Dermatophyten

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Wer von einer Pilzinfektion der Haut spricht, bezieht sich meist auf Fußpilz. Doch es gibt am Körper noch viele andere Hautpartien, auf denen sich die Mikroben niederlassen. Bei schlimmen Fällen müssen die mit Dermatophyten infizierten Patienten monatelang spezielle Medikamente einnehmen, damit die entzündeten Stellen ausheilen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Dermatophyten?

Dermatophyten
Fußpilz (Tinea pedis) betrifft nach Schätzungen inzwischen bereits jeden fünften Bundesbürger. Zu seiner Entstehung tragen mehrere Dermatophyten-Gattungen bei, vor allem jedoch das in Europa weit verbreitete Trichophyton rubrum.
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Dermatophyten sind Fadenpilze (Hyphomycetes). Die winzigen Mikroben verursachen Hautinfektionen (Dermatophytosen). Dort nisten sie sich in den oberen oder sogar weiter unten befindlichen Hautschichten ein und ernähren sich von den Keratinen der abgestorbenen Hautschuppen. Die winzigen Krankheitserreger verfügen über Enzyme wie die Keratinase, um die Partikel aufzuspalten.

Bei Mensch und Tier sind einige Dutzend Dermatophytenarten bekannt. Sie werden traditionell drei Gattungen zugeordnet: Trichophyton, Microsporum und Epidermophyton. Nach der 2017 grundlegend überarbeiteten Systematik werden die Dermatophyten inzwischen auf mehrere zusätzliche Gattungen verteilt; so wurde etwa Microsporum gypseum in die neu abgegrenzte Gattung Nannizzia überführt. Die überwiegende Anzahl von Hautpilz-Erkrankungen wird durch Fadenpilze verursacht. Die meisten von ihnen befallen lediglich die Oberhaut (Epidermis). Tiefere Hautschichten wie Dermis und Subcutis erreichen sie nur ausnahmsweise, etwa bei stark geschwächter Abwehr. In der Regel befallen sie mit Hornzellen bedeckte Körperpartien. Andere Dermatophyten bevorzugen Kopfhaut und Nägel. Epidermophyten sind nur selten Erreger von Pilzinfektionen der Haut.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Dermatophyten kommen, außerhalb von Menschen, im Erdreich und auf der Haut von Tieren vor. Dabei handelt es sich meist um Haustiere (Hund, Katze, Nager). Da der Mensch besonders intensiven Kontakt zu ihnen hat, kommt es relativ häufig zu Tier-zu-Mensch-Übertragungen. Hautpilze können auch von Ratten und Mäusen übertragen werden. Boden-Mensch-Ansteckungen sind eher selten und betreffen meist nur Berufsgruppen, die häufig Kontakt mit Erde haben. Infektiös können allerdings auch Nass-Zonen in öffentlichen Schwimmbädern und Saunen sein. Tragen die Besucher dann keine Badelatschen, kommt es oft zu Infektionen. Die Mensch-zu-Mensch-Ansteckung kommt dagegen häufiger vor. Sie kommt durch engen Körperkontakt und gemeinsam benutzte Flächen (Schwimmbad-Boden) und Objekte (Kämme, Bürsten) zustande.

Die von den Dermatophyten verursachte Hautentzündung kann je nach Art und Größe der befallenen Hautstelle unterschiedliche Formen haben. Bei starkem Befall können sogar große Teile des Säureschutzmantels der Haut zerstört werden. Manche Hyphen heften sich mithilfe spezieller Haftvorrichtungen an die Hautzellen an, andere Pilzarten besiedeln bevorzugt schwer erreichbare Körperstellen (Zehen-Zwischenräume). Je nach bevorzugtem Besiedlungsort verfügen sie über Enzyme wie Elastasen (zersetzen die Elastin-Fasern der Haut), Keratinasen (sind auf Hornschuppen spezialisiert) und Kollagenasen (spalten Kollagen). Ihre Stoffwechselprodukte rufen dann die Entzündungszeichen der Pilzinfektion (Tinea) hervor.

Fadenpilze befallen nicht nur die Haut, sondern auch Haare und Nägel. Trichophyten kommen auch bei Haustieren vor und können Nägel, Haut und Haare infizieren. Microsporum-Arten besiedeln ebenfalls gerne Tiere, die in engem Kontakt mit Menschen leben. Sie bevorzugen Haare und Haut. Epidermophyton floccosum ist, wenn es in Erscheinung tritt, auf Nägel und Haut spezialisiert.


