Mebendazol
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 17. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei dem Wirkstoff Mebendazol handelt es sich um ein Arzneimittel aus der Kategorie der Benzimidazole. Das Medikament wurde vom pharmazeutischen Hersteller Janssen Pharmaceutica entwickelt und auf den Markt gebracht. Die Substanz Mebendazol kommt im überwiegenden Teil der Fälle im Rahmen der Therapie von Wurmerkrankungen zum Einsatz. Denn das Medikament Mebendazol ist ein sogenanntes Breitbandspektrum-Anthelminthikum, das sich zum Beispiel zur Behandlung der Ankylostomiasis (Hakenwurmbefall) eignet.
Was ist Mebendazol?
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Prinzipiell handelt es sich bei der Substanz Mebendazol um ein Medikament mit antiparasitären Eigenschaften. Mebendazol zählt zur Kategorie der Anthelminthika und kommt in der Regel zum Einsatz, um einen Befall des Darms mit Würmern zu therapieren.
Die Wirkung ist darauf zurückzuführen, dass sich die Substanz Mebendazol an den Stoff Tubulin bindet und dadurch das Mikrotubulussystem der Wurmzellen stört. Um Madenwürmer zu bekämpfen, wird Mebendazol gemeinsam mit einer Mahlzeit eingenommen, nach den deutschen Fachinformationen über mehrere Tage hinweg. Die Behandlung wird anschließend in mehrwöchigem Abstand wiederholt.
Mögliche Nebenwirkungen durch das Medikament sind beispielsweise Durchfall und sonstige Störungen der Verdauung, Schmerzen in der Bauchgegend sowie Blähungen.
Der Wirkstoff Mebendazol ist ein Derivat von Benzimidazol, zudem handelt es sich um ein Carbamat. Die Substanz kommt in der Form eines Pulvers vor, das eine weiße Farbe aufweist. Der Stoff ist in Wasser so gut wie nicht löslich.
Pharmakologische Wirkung
Nach der oralen Verabreichung des Medikaments wird der Wirkstoff in der Regel nur unvollständig resorbiert. Zudem ist der First-Pass-Effekt im überwiegenden Teil der Fälle relativ stark ausgeprägt, sodass ein beachtlicher Anteil des Medikaments wieder ausgeschieden wird. Aus diesem Grund ist lediglich ein kleiner Teil der ursprünglich eingenommenen Dosis verfügbar. Bedingt durch den starken First-Pass-Effekt wirkt es in erster Linie im Darm.
Grundsätzlich zeichnet sich das Medikament Mebendazol durch starke anthelminthische Effekte aus. Die Wirkung des Arzneimittels ist dabei parasitenspezifisch. Es handelt sich um ein Chemotherapeutikum, das die Mikrotubuli beeinflusst und dadurch eine Degeneration der Darmzellen der Würmer herbeiführt.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Das Medikament Mebendazol eignet sich zur medikamentösen Behandlung von Infektionen des Darms mit Würmern. Dabei ist das Arzneimittel in erster Linie gegen Nematoden wirksam, also gegen Maden-, Spul-, Peitschen-, Haken- und Zwergfadenwürmer, daneben gegen bestimmte Arten von Bandwürmern. Auch kommt es mitunter zur Therapie von zystischer und alveolärer Echinokokkose sowie Trichinose zum Einsatz. Hierbei sind hohe Dosierungen des Wirkstoffs notwendig. Für die Trichinellose sind die deutschen Mebendazol-Präparate allerdings nicht zugelassen; die Anwendung erfolgt dort außerhalb der genehmigten Anwendungsgebiete.
Zudem wird das Medikament Mebendazol in der Veterinärmedizin eingesetzt und dient hier ebenfalls der Behandlung von zahlreichen Wurmerkrankungen.
Die Dosierung des Arzneimittels Mebendazol erfolgt grundsätzlich entsprechend der beiliegenden Fachinformation. Dabei variiert die Art der Behandlung in Abhängigkeit von der jeweiligen Wurmart. Nach den deutschen Fachinformationen erstreckt sich die Einnahme dabei über mehrere Tage; bei einem Teil der Wurmerkrankungen wird die Behandlung anschließend in mehrwöchigem Abstand wiederholt.
