Antazida

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Antazida sind Arzneimittel, die die Magensäure neutralisieren. Sie werden zur symptomatischen Behandlung von Sodbrennen, saurem Aufstoßen oder von säurebedingten Magenschmerzen eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Antazida?

Antazida
Antazida sind Arzneimittel, die die Magensäure neutralisieren. Sie werden zur symptomatischen Behandlung von Sodbrennen, saurem Aufstoßen oder von säurebedingten Magenschmerzen eingesetzt.

Zur Gruppe der Antazida gehören verschiedene Arzneistoffe. Früher wurde häufig Natriumhydrogencarbonat genutzt. In den 1970er Jahren kamen vermehrt Aluminiumhydroxid-Gele oder Magnesiumhydroxid-Gele zum Einsatz. Ebenso wurden Calcium- und Magnesiumcarbonat-Mischungen erstmals als Antazida genutzt. Auch der Wirkstoff Almasilat, der Aluminium-Magnesium-Silicathydrat enthält, setzte sich durch.

Heute werden weiterhin Aluminiumhydroxid-Gele genutzt. Sie werden auch als Algeldrat bezeichnet. Algeldrat kann mit Calciumcarbonat oder mit Magnesiumhydroxid kombiniert werden. In Kombination mit dem Wirkstoff Simeticon wird es bei größeren Gasansammlungen im Magen- und Darmbereich verabreicht. Weitere Arzneistoffe, die zur Gruppe der Antazida gehören, sind Carbaldrat, Magaldrat und Hydrotalcit. Daneben werden bei denselben Beschwerden Mittel angeboten, die selbst keine Säure binden und deshalb nicht zu den Antazida zählen: Alginsäure legt sich als Schutzschicht über den Mageninhalt, Oxetacain ist ein örtliches Betäubungsmittel, das solchen Präparaten zugesetzt wird, und Smektit ist ein Schichtsilikat, das Stoffe im Darm an sich bindet.

Die säurebindenden Wirkstoffe werden bei einer Übersäuerung des Magens verabreicht. Sie sollen säurebedingte Beschwerden wie saures Aufstoßen oder Sodbrennen lindern. Die Wirkung der Antazida setzt bereits nach kurzer Zeit ein. Sie hält jedoch nur wenige Stunden an. Die meisten Antazida sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Pharmakologische Wirkung

Die Magensäure besteht aus Salzsäure in einer starken Verdünnung. Für den niedrigen Magen-pH-Wert sind positiv geladene Wasserstoffionen verantwortlich. Die säurebindenden Antazida enthalten hingegen viele negative Ionen. Diese binden sich an die positiv geladenen Protonen und neutralisieren sie. Durch die basische Reaktion erfolgt ein Ausgleich der Säuren.

Eine Substanz, die Magensäure neutralisieren kann, ist das Natriumhydrogencarbonat. Dabei entstehen ausschließlich ungiftige Reaktionsprodukte wie CO2 und Wasser. Das Mittel gilt heute als veraltet, ist jedoch dennoch in vielen Produkten gegen säurebedingte Magenbeschwerden oder Sodbrennen enthalten. Natriumhydrogencarbonat erhöht den pH-Wert innerhalb des Magens sehr schnell auf Werte über 7. Dadurch wird vermehrt das Hormon Gastrin freigesetzt. Gastrin wird im Magen-Darm-Trakt gebildet und stimuliert die Produktion der Magensäure.

Nach der Einnahme von Natriumhydrogencarbonat sinkt der pH-Wert also reaktiv. Natriumhydrogencarbonat ist somit nicht so wirksam wie beispielsweise Aluminiumhydroxid-Gele. Aluminiumhaltige Arzneistoffe wie Algeldrat binden die Magensäure im Magen und neutralisieren sie. Entzündungen im Magen-Darm-Trakt können so besser abheilen. Algeldrat verstärkt durch die Abgabe von Aluminium-Ionen zudem die Gewebe- und Schleimhautschichten des Magen-Darm-Trakts. Entzündungen und Verletzungen können dann nicht so leicht entstehen. Zudem bindet der Arzneistoff Phosphate aus der Nahrung, sodass diese mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Auf die Schleimhäute wirkt sich das nicht aus; die Phosphatbindung wird vielmehr als eigene Anwendung genutzt: Bei einer Nierenschwäche senkt Aluminiumhydroxid damit einen erhöhten Phosphatspiegel im Blut, gilt dafür heute wegen der Anreicherung von Aluminium im Körper aber nur noch als Reservemittel.

