Dränage

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine Dränage wird angelegt, um Flüssigkeiten oder Gase aus Wunden, Körperhöhlen und Hohlorganen abzuleiten. Das Verfahren lässt sich sowohl therapeutisch als auch präventiv nutzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Dränage?

Dränage
Bei einer Dränage handelt es sich um eine medizinische Methode zur Ableitung von Wundflüssigkeiten aus Körperhöhlen, Wunden oder Abszessen.

Bei einer Dränage, auch Drainage geschrieben, handelt es sich um eine medizinische Methode zur Ableitung von Wundflüssigkeiten aus Körperhöhlen, Wunden oder Abszessen. Dazu gehören Blut, Eiter und Sekrete. Aber auch eingedrungene Gase lassen sich mit diesem Verfahren aus dem Körper ableiten. Zu diesem Zweck greifen Mediziner auf sogenannte Drains zurück. Dies sind Hilfsmittel wie Röhrchen oder Schläuche, die zum Ableiten der Wundflüssigkeiten dienen.

Je nach Wirkungsort der Methode, die in erster Linie in der Chirurgie zur Anwendung kommt, wird zwischen äußeren und inneren Drainagen unterschieden. Äußere Dränagen kommen häufiger zum Einsatz als innere. Dabei nimmt der Arzt eine Ableitung aus dem Inneren des Körpers nach außen vor. Um dies zu bewerkstelligen, setzt er spezielle Schläuche aus Kunststoff ein.

Innere Drainagen werden angelegt, um bei einem operativen Eingriff innere Hindernisse zu umgehen. Dabei kann es sich um Kurzschlüsse (Anastomosen) von Hohlorganen wie Magen, Darm oder Speiseröhre handeln, die zur Herstellung einer Kontinuität dienen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Zur Anwendung kommt eine Dränage im Rahmen einer Operation. So sammeln sich bei einem chirurgischen Eingriff meist Blut, Wundsekrete oder Gewebsflüssigkeit an. Bestimmte Flüssigkeitsmengen kann der Körper auch selbst absorbieren und abbauen. Durch das Anlegen einer Drainage lässt sich das Ansammeln von Flüssigkeit in der Wundhöhle verhindern. Auf diese Weise wird der Heilungsprozess erleichtert.

Mediziner unterscheiden zwischen mehreren Arten von Dränagen. Zu den häufigsten Formen zählt die Redon-Drainage. Diese wurde nach dem französischen Arzt Redon benannt und kommt zumeist im Unterhautfettgewebe oder einem Gelenk zum Einsatz. Dabei entsteht ein Sog, der die Wundflächen zusammenzieht. Dadurch kann die Wunde rascher verkleben und zusammenwachsen. Nach etwa 48 bis 72 Stunden lässt sich die Redon-Drainage wieder entfernen, was letztlich von dem Ausmaß der Wundsekretion abhängt.

Ein geschlossenes Wunddrainagesystem stellt die Robinson-Drainage dar. Dabei erfolgt keinerlei Auswechselung des Beutels. Stattdessen findet die Ableitung des Sekretes über einen Ablaufstutzen statt. Die Robinson-Drainage, die intraabdominal eingelegt wird, funktioniert ohne Sog. Sie dient als Zieldrainage innerhalb der Operationsregion. Durch sie werden auftretende Blutungen nach außen abgeleitet.

Eine weitere Dränageform bildet die Kapillardrainage. Sie wird als Ableitung in der Bauchhöhle oder im Falle von Weichteilinfekten angelegt. Außerdem dient sie zur Vorbeugung einer Anastomoseninsuffizienz. Die Ableitung des Sekrets erfolgt entweder in den Verband oder einen Stomabeutel. Die Kapillardrainage kann so lange im Körper verbleiben, bis das Sekret vollständig abgeflossen ist.

Als Shirley-Drainage wird ein sogenannter Schlürfer bezeichnet. Diese Dränage kommt in erster Linie in der abdominalen Region bei Abszessen zum Einsatz. Dort leitet sie das Sekret unter Sogeinwirkung ab. Ein Ansaugen wird mithilfe eines Ventils verhindert. Bei einer T-Drainage handelt es sich um eine Dränage im Gallengang, deren Gummirohr wie der Buchstabe T aussieht. Abgeleitet wird das Sekret über die Bauchdecke in einen speziellen Auffangbeutel. Die T-Drainage dient zur zeitweiligen Ableitung der Gallenflüssigkeit im Falle einer Abflussbehinderung, die durch eine Schleimhautschwellung im Anschluss an eine Operation hervorgerufen wird. Ähnlich wie die T-Drainage funktioniert die Pankreas-Drainage, die an der Bauchspeicheldrüse zur Anwendung kommt. Bei einer schwellungsbedingten Behinderung des Abflusses leitet sie das aggressive Sekret der Drüse ab.