Risiken & Nebenwirkungen
Nach den Fachinformationen sind Schmerzen im Bauchraum die häufigste Nebenwirkung; Übelkeit tritt gelegentlich auf, Schwindelanfälle wurden nur selten berichtet. In den klinischen Studien trat dabei keine Nebenwirkung bei mehr als einem Prozent der Behandelten auf. In einigen Fällen kommt es auch zu Störungen der Verdauung, die sich auf verschiedene Weise äußern. So leiden einige Patienten unter Erbrechen oder Durchfall. Auch sind Schmerzen in der Gegend des Bauches und Blähungen möglich.
Während der Therapie mit dem Wirkstoff Mebendazol sind nicht nur diverse Nebenwirkungen zu beachten, sondern auch einige Kontraindikationen. Diese sind dringend zu befolgen, da ansonsten schwerwiegende Komplikationen drohen. Zunächst ist das Medikament Mebendazol bei einer vorliegenden Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff kontraindiziert. Darüber hinaus ist eine Einnahme des Medikaments während der Schwangerschaft nicht angezeigt. Außerdem ist von einer zeitgleichen Einnahme von Metronidazol und dem Arzneimittel Mebendazol abzusehen.
Bei einer Verwendung des Medikaments in der Tiermedizin ist zudem zu beachten, dass Mebendazol bei Nagetieren eine teratogene Wirkung entfaltet.
Der Arzneistoff Mebendazol ist nicht für Kinder geeignet, die jünger als ein Jahr sind. Bei Kindern unter zwei Jahren ist eine Anwendung nur unter Vorbehalt angezeigt, wobei eine strenge ärztliche Kontrolle notwendig ist. Sämtliche Hinweise bezüglich der Kontraindikationen sind in der Fachinformation des jeweiligen Präparats aufgelistet.
Darüber hinaus existieren einige Wechselwirkungen des Medikaments mit anderen Substanzen. So reduziert sich zum Beispiel die Konzentration des Wirkstoffs Mebendazol im Plasma des Blutes, wenn zur gleichen Zeit die Stoffe Phenytoin oder Carbamazepin eingenommen werden. Dabei handelt es sich um sogenannte Enzyminduktoren. Bei hoch dosierter Anwendung kann Mebendazol bei Diabetikern zudem den Insulinbedarf senken; der Blutzuckerspiegel ist dann engmaschig zu kontrollieren.
Wie Mebendazol den Wurm zerstört
Die Fachinformation beschreibt den Angriffspunkt genauer, als es die Kurzformel vom gestörten Mikrotubulussystem erkennen lässt. Mebendazol wirkt im Anwendungsgebiet örtlich im Hohlraum des Verdauungstrakts und bindet dort gezielt an das Eiweiß Tubulin der Darmzellen des Parasiten. Aus diesem Eiweiß bauen die Zellen jene röhrenförmigen Gerüste auf, die für den Stofftransport innerhalb der Zelle zuständig sind.
Fällt dieses Gerüst aus, kommen zwei Transportrichtungen gleichzeitig zum Erliegen: der Abtransport von Sekreten aus der Zelle und die Aufnahme von Nährstoffen in die Zelle. Insbesondere die Aufnahme von Glukose aus der Umgebung wird blockiert. Der Wurm ist daraufhin gezwungen, seine eigenen Glykogenvorräte zu verbrauchen. Weil diese Vorräte begrenzt sind und nicht wieder aufgefüllt werden, endet der Vorgang in einer unumkehrbaren Rückbildung des Darmkanals der Würmer und damit im Absterben der Parasiten. Dass der Wirkstoff die Zellen von Säugetieren weit weniger schädigt, hängt auch damit zusammen, dass er nach den Angaben der Fachinformation örtlich im Hohlraum des Verdauungstrakts wirkt und nur zu einem kleinen Teil in den Blutkreislauf gelangt.
Die Fachinformation zieht auch eine Grenze: Ein Hinweis darauf, dass Mebendazol bei der Zystizerkose, dem Befall mit den Finnen des Schweinebandwurms, wirksam ist, liegt nicht vor. In der amtlichen Einteilung der Wirkstoffe steht Mebendazol als Anthelminthikum aus der Gruppe der Benzimidazol-Derivate unter dem Code P02CA01.
Die Behandlung der Echinokokkose
Für den Befall mit dem Hundebandwurm und mit dem Fuchsbandwurm gibt es ein eigenes, höher dosiertes Präparat. Sein Anwendungsgebiet ist ausdrücklich auf jene Fälle beschränkt, in denen nicht oder nicht vollständig operiert werden kann, und es gilt für Erwachsene und für Kinder über vierzehn Jahren. Die offiziellen Leitlinien, in der Regel die der Weltgesundheitsorganisation und der Fachgesellschaften, sind dabei zu berücksichtigen.
