Brunnenkur
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die gesundheitsfördernde Wirkung von Heilwasser ist seit Jahrhunderten bekannt. Richtig populär wurde die Brunnenkur jedoch erst im 18. Jahrhundert, als man die Heilquellen in größerem Umfang auch zur inneren Reinigung des Körpers nutzte.
Heute kann der Anwender seine Trinkkur auch zuhause durchführen. Dabei stehen ihm etwa 60 deutsche Heilquellen zur Verfügung. Hält er sich an die Anleitung auf dem Flaschen-Etikett, soll sich sein Gesundheitszustand im Verlauf der Brunnenkur verbessern.
Was ist die Brunnenkur?
Eine Brunnenkur ist eine Trinkkur, die zur Behandlung einer Erkrankung oder auch vorbeugend durchgeführt wird. Empfohlen wird eine Dauer von vier bis 6 Wochen, bei der täglich bis zu 1,5 Liter eines bestimmten stillen Heilwassers getrunken werden. Wer mag, kann auch eine Dreimonats-Kur machen. Während der Brunnenkur werden die Mahlzeiten wie gewohnt und im üblichen Umfang konsumiert.
Üblicherweise wird das Heilwasser zusätzlich zu den normalen Getränken über den Tag verteilt getrunken. Wie hoch die gesamte Flüssigkeitsmenge ausfallen darf, sollte ärztlich abgestimmt werden, denn sehr große Trinkmengen sind nicht für jeden Anwender unbedenklich. Empfohlen wird, die Brunnenkur 2 bis 3-mal jährlich zu wiederholen. Die Zusammensetzung der Heilwasser unterscheidet sich je nachdem, welche Gesteinsschichten sie auf ihrem Weg durch die Tiefe der Erde passiert haben.
Meist sind Kalzium, Magnesium, Hydrogencarbonat, Sulfat und Fluorid enthalten. Anwender, die noch nie eine Trinkkur gemacht haben und noch nicht wissen, welches Heilwasser für die Behandlung ihres Leidens geeignet ist, sollten im Heilwasser-Verzeichnis nachschauen. Dort finden sie alle in Flaschen erhältlichen Heilwasser Deutschlands mit detaillierten Angaben über alle Inhaltsstoffe.
Funktion, Wirkung & Ziele
Eine Trinkkur soll außerdem helfen, einen im Körper vorhandenen Mineralstoffmangel auszugleichen und den Wasser-Elektrolyt- sowie den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren. Nach dem Konzept der Trinkkur entschlackt Heilwasser den Körper und befreit ihn so von Stoffen, die der Patient über Nahrungsmittel und Medikamente aufgenommen hat. Auch Stoffwechsel-Abbauprodukte sollen dabei aus den Zellen und Zellzwischenräumen gespült werden, sodass genug Platz für die Aufnahme neuer Nährstoffe entsteht. Auf erhöhten Blutdruck soll die Trinkkur günstig wirken; natriumreiche Heilwasser sind bei Bluthochdruck dagegen nicht geeignet, wie es die Hinweise weiter unten ausführen. Der Brunnenkur wird zudem eine Steigerung der Leistungsfähigkeit des Gehirns zugeschrieben.
Anwender berichten außerdem von einem reineren und strafferen Hautbild im Gesicht. Hydrogencarbonathaltige Heilwasser werden zur Unterstützung der Behandlung von Diabetes mellitus, zur Harnstein-Vorbeugung und gegen Magen-Übersäuerung eingesetzt. Bei chronischer Gastritis sollen sie den Säuregehalt des Magens puffern und so die Beschwerden lindern.
Auch auf Fettstoffwechselstörungen und Harnweginfektionen sollen sie günstig wirken. Als hydrogencarbonathaltig darf sich ein Heilwasser ab einem Gehalt von 1.300 mg/l bezeichnen. Quellen mit einem Sulfat-Gehalt von mindestens 1.200 mg/l gelten als sulfathaltig; ihnen wird ein günstiger Einfluss auf einen gestörten Fettstoffwechsel, auf Galle, Darm und Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen, Reizdarm und Darmträgheit zugeschrieben.
