Aluminiumhydroxid

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Aluminiumhydroxid ist eine chemische Verbindung, die in natürlicher Form in verschiedenen Mineralen vorkommt. Es hat die Summenformel Al(OH)3. Aluminiumhydroxid wird in der Gastroenterologie, Nephrologie und Immunologie eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Aluminiumhydroxid?

Aluminiumhydroxid
Aluminiumhydroxid wird in der Gastroenterologie, Immunologie und Nephrologie, z.B. bei Dialysepatienten, eingesetzt.

Aluminiumhydroxid gehört zu den Aluminiumverbindungen aus der chemischen Gruppe der Hydroxide. Es sind von Al(OH)3 mehrere Modifikationen bekannt. Dazu gehört die monokline Modifikation, auch unter dem Namen des Minerals Gibbsit gebräuchlich.

Weiterhin gibt es die hexagonale (Mineral Bayerit) und trikline (Mineral Nordstrandit) Modifikation. Zusätzlich ist noch eine wasserärmere Variante bekannt, das Aluminiummetahydroxid. Es existiert in den Varianten des Minerals Diaspor oder des Minerals Böhmit in orthorhombischer Form (Kristallsystem). Im Aluminiumerz Bauxit kommen die Aluminiumminerale Gibbsit und Böhmit in natürlicher Form vor. Die chemische Verbindung Aluminiumhydroxid besitzt einen amphoteren Charakter.

Wirkt es zusammen mit Basen, so entwickelt es Aluminate. Mit Säuren reagiert Aluminiumhydroxid hingegen zu Aluminiumsalzlösungen. Die Reaktionsgeschwindigkeit des Aluminiumhydroxides ist hierbei abhängig von den beteiligten Modifikationen. Die Löslichkeit in Säure ist entsprechend höher möglich. Aluminiumhydroxid ist nicht in Wasser löslich. Es ist ein weißer Stoff, der nicht brennbar ist.

Für die Anwendung als Arzneimittel ist nicht das gut auskristallisierte Mineral maßgeblich, sondern eine wasserhaltige und wenig geordnete Form, die als Aluminiumhydroxid-Gel bezeichnet und unter dem Freinamen Algeldrat geführt wird. Sie besitzt eine wesentlich größere Oberfläche als die kristallinen Modifikationen und reagiert deshalb erheblich rascher mit Säuren. Der amphotere Charakter der Verbindung ist damit die eigentliche Grundlage ihrer arzneilichen Verwendung: Weil Aluminiumhydroxid mit Säuren zu Salzen reagiert, kann es Säure binden, und weil es in Wasser praktisch unlöslich bleibt, tut es dies, ohne selbst in nennenswertem Umfang in den Körper zu gelangen.

Pharmakologische Wirkung

Als Bestandteil basischer Substanzen wird Aluminiumhydroxid in der Gastroenterologie eingesetzt, um die Magensäure zu neutralisieren. Es wirkt auf den Darm stuhlverstopfend. Deshalb wird es oft in Verbindung mit Magnesiumcarbonat oder Magnesiumhydroxid verwendet, da diese Stoffe die Wirkung eines Abführmittels haben.

Aluminiumhydroxid wirkt als säurebindendes Mittel. Es reagiert mit der Magensäure zu löslichen Komplexen. Die Mischung mit Magnesiumhydroxid führt auch zu einer länger anhaltenden Säurebindung. Die Kombination dieser Hydroxide wird eingesetzt, wenn Beschwerden durch einen Säureüberschuss im Magen ausgelöst werden. So beispielsweise bei Sodbrennen. Bei einem Magengeschwür lindern säurebindende Mittel zwar die säurebedingten Beschwerden, sind heute aber nicht mehr die Behandlung der Wahl: Im Vordergrund stehen die Hemmung der Säurebildung und, wenn das Bakterium Helicobacter pylori nachgewiesen wird, dessen Beseitigung. Weiterhin wird Aluminiumhydroxid verwendet, wenn die Nieren erkrankt sind.