Alginat wird aus Braunalgen hergestellt. Der Arzneistoff bildet eine physikalische Barriere zwischen den Schleimhäuten und der Magensäure. Zusammen mit Calciumcarbonat oder Kaliumhydrogencarbonat bildet Alginsäure einen Schaum, der sich über dem Mageninhalt ausbreitet. Dadurch wird ein Reflux mit Sodbrennen verhindert.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Antazida werden zur Säurebindung im Magen-Darm-Trakt eingesetzt. Sie sollen den Magen vor Übersäuerung schützen und Folgeerscheinungen einer Magenübersäuerung lindern. Typische Folgeerscheinungen sind saures Aufstoßen und Sodbrennen.

Sodbrennen ist das Hauptsymptom der Refluxkrankheit. Bei dieser Erkrankung fließt Mageninhalt oder Magensäure aus dem Magen nach oben in die Speiseröhre. Weil die Schleimhäute der Speiseröhre deutlich empfindlicher sind als die Schleimhaut des Magens, kommt es zu einem unangenehmen Brennen hinter dem Brustbein. Durch die Reizung kann sich auch eine Kehlkopfentzündung mit chronischem Husten entwickeln.

Antazida können die Magensäure neutralisieren und so die Auswirkungen abmildern. Die Arzneistoffe werden oral zugeführt. Die Dosierung hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab. Präparate mit den Arzneistoffen Magaldrat und Hydrotalcit haben die höchste Säurebindungskapazität. Die Wirkung der Antazida setzt sehr schnell ein, hält jedoch nur selten länger als zwei bis drei Stunden an. Die Einnahme der säurebindenden Mittel sollte mit zeitlichem Abstand nach einer Mahlzeit oder vor dem Schlafengehen erfolgen. Es ist zu beachten, dass die Therapie mit Antazida rein symptomatisch ist. Die Ursachen der vermehrten Säureproduktion im Magen werden damit nicht behandelt.

Früher wurden Antazida auch bei Magengeschwüren verabreicht. Mittlerweile werden sie in der Behandlung aber immer häufiger von Protonenpumpenhemmern oder H2-Rezeptorantagonisten ersetzt. Diese neutralisieren die Magensäure nicht, sondern hemmen direkt die Magensäureproduktion und wirken deshalb effektiver und länger. Bei einem Magengeschwür sind Antazida heute nicht mehr die Behandlung der Wahl: Gegeben wird in der Regel ein Protonenpumpenhemmer, und wird das Bakterium Helicobacter pylori nachgewiesen, zusätzlich eine Behandlung mit Antibiotika.

Antazida wirken bei einem bestehenden Geschwür weiterhin schmerzlindernd, weil sie die im Magen vorhandene Säure unmittelbar abpuffern. Die Abheilung der Schleimhautläsion selbst wird jedoch über die Hemmung der Säurebildung und, bei Nachweis von Helicobacter pylori, über dessen Beseitigung erreicht. In älteren Angaben werden aluminium- und magnesiumhaltige Präparate deshalb auch bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren aufgeführt; gemeint ist dort die begleitende Linderung der säurebedingten Beschwerden und nicht die ursächliche Behandlung.


Verabreichung & Dosierung

Antazida wirken nicht über den Blutkreislauf, sondern unmittelbar im Magen: Sie müssen sich mit dem Mageninhalt vermischen, um die Säure chemisch zu binden. Aus diesem Grund gibt es keine Spritzen- oder Infusionsform. Die Präparate werden geschluckt. Üblich sind Kautabletten, Lutschtabletten, Beutel mit einer gelartigen Suspension sowie Trinkflüssigkeiten und Granulate.

Die Darreichungsform bestimmt, wie schnell und wie gleichmäßig die Wirkung eintritt. Kautabletten entfalten ihre Wirkung erst, wenn sie gründlich zerkaut werden, denn nur der fein verteilte Wirkstoff bietet die große Oberfläche, die für eine rasche Neutralisation nötig ist. Suspensionen und Gele liegen bereits fein verteilt vor und wirken deshalb häufig schneller; sie werden vor der Entnahme aufgeschüttelt, damit sich abgesetzter Feststoff wieder gleichmäßig verteilt.

