Microsporum
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als Microsporum ist eine Gattung von einzelnen Pilzarten bekannt, die zu den Dermatophyten zählen, früher auch den Fungi imperfecti zugerechnet wurden und taxonomische Vertreter der Echten Schlauchpilze sind. Zu den wichtigsten Vertretern der Gattung zählen die Spezies Microsporum audouinii, canis und gypseum, die auf der Haut von Tieren und Menschen sowie im Boden leben. Die meisten Spezies gelten als humanpathogene Erreger.
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Was ist Microsporum?
Bei Dermatophyten handelt es sich um Fadenpilze, die eine Pilzerkrankung verursachen können. Die von ihnen hervorgerufene Erkrankung wird auch als Dermatophytose oder Tinea bezeichnet.
Das sogenannte Microsporum entspricht einer Gattung von Fadenpilzen, die früher der nicht-taxonomischen Klasse der Fungi imperfecti zugeordnet wurde. Fungi imperfecti, auch imperfekte Pilze oder Deuteromycetes genannt, zählen zu den Höheren Pilzen im Sinne von Schlauch- und Ständerpilzen. In ihrem Entwicklungszyklus war keine Phase der sexuellen Befruchtung bekannt. Heute gilt diese Einteilung als überholt, weil bei mehreren Arten inzwischen eine geschlechtliche Fortpflanzungsform bekannt ist und die Arten allein nach ihrer Verwandtschaft eingeordnet werden. Die meisten Arten der Gattung Microsporum sind Dermatophyten und damit humanpathogen.
Taxonomisch betrachtet, sind die Microsporum-Arten echte Schlauchpilze oder Pezizomycotina und fallen unter ihnen in die Klasse der Eurotiomycetes. Ihre Unterklasse entspricht den Eurotiomycetidae. Bei der höheren Ordnung handelt es sich um Onygenales. Als Familie der Microsporum-Arten gilt die der Arthrodermataceae. Die Gattung wurde 2017 neu geordnet: Ein Teil der früher zu Microsporum gezählten Arten wird seither anderen Gattungen zugewiesen – Microsporum gypseum wird heute als Nannizzia gypsea geführt, Microsporum gallinae als Lophophyton gallinae. Bei Microsporum canis und Microsporum audouinii blieb es beim bisherigen Namen.
Die Makrokonidien der Microsporum-Arten sind dünn- bis dickwandig und tragen ei- oder spindelförmige Gestalt. Ihre Konsistenz ist rau und sie sind in Form von Septen in einzelne Kammern unterteilt, die den Hyphen einzeln aufsitzen.
Bei einer Infektion rufen die Pilze Mikrosporie hervor. Dabei handelt es sich um eine Pilzerkrankung der Haut, die zu den Dermatomykosen zählt und damit einer Form der Dermatophytose entspricht. Typische Vertreter des Microsporum sind das Microsporum audouinii, canis und gypseum.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Microsporum gallinae ist ebenfalls ein parasitischer Hautpilz, der insbesondere bei Vögeln häufig Dermatophytose erregt. Als Zoonose-Erreger kann auch er artenübergreifend Infektionen hervorrufen. Dieser Pilz bildet leicht flaumige, samtig weiße Kolonien und zeigt unter dem Mikroskop septierte Hyphen mit rund bis birnenförmigen Makrokonidien zu einer Größe von bis zu acht auf 50 Mikrometer. Die Makrokonidien weisen leichte Krümmung auf und sind an den Enden mit feinen Stacheln ausgestattet.
Ein weiterer Vertreter des Microsporum ist der Hautparasit Microsporum gypseum. Er lebt vorwiegend geophil und wird über den Erdboden übertragen. Beim Menschen führt eine Übertragung zum Bild der Gärtner-Mikrosporie, aber auch Pferde und Katzen können aufgrund der Zoonose Träger des Erregers sein. Der Pilz bildet flauschig weiße Kolonien mit septierten Hyphen und keulenförmigen Makrokonidien zu bis zu 16 auf 50 Mikrometern Größe. Die symmetrisch angeordneten, rauen und dünnwandigen Makrokonidien sind an den Enden abgerundet.
Der Mensch infiziert sich mit Microsporum vorwiegend beim Kontakt mit kontaminierten Tieren, seltener auch beim Kontakt mit dem Erdboden. Auch eine Schmierinfektion von Mensch zu Mensch ist möglich.