Für Dialysepatienten wird es als Phosphatbinder eingesetzt. Aluminiumhydroxid bindet Phosphat im Darm und senkt so sehr effektiv den Phosphatspiegel im Blutplasma. Bei langfristigem Einsatz hat Aluminiumhydroxid jedoch negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Knochen und die Gehirnchemie. Deshalb wird es nur kurzfristig bei einem zu hohen Phosphatspiegel eingesetzt. Auch in der Immunologie findet Aluminiumhydroxid eine Verwendung. Es dient als Hilfsstoff, der einen Impfstoff in seiner Wirkungsweise verstärken kann.

Aluminiumhydroxid bindet die Impfstoff-Proteine an seine Oberfläche, statt sie frei in der Lösung zu belassen. Somit wird die Anlagerung an die Ampullenwand vermieden. Der Impfstoff ist entsprechend länger lagerungsfähig. Dann verzögert Aluminiumhydroxid nach der Impfung die Wirkung als Depot. Es verursacht an der Injektionsstelle eine verstärkte Wirkung der Immunabwehr. Zudem hat Aluminiumhydroxid auch industrielle Bedeutung. Es ist weltweit das wichtigste mineralische Brandschutzmittel.

Der Depoteffekt allein erklärt die verstärkende Wirkung nicht vollständig. Nach heutigem Verständnis trägt vor allem bei, dass die Aluminiumverbindung am Ort der Impfung das angeborene Immunsystem anregt und dadurch Abwehrzellen anlockt, die den Impfstoff aufnehmen und der erworbenen Abwehr zuführen. Die Einzelheiten dieses Vorgangs sind Gegenstand der Forschung und nicht abschließend geklärt. Bekannt ist, dass Aluminiumverbindungen vor allem die Bildung von Antikörpern fördern, die zellvermittelte Abwehr dagegen kaum. Für Impfstoffe, die abgetötete Erreger oder einzelne Erregerbestandteile enthalten, reicht das aus; für Impfstoffe, die auf eine zellvermittelte Antwort angewiesen sind, werden deshalb andere Wirkverstärker gesucht.

Medizinische Anwendung & Verwendung

In der Medizin werden verschiedene Aluminiumverbindungen, darunter auch Aluminiumhydroxid, eingesetzt, um die Magensäure zu neutralisieren. Es funktioniert häufig in Kombination, als entsprechendes Hilfsmittel. Auch für Dialysepatienten wird Aluminiumhydroxid eingesetzt, da es Phosphat bindet.

Bei einer entsprechend eingeschränkten Nierenfunktion kann Phosphat nicht über den Harn ausgeschieden werden. Es wird jedoch mit der Nahrung aufgenommen und wird deshalb mittels Aluminiumhydroxid schon im Darm gebunden. Einigen Studien zufolge wirkt sich Aluminiumhydroxid nach einigen Wochen der Einnahme schlecht auf andere Teile des körperlichen Stoffwechsels aus.

Deshalb bleibt die Behandlung mit Aluminiumhydroxid auf maximal 4 Wochen begrenzt. Für Impfstoffe ist Aluminiumhydroxid nach wie vor der am häufigsten verwendete Wirkverstärker. Es wird in zugelassenen Impfstoffen nur in sehr geringen Mengen verwendet. Die Menge Aluminium, die der Mensch täglich mit der Nahrung aufnimmt, liegt deutlich darüber.

In den verwendeten Dosierungen ist Aluminiumhydroxid nicht giftig. Es verursacht bei der Impfung nur einen lokalen Gewebereiz. Statt Aluminiumhydroxid wird in einzelnen Impfstoffen ein neueres Hilfsmittel, beispielsweise Squalen, verwendet. Es ist auch ein Wirkverstärker für Impfstoffe. Allerdings sind Wirkverstärker für Impfstoffe allgemein von Impfgegnern umstritten. Aluminiumhydroxid kann dazu beitragen, dass eine geringere Antigenmenge je Dosis und weniger Impfungen für einen ausreichenden Schutz genügen, da es die Wirkung der Einzelimpfung verstärkt.


