Zwergfadenwürmer-Infektion
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Unter dem Begriff Strongyloides stercoralis bezeichnet der Mediziner sogenannte Zwergfadenwürmer. Zwergfadenwürmer sind rund 3 mm lange Parasiten, die sich im Dünndarm aufhalten. Sie sind unter anderem für die Strongyloidiasis verantwortlich. Im Regelfall tritt diese Krankheit im tropischen Raum auf; in Europa hingegen kommt diese Erkrankung nur im warmen Milieu vor. Vor allem Mitarbeiter eines Bergwerks oder Tunnelbaus sind davon betroffen. Ebenfalls zählen immungeschwächte Personen, welche etwa an HIV erkrankt sind, zu den Risikogruppen.
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Was ist eine Zwergfadenwürmer-Infektion?
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Die Zwergfadenwürmer bahnen sich ihren Weg über die Haut in den Körper. Hier handelt es sich um die sogenannte Hautpenetration. Vor allem steigert das Barfußlaufen das Risiko, sich einen sogenannten Zwergfadenwurm als Parasit zu holen.
Über den Blutstrom gelangt der Parasit in die Lunge. Er wandert in die Lungenbläschen, gelangt über die Atemwege direkt in den Rachen und wird von dort verschluckt. Durch dieses Verschlucken gelangt der Parasit im Endeffekt dorthin, wo er hinmöchte - in den Dünndarm. Im Dünndarm entwickelt sich die Larve weiter und reift zum geschlechtsreifen Weibchen heran.
Selbstverständlich legen die Weibchen im Dünndarm ihre Eier ab, wobei hier die Larven schlüpfen und über den Darm - im Stuhl - ausgeschieden werden. Der Befall von Zwergfadenwürmern bringt eine Infektion mit sich, da die Larven im betreffenden Darmabschnitt eine Entzündung hervorrufen.
Ursachen
Die Larven schaffen oftmals den Weg über den Krummdarm, den Dickdarm sowie den Blinddarm. Bei einer Exautoinfektion hingegen handelt es sich um infektiöse Larven, die bereits im Stuhl vorkommen. Die Larven dringen, über die Haut in der Analregion, wieder in den menschlichen Körper ein. Somit ist es möglich, dass diese neuerlich den Weg in die Blutbahn finden.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Befall mit Zwergfadenwürmern (Strongyloides stercoralis) ist besonders für Personen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich. Ansonsten kann die Infektion auch symptomlos verlaufen. Oft kommt es jedoch zu einem chronischen Krankheitsgeschehen, weil die neu geschlüpften Larven von innen ständig wieder über die Darmschleimhaut oder von außen über die Haut erneut in den Körper eindringen können.
Bei einer chronischen Infektion tritt sehr häufig heftiges Hautjucken auf, da sich die Würmer in der Haut bewegen und durch mitgeschleppte Bakterien hartnäckige Hautentzündungen erzeugen. In manchen Fällen kann auch die Lunge betroffen sein. Dabei werden teilweise Lungenentzündungen und asthmatische Beschwerden beobachtet.
Auch Verdauungsbeschwerden mit Übelkeit, Erbrechen, blutigen Durchfällen und ständigem Völlegefühl können bereits drei bis vier Wochen nach der Erstinfektion vorkommen. Bei manchen Betroffenen zeigen sich diese Symptome jedoch erst nach Jahren. Es gibt auch Infizierte ohne jegliche Beschwerden. Dann ist die Vermehrung von Eosinophilen, eine besondere Form von weißen Blutkörperchen, der einzige Hinweis für einen Befall mit Zwergfadenwürmern.
Wenn sich die Würmer stark vermehren, kann der Verseuchungsgrad so stark werden, dass die Larven eine große Anzahl von Bakterien in den Blutkreislauf einschleppen. Dabei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Sepsis. Besonders bei immungeschwächten Personen sind tödlich verlaufende Superinfektionen mit Bakterien häufiger anzutreffen. Ohne intensive Behandlung tritt dann der Tod durch Multiorganversagen ein.
