Argyrie

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Argyrie ist eine Verfärbung der Haut und den Schleimhäuten, die sich graubläulich oder schiefergrau zeigt und irreversible ist. Hervorgerufen wird Argyrie durch Einnahme von Silber in Form von metallischem Silber, silberhaltigen Medikamenten, kolloidalem Silber, Silbersalzen oder Silberstaub. Die Krankheit Argyrie zählt zu den Dyschromien.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Argyrie?

Anzeichen von Argyrie zeigen sich am Körper bereits bei einem Silbergehalt von vier bis fünf Gramm. 50 bis 500 Milligramm pro Kilogramm sind für den menschlichen Körper schon eine tödliche Dosis.
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Die bei der Argyrie auftretende Verfärbung der Oberfläche der Haut tritt bei der generalisierten Form auf. Es betrifft besonders Haut, die Sonnenlicht ausgesetzt ist. Zur Verfärbung kommt es durch vom Licht beeinflusste Einlagerung silberhaltiger Granuli, in denen mehrmals Silbersulfid entdeckt worden ist. Diese Silberablagerungen liegen an Stellen der Haut, die viel Sonnenlicht erhalten.

Bei Argyriker, also an Argyrie erkrankte Personen, werden insbesondere nahe der Schweißdrüsen und der Basalmembran Körnchen, die Silber enthalten, nachgewiesen. Silber kann in weiteren Organen abgelagert werden. Ein weiteres Symptom ist eine höhere Melaninsynthese, die zusätzlich die Verfärbung der Haut beeinflusst. Lediglich die Epidermis, die oberste Hautschicht, ist von Silberablagerungen unbeeinträchtigt. Zur Auslösung einer generalisierten Argyrie sind hohe Mengen von Silber notwendig. Bereits eine kumulierte Aufnahme von mehr als einem Gramm kann zu einer Argyrie führen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Argyrie liegen im Kontakt mit Silbersalzen über längere Zeiträume oder dem Verschlucken von Silbersalzen. Zu Beginn zeigen sich Verfärbungen nur am Zahnfleisch, erst später verfärbt sich die gesamte Haut durch die Silbereinlagerung. Bereiche, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, sind am stärksten betroffen. Die Ausprägung ist abhängig von der Dauer der Exposition und der aufgenommen Silberdosis, bis Pigmentveränderungen auftreten.

Ein Hauptgrund, warum die Argyrie heute seltener auftritt, liegt in der Tatsache begründet, dass Medikamente, die Silber enthalten, nicht mehr am Markt erhältlich sind und berufsbedingt eine Argyrose heute seltener bedingt ist. Bei der beruflichen Exposition kann es bei der Absorption durch Silberstäube in der Metallindustrie oder Silbersalze im Photolabor zum Kontakt mit Silber kommen. Weitere mögliche Gefahrenquellen sind in der Bauchchirurgie durchgeführte Silbernähte oder ein Einstich mit einer Akupunkturnadel.

Weiteres sind bei der medizinischen Anwendung von Wundtinkturen und Augentropfen oder silberhältige Diätzusätze gegen AIDS, Diabetes mellitus, Herpes-Infektionen und Krebs mögliche Verursacher einer Argyrie. Der menschliche Körper verfügt im Normalfall über ein Milligramm Silber. Auch die Verwendung von silberhaltigen Nasentropfen, silberhaltigen Raucherentwöhnungstabletten sowie Silberstäuben oder kolloidalem Silber sind Auslöser für die Entwicklung einer Argyrie.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die erste Verfärbung, die bei einer Argyrie einsetzt, ist eine sogenannte Lunulae von den Fingernägeln. Danach setzt sich eine graubläuliche Verfärbung an weiteren Bereichen des Körpers fort. Vor allem Hautbereiche, die vom Sonnenlicht erreicht werden können, zeigen insbesondere die typischen Verfärbungsprozesse, die mit der Diagnose Argyrie verknüpft sind. Erste Symptome einer Argyrie zeigen sich in Beschwerden wie einem Nierenversagen oder dem Auftreten von Nachtblindheit.

Einlagerungen von Silber, die im Auge entdeckt werden, werden als Argyrose bezeichnet. Diese Anzeichen sind vor allem Anfang und in der Mitte des letzten Jahrhunderts besonders oft aufgetreten, was teilweise durch die zwangsläufige Verbindung mit entsprechenden Berufen und dem der Zeit entsprechenden Umgang mit Silber zugrunde liegt. Weitere Anzeichen für ein mögliches Krankheitsbild von Argyrie können neurologische Symptome sein, eine psychomotorische Retardation, das Auftreten von Krampfanfällen und Spastizität sowie Schlucksymptome und ein reduzierter Muskeltonus.

Diagnose & Verlauf

Die Sicherung der Diagnose Argyrie erfolgt durch eine Biopsie der Haut, denn im histologischen Bereich finden sich insbesondere rund um die Basalmembran von den Schweißdrüsen in kleinen Gruppierungen oder einzeln auftretend rundliche Granula in braunschwarzer Färbung. Um das Auftreten genauer untersuchen zu können werden vor allem der berufliche Hintergrund, also die berufliche Exposition Betroffener, aber auch Einflüsse durch die Umwelt oder Zusätze zu Diäten genau hinterfragt.