Verabreichung & Dosierung

Aluminiumhydroxid ist ein häufig verwendetes Antazidum, das zur Linderung von Sodbrennen und saurem Reflux eingesetzt wird. Bei der Verabreichung und Dosierung von Aluminiumhydroxid sind mehrere Aspekte zu beachten, um eine sichere und effektive Anwendung zu gewährleisten.

Zunächst ist die genaue Dosierung entscheidend. Die empfohlene Dosis variiert je nach Produkt und spezifischer Indikation und richtet sich nach der Angabe des jeweiligen Präparats. Es ist wichtig, die Anweisungen auf dem Etikett des jeweiligen Produkts oder die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen.

Aluminiumhydroxid sollte idealerweise nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen eingenommen werden, um eine maximale Wirkung zu erzielen. Die Tabletten sollten gründlich gekaut und mit einem vollen Glas Wasser hinuntergespült werden. Bei flüssigen Zubereitungen ist es wichtig, die Flasche gut zu schütteln und die Dosis mit einem Messlöffel oder einer Dosierspritze genau abzumessen.

Zu den Nebenwirkungen gehören Verstopfung und in seltenen Fällen eine Phosphatverarmung, da Aluminiumhydroxid Phosphat bindet und dessen Aufnahme im Darm vermindert. Bei langfristiger Anwendung oder hoher Dosierung sollte der Phosphatspiegel im Blut überwacht werden.

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten besonders vorsichtig sein, da das Risiko einer Aluminiumtoxizität erhöht sein kann. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, insbesondere Tetracyclinen und Digoxin, sollten beachtet werden. Es wird empfohlen, Aluminiumhydroxid mindestens zwei Stunden vor oder nach der Einnahme anderer Medikamente einzunehmen, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

Risiken & Nebenwirkungen

Die Verwendung von Aluminiumhydroxid kann mit verschiedenen Nebenwirkungen und Risiken verbunden sein. Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist Verstopfung, da Aluminiumionen die Darmbewegungen verlangsamen können. In einigen Fällen kann dies zu schwerwiegenden Verstopfungen oder sogar zu Darmverschluss führen, insbesondere bei langfristiger Anwendung.

Ein weiteres Risiko besteht in der Hypophosphatämie, einem Zustand, bei dem der Phosphatspiegel im Blut niedrig ist. Aluminiumhydroxid bindet Phosphat im Darm, was die Absorption von Phosphat verringert und zu einem Mangel führen kann. Dies kann insbesondere bei Menschen, die bereits einen niedrigen Phosphatspiegel haben oder unterernährt sind, problematisch sein.

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion besteht das Risiko einer Aluminiumansammlung im Körper. Da Aluminium bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht effektiv ausgeschieden wird, kann dies zu Aluminiumtoxizität führen. Symptome einer Aluminiumtoxizität umfassen Knochenschmerzen, Muskelschwäche, Anämie und in schweren Fällen neurologische Beeinträchtigungen.

Langfristige Anwendung von Aluminiumhydroxid kann auch das Risiko von Knochenerkrankungen erhöhen, da der Körper bei anhaltend niedrigem Phosphatspiegel Kalzium aus den Knochen freisetzen kann, was zu Osteomalazie oder Knochenschwund führt.

Aus eben diesen Risiken erklärt sich, dass Aluminiumhydroxid als Phosphatbinder bei Nierenkranken heute nicht mehr an erster Stelle steht. Es bindet Phosphat zuverlässiger als die meisten anderen Mittel, doch führte die dauerhafte Anwendung bei Dialysepatienten zu Anreicherungen von Aluminium im Knochen und im Nervensystem. An seine Stelle sind zunächst calciumhaltige Phosphatbinder und später aluminium- und calciumfreie Mittel wie Sevelamer und Lanthancarbonat getreten. In dieser Anwendung dient Aluminiumhydroxid heute vor allem als Rückfallebene für begrenzte Zeit, wenn die übrigen Mittel nicht ausreichen oder nicht vertragen werden.