Karies vorbeugend sind Heilwasser mit einem Fluorid-Gehalt von über 1 mg pro Liter Wasser. Eine Trinkkur mit einem stark eisenhaltigen Heilwasser kann zur Eisenversorgung beitragen, ersetzt bei einem nachgewiesenen Eisenmangel aber keine ärztliche Behandlung; darüber hinaus wird ihr ein günstiger Einfluss auf den Blutdruck, auf Gefäßerkrankungen (Venen-Schwäche), Rheuma und Nervenkrankheiten zugeschrieben. Mineralquellen, die mehr als 250 mg/l Kalzium enthalten, tragen zur Kalziumversorgung bei und sollen so einer Osteoporose vorbeugen helfen. Brunnenkuren mit Heilwasser mit mindestens 100 mg/l Magnesium sollen die Verdauung fördern und Migräne, normale Kopfschmerzen und Muskelkrämpfe nach sportlicher Betätigung lindern. Auch bei Harnwegsinfekten wird ihnen eine lindernde Wirkung zugeschrieben.
Für den Erfolg einer Brunnenkur kommt es weniger auf eine möglichst große Menge als auf die regelmäßige Anwendung an. Üblich ist es, das Heilwasser mit Zimmertemperatur und in kleinen Schlucken über den Tag verteilt zu trinken; die auf dem Flaschenetikett angegebene Menge sollte dabei nicht überschritten werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Auch eine Verschlimmerung bestehender Krankheiten ist möglich. Patienten mit schweren Herzerkrankungen (Herz-Insuffizienz) und Nierenfunktionsstörungen (eingeschränkte Nierenfunktion) sollten generell keine Trinkkuren machen, da die Aufnahme großer Mengen Flüssigkeit ihrer Gesundheit schadet. Dasselbe gilt für Patienten mit Bluthochdruck und Grünem Star. Außerdem empfiehlt es sich, die auf dem Flaschenetikett aufgedruckten Gegenanzeigen zu beachten. Nebenwirkungen sind selten, wenn der Kurende entsprechend der Anleitung auf dem Flaschenetikett und den Empfehlungen seines Arztes vorgeht. Heilwasser, das Zimmertemperatur hat, ist bekömmlicher für Magen und Darm als kühleres.
Gleich nach dem Aufstehen und dann einmal pro Stunde trinkt der Kurende ein Glas (0,3 l) Wasser in kleinen Schlucken. So werden die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe vom Körper am besten verarbeitet. Nach 14 Uhr bis zum Schlafengehen ist die aufgenommene Menge idealerweise weniger groß. Bis 14 Uhr sollte der Patient zwei Drittel der Wassermenge des betreffenden Tages konsumiert haben. Leidet er an Verdauungsstörungen, empfiehlt es sich, das Heilwasser kurz vor den Mahlzeiten zu trinken.
Geschichte und Entwicklung
Quellen, deren Wasser anders schmeckte als das gewöhnliche Trinkwasser, galten schon in der Antike als besonders. An vielen von ihnen entstanden Heiligtümer, und das Trinken des Wassers war Teil einer religiös eingebetteten Handlung. Die Römer nutzten Heilquellen vor allem zum Baden, kannten aber auch die innerliche Anwendung.
Im Mittelalter wurden kohlensäurehaltige Quellen als Sauerbrunnen bezeichnet; sie waren wegen ihres prickelnden Geschmacks und ihrer besseren Haltbarkeit geschätzt. Da Wasser aus Flüssen und offenen Brunnen häufig verunreinigt war, hatte klares Quellwasser einen praktischen Vorteil, der damals noch nicht erklärt werden konnte. Ab dem 16. Jahrhundert erschienen zahlreiche Schriften, in denen Ärzte einzelne Quellen beschrieben und ihre Anwendung empfahlen. Bereits in dieser Zeit begann der Versand: Quellwasser wurde in Tonkrügen abgefüllt und über weite Strecken gehandelt, was einigen Quellorten zu überregionalem Ruf verhalf.
