Wadenkrämpfe

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Jeder kennt sicherlich Wadenkrämpfe, denn fast alle Menschen leiden hin und wieder darunter. Besonders nachts wirken die Wadenkrämpfe schmerzhaft, da der Betroffene seine ganze Aufmerksamkeit auf den in der Ruhe auftretenden, starken und stechenden Schmerz gerichtet hat.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Wadenkrämpfe?

Wadenkraempfe
Ein Krampf in den Waden wird im Normalfall von starken Schmerzen begleitet, die unmittelbar beim Eintreten des Krampfes entstehen.
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Der Wadenkrampf beschreibt eine schmerzhafte Verkrampfung des Wadenmuskels im Bein des Menschen. Der Krampf tritt in der Regel spontan und einmalig auf, einige Menschen kennen allerdings auch regelmäßige Wadenkrämpfe.

Aber auch beim Sport kommt es häufig zu Wadenkrämpfen. Häufig wird eine Mangelerscheinung durch Mineralien, wie Magnesium, als Ursache angenommen; sie lässt sich durch Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel, die reich an Magnesium sind, ausgleichen.

Grundsätzlich ist ein Wadenkrampf harmlos und kann leicht sofort behandelt werden, sodass er nach einigen Sekunden bereits wieder überstanden ist. In selteneren Fällen jedoch kann der Wadenkrampf auf eine ernsthaftere Erkrankung hindeuten, die erkannt und behandelt werden muss - Indiz dafür sind häufiger vorkommende Krämpfe.

Ursachen

Der Muskelkrampf und damit auch der Wadenkrampf sind vorübergehende Fehlfunktionen der Nerven, die allerdings nicht als krankhaft gelten. Eine mögliche Ursache solcher Fehlfunktionen ist ein Ungleichgewicht der Elektrolyte bis hin zum Mangel. Häufig wird ein Magnesiummangel als Ursache angenommen, es kann aber auch ein Ungleichgewicht des Kochsalzverhältnisses im Körper vorliegen. Ein nachgewiesener Mangel muss behandelt werden.

Harmloser sind hingegen Wadenkrämpfe, die in der Nacht auftreten - ihre Ursache bleibt meist ungeklärt, und sie vergehen in der Regel wieder, ohne dass besondere Schritte und Behandlungen nötig wären. Solche Wadenkrämpfe sind zwar sehr schmerzhaft, haben allerdings meist keine krankhafte Ursache und müssen dann nicht weiter behandelt werden.

Treten die Wadenkrämpfe allerdings ständig auf, wenn bereits mit Elektrolyten behandelt wird, liegt eine andere Ursache nahe - infrage kommt zum Beispiel eine Hyponatriämie, bei der der Natriumgehalt des Körpers stark reduziert ist. Diese kann sich aus einer Nierenstörung oder einem hormonellen Ungleichgewicht heraus ergeben, kann aber auch das Resultat der Einnahme von Diuretika sein. Auch andere Medikamente können Wadenkrämpfe begünstigen; für Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels ist der Zusammenhang allerdings nur gering ausgeprägt. Ob ein solches Präparat gewechselt wird, entscheidet allein der behandelnde Arzt.

Lange Zeit galt ein Magnesiummangel als die wichtigste Ursache nächtlicher Wadenkrämpfe. Nach heutigem Kenntnisstand bleibt die Ursache bei den meisten Betroffenen jedoch ungeklärt; Untersuchungen konnten für Magnesiumpräparate bei älteren Menschen mit nächtlichen Wadenkrämpfen keinen Nutzen belegen. Bei einem nachgewiesenen Mangel kann Magnesium dagegen sinnvoll sein; für die Anwendung in der Schwangerschaft ist die Studienlage widersprüchlich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Krampf in den Waden wird im Normalfall von starken Schmerzen begleitet, die unmittelbar beim Eintreten des Krampfes entstehen. Allerdings verschwindet dieser Schmerz in den meisten Fällen auch sofort wieder. Während eines solchen Krampfes kommt es häufig zu einem starken Zittern einzelner Muskelgruppen. Des Weiteren kann es zu Schweißausbrüchen und einer erhöhten Temperatur kommen, wobei diese beiden Symptome häufig im Nachhinein auftreten.

