Zervixgravidität

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Zervixgravidität stellt eine seltene Unterform der Extrauteringravidität dar. Dabei handelt es sich um eine ektope Schwangerschaft im Gebärmutterhals.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zervixgravidität?

Zeigen sich vaginale Blutungen oder Bauchschmerzen und liegt ein positiver Schwangerschaftstest vor, gilt dies als Hinweis auf eine Extrauteringravidität.
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Die Zervixgravidität zählt zu den ektopen Schwangerschaften. Mit einem Anteil von 0,2 bis 0,5 Prozent ist sie jedoch nur eine seltene Form der Extrauteringravidität (EUG). Gemeint sind damit Schwangerschaften, die außerhalb der Gebärmutterhöhle (Cavum uteri) auftreten. In den meisten Fällen zeigt sich eine Extrauteringravidität im Eileiter, was als Tubargravidität bezeichnet wird.

Sie trägt auch die Bezeichnung Eileiterschwangerschaft. Ebenso sind Schwangerschaften in der Bauchhöhle (Abdominalgravidität) oder in den Eierstöcken (Ovarialgravidität) möglich. Obwohl die Zervixgravidität (Schwangerschaft im Gebärmutterhals) in Deutschland als Extrauteringravidität bezeichnet wird, ist sie streng genommen den intrauterinen Schwangerschaften zuzurechnen.

Es handelt sich jedoch um eine ektope Schwangerschaft. Abgesehen von einer Bauchhöhlenschwangerschaft besteht bei einer Extrauteringravidität keine Überlebensfähigkeit für das Embryo, was auch für eine Zervixgravidität gilt. Durch die enge anatomische Beziehung zeigt sich meist schon früh ein Kontakt mit der Gebärmutterarterie (Arteria uterina). Im Rahmen einer Kürettage drohen deswegen starke Blutungen, die sich nicht stillen lassen.

Ursachen

Eine Extrauteringravidität wie eine Zervixgravidität kann durch verschiedene Risikofaktoren ausgelöst werden. Bei ungefähr einem Drittel aller Fälle sind diese Faktoren allerdings nicht nachweisbar. Als typische Risikofaktoren gelten entzündliche Erkrankungen in der Beckenregion, die Verwendung von Intrauterinpessaren, Unfruchtbarkeit (Infertilität) oder die Einnahme des Arzneistoffes Diethylstilbestrol (DES).

Auch Rauchen sowie eine frühere ektope Schwangerschaft. Weitere denkbare Auslöser sind chirurgische Eingriffe wie eine Sterilisation oder Ausschabungen. Es wurde zudem eine Verbindung zur Endometriose vermutet, was sich jedoch nicht bestätigen ließ. Eine weitere Gefahrenquelle stellt das Refertilisieren nach erfolgter Sterilisation dar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Falle einer Extrauteringravidität beziehungsweise Zervixgravidität zeigen sich nicht immer deutliche Symptome. So können sie milde ausfallen oder sogar gänzlich fehlen. In der Regel wird eine ektope Schwangerschaft zwischen der 5. und 8. Woche nach der letzten Regelblutung sichtbar. Ohne den Einsatz von modernen Diagnoseverfahren besteht die Möglichkeit, dass die Zervixgravidität erst spät entdeckt wird.

Als typische Hinweise auf eine Extrauteringravidität wie eine Schwangerschaft im Gebärmutterhals gelten das Spannen der Brüste, Übelkeit, Erbrechen, ständiger Harndrang, eine schwierige oder schmerzhafte Entleerung der Blase und das Ausbleiben der Regelblutung. Weitere Beschwerden können Schmerzen im Unterbauch sowie gering ausgeprägte vaginale Blutungen sein.

Letztere machen es schwer, die Zervixgravidität von einer normalen Schwangerschaft oder einer gestörten Frühschwangerschaft zu unterscheiden. Die meisten Frauen leiden durch die Blutungen später unter stärkeren Schmerzen. Außerdem kommt es zum Absinken des Progesteronspiegels. Entzündungen sind bei einer Zervixgravidität dagegen nicht für schmerzhafte Beschwerden verantwortlich.

Mitunter ruft eine Extrauteringravidität auch Symptome hervor, die denen einer Appendizitis (Entzündung des Blinddarm-Wurmfortsatzes), von Magen-Darm-Krankheiten oder Harnwegsinfektionen ähneln. Verantwortlich dafür sind Prostaglandine, deren Freisetzung an der Implantationsstelle erfolgt. Manchmal kann auch das Bauchfell durch freies Blut innerhalb der Bauchhöhle gereizt werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zeigen sich vaginale Blutungen oder Bauchschmerzen und liegt ein positiver Schwangerschaftstest vor, gilt dies als Hinweis auf eine Extrauteringravidität. Gut erkennen lässt sich eine Zervixgravidität zumeist durch eine transvaginale Sonographie (Ultraschalluntersuchung). Wichtige Diagnosemerkmale sind ein Gebärmutterhals, der die Form einer Tonne aufweist und eine leere Gebärmutter.

