Zervixgravidität

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Zervixgravidität stellt eine seltene Unterform der Extrauteringravidität dar. Dabei handelt es sich um eine ektope Schwangerschaft im Gebärmutterhals.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zervixgravidität?

Zervixgraviditaet
Zeigen sich vaginale Blutungen oder Bauchschmerzen und liegt ein positiver Schwangerschaftstest vor, gilt dies als Hinweis auf eine Extrauteringravidität.
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Die Zervixgravidität zählt zu den ektopen Schwangerschaften. Mit einem Anteil von 0,2 bis 0,5 Prozent ist sie jedoch nur eine seltene Form der Extrauteringravidität (EUG). Gemeint sind damit Schwangerschaften, die außerhalb der Gebärmutterhöhle (Cavum uteri) auftreten. In den meisten Fällen zeigt sich eine Extrauteringravidität im Eileiter, was als Tubargravidität oder Eileiterschwangerschaft bezeichnet wird.

Ebenso sind Schwangerschaften in der Bauchhöhle (Abdominalgravidität) oder in den Eierstöcken (Ovarialgravidität) möglich. Der Gebärmutterhals gehört zwar zur Gebärmutter, aber nicht zur Gebärmutterhöhle. Deshalb ist die Einnistung dort eine ektope Schwangerschaft, obwohl sie anatomisch innerhalb der Gebärmutter liegt.

Abgesehen von einer Bauchhöhlenschwangerschaft besteht bei einer Extrauteringravidität keine Überlebensfähigkeit für den Embryo, was auch für eine Zervixgravidität gilt. Durch die enge anatomische Beziehung zeigt sich meist schon früh ein Kontakt mit der Gebärmutterarterie (Arteria uterina). Im Rahmen einer Kürettage drohen deswegen starke Blutungen, die sich nur schwer stillen lassen.

Ursachen

Eine Extrauteringravidität wie eine Zervixgravidität kann durch verschiedene Risikofaktoren ausgelöst werden. Bei ungefähr einem Drittel aller Fälle sind diese Faktoren allerdings nicht nachweisbar. Als typische Risikofaktoren gelten entzündliche Erkrankungen in der Beckenregion, die Verwendung von Intrauterinpessaren, Unfruchtbarkeit (Infertilität) oder die Einnahme des Arzneistoffes Diethylstilbestrol (DES).

Hinzu kommen Rauchen sowie eine frühere ektope Schwangerschaft. Diethylstilbestrol wird seit Jahrzehnten nicht mehr angewendet; als Risikofaktor spielt der Wirkstoff daher nur noch bei Frauen eine Rolle, die vor langer Zeit damit in Berührung kamen. Weitere denkbare Auslöser sind chirurgische Eingriffe wie eine Sterilisation oder Ausschabungen. Es wurde zudem eine Verbindung zur Endometriose vermutet, was sich jedoch nicht bestätigen ließ. Eine weitere Gefahrenquelle stellt das Refertilisieren nach erfolgter Sterilisation dar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Falle einer Extrauteringravidität beziehungsweise Zervixgravidität zeigen sich nicht immer deutliche Symptome. So können sie milde ausfallen oder sogar gänzlich fehlen. In der Regel wird eine ektope Schwangerschaft zwischen der 5. und 8. Woche nach der letzten Regelblutung sichtbar. Ohne den Einsatz von modernen Diagnoseverfahren besteht die Möglichkeit, dass die Zervixgravidität erst spät entdeckt wird.

Zunächst zeigen sich die üblichen Zeichen einer Frühschwangerschaft: das Ausbleiben der Regelblutung, das Spannen der Brüste, Übelkeit, Erbrechen und häufiger Harndrang. Sie sprechen für eine Schwangerschaft, sagen aber nichts über deren Sitz aus. Verdächtig auf eine Schwangerschaft im Gebärmutterhals sind erst Schmerzen im Unterbauch sowie gering ausgeprägte vaginale Blutungen.