Die Gegenanzeigen dieses Präparats sind weiter gefasst als beim niedrig dosierten: Neben der Überempfindlichkeit schließen Leberschäden, Schwangerschaft und Stillzeit sowie ein Alter unter vierzehn Jahren die Anwendung aus. Weil hoch und über lange Zeit behandelt wird, sind Blutbild sowie Nieren- und Leberfunktion regelmäßig zu kontrollieren. Bei Patienten mit schweren dauerhaften Lebererkrankungen oder mit einer geschwächten Blutbildung im Knochenmark ist die Behandlung sorgfältig abzuwägen und engmaschig zu überwachen; bei bedeutsamen Abweichungen der Laborwerte ist ein Abbruch zu erwägen.
Beim Fuchsbandwurm hält die Fachinformation ausdrücklich fest, dass Mebendazol den Parasiten nur am Wachstum hindert, ihn aber nicht abtötet, sodass es zum Versagen der Behandlung kommen kann. Auch die Hinweise für Diabetiker sind bei diesem Präparat schärfer gefasst: Bei hoher Dosierung kann der Insulinbedarf sinken, weshalb der Blutzucker engmaschig zu kontrollieren ist.
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Die Sicherheit des Wirkstoffs wurde bei 6 276 Studienteilnehmern in 39 klinischen Studien untersucht. Keine einzige Nebenwirkung trat dabei bei einem von hundert oder mehr Behandelten auf. Die Tabelle der Fachinformation fasst deshalb die selteneren Beobachtungen aus diesen Studien mit den Meldungen nach der Markteinführung zusammen.
Als häufig, das heißt bei mindestens einem von hundert und weniger als einem von zehn Behandelten, sind allein Schmerzen im Bauchraum eingestuft. In die Klasse gelegentlich, also mindestens einer von tausend und weniger als einer von hundert, fallen unbestimmte Beschwerden im Bauchraum, Durchfall, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen. Alle übrigen aufgeführten Wirkungen sind selten, betreffen also weniger als einen von tausend Behandelten: Schwindel und Krampfanfälle, eine verminderte Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen, Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zur Anaphylaxie, eine Leberentzündung und auffällige Leberwerte sowie an der Haut Ausschlag, Nesselsucht, Angioödem, Haarausfall und die beiden schweren Blasenkrankheiten Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse. Die Spalte für sehr seltene Wirkungen ist leer.
Zwei Nebenwirkungen trägt die Tabelle mit einem eigenen Vermerk: Die Agranulozytose, ein weitgehender Verlust der Fresszellen des Blutes, und die Glomerulonephritis, eine Entzündung der Nierenkörperchen, wurden nach der Markteinführung bei der Behandlung der Echinokokkose beobachtet. Dort wird deutlich höher und sehr viel länger behandelt als bei einem gewöhnlichen Wurmbefall. Bei allen anderen Anwendungsgebieten wertet die Fachinformation genau diese beiden Befunde deshalb als zu erwartende Zeichen einer Überdosierung.
Was während der Behandlung überwacht wird
Über eingeschränkte Leberfunktion, Leberentzündung und eine verminderte Zahl neutrophiler weißer Blutkörperchen wurde selten auch unter den üblichen Mengen berichtet. Bei Patienten mit Leberschwäche darf Mebendazol deshalb nur nach strenger Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden, und die Leberfunktion ist dabei zu überwachen. Die Behandelten sind darauf hinzuweisen, die Einnahme abzubrechen und ärztlichen Rat einzuholen, sobald sich Zeichen einer Lebererkrankung einstellen: Appetitverlust, Gelbsucht, Dunkelfärbung des Urins, Juckreiz oder eine Druckempfindlichkeit des Bauches.
Bei schweren Lebererkrankungen und hoher Dosierung, wie sie die Behandlung des Zwergfadenwurmbefalls und des Bandwurmbefalls verlangt, soll das Präparat nicht gegeben werden. Bei Diabetikern ist der Blutzuckerspiegel sorgfältig zu überwachen.
