheuen sich, das Haus zu verlassen.
Auf kleinste Herausforderungen reagiert der unter der Krankheit Leidende mit Verzweiflung, nimmt Aufgaben und Pflichten immer seltener wahr. Die Winterdepression kann in ihren schlimmsten Momenten bis hin zu Suizidgedanken oder sogar deren Ausführung reichen. Der Betroffene sieht in aller buchstäblichen Dunkelheit keine Auswege mehr. Bei akuten Suizidgedanken erreichen Betroffene die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, in akuter Gefahr gilt der Notruf 112.
Insofern sollten bereits die ersten Symptome der Winterdepression registriert werden. Denn nicht nur der Patient selbst, sondern auch sein gesamtes Umfeld spüren die Auswirkungen der Winterdepression.
Komplikationen
Eine Winterdepression sollte wie jede andere Depression behandelt werden. Bleibt sie unbehandelt, kann sie bis in die Frühlings- und Sommermonate bestehen bleiben. Betroffene haben ein erhöhtes Risiko, an einer schweren Depression zu erkranken.
Dies ist meistens mit weiteren psychischen Beschwerden verbunden, und im Allgemeinen leiden die Erkrankten unter der eingeschränkten Lebensqualität und dem fehlenden Wohlbefinden. Mögliche Folgen sind Schlafstörungen, die wiederum zu einer anhaltenden Erschöpfung führen und die Stimmung noch verschlechtern. Manchmal treten Suizidgedanken auf, die im schlimmsten Fall einen Suizidversuch nach sich ziehen. Auch hier gilt: Die Telefonseelsorge hilft rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222; bei akuter Gefahr ist der Notruf 112 zu wählen.
Erhalten die Betroffenen keine Unterstützung von Angehörigen oder Ärzten, entwickelt sich langfristig eine chronische Depression mit all ihren schwerwiegenden seelischen und körperlichen Folgen. Die Behandlung birgt, abseits der Nebenwirkungen von verabreichten Medikamenten, keine größeren Risiken. Eine Gesprächstherapie kann aber kurzfristig zu einer Verschlechterung der Stimmung führen und gelegentlich auch Panikattacken hervorrufen.
Eine Lichttherapie kann dazu führen, dass die Wirkung von Antidepressiva oder Antipsychotika verstärkt wird. Zudem können Kopfschmerzen, Hautrötungen und ein Brennen der Augen auftreten. Bei der privaten Anwendung kann ein ungeeignetes Gerät ernste Augenschäden hervorrufen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da die Symptome der Winterdepression unterschiedlich stark ausgeprägt sein können, ist es für Betroffene oft schwer zu erkennen, wann sie einen Arzt oder Therapeuten aufsuchen sollten. Eine Depression liegt vor, wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten. Deshalb ist dies ein guter Zeitpunkt, um einen Arzt aufzusuchen. Ärztlicher Rat kann jedoch bereits vorher empfehlenswert sein – zum Beispiel, wenn schwere Symptome wie Suizidalität auftreten.
Eine Winterdepression kann die Leistungsfähigkeit im Beruf und im Alltag beeinträchtigen. Da die Depression eine anerkannte Krankheit ist, kommt unter Umständen eine Krankschreibung infrage, um die psychische Belastung zu reduzieren. Der richtige Ansprechpartner ist in diesem Fall der Hausarzt, da viele Betroffene sonst lange Zeit auf einen Termin beim Facharzt oder Psychotherapeuten warten müssten. Zudem kann ein Hausarzt einige andere Ursachen für die Symptome ausschließen.