Krankheiten & Beschwerden

Voraussetzung für eine Infektion mit Fadenpilzen sind ein schlechter Zustand der Hautbarriere, hoher Feuchtigkeitsgrad, längerer Kontakt mit dem Erreger und die Stärke des infektiösen Potenzials der Pilze. Bei den durch Fadenpilze verursachten Infektionen gibt es je nach Ausbreitungsgebiet drei Typen (Haut, Nagel und Haar-Mykosen).

Haut-Mykosen (Tinea corporis) zeigen sich in Form von geröteten, schuppigen und scharf begrenzten Hautblüten (Ring-Flechten) mit dunkelrotem schuppigem Rand, die sich vom Rumpf aus verbreiten. Daher kommen sie auch an den Armen und in der Leisten- und Anal-Region vor. Verursacher von Tinea corporis sind Trichophyten und Microsporum canis (vor allem von Katzen, seltener von Hunden). Die Effloreszenzen jucken und breiten sich von innen nach außen aus, wobei die von ihnen ausgeschiedenen Stoffwechsel-Produkte einen ringförmigen Wall hervorrufen, der hoch infektiös ist. Die darin befindliche Fläche heilt schneller ab und wird dabei immer heller.

Größere von der Hautflechte betroffene Flächen wachsen auch ineinander. Befinden sich auf den infizierten Stellen Haare, so fallen sie meist schnell aus. Bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem breitet sich die Tinea corporis häufiger über den gesamten Körper aus. Eine infektiöse Sonderform ist das Trichophyton-rubrum-Syndrom: Trichophyton rubrum, das normalerweise vor allem Fußpilz verursacht, breitet sich dabei über den gesamten Körper aus. Das Syndrom tritt familiär gehäuft auf. Sogar die Nägel können infiziert sein.

Handpilz-Infektionen (Tinea manuum) beschränken sich meist auf Angehörige bestimmter Berufsgruppen wie Landarbeiter und Gärtner. Sie können durch den im Erdreich lebenden, früher als Microsporum gypseum geführten Pilz Nannizzia gypsea verursacht werden. Häufigster Erreger der Tinea manuum ist allerdings Trichophyton rubrum, das meist von einem bestehenden Fußpilz auf die Hand übertragen wird. Entzündungen dieser Art sind meist auf eine einzige Handfläche beschränkt. Sie ist schuppig, rissig und durch Hornschichten verdickt. Nagelmykosen (Tinea unguium) verursachen bräunliche brüchige Nägel. Schuld daran sind Epidermophyton floccosum oder Trichophyton-Arten. Nagelpilz-Befall tritt oft zusammen mit Fußpilz auf. Die Infektion des Zehen-Zwischenraums breitet sich dabei auf die Fußnägel aus. Nagel-Mykosen kommen gehäuft bei Patienten mit Diabetes und Durchblutungsstörungen der Beine vor.

Fußpilz (Tinea pedis) betrifft nach Schätzungen inzwischen bereits jeden fünften Bundesbürger. Zu seiner Entstehung tragen mehrere Dermatophyten-Gattungen bei, vor allem jedoch das in Europa weit verbreitete Trichophyton rubrum.

Haar-Mykosen kommen entweder auf dem Kopf als Tinea capitis oder im Bart (Tinea barbae) vor. Verursacher sind Trichophyten und Microsporum-Arten, die bevorzugt auf der Haut von Katzen und Hunden leben. Die infizierten Stellen auf der Kopfhaut sind kreisrund, mit Schuppen bedeckt und zeigen das typische Bild einer "abgemähten Wiese": Die dort befindlichen Haare sind alle in gleicher Höhe abgebrochen. Tinea barbae hinterlässt kahle Stellen, die mitunter verkrustet und mit Eiterherden bedeckt sind.

Systematik und Namensgebung

Innerhalb des Pilzreichs gehören die Dermatophyten zu den Schlauchpilzen. Dort stehen sie in der Klasse der Eurotiomycetes, der Ordnung der Onygenales und der Familie der Arthrodermataceae. Alle Arten dieser Familie sind darauf angewiesen, hornhaltiges Material zu erschließen. Neben Haut, Haaren und Nägeln von Mensch und Tier zählen dazu in der Natur auch Federn, Hufe und Horn.