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Brunnenkur zu einer eigenen Form des Kuraufenthalts. In den Kurorten entstanden Trinkhallen und überdachte Wandelgänge, in denen die Kurgäste zwischen den Trinkgängen umhergingen; das Gehen zwischen den Bechern gehörte ausdrücklich zur Kur. Die Kurorte entwickelten sich zugleich zu gesellschaftlichen Treffpunkten. Parallel dazu ermöglichte die Entwicklung der analytischen Chemie erstmals, den Gehalt einer Quelle an gelösten Stoffen zu bestimmen, statt ihn aus Geschmack und Ablagerungen zu erschließen. Damit ließen sich Quellen vergleichen und ihre Verwendung begründen.
Im 20. Jahrhundert kam die maschinelle Abfüllung in Glasflaschen hinzu. Damit war die Trinkkur nicht mehr an den Quellort gebunden und konnte zu Hause durchgeführt werden. Gleichzeitig entstand die rechtliche Trennung zwischen Heilwasser einerseits und natürlichem Mineralwasser andererseits, die bis heute gilt.
Heilwasser, Mineralwasser und Tafelwasser
Für die Brunnenkur ist die rechtliche Einordnung des Wassers wesentlich, weil sie über die Prüfung entscheidet, die das Wasser durchlaufen hat. Natürliches Mineralwasser stammt aus einem unterirdischen, vor Verunreinigung geschützten Vorkommen, wird am Quellort abgefüllt und ist rechtlich ein Lebensmittel. Es muss amtlich anerkannt sein und in seiner Zusammensetzung gleichbleibend sein, darf aber keine Heilwirkung für sich in Anspruch nehmen.
Heilwasser stammt ebenfalls aus einem geschützten unterirdischen Vorkommen, ist in Deutschland jedoch als Arzneimittel eingestuft. Damit muss es ein Zulassungsverfahren durchlaufen, in dem die Anwendungsgebiete belegt werden. Aus diesem Grund trägt eine Heilwasserflasche eine Packungsbeilage beziehungsweise entsprechende Angaben auf dem Etikett: Anwendungsgebiete, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Hinweise zur Anwendung. Genau darauf bezieht sich die Empfehlung, sich an die Angaben des Etiketts zu halten – sie sind kein Werbetext, sondern Teil der Zulassung.
Tafelwasser schließlich ist ein hergestelltes Erzeugnis. Es kann aus verschiedenen Wässern gemischt und mit Salzen versetzt werden, ist nicht an ein bestimmtes Vorkommen gebunden und für eine Trinkkur nicht vorgesehen. Auch gewöhnliches Trinkwasser aus der Leitung unterliegt zwar strengen Anforderungen an die Reinheit, seine Mineralstoffzusammensetzung ist jedoch nicht auf eine bestimmte Anwendung ausgerichtet und schwankt regional erheblich.
Wie ein Heilwasser entsteht
Ein Heilwasser beginnt als Niederschlag. Das Wasser versickert und wandert durch verschiedene Gesteinsschichten, wobei es Bestandteile des Gesteins löst. Welche Stoffe in welcher Menge in Lösung gehen, hängt von der Art des Gesteins, von der Verweildauer und vom Druck ab. Kalkhaltige Schichten geben vor allem Kalzium und Hydrogencarbonat ab, Gipsschichten Sulfat, salzführende Schichten Natriumchlorid.