Auch ein Gestationssack unterhalb des Niveaus des Ocrificiums interni uteri sowie ein Blutfluss in der Nähe des Gestationssacks, der sich in einer Farbdoppler-Sonographie erkennen lässt, ist ein Indiz. Übt der Arzt mit dem Ultraschallkopf Druck auf die Gebärmutter aus, lässt sich im Falle einer Extrauteringravidität der Gestationssack nicht in Richtung Cervixkanal verschieben.

Im weiteren Verlauf einer Zervixgravidität sind innere Blutungen möglich, die einen hypovolämischen Schock auslösen können. Durch eine moderne medizinische Versorgung lässt sich die Sterblichkeitsrate bei ektopen Schwangerschaften jedoch gering halten. Ob die Fruchtbarkeit nach einer Extrauteringravidität erhalten bleibt, hängt auch von der Therapie ab. So kommt es nach einer Methotrexat-Behandlung häufiger zu einer späteren Schwangerschaft als nach einer Operation.

Komplikationen

Die Zervixgravidität kann zu einer Reihe verschiedener Beschwerden und Komplikationen führen. In der Regel leiden die Betroffenen dabei an einer starken Übelkeit und ebenso an Erbrechen. Die Brüste der Frau spannen und schmerzen dabei relativ stark, sodass es zu einer verringerten Lebensqualität kommt.

Auch der Harndrang der Patientin ist durch die Erkrankung deutlich verstärkt, wobei das Wasserlassen nicht selten mit Schmerzen verbunden ist. Die Regelblutung bleibt bei der Zervixgravidität in der Regel aus und es kommt zu starken Schmerzen im unteren Bauch oder im vaginalen Bereich. Durch die Beschwerden leiden viele Betroffene auch an psychischen Beschwerden oder an Depressionen.

Weiterhin kann sich die Erkrankung auch in den Darm oder in den Magen ausbreiten, sodass es auch in diesen Bereichen zu Krankheiten oder zu Entzündungen kommen. Dabei tritt auch ein blutiger Stuhlgang auf, der zu einer Panikattacke führen kann.

Die Behandlung der Zervixgravidität erfolgt in der Regel durch einen Abbruch der Schwangerschaft. Dabei treten keine weiteren Komplikationen auf und auch die Gesundheit der Patientin wird dadurch nicht gefährdet. Allerdings leiden viele Betroffene und ihre Partner an psychischen Verstimmungen und benötigen damit eine psychologische Behandlung.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Zervixgravidität kann ausschließlich bei schwangeren Frauen auftreten. Daher gehören sie zu der Risikogruppe der Erkrankung und sollten bei gesundheitlichen Besonderheiten einen Arzt aufsuchen. Obgleich es zu Beginn der Schwangerschaft grundsätzlich zu Veränderungen kommt, sind Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen dennoch von einem Arzt abklären zu lassen. Spannungsgefühle im Bereich der Brüste, vaginale Blutungen oder Unregelmäßigkeiten beim Toilettengang sollten untersucht und gegebenenfalls behandelt werden.

Kommt es zu Störungen des Verdauungstraktes, einer inneren Gereiztheit oder diffusen Unstimmigkeiten im Unterleib der Frau, ist die Rücksprache mit einem Arzt anzuraten. Bei Schmerzen, einem allgemeinen Unwohlsein oder einem Krankheitsgefühl besteht Handlungsbedarf. Kommt es zu Zuständen der Angst oder panischen Anfällen, benötigt die Betroffene Hilfe. Bei psychischen Auffälligkeiten, Störungen des Verhaltens sowie Stimmungsschwankungen besteht Anlass zur Besorgnis. Normalisieren sich die Unregelmäßigkeiten nicht binnen weniger Tage, ist eine Untersuchung zu empfehlen. Kommt es zu einer Zunahme der Beschwerden oder verschlechtert sich der allgemeine Gesundheitszustand, ist unverzüglich ein Arztbesuch notwendig.

Die Einnahme von schmerzlindernde Arzneien sollte grundsätzlich nicht ohne Rücksprache eines Mediziners erfolgen. Können aufgrund der Beschwerden die alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr wahrgenommen werden, ist Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit einer medizinischen Versorgung wird eine Linderung der Unregelmäßigkeiten erwirkt.