Eine weitere Art der Dränage ist die Thorax-Drainage. Mithilfe eines Hautschnittes bringt der Chirurg sie in den Pleuraspalt ein. Sie lässt sich mit einem Dauersog oder einem simplen Wasserschloss betreiben.

Für die unterschiedlichen Drainagearten kommen auch verschiedene Materialien zur Anwendung. Deren Einsatz richtet sich nach dem jeweiligen Verwendungszweck. Zum Material gehören Silikon, das sich für Langzeitdrainagen eignet und gut gewebeverträglich ist, und Polyvinylchlorid (PVC), das fast nur für Saug-Drains Verwendung findet. Weitere Materialien sind silikonisierter Latex, Latex und Naturgummi. Während sich silikonisierter Latex gut für eine Langzeitdrainage eignet, werden Latex und Naturgummi für Kurzzeitdrainagen benutzt.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Beim Einlegen einer äußeren Dränage sind Komplikationen selten, ganz auszuschließen sind sie jedoch nicht. Das Verfahren dient in erster Linie zur Entlastung des Patienten. In seltenen Fällen kann es allerdings zu einer Arrosionsblutung kommen. Eine solche Schädigung tritt auf, wenn das benachbarte Weichteilgewebe durch das starre Schlauchende in Mitleidenschaft gezogen wird, was durch eine längere Liegedauer möglich ist. Als besonders gefährlich gilt eine Verletzung der Blutgefäße. Diese kann zu einer lebensbedrohlichen Blutung führen.

Ein weiteres Risiko beim Einlegen einer Drainage stellt die Infektionsgefahr dar. So bilden die Drainagen- und Kathetersysteme einen Eingang für Keime verschiedener Art. Der Eintritt der Krankheitserreger erfolgt über den Schlauch, durch den sie in den Organismus des Patienten gelangen. Auch ein Aufsteigen der Keime an der äußeren Wand des Schlauches ist denkbar. Je länger die Dränage liegen muss, desto mehr steigt das Risiko einer Infektion. In den meisten Fällen zeigt sich eine aufsteigende Infektion nach ca. zwei Tagen. Allerdings findet das Entfernen der Drainage zumeist schon nach ein bis drei Tagen statt.

Bleibt eine Dränage für längere Zeit in der Wunde, kommt es zu einer zunehmenden Verwachsung der Schlauchenden innerhalb der Wunde. Dies führt beim Entfernen des Schlauches oftmals zu Schmerzen.

Geschichte & Entwicklung

Der Gedanke, angesammelte Flüssigkeit aus dem Körper nach außen abzuleiten, gehört zu den ältesten Vorstellungen der Chirurgie. Schon in den antiken Schriftensammlungen findet sich der Grundsatz, dass eine Eiteransammlung eröffnet und entleert werden muss, damit die Beschwerden zurückgehen. Als Ableitungshilfen dienten über Jahrhunderte hinweg Röhrchen aus Metall, Holz oder Glas sowie Streifen aus Leinen und später aus Gaze, die den Wundkanal offen halten und das Sekret über die Kapillarwirkung nach außen führen sollten.

Einen Einschnitt brachte im 19. Jahrhundert die Verfügbarkeit von Kautschuk. Der französische Chirurg Édouard Chassaignac führte weiche Gummiröhrchen als Wunddränage ein und beschrieb sie als eigenständiges Verfahren. Gegen Ende desselben Jahrhunderts entstand der nach dem amerikanischen Chirurgen Charles Penrose benannte Penrose-Drain, ein weicher Schlauch aus dünnem Gummi, der bis heute als Sinnbild der einfachen, allein von der Schwerkraft getragenen Ableitung gilt. Parallel dazu setzte sich mit der Antiseptik die Einsicht durch, dass eine Dränage nicht nur ein Abflussweg nach außen ist, sondern auch ein möglicher Eintrittsweg für Keime nach innen.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts beschrieb der französische Chirurg Henri Redon die nach ihm benannte Saugdränage, bei der ein Vakuum das Sekret aktiv abzieht und zugleich die Wundflächen aneinanderlegt. Damit war der Übergang vom offenen zum geschlossenen System vollzogen. Die weitere Entwicklung betraf vor allem die Werkstoffe: Silikon und silikonisierter Latex lösten dort, wo längere Liegezeiten nötig sind, die älteren Naturgummischläuche ab, weil sie das Gewebe weniger reizen.