Pilze der Gattung vermehren sich rein vegetativ oder durch Sporen. Diese sogenannten Konidien werden auf asexuelle Weise gebildet. Für ihr Wachstum gewinnen sie Energie aus dem Abbau von Kohlenhydraten und Keratin, den sie mithilfe des Enzyms Keratinase vollziehen.
Krankheiten & Beschwerden
Besonders Tiere, aber auch Menschen können stumme Träger der Infektion sein. In diesem Fall leiden sie an keinerlei Symptomen, aber können den Pilz nichtsdestotrotz weiter übertragen. Abhängig von der Region des Befalls nimmt der Arzt zum Zweck einer Diagnostik vom Läsionsrand oder von Haaren Untersuchungsmaterial. Erreger werden mikroskopisch oder in kultureller Anzucht nachgewiesen, so zum Beispiel auf Sabouraud-Agar.
Zur Therapie der Infektion werden den Patienten unterschiedliche Wirkstoffe verschrieben. Fluconazol und Itraconazol gelten als besonders erfolgsversprechende Wirkstoffe bei der Therapie verschiedener Pilzerkrankungen von Haut und Haaren. Voriconazol wird dagegen vor allem gegen Schimmel- und Hefepilze eingesetzt und spielt in der Behandlung von Dermatophytosen praktisch keine Rolle; nur bei schwer behandelbaren, unempfindlichen Erregern kommt es in Einzelfällen zum Einsatz.
Alternativ oder in Kombination dazu kann ein Wirkstoff wie Terbinafin zum Einsatz kommen; Fluconazol und Itraconazol zählen ihrerseits zur Gruppe der Triazole. Eine innerliche Behandlung ist bei einem Befall der Haut in aller Regel nur bei ausgedehntem Befall nötig. Greift der Pilz dagegen die Kopfhaut an, ist sie immer erforderlich, weil äußerlich aufgetragene Mittel die Haarwurzeln nicht erreichen. Noch seltener verschreibt der Arzt den Patienten Griseofulvin, das früher noch weitaus häufiger zur Therapie von Pilzerkrankungen Einsatz gefunden hat. Bei einer durch Microsporum canis ausgelösten Tinea capitis im Kindesalter gilt es allerdings weiterhin als besonders wirksam; in Deutschland ist es seit einigen Jahren nicht mehr im Handel und muss aus dem Ausland bezogen werden.
Besonders oft infizieren sich Menschen mit den Erregern innerhalb eines Urlaubs in südlichen Regionen. Dieser Zusammenhang ist vor allem auf die hohe Rate des Befalls der dortigen Streuner zurückzuführen.
Abgrenzung zu anderen Dermatophyten
Neben Microsporum umfassen die Dermatophyten vor allem die Gattungen Trichophyton und Epidermophyton. Alle drei verwerten Keratin und befallen deshalb weitgehend dieselben Körperregionen, lassen sich unter dem Mikroskop aber gut auseinanderhalten – und zwar an ihren Sporen.
Kennzeichnend für Microsporum sind die großen, rauwandigen und spindelförmigen Makrokonidien, die durch zahlreiche Querwände in viele Kammern unterteilt sind. Mikrokonidien, also die kleineren einzelligen Sporen, bildet die Gattung nur wenige. Bei Trichophyton verhält es sich umgekehrt: Dort stehen zahlreiche Mikrokonidien im Vordergrund, während die Makrokonidien dünnwandig, glatt und schlank sind und häufig ganz fehlen. Epidermophyton floccosum, die einzige medizinisch bedeutsame Art ihrer Gattung, bildet keulenförmige Makrokonidien in Gruppen und überhaupt keine Mikrokonidien; sie befällt zudem als einzige der drei Gattungen keine Haare.
Auch das befallene Gewebe unterscheidet die Gattungen. Microsporum greift bevorzugt Haut und Haare an, während Nagelbefall selten ist; Nagelmykosen gehen weit überwiegend auf Trichophyton-Arten zurück. Bei den befallenen Haaren zeigt Microsporum ein charakteristisches Bild: Die Sporen liegen als dichter Mantel außen um den Haarschaft herum, ein als Ektothrix-Befall bezeichnetes Muster. Bei einem Teil der Trichophyton-Arten liegen die Sporen dagegen im Inneren des Haarschafts, was als Endothrix-Befall bezeichnet wird. Welches der beiden Muster vorliegt, gibt schon im mikroskopischen Präparat einen ersten Hinweis auf den Erreger.