Letztere machen es schwer, die Zervixgravidität von einer normalen Schwangerschaft oder einer gestörten Frühschwangerschaft zu unterscheiden. Die meisten Frauen leiden durch die Blutungen später unter stärkeren Schmerzen. Außerdem kommt es zum Absinken des Progesteronspiegels. Entzündungen sind bei einer Zervixgravidität dagegen nicht für schmerzhafte Beschwerden verantwortlich.

Mitunter ruft eine Extrauteringravidität auch Symptome hervor, die denen einer Appendizitis (Entzündung des Blinddarm-Wurmfortsatzes), von Magen-Darm-Krankheiten oder Harnwegsinfektionen ähneln. Verantwortlich dafür sind Prostaglandine, deren Freisetzung an der Implantationsstelle erfolgt. Manchmal kann auch das Bauchfell durch freies Blut innerhalb der Bauchhöhle gereizt werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zeigen sich vaginale Blutungen oder Bauchschmerzen und liegt ein positiver Schwangerschaftstest vor, gilt dies als Hinweis auf eine Extrauteringravidität. Gut erkennen lässt sich eine Zervixgravidität zumeist durch eine transvaginale Sonographie (Ultraschalluntersuchung). Wichtige Diagnosemerkmale sind ein Gebärmutterhals, der die Form einer Tonne aufweist und eine leere Gebärmutter.

Auch ein Gestationssack unterhalb des Niveaus des Orificium internum uteri (des inneren Muttermundes) sowie ein Blutfluss in der Nähe des Gestationssacks, der sich in einer Farbdoppler-Sonographie erkennen lässt, ist ein Indiz. Übt der Arzt mit dem Ultraschallkopf Druck auf die Gebärmutter aus, lässt sich im Falle einer Extrauteringravidität der Gestationssack nicht in Richtung Cervixkanal verschieben. Diese Verschiebeprobe hilft, die Zervixgravidität von einer Fehlgeburt zu unterscheiden, bei der die Fruchthöhle gerade den Gebärmutterhals passiert und sich deshalb verschieben lässt.

Im weiteren Verlauf einer Zervixgravidität sind innere Blutungen möglich, die einen hypovolämischen Schock auslösen können. Durch eine moderne medizinische Versorgung lässt sich die Sterblichkeitsrate bei ektopen Schwangerschaften jedoch gering halten. Ob die Fruchtbarkeit nach einer Extrauteringravidität erhalten bleibt, hängt auch von der Therapie ab. So kommt es nach einer Methotrexat-Behandlung häufiger zu einer späteren Schwangerschaft als nach einer Operation.

Komplikationen

Die entscheidende Komplikation der Zervixgravidität ist die Blutung. Der Gebärmutterhals liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gebärmutterarterie, und sein Gewebe kann sich nach einer Ausräumung nicht so zusammenziehen wie die Muskulatur des Gebärmutterkörpers. Im Rahmen einer Kürettage drohen deshalb starke Blutungen, die sich nur schwer stillen lassen.

Eine solche Blutung kann innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden und einen hypovolämischen Schock auslösen. Zur Blutstillung stehen mehrere organerhaltende Verfahren zur Verfügung, etwa das Umstechen oder Abklemmen der Gefäße, eine Ballontamponade des Gebärmutterhalses oder das gezielte Verschließen der zuführenden Arterien mit einem Katheter (Embolisation). Lässt sich die Blutung damit nicht beherrschen, muss die Gebärmutter entfernt werden. Für die betroffene Frau bedeutet das, dass sie danach kein Kind mehr austragen kann.

Bleibt nach der Behandlung Schwangerschaftsgewebe im Gebärmutterhals zurück, kann es erneut zu Blutungen oder zu einer Entzündung kommen. Deshalb wird der Wert des Schwangerschaftshormons HCG so lange kontrolliert, bis er nicht mehr nachweisbar ist.