Für die Wirkdauer ist der zeitliche Bezug zur Mahlzeit entscheidend. Eine Mahlzeit puffert die Säure zunächst selbst ab, die stärkste Säurebildung folgt erst danach. Zugleich hält Nahrung im Magen das Antazidum länger am Wirkort fest, weil der Mageninhalt langsamer weitertransportiert wird. Auf nüchternen Magen eingenommen verlässt ein Antazidum den Magen dagegen rasch, und die neutralisierende Wirkung fällt entsprechend kurz aus. Beides erklärt, warum der Einnahmezeitpunkt in den Packungsbeilagen an die Mahlzeiten und an die Nachtruhe gekoppelt wird und nicht an feste Uhrzeiten.

Wie viel Wirkstoff eine einzelne Gabe enthält, richtet sich nach dem jeweiligen Präparat und dessen Säurebindungskapazität. Diese Angabe unterscheidet sich zwischen den Salzen erheblich und steht in der Packungsbeilage des einzelnen Mittels.

Antazida sind Bedarfsmedikamente und keine Dauertherapie. Sie werden eingenommen, wenn Beschwerden auftreten, und nicht nach einem festen Plan über Wochen hinweg. Die Packungsbeilagen rezeptfreier Antazida begrenzen die Selbstbehandlung deshalb auf einen kurzen Zeitraum. Halten die Beschwerden darüber hinaus an, kehren sie regelmäßig wieder oder treten sie erstmals in höherem Lebensalter auf, ist eine ärztliche Abklärung vorgesehen, weil dann eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung dahinterstehen kann.

Die Anwendung erfolgt in aller Regel eigenverantwortlich, da die meisten Präparate rezeptfrei in der Apotheke abgegeben werden. Im Krankenhaus werden flüssige Antazida bei Patienten, die nicht schlucken können, auch über eine Magensonde verabreicht. Für Kinder gelten eigene Präparate und Darreichungsformen; aluminiumhaltige Antazida sind für kleine Kinder nicht vorgesehen.

Risiken & Nebenwirkungen

Natriumhydrogencarbonat sollte nicht mehr als Antazidum genutzt werden. Zum einen kommt es nach der Einnahme schnell zu einer reaktiven Erhöhung der Säureproduktion und zum anderen wird der Arzneistoff komplett resorbiert. Bei der Einnahme höherer Dosen oder bei einer Zufuhr über einen längeren Zeitraum können sich eine Hypernatriämie, eine metabolische Alkalose oder eine Hypertonie entwickeln.

Antazida mit Aluminiumhydroxid können Verstopfungen verursachen. Magnesiumhydroxid regt hingegen die Darmtätigkeit an und kann somit abführend wirken. Die meisten Fertigpräparate enthalten allerdings beide Verbindungen, sodass sich abführende und verstopfende Wirkung die Waage halten.

Neuere Studien zeigen, dass die Aluminiumsalze aus Antazida mit Aluminiumhydroxid resorbiert werden. Da bisher noch nicht vollständig geklärt ist, welche Wirkungen die Salze im menschlichen Körper haben, sollte die tägliche Aufnahmemenge limitiert werden. Es sollte zudem beachtet werden, dass Antazida die Aufnahme von anderen Medikamenten herabsetzen können. Deshalb sollten die Präparate mit einem zeitlichen Abstand von einigen Stunden eingenommen werden.

Kontraindikationen

Antazida gelten als gut verträglich, sind aber nicht für jeden Patienten geeignet. Die Gegenanzeigen ergeben sich fast ausnahmslos aus dem Salz, das die Säure bindet, und weniger aus dem Wirkprinzip selbst. Die einzelnen Präparate unterscheiden sich darin deutlich voneinander.

Überempfindlichkeit: Eine bekannte Allergie gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile schließt die Anwendung aus.

Schwere Nierenfunktionsstörung: Aluminium und Magnesium werden in kleinen Mengen aus dem Darm aufgenommen und über die Nieren ausgeschieden. Ist die Nierenleistung stark eingeschränkt, reichern sich beide Metalle im Körper an. Für Magnesium äußert sich das in einem erhöhten Magnesiumspiegel mit Muskelschwäche, Blutdruckabfall und Störungen der Erregungsleitung am Herzen, für Aluminium in einer Schädigung des Gehirns (Enzephalopathie) und der Knochen. Aluminium- und magnesiumhaltige Antazida dürfen bei schwerer Niereninsuffizienz und bei Patienten unter Dialyse deshalb nicht angewendet werden.