Ausgelöst wird eine solche massenhafte Vermehrung der Larven, die der Mediziner als Hyperinfektion bezeichnet, sehr häufig durch eine Schwächung der körpereigenen Abwehr. Die wichtigste Rolle spielen dabei Behandlungen mit Kortikosteroiden und andere Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Wer sich längere Zeit in einem Gebiet aufgehalten hat, in dem Zwergfadenwürmer vorkommen, sollte deshalb vor dem Beginn einer solchen Behandlung auf einen Befall untersucht werden. Ein Befall kann noch Jahrzehnte nach dem Aufenthalt bestehen, ohne Beschwerden zu verursachen.
Diagnose & Verlauf
Der Mediziner stellt die Diagnose mit Hilfe eines Mikroskops fest. Eine Feststellung, ob es sich tatsächlich um Zwergfadenwürmer handelt, ist erst drei Wochen nach einer Infektion möglich. Der behandelnde Arzt spricht in dieser Zeit gerne von der Präpatenz.
Somit bezeichnet er den Zeitabschnitt zwischen dem Infektionsbeginn und dem Auftreten der Vermehrungsprodukte, die bei Zwergfadenwürmern in Form von Larven im Stuhl nachweisbar werden. Die zwei möglichen Autoinfektionsarten sind mitunter ein Grund, weshalb der Patient unter einer sehr starken Verseuchung leiden kann. Im Regelfall handelt es sich bei dieser Infektion um eine relativ hartnäckige und unangenehme Krankheit. Die Hauptgefahr liegt im Endeffekt darin, dass die Larven und Zwergfadenwürmer Bakterien in die Blutbahn einbringen. Eine einzelne Stuhlprobe übersieht einen Befall allerdings häufig, weil oft nur sehr wenige Larven ausgeschieden werden. Deshalb werden heute mehrere Stuhlproben nacheinander untersucht und zusätzlich Blutuntersuchungen auf Antikörper eingesetzt.
Daher ist eine Sepsis - Allgemeininfektion - möglich. Bereits eine Woche nach dem Auftreten der Infektion klagt der Patient über Atemwegsbeschwerden. Der Patient kann, bei einem sehr starken Befall, sogar über asthmaähnliche Zustände berichten. Selbst eine Pneumonie - Lungenentzündung - kann durch die Parasiten hervorgerufen werden. Häufig ist jedoch die Eosinophilie das einzige Symptom und Anzeichen, dass der Patient etwa unter einem derartigen Befall leiden könnte. Hier tritt vor allem ein Ungleichgewicht von Granulozyten im Blut auf.
Hier spricht der Mediziner von den Eosinophilen. Das sind im Endeffekt Abwehrzellen, die zur Gruppe der Leukozyten, der weißen Blutkörperchen, gehören. Die Leukozyten treten vermehrt auf, wenn Infektionen im Körper vorhanden sind. Somit sagen diese den Zwergfadenwürmern den Kampf an. Nach rund einem Monat ist es möglich, dass weitere Beschwerden im Verdauungstrakt auftreten.
Viele Patienten klagen über ein Völlegefühl. Oftmals sind Übelkeit sowie Erbrechen, auch blutiger Stuhl und starker Durchfall weitere Anzeichen einer Infektion durch Zwergfadenwürmer. Die Beschwerden und Symptome müssen aber nicht erst nach drei oder vier Wochen auftreten. Es ist möglich, dass Patienten Monate oder Jahre keine Beschwerden haben, obwohl sie von Zwergfadenwürmern befallen sind.
Komplikationen
Eine Zwergfadenwürmer-Infektion führt zu sehr unangenehmen Beschwerden und kann ohne Behandlung auch zu verschiedenen Komplikationen führen. Die Betroffenen leiden dabei in der Regel an einem sehr starken Juckreiz der Haut, der von der Analregion ausgehen und mit den wandernden Larven über den Körper ziehen kann. Dadurch wird die Lebensqualität des Betroffenen erheblich verringert und der Alltag erschwert. Auch eine Gereiztheit des Betroffenen kann dabei auftreten.
Weiterhin leiden die Patienten an einem starken Völlegefühl und ebenso an häufigem Erbrechen oder an einem blutigen Stuhlgang. Ebenso führt die Zwergfadenwürmer-Infektion zu einem starken Durchfall, sodass die Betroffenen an einer Dehydration und an verschiedenen Mangelerscheinungen leiden, falls der Durchfall über einen längeren Zeitraum andauert und die Zwergfadenwürmer-Infektion nicht behandelt wird. Weiterhin kommt es zu Atembeschwerden oder sogar zu Asthma.
