Gehirnhautentzündung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Gehirnhautentzündung
Meningitis, Hirnhautentzündung oder Gehirnhautentzündung ist eine Krankheit der Hirnhäute, die durch eine Entzündung angegriffen und nachhaltig geschädigt werden können. Zumeist ist die Ursache einer Hirnhautentzündung bzw. Meningitis eine Infektion durch Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist eine Hirnhautentzündung?
Eine Gehirnhautentzündung, Hirnhautentzündung bzw. Meningitis ist eine sehr schwerwiegende und komplexe Krankheit. Hierbei kommt es zu einer Entzündung der Hirnhäute. Von der Gehirnentzündung (Enzephalitis) unterscheidet sie sich dadurch, dass nicht das Hirngewebe selbst, sondern die es umhüllenden Häute entzündet sind: Im Vordergrund stehen deshalb starke Kopfschmerzen, Nackensteife und Lichtscheu und nicht Wesensänderungen, Krampfanfälle oder Ausfälle einzelner Hirnfunktionen. Sind Häute und Hirngewebe gemeinsam entzündet, spricht man von einer Meningoenzephalitis.
Eine Gehirnhautentzündung muss schnell behandelt werden und nach der Entdeckung sollte sofort ein Arzt bzw. Krankenhaus aufgesucht werden. Liegt eine Gehirnhautentzündung vor, ist es wichtig, schnell zu handeln, da der Therapieverlauf erheblich von der Entwicklung der Krankheit abhängt.
Eine Hirnhautentzündung ist in klassischer Ausführung eine bakteriell bedingte Infektion, die in der Regel bei kleinen Kindern oder aber auch bei Jugendlichen auftritt. Für den Ausbruch der Krankheit sind in den meisten Fällen drei Bakterienarten ausschlaggebend. Zahlenmäßig überwiegen allerdings die durch Viren ausgelösten Hirnhautentzündungen; sie verlaufen meist deutlich milder. Die bakterielle Form ist seltener, dafür aber lebensgefährlich und ein Notfall, bei dem es auf Stunden ankommt.
Ursachen
Vor allem drei Bakterienarten können zu einer Meningitis bzw. Hirnhautentzündung führen. Dies sind die Meningokokken (Neisseria meningitidis), die Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) und der Haemophilus influenzae.
Die meisten Hirnhautentzündungen sind auf die oben aufgeführten Bakterienarten zurückzuführen, welche in der Regel durch eine Tröpfcheninfektion, so zum Beispiel durch Niesen oder Husten, von Mensch zu Mensch übertragen werden. Oftmals tritt vorab eine eher unkomplizierte und harmlose Entzündung der oberen Atemwege auf, welche dann zu einer Hirnhautentzündung führt.
Jedoch ist eine Impfung gegen Haemophilus influenzae in Deutschland möglich, daher sind heute vor allem Meningokokken eine Ursache für Hirnhautentzündung. Die Meningokokken sind heute Schätzungen zufolge für die Hälfte der erfassten Fälle von Hirnhautentzündungen verantwortlich. Bei Neugeborenen führen in der Regel jedoch andere Erreger zu einer Hirnhautentzündung.
Seit Einführung der Hib-Impfung Anfang der 1990er Jahre ist die früher gefürchtete Hirnhautentzündung durch Haemophilus influenzae Typ b in Deutschland um weit über 90 Prozent zurückgegangen. Sie zählt damit zu den größten Erfolgen der Schutzimpfung überhaupt und ist bei kleinen Kindern von der häufigsten zu einer seltenen Ursache geworden. Inzwischen wird zusätzlich gegen Pneumokokken sowie gegen Meningokokken der Gruppen B und C geimpft; alle drei Impfungen gehören zu den von der Ständigen Impfkommission für Säuglinge und Kleinkinder empfohlenen Standardimpfungen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Bei den unterschiedlichen Formen der Gehirnhautentzündung (Meningitis) sind die Symptome und Beschwerden in ihrer Entwicklung und Ausprägung verschieden. Bei bakterieller Gehirnhautentzündung treten fast immer starke Kopfschmerzen auf. Typisch für eine bakterielle Meningitis ist daneben das Auftreten zumindest eines der folgenden Symptome: Nackensteifigkeit, Bewusstseinsminderung, hohes Fieber.