Ein eigener Warnhinweis gilt der gleichzeitigen Gabe von Mitteln, die das Immunsystem unterdrücken, vor allem von Glukokortikoiden. Bei einer Behandlung von Parasitosen kann das Krankheitsbild dadurch ungünstig beeinflusst werden, besonders bei höherer Dosierung oder längerer Anwendung dieser Mittel und besonders bei Parasiten, die in das Gewebe eindringen können, wie den Zwergfadenwürmern.
Da eine Erbgutveränderung nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen ist, soll während der Behandlung sowohl von weiblichen als auch von männlichen Patienten wirksam verhütet werden. Für Kinder, einschließlich Säuglingen unter einem Jahr, verzeichnet die Fachinformation nach der Markteinführung sehr seltene Berichte über Krampfanfälle.
Schwangerschaft und Stillzeit
In Versuchen an Ratten und Mäusen hat Mebendazol den Embryo geschädigt und Fehlbildungen hervorgerufen; bei anderen Tierarten fand sich kein schädigender Einfluss auf die Fortpflanzung. Der Wirkstoff steht im Verdacht, Erbschäden zu verursachen. Bei einem gewöhnlichen Wurmbefall soll er deshalb nicht während der Schwangerschaft gegeben werden, insbesondere nicht im ersten Drittel, es sei denn, dies ist nach ärztlicher Beratung und strenger Abwägung dringend erforderlich. Für die hoch dosierte Behandlung der Echinokokkose ist die Schwangerschaft dagegen eine ausdrückliche Gegenanzeige.
Einzelfalldaten zeigen, dass eine geringe Menge Mebendazol nach der Einnahme in die Muttermilch übergeht. Während der Behandlung soll deshalb nicht gestillt werden. Auf die Fruchtbarkeit selbst hatte der Wirkstoff in Untersuchungen zur Fortpflanzung keinen Einfluss. Auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen hat Mebendazol nach der Fachinformation keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss.
Aufnahme und Abbau im Körper
Weil die Aufnahme aus dem Darm unvollständig ist und die Leber den aufgenommenen Anteil sogleich zu einem großen Teil abbaut, gelangen weniger als zehn Prozent der geschluckten Menge in den Blutkreislauf. Der größte Teil verbleibt im Verdauungstrakt, und genau dort soll der Wirkstoff auch wirken. Die höchsten Werte im Blutplasma werden im Allgemeinen zwei bis vier Stunden nach der Einnahme erreicht. Eine fettreiche Mahlzeit erhöht die Menge, die in den Kreislauf gelangt; für die Wirkstoffmenge im Darm selbst ist die Nahrung dagegen ohne größere Bedeutung.
Im Blut ist Mebendazol zu 90 bis 95 Prozent an Plasmaproteine gebunden. Das Verteilungsvolumen zeigt, dass der Stoff auch in Bereiche außerhalb der Blutgefäße eindringt; bei Patienten, die über lange Zeit behandelt wurden, ließ er sich im Gewebe nachweisen. Der Abbau geschieht überwiegend in der Leber, und die Konzentrationen der wichtigsten Abbaustoffe liegen höher als die des Wirkstoffs selbst. Eine eingeschränkte Leberfunktion, ein verlangsamter Abbau und eine gestörte Ausscheidung über die Galle können die Werte im Blut ansteigen lassen.
Mebendazol und seine Abbaustoffe unterliegen wahrscheinlich zu einem gewissen Grad einem Kreislauf zwischen Darm und Leber und werden über Urin und Galle ausgeschieden. Die Halbwertszeit der Ausscheidung beträgt bei den meisten Patienten drei bis sechs Stunden. Bei einer über Monate fortgesetzten Behandlung steigen die Werte im Blut gegenüber einer einmaligen Einnahme auf etwa das Dreifache an. Für Kinder zwischen drei und sechzehn Jahren deuten die vorliegenden, begrenzten Daten nicht auf eine wesentlich höhere Belastung des Körpers hin als bei Erwachsenen; bei Kindern zwischen einem und drei Jahren liegt sie höher.
Überdosierung
Bei einer versehentlich zu hohen Einnahme können Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Ein besonderes Gegenmittel ist nicht bekannt. Sofern es sich anbietet, kann Aktivkohle gegeben werden. Darüber hinaus ist mit einer Verstärkung der bekannten unerwünschten Wirkungen zu rechnen; die Fachinformation empfiehlt deshalb Kontrollen des Blutbildes und der Leberwerte.
Quellen
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ISBN: 9783437216428
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- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
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