Passive und aktive Ableitung

Unabhängig von der Bauform lassen sich Dränagen danach ordnen, welche Kraft das Sekret nach außen befördert. Bei der passiven Ableitung fließt die Flüssigkeit allein aufgrund des Höhenunterschieds ab oder wird von saugfähigem Material aufgenommen. Das Auffangsystem muss deshalb tiefer liegen als die Austrittsstelle, sonst kehrt sich die Flussrichtung um. Bei der aktiven Ableitung erzeugt ein Vakuum einen Sog. Er entleert die Wundhöhle zuverlässiger und hält sie so klein, dass sich weniger neue Flüssigkeit ansammelt.

Eine zweite Unterscheidung betrifft die Frage, ob das System zur Umgebung hin offen ist. Offene Systeme leiten das Sekret in einen Verband oder einen Beutel, der gewechselt wird; geschlossene Systeme führen es in ein dicht angeschlossenes Behältnis. Geschlossene Systeme gelten im Hinblick auf das Infektionsrisiko als günstiger, weil der Weg von außen nach innen an weniger Stellen unterbrochen ist. Welche Bauform gewählt wird, richtet sich nach dem Ort, der erwarteten Sekretmenge und ihrer Beschaffenheit: Zähflüssiger Eiter verlangt ein anderes System als dünnflüssiges Wundsekret.

Einlegen, Liegedauer und Entfernen

Eine chirurgische Dränage wird in aller Regel am Ende des Eingriffs eingelegt, also noch in Narkose. Der Schlauch wird meist nicht durch die eigentliche Operationswunde nach außen geführt, sondern durch eine eigene kleine Stichöffnung neben der Naht. So bleibt die Wunde selbst verschlossen und ihre Heilung wird nicht durch den Fremdkörper gestört. Am Austritt wird der Schlauch mit einer Hautnaht gesichert, damit er nicht verrutscht oder herausgezogen wird; daran schließt sich das Auffangsystem an.

Wie lange eine Dränage liegen bleibt, ist keine feste Größe, sondern eine ärztliche Entscheidung, die täglich neu getroffen wird. Maßgeblich sind die geförderte Menge und das Aussehen des Sekretes: Nimmt die Menge deutlich ab und klart die Flüssigkeit auf, ist der Zweck erfüllt. Grundsätzlich gilt in der heutigen Chirurgie der Grundsatz, eine Dränage so kurz wie möglich zu belassen, weil mit jedem weiteren Tag das Infektionsrisiko steigt und der Schlauch selbst das Gewebe reizt.

Das Entfernen ist ein kurzer Vorgang, für den in aller Regel keine Narkose nötig ist. Bei Saugdränagen wird der Sog zuvor aufgehoben. Viele Betroffene empfinden das Ziehen als kurz ziehend oder brennend, nicht aber als anhaltend schmerzhaft; auf Wunsch kann vorher ein Schmerzmittel gegeben werden. Bei Ableitungen aus tieferen Höhlen wird der Schlauch mitunter nicht auf einmal entfernt, sondern über mehrere Tage schrittweise zurückgezogen, damit sich der Kanal von innen nach außen verschließt. Die verbleibende kleine Öffnung wird abgedeckt und heilt gewöhnlich zu; zurück bleibt eine kleine Narbe neben der Operationsnarbe.

Beobachtung während der Liegezeit

Eine liegende Dränage wird nicht nur geduldet, sie wird beobachtet. Dokumentiert werden vor allem die Fördermenge je Zeitraum sowie Farbe, Trübung und Geruch des Sekretes. Diese Angaben sind ein Fenster in die Wundhöhle, das sich sonst nicht öffnen lässt: Eine plötzlich stark ansteigende, frisch blutige Förderung kann auf eine Nachblutung hinweisen, ein trüb werdendes, übelriechendes Sekret auf eine Infektion, ein galliges oder darminhaltähnliches Aussehen im Bauchraum auf ein Leck an einer Nahtverbindung. Auch das Gegenteil ist ein Befund: Fördert eine Dränage plötzlich nichts mehr, während der Bauch- oder Brustumfang zunimmt, die Schmerzen zunehmen oder Fieber auftritt, ist an eine Verstopfung oder ein Abknicken des Schlauches zu denken.