Der Verlust der Schwangerschaft ist für viele Frauen und ihre Partner eine schwere Belastung. Psychische Verstimmungen bis hin zu einer Depression sind häufig; eine psychologische Begleitung kann sinnvoll sein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei starker vaginaler Blutung, heftigen Unterbauchschmerzen, Schwindel, Blässe, Herzrasen oder drohender Ohnmacht in der Frühschwangerschaft besteht Lebensgefahr. In diesem Fall ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Bis der Rettungsdienst eintrifft, sollte die Betroffene flach liegen und die Beine erhöht gelagert bekommen (Schocklage), warm gehalten und nicht allein gelassen werden. Sie sollte nichts essen und nichts trinken.

Die Zervixgravidität kann ausschließlich bei schwangeren Frauen auftreten. Daher gehören sie zu der Risikogruppe der Erkrankung und sollten bei gesundheitlichen Besonderheiten einen Arzt aufsuchen. Jede vaginale Blutung und jeder Unterbauchschmerz in der Frühschwangerschaft gehören noch am selben Tag ärztlich abgeklärt, auch dann, wenn die Beschwerden gering sind. Abwarten ist bei einer möglichen ektopen Schwangerschaft nicht angebracht.

Übelkeit, Erbrechen, Spannungsgefühle in den Brüsten oder häufiger Harndrang gehören dagegen zu den üblichen Veränderungen der Frühschwangerschaft. Sie sollten bei der ohnehin vorgesehenen Vorsorgeuntersuchung angesprochen werden. Kommt es zu einer Zunahme der Beschwerden oder verschlechtert sich der allgemeine Gesundheitszustand, ist unverzüglich ein Arztbesuch notwendig.

Die Einnahme von schmerzlindernden Arzneien sollte grundsätzlich nicht ohne Rücksprache mit einem Mediziner erfolgen. Können aufgrund der Beschwerden die alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr wahrgenommen werden, ist Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit einer medizinischen Versorgung wird eine Linderung der Unregelmäßigkeiten erwirkt.

Behandlung & Therapie

Für die betroffenen Frauen bedeutet die Diagnose einer Zervixgravidität beziehungsweise Extrauteringravidität einen schweren Schicksalsschlag. So kann das Leben des Embryos nicht gerettet werden. Im Vordergrund der Behandlung stehen daher Gesundheit und Fruchtbarkeit der Patientin. Weil die Ausräumung des Gebärmutterhalses mit einem hohen Blutungsrisiko einhergeht, wird die Zervixgravidität heute nach Möglichkeit organerhaltend und ohne Operation behandelt. Bei stabilem Kreislauf und ohne bedrohliche Blutung ist die medikamentöse Behandlung das Verfahren der Wahl. Ein chirurgischer Eingriff ist vor allem dann erforderlich, wenn bereits eine stärkere Blutung eingetreten ist oder der Kreislauf der Patientin instabil wird.

Dabei erfolgt das systemische oder örtliche Verabreichen von Methotrexat. Dieser Arzneistoff wird zu den Zytostatika gezählt und bewirkt das Hemmen des Embryowachstums. Schließlich ruft das Methotrexat einen Abbruch der Schwangerschaft hervor. Der Abort wird anschließend vom Organismus resorbiert oder über die Vagina ausgestoßen. Ist im Ultraschall bereits eine Herzaktion des Embryos nachweisbar, reicht die Gabe über den Blutweg allein häufig nicht aus; das Methotrexat wird dann zusätzlich örtlich in die Fruchthöhle gespritzt. Als Gegenanzeigen gelten eine ektope Schwangerschaft mit einem Durchmesser von mehr als 3,5 Zentimetern, Blutkrankheiten sowie Erkrankungen der Nieren oder der Leber.

Reicht die medikamentöse Behandlung nicht aus, stehen weitere organerhaltende Verfahren zur Verfügung, etwa das Absaugen des Schwangerschaftsgewebes unter gleichzeitiger Blutstillung, eine Ballontamponade oder das Verschließen der zuführenden Arterien mit einem Katheter. Erst wenn all das nicht trägt, muss die Gebärmutter entfernt werden.