Gelegentlich können allergische Reaktionen auftreten, die sich durch Hautausschläge, Juckreiz, Schwellungen oder Atembeschwerden äußern. In seltenen Fällen kann eine schwere allergische Reaktion, anaphylaktischer Schock, auftreten.

Schließlich können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten, was deren Wirksamkeit beeinträchtigen kann. Daher ist es wichtig, die Einnahmezeiten von Aluminiumhydroxid und anderen Medikamenten sorgfältig zu koordinieren und den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren.

Kontraindikationen

Bei der Verwendung von Aluminiumhydroxid gibt es mehrere Kontraindikationen, die beachtet werden müssen, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden. Eine der Hauptkontraindikationen betrifft Patienten mit einer bekannten Überempfindlichkeit oder Allergie gegen Aluminiumhydroxid oder einen der in den Präparaten enthaltenen Hilfsstoffe.

Personen mit schwerer Niereninsuffizienz sollten Aluminiumhydroxid nicht einnehmen, da das Risiko einer Aluminiumansammlung und damit verbundenen Toxizität erhöht ist. Aluminium kann bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht effektiv ausgeschieden werden, was zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann. Auch Patienten mit einer Hypophosphatämie, also einem niedrigen Phosphatspiegel im Blut, sollten auf die Einnahme verzichten, da Aluminiumhydroxid Phosphat bindet und dessen Aufnahme weiter reduzieren kann.

Vorsicht ist ebenfalls bei schwangeren und stillenden Frauen geboten, da die Sicherheit von Aluminiumhydroxid in diesen Bevölkerungsgruppen nicht vollständig etabliert ist. Es sollte nur dann verwendet werden, wenn der Nutzen das potenzielle Risiko für den Fötus oder den Säugling überwiegt.

Patienten mit bestehenden gastrointestinalen Erkrankungen wie Verstopfung, Kolitis oder Darmverschluss sollten Aluminiumhydroxid ebenfalls meiden, da es die Symptome verschlimmern kann.

Zusätzlich ist Vorsicht geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten, die eine Wechselwirkung mit Aluminiumhydroxid haben könnten, wie Tetracycline, Digoxin und Eisenpräparate. Hier sollte auf zeitlich versetzte Einnahme geachtet werden, um die Wirksamkeit der Medikamente nicht zu beeinträchtigen.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Aluminiumhydroxid kann mit einer Vielzahl von Medikamenten interagieren, was die Wirksamkeit entweder des Aluminiumhydroxids oder der anderen Medikamente beeinträchtigen kann. Eine der bekanntesten Interaktionen tritt mit Tetracyclin-Antibiotika auf. Aluminiumhydroxid kann die Absorption von Tetracyclinen im Magen-Darm-Trakt verringern, was die Wirksamkeit dieser Antibiotika erheblich reduzieren kann. Es wird empfohlen, Tetracycline mindestens zwei Stunden vor oder nach der Einnahme von Aluminiumhydroxid einzunehmen.

Ähnlich verhält es sich mit Fluorchinolonen, einer anderen Gruppe von Antibiotika, die ebenfalls durch Aluminiumhydroxid in ihrer Resorption beeinträchtigt werden können. Auch hier sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei Stunden eingehalten werden.

Digoxin, ein Herzglykosid, das bei Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen verwendet wird, kann in seiner Resorption durch Aluminiumhydroxid vermindert werden. Dies kann zu subtherapeutischen Konzentrationen von Digoxin im Blut führen und die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen. Ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei Stunden zwischen der Einnahme von Digoxin und Aluminiumhydroxid ist empfehlenswert.

Aluminiumhydroxid kann auch die Absorption von Eisenpräparaten reduzieren. Da Eisen essentiell für die Bildung von Hämoglobin ist, kann diese Interaktion insbesondere bei Patienten mit Eisenmangelanämie problematisch sein. Auch hier sollte ein Abstand von zwei Stunden zwischen den Einnahmen eingehalten werden.