Sollte auch weiterhin keine Behandlung eingeleitet werden, kann es auch zu einer Blutvergiftung kommen, welche für den Betroffenen tödlich enden kann. Die Behandlung der Zwergfadenwürmer-Infektion erfolgt meist ohne größere Komplikationen mit Hilfe von Medikamenten. Dadurch kommt es meistens in einer kurzen Zeit zu einem positiven Krankheitsverlauf. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird nicht verringert, falls die Erkrankung frühzeitig behandelt wird. Anders liegt der Fall bei der oben beschriebenen Hyperinfektion mit Blutvergiftung: Dieser Verlauf ist auch unter Behandlung häufig schwer und endet nicht selten tödlich.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ein Arzt ist zu konsultieren, sofern es zu einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit oder einer Mattigkeit kommt. Ein allgemeines Krankheitsgefühl oder Unwohlsein deuten auf das Vorliegen einer gesundheitlichen Störung hin. Halten Beschwerden an oder nehmen sie an Intensität zu, ist ein Kontrollbesuch bei einem Arzt zu empfehlen. Auffälligkeiten des Magen-Darm-Traktes, Verdauungsbeschwerden oder Störungen wie Übelkeit, Erbrechen und Schwindel sind untersuchen und behandeln zu lassen. Zeigen sich Beeinträchtigungen der Atmung, besteht Anlass zur Besorgnis. Eine Atemnot, Angstgefühle, Schlafstörungen und eine schnelle Ermüdbarkeit sind Anzeichen einer vorliegenden Erkrankung. Kommt es zu einer erhöhten Körpertemperatur, Blut im Stuhl, einem Völlegefühl oder einem Juckreiz, ist eine Abklärung der Ursache anzuraten.
Zur Vermeidung von Komplikationen oder Folgeerkrankungen ist bereits bei den ersten gesundheitlichen Unregelmäßigkeiten ein Arztbesuch notwendig. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können die Larven Bakterien aus dem Darm in den Blutkreislauf verschleppen. Dies stellt eine lebensbedrohliche Situation dar. Es kann unbehandelt zu einem Organversagen und damit zu einem vorzeitigen Ableben kommen. Bei einigen Patienten entwickeln sich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Sobald dem Betroffenen die Veränderungen seines gesundheitlichen Zustandes bewusst werden, ist ein Arzt zu konsultieren.
Zeichen einer Blutvergiftung sind ein Notfall: Bei hohem Fieber mit Schüttelfrost, Verwirrtheit, einer sehr schnellen Atmung oder einem rasenden Puls ist sofort der Notruf 112 zu wählen und nicht erst der nächste Praxistermin abzuwarten.
Behandlung & Therapie
Der Mediziner behandelt die Infektion mit Ivermectin. Dieses Präparat ist ein Wirkstoff, der gegen zahlreiche Fadenwurmarten hilft. Aus diesem Grund zählt der Wirkstoff zu den Anthelminthika, den Wurmmitteln. Lange Zeit wurde bei Wurmerkrankungen Mebendazol als Breitbandmittel eingesetzt. Gegen Zwergfadenwürmer gilt es jedoch als unzuverlässig wirksam, sodass heute Ivermectin als Mittel der Wahl gilt; kommt es nicht infrage, wird auf Albendazol ausgewichen.
Der Wirkstoff tötet in erster Linie die Würmer ab. Eine Behandlung mit Ivermectin besteht aus der Einnahme an einem oder an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Damit ist die Infektion jedoch nicht in jedem Fall beendet: Weil sich die Larven durch den Autoinfektionszyklus im Körper selbst immer wieder erneuern können, ist der Behandlungserfolg durch wiederholte Stuhluntersuchungen zu kontrollieren. Bleiben Larven nachweisbar, wird die Behandlung wiederholt. Bei einer Hyperinfektion wird das Medikament über einen längeren Zeitraum gegeben, und eine begonnene Behandlung mit Kortikosteroiden wird nach Möglichkeit beendet. Die restliche Therapie richtet sich nach der Bekämpfung der Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall).