Behandlung & Therapie

Für die betroffenen Frauen bedeutet die Diagnose einer Zervixgravidität beziehungsweise Extrauteringravidität einen schweren Schicksalsschlag. So kann das Leben des Embryos nicht gerettet werden. Im Vordergrund der Behandlung stehen daher Gesundheit und Fruchtbarkeit der Patientin. In der Regel muss ein chirurgischer Eingriff vorgenommen werden. Dieser ist vor allem bei nachgewiesenen Herztätigkeiten oder eingetretenen Blutungen erforderlich.

Beobachten und abwarten ist dagegen meist nicht sinnvoll. Lässt sich die Zervixgravidität in einem frühen Stadium erkennen und bleibt der Wert des Schwangerschaftshormons HCG niedrig, besteht die Möglichkeit, dass der Körper nach einem natürlichen Abbruch der Schwangerschaft das embryonale Gewebe auflöst und abstößt. Weitere Therapiemaßnahmen sind dann nicht notwendig.

Der Schwangerschaftsabbruch kann jedoch erhebliche Schmerzen und Blutungen hervorrufen. In einem solchen Fall muss eine Operation stattfinden. Aus diesem Grund sind regelmäßige Untersuchungen zur Überwachung erforderlich. Da sich eine Zervixgravidität im frühen Stadium nur schwer erkennen lässt, stellen Überwachungen allerdings eine Ausnahme dar.

In seltenen Fällen kann eine medikamentöse Therapie vorgenommen werden. Dabei erfolgt das systemische oder örtliche Verabreichen von Methotrexat. Dieser Arzneistoff wird zu den Zytostatika gezählt und bewirkt das Hemmen des Embryowachstums. Schließlich ruft das Methotrexat einen Abbruch der Schwangerschaft hervor. Der Abort wird anschließend vom Organismus resorbiert oder von der Vagina ausgestoßen. Als Gegenanzeigen gelten eine ektope Schwangerschaft mit einem Umfang von mehr als 3,5 Zentimetern, Blutkrankheiten sowie Erkrankungen der Nieren oder der Leber.


Vorbeugung

Einer Zervixgravidität lässt sich nur schwer vorbeugen. Sinnvoll kann der Verzicht auf Zigarettenkonsum sein.

Nachsorge

Dem Betroffenen stehen bei einer Zervixgravidität in der Regel nur eingeschränkte Möglichkeiten einer direkten Nachsorge zur Verfügung. Aus diesem Grund sollten Betroffene schon möglichst frühzeitig einen Arzt aufsuchen und eine Behandlung einleiten lassen, um das weitere Auftreten von anderen Beschwerden und Komplikationen zu verhindern. Es kann nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen.

In der Regel sind die Betroffenen bei der Zervixgravidität auf einen Abbruch der Schwangerschaft angewiesen. Dabei sind auch weiterhin regelmäßige und strenge Kontrollen durch einen Arzt sehr wichtig, um die körperliche Verfassung dauerhaft zu überwachen und zu kontrollieren. Dabei ist in vielen Fällen auch die Einnahme von verschiedenen Medikamenten notwendig, wobei immer auf eine richtige Dosierung und auch auf eine regelmäßige Einnahme zu achten ist. Bei Nebenwirkungen oder bei Fragen ist dabei immer zuerst ein Arzt zu konsultieren. Wird die Zervixgravidität schon früh erkannt und behandelt, so kommt es in der Regel nicht zu einer verringerten Lebenserwartung des Betroffenen.

Das können Sie selbst tun

In der Regel sind die Maßnahmen einer Selbsthilfe bei der Zervixgravidität deutlich eingeschränkt und stehen dem Betroffenen nur sehr eingeschränkt oder gar nicht erst zur Verfügung. Daher sollte bei dieser Krankheit in aller erster Linie eine schnelle Diagnose und eine anschließende Behandlung durchgeführt werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden kommen kann.

Auch das Vorbeugen der Erkrankung lässt sich in der Regel nur schwer realisieren. Dabei kann sich eine gesunde Lebensweise mit einer gesunden Ernährung positiv darauf auswirken, wobei die Patientin möglichst auf das Rauchen und auf das Trinken von Alkohol verzichten sollte.

In der Regel ist bei der Zervixgravidität auch ein Abbruch der Schwangerschaft notwendig. Dabei sind viele der Betroffenen und auch ihre Partner auf eine intensive psychologische Behandlung angewiesen. Hierbei kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen der Erkrankung oder zu Selbsthilfegruppen sehr sinnvoll sein. Vor allem die Unterstützung durch die eigene Familie oder durch Freunde ist bei dieser Krankheit sehr wichtig und von großer Bedeutung.

Weitere Maßnahmen der Selbsthilfe sind dabei meist nicht möglich. Eventuell kann es bei einer erneuten Schwangerschaft wieder zur Ausbildung dieser Krankheit kommen.

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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