Weitere Wechselwirkungen bestehen mit Levothyroxin, einem Schilddrüsenhormon, dessen Resorption durch Aluminiumhydroxid verringert wird. Dies kann zu einer unzureichenden Schilddrüsenhormonversorgung führen. Ebenso kann Aluminiumhydroxid die Wirksamkeit von Bisphosphonaten, die zur Behandlung von Osteoporose eingesetzt werden, beeinträchtigen.

So verschieden diese Beispiele wirken, sie beruhen auf denselben zwei Vorgängen. Der eine ist die Bildung schwer löslicher Verbindungen zwischen dem dreiwertigen Aluminium und Arzneistoffen, deren Molekül geeignete Bindungsstellen für Metallionen bietet; das trifft auf die Tetracycline, die Fluorchinolone und die Bisphosphonate gleichermaßen zu. Der andere ist der angehobene Säuregrad im Magen, von dem abhängt, wie vollständig sich ein Arzneistoff auflöst, bevor er den Darm erreicht. Beide Vorgänge spielen sich im Magen-Darm-Raum ab und betreffen allein die Aufnahme des jeweiligen Mittels; auf dessen Abbau und Ausscheidung wirkt Aluminiumhydroxid nicht ein.

Es ist wichtig, diese Interaktionen zu berücksichtigen und entsprechende zeitliche Abstände bei der Einnahme der betroffenen Medikamente einzuhalten, um deren Wirksamkeit nicht zu beeinträchtigen.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Aluminiumhydroxid nicht vertragen wird, stehen verschiedene alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung, um ähnliche Beschwerden wie Sodbrennen und sauren Reflux zu behandeln. Eine häufig verwendete Alternative sind Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Omeprazol oder Esomeprazol. Diese Medikamente reduzieren die Magensäureproduktion langfristig und sind besonders wirksam bei der Behandlung von gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) und Magengeschwüren.

H2-Rezeptor-Antagonisten wie Ranitidin oder Famotidin sind eine weitere Option. Diese Medikamente blockieren die Histamin-H2-Rezeptoren in den Magenschleimhautzellen, wodurch die Säureproduktion gesenkt wird. H2-Rezeptor-Antagonisten wirken schneller als PPIs, sind aber in der Langzeitbehandlung weniger wirksam. Ranitidin ist in der Europäischen Union allerdings nicht mehr im Handel, nachdem die Zulassungen wegen Verunreinigungen mit Nitrosaminen ruhend gestellt wurden; aus dieser Gruppe steht im Wesentlichen noch Famotidin zur Verfügung.

Für kurzfristige Linderung können andere Antazida wie Magnesiumhydroxid oder Kalziumkarbonat verwendet werden. Diese neutralisieren die Magensäure und bieten schnelle, aber vorübergehende Erleichterung. Kombinationspräparate, die sowohl Magnesium- als auch Aluminiumverbindungen enthalten, sind dagegen kein Ausweg, wenn gerade das Aluminiumhydroxid nicht vertragen wird; sie gleichen lediglich die stopfende Wirkung der Aluminium- mit der abführenden der Magnesiumverbindungen aus.

Alginate, wie in Gaviscon, bilden eine schützende Barriere auf dem Mageninhalt und verhindern so den Rückfluss von Säure in die Speiseröhre. Diese Medikamente sind besonders bei Sodbrennen nach den Mahlzeiten wirksam.

Neben medikamentösen Ansätzen können auch Lebensstil- und Ernährungsänderungen hilfreich sein. Dies umfasst das Vermeiden von Auslösern wie fettreichen und scharfen Speisen, Alkohol und Nikotin, das Essen kleinerer Mahlzeiten und das Heben des Kopfendes des Bettes.

Schließlich können bei schwereren Fällen chirurgische Eingriffe wie die Fundoplikatio in Betracht gezogen werden, um die Symptome zu lindern und die Refluxkrankheit dauerhaft zu behandeln.

Quellen

  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Hein, L., Fischer, J. W., Lüllmann, H., Mohr, K.: Taschenatlas Pharmakologie.
    ISBN: 9783132426146
  • Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405233
  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783137002062
  • Schöffling, U., Grabs, S.: Arzneiformenlehre.
    ISBN: 9783769260854

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