Zeckenbiss
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Menschen, die sich gern in der Natur aufhalten oder ein Haustier besitzen, das viel im Freien umher läuft, können einen Zeckenbiss bekommen. Der Stich selbst wird meist nicht bemerkt, weil der Speichel der Zecke betäubend wirkt; er kann jedoch zu ernsthaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen und lang anhaltenden Beschwerdebildern führen.
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Was ist ein Zeckenbiss?
Ein Zeckenbiss wird von Zecken ausgeführt, die umgangssprachlich auch als Holzböcke bezeichnet werden. Mit ihren Mundwerkzeugen, die extrem hart und widerstandsfähig sind, ritzen die Zecken die weiche Haut auf und versenken darin ihren Stechapparat. Aus dem dabei entstehenden kleinen Blutsee saugen sie über Stunden bis Tage Blut. Fachlich handelt es sich deshalb um einen Zeckenstich; die verbreitete Bezeichnung „Zeckenbiss“ ist ungenau, hat sich im Sprachgebrauch aber durchgesetzt.
Zecken gehören nicht zu den Insekten, sondern zu den Spinnentieren; im engeren Sinn sind sie Milben. Sie sind vorwiegend im Wald und auf der Wiese zu Hause, ähneln Spinnen und gelten als sogenannte Ektoparasiten. Nicht nur von Menschen, sondern gleichsam von umherstreifenden Tieren können die Zecken durch den Zeckenbiss Blut einsaugen und sich damit über eine längere Zeit ernähren.
Insbesondere winzig kleine Zecken, die nicht größer als ein Stecknadelkopf sind, setzen den Zeckenbiss an. Große und aufgequollene Zecken sind bereits mit Blut vollgesogen und fallen von allein wieder ab. Da die Zecken sehr schlecht zu erkennen und unscheinbar sind, werden die Zeckenbisse an einigen eher unempfindlichen, überaus warmen Körperstellen zunächst nicht bemerkt.
Ursachen
Der Erreger des Zeckenbissfiebers ist ein Bakterium, welches als Rickettsia rickettsii bekannt ist. Im Gegensatz dazu verursachen die eingedrungenen Borrelliosebakterien, die zur Klasse der Spirochaeten gehören, die typischen Symptome. Die Bezeichnung Spirochaeten wird deshalb gewählt, weil die Bakterien ein schraubenförmiges Aussehen besitzen. Diese Mikroorganismen nutzen als Wirt wiederum die Schildzecke und gelangen durch deren Speichel in den Körper des Menschen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Zeckenbiss ist immer dann eindeutig auszumachen, wenn das Tier noch auf der Haut sitzt. Ist das nicht der Fall, kommt man nur über auftretende Beschwerden zur Diagnose. Der Stich selbst verursacht in der Regel nur eine kleine, manchmal juckende Rötung, die nach wenigen Tagen abklingt. Davon zu unterscheiden sind die Anzeichen einer übertragenen Krankheit. Nicht jeder Zeckenbiss führt zu einer Erkrankung; auch nach dem Stich einer mit Borrelien befallenen Zecke bleibt ein großer Teil der Infizierten dauerhaft beschwerdefrei. Kommt es doch zu einer Borreliose, lassen sich deren Symptome in drei Stadien gliedern.
Die ersten vier Wochen nach einem Zeckenbiss sind durch eine lokale Infektion und Grippe gekennzeichnet. Rund um den Einstich besteht eine dauerhafte Rötung. Diese erweitert ihren Radius und verblasst zunehmend im Zentrum. Diese ringförmig nach außen wandernde Rötung heißt Wanderröte (Erythema migrans). Sie ist das Leitzeichen der frühen Borreliose und ein eindeutiger Grund, einen Arzt aufzusuchen. Ergänzend dazu stellt sich bei Betroffenen nach einigen Tagen Fieber ein. Auch Müdigkeit, Gelenkschmerzen und sogar Darmprobleme sind möglich. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von der Borreliose-Grippe. Sie beinhaltet aber weder Schnupfen noch Husten.
Nach den ersten vier Wochen breitet sich der Erreger immer weiter im Körper aus. Er kann das Nervensystem, das Herz und die Haut angreifen. Grippebeschwerden wie Fieber und Kopfschmerzen treten von neuem auf. Plötzliche und unkontrollierbare Schweißausbrüche kennzeichnen den Alltag.
Im Spätstadium, Monate bis Jahre nach der Infektion, kann die Erkrankung chronisch werden. Das heißt: Die zuvor benannten Symptome treten immer wieder auf. Es wechseln sich beschwerdefreie Zeiträume mit Perioden einer Grippe und anderen Anzeichen ab. Lähmungen und Empfindungsstörungen, Herzrasen und hoher Blutdruck sowie Hautknötchen stellen sich ein.
Komplikationen
Ein Zeckenbiss führt nicht zwangsläufig zu ernsten Beschwerden. Komplikationen können auftreten, wenn die Zecke mit Borreliose infiziert ist und die Bakterien auf den Menschen überträgt. Dann können verschiedene Beschwerden auftreten, wie zum Beispiel Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber und Bindehautentzündung.