Anzeichen von Argyrie zeigen sich am Körper bereits bei einem Silbergehalt von vier bis fünf Gramm. 50 bis 500 Milligramm pro Kilogramm sind für den menschlichen Körper schon eine tödliche Dosis. Deshalb ist es für Betroffene und den Erhalt ihrer Gesundheit wichtig, die Diagnose rasch zu bestätigen, um entsprechend reagieren zu können. Die Argyrie tritt generalisiert oder lokal auf. Sie ist aber irreversible.

Beim Tragen von Ohrringen aus Silber können lokale Verfärbungen auftreten, aber auch bei silbernen Akupunkturnadeln, die für einen längeren Zeitraum im menschlichen Gewebe hinterlassen werden. Selbst bei der Verwendung von chirurgischen Nahtmaterialien aus Silber sollte man Vorsicht walten lassen.

Komplikationen

Bei der Argyrie handelt es sich um eine irreversible Krankheit. In den meisten Fällen färbt sich die Haut des Patienten grau, blau oder fast schwarz. In den meisten Fällen werden zuerst nur die Nägel verfärbt. Erst dann breitet sich das Symptom auf die umliegenden Körperstellen aus. Durch direkte Sonneneinstrahlung verstärkt sich der Effekt der Argyrie.

Aus diesem Grund sollten Betroffene die direkte Einstrahlung der Sonne vermeiden. Nicht selten kommt es zu Problemen mit den Nieren und zur sogenannten Nachtblindheit. In seltenen Fällen betrifft die Argyrie auch die Psyche. Hier können Einschränkungen im Denken und im Handeln auftreten.

Krämpfe treten häufiger auf und der Patient klagt über Schmerzen in den Muskeln und Gelenken. Die Lebensqualität wird durch die Argyrie stark vermindert und der Patient kann gewöhnliche Tätigkeiten nicht mehr ohne Weiteres ausführen. Eine gezielte Behandlung der Argyrie ist nicht möglich.

Der Patient kann allerdings die Ausbreitung der Symptome etwas eingrenzen. Dazu gehört die Benutzung von Sonnencremes und speziellen Salben. Durch die Argyrie ist allerdings die Lebenserwartung der betroffenen Person vermindert. Das eingelagerte Silber kann in der Regel nicht mehr aus dem Körper entfernt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn eine graubläuliche Verfärbung der Fingernägel bemerkt wird, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Diese sogenannte Lunulae tritt typischerweise als erstes Symptom einer Argyrie auf und kann in manchen Fällen schon zur Diagnose der Erkrankung ausreichen. Sollte sich die Verfärbung auf weitere Hautbereiche, vor allem Nacken, Gesicht und Arme, ausbreiten, ist medizinischer Rat gefragt. Spätestens, wenn Beschweren wie Nachtblindheit oder Nierenversagen hinzukommen, sollte ein Arzt die Ursachen abklären und gegebenenfalls direkt mit der Therapie beginnen.

Weitere Warnzeichen sind Silbereinlagerungen im Auge (Argyrose), neurologische Symptome, Krampfanfälle, Schluckbeschwerden und ein reduzierter Muskeltonus. Tritt eines oder mehrere dieser Symptome auf, liegt in jedem Fall eine abklärungsbedürftige Krankheit vor. Ob es sich um Argyrie oder eine andere Erkrankung handelt, kann der Arzt anhand einer Biopsie feststellen.

Zudem wird der Mediziner eine Befragung des Patienten durchführen und ermitteln, ob etwaige Risikofaktoren vorliegen. Menschen, die über längere Zeiträume Kontakt mit Silbersalzen hatten, sind besonders anfällig für eine Argyrie und sollten schon beim Auftreten der eingangs erwähnten Lunulae einen Arzt konsultieren.

Behandlung & Therapie

Argyrie ist irreversible – es ist keine Therapie gegen Argyrie bekannt außer die Erprobung von Laserbehandlungen für die Haut sowie Therapien mit großen Dosen Selen und Vitamin E. Neben den körperlichen Anzeichen von Argyrie kämpfen Betroffene zudem mit dem Stigma dieser Krankheit.

Letztendlich zeigten auch verschiedenste Versuche, das eingelagerte Silber aus dem Körper auszuschwemmen durch Komplexbildner, nicht den gewünschten Erfolg. Alternativ werden lichtabschirmende Kosmetikaprodukte sowie Sonnenschutzsalben verwendet, die eine Steigerung der Pigmentierung verhindern und etwaige störende Pigmentierungen verdecken sollen.

Aussicht & Prognose

Die Prognoseaussichten einer Argyrie sind nicht günstig. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen und medizinischen Standards gibt es keine einheitliche Therapiemöglichkeit, die eine Heilung der Erkrankung bewirkt. Die Schäden im Organismus gelten als irreversibel.