Eine wichtige Rolle spielt gelöstes Kohlendioxid. Es macht das Wasser leicht sauer und erhöht dadurch seine Fähigkeit, Mineralien aus dem Gestein zu lösen. Wässer aus vulkanisch geprägten Regionen sind deshalb häufig besonders mineralreich. Je länger und je tiefer der Weg des Wassers verläuft, desto stärker unterscheidet sich seine Zusammensetzung von der des Oberflächenwassers; für tiefe Vorkommen werden Verweilzeiten von vielen Jahrzehnten bis Jahrtausenden angenommen.
Gerade diese lange Verweildauer ist der Grund für die gleichbleibende Zusammensetzung, die für die Anerkennung verlangt wird: Ein Wasser, das rasch durchsickert, würde jahreszeitlich schwanken. Sie ist zugleich der Grund, warum ein Heilwasser nicht beliebig vermehrbar ist und die Fördermenge einer Quelle begrenzt bleibt.
Ablauf und Rahmen
Die Brunnenkur kennt zwei Formen. Am Kurort wird das Wasser unmittelbar an der Quelle getrunken, meist in einer Trinkhalle und über den Tag verteilt. Zwischen den Trinkgängen gehört Bewegung an der frischen Luft zum überlieferten Ablauf; hinzu kommen häufig weitere Anwendungen aus dem Bereich der Balneologie, eine angepasste Verpflegung und die ärztliche Begleitung durch einen Kurarzt. Der zeitliche Rahmen wird dabei ärztlich festgelegt.
Die zweite Form ist die Kur zu Hause mit abgefülltem Heilwasser. Sie ist weniger aufwendig, aber auch weniger begleitet. Vor dem Beginn sollte deshalb geklärt sein, welches Wasser für die vorliegenden Beschwerden überhaupt in Frage kommt und ob eine erhöhte Trinkmenge im Einzelfall unbedenklich ist. Das ist keine Formsache: Ein Wasser, das bei einer Beschwerde sinnvoll ist, kann bei einer Begleiterkrankung ungeeignet sein. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt oder an einer Herz- oder Nierenerkrankung leidet, sollte vor Beginn ärztlichen Rat einholen.
Am Ende einer Kur steht üblicherweise eine Rückmeldung an den behandelnden Arzt, ob sich die Beschwerden verändert haben. Ob und wann eine Wiederholung sinnvoll ist, wird ebenfalls ärztlich entschieden. Bleiben die Beschwerden unverändert oder verstärken sie sich, ist das ein Anlass zur erneuten Abklärung und nicht zur Verlängerung der Kur.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Der entscheidende Punkt bei einer Trinkkur ist nicht das Wasser allein, sondern die Menge der aufgenommenen Flüssigkeit in Verbindung mit den darin gelösten Stoffen. Bei einer fortgeschrittenen Herzschwäche und bei eingeschränkter Nierenfunktion kann der Körper überschüssige Flüssigkeit nicht ausreichend ausscheiden; es drohen Wassereinlagerungen und eine zusätzliche Belastung des Kreislaufs. In beiden Fällen wird von Trinkkuren abgeraten. Dasselbe gilt für Menschen, denen aus anderen Gründen eine begrenzte Trinkmenge verordnet wurde, sowie für Dialysepatienten.
Bei Bluthochdruck und bei bestehenden Ödemen sind natriumreiche Heilwässer ungeeignet; hier kommen allenfalls natriumarme Wässer in Betracht. Auch die gleichzeitige Einnahme entwässernder Medikamente ist zu berücksichtigen, weil sie den Salzhaushalt ohnehin verändern. Sehr große Trinkmengen in kurzer Zeit können den Natriumgehalt des Blutes absinken lassen; eine ausgeprägte Hyponatriämie äußert sich in Kopfschmerzen, Übelkeit, Verwirrtheit und kann bedrohlich werden. Aus diesem Grund gilt die Empfehlung, die auf dem Etikett angegebene Menge nicht zu überschreiten, als verbindlich und nicht als Richtwert nach oben.