Niedriger Phosphatspiegel: Aluminiumhaltige Antazida binden Phosphat aus der Nahrung. Bei einer bereits bestehenden Hypophosphatämie verstärken sie den Mangel. Über längere Zeit kann daraus eine Knochenerweichung (Osteomalazie) mit Knochenschmerzen und einer Schwäche der Muskulatur entstehen.

Natriumempfindliche Erkrankungen: Natriumhydrogencarbonat führt dem Körper Natrium zu und verschiebt den Säure-Basen-Haushalt in den basischen Bereich. Bei Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Wasseransammlungen im Gewebe und natriumarmer Kost ist es deshalb ungeeignet; bei längerer Anwendung droht eine Alkalose.

Erhöhter Kalziumspiegel und Kalziumsteine: Calciumcarbonathaltige Antazida sind bei einer Hyperkalzämie und bei kalziumhaltigen Nierensteinen nicht geeignet. Werden große Mengen zusammen mit Milch oder kalziumreicher Kost aufgenommen, kann sich das Milch-Alkali-Syndrom entwickeln – eine Kombination aus erhöhtem Kalziumspiegel, Alkalose und Nierenfunktionsstörung.

Myasthenia gravis: Magnesium schwächt die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel zusätzlich ab. Bei dieser Muskelerkrankung werden magnesiumhaltige Antazida deshalb gemieden.

Schwangerschaft und Stillzeit: Antazida gehören zu den Mitteln, die bei Sodbrennen in der Schwangerschaft häufig zum Einsatz kommen. Eine generelle Gegenanzeige besteht nicht. Die Auswahl des Salzes und die Dauer der Anwendung werden jedoch ärztlich festgelegt, weil aluminiumhaltige Präparate zurückhaltend gehandhabt werden.

Warnzeichen, die gegen eine Selbstbehandlung sprechen: Schluckbeschwerden, ungewollter Gewichtsverlust, Bluterbrechen oder schwarz gefärbter Stuhl (Teerstuhl) sind keine Beschwerden, die sich mit einem säurebindenden Mittel behandeln lassen. Sie erfordern eine ärztliche Untersuchung, weil ihnen eine Blutung oder eine bösartige Erkrankung zugrunde liegen kann.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Die wichtigsten Wechselwirkungen der Antazida beruhen nicht auf einem Eingriff in den Stoffwechsel, sondern auf einem rein örtlichen Vorgang im Magen und im oberen Dünndarm. Sie betreffen deshalb sehr viele Arzneimittel und sind für den Alltag der Betroffenen der praktisch bedeutsamste Punkt.

Bindung mehrwertiger Metallionen: Aluminium, Magnesium und Kalzium tragen mehrere positive Ladungen und bilden mit bestimmten Arzneistoffen schwer lösliche Verbindungen, die der Darm nicht mehr aufnehmen kann. Der Wirkstoff wird dann zu einem erheblichen Teil unwirksam wieder ausgeschieden. Betroffen sind unter anderem die Antibiotika der Tetrazyklin-Gruppe wie Doxycyclin, die Chinolone (Gyrasehemmer) wie Ciprofloxacin, Präparate gegen Eisenmangel, Bisphosphonate gegen Knochenschwund wie Alendronsäure sowie Schilddrüsenhormone wie Levothyroxin. Auch Digoxin wird schlechter aufgenommen.

Anhebung des pH-Werts: Manche Arzneistoffe lösen sich nur in saurem Milieu ausreichend auf. Wird die Säure abgepuffert, gelangt weniger Wirkstoff ins Blut. Das gilt beispielsweise für die Pilzmittel Itraconazol und Ketoconazol. Umgekehrt können magensaftresistente Überzüge, die sich planmäßig erst im Darm auflösen sollen, bei stark angehobenem pH-Wert schon im Magen zerfallen.

Zeitlicher Abstand als Gegenmaßnahme: Da die Wechselwirkung nur beim direkten Zusammentreffen im Magen entsteht, lässt sie sich durch eine getrennte Einnahme weitgehend vermeiden. Die Fachinformationen säurebindender Präparate nennen dafür üblicherweise einen Abstand von mindestens zwei Stunden zu anderen Arzneimitteln.

Zitrate: Zitronensäure und ihre Salze, die in Brausetabletten und in Fruchtsäften vorkommen, erhöhen die Aufnahme von Aluminium aus dem Darm deutlich. Aluminiumhaltige Antazida werden deshalb nicht zusammen mit solchen Getränken oder Präparaten eingenommen.