Die Austrittsstelle wird unter sterilen Bedingungen versorgt. Beim Umlagern und beim Aufstehen achtet das Pflegepersonal darauf, dass am Schlauch kein Zug entsteht und das Auffangsystem nicht über das Niveau der Austrittsstelle gehoben wird. Eine liegende Dränage schließt Bewegung nicht aus — im Gegenteil gehört frühes Aufstehen zu den Maßnahmen, die den Heilungsverlauf nach vielen Eingriffen günstig beeinflussen; die Systeme sind so gestaltet, dass sie dabei mitgeführt werden können.

In einzelnen Fällen wird ein Mensch mit noch liegender Dränage aus der stationären Behandlung entlassen, etwa nach bestimmten Eingriffen an der Brustdrüse. Dann übernehmen ambulante Kontrolltermine die Überwachung: Die Fördermenge wird weiter erfasst, die Austrittsstelle beurteilt, und der Zeitpunkt des Ziehens wird bei einem dieser Termine festgelegt. Wer eine solche Ableitung mit nach Hause bekommt, erhält zugleich eine Einweisung in den Umgang mit dem System und eine Auskunft darüber, bei welchen Veränderungen unverzüglich Kontakt aufzunehmen ist.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Der Wortbestandteil „Drainage“ taucht in der Medizin auch dort auf, wo kein Schlauch und keine Wunde im Spiel ist. Die manuelle Lymphdrainage ist eine physiotherapeutische Grifftechnik, die den Abfluss der Lymphe über die eigenen Gefäße anregen soll; sie eröffnet keinen künstlichen Weg nach außen und hat mit der hier beschriebenen chirurgischen Dränage nur den Wortstamm gemeinsam. Ebenso wenig zu verwechseln ist die Dränage mit einer einmaligen Punktion, bei der Flüssigkeit mit einer Nadel abgezogen wird, ohne dass ein Zugang liegen bleibt. Der Unterschied ist praktisch bedeutsam: Eine Punktion entleert einmalig, eine Dränage hält den Weg über einen Zeitraum offen und kann so verhindern, dass sich die Höhle erneut füllt.

Von der Dränage abzugrenzen sind schließlich Zugänge, die nicht der Ableitung, sondern der Zufuhr dienen, sowie Ableitungen von Körperflüssigkeiten, die auch beim Gesunden fließen — etwa der Harnableitung über einen Blasenkatheter. Auch wenn Schläuche und Beutel äußerlich ähnlich aussehen, unterscheiden sich Zweck, Überwachung und Liegedauer erheblich.

Zurückhaltung beim Einsatz

Lange Zeit galt das Einlegen einer Dränage nach größeren Eingriffen als selbstverständlich. Diese Selbstverständlichkeit ist in vielen Bereichen der Chirurgie einer zurückhaltenderen Haltung gewichen. Der Grund liegt in der doppelten Natur des Verfahrens: Der Schlauch leitet ab, ist aber zugleich ein Fremdkörper und ein Verbindungsweg zwischen Wundhöhle und Außenwelt. Eine Dränage ersetzt außerdem keine sorgfältige Blutstillung während der Operation — eine anhaltende Blutung wird durch einen Ableitungsschlauch sichtbar, aber nicht behoben.

Ob eine Dränage eingelegt wird, ist deshalb eine Abwägung im Einzelfall, in die die Art des Eingriffs, die Größe der entstandenen Wundhöhle, die erwartete Sekretmenge und die Vorerkrankungen eingehen. Für Betroffene bedeutet das: Das Fehlen einer Dränage nach einer Operation ist kein Zeichen für eine unvollständige Versorgung, ebenso wenig wie ihr Vorhandensein ein Zeichen für einen besonders schweren Verlauf ist.

Quellen

  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Schumpelick, V., Kasperk, R., Stumpf, M.: Operationsatlas Chirurgie.
    ISBN: 9783132438477
  • Protz, K., Timm, J. H.: Moderne Wundversorgung.
    ISBN: 9783437278877
  • Menche, N. (Hrsg.): Pflege heute.
    ISBN: 9783437267796
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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