Bleibt eine Borreliose unbehandelt, kann es nach einigen Monaten erneut zu grippeähnlichen Symptomen kommen; bei einem Teil der Betroffenen wird auch das Nervensystem befallen. Eine solche Neuroborreliose ist mit einer Hirnhaut- Nervenwurzelentzündung und Symptomen wie Lähmungen und neurologischen Ausfällen verbunden. Des Weiteren kann das Herz betroffen sein und es kommt zu einer Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung, die mit Herzrhythmusstörungen einhergeht.
Die schwersten Komplikationen treten bei einem Zeckenbiss im Borreliose-Stadium III auf. In diesem Stadium kommt es nach Monaten bis Jahren zu chronisch verlaufenden Gelenkentzündungen, Hautveränderungen und bleibenden Nervenschädigungen bis hin zu Lähmungen. Tödlich verläuft die Lyme-Borreliose praktisch nie. Sie ist mit Antibiotika gut zu behandeln, und die große Mehrheit der Infizierten wird wieder vollständig gesund. Nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen bleiben nach einem späten Stadium Beschwerden zurück, die weiter behandelt werden müssen.
Die Therapie selbst birgt, abseits der typischen Neben- und Wechselwirkungen, keine größeren Risiken. Eine venöse Gabe der Medikamente kann allerdings zu Infektionen und selten auch zu Verletzungen oder der Entstehung von Blutgerinnseln führen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei einem Zeckenbiss genügen in einer Vielzahl der Fälle die Maßnahmen der Selbsthilfe vollkommen aus. Ein Arztbesuch ist daher nicht immer notwendig. Entscheidend ist, dass die Zecke möglichst rasch und vollständig aus der Haut entfernt wird; wie das geht, ist im Abschnitt „Das können Sie selbst tun“ beschrieben. Die Einstichstelle heilt danach in der Regel folgenlos ab; eine bereits erfolgte Übertragung von Erregern lässt sich durch die Entfernung allerdings nicht mehr rückgängig machen. Die Stelle sollte deshalb über mehrere Wochen beobachtet werden. Gelingt die Entfernung der Zecke aus verschiedenen Gründen nicht vollständig, sollte die Unterstützung und Hilfe eines Arztes in Anspruch genommen werden.
Bleiben nach dem Herausziehen kleine dunkle Reste in der Haut zurück, handelt es sich nicht um den Kopf der Zecke, sondern um Teile ihres Stechapparats. Sie werden vom Körper von selbst abgestoßen und verursachen keine Infektion; wenn sie stören oder sich die Stelle entzündet, kann ein Arzt sie entfernen. Treten nach einem Zeckenbiss verschiedene gesundheitliche Unregelmäßigkeiten auf, ist schnellstmöglich ein Arzt aufzusuchen. Bei Unregelmäßigkeiten der Wundheilung, einer inneren Schwäche, Fieber oder anderen diffusen gesundheitlichen Beschwerden sollte Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden.
Bei Herzstolpern mit Schwindel, Ohnmacht oder Luftnot ist sofort über die Notrufnummer 112 der Rettungsdienst zu alarmieren; das gilt ebenso, wenn sich das allgemeine Wohlbefinden innerhalb kurzer Zeit erheblich verschlechtert. Anhaltende Müdigkeit und Auffälligkeiten des Muskelapparates sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Treten Lähmungserscheinungen auf, muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Kopfschmerzen, Empfindungsstörungen oder Auffälligkeiten der Gedächtnistätigkeit sind schnellstmöglich untersuchen und behandeln zu lassen. Werden neurologische Ausfälle bemerkt, ist eine intensivmedizinische Betreuung des Betroffenen notwendig.
Behandlung & Therapie
Mehrere Behandlungsarten sind bei der Borreliose relevant, die nach einem Zeckenbiss auftreten kann. Neben einer umfangreichen Diagnostik wird insbesondere die gezielte orale Behandlung mit antibiotischen Medikamenten empfohlen, die gleich im Frühstadium und über einen längeren Zeitraum verabreicht werden können. Mittel der Wahl im Frühstadium ist Doxycyclin; Kinder unter neun Jahren und Schwangere erhalten stattdessen Amoxicillin. Der Zeckenstich selbst muss nicht vorsorglich mit Antibiotika behandelt werden.
Handelt es sich um eine erst im Spätstadium erkannte Borreliose, steht mit Ceftriaxon ein Antibiotikum zur Verfügung, das über die Vene verabreicht wird. Da die Borreliose im Spätstadium schwerer zu behandeln ist, können einzelne Beschwerden auch nach einer erfolgreichen Antibiotikatherapie noch längere Zeit fortbestehen. Neben entzündungs- und schmerzhemmenden Medikamenten werden auch andere symptomatisch einsetzbare Stoffe verordnet.
Vorbeugung
Einem Zeckenbiss kann durchaus vorgebeugt werden. Neben der Nutzung von Sprays und Cremes gegen die Zecken gehören eine möglichst helle Kleidung sowie geschlossene Ärmel- und Hosenbunde zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen. Wirksam sind Mittel zum Auftragen auf die Haut (Repellents) mit den Wirkstoffen DEET oder Icaridin; ihre Wirkung hält allerdings nur einige Stunden an und muss aufgefrischt werden.