Insbesondere die Nackensteifigkeit (Meningismus) ist ein deutlicher Hinweis auf eine Gehirnhautentzündung. Beim Meningismus können Betroffene ihren Kopf nicht oder nur unter erheblichen Schmerzen zum Brustbein bewegen. Häufig hat Meningitis auch Geräuschempfindlichkeit, Gliederschmerzen und Lichtscheu zur Folge. Ebenfalls relativ häufig sind Erbrechen, Schwindel, Hör- und Sprechstörungen sowie Übelkeit.
Bei durch Meningokokken ausgelöster Meningitis kommt es in etwa 30 Prozent der Fälle zu einer Sepsis. Erkennbar ist diese Blutvergiftung an roten und braunen Hautflecken. Dabei handelt es sich um punktförmige Einblutungen, die sich mit dem sogenannten Glastest prüfen lassen: Drückt man ein Trinkglas fest auf die Flecken, verblassen sie im Gegensatz zu einem harmlosen Hautausschlag nicht. Verblassen die Flecken nicht, ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Die Symptome viral ausgelöster Meningitis sind charakteristischerweise weniger deutlich ausgeprägt als bei bakterieller Gehirnhautentzündung.
Bei an Meningitis erkrankten Säuglingen und Kindern gibt es häufig ausschließlich die auch bei anderen Erkrankungen auftretenden unspezifischen Anzeichen Fieber oder Übelkeit. Nackensteifigkeit als Symptom ist in diesem Alter untypisch. Bei Säuglingen weisen stattdessen eine vorgewölbte, gespannte Fontanelle, schrilles Schreien, Trinkschwäche sowie eine auffällige Berührungsempfindlichkeit auf eine Hirnhautentzündung hin. Bei den seltenen Sonderfällen tuberkulöse Meningitis und Neuroborreliose kommt es oft lange Zeit ebenfalls nur zu Fieber als Symptom.
Verlauf
Bei einer Hirnhautentzündung können in der Regel positive Verläufe herbeigeführt werden. In manchen Fällen jedoch können Komplikationen nicht ausgeschlossen werden. Manchmal kann es bei der betroffenen Person zu einer Meningoenzephalitis kommen. Dies bedeutet, dass sich die Entzündung von der Hirnhaut auf das Gehirn überträgt.
Da das Gehirn über das zentrale Nervensystem mit dem Rückenmark verbunden ist, kann es zudem auch zu einer Meningoenzephalomyelitis kommen, einer Entzündung der Hirnhaut, des Gehirns und des Rückenmarks. Auch ein neurologischer Schaden, wie zum Beispiel ein Verlust des Gehörs, oder auch eine Lähmung kann nicht ausgeschlossen werden. Zudem sind auch psychische Schäden (Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten) keine Seltenheit.
Auch eine Eiteransammlung in einer entstandenen Höhle kann als Beispiel für einen negativen Verlauf aufgeführt werden. Des Weiteren kann auch eine Störung der Hirnwasserzirkulation nicht ausgeschlossen werden. Gefäßverschlüsse der Venen durch Blutgerinnsel sind keine Seltenheit.
Komplikationen
Besonders im frühen Verlauf einer Gehirnhautentzündung besteht das Risiko von Komplikationen. In solchen Fällen ist eine spezielle Behandlung erforderlich. Dennoch kann die Prognose der Erkrankung ungünstig ausfallen. Bei einer bakteriellen Meningitis leiden durchschnittlich ein bis zwei von zehn Patienten unter Komplikationen.
Zu den schwersten Folgen einer Hirnhautentzündung zählt die Blutvergiftung (Sepsis). Sie entsteht, wenn sich die Meningitis-Erreger im Blut vermehren. Die toxischen Abfallstoffe der Keime rufen eine Vergiftung des Blutes hervor. Der Name führt allerdings in die Irre: Nach heutigem Kenntnisstand richtet nicht ein Gift im Blut den Schaden an, sondern die überschießende, außer Kontrolle geratene Abwehrreaktion des eigenen Körpers auf die Erreger. Durch die Blutvergiftung besteht eine höhere Lebensgefahr als durch die Gehirnhautentzündung selbst.
So dringen die Bakterien via Blutbahn in andere Organe und Gewebe vor und schädigen diese. Im schlimmsten Fall erleidet der Betroffene dadurch einen septischen Schock. Dieser hat wiederum akutes Kreislaufversagen zur Folge. Weil die Organe und Gewebe schlechter durchblutet werden, kommt es an ihnen zu Schäden.
Des Weiteren tritt aufgrund der verminderten Durchblutung in den Gliedmaßen die Gefahr eines Blutgerinnsels auf. Im weiteren Krankheitsverlauf droht ein lebensgefährliches Organversagen. Aus diesem Grund müssen die Komplikationen einer Meningitis stets unverzüglich auf der Intensivstation behandelt werden.