Die Aufteilung in Gattungen richtete sich lange allein nach dem Aussehen der ungeschlechtlichen Sporen. Der Vergleich von Erbgutabschnitten hat später gezeigt, dass diese äußeren Merkmale die Verwandtschaft nur teilweise abbilden. Darauf beruht die oben genannte Neuordnung, die neben Nannizzia weitere Gattungsnamen wie Lophophyton und Paraphyton eingeführt und die Gattungen Trichophyton und Microsporum enger gefasst hat als zuvor.

Erschwert wird die Benennung durch eine Besonderheit vieler Pilze: Sie treten in einer ungeschlechtlichen und einer geschlechtlichen Form auf, die früher jeweils einen eigenen wissenschaftlichen Namen tragen durften. Die geschlechtlichen Formen der Dermatophyten wurden unter dem Gattungsnamen Arthroderma geführt, die ungeschlechtlichen unter Trichophyton, Microsporum oder Epidermophyton. Seit die Doppelbenennung in der Pilzkunde abgeschafft wurde, gilt für jede Art nur noch ein Name. In älteren Lehrbüchern und Befunden stehen die abgelegten Bezeichnungen jedoch weiter, sodass sich ein und derselbe Pilz unter mehreren Namen finden lässt.

Anthropophile, zoophile und geophile Arten

Neben der Verwandtschaft ordnet die medizinische Pilzkunde die Dermatophyten nach ihrem bevorzugten Lebensraum. Diese Einteilung sagt mehr über den Krankheitsverlauf aus als die Gattungszugehörigkeit.

Anthropophile Arten sind an den Menschen angepasst und werden praktisch nur von Mensch zu Mensch weitergegeben. Zu ihnen zählen Trichophyton rubrum, Trichophyton interdigitale und Epidermophyton floccosum. Weil Pilz und Wirt gut aufeinander eingespielt sind, lösen sie meist nur eine geringe Entzündung aus. Dafür sind die Infektionen langwierig, heilen selten von allein ab und neigen dazu, nach einer Behandlung wiederzukehren.

Zoophile Arten leben in erster Linie auf Tieren. Microsporum canis stammt vor allem von Katzen, Trichophyton verrucosum von Rindern, Trichophyton benhamiae von Meerschweinchen und anderen Kleinnagern. Der Mensch ist für sie ein ungewohnter Wirt, und das Immunsystem reagiert entsprechend heftig: Die Herde sind stark gerötet, oft knotig oder eitrig und können am Kopf zu vorübergehendem Haarverlust führen. Gerade wegen der kräftigen Abwehrreaktion heilen sie häufiger von selbst ab als die Infektionen mit anthropophilen Arten.

Geophile Arten leben im Erdreich und ernähren sich dort von Hornresten abgestorbener Tiere. Übertragungen auf den Menschen sind selten und verlaufen ähnlich entzündlich wie die durch zoophile Arten. Für die Praxis heißt das: Ein stark entzündlicher Herd legt die Frage nach Tier- oder Bodenkontakten nahe, während ein blasser, chronischer Befund eher für eine Ansteckung im menschlichen Umfeld spricht.

Bau und Wachstum

Wie alle Fadenpilze bestehen Dermatophyten aus Hyphen, die durch Querwände in Abschnitte unterteilt sind und ein Geflecht, das Myzel, bilden. Ihre Zellwand enthält Chitin und Zuckerketten, die Zellmembran darunter den Baustein Ergosterol. Ergosterol übernimmt bei Pilzen die Aufgabe, die das Cholesterin in tierischen Zellen hat; weil es beim Menschen nicht vorkommt, ist es der wichtigste Angriffspunkt der Pilzmedikamente.

Zur Bestimmung im Labor dienen die ungeschlechtlichen Sporen, die Konidien. Sie treten in zwei Größen auf: als große, mehrkammerige Makrokonidien und als kleine, einzellige Mikrokonidien. Trichophyton-Arten bilden zahlreiche Mikrokonidien und dünnwandige, glatte Makrokonidien. Bei Microsporum sind die Makrokonidien spindelförmig, derbwandig und rau. Epidermophyton bildet keulenförmige Makrokonidien in Büscheln und gar keine Mikrokonidien.