Anthropophile, zoophile und geophile Arten
Dermatophyten werden danach eingeteilt, welchen Lebensraum sie bevorzugen. Anthropophile Arten sind an den Menschen angepasst und kommen praktisch nur auf ihm vor; zoophile Arten leben in erster Linie auf Tieren; geophile Arten stammen aus dem Erdboden, wo sie sich von Haaren, Federn und Hornresten ernähren. Unter den in diesem Artikel behandelten Arten sind alle drei Lebensweisen vertreten: Microsporum audouinii lebt anthropophil, Microsporum canis zoophil, und die heute Nannizzia gypsea genannte Art stammt aus dem Boden. Dass die geophile Art im Zuge der Neuordnung in eine andere Gattung überführt wurde, ist kein Zufall – die Neugliederung folgte der Verwandtschaft, und diese fällt bei den Dermatophyten oft mit der Lebensweise zusammen.
Diese Einteilung ist nicht nur eine biologische Feinheit, sondern hat unmittelbare Folgen für den Krankheitsverlauf. Anthropophile Arten sind an den Menschen gewöhnt und rufen häufig nur eine geringe Abwehrreaktion hervor; die Erkrankung verläuft mild, schleppend und über lange Zeit, was ihre Weitergabe begünstigt. Zoophile und geophile Arten sind dem menschlichen Immunsystem dagegen fremd und lösen eine kräftige Entzündung aus – die Hautveränderungen sind stärker gerötet, nässen und können eitrige Knoten bilden. Solche Verläufe sind für die Betroffenen unangenehmer, heilen aber oft rascher ab, weil die heftige Abwehrreaktion den Pilz zurückdrängt.
Für die Ursachensuche ist die Einteilung ebenfalls von Bedeutung: Wird eine zoophile Art nachgewiesen, ist nach dem tierischen Überträger zu suchen, weil sonst Rückfälle und Ansteckungen im Umfeld drohen. Bei anthropophilen Arten richtet sich der Blick stattdessen auf die Menschen im Haushalt oder in Gemeinschaftseinrichtungen.
Nachweis und Diagnostik
Eine Besonderheit der Gattung ist die Fluoreszenz im Wood-Licht. Dabei handelt es sich um eine Lampe, deren Licht durch einen Spezialfilter geleitet wird, so dass fast nur noch für das Auge unsichtbare Strahlung übrig bleibt. Von Microsporum canis oder Microsporum audouinii befallene Haare leuchten darunter grünlich-gelb auf. Die meisten Trichophyton-Arten zeigen diese Erscheinung nicht. Das Verfahren ist rasch, schmerzlos und ohne Vorbereitung durchführbar und eignet sich daher gut, um bei Tieren und Kontaktpersonen befallene Stellen aufzuspüren oder gezielt Material für die Untersuchung zu gewinnen. Beweiskräftig ist es allerdings nicht: Auch Salbenreste, Fasern und manche Bakterien können im Wood-Licht aufleuchten, und ein fehlendes Leuchten schließt eine Mikrosporie nicht aus.
Der eigentliche Nachweis beginnt mit dem Nativpräparat. Hautschuppen oder ausgezupfte Haare werden mit Kalilauge behandelt, die das Hornmaterial aufhellt und die Pilzfäden freilegt; sichtbar werden Hyphen und, bei Haarbefall, der Sporenmantel um den Haarschaft. Damit steht fest, dass ein Dermatophyt vorliegt – welche Art es ist, bleibt offen.
Die Zuordnung leistet die Kultur auf dem nach Raymond Sabouraud benannten Nährboden. Weil Dermatophyten langsam wachsen, werden ihm Zusätze beigegeben, die Bakterien und rasch wuchernde Schimmelpilze zurückhalten; bis eine Kolonie beurteilt werden kann, vergehen Wochen. Bestimmt wird die Art nach Farbe und Beschaffenheit der Kolonie von Ober- und Unterseite sowie nach der Gestalt der Konidien. Schneller sind molekularbiologische Verfahren: Mit der Polymerase-Kettenreaktion lässt sich Pilzerbgut unmittelbar aus Schuppen oder Haaren nachweisen und der Art zuordnen, ohne Anzucht. Aus gewachsenen Kolonien bestimmt zudem die Massenspektrometrie die Art anhand ihres Eiweißmusters. Weil die Neuordnung der Gattung auf dem Vergleich von Erbgut beruht, sind diese Verfahren zugleich der Grund dafür, dass die Namen mehrerer Arten gewechselt haben.