Weitere Einschränkungen bestehen bei bestimmten Stoffwechsel- und Nierenerkrankungen, bei denen ein einzelner Bestandteil des Wassers problematisch werden kann – etwa ein hoher Kalziumgehalt bei einer Neigung zu kalziumhaltigen Nierensteinen. Bei Kindern, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit ist die Eignung eines Heilwassers gesondert zu prüfen; für die Zubereitung von Säuglingsnahrung sind Heilwässer in der Regel nicht vorgesehen. Wer an einer Erkrankung des Magen-Darm-Trakts leidet, sollte bedenken, dass sulfathaltige Wässer abführend wirken können.
Wechselwirkungen mit Arzneimitteln
Dass ein Heilwasser ein Arzneimittel ist, hat eine praktische Folge: Es kann mit anderen Arzneimitteln in Wechselwirkung treten. Zwei Mechanismen sind dabei von Bedeutung.
Der erste ist die Bindung von Wirkstoffen an mehrwertige Mineralien. Kalzium und Magnesium können mit bestimmten Arzneistoffen im Verdauungstrakt schwer lösliche Verbindungen bilden, sodass der Wirkstoff schlechter aufgenommen wird. Betroffen sind unter anderem einige Antibiotikagruppen wie die Tetracycline sowie Arzneimittel zur Behandlung der Osteoporose aus der Gruppe der Bisphosphonate. Für diese Mittel gibt es deshalb Einnahmehinweise zum zeitlichen Abstand von mineralreichen Getränken, die in der Packungsbeilage stehen.
Der zweite Mechanismus betrifft den Säuregehalt des Magens. Hydrogencarbonatreiche Wässer puffern Magensäure ab. Da manche Wirkstoffe zur Aufnahme ein saures Milieu benötigen, kann sich ihre Verfügbarkeit dadurch verändern; das gilt beispielsweise für Schilddrüsenhormone. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte eine geplante Trinkkur deshalb in der Arztpraxis oder in der Apotheke ansprechen. Die Frage nach dem zeitlichen Abstand zwischen Medikament und Heilwasser lässt sich dort anhand der konkreten Präparate beantworten.
Wissenschaftliche Einordnung
Die Brunnenkur verbindet Anwendungen mit sehr unterschiedlicher Belegqualität, und es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten. Vergleichsweise gut nachvollziehbar ist der Beitrag eines mineralreichen Wassers zur Versorgung mit einzelnen Mineralstoffen: Kalzium und Magnesium aus dem Wasser stehen dem Körper zur Verfügung, und ein entsprechend zusammengesetztes Wasser kann einen Teil des Bedarfs decken. Ebenfalls plausibel ist der Zusammenhang zwischen einer erhöhten Trinkmenge und der Verdünnung des Harns, auf dem die Empfehlung reichlichen Trinkens bei Neigung zu Harnsteinen beruht; hydrogencarbonatreiche Wässer verschieben zudem den Säuregrad des Harns, was bei bestimmten Steinarten von Bedeutung ist.
Deutlich schwächer belegt sind die weiterreichenden Zuschreibungen. Die Vorstellung, der Körper sammle Schlacken an, die durch Trinken ausgeschwemmt werden könnten, hat in der Physiologie keine Entsprechung; ein Stoff mit den Eigenschaften, die dem Begriff zugeschrieben werden, ist nicht bekannt. Die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten übernehmen Nieren, Leber, Darm, Lunge und Haut, und eine Trinkmenge oberhalb des Bedarfs steigert diese Leistung bei gesunden Organen nicht in nennenswertem Umfang. Auch Zuschreibungen zur Leistungsfähigkeit des Gehirns oder zum Hautbild beruhen überwiegend auf Erfahrungsberichten und nicht auf kontrollierten Untersuchungen.