Vorbeugung
Eine Impfung gegen Zwergfadenwürmer gibt es nicht. Vorbeugen lässt sich einer Infektion jedoch sehr wohl: Da die Larven über die Haut eindringen, schützt in Gebieten mit warmem, feuchtem Boden und unzureichenden sanitären Verhältnissen vor allem festes Schuhwerk. Barfußlaufen und das Sitzen oder Liegen auf bloßer Erde sind dort zu vermeiden. Hinzu kommen die üblichen Hygienemaßnahmen wie das gründliche Händewaschen nach dem Toilettengang. Im Endeffekt hilft es, das Immunsystem zu stärken und bei ersten Symptomen den Arzt aufzusuchen.
Nachsorge
Auch wenn die Patienten von dieser Infektion so gut wie nichts bemerkt haben sollten, hat sie den gesamten Körper und damit auch ihr Immunsystem geschwächt. Die Würmer haben eine Infektion ausgelöst, die für den gesamten Organismus Stress bedeutet. Daher gilt es, nach einer Zwergfadenwürmer-Infektion zunächst die Restsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder die noch verbliebenen Infektionsherde zu behandeln und damit das Immunsystem wieder zu stärken.
Mit einem gut funktionierenden Immunsystem kann auch einer Neuinfektion vorgebeugt werden. Wichtig für ein gutes Immunsystem ist vor allem eine gesunde Ernährung. Die Patienten sollten Wert auf frische Lebensmittel möglichst aus biologischem Anbau legen und sie nährstoffschonend zubereiten. Täglich ein bis zwei Liter Wasser oder Kräutertee zu und zwischen den Mahlzeiten sind ein Muss.
Alles, was den Körper belasten könnte, sollte vermieden werden. Dazu gehören Genussgifte wie Nikotin und Alkohol ebenso wie zu fettes und zu schweres Essen oder ein unregelmäßiger Schlaf-/Wachrhythmus. Bestehen Hinweise auf einen Mangel an Nährstoffen, lässt sich dieser ärztlich abklären und gezielt ausgleichen.
Ganz wichtig in der Nachbehandlung einer Wurminfektion ist die Darmpflege. Die Einnahme von Probiotika, also lebenden Mikroorganismen, ist daher empfehlenswert. Auch hier gibt es Nahrungsergänzungsmittel oder auch Medikamente, die in Apotheken frei erhältlich sind und für ein gesundes Darmklima sorgen.
Das können Sie selbst tun
Zur Unterstützung der Behandlung einer Zwergfadenwurm-Infektion kann der Patient selbst einiges tun. Besonders wichtig dabei ist eine konsequente Hygiene. Sie dient dazu, eine erneute Infektion zu vermeiden. Sie dient vor allem dazu, eine erneute Ansteckung mit den eigenen Larven zu vermeiden. Zu den wichtigsten Hygienemaßnahmen zählt das regelmäßige Waschen der Hände mit Seife. Dies gilt vor allem nach dem Besuch der Toilette. Auch der After ist nach jedem Stuhlgang gründlich mit reinem Wasser zu reinigen. Die entsprechenden Waschlappen dürfen nur einmal benutzt werden.
Ebenso sollten die Fingernägel nicht außer Acht gelassen werden. Es wird empfohlen, sie kurz zu schneiden und mit einer Bürste in regelmäßigen Abständen zu säubern. Eine weitere wichtige Selbsthilfemaßnahme stellt das Reinigen der Nacht- und Bettwäsche sowie von Waschlappen und Handtüchern dar. So sind sie täglich zu wechseln und in der Waschmaschine bei Temperaturen von mindestens 60 Grad zu waschen. Handtücher und Waschlappen sollten dennoch nicht gemeinsam mit anderen benutzt werden. Anders als bei einem Madenwurmbefall ist eine besondere Reinigung von Bettwäsche und Schlafzimmer nicht erforderlich, weil die Larven erst im Erdboden ansteckend werden.
Eine gleichzeitige Behandlung sämtlicher Familienmitglieder, wie sie beim Madenwurm üblich ist, ist beim Zwergfadenwurm dagegen nicht vorgesehen. Seine Larven werden in aller Regel aus dem Erdboden aufgenommen und nur in seltenen Ausnahmefällen unmittelbar von Mensch zu Mensch weitergegeben. Untersuchen lassen sollten sich jedoch Personen, die sich gemeinsam mit dem Betroffenen im selben Gebiet aufgehalten haben.
Quellen
- Lucius, R., Loos-Frank, B., Lane, R.P.: Biologie von Parasiten.
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- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
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- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
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