Widerstandsfähigkeit und Hygiene
Microsporum-Arten sind außerhalb ihres Wirtes bemerkenswert haltbar. Die Sporen sitzen in abgeschilferten Hautschuppen und in ausgefallenen Haaren und bleiben darin über Monate ansteckungsfähig. Bei einer Katze mit Mikrosporie verteilt sich solches Material in der ganzen Wohnung – in Polstermöbeln, Teppichen, Decken, Bürsten und Transportboxen. Deshalb reicht es nicht aus, das erkrankte Tier zu behandeln; ohne gründliche Reinigung der Umgebung kommt es immer wieder zu Neuansteckungen, auch Wochen nach dem Ende der Behandlung.
Wirksam sind mechanische Maßnahmen, mit denen Haare und Schuppen entfernt werden, sowie Waschen bei hohen Temperaturen. Gegenstände, die sich nicht waschen lassen, werden mit Desinfektionsmitteln behandelt, die ausdrücklich als wirksam gegen Pilze ausgewiesen sind – nicht jedes Mittel gegen Bakterien erfasst auch Pilzsporen. Da der Erreger auf Bürsten und Scherapparaten haftet, spielt deren Aufbereitung in Tierarztpraxen, Hundesalons und Friseurbetrieben eine Rolle.
Für den Menschen ergibt sich daraus, dass nach dem Kontakt mit einem auffälligen Tier – kahle, schuppige Stellen im Fell sind das Warnzeichen – das Händewaschen sinnvoll ist und dass ein Verdacht auf Mikrosporie bei einem Haustier tierärztlich abgeklärt werden sollte, auch wenn das Tier selbst kaum beeinträchtigt wirkt. Denn stumme Träger geben den Erreger weiter, ohne selbst erkennbare Veränderungen zu zeigen.
Geschichte
Die Gattung wurde 1843 von dem in Ungarn geborenen Arzt David Gruby beschrieben, der in Paris arbeitete und zu den Begründern der medizinischen Pilzkunde zählt. Gruby untersuchte die damals unter Kindern weit verbreiteten Kopferkrankungen und wies mikroskopisch nach, dass es sich um Pilzbefall handelte – zu einer Zeit, als die Vorstellung von Kleinstlebewesen als Krankheitsursache noch keineswegs allgemein anerkannt war. Der Name Microsporum verweist auf die kleinen Sporen des Sporenmantels, den er um die befallenen Haare beobachtete; die von ihm zuerst beschriebene Art trägt zu Ehren des französischen Naturforschers Jean-Victor Audouin den Namen Microsporum audouinii.
Systematisch geordnet wurden die Dermatophyten erst um die Wende zum 20. Jahrhundert durch den französischen Hautarzt Raymond Sabouraud, dessen Name bis heute auf dem gebräuchlichsten Nährboden für Pilzkulturen steht. Das Wood-Licht wiederum geht auf den amerikanischen Physiker Robert Williams Wood zurück, der den zugehörigen Glasfilter zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte; für die Erkennung von Kopfpilzerkrankungen wurde er erst später nutzbar gemacht.
Microsporum audouinii war über weite Strecken des 20. Jahrhunderts der vorherrschende Erreger von Kopfpilzerkrankungen bei Kindern in Europa und Nordamerika und trat in Schulen und Heimen in Ausbrüchen auf. Mit besseren Lebensbedingungen und der Einführung wirksamer Mittel ging er dort stark zurück. An seine Stelle sind heute vor allem zoophile Erreger getreten, allen voran Microsporum canis, sowie aus anderen Weltregionen eingetragene Arten – ein Wandel, der zeigt, wie eng das Erregerspektrum an Lebensverhältnisse, Haustierhaltung und Reisegewohnheiten gekoppelt ist.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
ISBN: 9783132446045
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Hof, H., Dörries, R. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132423558
- Kayser, F. H., Böttger, E. C., Deplazes, P., et al.: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132447936