Die Folgeerscheinungen können in Teilen behandelt und therapiert werden. Sie dienen einer Verbesserung des Wohlbefindens im Alltag, jedoch ist der Erfolg zumeist mäßig. Insbesondere die Schmerztherapie findet Anwendung, um dem Patienten eine Verbesserung der Lebensqualität bieten zu können.

Es gibt bislang keine ausreichende Möglichkeit, die es schafft, das aufgenommene Silber aus dem Körper abzutransportieren. Es setzt sich an Organen fest und führt zu Funktionsbeeinträchtigungen, die nicht vermieden werden können. Neueste Methodenansätze versuchen sich einer Lasertherapie zur Besserung des Hautbildes.

Damit wird eine Wiederherstellung der umfassenden Funktion der Haut versucht. Die Metallbestände im Körperinneren können dennoch nicht über diese Methode minimiert werden. Da sich mit der Erkrankung die Lebenszeit verkürzt, ist das Ziel einer Behandlung bei einer schweren Ausprägung, die möglichst lange Aufrechterhaltung einer guten und selbständigen Lebensweise.

Häufig hilft bei der Bewältigung der Situation eine therapeutische Unterstützung. Forscher suchen weiter nach einer funktionalen Möglichkeit, um das eingelagerte Silber aus dem Körper zu entfernen. Bis der Durchbruch geschafft wird, ist die Aussicht auf Heilung minimal.


Vorbeugung

Um der Entstehung einer Argyrie vorzubeugen, muss bereits im Vorfeld bedacht werden, dass der Umgang mit Silber oder auch die Einnahme von Silber in größeren Mengen gefährlich sein kann. Wer beruflich einer hohen Exposition mit Silber ausgesetzt ist, muss um die Risiken genau informiert sein und sollte schon im eigenen Interesse einen länger als notwendigen Kontakt vermeiden.

Nachsorge

Bei einer Argyrie ist meist keine umfassende Nachsorge durch den Arzt notwendig. Sobald das auslösende Mittel abgesetzt wurde, sollte die Argyrie innerhalb kurzer Zeit von selbst wieder zurückgehen. Komplikationen oder eine Rückkehr des Leidens sind nicht zu erwarten, insofern das auslösende Mittel gemieden wird. Einige Wochen nach dem Abschluss der Behandlung sollte der zuständige Arzt erneut aufgesucht werden, damit überprüft werden kann, ob die Argyrie vollständig auskuriert wurde.

Eine weitere Verlaufskontrolle kann vier bis sechs Monate nach Abschluss der Behandlung stattfinden. Sollte es während der Genesung zu Komplikationen kommen, muss der Arzt informiert werden. Bei einer chronischen Blaufärbung, die sich durch die üblichen Maßnahmen nicht beheben lässt, müssen unter Umständen weitere Fachärzte in die Behandlung involviert werden.

Die Nachsorge richtet sich danach, wie schnell und effektiv die Argyrie behandelt werden kann. Bei chronischen Beschwerden ist grundsätzlich eine länger andauernde Nachsorge nötig. i einer positiv verlaufenden Argyrie, bei der Blaufärbung der Haut rasch wieder abklingt, ist keine weitere Nachsorge nötig.

Das können Sie selbst tun

Eine Argyrie kann auch unter ärztlicher Behandlung nicht vollständig kuriert werden. Die kosmetischen Beschwerden lassen sich jedoch durch einige Hausmittel und Vorkehrungen im Alltag lindern.

Wird eine Verfärbung der Haut festgestellt, muss zunächst der Auslöser ermittelt und eliminiert werden. Meist ist dazu ein Wechsel des Arbeitsplatzes oder gar ein Umzug notwendig. Silberbesteck und Präparate mit Kolloidalem Silber sollten gemieden werden, da sich die Verfärbung der Haut dadurch noch verstärken kann. Gegen die Hautverfärbungen selbst helfen beispielsweise lichtabschirmende Kosmetika sowie Sonnenschutzsalben.

Generell kann der Krankheitsverlauf durch die Vermeidung von Sonnenlicht zumindest ausgebremst werden. Begleitend zur medizinischen Therapie wird auch Vitamin E und Selen eine Wirkung zugesprochen. Die entsprechenden Vitamine und Spurenelemente können etwa in Form einer entsprechenden Ernährung oder durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden.

Da diese Maßnahmen keine langfristige Besserung des Hautbilds versprechen, sollten Betroffene den Umgang mit der Argyrie lernen. Ein offener Umgang mit der Erkrankung erleichtert das tägliche Leben erheblich. Dadurch lässt sich oft auch eine Besserung der psychischen Verfassung erzielen. Langfristig muss die Krankheit von den Betroffenen akzeptiert werden, da bislang keine nachhaltige Behandlungsmethode existiert.

Quellen

  • Alexander, K. et al.: Thiemes Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 1999
  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Thieme Verlag, Stuttgart 2008
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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