In vielen Fällen verhärten sich die betroffenen Muskelgruppen, sodass ein reibungsloser Bewegungsablauf im Nachhinein nicht möglich ist. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome eines solchen Krampfes in den Waden völlig von alleine. Treten Krämpfe in den Waden jedoch häufiger auf, so sollte dringend die Ursache dafür ermittelt werden.

Häufig ist der menschliche Körper mit einem bestimmten Nährstoff unterversorgt, sodass es wiederholt zu Krämpfen in den Waden kommen kann. Bleibt dieses Erscheinungsbild ohne jegliche Behandlung durch einen Arzt, dann können die Krämpfe weiterhin auftreten. Wer sich jedoch für eine ärztliche Abklärung und eine Behandlung der Ursache entscheidet, bei dem klingen die Beschwerden in der Regel ab. Wie schnell die Krämpfe verschwinden, hängt davon ab, ob sich eine Ursache finden lässt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wadenkrämpfe haben meist harmlose Ursachen. Sie weisen auf Störungen im Mineralstoffhaushalt oder Verspannungen hin und klingen in der Regel von selbst wieder ab. Sollten wiederholt Wadenkrämpfe auftreten, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Womöglich liegt eine ernste Erkrankung wie Morbus Addison oder eine Schilddrüsenunterfunktion zugrunde. Die Ursache muss der Arzt abklären. Bei wiederholt auftretenden Wadenkrämpfen sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn Selbsthilfe-Maßnahmen keine Wirkung zeigen. Je nach Ursache werden Wadenkrämpfe vom Hausarzt, einem Internisten oder dem Orthopäden behandelt.

Bei schweren Krämpfen muss die Ursache in einem Spezialzentrum ermittelt werden. Sollten die Muskelkrämpfe nach einem Sturz auftreten, sollte man einen Sportmediziner konsultieren. Bei hormonellen Ursachen wird der Frauenarzt oder ein Endokrinologe hinzugezogen. Weitere Ansprechpartner sind der Neurologe und der Orthopäde. Bei einigen Muskelerkrankungen wie der amyotrophen Lateralsklerose ist lediglich eine symptomatische Behandlung möglich. Die Patienten müssen regelmäßig den Arzt konsultieren und langfristig Medikamente einnehmen, um die Beschwerden zu lindern und den Krankheitsverlauf hinauszuzögern.

Nicht jeder Schmerz in der Wade ist ein Krampf. Schmerzt nur ein Bein und ist die Wade dabei geschwollen, überwärmt, bläulich verfärbt oder spannt sie dauerhaft, kann eine Thrombose in den tiefen Beinvenen dahinterstecken. Anders als ein Krampf lässt sich dieser Schmerz nicht durch Dehnen lösen und hält über Stunden bis Tage an. Betroffene sollten dann noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen und die Wade nicht massieren. Kommen Atemnot, Brustschmerz oder ein plötzlicher Kollaps hinzu, kann sich eine Lungenembolie entwickelt haben – dann sollten Betroffene oder Angehörige sofort den Notruf 112 wählen.

Behandlung & Therapie

Wenn Wadenkrämpfe auftreten, muss der Patient zunächst alleine Abhilfe schaffen. Der Muskel muss wieder entspannt werden, indem die Fußzehen in Richtung Schienbein gestreckt und gedehnt werden. Dies kann noch liegend geschehen, wenn der Krampf in der Nacht aufgetreten ist. Man kann sich dazu aber auch aufsetzen und die Zehen von Hand unterstützen. Nach wenigen Sekunden sollte der Wadenkrampf wieder vorüber sein.