Die schwerste Verlaufsform der Meningokokken-Blutvergiftung ist das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom. Dabei kommt es innerhalb weniger Stunden zu ausgedehnten Hauteinblutungen, einem Versagen der Nebennieren und zum Kreislaufzusammenbruch; dieser Verlauf endet trotz Behandlung häufig tödlich.
Eine andere gefährliche Folgeerscheinung ist die Meningoenzephalomyelitis, die Hirnhaut und Gehirn in Mitleidenschaft zieht und auf das Rückenmark übergreift. Infolgedessen kann der Patient bleibende neurologische Schäden erleiden. Dazu zählen der Verlust des Gehörs, Lähmungen und geistige Behinderungen. Weitere denkbare Komplikationen der Gehirnhautentzündung sind die Meningoenzephalitis, ein Gefäßverschluss der Venen sowie ein Hirnabszess.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Treten hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteife und Lichtscheu gemeinsam auf, handelt es sich um einen Notfall: Hier ist sofort der Notruf 112 zu wählen, denn eine bakterielle Hirnhautentzündung muss innerhalb von Stunden behandelt werden. Dasselbe gilt bei punktförmigen Hauteinblutungen, die sich mit einem Glas nicht wegdrücken lassen, sowie bei einem Krampfanfall oder zunehmender Bewusstseinstrübung. Abzuwarten, ob sich die Beschwerden von selbst bessern, ist in diesen Fällen lebensgefährlich.
Bei einer verminderten Leistungsfähigkeit, Lust- und Kraftlosigkeit, Abgeschlagenheit sowie einer allgemeinen Schwäche sollte ein Arzt aufgesucht werden, besonders dann, wenn diese Beschwerden über mehrere Tage grundlos anhalten oder an Intensität zunehmen. Kommt es zu Fieber, Schwindel, Erbrechen oder Übelkeit, wird ein Arzt benötigt.
Eine andauernde Müdigkeit, innere Unruhe sowie geringe Belastbarkeit sollten untersucht und behandelt werden. Treten Schlafstörungen ein, kommt es zu Problemen der Konzentration oder Aufmerksamkeit, ist ein Arztbesuch erforderlich. Bei Störungen des Bewusstseins ist schnellstmöglich ein Arzt aufzusuchen oder ein Rettungsdienst muss gerufen werden. Veränderung des Hautbildes, eine blasse Gesichtsfarbe, ein Abfall des Blutdrucks oder kalte Füße und Hände sind Hinweise, denen nachgegangen werden sollte. Kommt es zu Störungen des Gleichgewichts, setzen weitere Funktions- sowie Verdauungsstörungen ein oder treten Krämpfe auf, sollte ein Arztbesuch erfolgen.
Bei Schmerzen der Knochen oder Gelenke, allgemeinem Unwohlsein und einem Krankheitsgefühl ist ein Arzt zu konsultieren. Bei Kopfschmerzen, einem Druckgefühl im Kopfinneren, Gliederschmerzen oder einer Abneigung gegenüber normalen Lichteinflüssen benötigt der Betroffene medizinische Versorgung. Treten Störungen des Gedächtnisses auf oder können die alltäglichen Pflichten nicht mehr erfüllt werden, muss ein Arzt zur Klärung der Ursache aufgesucht werden.
Behandlung & Therapie
Die Nebenwirkungen und ein negativer Verlauf bei Hirnhautentzündung können jedoch vermieden werden. Wichtig ist, dass die Therapie der Hirnhautentzündung sofort beginnt. Zur Therapie werden in den meisten Fällen starke Antibiotika verabreicht. Nachdem diese Erstmaßnahme erfolgt ist und die Blutuntersuchung dem behandelnden Arzt vorliegt, werden die Antibiotika auf die Blutuntersuchung abgestimmt.
Der zeitliche Ablauf ist dabei festgelegt: Zuerst werden Blutkulturen abgenommen, dann erhält der Patient noch innerhalb der ersten Stunde ein Antibiotikum, das gegen die wahrscheinlichsten Erreger wirkt. Üblich ist Ceftriaxon, bei Neugeborenen, älteren oder abwehrgeschwächten Patienten zusätzlich Ampicillin gegen Listerien. Unmittelbar vor oder zusammen mit der ersten Antibiotikagabe wird Dexamethason verabreicht, ein Kortisonpräparat, das nachweislich die Zahl der Hörschäden und die Sterblichkeit senkt. Später gegeben wirkt es nicht mehr.