Nicht immer überschreitet eine Winterdepression die Grenze zur Major Depression oder Dysthymie. Allerdings kann auch eine leichtere depressive Verstimmung eine persönliche Belastung darstellen. Personen, die (fast) jedes Jahr oder über lange Zeiträume hinweg unter depressiven Verstimmungen leiden, können deshalb ebenfalls einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchen. Denn neben der Behandlung von akuten Symptomen können Therapeuten und Ärzte den Betroffenen auch dabei helfen, Strategien zur Vorbeugung einer Winterdepression zu entwickeln.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung der Winterdepression stützt sich auf die Lichttherapie, auf eine Gesprächstherapie und, je nach Schwere der Beschwerden, auf Medikamente. In der Gesprächstherapie werden dabei die wahren Ursachen ermittelt. Denn nicht selten zeichnet sich die Winterdepression bei solchen Personen ab, die schon sehr früh unter Ängsten oder unerfüllten Wünschen leiden. Medikamentös kommen bei mittelschwerer bis schwerer Ausprägung Antidepressiva infrage, in erster Linie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Über Auswahl und Dauer der Einnahme entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Das wichtigste Verfahren bei einer Winterdepression ist die Lichttherapie: Eine Tageslichtlampe mit 10.000 Lux wird morgens etwa 30 Minuten lang in einem Abstand von rund 50 bis 80 Zentimetern angewendet – mit offenen Augen, aber ohne direkt in die Lampe zu blicken. Angewendet wird sie über die dunkle Jahreszeit hinweg täglich. Bei Augenerkrankungen und bei der Einnahme lichtempfindlich machender Medikamente sollte vorher ärztlicher Rat eingeholt werden. Vom Besuch eines Sonnenstudios ist dagegen abzuraten: Solarien geben UV-Strahlung ab, die gegen eine saisonale Depression nichts ausrichtet – wirksam ist allein sichtbares helles Licht. Die UV-Strahlung aus Solarien ist von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft, und in Deutschland ist die Nutzung von Solarien für unter 18-Jährige verboten. Hilfreich ist stattdessen, sich häufiger an der frischen Luft zu bewegen: Selbst ein bedeckter Wintertag ist im Freien deutlich heller als jeder Innenraum.
Bleiben die Beschwerden trotz Lichttherapie und Bewegung bestehen, gehört die Winterdepression in ärztliche Behandlung. Bei schwerwiegenden Fällen, in denen etwa die Gefahr eines Suizids besteht, ist eine stationäre Behandlung der Winterdepression unumgänglich; in einer akuten Krise gilt der Notruf 112, rund um die Uhr erreichbar ist außerdem die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.
Im Idealfall sucht der Betroffene daher bereits bei stetig wiederkehrenden Leiden schon frühzeitig den Arzt oder Psychologen auf und gewährleistet sich damit eine ebenso schonende wie schnell erfolgende Genesung der Winterdepression.
Vorbeugung
Der Winterdepression kann bereits durch einen geregelten Tagesablauf, ausreichende Bewegung an der frischen Luft, durch sportliche Aktivitäten, eine vitaminreiche Ernährung und Abwechslung vorgebeugt werden. Erst wenn der Körper in Lethargie und Antriebslosigkeit versinkt, reicht dieses Vorgehen jedoch nicht mehr aus. Hier wäre eine ärztliche Begutachtung der Winterdepression in jedem Falle anzuraten.
Nachsorge
Die Winterdepression ist eine saisonale affektive Störung. Sie tritt in den Wintermonaten auf und wird durch den Lichtmangel in dieser Jahreszeit begünstigt. Eine Nachsorge ist nur bedingt möglich, da diese Form der Depression ab dem Frühjahr wieder nachlässt. Es kann im Zuge der Nachsorge aber eine Manifestation der Symptome und somit die Entwicklung zu einer dauerhaften Depression verhindert werden.
Eine Winterdepression wird häufig von einem Psychotherapeuten nachsorgend behandelt. Es kann aber auch ein Allgemeinmediziner zu Rate gezogen werden, weil sich viele Betroffene zuerst dort vorstellen. Allerdings wird eine Depression in der Hausarztpraxis nicht immer sofort erkannt; es lohnt sich daher, die Beschwerden von sich aus anzusprechen. Bei der Nachsorge lernt der Betroffene, mit der Erkrankung angemessen umzugehen. Hier ist die Nachsorge letztlich eine Vorsorge: Die ärztliche Beratung sollte spätestens im Herbst beginnen, bevor die Winterdepression entsteht.