Wenn Wadenkrämpfe nachts häufiger auftreten, sollte abends eine Magnesiumtablette oder Magnesiumbrausetablette eingenommen und über den Tag verteilt darauf geachtet werden, ausreichend elektrolythaltige Getränke zu sich zu nehmen. Wer natürliche Mittel bevorzugt, sollte Lebensmittel mit viel Magnesium in seine tägliche Ernährung aufnehmen. Dazu gehören vor allem: Vollkorn und Vollkornprodukte, Haferflocken, Hafermehl, Vollkornmehl, Erbsen, Naturreis, grünes Gemüse jeder Art, Nüsse, Bohnen und Sonnenblumenkerne (auch Sesam). Ob Magnesium im Einzelfall hilft, ist allerdings nicht gesichert; bleibt die Wirkung aus, sollte die Einnahme nicht endlos fortgesetzt, sondern die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Erst wenn diese Selbstbehandlungsmaßnahmen nicht helfen, sollte der Arzt aufgesucht werden, da der Wadenkrampf womöglich eine andere Ursache hat, die man selbst noch nicht in Betracht gezogen hat.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen Wadenkrämpfe besteht darin, dem zugrundeliegenden Mangel vorzubeugen, bevor er wieder zum Wadenkrampf führen kann. Häufig liegt der Krampf an einer Mangelerscheinung und nicht etwa an einer schlimmeren Krankheit. Ob Magnesium hilft, ist im Einzelfall allerdings nicht gesichert. Neben der abendlichen Magnesiumtablette sollte man über den Tag verteilt ausreichend trinken - geeignet wäre Mineralwasser, zuckerhaltige Getränke sind grundsätzlich schlechter geeignet. Ebenso empfehlen sich die bereits erwähnten magnesiumhaltigen Lebensmittel.

Bei nächtlich auftretenden Wadenkrämpfen kann man zum Arzt gehen und ihn um eine Empfehlung für gute Magnesiumtabletten bitten, die man allerdings auch frei erhältlich in der Apotheke oder aus der Drogerie bekommt (siehe unsere empfohlene Apotheke).

Diese einfachen Maßnahmen sollten bereits helfen, den Wadenkrampf künftig zu verhindern. Wenn sie allerdings keine Erfolge bringen, sollte man sich nicht selbst weiter behandeln, da die vorausgegangenen Krämpfe eine andere Ursache haben können und nicht durch eine Mangelerscheinung bedingt sind. In diesem Fall kennt der Arzt die besten Methoden zur Vorbeugung.

Nachsorge

Der vom Wadenkrampf betroffene Muskel wird gegen die Krampfrichtung gedehnt. In sitzender Haltung auf dem Boden werden die Zehen ergriffen und in Richtung des Schienbeins gezogen. Elektrolythaltige Getränke gleichen Verluste durch Schwitzen aus. Ob Magnesium im Einzelfall hilft, ist nicht gesichert.

Eine Massage des verkrampften Muskels fördert die Entspannung. Warme Duschbäder sind wohltuend und begünstigen die Entkrampfung. Die Behandlung mit einer schmerzstillenden Salbe kann den Schmerz nach dem Krampf lindern. Feste Fußtritte auf den Boden lösen die Muskelverkrampfung. Mehrmalige Fußtritte mit der Fußsohle gegen die Wand lindern die Muskelverspannung.

Dem Auftreten von nächtlichen Wadenkrämpfen kann durch Einnahme einer günstigen Schlafposition vorgebeugt werden. Nächtliche Wadenkrämpfe werden bei Rückenschläfern durch eine Nackenrolle unter den Knien schneller zum Abklingen gebracht. Bei Seitenschläfern hilft ein zwischen die Knie geklemmtes Kissen. Bauchschläfer bewirken eine leichte Dehnung der Wade durch ein Überhängen der Fußzehen über die Bettkante.