Darüber hinaus ist es ratsam, sich nach einem Aufenthalt in der freien Natur gegenseitig auf das Vorhandensein von Zecken zu begutachten. Insbesondere in Hautfalten, in den Kniekehlen, Achselhöhlen und anderen weichen Hautarealen ist ein Zeckenbiss zu befürchten, wenn kein Schutz erfolgt ist.
Der Aufenthalt in stark von Zecken befallenen Gebieten (hauptsächlich Wiesen) kann außerdem während der Hochsaison gemieden werden. Ergänzend schützen geschlossenes und festes Schuhwerk sowie mit Permethrin imprägnierte Kleidung. Für stark duftende ätherische Öle wie Lavendel-, Rosmarin- oder Teebaumöl ist eine verlässliche Schutzwirkung dagegen nicht belegt; sie ersetzen die genannten Maßnahmen nicht.
Neben der Borreliose übertragen Zecken in Deutschland die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Virusinfektion, die Gehirn und Hirnhäute befallen kann. Gegen die FSME gibt es – anders als gegen die Borreliose – eine Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie Menschen, die in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und dabei Zecken ausgesetzt sind. Welche Kreise als Risikogebiete gelten, veröffentlicht das Robert Koch-Institut jährlich neu.
Nachsorge
Nach dem Aufenthalt in der freien Natur ist es gerade in Gebieten mit großem Zeckenaufkommen ratsam, den Körper anschließend zu Hause abzusuchen. Bei einem Zeckenbiss sollte die Zecke umgehend entfernt werden; traut man sich das nicht zu, ist der Hausarzt hinzuzuziehen. Er kann die Zecke fachmännisch entfernen und so das Risiko einer Krankheitsübertragung minimieren.
Bleiben Reste des Stechapparats zurück, ist das unbedenklich; nur wenn sie stören oder sich die Stelle entzündet, sollte ein Arzt sie entfernen. Er kann die Wunde außerdem reinigen und desinfizieren. Die Wunde sollte mit einem Pflaster abgeklebt werden, regelmäßiges Kühlen befördert die Heilung. Ein Kratzen an der Wunde sollte möglichst vermieden werden. Treten ungewöhnliche Rötungen oder übermäßig starker Juckreiz auf, ist unbedingt ein Arzt zu konsultieren.
Auch wenn ein Zeckenbiss in der Regel nach ein bis zwei Wochen abgeheilt ist, sollte die Stelle weiterhin beobachtet werden. Folgeerkrankungen können sich auch erst nach Monaten oder gar Jahren einstellen. Deshalb ist es für den Betroffenen wichtig, mögliche Anzeichen einer Infektion mit Borreliose rechtzeitig zu erkennen.
Körperliche Beschwerden wie anhaltende Kopf- und Gliederschmerzen sollten deshalb von einem Arzt abgeklärt werden. Auch wenn ein einzelner Zeckenbiss in der Regel unproblematisch ist, können vorbeugende Maßnahmen wie festes, geschlossenes Schuhwerk, lange Kleidung und ein Repellent mit DEET oder Icaridin das damit verbundene Gesundheitsrisiko verringern.
Das können Sie selbst tun
Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden: Je kürzer sie saugt, desto geringer ist das Risiko, dass sie Borrelien überträgt. Geeignet sind eine spitze Pinzette, eine Zeckenzange oder eine Zeckenkarte aus der Apotheke. Die Zecke wird damit hautnah am Stechapparat gefasst und langsam und gerade herausgezogen – ohne sie zu drehen und ohne ihren Körper zu quetschen.
Öl, Klebstoff, Nagellack und Alkohol gehören nicht auf die Zecke. Solche Mittel bringen das Tier dazu, Speichel und Darminhalt abzugeben, und erhöhen dadurch gerade das Risiko einer Krankheitsübertragung.
Nach dem Entfernen wird die Einstichstelle desinfiziert. Bleiben kleine dunkle Reste des Stechapparats zurück, ist das unbedenklich; der Körper stößt sie von selbst ab. Gelingt die Entfernung nicht oder traut man sie sich nicht zu, hilft der Hausarzt.
Das Datum des Stichs sollte notiert und die Stelle über mehrere Wochen beobachtet werden. Ein Kratzen an der Wunde gilt es zu vermeiden; bei Bedarf kann die Stelle mit einem Pflaster abgedeckt werden. Bildet sich eine ringförmige Rötung, die sich langsam ausbreitet, oder treten Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit auf, ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Ein einzelner Zeckenbiss ist in der Regel unproblematisch; wichtig ist, den Körper nach jedem Aufenthalt im Grünen auf weitere Zecken abzusuchen.
Siehe auch: Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
ISBN: 9783131585813
- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
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- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
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- Bauerfeind, R., Kimmig, P., Schiefer, H.-G., et al.: Zoonosen.
ISBN: 9783769138337