Methodisch ist die Untersuchung einer Trinkkur schwierig, weil sich der Effekt des einzelnen Wassers kaum von dem der bloßen Flüssigkeitsmenge und – am Kurort – von Bewegung, Ernährungsumstellung und Erholung trennen lässt. Für die Praxis folgt daraus keine Ablehnung, wohl aber eine nüchterne Erwartung: Eine Brunnenkur kann eine Behandlung ergänzen, sie ersetzt aber keine ärztliche Abklärung anhaltender Beschwerden. Das eigentliche Risiko liegt weniger im Wasser selbst als darin, dass eine wirksame Behandlung dadurch aufgeschoben wird.
Abgrenzung zu ähnlichen Verfahren
Die Brunnenkur ist die innerliche Anwendung eines Heilwassers und gehört damit zur Balneologie, die dasselbe Wasser auch äußerlich einsetzt. Beim Bad wirken Wärme, Auftrieb und Wasserdruck; bei der Trinkkur entfallen diese Faktoren, dafür gelangen die gelösten Stoffe über den Verdauungsweg in den Körper. Eine dritte Anwendungsform derselben Wässer ist die Inhalation, bei der ein Nebel eingeatmet wird und die Atemwege den Ansatzpunkt bilden.
Von einer Kur nach Kneipp unterscheidet sich die Brunnenkur dadurch, dass diese vor allem mit Temperaturreizen durch Güsse und Wassertreten arbeitet und keinen besonderen Mineralgehalt voraussetzt. Vom Heilfasten unterscheidet sie sich grundlegend darin, dass während einer Brunnenkur normal gegessen wird; sie ist keine Form des Nahrungsverzichts. Von den unter Bezeichnungen wie Entgiftungs- oder Basenkur angebotenen Programmen unterscheidet sie sich durch die arzneimittelrechtliche Prüfung des verwendeten Wassers, auch wenn sich die Begründungen teilweise ähneln. Und schließlich ist sie vom bloßen reichlichen Trinken abzugrenzen: Dieses ist eine allgemeine Empfehlung, während sich die Brunnenkur auf ein bestimmtes Wasser mit bestimmten Anwendungsgebieten bezieht.
Kosten und Kostenübernahme
Heilwasser wird in Deutschland üblicherweise selbst bezahlt. Zwar handelt es sich rechtlich um ein Arzneimittel, doch werden nicht verschreibungspflichtige Mittel von der gesetzlichen Krankenversicherung nur in eng umgrenzten Ausnahmefällen erstattet. Heilwasser ist im Lebensmittelhandel, in Getränkemärkten und in Apotheken erhältlich; ein Rezept ist für den Kauf nicht erforderlich.
Anders liegt der Fall, wenn die Trinkkur Teil einer bewilligten Kurmaßnahme ist. Bei einer ambulanten Vorsorgemaßnahme am Kurort werden Kurmittel – zu denen die Trinkkur gehören kann – anteilig bezuschusst, während Unterkunft und Anreise überwiegend selbst zu tragen sind. Im Rahmen einer stationären Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme sind die Anwendungen Teil der Gesamtleistung; hier ist je nach Fall die Krankenkasse oder der Rentenversicherungsträger zuständig, und es fällt eine Zuzahlung an. Solche Maßnahmen müssen vorab beantragt und bewilligt werden. Da sich die Regelungen ändern können, ist eine Rückfrage bei der zuständigen Kasse vor Beginn ratsam.
Quellen
- Gutenbrunner, C., Hildebrandt, G. (Hrsg.): Handbuch der Balneologie und medizinischen Klimatologie.
ISBN: 9783642800481
- Beer, A.-M., Adler, M. (Hrsg.): Leitfaden Naturheilverfahren für die ärztliche Praxis.
ISBN: 9783437319365
- Schmiedel, V., Matejka, R. (Hrsg.): Leitfaden Naturheilkunde.
ISBN: 9783437056390
- Crevenna, R. (Hrsg.): Kompendium Physikalische Medizin und Rehabilitation.
ISBN: 9783662490341
- Bossert, F.-P., Müller, P., Vogedes, K. (Hrsg.): Leitfaden Physikalische Therapie.
ISBN: 9783437481017