Massagen mit Rosmarin- oder Johanniskrautöl lockern die verspannten Wadenmuskeln. Das Öl hat neben der entspannenden Wirkung einen positiven Einfluss auf die Durchblutung. Johanniskrautöl kann die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen; behandelte Stellen sollten deshalb nicht direkt der Sonne ausgesetzt werden. Reichliche Bewegung mindert das Auftreten von Wadenkrämpfen. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung hat eine vorbeugende Wirkung gegen Wadenkrämpfe.


Hausmittel & Kräuter gegen Wadenkrämpfe

  • Die Wirkstoffe des Baldrian beruhigen und wirken krampflösend. Ein Baldrianbad hilft bei Schlafstörungen, Nervosität oder Stress. Auf ein Vollbad gibt man drei Esslöffel Baldriantinktur oder man lässt 8 bis 12 Esslöffel Baldrianwurzeln in 3 Liter kochendem Wasser ziehen und gibt dieses dann in das Badewasser. Seine nervenberuhigende Wirkung macht dieses Bad auch zu einer Hilfe bei nervöser Haut. Auf den Wadenkrampf selbst hat Baldrian allerdings keine nachgewiesene Wirkung; das Bad kann aber das Einschlafen erleichtern, wenn nächtliche Krämpfe den Schlaf stören.

Das können Sie selbst tun

Oft – aber nicht immer – verkrampfen sich die Muskeln aufgrund eines Magnesiummangels. Aber nicht alle im Handel erhältlichen Magnesiumpräparate können diesen Mangel ausgleichen. Gerade die preiswerten Produkte enthalten Magnesiumoxid, das vom Körper sehr schlecht aufgenommen wird. Besser sind Magnesiumcarbonat und Magnesiumcitrat, doch auch sie können bei einer täglichen Einnahme von 400 Milligramm zu Nebenwirkungen wie beispielsweise Durchfall führen.

Vielfach wird empfohlen, Magnesium über die Haut aufzunehmen, beispielsweise über ein Magnesium-Spray (Apotheke). Dass auf diesem Weg nennenswerte Mengen in den Körper gelangen, ist allerdings nicht belegt; verlässlich aufgenommen wird Magnesium über den Darm. Warme Vollbäder mit Magnesiumchlorid oder Epsom-Salz (Magnesiumsulfat) werden häufig empfohlen; ihre Wirkung beruht auf der Wärme, nicht auf aufgenommenem Magnesium. Üblich sind 300 Gramm in warmem Badewasser bis 39°C. Weitere Badezusätze sollten bei einem Epsom-Bad nicht verwendet werden.

Früher wurde eine „Übersäuerung“ des Muskelgewebes als Ursache von Wadenkrämpfen angesehen. Diese Erklärung gilt heute als überholt; als wahrscheinlicher gilt eine Übererregbarkeit der versorgenden Nerven. Die elektrische Muskelstimulation (EMS) kann verspannte Muskeln lockern, weil sie durch sanfte Stromimpulse dafür sorgt, dass das Gewebe besser durchblutet wird. Die bessere Durchblutung kann die Muskulatur entspannen. Ein Nutzen der EMS speziell gegen Wadenkrämpfe ist allerdings nicht belegt. EMS-Behandlungen bieten verschiedene Ärzte oder Therapeuten an. Es gibt aber auch EMS-Geräte für den Hausgebrauch, die leicht zu bedienen sind. Haben diese Maßnahmen nicht gegriffen und kommt es weiter zu nächtlichen Wadenkrämpfen, sollte der Arzt aufgesucht werden.

Quellen

  • Jerusalem, F., Zierz, S. (Hrsg.): Muskelerkrankungen.
    ISBN: 9783135678047
  • Sieb, J. P., Schrank, B.: Neuromuskuläre Erkrankungen.
    ISBN: 9783170183810
  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Kochen, M. M. (Hrsg.): Duale Reihe Allgemeinmedizin und Familienmedizin.
    ISBN: 9783132209756
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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