Nur zu beobachten und abzuwarten ist meist nicht vertretbar. Allenfalls dann, wenn sich die Zervixgravidität sehr früh erkennen lässt und der Wert des Schwangerschaftshormons HCG niedrig ist und weiter fällt, kann der Verlauf engmaschig kontrolliert werden: Der Körper löst das embryonale Gewebe nach einem natürlichen Abbruch der Schwangerschaft mitunter selbst auf und stößt es ab. Weil dabei erhebliche Schmerzen und Blutungen auftreten können, sind dichte Kontrolluntersuchungen erforderlich; treten solche Beschwerden auf, muss doch eingegriffen werden.


Vorbeugung

Einer Zervixgravidität lässt sich nur schwer vorbeugen. Sinnvoll kann der Verzicht auf Zigarettenkonsum sein.

Nachsorge

Nach der Behandlung wird der Wert des Schwangerschaftshormons HCG in regelmäßigen Abständen im Blut kontrolliert, bis er nicht mehr nachweisbar ist. Erst dann steht fest, dass kein Schwangerschaftsgewebe im Gebärmutterhals zurückgeblieben ist. Bis dahin sind die vereinbarten Kontrolltermine unbedingt einzuhalten, auch wenn keine Beschwerden mehr bestehen. Treten in dieser Zeit erneut Blutungen, Schmerzen oder Fieber auf, ist sofort ärztliche Hilfe nötig.

Werden Medikamente verordnet, ist auf die richtige Dosierung und die regelmäßige Einnahme zu achten. Bei Nebenwirkungen oder Fragen ist zuerst die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt zu konsultieren; nach einer Behandlung mit Methotrexat gelten für eine gewisse Zeit besondere Vorgaben, unter anderem eine sichere Verhütung.

Bei einer erneuten Schwangerschaft ist eine frühe Ultraschallkontrolle wichtig, weil das Risiko für eine erneute ektope Schwangerschaft erhöht ist. Je früher der Sitz der Schwangerschaft bekannt ist, desto schonender lässt sich im Bedarfsfall behandeln.

Der Verlust einer gewünschten Schwangerschaft ist eine Trauererfahrung. Viele Frauen und ihre Partner brauchen Zeit und Begleitung, um sie zu verarbeiten. Beratungsstellen, Selbsthilfeangebote und eine psychologische oder psychotherapeutische Begleitung gehören deshalb zur Nachsorge.

Das können Sie selbst tun

In der Regel sind die Maßnahmen einer Selbsthilfe bei der Zervixgravidität deutlich eingeschränkt und stehen der betroffenen Frau nur sehr eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung. Daher stehen bei dieser Krankheit eine rasche Diagnose und die anschließende Behandlung an erster Stelle, damit es nicht zu einer bedrohlichen Blutung kommt.

Vorbeugen lässt sich einer Zervixgravidität kaum. Wer raucht, senkt mit dem Rauchstopp jedoch das Risiko für eine ektope Schwangerschaft.

In der Regel ist bei der Zervixgravidität auch ein Abbruch der Schwangerschaft notwendig. Dabei sind viele der Betroffenen und auch ihre Partner auf eine intensive psychologische Behandlung angewiesen. Hierbei kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen der Erkrankung oder zu Selbsthilfegruppen sehr sinnvoll sein. Vor allem die Unterstützung durch die eigene Familie oder durch Freunde ist bei dieser Krankheit sehr wichtig und von großer Bedeutung.

Weitere Maßnahmen der Selbsthilfe sind dabei meist nicht möglich. Eventuell kann es bei einer erneuten Schwangerschaft wieder zur Ausbildung dieser Krankheit kommen. Eine neue Schwangerschaft sollte deshalb frühzeitig ärztlich bestätigt und per Ultraschall kontrolliert werden.

Quellen

  • Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
    ISBN: 9783662635056
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783132411012
  • Janni, W., Hancke, K., Fehm, T., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Gynäkologie.
    ISBN: 9783437239175
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A. (Hrsg.): Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783437211348
  • Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
    ISBN: 9783437210976

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