In der befallenen Haut selbst sind diese Sporen nicht zu sehen. Dort liegen Hyphen, die in Ketten kurzer, dickwandiger Arthrosporen zerfallen — die Form, in der der Pilz mit den Hautschuppen abgeschilfert und weitergegeben wird. Beim Befall der Haare unterscheidet man, ob die Sporen als Mantel außen um den Haarschaft liegen oder ob sie im Inneren des Schaftes wachsen. Beide Muster führen dazu, dass das Haar brüchig wird und in gleicher Höhe abbricht.

Dermatophyten wachsen am besten bei Temperaturen deutlich unterhalb der Körperkerntemperatur. Das erklärt, warum sie auf die kühleren äußeren Hornschichten beschränkt bleiben und tiefer gelegenes Gewebe nur bei geschwächter Abwehr erreichen. Auf Nährböden wachsen sie langsam: Bis eine Kultur beurteilbar ist, vergehen Wochen, nicht Tage.

Nachweis und Diagnostik

Das Aussehen einer Hautveränderung allein reicht für die Zuordnung nicht aus, da andere Hauterkrankungen wie das Ekzem oder die Schuppenflechte ähnlich aussehen können. Für den Nachweis werden Hautschuppen vom Rand des Herdes entnommen, wo die lebenden Pilzfäden sitzen, außerdem Späne aus dem erkrankten Nagelanteil oder ausgezupfte Haare samt Wurzel. Eine vorangegangene Behandlung mit Antimykotika kann den Nachweis vereiteln; deshalb wird vor der Probenentnahme in der Regel eine Behandlungspause eingelegt.

Im Nativpräparat wird das Hornmaterial mit Kalilauge aufgelöst, während die Pilzfäden erhalten bleiben und unter dem Mikroskop sichtbar werden. Optische Aufheller, die sich an die Pilzzellwand anlagern und im Fluoreszenzmikroskop leuchten, erleichtern das Auffinden. Das Verfahren zeigt allerdings nur, dass ein Pilz vorliegt, nicht welcher.

Die Anzucht auf Nährböden mit Zuckerzusatz liefert die Artbestimmung anhand von Koloniefarbe, Kolonieform und dem mikroskopischen Bild der Konidien. Zusätze unterdrücken schneller wachsende Schimmelpilze und Bakterien; auf Selektivnährböden mit Farbindikator schlägt die Farbe um, sobald ein Dermatophyt wächst. Die Anzucht ist langsam und misslingt bei vorbehandelten Patienten häufig.

Molekularbiologische Verfahren haben die Diagnostik verändert. Mit der Polymerase-Kettenreaktion lässt sich Erbmaterial des Pilzes unmittelbar aus Hautschuppen oder Nagelspänen nachweisen, innerhalb weniger Tage und auch dann noch, wenn der Pilz nicht mehr anzüchtbar ist; Verfahren, die mehrere Arten in einem Ansatz prüfen, sind gebräuchlich. Aus gewachsenen Kulturen bestimmt die Massenspektrometrie die Art anhand des Eiweißmusters der Zellen. Ergänzend kann Nagelmaterial feingeweblich untersucht werden, wobei eine Spezialfärbung die Pilzfäden im Nagel anfärbt. Die Betrachtung unter langwelligem ultraviolettem Licht, unter dem einige Microsporum-Arten grünlich aufleuchten, taugt nur zur Vorauswahl, da die meisten Trichophyton-Arten nicht fluoreszieren.

Widerstandsfähigkeit und Hygiene

Die Arthrosporen in abgeschilferten Hautschuppen sind der eigentliche Grund für die Hartnäckigkeit dieser Erreger. Sie überdauern in der Umgebung lange, überstehen Trockenheit und Kälte gut und keimen aus, sobald sie auf feuchte Haut treffen. Deshalb sind nicht nur Böden von Bädern und Umkleiden Übertragungsstellen, sondern auch Handtücher, Bettwäsche, Sportmatten und vor allem Schuhe und Strümpfe. Aus dem Schuhwerk heraus kommt es häufig zur erneuten Ansteckung nach eigentlich erfolgreicher Behandlung.