Andere Magenmittel: Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol greifen an einem anderen Punkt an und lassen sich neben Antazida anwenden; sie brauchen allerdings länger, bis ihre volle Wirkung einsetzt. Die Aufnahme der H2-Rezeptorantagonisten Ranitidin, Cimetidin und Famotidin wird durch Antazida dagegen vermindert, sodass auch hier ein zeitlicher Abstand vorgesehen ist.

Veränderter Harn-pH-Wert: Wird so viel Natriumhydrogencarbonat aufgenommen, dass der Harn basischer wird, ändert sich die Ausscheidungsgeschwindigkeit einiger Arzneistoffe. Saure Substanzen verlassen den Körper dann schneller, basische langsamer. Deren Wirkung kann dadurch schwächer oder stärker ausfallen als beabsichtigt.

Alternative Behandlungsmethoden

Antazida binden die bereits gebildete Säure, greifen aber nicht in ihre Entstehung ein. Reicht diese Wirkung nicht aus, halten die Beschwerden über längere Zeit an oder liegt eine Schädigung der Schleimhaut vor, stehen andere Behandlungswege zur Verfügung. Welcher davon geeignet ist, hängt von der Ursache ab und wird ärztlich entschieden.

Säurehemmung an der Quelle: Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol schalten die Pumpe aus, über die die Belegzellen des Magens Salzsäure abgeben. Sie senken die Säuremenge stärker und über einen wesentlich längeren Zeitraum als Antazida und sind bei der Refluxkrankheit sowie für die Abheilung von Geschwüren die Behandlung der Wahl. Ihre volle Wirkung setzt jedoch verzögert ein, sodass Antazida in den ersten Tagen ergänzend genutzt werden können.

H2-Rezeptorantagonisten: Diese Gruppe hemmt die Säurebildung über einen anderen Botenstoffweg und wirkt schwächer als die Protonenpumpenhemmer. Zu ihr zählen Cimetidin, Ranitidin und Famotidin; ranitidinhaltige Arzneimittel wurden in der Europäischen Union wegen einer Verunreinigung vom Markt genommen.

Schutz statt Neutralisation: Sucralfat bindet selbst keine Säure. Es legt sich im sauren Milieu des Magens als zäher Film über geschädigte Schleimhautbezirke und schirmt sie gegen Säure, gegen das eiweißspaltende Enzym Pepsin und gegen Gallensäuren ab. Alginathaltige Mittel wirken auf ähnlich mechanischem Weg, indem sie den Rückfluss in die Speiseröhre erschweren.

Beseitigung der Ursache: Wird bei einem Geschwür Helicobacter pylori nachgewiesen, entfernt eine kombinierte Behandlung aus Säurehemmer und Antibiotika den Keim. Damit entfällt der Auslöser, und Rückfälle werden selten. Beruhen die Beschwerden auf entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure, stehen deren Überprüfung und gegebenenfalls ein begleitender Magenschutz im Vordergrund.

Nicht medikamentöse Maßnahmen: Bei der Refluxkrankheit sind eine Gewichtsabnahme bei Übergewicht, der Verzicht auf späte und sehr üppige Mahlzeiten sowie das Höherstellen des Kopfendes des Bettes bei nächtlichen Beschwerden untersucht und werden in Leitlinien genannt. Sie ersetzen die Arzneitherapie nicht, können den Bedarf an Medikamenten aber verringern.

Operative Behandlung: Bei einer schweren, dauerhaft behandlungsbedürftigen Refluxkrankheit, häufig in Verbindung mit einem Zwerchfellbruch, kann ein chirurgischer Eingriff den Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen wiederherstellen. Er kommt in Betracht, wenn die medikamentöse Behandlung nicht ausreicht oder auf Dauer nicht infrage kommt.

Hausmittel: Natron ist chemisch dasselbe Natriumhydrogencarbonat, das als veraltetes Antazidum gilt, und bringt dessen Nachteile mit sich. Milch lindert das Brennen kurzfristig, regt über ihren Kalzium- und Eiweißgehalt anschließend aber die Säurebildung wieder an. Ein gleichwertiger Ersatz für eine wirksame Säurehemmung sind solche Mittel nicht.


Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405233
  • Layer, P., Rosien, U. (Hrsg.): Praktische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783437233722
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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