Der winterliche Mangel an Sonnenlicht senkt den Vitamin-D-Spiegel im Blut. Ob ein niedriger Vitamin-D-Spiegel eine Winterdepression tatsächlich auslöst oder verstärkt, ist wissenschaftlich allerdings umstritten. Ob die Einnahme eines Präparates sinnvoll ist, sollte deshalb anhand des im Blut gemessenen Wertes ärztlich entschieden werden. Rotlicht- und Infrarotlampen ersetzen die Lichttherapie nicht: Sie wirken über Wärme und liefern nicht die Lichtstärke, auf die es bei der Behandlung ankommt.
Zusätzlich zur Winterdepression kann es parallel zu akuten Krisensituationen kommen. Sollte sich der Zustand des Betroffenen unerwartet verschlechtern, ist der behandelnde Arzt ein geeigneter Ansprechpartner. Er kann den Erkrankten in einer solchen Situation professionell betreuen und intervenierend vorgehen.
Das können Sie selbst tun
Je nach Ausmaß und Dauer der Winterdepression kann es durchaus zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags kommen. Zusätzlich zur ärztlichen Behandlung können die Betroffenen jedoch aktiv selbst zu einer Besserung der Symptome beitragen.
Wichtig ist dabei eine gesunde und ausgewogene Ernährung aus verschiedenen Vitaminen, Eiweißen, Mineralstoffen und komplexen Kohlenhydraten. Empfehlenswert sind etwa Gerichte aus Obst, Gemüse, Fisch, Hühnerfleisch, Hülsenfrüchten, Nüssen und Kartoffeln. Insbesondere bei Heißhunger-Attacken sollten stark zuckerhaltige Süßigkeiten und Snacks mit raffinierter Stärke wie Weißmehl vermieden werden. Ob zusätzlich Vitamin D eingenommen werden sollte, klärt man am besten ärztlich ab: Hochdosierte Präparate können ohne vorherige Bestimmung des Spiegels und ohne ärztliche Begleitung zu einem gefährlichen Anstieg des Kalziumspiegels im Blut (Hyperkalzämie) führen.
Eine weitere Maßnahme zur Selbsthilfe bei einer Winterdepression ist Bewegung im Freien. Dabei sollten die Betroffenen möglichst viel Sonnenlicht abbekommen. Eine halbe Stunde Gartenarbeit oder kurze Spaziergänge können zu einer deutlichen Besserung der Erkrankung führen. Bei älteren oder körperlich beeinträchtigten Menschen empfiehlt es sich, für längere Zeit am Balkon oder am geöffneten Fenster zu sitzen. Grundsätzlich sollten die Betroffenen bei einer Winterdepression versuchen, möglichst aktiv zu sein und verschiedenen Aktivitäten nachzugehen. Hilfreich ist bei vielen Patienten auch die eigenständige Anwendung einer Tageslichtlampe mit 10.000 Lux am Morgen; dabei sollte ein für die Lichttherapie geeignetes Gerät verwendet werden, da ungeeignete Lampen den Augen schaden können. Infrarot- und Rotlichtlampen leisten das nicht: Sie geben vor allem Wärme ab und haben mit der Lichttherapie nichts zu tun.
Quellen
- Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.-J. (Hrsg.): Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
ISBN: 9783132432673
- Berger, M. (Hrsg.): Psychische Erkrankungen. Klinik und Therapie.
ISBN: 9783437224850
- Falkai, P., Laux, G., Kapfhammer, H.-P., Möller, H.-J. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie.
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- Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M. H., Schulte-Markwort, E. (Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen.
ISBN: 9783456857008
- Falkai, P., Wittchen, H.-U. (Hrsg.): Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen.
ISBN: 9783801732172