Übliches Waschen bei niedrigen Temperaturen tötet die Sporen nicht zuverlässig ab. Wirksam sind hohe Waschtemperaturen oder Waschmittel mit ausgewiesener Pilzwirksamkeit. Bei Flächen- und Textildesinfektionsmitteln ist auf die Angabe „fungizid“ zu achten: Der Zusatz „levurozid“ bezeichnet lediglich eine Wirksamkeit gegen Hefepilze und sagt über Fadenpilze nichts aus. Bei zoophilen Erregern bleibt die Ansteckungsquelle bestehen, solange das betroffene Tier nicht tierärztlich mitbehandelt wird; sonst stecken sich Mensch und Tier wechselseitig immer wieder an.

Behandlung und Resistenzlage

Behandelt wird mit Antimykotika, die in den Aufbau des Ergosterols eingreifen. Die Allylamine, zu denen Terbinafin gehört, hemmen ein frühes Enzym dieser Kette, die Azole wie Itraconazol und Fluconazol ein späteres. Griseofulvin, das die Zellteilung des Pilzes stört, wird nur noch in besonderen Fällen eingesetzt. Bei begrenztem Hautbefall genügt in der Regel eine äußerliche Anwendung. Bei Nagel- und Kopfhautbefall erreichen Cremes den Pilz nicht, weshalb innerlich behandelt werden muss; welches Mittel und über welchen Zeitraum, richtet sich nach Erreger, Ausdehnung und Alter der Patienten und gehört in ärztliche Hand.

Unempfindlichkeiten gegen diese Wirkstoffe galten bei Dermatophyten lange als Ausnahme, weshalb eine Empfindlichkeitsprüfung anders als bei Bakterien nicht üblich war. Das hat sich geändert. Die Art Trichophyton indotineae, die zuvor unter Trichophyton mentagrophytes geführt wurde, hat sich von Südasien ausgehend ausgebreitet und ist vielfach gegen Terbinafin unempfindlich; Ursache sind Veränderungen im Gen für das von Terbinafin gehemmte Enzym. Die Hautveränderungen sind dabei oft großflächig und sprechen auf die übliche Behandlung schlecht an. Fachgesellschaften raten deshalb, bei Verläufen, die sich der Behandlung entziehen, die Art genau bestimmen und die Empfindlichkeit prüfen zu lassen. Als begünstigender Umstand gilt die verbreitete Anwendung von Kombinationspräparaten aus Antimykotikum und Kortison, die die Entzündung dämpfen, den Pilz aber nicht beseitigen.

Geschichte

Die Dermatophyten stehen am Anfang der Lehre von den Krankheitserregern überhaupt. In den 1830er Jahren wiesen Robert Remak und Johann Lukas Schönlein in den Krusten des Erbgrinds (Favus) einen Pilz nach. Das war einer der ersten Belege dafür, dass ein Kleinlebewesen eine menschliche Krankheit hervorruft — Jahrzehnte, bevor die Bakteriologie dasselbe für Bakterien zeigte. Wenig später beschrieb David Gruby weitere Erreger von Kopf- und Barterkrankungen und erkannte bereits, dass die Pilzsporen die Haare auf unterschiedliche Weise befallen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fasste Raymond Sabouraud das Wissen über die damals „Teignes“ genannten Haarpilzerkrankungen zusammen und entwickelte den Nährboden, der bis heute seinen Namen trägt.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts hat sich das Erregerspektrum in Mitteleuropa verschoben. Die früher unter Schulkindern verbreiteten Kopfpilz-Epidemien sind zurückgegangen, ebenso der Erbgrind, der im 19. Jahrhundert in Europa häufig war und hier heute praktisch nicht mehr vorkommt. An ihre Stelle sind Fuß- und Nagelinfektionen durch anthropophile Arten getreten, allen voran Trichophyton rubrum. Als Ursachen dieser Verschiebung gelten geschlossenes Schuhwerk, Sport, öffentliche Bäder und die gestiegene Lebenserwartung, die den langsam wachsenden Nagelinfektionen mehr Zeit lässt.

Quellen

  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
    ISBN: 9783132446045
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Hof, H., Dörries, R. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132423558
  • Neumeister, B., Geiss, H. K., Braun, R. W., Kimmig, P. (Hrsg.): Mikrobiologische Diagnostik.
    ISBN: 9783137436027

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