Zur Sicherung der Diagnose wird das Nervenwasser durch eine Lumbalpunktion untersucht. Sie darf den Beginn der Behandlung jedoch nicht verzögern; eine Computertomographie des Kopfes vor der Punktion ist nur bei neurologischen Ausfällen, getrübtem Bewusstsein, einem Krampfanfall oder einer Abwehrschwäche nötig. Der Liquorbefund trennt zugleich die beiden Hauptformen voneinander: Bei einer bakteriellen Hirnhautentzündung ist das Nervenwasser trüb, enthält sehr viele weiße Blutkörperchen, viel Eiweiß und wenig Zucker, bei der viralen Form bleibt es klar und der Zuckerwert normal.
Bei einer Meningokokken-Meningitis erhalten enge Kontaktpersonen vorbeugend ein Antibiotikum, meist Rifampicin oder Ciprofloxacin. Die Erkrankung ist außerdem namentlich meldepflichtig, damit das Gesundheitsamt das Umfeld erfassen und schützen kann.
In der Regel erfolgt die Gabe des Antibiotikums über die Vene 7 bis 14 Tage lang. Bei einer Gehirnhautentzündung können sich die Bakterien zudem auch im Körper ausbreiten, sodass es auch zu einer Blutvergiftung kommen kann. In einem solchen Fall muss die Therapie in einem Krankenhaus unter einer intensiven Beobachtung und Behandlung durchgeführt werden. Durch eine solche Vorgehensweise lässt sich das Risiko für schwere Komplikationen sowie auch Folgeschäden erheblich einschränken.
Zur eigenen Sicherheit sollte eine Therapie, auch wenn die Hirnhautentzündung noch nicht sonderlich weit fortgeschritten ist, in einem Krankenhaus unter ärztlicher Betreuung durchgeführt werden.
Nachsorge
Eine Entzündung der Gehirnhaut ist eine gefährliche und risikoreiche Erkrankung, die selbst nach überstandenem Heilungsprozess eine entsprechende Nachsorge erfordert. Bereits während der Behandlung einer solchen Entzündung der Hirnhaut dürfen regelmäßige Besuche beim Arzt nicht ausbleiben. Andernfalls kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen, die im Nachhinein nicht wiederhergestellt werden können.
Aus diesem Grund ist eine entsprechende Nachsorge sehr wichtig und bedeutsam. Eventuelle Komplikationen können dadurch frühzeitig erkannt, behandelt und beseitigt werden. Ist die Entzündung der Hirnhaut vollständig überstanden, sind weitere Besuche beim Arzt erforderlich. Durch eine entsprechende Nachsorge können spätere Hirnschäden frühzeitig diagnostiziert werden, sodass Spätfolgen vermieden werden können. Fester Bestandteil der Nachsorge nach einer bakteriellen Hirnhautentzündung ist eine Hörprüfung, denn eine Schwerhörigkeit ist die häufigste bleibende Folge. Bei Kindern ist die frühzeitige Erkennung besonders wichtig, weil ein unbemerkter Hörverlust die Sprachentwicklung beeinträchtigt.
Selbst mehrere Jahre nach der überstandenen Hirnhautentzündung sollten stets Vorsorgeuntersuchungen stattfinden. Durch solche Untersuchungen können schwerwiegende Komplikationen im Keim erstickt werden. Eine entsprechende und regelmäßige Nachsorge ist genauso wichtig, wie die Behandlung selbst. Nur auf diesem Wege können Spätfolgen oder andere Erkrankungen, die auf die vergangene Entzündung der Hirnhaut zurückzuführen sind, erkannt und behandelt werden. Eine vollständige und dauerhafte Genesung ist daher sehr stark von der richtigen Nachsorge abhängig.
Aussicht & Prognose
Der Verlauf einer Gehirnhautentzündung hängt davon ab, ob sie von Bakterien oder Viren ausgelöst wird. Handelt es sich um eine leichte, durch Viren ausgelöste Erkrankung, so kann sie in manchen Fällen sogar ohne besondere Behandlung abklingen. Besonders jedoch eine bakteriell bedingte Krankheit führt zum Tod, wenn sie nicht schnell behandelt wird. Auch eine durch das Herpes-simplex-Virus ausgelöste Entzündung kann lebensbedrohliche Ausmaße annehmen, wenn sie auf das Gehirn übergreift (Herpes-simplex-Enzephalitis).
Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung, sollte so schnell wie möglich eine Therapiemaßnahme ergriffen werden. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, sie nicht mehr heilen zu können. Sehr häufig kommt es zu Komplikationen im Zusammenhang mit einer Gehirnhautentzündung.
Ist diese bakteriell verursacht, kann es zu einer Schwellung des Gehirns mit erhöhtem Hirndruck kommen, oder auch zu Blutgerinnseln, Lähmungen der Nerven oder Verlust des Gehörs. Auch eine Blutvergiftung kann auftreten. Diese Komplikationen entstehen häufig, wenn die Erkrankung durch Meningokokken oder Pneumokokken ausgelöst wird.
Als Therapiemaßnahme wird der Arzt Antibiotika einsetzen, um die Bakterien zu bekämpfen. Geschieht dies in einem frühen Stadium der Erkrankung, besteht große Hoffnung auf Heilung. Handelt es sich jedoch um eine virale Meningitis, so helfen Antibiotika nicht. Heilt sie nicht von allein, so werden Virostatika eingesetzt. Auch dann ist die Prognose positiv einzuschätzen. Die meisten viralen Hirnhautentzündungen heilen ohnehin innerhalb von ein bis zwei Wochen folgenlos aus; behandelt werden dann vor allem die Beschwerden.
Das können Sie selbst tun
Eine zur Heilung führende Selbsthilfe oder Selbstbehandlung ist bei einer Gehirnhautentzündung nicht möglich und deshalb auf keinen Fall zu empfehlen. Die Behandlung muss immer durch einen Arzt erfolgen.
Absolute Ruhe in der Umgebung des Patienten, verdunkelte Zimmer und kalte Umschläge für den Kopf wirken während der Erkrankung erleichternd. Begleitend können homöopathische Mittel wie beispielsweise Belladonna gegen die Kopfschmerzen und Gelsemium sempervirens gegen die Lichtempfindlichkeit verabreicht werden. Ein Wirknachweis, der über den Placeboeffekt hinausgeht, liegt für diese Mittel allerdings nicht vor. Sie dürfen die ärztliche Behandlung unter keinen Umständen ersetzen oder auch nur verzögern, denn bei einer bakteriellen Hirnhautentzündung entscheiden wenige Stunden über den Ausgang. Die Empfehlungen für eine den Heilungsprozess unterstützende Ernährung während der Krankheit sind verschieden.
So wird zum einen eine bewusst eiweißreiche Ernährung wie zum Beispiel Fleischbrühe mit Ei und das Trinken von viel Milch empfohlen, um die körperlichen Kräfte so lange wie möglich zu bewahren. Diese Empfehlung stammt aus einer Zeit, in der eine Unterernährung während schwerer Infekte das Hauptproblem war. Nach heutigem Kenntnisstand hat die Ernährung auf den Verlauf einer akuten Hirnhautentzündung nur geringen Einfluss; entscheidend sind die rechtzeitige Behandlung im Krankenhaus und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Zum anderen können Lebensmittel, die das Immunsystem stärken, den Heilungsprozess unterstützen. Hier helfen insbesondere Lebensmittel mit antibiotischen Eigenschaften wie Echinacea, Zwiebeln, Zitronen, Rettich, Knoblauch und frische Gemüsesäfte. Verhindert Erbrechen die Nahrungszufuhr, wird im Krankenhaus über die Vene oder über eine Magensonde ernährt. Die früher üblichen Nährklistiere gelten heute als wirkungslos, weil der Dickdarm keine nennenswerten Nährstoffe aufnehmen kann.
Wirksam vorbeugen lässt sich einer Hirnhautentzündung vor allem durch die empfohlenen Schutzimpfungen gegen Hib, Pneumokokken und Meningokokken. Wer engen Kontakt zu einem an Meningokokken Erkrankten hatte, sollte sich unverzüglich beim Gesundheitsamt oder beim Hausarzt melden, um vorbeugend ein Antibiotikum zu erhalten.
In Deutschland gibt es zum Thema Gehirnhautentzündung Selbsthilfegruppen. Nach überstandener Krankheit können hier Betroffene und Angehörige ihre Erfahrungen austauschen, über verschiedene Therapiemöglichkeiten, Gedächtnistraining und Hilfen im Alltag miteinander sprechen.
Quellen
- Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
ISBN: 9783132410961
- Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
ISBN: 9783662606742
- Hufschmidt, A., Rauer, S., Glocker, F. X. (Hrsg.): Neurologie compact.
ISBN: 9783132430358
- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132443174
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
